Inhaltsangabe
1. Einleitung/ These 3
2. Aktuelle Situation und Trends 4
3. Diskussion 7
4. Fazit 9
5. Literaturangabe 11
2
1. Einleitung/ These
Wir leben in einer alternden Gesellschaft; demographische Alterung ist kein Fremdwort mehr, die Hochrechnungen zur Altersstruktur bis 2050 sind in aller Munde. Industrialisierung, medizinischer Fortschritt, die nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität für den Großteil der deutschen Bevölkerung und die ständige Reduzierung der Geburtenrate bleiben nicht folgenlos. In der Zukunft erwartet uns eine von Hochaltrigkeit geprägte Gesellschaft. Ein bedeutender Anteil alter Menschen wird am Lebensende hilfe- und pflegebedürftig sein 1 , die meisten infolge einer Demenz 2 .
Vor diesem Hintergrund hat das Thema Demenz in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Aktuellen Schätzungen zufolge sind in Deutschland momentan ca. 1 Mio. Menschen mit ständig steigender Tendenz demenzerkrankt 3 ; von den Bewohnern stationärer Pflegeeinrichtungen sind nahezu 50% betroffen 1 . Gesundheits- und Pflegewissenschaftler sind sich einig, dass die Arbeit mit demenzerkrankten Menschen „eine der anspruchsvollsten Aufgaben [ist], die diese Gesellschaft zu vergeben hat“ 4 . Der gesellschaftspolitisch bedeutende Handlungsbedarf zum Thema Demenz lässt sich durch die Vielfalt an Forschungsvorhaben und Modellprojekten abbilden, welche durch die Bundesregierung gefördert werden 5 . Ebenso wird das Thema Demenz in der Presse aufgegriffen und hier als ungelöste gesellschaftspolitische Herausforderung aufbereitet 6 . Selbst in der Belletristik wird es aufgerollt. Hier sei beispielhaft die Publikation Small World von Martin Suter benannt, die erstmals 1997 auf dem deutschen Markt erschien und 2010 in internationaler Starbesetzung verfilmt wurde. Martin Suter führt mit dem Satz „Als Konrad Lang [Mitte Sechzig] zurückkam, stand alles in Flammen, außer dem Holz im Kamin“ 7 , ein und setzt so die demenzerkrankte Hauptfigur in den Mittelpunkt einer herausragenden und, in der Beschreibung des Handelns und Erlebens Demenzkranker, realitätsorientierten Erzählung.
In der pflege- und gesundheitswissenschaftlichen Diskussion gehört Demenz mittlerweile zum „guten Ton“. In Fachzeitschriften, bei Fort- und Weiterbildungen und auf Kongressen werden
1 „(…) [Es ist] festzustellen, dass die Wahrscheinlichkeit für Gesundheitsprobleme - wie etwa Multimorbidität,
Pflegebedürftigkeit und Demenz jenseits des 80. bis 85. Lebensjahrs deutlich ansteigt.“ Tesch-Römer, C./ Wurm,
S. 2008, S. 10
2 „Die Zahl der Menschen, die an einer Demenz erkranken, nimmt zu. Bis zum Jahr 2030 wird ein Anstieg der
Patientenzahl um rund 60% erwartet.“ (Hennig et al. 2006, S. 13)
3 BMFSFJ (Hrsg.) 2006, S. 4
4 vgl. Müller-Hergl, Ch. 2001, S. 83
5 vgl. BMFSFJ 2006, S. 151
6 vgl. exemplarisch Günther Jauch, Sendung vom 20.11.2011 „Schicksal Alzheimer“
7 ebd., S. 5
3
Demenzerkrankte als besondere Gruppe pflegebedürftiger Klientel thematisiert. Der spezifische Handlungsbedarf und die individuellen Bedürfnisse Demenzerkrankter, verbunden mit der Schwierigkeit im Leben und im Sterben die Wünsche des Einzelnen zu erkennen und adäquat auf diese einzugehen, werden betont. In der beruflichen Praxis wird die Arbeit mit Demenzkranken als besonders herausfordernd empfunden. Sie erfordert ein hohes Maß an Empathie und Einfühlungsvermögen und verlangt den Akteuren ab, in die Welt eines Fremden einzutauchen, der zunehmend weniger in der Lage ist, sich klar zu äußern.
Vor diesem Problemhintergrund hat sich folgerichtig eine eigene Dynamik um die Versorgungssituation Demenzerkrankter vollzogen. Unvermeidlich findet in der Diskussion um Demente eine Spezialisierung auf die letzte Lebensphase statt. Der Tod ist bekanntermaßen das absolute Ende eines jeden Lebens und fester Bestandteil der Altenarbeit. Die ständige Verkürzung der Liegezeiten und der gleichzeitige Anstieg Demenzerkrankter in stationären Langzeitpflegeeinrichtungen machen eine differenzierte Betrachtung dieser Prozesse notwendig. Gleichzeitig birgt eine solche Fokussierung die Gefahr, dass die Diskussion um institutionalisiertes Sterben an allen Nicht-Dementen vorbeigleitet. Wird die Zukunft dergestalt aussehen, dass sich zukünftig Heerscharen professionell Pflegender rührend um sterbende Dementen kümmern, während im Nachbarzimmer ein geistig rüstiger 100-Jähriger einsam verstirbt, weil niemand mehr weiß, wie man einen Sterbenden begleiten soll, der noch ganze Sätze spricht und nicht schon beim Rausgehen vergessen hat, wer gerade da war?
Die hier vorliegende Arbeit greift die Frage auf, ob die Prominenz der Demenz zu einer Be-vorzugung der Demenzerkrankten (gegenüber allen alten und hochaltrigen Nicht-Demenzerkrankten) in der aktuellen Diskussion um Sterbende in stationären Pflegeeinrichtungen führt.
In der hier vorliegenden Arbeit erlaube ich mir methodisch, meine Argumentation ebenso stark an meiner beruflichen Bildung und meinen beruflichen Kontext wie an den aktuellen ge-sundheits- und pflegewissenschaftlichen Diskussionen zu orientieren.
2. Aktuelle Situation und Trends
Eine der derzeit im deutschsprachigen Raum bekannteste Bemühung um eine Verbesserung der Situation hochbetagter Sterbender in Pflegeeinrichtungen geht auf die Experten der Universität Klagenfurt, Abteilung Palliative Care und Organisationsethik zurück. Diese widmen sich seit Jahren „In Forschung, Beratung, Lehre und Studienprogrammen (…) vor allem der
4
Arbeit zitieren:
Franziska Misch, 2012, Werden Demenzerkrankte in der Diskussion um Sterbende in der stationären Altenhilfe bevorzugt?, München, GRIN Verlag GmbH
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