Bachelorarbeit, David Ezin und Daniel Wehmeyer
Akademie Mens en
Maatschappij
Jugendkulturarbeit in der
Sozialpsychiatrie
,,Im Karussell der Identitätsangebote"
Ezin, David und Wehmeyer, Daniel
Lohmann, Herman
Saxion Hogeschool Enschede
Lingen, 06/ 2010
Bachelorarbeit, David Ezin und Daniel Wehmeyer
Akademie Mens en
Maatschappij
Inhalt
1. EINFÜHRUNG... .................................................................................................... 1
1.1. Anlass
der
Bachelorarbeit ... 1
1.2. Aufbau
der
Arbeit ... 2
1.3. Problembeschreibung
zur Untersuchung ... 2
1.4. Forschungsfragen ... 6
1.4.1.
Operationalisierung der Begrifflichkeiten ... 7
1.5. Ziele
der
Forschung ... 9
1.6. Zusammenfassung ...10
2. HINTERGRÜNDE ...11
2.1. Sozialpsychiatrische
Hilfen
in der Stadt Lingen ...11
2.1.1.
Strukturelle Organe ...11
2.1.2.
Hilfesysteme ...12
3. THEORETISCHE GRUNDLAGEN ...14
3.1. Identität ...14
3.2. Entwicklungsaufgaben
im Jugendalter ...14
3.3. Funktionen
der
Jugendkultur ...15
3.3.1.
Jugendkultur und Entwicklungsaufgaben im Zusammenhang ...16
3.3.2.
Abgrenzung ...17
3.3.3.
Ausdruck ...17
3.3.4.
Lebenswelten ...18
3.3.5. Intelligenz
und
Kreativität ...19
3.4.
Psychische Störungen in der Adoleszenz ...20
3.4.1.
Lernbehinderung ...20
3.4.2.
Störungen mit unkontrolliertem Verhalten ...20
3.4.3.
Störungen mit überkontrolliertem Verhalten. ...21
3.4.4.
Essstörung ...21
3.4.5.
Neue Störungen ...22
3.5. Zusammenfassung ...23
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4. FORSCHUNGSMETHODIK ...24
4.1. Forschungsstrategie und Design ...24
4.2. Forschungsverfahren ...25
4.2.1.
Erhebungsverfahren ...25
4.2.2.
Aufbereitungs- und Auswertungsverfahren ...26
4.3. Beschreibung
der
Stichprobe ...27
4.4. Zusammenfassung ...29
5. ERGEBNISSE DER AUSWERTUNG ...30
5.1. Auswertung
der
Interviewprotokolle ...30
5.2. Beantwortung
der
Forschungsfragen ...33
5.3. Zusammenfassung ...36
6. SCHLUSSFOLGERUNGEN...37
6.1. Empfehlungen
...37
6.3. Gütekriterien
qualitativer Forschung ...39
6.3.1.
Validität ...39
6.3.2.
Objektivität ...40
6.3.3.
Repräsentativität ...40
6.4.
Reflexion der Untersuchung ...40
7. FAZIT...42
LITERATURVERZEICHNIS ...44
8. ANLAGEN... .........................................................................................................47
A. Interviewleitfaden
...47
B. Protokolle
der
Interviews ...49
1
Bachelorarbeit, David Ezin und Daniel Wehmeyer
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1. EINFÜHRUNG
Innerhalb unserer Untersuchung ,,Jugendkulturarbeit in der Sozialpsychiatrie Im Karussell
der Identitätsangebote" werden wir Zusammenhänge zwischen dem Anstieg psychischer
Erkrankungen junger Menschen und der sich in unserer Gesellschaft schwierig gestaltenden
Erfüllung von Entwicklungsaufgaben als Ausgangspunkt nehmen.
Dieses Kapitel erfüllt die Funktion, zunächst den Anlass, die Struktur sowie die
Problembeschreibung der Bachelorarbeit zu beschreiben.
1.1.
Anlass
der
Bachelorarbeit
Im Rahmen dieser Bachelor Arbeit beschäftigen wir uns mit Jugendkulturangeboten als
mögliche Antwort auf Identitätsfragen für psychisch erkrankte junge Menschen. Der genaue
Altersabschnitt stellt hier die späte Adoleszenzphase dar.
Unsere Untersuchung ist in der Stadt Lingen durchgeführt worden. Hier ist ein breites
Angebot an Sozialpsychiatrischen Hilfen angesiedelt.
Die Stadt Lingen umfasst 51.625 Einwohner, davon sind 25.506 männlich und 26.119
weiblich. Lingen liegt im Landkreis Emsland. Der Landkreis Emsland stellt auch die
strukturellen Organe wie den Sozialpsychiatrischen Dienst. Wobei hervorzuheben ist, dass
die Stadt ein eigenständiges Jugendamt hat. Die restlichen Städte im Emsland werden über
den Fachbereich Jugend des Landkreises Emsland gesteuert. In unserer Erhebung haben
wir 7 relevante Hilfeeinrichtungen befragt.
Der Anlass unserer Forschungsarbeit war die Praxiserfahrung innerhalb der
sozialpsychiatrisch ausgerichteten Einrichtungen. Weiterhin haben wir im Verlauf des
Studiums ein Projekt initiiert, welches sich vornehmlich mit den verschiedenen
Jugendkulturen beschäftigt (http://www.passtheword.de). Zielgruppe dieses Projektes sind
psychisch Erkrankte junge Menschen und wir konnten im Verlauf eines Jahres bereits erste
Erfahrungen innerhalb des Projektes sammeln.
Weitere Anlässe der Untersuchung waren der Anstieg psychischer Störungen bei
Jugendlichen und die damit verbundene Frage nach adäquaten Hilfeleistungen.
Wir haben in unserer täglichen Arbeit den Eindruck gewonnen, dass Angebote mit
jugendkulturellem Hintergrund im Raum Lingen bei den lokalen Hilfesystemen kaum
angeboten werden. Ähnlich gestaltete es sich bei den strukturellen Organen, wie dem
sozialpsychiatrischen Dienst. Durch erste Recherchen konnten wir unsere Annahmen
verfestigen. Innerhalb dieser Untersuchung werden wir nun die Gegebenheiten erschließen,
die dazu beitragen, dass in der Stadt Lingen keine organisierte Jugendkulturarbeit für
psychisch erkrankte junge Menschen vorhanden ist. Weiterhin werden wir im Verlauf der
2
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Ausarbeitung den Stellenwert der Jugendkultur schildern. Konkret ergibt sich folgende
Hauptfrage:
,,Welche Gegebenheiten tragen dazu bei, dass es in der Stadt Lingen, des Landkreis
Emsland, keine organisierte Jugendkulturarbeit für psychisch erkrankte Menschen in
der späten Adoleszenzphase gibt?"
1.2. Aufbau
der
Arbeit
Unsere Forschungsarbeit ist nach der technischen Anleitung ,,Wie schreibe ich eine Seminar-
und Bachelorarbeit" der Saxion Hogeschool angelegt. Gegliedert ist die Arbeit in Kapitel,
Paragraphen und Subparagraphen.
Innerhalb dieses Kapitels ,,EINFÜHRUNG" wird im Zentralen auf den Anlass der
Untersuchung eingegangen. Dementsprechend wird im folgenden Paragraphen
,,Problembeschreibung und Anlass der Forschung" der Ausgangspunkt für die Forschung
beschrieben.
Das Kapitel ,,HINTERGRÜNDE" wird die Strukturen der sozialpsychiatrischen Hilfen in der
Stadt Lingen aufführen und mit einer kurzen Beschreibung versehen, um dem Leser einen
Überblick zu verschaffen und um bei der Auswertung des gesammelten Materials auf
konzeptuelle spezifische Eigenschaften der einzelnen Hilfesysteme Bezug nehmen zu
können.
Im Kapitel ,,THEORETISCHE GRUNDLAGEN" ist die relevante Literatur mit Bezug auf das
Forschungsthema verarbeitet. Zudem werden hier Zusammenhänge erschlossen.
Die ,,FORSCHUNGSMETHODIK" legt das genaue Vorgehen aus forschungstechnischer
Sicht dar. Unter anderem ist hier unser ,,Forschungsmix" begründet umschrieben.
Das Kapitel ,,ERGEBNISSE DER AUSWERTUNG" gibt die Analyseergebnisse aus dem
gesammelten Material wieder. Hier werden wir anhand der neuen Erkenntnisse
Empfehlungen für weitere Vorgehensweisen aussprechen, bevor wir in der
,,SCHLUSSFOLGERUNG" unser persönliches Fazit aufführen.
Weitere Inhalte können dem Inhaltsverzeichnis entnommen werden.
1.3. Problembeschreibung
zur Untersuchung
,,Hab alles verloren und weiß nicht wohin in den kommenden Jahren. Ob
Zweifel ob Zorn, es macht keinen Sinn, die Freunde, die keine waren. Und draußen,
da wehen die Fähnchen im Wind, doch andere werden sie hissen. Ich sitze im Zug
mit Mutter und Kind, alleine mit meinem Gewissen."
(Blumfeld Ghettowelt, 1991)
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Diese einleitenden Verse aus einem Text der Band Blumenfeld sollen zunächst ein Gefühl
für die von uns gewählte Zielgruppe in Hinsicht auf unser Forschungsvorhaben vermitteln.
Eine starke Tendenz in unserer Gesellschaft ist die Zunahme der psychischen Erkrankungen
im Allgemeinen. Innerhalb unserer Forschungsarbeit setzen wir uns speziell mit psychisch
Erkrankten jungen Erwachsenen auseinander. Besonders diese Gruppe der Jugendlichen,
welche an der Schwelle zum Erwachsensein stehen verzeichnen einen starken Anstieg
psychischer Erkrankungen.
Wie bereits in der Einleitung angeführt, gibt es zahlreiche Quellen, die diese Entwicklung
beschreiben.
Eine US Studie aus dem Jahr 2010 zeigt eine fünfmal höhere Anzahl psychischer
Erkrankungen bei jungen Menschen als in den dreißiger Jahren auf (Twenge, J. 2010). Als
ein Grund wird der Wandel der gesellschaftlichen Werte gesehen. Wohlstand, geprägte
Schönheitsideale und Statussymbole würden eine größere Rolle spielen als noch vor 70
Jahren.
In der öffentlichen Diskussion um psychische Erkrankungen als einer der häufigsten
Diagnosen bei Arbeitsunfähigkeit in NRW konnte nach einer Auswertung des BKK
Landesverbandes NRW festgestellt werden, dass die Zahl der Arbeitsausfälle aufgrund von
psychischen Erkrankungen sich in den letzten 20 Jahren vervierfacht hat (George, W. 2010).
Als eine der möglichen Begründungen werden hier die neuen wissenschaftlichen,
medizinischen Erkenntnisse aufgeführt, welche wiederum zur besseren Diagnostizierbarkeit
führten.
Malte Mienert (2008) nimmt in seinem Buch ,,Total Diffus" gesellschaftliche Entwicklungen
und Prozesse, wie den ständigen Wandel von Bedingungen in unserer Gesellschaft auf. Hier
wird näher Bezug auf die Jugendjahre genommen. Die Entwicklungsdiffusion ist als ein
natürlicher Prozess, ein Zwischenstatus in der Entwicklung Heranwachsender zu
beschreiben. Besonders in der Adoleszenzphase setzen Jugendliche sich mit ihrer Identität
auseinander und geraten in eine Explorationsphase, welche alle Lebensbereiche durchzieht.
Durch gesellschaftliche Entwicklungen wie oben beschrieben, kann es jedoch zu einer
Überforderung kommen, wenn zu viele Identitätsalternativen gegeben sind und gleichzeitig
der Druck vorliegt, sich für eine dieser Möglichkeiten festzulegen.
,,Die Pluralität von Lebensentwürfen heute erschwert die Identitätssuche, anstatt sie zu
erleichtern, und führt zur Diffusität." (Mienert, M. 2008, S.101)
Innerhalb unserer Bachelorarbeit möchten wir besonderes Augenmerk auf diesen Ansatz
legen. Flammer (1993) stellt die Behauptung auf, dass die Erfüllung der jeweiligen
Entwicklungsaufgaben als Eintrittskarte für das Erwachsenenalter gilt.
Mienert (2008) zweifelt an dieser Behauptung und zeigt über folgende Metapher auf, wie
schwierig sich die Identitätsausbildung als eine der Entwicklungsaufgaben in unserer
Gesellschaft darstellt:
,,Zwar ist die Vorstellung da stünde jemand an der Tür eines großen Lichtspieltheaters und
würde uns einfach durchwinken, sehr verlockend. Aber bei den Jugendlichen fangen die
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Schwierigkeiten bereits im Kinofoyer an: Es läuft nicht nur ein Film sondern zwanzig. Sie
müssen sich aber für einen auf den Plakaten an der großen Wand entscheiden" (Mienert
2008, S. 46).
Die Metapher bezieht sich zum einen auf das überproportionale Angebot an
Identitätsangeboten und beschreibt gleichzeitig den Druck, dem Jugendliche in dieser Phase
ausgesetzt sind. Der zukunftsorientierte Blick von Eltern und das unerreichbare Idealbild vom
Schüler aus der Sicht des Lehrers nehmen hier beispielsweise direkten Einfluss auf den
Druck dem die jungen Menschen ausgesetzt sind.
"Klinisch gesehen manifestiert sich die Identitätsdiffusion in geringer Integration des
Selbstkonzepts und des Konzepts von bedeutsamen anderen Menschen. Sie reflektiert sich
in der subjektiven Erfahrung chronischer Leere, in widersprüchlichen Selbstwahrnehmungen,
in widersprüchlichem Verhalten, das nicht in emotional bedeutungsvoller Weise integriert
werden kann, und in oberflächlichen, flachen, beschränkten Wahrnehmungen von anderen"
(Kernberg, 1988, S. 27).
Resch (1999) beschreibt in seinem Lehrbuch zur Entwicklungspsychopathologie die an
Erikson (1965) angelehnten Risikofaktoren in der Entwicklung. Innerhalb der Altersspanne
12 18 Jahre gilt als Ergebnis der Entwicklungsaufgaben ,,Ich weiß wer ich bin" = Identität.
Im Gegensatz dazu gilt als Extremposition verfehlter Entwicklungsergebnisse
,,Identitätsverlust" = Ich verliere mein Selbst.
Dieser Zustand des Verlustes eines tragenden Identitätsgefühls ist das Wesen der
Identitätsdiffusion.
Diffusion von diffundere ,,ausgießen, verstreuen, ausbreiten" bedeutet nach Erdmann, M.
(2010), dass das Identitätsgefühl zerfließt und ein Zustand der Orientierungslosigkeit
entsteht.
Die Gefahren der Identitätsdiffusion umfassen den Verlust der Gesellschaftlichen
Einbindung, die Schwierigkeit der biografischen Kontinuität, die Unfähigkeit, dauerhafte
Beziehungen mit Mitmenschen einzugehen, das Fehlen von individueller gesellschaftlicher
Verantwortungsübernahnme, die Förderung risikoreicher Verhaltensweisen und psychischer
Probleme (Mienert, 2008).
Bezogen auf die Förderung psychischer Probleme gibt Erdmann (2010) an, dass
Identitätsstörungen bis zur völligen Aufgabe der eigenen Identität
Führen können. Ersatzweise entleihen die Betroffenen sich Identitäten durch unkritische
Identifizierung mit Leitbildern und Idolen. Auch die Erschaffung gefaceter Identitäten, vor
allem im Internet, stellt oft einen Ersatz für eine nie erreichte persönliche Identität dar.
Eine Identitätsdiffusion kann somit Auslöser psychischer Beeinträchtigungen sein. Eine
bereits diagnostizierte psychische Störung kann wiederum dazu führen, dass
Entwicklungsaufgaben nicht erfüllt und somit eine Identitätsdiffusion einhergeht. Auf die
möglichen psychischen Störungen in der Adoleszenzphase wird innerhalb des Kapitels 3.
Näher eingegangen.
Für die weitere Darstellung des Problems möchten wir diese Erkenntnisse auf die
Funktionen der Jugendkultur projizieren.
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Reinhold, G. Lamnek, S., Recker, H. (1992) bezeichnen unter Jugendkultur das von
Erwachsenen abweichende Verhalten von Jugendlichen, die sich zu einer bestimmten Kultur
ausformt. Jugendliche entwickeln eigene Werte, Rituale, Kulturmuster und Lebensstile, die
oft in despektierlicher und selbstbewusster Abgrenzung von der mittleren und älteren
Generation ausgeprägt und gelebt werden. Jugendliche entwickeln im historischen
Prozessverlauf von Generation zu Generation neue Stile und Muster. Demzufolge
unterscheiden sich Jugendliche in unterschiedlichen Gesellschaften ganz beträchtlich. Aber
auch in einer bestimmten Gesellschaft bilden sich in Abhängigkeit von sozialer Schicht,
Bildung und Interessenlage unterschiedlicher Jugendliche, die sich teilweise wie
unterschiedliche Stämme entweder feindselig oder gleichgültig gegenüberstehen.
Nach Mönks, F. und Knoers, A. (1996) offenbart sich die Jugendkultur in der Gestaltung von
eigenen Idealen und Vorsätzen, in einer Welt, in der man besser sein kann als die
Erwachsenen.
Die Jugendkultur stellt ein Medium dar, in der eigene Lebensentwürfe gestaltet werden
können. Weiterhin kann innerhalb der Jugendkulturen sanktionsfrei Verhalten ausprobiert
werden. So finden Jugendliche in ihren Szenen /Peergroups der jeweiligen Kultur aber auch
emotionalen Rückhalt und Anerkennung. Unserer Ansicht nach können Jugendkulturen
einen unterstützenden Rahmen bei der Identitätsfindung aber auch beim Ablösungsprozess
von den Eltern bieten. Weitere Angaben zu den Funktionen der Jugendkultur mit Bezug auf
die Identitätsfindung finden sich innerhalb des Paragraphen 3.3.
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1.4. Forschungsfragen
Die Erfahrungen aus der Praxis und die theoretischen Hintergründe aus der
Literaturrecherche brachten uns zu der in der Einleitung bereits vorgestellten
Forschungsfrage mit den entsprechenden Unterfragen.
Hauptfrage:
,,Welche Gegebenheiten tragen dazu bei, dass es in der Stadt Lingen, des Landkreis
Emsland, keine organisierte Jugendkulturarbeit für psychisch erkrankte Menschen in
der späten Adoleszenzphase gibt?"
Teilfragen:
¾ Besteht bei den Hilfesystemen und den strukturellen Organen ein Bewusstsein für
die Problematik?
¾ Wie gehen die jungen psychisch erkrankten Erwachsenen mit dem Angebotsdefizit
um? (Was sind die Folgen aus diesem Defizit?)
¾ Welche Angebote wünschen die psychisch erkrankten jungen Erwachsenen? (Wie
müssen diese strukturiert und organisiert sein, damit sie angenommen werden?)
¾ Was muss/kann/sollte aus Sicht der Hilfesysteme getan werden, um jugendkulturelle
Angebote im Bereich der Sozialpsychiatrie zu installieren?
7
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1.4.1.
Operationalisierung der Begrifflichkeiten
Schlüsselbegriff
Var. Art.
Definition
Gegebenheiten
Wird erhoben
Gegebenheiten bedeutet augenblicklicher Zustand.
Verwandte Synonyme sind, Tatsache, Realität,
Wirklichkeit, Umstand, Fakt. (Wortschatz Lexikon, o.J.)
Lingen
Gehört zum
Wissensbestand
Die Stadt Lingen (Ems) liegt im Süd Westlichem
Emsland. Es ist die größte Stadt im Landkreis Emsland
mit 55.902 Einwohnern in 18 Ortsteilen
Landkreis Emsland
Gehört zum
Wissensbestand
Der Landkreis Emsland, am 1. August 1977 aus den
Kreisen Aschendorf-Hümmling, Meppen und Lingen
gebildet, erstreckt sich über 2.880 km² von der
nordrhein-westfälischen Landesgrenze bei Rheine bis
zur Grenze Ostfrieslands bei Papenburg. Er ist damit
flächenmäßig der zweitgrößte Landkreis der
Bundesrepublik Deutschland, größer als das Bundesland
Saarland. Heute leben im Kreisgebiet über 313.000
Menschen (www.landkreis-emsland.de)
Jugendkulturarbeit
Gehört zum
Wissensbestand
Die Kultur kann in ihrem weitesten Sinne als die
Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen,
intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen
werden, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe
kennzeichnen. Dies schließt nicht nur Kunst und
Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die
Grundrechte des Menschen, Wertesysteme, Traditionen
und Glaubensrichtungen.(vergl: UNESCO, Definition von
Kultur)
organisiert
Gehört zum
Wissensbestand
etwas, an dem meist viele Personen beteiligt sind,
planen, vorbereiten und durchführen (eine Ausstellung,
ein Fest, einen Streik, eine Tagung, eine Veranstaltung,
den Widerstand organisieren. (Vgl.
http://de.thefreedictionary.com/organisiert )
psychisch erkrankte
Gehört zum
Wissensbestand
Wie es in den Wissenschaften oft der Fall ist (siehe
z.B. Intelligenz), existiert keine einheitliche Definition des
Begriffes psychische Störung, da sich psychische
Auffälligkeiten wie andere Störungsbilder auch durch
eine Vielzahl von Merkmalen auszeichnen und es daher
schwerfällt, die für die psychischen Störungen
charakteristischen Merkmale von vornherein
festzulegen. Im Diagnostischen und Statistischen
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Manual Psychischer Störungen DSM der American
Psychiatric Association (APA) wird beispielsweise
folgende Definition verwendet:
In DSM-IV wird jede psychische Störung als ein klinisch
bedeutsames Verhaltens- oder psychisches Syndrom
oder Muster aufgefasst, das bei einer Person auftritt und
das mit momentanem Leiden (z.B. einem schmerzhaften
Symptom) oder einer Beeinträchtigung (z.B.
Einschränkung in einem oder in mehreren wichtigen
Funktionsbereichen) oder mit einem stark erhöhten
Risiko einhergeht, zu sterben, Schmerz,
Beeinträchtigung oder einen tiefgreifenden Verlust an
Freiheit zu erleiden. Zusätzlich darf dieses Syndrom
oder Muster nicht nur eine verständliche und kulturell
sanktionierte Reaktion auf ein bestimmtes Ereignis sein,
wie z.B. den Tod eines geliebten Menschen.
Unabhängig von dem ursprünglichen Auslöser muss
gegenwärtig eine verhaltensmäßige, psychische oder
biologische Funktionsstörung bei der Person zu
beobachten sein. Weder normabweichendes Verhalten
(z.B. politischer, religiöser oder sexueller Art) noch
Konflikte des Einzelnen mit der Gesellschaft sind
psychische Störungen, solange die Abweichung oder der
Konflikt kein Symptom einer oben beschriebenen
Funktionsstörung bei der betroffenen Person darstellt
(APA American Psychiatric Association, 2003, S. 979).
Späte Adoleszenzphase
Gehört zum
Wissensbestand
Adoleszenz, Periode der Nachpubertät, in der sich die
personale Selbstverantwortung zu festigen beginnt.
Körperliche Reifungsmerkmale sind bereits vorhanden.
In psychischer Hinsicht werden die Erscheinungen der
Pubertät allmählich im Sinne einer
Persönlichkeitsfestigung abgebaut. Symptomatisch für
diese Phase der Entwicklung ist das Streben nach
Freiheit, verbunden mit zunehmendem
Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. Nach
herrschender Definition unterteilt sich Adoleszenz in die
frühe A.,10./11. 14. Lebensjahr, in die mittlere A., 14.
16./17. Lebensjahr, und in die späte A. 16./17. 21./22.
Lebensjahr. Der Zeitpunkt ist durch hormonelle
Änderungen, die durch genetische, geographische und
Ernährungsfaktoren beeinflusst werden, bedingt (vgl.
Mutz 1998)
Nachdem die Erklärung der relevanten Begriffe erfolgt ist, werden wir nun auf die Ziele unserer
Untersuchung eingehen.
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1.5. Ziele
der
Forschung
Ziel der Untersuchung ist es zunächst die gegebenen Forschungsfragen mit der von uns
gewählten Forschungsmethode zu beantworten. Weiterhin werden wir nach der Auswertung
des aufbereiteten Materials Empfehlungen für mögliche Handlungsweisen aussprechen. Wir
verfolgen mit dieser Forschung das Ziel, die Gegebenheiten, bezogen auf das geschilderte
Problem zu ergründen und möchten schon im Forschungsprozess charakteristisch für das
von uns gewählte Forschungsdesign (Handlungsforschung) sensibilisieren. Aus den
Erkenntnissen möchten wir Empfehlungen formen, die es den professionellen Hilfesystemen
ermöglichen Angebote zu schaffen.
Zu unserer anfänglichen These, dass es keine organisierte Jugendkulturarbeit für psychisch
erkrankte junge Menschen im Raum Emsland gibt, erfuhren wir durch gezielte Nachfrage
beim sozialpsychiatrischen Dienst, dem FB Jugend und dem zuständigen Jugendamt haben
wir Bestätigung. Diese erste Bestätigung unserer These und der Anstieg psychischer
Erkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen gestaltete unser Vorhaben
relevant und akzeptabel.
Spezifisch:
Messbar:
Akzeptabel:
Wir werden die strukturellen Organe und die sozial
psychiatrischen Hilfen der Stadt Lingen zu Jugendkulturellen
Angeboten, Maßnahmen zur Identitätsbildung befragen.
Zudem werden wir Literatur zu den einzelnen
forschungsrelevanten Punkten studieren.
Wir haben auf unserer anfänglichen These, dass es keine
organisierte Jugendkulturarbeit für psychisch erkrankte junge
Menschen im Raum Emsland gibt, durch gezielte Nachfrage
beim sozialpsychiatrischen Dienst, dem FB Jugend und dem
zuständigen Jugendamt Bestätigung Erfahren. Diese erste
Bestätigung unserer These und der Anstieg psychischer
Erkrankungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen
macht es relevant und akzeptabel.
Wir möchten herausfinden, welche Gegebenheiten dazu
beitragen, dass es in der Stadt Lingen des Landkreis Emsland
keine organisierte Jugendkulturarbeit für psychisch erkrankte
junge Menschen gibt. Hierzu werden wir die
entsprechenden Hilfssysteme befragen. Wir werden auch
Erfahrungen einholen ob überhaupt Angebote bestehen, und
wie die Schwerpunkte gesetzt sind. Zudem werden wir uns
explizit mit dem Gebiet der Kultur-, beziehungsweise der
Jugendkulturarbeit und den Auswirkungen und Perspektiven
auf die Entwicklung der Heranwachsenden in der späten
Adoleszenzphase beschäftigen.
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Realistisch:
Temporal gebunden:
1.6. Zusammenfassung
Unsere Untersuchung beschäftigt sich mit dem Anstieg psychischer Erkrankungen junger
adoleszenter Menschen und der Frage nach adäquaten Angeboten. Hier spielten
verschiedene Thesen, aus denen letztlich die Haupt- und Teilfragen gebildet wurden eine
Rolle. Da sich junge Menschen in der Adoleszenzphase wie bereits beschrieben in einer
Explorationsphase befinden und sich die Identitätsausbildung noch in einem prekären
Zustand befindet, liegt im Falle einer psychischen Beeinträchtigung eine Doppelbelastung
vor.
Der Anstieg psychischer Erkrankungen im Allgemeinen steht nach wie vor in der öffentlichen
Diskussion. ,,Volkskrankheit Depression" sei hier nur als Schlagwort aufgeführt. Unserer
Auffassung nach, werden viele Faktoren zu dieser Entwicklung beitragen. Nicht zuletzt, wie
schon in der Problembeschreibung dargelegt, die besseren Diagnosemöglichkeiten durch
den wissenschaftlichen Fortschritt.
Ob nun die diffuse Gesellschaft und das ,,Karussell der Identitätsangebote" die
Hauptauslöser für diese Entwicklung gerade bei adoleszenten Menschen sind, werden wir
innerhalb dieser Untersuchung nicht erheben. Jedoch können wir gestützt auf Literatur die
These aufstellen, dass ein adoleszenter Mensch mit psychischer Beeinträchtigung
umfassende Hilfe bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben benötigt.
Durch Literaturrecherche und einem guten Überblick über die
Strukturierung der Hilfesysteme (Stadt Lingen) lässt sich das
Ziel realisieren.
Dieses Ziel möchten wir bis Mitte Mai 2010 erreicht haben, um
die Auswertung und Analyse der Bachelorarbeit einzuleiten.
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