II
Inhaltsverzeichnis
Seite
Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis VI
Anlagenverzeichnis VII
Abk ürzungsverzeichnis VIII
1 Einleitung 1
2 Informationsflut in der Mediengesellschaft 3
2.1 Der Informationsbegriff 4
2.2 Informationsflut in der heutigen Zeit 6
2.3 Quellen und Ursachen der Informationsflut 9
2.4 Konsequenzen der Informationsflut 12
3 Aufmerksamkeit - Eine knappe und begehrte Ressource 14
3.1 Begriffliche Abgrenzung 15
3.2 Entstehung einer neuen Ökonomie 16
3.2.1 Idee der Aufmerksamkeitsökonomie 18
3.2.2 Aufmerksamkeit als Währung 19
3.2.3 Das Streben nach immateriellem Einkommen 23
3.3 Bedeutung von Aufmerksamkeit im Medienzeitalter 25
3.4 Herausforderungen an die Aufmerksamkeitsgewinnung 29
3.4.1 Aspekte der Aufmerksamkeit 29
3.4.2 Erregung der Aufmerksamkeit 30
3.4.3 Der Kampf um die Aufmerksamkeit 32
4 Social Media - Begriffliche und Konzeptionelle Grundlagen 33
4.1 Begriffserklärung und Abgrenzung 34
4.2 Aktuelle Social Media Landschaft 36
4.3 Der Kampf um die Vorherrschaft im Social Web 41
4.4 Information Overload in und um Social Media 45
III
5 Werbung als Bestandteil der Kommunikationspolitik 48
5.1 Abgrenzung und Definition des Werbebegriffs 49
5.2 Bedingungen der Werbung in der Moderne 50
5.3 Ziele und Anforderungen an erfolgreiche Werbung 54
5.4 Werbemittel und Werbeträger 56
5.5 Klassifizierung der Werbeformen 57 5.6 Online-Werbung 59
6 Sportler als Werbeträger in Social Media 62
6.1 Testimonials und Testimonialwerbung 62
6.2 Kommunikationspolitische Möglichkeiten via 64
6.3 Sportler im Einsatz als Testimonial 72 6.4 Der Sportler als Marke 73
6.5 Zuverlässiger Werbepartner oder Risikoinvestment? 75
6.6 Auswahl des richtigen Sportlers 77
6.7 Sporttestimonials in Social Media 86
7 Schlussbetrachtung und Fazit 98
Anhang 101 Literaturverzeichnis
IV
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abb. 1: Wissenstreppe
Abb. 2: Tägliche Mediennutzungszeit in Minuten
Abb. 3: Technology Push und Market Pull im Zusammenspiel
Abb. 4: Prognose des Online-Werbevolumens
Abb. 5: Tauschmodell der Aufmerksamkeitsökonomie
Abb. 6: Veränderung von Media-Richness und Reichweite auf
elektronischen Märkten
Abb. 7: Social Media Landschaft 2011
Abb. 8: Social Media im Vergleich 2011
Abb. 9: Die 10 beliebtesten .US. Websites nach Minuten
Abb. 10: Social Graph Mapping
Abb. 11: Positive Rückkopplung
Abb. 12: Social Media Counter
Abb. 13: Weak Strong Ties
Abb. 14: Entwicklung der Onlinenutzung in Deutschland
Abb. 15: Kommunikationsziele
Abb. 16: Entwicklung des Bruttowerbekuchens
Abb. 17: Nutzungsfelder der persönlichen Kommunikation
Abb. 18: Online-Werbeformen
Abb. 19: Social Network Werbeumsätze 2009 - 2013
Abb. 20: Am häufigsten verwendete Social Media Tools
Abb. 21: 1:n und n:m Kommunikation im Vergleich
Abb. 22: Entwicklung von Prominentenwerbung nach Typen
Abb. 23: Berechnung des Marktwertes
Abb. 24: Anforderungen der Werbetreibenden an Testimonials
Abb. 25: Popularitäts-Check
Abb. 26: Hypothetisches Mapping einer Marke
Abb. 27: Positionierung Prominente vs. Marke
Abb. 28: Fittinganalyse Prominenter vs. Marke
Abb 29: Kampagnenempfehlung
V
Abb. 30: Adidas Viral-Kampagne Poldizei
Abb. 31: Adidas Werbeeinblendung
Abb. 32: Nike Viralspot mit Tiger Woods
Abb. 33: Nutella Deutschland auf Facebook
Abb. 34: Nutella Deutschland Videobereich
Abb. 35: Das Wunder von Köln und REWE auf Facebook
Abb. 36: Das Wunder von Köln
Abb. 37: Schweinsteiger als Testimonial für Funny-Frisch
Abb. 38: Werbung für Fanmeile
Abb 39: Funny-Frisch Fanmeile
VI
Tabellenverzeichnis
Seite
Tabelle 1: Direkte und indirekte Netzeffekte 12
Tabelle 2: Persönlichkeitseigenschaften und Produktaffinität 86
VII
Anlageverzeichnis
Seite
Anlage 1: Social Media Prisma 101
Anlage 2: Phasen des Kaufentscheidungsprozesses 102
Anlage 3: Werbung Damals und Heute 103
Anlage 4: Gesamtüberblick BEVA-Methode 104
Anlage 5: Übersicht Markenwert Fussballer 105 Anlage 6: IMAS Fragebogen 106
VIII
Abkürzungsverzeichnis
ADS Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom ADT Attention Deficit Trait API Application programming interface CRM Customer-Relationship-Management
IuK-Technologie Informations- und Kommunikationstechnologie HTML HyperText Markup Language HTTP Hypertext Transfer Protocol POS Point of Sale RSS Really Simple Syndication SEM Search Engine Marketing SEO Search Engine Optimization TCP/IP Transmission Control Protocol / Internet Protocol
1
1 Einleitung
Getrieben durch den rasanten Fortschritt der Informations- und Telekommunikationstechnologie ist die heutige Gesellschaft von einer Situation geprägt, in der Informationen ubiquitär erscheinen. Eine viel diskutierte Entwicklung, die im Diskurs der Informationsflut Behandlung findet. Die Fülle an Informationen, mit denen ein Mensch in der heutigen Zeit konfrontiert wird, übersteigt jedoch bei weitem die organisch begrenzte Aufmerksamkeit, die benötigt wird, um Informationen aufzunehmen. 1 Es entsteht daher eine Asymmetrie der Nachfrage und des Angebotes an Informationen. Der Aufmerksamkeit wird dementsprechend im modernen Wirtschafts- und Mediensystem eine tragende Rolle zugeschrieben. Durch die zunehmende Flut an Informationen in den Mittelpunkt geraten, kommt der Aufmerksamkeit im Kontext des Konzeptes der Ökonomie der Aufmerksamkeit der Status einer sowohl knappen als auch äußerst begehrten Ressource zu. Wie sich herausstellen wird, tragen auch moderne Social Media Plattformen wie Facebook, YouTube oder Twitter maßgeblich zum weiteren Anstieg des Informationspegels bei. Für Werbetreibende wird es innerhalb dieser In-formationsgesellschaft immer schwieriger, die Aufmerksamkeit der Rezipienten für ihre Werbebotschaft zu gewinnen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Großteil der Konsumenten ohnehin eine negative Grundeinstellung gegenüber etwaiger Werbekonfrontationen hegt. Besonders im Internet und im TV wird Werbung von vielen Nutzern als störend empfunden. 2 Um in der Informations-und Werbeflut nicht unterzugehen, erhoffen sich 73% der Marketing-verantwortlichen die Aufmerksamkeit der Konsumenten durch den Einsatz prominenter Werbeträger generieren zu können. 3 Jede fünfte Werbekampagne ist nach derzeitigem Stand mit einem prominenten Testimonial besetzt, welche hauptsächlich aus den Bereichen Entertainment, Musik und Sport rekrutiert werden. Prominente Testimonials wirken daher omnipräsent in der heutigen Werbelandschaft. Ein Einsatz von Sportlern als Testimonial, die über einen hohen Bekanntheitsgrad und gute Sympathiewerte innerhalb der Gesellschaft
1 Vgl. Franck, G., 2007, S. 49-50.
2 Vgl. MediaAnalyzer Software & Research GmbH (Hrsg.), 2011.
3 Vgl. TNS Sport (Hrsg.), 2005, S. 3
2
verfügen, ist daher sinnvoll. Zudem werden Attribute wie Erfolg, Leistung oder Dynamik mit ihnen assoziiert. Ein Image, welches bestenfalls auf das Produkt bzw. die Marke transferiert werden soll. Allerdings ist auch das Eintreten möglicher Risiken bei einem Einsatz des Sporttestimonials als Werbeträger nicht ausgeschlossen. 4
Der Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit soll daher sein, ob Sportler, in Anbetracht der Informationsflut, als Werbeträger in einem dynamischen Social Media Umfeld eingesetzt werden können, um die Aufmerksamkeit der Nutzer zu generieren.
Da es sich bei den Ausführungen um einen multidisziplinären Ansatz handelt, der sich über Teildisziplinen der Kommunikationswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Psychologie, Soziologie sowie Informationstechnik erstreckt, werden weitere Fragen aufgeworfen, die im Untersuchungsverlauf beantwortet werden sollen.
Es gilt, die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Themengebieten Informationsflut, Aufmerksamkeit, Werbung - insbesondere Testimonialwerbung in Verbindung mit Sportlern - und Social Media aufzudecken. Es soll untersucht werden, inwiefern die Informationsflut für die relative Verknappung von Aufmerksamkeit verantwortlich ist und welche Konsequenzen diese Verknappung für die Werbung hat. Weiterhin ist der Beitrag von Social Media Diensten an der Informationsflut zu ermitteln und zudem soll geklärt werden, wie diese als Werbemedium genutzt werden können.
Im zweiten Abschnitt wird zunächst die Informationsflut diskutiert. Hierzu wird der Informationsbegriff abgegrenzt, definiert und im Weiteren erörtert, wie sich die Informationsflut in der heutigen Zeit bemerkbar macht. Zusätzlich hierzu werden Quellen und Ursachen der Informationsflut sowie die daraus resultierenden Konsequenzen untersucht.
4 Vgl. Schierl, T./ Schaaf, D., 2007, S. 294.
3
Der dritte Abschnitt behandelt das Themengebiet der Aufmerksamkeit. Hier sind die theoretischen Grundlagen sowie die Hintergründe zur Entstehung der Aufmerksamkeitsökonomie zu untersuchen und es gilt, die Bedeutung von Aufmerksamkeit im Medienzeitalter sowie die Herausforderungen, die an die Gewinnung der Ressource geknüpft sind, auszumachen.
Konzeptionelle Grundlagen zum Thema Social Media sowie einen Überblick über die aktuelle Landschaft an Anwendungen und Plattformen folgen im vierten Abschnitt. Es soll geklärt werden, in welcher Weise Social Media zur Informationsflut beiträgt. Abgeschlossen wird dieser Punkt mit der Thematik des Wettbewerbs um die Vorherrschaft - und damit um die Aufmerksamkeit der User - im Social Web.
Im fünften Abschnitt liegt der Schwerpunkt auf der definitorischen Abgrenzung sowie auf der Darstellung der verschiedenen Formen der Werbung. Auch relevante Marketinginstrumente sollen hierbei nicht vernachlässigt werden.
Die Frage, ob Social Media als Werbemedium dient und in welcher Form Sporttestimonials ihren Platz darin finden können, wird in Abschnitt sechs diskutiert. Ein besonderes Augenmerk gilt hier der Auswahl des Testimonials unter Berücksichtigung bestimmter Anforderungen und Methoden. Abschließend wird anhand von best practice Beispielen aus der Praxis der gelungene Werbeeinsatz von Sportlern in Social Media Plattformen aufgezeigt.
2 Informationsflut in der Mediengesellschaft
Ein viel diskutiertes Thema ist die Informationsflut der heutigen Zeit. Getrieben vom Fortschritt der Informations- und Telekommunikationstechnologien und dem damit verbundenen Medienkonsum steigt die Anzahl der zur Verfügung stehenden Informationen exponentiell. Bereits 1987 betrug die Informations-
4
überlastung in Deutschland 98%. Demzufolge wurden nur knapp zwei Prozent der von den Medien dargebotenen Inhalte von den Rezipienten beachtet. 5
Nachfolgend soll ein Verständnis für den Informationsbegriff und dessen Bedeutung geschaffen werden. Es gilt zu betrachten, wie die Informationsflut das tägliche Leben beeinflusst und worauf sie zurückzuführen ist. Zudem soll erörtert werden, welche Konsequenzen sich aus der Informationsflut ergeben.
2.1 Der Informationsbegriff
Um der Bedeutung des Wortes Information auf den Grund zu gehen, soll vorab dessen Herkunft geklärt werden. Das Wort Information findet seinen Ursprung im lateinischen Verb ‚informare’ und entspricht bei einer wörtlichen Übersetzung dem Wort „einformen“. 6 Informationen können also genutzt werden, um nicht klar abgegrenzten Sachverhalten durch ihren immateriellen Gehalt Form zu verleihen und somit Unklarheiten zu verringern oder gar zu beseitigen. Umgangssprachlich wird die Information in der Literatur als eine Art Nachricht verstanden, mit deren Hilfe Botschaften von gegenwärtigem Interesse sowie aktueller Bedeutung übertragen werden. 7 Einen definitorischen Ansatz des Informationsbegriffes bietet die Nachrichtentheorie nach Shannon und Weaver. In diesem Ansatz werden Informationen als Mitteilungen oder als Signale verstanden, die in ihrer physikalischen Grundform von Menschen, Medien und anderen Quellen ausgesandt werden können. Hierbei wird die Informationsrate eines Zeichens ermittelt. Eine Nachricht von einem Sender zu einem Empfänger kann nun mit Hilfe von Informationsentropie als Maß zur Quantifizierung auf deren Informationsgehalt untersucht werden. 8 Die inhaltliche Bedeutung der übertragenen Information oder das Verhalten des Empfängers wird bei dieser Methodik jedoch außer Acht gelassen.
5 Vgl. Kroeber-Riel, W./Esch, F-R., 2011, S. 20.
6 Vgl. Gaus, W., 2005, S. 29.
7 Vgl. Peterhans, M., 1996, S. 27.
8 Vgl. Weaver, W., 1949 zitiert nach Shannon, C., 1976, S. 22.
5
Im Gegensatz hierzu steht das betriebswirtschaftliche Informationsverständnis, in dem Information oftmals als „zweckorientiertes Wissen“ 9 bezeichnet wird, wonach die Information bzw. das zweckorientierte Wissen als Grundlage menschlichen Handelns vorausgesetzt werden kann. 10 Aus dieser Überlegung resultiert die Anerkennung von Information als Produktionsfaktor sowie als Ressource. Wird die Information, wie oben erwähnt, dem menschlichen Handeln vorausgesetzt, gilt sie als Bestandteil des betrieblichen Leistungserstellungsprozesses. 11 Die Darstellung von Information als eigenständige Ressource findet also durchaus ihre Daseinsberechtigung. Fraglich ist diese bei der Gültigkeit der Eigenschaften dieser Ressource, die als Bedingungen daran geknüpft sind. So schreibt Bode, dass es sich bei Informationen um Wirtschaftsgüter handelt, wenn sie zweckgeeignet, übertragbar und verfügbar sind sowie auf eine Marktnachfrage treffen. Zudem wird die Ressource Information mit der Eigenschaft „knapp“ deklariert. 12 Über viele Jahre hat sich diese Ansicht etabliert und man war der Überzeugung, dass mehr Informationen folglich auch zu besseren Entscheidungen führen. Doch vielmehr ist es so, dass in der heutigen Zeit vermehrt über die Masse an zur Verfügung stehender Informationen geklagt wird. 13 Auf diese Entwicklung soll in den folgenden Punkten dieser Arbeit näher eingegangen werden. Die vorangegangenen Definitionsansätze des Informationsbegriffes entsprechen nur einem kleinen Anteil derer, die in der Literatur zu finden sind. Abschließend festzuhalten ist, dass es keine allgemeingültige Definition von Information geben kann. In den vielen einzelnen Disziplinen, in denen die Verwendung von Informationen eine zentrale Rolle einnimmt, werden jeweils andere Aspekte und Ansichten vertreten, die eine einheitliche Definition nicht gestatten. Für die vorliegende Arbeit wird allerdings das betriebswirtschaftliche Informationsverständnis als relevante Grundlage verwendet.
9 Wittmann, W., 1959, S. 14.
10 Vgl. Peterhans, M. 1996, S. 27.
11 Vgl. Peterhans, M. 1996, S. 28.
12 Vgl. Bode, J. 1997, S. 449.
13 Vgl. Krcmar, H., 2010, S. 56.
6
2.2 Informationsflut in der heutigen Zeit
In den letzten Jahren erfuhren Wirtschaft, Politik und Gesellschaft durch die zunehmende technische Digitalisierung tief greifende Änderungen in alltäglichen Lebensbereichen. 14 Informations- und Kommunikationstechnologien bilden heute das Versorgungsnetz einer Informationsgesellschaft, in der man jederzeit erreichbar sein kann und Informationen ubiquitär erscheinen. Doch mit der Akzeptanz und Nutzung vieler dieser Technologien steigen auch zunehmend die Abhängigkeit und die zu bewältigende Informations- und Datenmenge. Im Zuge dessen wird häufig von einer Informationsflut gesprochen. Um ein Verständnis für diesen Ausdruck zu bekommen, ist es zunächst notwendig, die Begriffe ‚Daten’, ‚Information’ und im Folgenden ‚Wissen’ zu differenzieren. Information wird, wie im vorangegangenen Punkt erläutert, im betriebswirtschaftlichen Ansatz als zweckorientiertes Wissen verstanden, welches die Grundlage des menschlichen Handelns bildet, wohingegen Daten dem Verständnis der Semiotik nach nur als potentielle Information gelten. Somit darf eine höhere Datenmenge nicht gleichzeitig als Informationsgewinn angesehen werden. Die Informationsflut bringt für den Rezipienten also gleich zwei Schwierigkeiten mit sich: Zum einen muss er das steigende Angebot der bereitgestellten Daten bewerten und beurteilen, ob diese für ihn als Information in Frage kommen. Zum anderen wächst auch die Zahl der Informationen, aus denen er individuell handlungsrelevantes Wissen rausfiltern muss. 15 Wissen wird dem Verständnis nach als Prozess der zweckdienlichen Vernetzung von Informationen sowie als Resultat eines Bearbeitungsvorgangs von Informationen innerhalb des Bewusstseins gesehen. 16 Die Wissenstreppe nach North veranschaulicht die einzelnen Stufen des Verarbeitungsprozesses von Zeichen über Informationen bis hin zur Wettbewerbsfähigkeit. (Vgl. Abb. 1)
14 Vgl. Frieling, J., 2010 S. 13.
15 Vgl. Clement, R./ Schreiber, D., 2010, S. 127.
16 Vgl. North, K., 2011, S. 37.
7
Abbildung 1: Wissenstreppe
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an North, K., 2010 S. 36.
Es kommt also zu einem subjektiven Bewältigungsprozess der medial erzeugten Informations- und Datenflut, der als zentrale Kompetenz zur Positionierung innerhalb der Gesellschaft angesehen werden kann. 17 Einer aktuellen Studie im Auftrag des Hightech Verbandes BITKOM zur Folge, fällt dieser Bewältigungsprozess vielen Bundesbürgern schwer. So fühlen sich 61% der Befragten häufig bis manchmal von Informationen überflutet. Interessant hierbei ist, dass sich eine deutliche Abweichung zwischen den älteren und den jüngeren Befragten gebildet hat: Während sich 31% der ab 65-jährigen häufig überfordert fühlen, sind es bei den 14 bis 29-jährigen nur 14%. 18 Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen das Konzept der Digital Natives, welches Marc Prensky in seinem Essay „Digital Natives, Digital Immigrants“ formulierte. Demzufolge führt die Medienwelt, in der Jugendliche in dieser Zeit aufwachsen, zu einer Erweiterung ihrer kognitiven Fähigkeiten, was ihnen erlaubt, digitale Informationen schneller zu verarbeiten. Dadurch sollen die sogenannten Digital Natives befähigt sein, mehrere Dinge gleichzeitig und nicht sequentiell zu verarbeiten. Viele Bereiche ihres Lebens seien in der digitalen Welt zuhause und die Grenzen zwischen On- und Offline-Welten sind nicht so stark ausgeprägt, wie das bei den Digital Immigrants der Fall ist. Für Digital Immigrants, die nicht in dieser Medienumgebung aufgewachsen sind, soll es
17 Vgl. Bleicher, J./Hickethier, K., 2002, S. 1.
18 Vgl. BITKOM (Hrsg.), 2011, S. 7.
8
demgemäß schwerer sein, sich an die digitale Medienwelt zu gewöhnen und sich in der Masse der Daten und Informationen zurechtzufinden. 19 Folgt man diesem Konzept, ist die oben angesprochene Kompetenz für die ältere Generation schwieriger zu erwerben.
Nun stellt sich die Frage nach dem viel beschriebenen Medienumfeld in der heutigen Zeit. Welche Medien werden von den Menschen genutzt und in wie fern beeinflussen diese das Gefühl der Informationsüberlastung? Nachstehende Abbildung zeigt das Ergebnis einer Studie von TOMORROW FOCUS Media, welche Auskunft über den täglichen durchschnittlichen Medienkonsum gibt. Bei den Untersuchungen wurde die Mediennutzung von Montag bis Freitag sowie die Nutzung am Wochenende getrennt voneinander betrachtet. (Vgl. Abb. 2)
Abbildung 2: Tägliche Mediennutzungszeit in Minuten
Quelle: Eigen Darstellung in Anlehnung an TOMORROW Focus MEDIA, S. 5.
Die Ergebnisse zeigen, dass die klassischen Printmedien am seltensten genutzt werden und auch von internetfähigen Mobiltelefonen und Tablet PC’s überholt worden sind. Zudem wird deutlich, dass die Mediennutzungsdauer am Wochenende insgesamt höher ist und das Internet in dieser Zeit am häufigsten
19 Vgl. Frieling, J., 2010 S. 31f..
9
konsumiert wird. 20 Wie stark beispielsweise die Internetnutzungsdauer zugenommen hat, zeigt ein Blick auf eine Studie aus dem Jahr 2005. Lag die Minutenzahl der Nutzung des Internets damals noch bei 59 Minuten pro Tag, hat sich diese Zahl bis heute mehr als verdreifacht. Als entscheidendes Medium für die Informationsüberflutung sehen die überforderten Mediennutzer jedoch erstrangig das Fernsehen (71%). Im Internet, welches an zweiter Stelle genannt wurde (43%), gelinge es ihnen, gelegentlich abzuschalten. 21 Festzuhalten bleibt, dass der mediale Tag immer digitaler wird, die zu verarbeitenden Daten und Informationen mit der Nutzungsdauer und -zahl der Medien steigen und die Informationsflut somit verstärkt wird.
2.3 Quellen und Ursachen der Informationsflut
Doch wo liegen die Quellen und Gründe dieser Informationsflut? Franck führt die Entstehung dieser Flut auf zwei Hauptquellen zurück. Die erste Hauptquelle seien die technischen Hilfsmittel zur Verarbeitung von Information, die sich stetig weiterentwickeln, wodurch auch der Wirkungsgrad bei der Erarbeitung von Information gesteigert wird. Informationen werden mittlerweile schneller produziert als sie verarbeitet werden können. Als historische Treiber dieser Entwicklung werden vor allem die Einführung der Schrift, die Anfänge der Mathematik und die Erfindung des Buchdrucks genannt. Heute sind es besonders die Informations- und Telekommunikationstechnologien, die als technische Hilfsmittel zur Ver- und Erarbeitung von Informationen herangezogen werden. Aber auch PR- und Medienunternehmen haben ihren Anteil an der Informationsflut. Sie versorgen die breite Masse mit den neuesten Informationen und verantworten die mediale Durchdringung. Als zweiten Hauptgrund der Informationsflut nennt Franck den Wunsch nach fremder Aufmerksamkeit, der mit dem Aussenden von Reizen einhergeht. Die Städtebildung dient als Beispiel der zweiten Quelle der Informationsflut. Durch die Bildung der Städte entstand eine Lebensform, in der sich die Menschen miteinander beschäftigten und nach der Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen
20 Vgl. TOMORROW FOCUS Media (Hrsg.), 2011, S. 4.
21 Vgl. BITKOM (Hrsg.), 2011, S. 9.
10
strebten. Projiziert man diese Verstädterung auf die Situation in der heutigen Zeit, lassen sich Parallelen zur globalen Vernetzung durch das Internet ziehen. Durch den Wegfall von räumlichen und zeitlichen Grenzen werden regional begrenzte Märkte zu Weltmärkten, in denen der Kampf um die Aufmerksamkeit stärker denn je auftritt, womit auch die Informationsflut enorm verstärkt wird. Zudem werden auch durch Bildung und Forschung immer wieder Spezialisierungen und Differenzierungen von Wissensgebieten vorgenommen, was eine Erweiterung des Informationsangebotes mit sich zieht. Aus den Ausführungen Francks wird ersichtlich, dass beide Quellen durch den Fortschritt der Technologieentwicklung verstärkt werden. Die Globalisierung des Informationsangebotes hat in den letzten Jahren durch die weltweiten Vernetzungsprozesse seinen Engpass in der Informationsverarbeitung über-wunden, was eine drastische Erhöhung des Informationsangebotes zur Folge hat. 22
Die rasante Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien und der damit einhergehende gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel, ist zum einen dem Technology Push und zum anderen dem Market Pull geschuldet, welche gemeinsam auf die Märkte wirken. Der Technology Push zeichnet sich durch die Aspekte der steigenden Rechnerleistung, der zunehmenden Bandbreiten, der Miniaturisierung, der Digitalisierung sowie der globalisierten Vernetzung aus. 23 Diese fünf Faktoren stehen jeweils im Kontext zu internetökonomischen Gesetzen. Laut Moore’s Gesetz verdoppelt sich die Chipleistung bei Halbierung der Preise alle 18 Monate. Huntley’s Gesetz beschreibt den hohen Anteil an Fixkosten bei Investitionen in Telekommunikationsanlagen. Nach Gilder’s Gesetz verdreifacht sich die Bandbreite im 18-Monats-Takt. Der exponentiell zur Teilnehmerzahl steigende Wert eines Kommunikationssystems ist auf das Gesetz von Metcalfe zurückzuführen. Resultierend aus diesen vier Gesetzen, bescheinigt Arthur’s Gesetz IuK-Technologien im Zuge von steigenden Grenzerträgen eine dominante Marktstellung. Verstärkend auf diese Faktoren wirkt der Market-Pull. (Vgl. Abb. 3)
22 Vgl. Franck, G., 2007, S. 49-66.
23 Vgl. Clement, R./Schreiber, D., 2010, S. 2.
11
Abbildung 3: Technology Push und Market Pull im Zusammenspiel
Quelle: Clement, R./Schreiber, D., 2010, S. 4.
Bedingt durch geringere Eintrittsbarrieren wie eine hohe Verfügbarkeit von mobilen Endgeräten, sinkende Kosten oder auch die benutzerfreundliche Bedienung ist die Marktnachfrage und somit auch die Nutzung stark gestiegen. 24 Steigt die Anzahl der Nutzer in einem Netzwerk, lassen sich hierdurch Netzeffekte generieren, wodurch auch der Nutzen für andere potentielle Nutzer zunimmt. Kommt es zu einem Erreichen der kritischen Masse 25 , steigt die Nutzerzahl exponentiell. Netzeffekte bzw. Netzwerkexternalitäten können in positiver wie in negativer Form auftreten und beschreiben die Auswirkungen der Teilnahme einer Person an einem Netzwerk auf andere Nutzer. Zusätzlich wird zwischen direkten und indirekten Netzeffekten unterschieden. 26 (Vgl. Tabelle 1)
24 Vgl. Clement, R./Schreiber, D., 2010, S. 1-4.
25 Die Kritische Masse beschreibt ein bestimmtes Volumen an Nutzern, welches einem hohen Marktanteil entspricht. Ab welchem exakten Marktanteil die kritische Masse erreicht ist, ist nicht genau belegt. Schätzungsweise liegt die Zahl bei 15 bis 20% des Marktvolumens. (Vgl. Clement, R./Schreiber, D., 2010, S. 197).
26 Vgl. Zerdick, A., et al., 2001, S. 157-158.
12
Tabelle 1: Direkte und indirekte Netzeffekte
Quelle Clement, R./Schreiber, D., 2010 S. 171.
2.4 Konsequenzen der Informationsflut
Die Folgen der beschriebenen Informationsflut sind vielfältig. Das enorm gewachsene Angebot von Kommunikationsmitteln vergrößert die Anzahl der durch die Anwender abzufragenden Informationskanäle und Inhalte, was wiederum zusätzlichen Aufwand und Zeit in Anspruch nimmt. Zudem muss in diesem Fall die Relevanz der Mitteilungen über die verschiedenen Kanäle hinweg beurteilt werden. Positiv ist zunächst zu betrachten, dass aktuelle Daten und Informationen in großen Mengen vorhanden sind und diese zeitnah abgerufen werden können. Auf der Suche nach der richtigen Information treten durch die Fülle des Informationsangebotes jedoch Selektionsprobleme auf, die Analyseunsicherheiten mit sich ziehen und in einer geringeren Entscheidungsqualität münden. Außerdem erschweren redundante Daten den Suchprozess nach geeigneten Informationen und vergrößern die Menge derer zusätzlich. Des Weiteren resultiert aus der Informationsflut durch die Streuung von falschen Informationen oder Halbwahrheiten ein Mangel an Informations-
13
qualität. 27 Ein Sachverhalt, der sich wiederum in einer geringeren Qualität der Ergebnisse von Suchmaschinen ausdrückt.
Weiterhin wird durch die Steigerung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Prozesse die Halbwertzeit spezifischer Kenntnis- und Wissensstände verkürzt. Die Haltbarkeit und Aktualität von Wissen und Informationen schrumpfen diesbezüglich auf ein Minimum - ein Problem, welches auch die Unsicherheit von Unternehmen bezüglich Unternehmens- und Produktplanung schürt. 28
Auch weitreichende Veränderungen des menschlichen Verhaltens können die Konsequenz der Informationsflut sein. Ein Beispiel hierfür sind Menschen, die an einem krankhaften Aufschiebeverhalten und Aufmerksamkeitsstörungen leiden. Die intensive Mediennutzung geht mit extrem vielen Störungen und Ablenkungsmöglichkeiten von produktiven Tätigkeiten einher. Diese Störungen wirken sich negativ auf die Konzentration aus und verursachen so eine kürzere Aufmerksamkeitsspanne sowie eine geringere Frustrationsgrenze. Erscheinungen, die auch in der Arbeitswelt zu beobachten sind. Immer mehr Arbeitnehmer fühlen sich durch die ständig wechselnde Quelle, der sie ihre Aufmerksamkeit widmen müssen, überfordert und es kommt zu einem Abfall der Arbeitsleistung des Menschen. 29 Der Amerikanische Psychologe Edward Hallowell gab diesem Phänomen den Namen Attention Deficit Trait (ADT). Der Name wurde bewusst in Anlehnung an die Aufmerksamkeitsdefizitstörung ADS gewählt, da ähnliche Symptome bei den Patienten zu beobachten sind. ADT ist jedoch nicht wie ADS eine psychische Störung oder genetisch bedingt, sondern liegt im digitalen Umfeld der Betroffenen begründet. ADT-Patienten versuchen, in einem unmöglichen Prozess die großen Informationsmengen zu verarbeiten und stoßen so an ihre Grenzen. 30 Auch die bereits oben erwähnte Prokrastination 31 wird durch die Informationsflut bekräftigt. So ist es nicht nur die Konzentration, die hierdurch in Mitleidenschaft gezogen wird, sondern wird man auch dazu
27 Vgl. Schucan, C., 2003, S. 3-4.
28 Vgl. Franck, G., 2007, S. 67.
29 Vgl. Rothfischer, K., 2009.
30 Vgl. Hallowell, E., 2005 S. 1.
31 Prokrastination oder Aufschiebeverhalten beschreibt die Unfähigkeit, Arbeiten zu einem vorgegebenen Termin fertig stellen zu können. (Vgl. Bensberg, G./Messer, J., 2010, S. 237).
14
verleitet, Arbeitsvorgänge abzubrechen. Kleinere Arbeitspausen werden nicht mehr zur Entspannung genutzt sondern vielmehr zum Gebrauch der Kommunikationskanäle. Die Arbeitspausen werden dadurch in die Länge gezogen und der ursprüngliche Arbeitsvorgang wird erst später oder nicht wieder aufgenommen. 32
Wie sich herausstellt, gehen mit der Informationsflut einige Risiken einher, die es gilt im Auge zu behalten. Wichtig ist, dass sich die Akteure eine gewisse Medienkompetenz aneignen, um der Flut Herr zu werden und somit nicht im Meer an Informationen zu ertrinken.
3 Aufmerksamkeit - Eine knappe und begehrte Ressource
Anfang der 1990er Jahre trat der Begriff der Aufmerksamkeitsökonomie erstmals in den öffentlichen Diskurs. Wobei die Forderung aufkam, dass die erhaltene Aufmerksamkeit innerhalb der Mediengesellschaft über das Einkommen an Geld zu stellen sei. Durch diese Überlegung sollte der Aufmerksamkeit eine zentrale Kategorie innerhalb der Gesellschaft zukommen. 33
Die Aufmerksamkeit ist eine Ressource, welche - getrieben durch die steigende Informationsproduktion - einer relativen Verknappung unterliegt. Aufgrund dieser Verknappung wird es immer schwieriger, die Aufmerksamkeit der Rezipienten gewinnen zu können. Für Franck stellt sich die Aufmerksamkeitsökonomie im Informationszeitalter dementsprechend als neue Ökonomie heraus. Franck geht in seinem Buch „Ökonomie der Aufmerksamkeit“ noch weiter und spricht von einer Ablösung des monetären Kapitalismus durch einen Aufmerksamkeitskapitalismus. 34
Eine der schwierigsten Aufgaben der Medienanbieter ist daher nicht die Bereitstellung von Informationen, sondern die Aufmerksamkeitsgewinnung der
32 Vgl. Rothfischer, K., 2009.
33 Vgl Bleicher, J./Hickethier, K., 2002 S. 5
34 Vgl. Franck, G., 2007
15
Mediennutzer. Im Internet gibt es beispielsweise eine Vielzahl an Angeboten, von denen vor allem die immateriellen Leistungen über entsprechende Werbeeinnahmen finanziert werden. Daher wird der Aufmerksamkeit der User eine zentrale Bedeutung zur Finanzierung des Mediensystems beigemessen. Der Mediennutzer gewinnt damit zunehmend an Einfluss, auch weil er sich mit der Zeit über den Wert seiner Aufmerksamkeit bewusst werden wird.
In den nachfolgenden Abschnitten folgt zunächst eine definitorische Abgrenzung des Aufmerksamkeitsbegriffes. Anschließend sollen die theoretischen Grundlagen der Aufmerksamkeitsökonomie untersucht werden, um die Beimessung eines Wertes für Aufmerksamkeit zu hinterfragen. Von einigen Autoren wird hierzu ein kontroverser Diskurs geführt, der sich mit der Thematik beschäftigt, ob Aufmerksamkeit Geld als Währung ablösen kann. Diesen und weitere Aspekte der Aufmerksamkeitsökonomie gilt es zu beleuchten. Weiterhin soll aufgezeigt werden, welche Bedeutung die Aufmerksamkeit im Informations- und Medienzeitalter hat und welche Schwierigkeiten mit der Gewinnung der Ressource Aufmerksamkeit verbunden sind.
3.1 Begriffliche Abgrenzung
Wie für den Informationsbegriff, existieren auch für den der Aufmerksamkeit vielerlei Definitionsansätze. Um den Bezug zu dem Diskurs zu wahren, soll an dieser Stelle auf die Definitionsansätze von zwei Wissenschaftlern eingegangen werden, die sich ausgiebig mit der Thematik der Aufmerksamkeitsökonomie beschäftigen. Zum einen Georg Franck, der die Aufmerksamkeit in der Verbindung der beiden englischen Worte „Attention“ und Awareness“ erklärt sieht. Demnach spricht Franck von Aufmerksamkeit, wenn die Verwendungsbedingungen für „attention“ - das zielgerichtete, fokussierende, heraushebende Achtgeben auf einen Gegenstand - sowie die für „awareness“ - den Zustand der wachen Achtsamkeit - gleichermaßen gegeben sind. In diesem Falle hat ein Gegenstand nur die Aufmerksamkeit eines Menschen, wenn dieser
16
gleichzeitig „attention“ und „awareness“ zeigt. 35 Rötzer hingegen ist der Ansicht, dass Aufmerksamkeit lediglich als Prozess selektiver Informationsaufnahme und -verarbeitung angesehen werden kann. Somit distanziert er sich vom obigen Definitionsansatz, in dem er auch Dingen ohne Bewusstsein Aufmerksamkeit zuspricht. 36 Auch Experimente bekräftigen die Hypothese, dass Aufmerksamkeit und Bewusstsein entkoppelt betrachtet werden müssen. Bereits aus früheren Untersuchungen war bekannt, dass visuelles Bewusstsein ohne Aufmerksamkeit möglich ist und umgekehrt. In einem neuen Experiment stellte sich zudem heraus, dass Aufmerksamkeit und Bewusstsein Nervenzellenaktivität getrennt voneinander anregen können. 37
3.2 Entstehung einer neuen Ökonomie
Betrachtet man die Ökonomie als eine Lehre knapper Ressourcenallokation mit dem Ziel einer wirtschaftlichen Güterproduktion und -distribution und folgt man dem Gedanken, dass wir uns von einer Güterökonomie hin zu einer Informationsökonomie entwickeln, müsste man folgerichtig daraus schließen, dass es in dieser neuen Ökonomie die Ressource Information ist, mit deren Knappheit sich die Allokation der Informationsökonomie beschäftigt. Stattdessen „ertrinken“ wir nahezu an der Informationsflut, die auf uns zukommt. Konsequenterweise erlangt die Aufmerksamkeit durch den Wandel hin zu einer Gesellschaft, die anhand eines dynamischen Wachstums von Daten, Informationen und Wissen gekennzeichnet ist, einen immer höheren Stellenwert und wird zu einer zunehmend knapperen Ressource. 38 Durch die bereits erwähnte organische Begrenztheit der Aufmerksamkeit, können unmöglich alle Informationen vom Rezipienten aufgenommen werden. Welche Informationen aufgenommen werden, hängt zum einen von situativen Faktoren (materielle, symbolische oder soziale Determinanten) und zum anderen von den
35 Vgl. Franck, G., 2007, S. 28-30.
36 Vgl. Rötzer, F., 1998, S. 63.
37 Vgl. Max-Planck-Gesellschaft (Hrsg.), 2011, S. 1-2.
38 Vgl. Simon, H. A., 1971, S. 37ff.
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Persönlichkeits- und Präferenzstrukturen ab. 39 Es lässt sich erkennen, dass neues Wissen auf Basis von Information nur dann generiert werden kann, wenn diese Information auf Aufmerksamkeit trifft. Ein Unterschied zur Güterökonomie liegt darin, dass Information in dem Sinne nichts Festes oder Fassbares ist, was man einfach senden kann. Es kann vielmehr als ein Neuigkeitswert verstanden werden, den der Empfänger aus einer Information ziehen kann. Somit ist für die Aufmerksamkeit des Empfängers und auch für die Nachfrage der Information entscheidend, dass der Rezipient einen Nutzen aus der Information ziehen kann. Der Nutzen dieser Nachfrage ergibt sich aus der Kosten-Nutzen-Differenz der Handlungsalternative. Bei dieser Überlegung kommt nun eine zweite knappe Ressource - die Zeit - hinzu. Auch die Zeit ist, wie die Aufmerksamkeit, nur in einem begrenzten Ausmaß verfügbar. Mit der Zunahme an Informationen die auf uns zukommen, verstärkt sich auch die relative Knappheit der Ressource Zeit. Die Kosten der Kosten-Nutzen-Differenz werden durch die folgenden Faktoren bestimmt: Zunächst muss abgewogen werden, ob es lohnenswert ist, sich der Suche nach bzw. der Beschäftigung mit Informationen zu widmen. Weiterhin muss der Konsument bei Suche und Aufnahme von Informationen zwischen den einzelnen Informations- und Kommunikationsangeboten entscheiden. 40 Der Informationsflut und deren Folgen geschuldet, sollten die Informationen in diesem Sinne für den Konsumenten so kostengünstig wie möglich gehalten werden. Gemäß des „informationsökonomischen Modells der Zeitallokation in Kommunikationssituationen“ von Becker fragen Konsumenten die Informationen nach, deren Grenznutzen 41 pro Zeiteinheit größer ist, als der Grenznutzen alternativer Beschäftigungen in der Restzeit. 42 Der Grenznutzen der Information spielt damit im Hinblick auf den Zeitaspekt einen entscheidenden Part im Entscheidungsprozess, welche Information die Aufmerksamkeit letztendlich erhält.
In den nachfolgenden Punkten soll der Fokus auf dem knappen Gut der Aufmerksamkeit liegen. Mit dem Eingeständnis der Knappheit dieser Ressource
39 Vgl. Zerdick, A., et al., 2001, S. 38.
40 Vgl. Zerdick, A., et al., 2001, S. 37-41.
41 Der Grenznutzen beschreibt den Nutzen, der durch den Konsum einer zusätzlichen Einheit eines Gutes erwächst. (Vgl. Natrop, J., 2006, S. 31).
42 Vgl. Zerdick, A., et al., 2001, S. 41.
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kommen neue Herausforderungen auf uns zu. Diese und die entstandene Ökonomie der Aufmerksamkeit sowie deren Hintergründe sollen folgend näher betrachtet werden.
3.2.1 Idee der Aufmerksamkeitsökonomie
Die vorherrschende Knappheit einer bestimmten Ressource könnte als nötige Antriebskraft für organisierte Aktivitäten gelten, die gegebenenfalls eine Ökonomie kennzeichnen. Die zunehmende relative Verknappung von Aufmerksamkeit kann dementsprechend für die Entstehung der Aufmerksamkeitsökonomie verantwortlich gemacht werden. Eine Ökonomie, die sich entschieden unterschiedlich zu früheren Ökonomien präsentiert. So funktioniert die Ökonomie der Aufmerksamkeit ohne jegliche Form von Geld sowie ohne einen Markt oder etwas Vergleichbarem. 43 Unterstrichen wird diese Annahme von der Tatsache, dass Konsumenten insbesondere im Internet nicht bereit sind, für entsprechende Informationsangebote zu zahlen, da genügend unentgeltliche Alternativen für sie zur Verfügung stehen. Aus diesem Grunde entsteht bei den Nutzern der neuen Medien eine so genannte Free Lunch Mentalität. 44 Zudem könnte es auch nicht zu einem Marktgleichgewicht 45 kommen, da das Informationsangebot die Nachfrage deutlich übersteigt. Gerade dem Internet als Raum, in dem die stärksten Bewegungen dieser Ökonomie stattfinden, wird eine große Macht zugesprochen. Durch unzählige Hyperlinks wird die Aufmerksamkeit im Internet ständig weitergeleitet und es entsteht ein selbständiges System, welches von einem weltweiten Aufmerksamkeitsfluss durchlaufen wird. Die Loslösung von der alten Ökonomie wird im Bezug auf das World Wide Web auch daran festgemacht, dass die Grundlage der neuen Ökonomie nicht mehr die Herstellung und Distribution materieller Güter ist, sondern die der digitalen Information. Das starke Wachstum des Internets und der digitalen Information wird allerdings nur als Aspekt des Überganges zur
43 Vgl. Goldhaber, M., 1997.
44 Vgl. Clement, R./Schreiber, D., 2010, S. 125.
45 Es herrscht ein Marktgleichgewicht, wenn die Menge des Angebotes, der Menge der Nachfrage entspricht. (Vgl. Natrop, J., 2006, S.189).
Arbeit zitieren:
Timo Grommes, 2011, Der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit – Sportler als Werbeträger in Social Media, München, GRIN Verlag GmbH
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