Globalisierung , und dessen Auswirkung auf die Asset Allocation der Bank
Management Summary 5
1. Einleitung 6
2. Globalisierung 6
2.1. Definition 6
2.2. Historischer Hintergrund 7
2.3. Dimensionen 14
2.4. Wirtschaftliche Globalisierung 15
2.5. Technologischer Fortschritt. 16
2.6. Kapital- und Warenverkehr 17
2.7. Komparative Kostenvorteile und internationale Arbeitsteilung 19
2.8. Kritik 19
3. Schwellenländer - Aufstrebende Wirtschaftsräume 21
3.1. Bedingungen für Wachstum. 21
3.2. Chancen und Risiken 22
3.3. Aufstieg der Schwellenländer 24
3.3.1. Brasilien 25
3.3.2. Russland 26
3.3.3. Indien 28
3.3.4. China 29
4. Auswirkungen der Globalisierung auf Investitionsmöglichkeiten
und Anlageklassen-Allokation 32
4.1. Globalisierung der Finanzmärkte 32
4.2. Chancen und Risiken bei Investitionen in Schwellenländer 33
4.2.1. Rendite- und Risikoeigenschaften 35
4.2.2. Währungsrisiko 37
4.2.3. Liquiditätsrisiko 38
4.2.4. Politisches Risiko 39
5. Möglichkeiten der Diversifikation 41
5.1. Moderne Portfolio-Theorie 41
5.2. Schwellenländer in Anlageklassen-Allokation 45
5.3. Möglichkeiten der Diversifikation 49
5.4. Länder- oder Branchenansatz? 52
6. Fazit 53
Literatur - und Quellenverzeichnis 54
Anhang 56
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Abkürzungsverzeichnis
BRIC Brasilien, Russland, Indien, China GATT General Agreement on Tariffs and Trade IAS Interanational Accounting Standards MSCI Morgan Stanley Capital International WTO World Tade Organization UNO United Nations Oranization, Organisation der Vereinten Nationen
Symbolverzeichnis
COV Kovarianz Kovarianz der Wertpapiere i und j COV ij µ p Portfoliorendite x i Gewichtung des Wertpapiers i x j Gewichtung des Wertpapiers j µ Mittelwert, erwartete Rendite Mittelwert des Wertpapiers i µ i σ Standardabweichung, Risiko σ 2 Portfoliovarianz
p
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Das Atlantische Dreieck ....................................................................................... 9 Abb. 2: Dimensionen der Globalisierung ......................................................................... 14 Abb. 3: Welteinkommenstrends im 20. Jahrhundert ........................................................ 15 Abb. 4: Entwicklung des grenzüberschreitenden Warenhandels .................................... 18 Abb. 5: Renditen Länderindizes 2000-2010 .................................................................... 35 Abb. 6: Renditeschwankungen von Länder-/Regionenindizes ........................................ 36 Abb. 7: Risiko eines Portfolios ......................................................................................... 43 Abb. 8: Effizientes Portfolio ............................................................................................. 44 Abb. 9: Portfoliozusammensetzung MSCI World - MSCI Emerging Markets ................. 46
Abb. 10: Kategorien Branchen ........................................................................................ 50 Abb. 11: Renditen Branchen ........................................................................................... 51
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Tabellenverzeichnis
Tab. 1.-3: Korrelationsmatrizen auf Basis wöchentlicher Berechnungen ........................ 47 Tab. 4: Korrelationen verschiedener Indizes gegenüber MSCI World ............................ 52 Anhangsverzeichnis
Anh. 1: Rendite-/Risikokombinationen Länder und Branchen vs. MSCI World .............. 56
Anh. 2: Marktkapitalisation Regionen ............................................................................. 56 Anh. 3: Korrelationen Europa vs. Regionenindizes ......................................................... 57 Anh. 4: Renditen ausgewählter Sektorenindizes relativ zum MSCI World ...................... 57
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Management Summary
Die zunehmende wirtschaftliche Verflechtung und die Intensivierung der globalen Beziehungen haben zu einer Integration der Volkswirtschaften geführt. Im Zuge der Globalisierung ist die Wirtschaftsleistung vieler Schwellenländer in den letzen Jahren deutlich angestiegen und für Investitionen interessant. Verantwortlich dafür war die Einleitung eines Liberalisierungsprozesses an den Kapitalmärkten. Der Autor untersucht die Auswirkungen der wirtschaftlichen Verflechtung und Integration der Finanzmärkte auf Investitionen in Schwellenländer sowie der Einfluss der zunehmenden Konvergenz auf die Anlageklassen-Allokation.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Globalisierung und die Auswirkungen auf die globalen Volkswirtschaften und Investitionen. Dabei werden die Bedingungen für wirtschaftliches Wachstum behandelt sowie über eine Reihe von Chancen und Möglichkeiten, aber auch Gefahren aufstrebender Volkswirtschaften untersucht. Die wachsende Bedeutung der Schwellenländer für Investitionen ist auf die umfassenden Reformen und die Reduktion von Anlagerestriktionen zurückzuführen. Darauf aufbauend wird auf die spezifischen Risiken von Schwellenländerinvestitionen und die Rendite-/Risikoeigenschaften eingegangen sowie die Renditeentwicklung der Weltmärkte und deren Verlauf analysiert. Dabei wird festgestellt, dass die Korrelationen gestiegen sind und zu einer Konvergenz der Märkte führen. Während sich durch die Liberalisierung der Aktienmärkte in Schwellenländer für Investoren die Möglichkeit bietet, umfangreiche
Diversifikationseffekte zu realisieren, verlieren solche Diversifikationsstrategien mit dem Integrationsprozess an Bedeutung. Die Untersuchung der Korrelationsstrukturen von Länderindizes ergibt, dass die Renditegleichläufe gestiegen sind und die Diversifikation mit dem Länderansatz im Modell der modernen Portfolio-Theorie an Einfluss verliert. Aufgrund länderspezifischen Ereignisse und unterschiedlicher sektoraler Strukturen der einzelnen Aktienmärkte bestehen jedoch zum Teil niedrige Korrelationen der Länderindizes. Die Analyse der verschiedenen Branchenindizes ergibt, dass Branchen im Vergleich zu Ländern unterschiedlichen Konjunkturzyklen unterworfen sind. Daher sollte eine rein auf Länderauswahl basierende Anlageklasse-Allokation mit einer strategischen Ausrichtung ergänzt werden, bei der das weltweite Aktienuniversum als einzige Aktienanlageklasse betrachtet wird. Mit dieser Strategie kann die volle Dynamik der Aktienmärkte flexibel berücksichtigt und das Rendite-/Risikoprofil ständig optimiert werden.
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1. Einleitung
Der Prozess der Globalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Die Intensivierung und die Vernetzung der weltweiten Beziehungen vollzieht sich auf verschiedenen Ebenen. Ungeachtet der Risiken in ökonomischer, politischer und sozialer Hinsicht haben es einige Schwellenländer verstanden, ihr Potential zu nutzen. Sie spielen heute eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft. Die Wachstumsperspektiven in diesen Ländern sind enorm. Deshalb hat das Anlegerinteresse an diesen Ländern stark zugenommen. Aufgrund der zunehmenden Grösse und Reife der Aktienmärkte in den Schwellenländern spielen für Investoren die Schwellenländer eine immer grössere Rolle. Die Märkte der Schwellenländer unterscheiden sich nicht nur in der Höhe von Rendite und der Grösse des Risikos von denjenigen der entwickelten Märkte, sondern haben auch aufgrund ihrer Korrelationsstrukturen einen wichtigen Einfluss auf die Anlageklassen-Allokation. Die Globalisierung der Finanzmärkte haben dazu geführt, dass der Zusammenhang zwischen den Ländern zunehmend enger wird. Die Konvergenz der Konjunkturzyklen und die Deregulierung der Märkte haben dazu geführt, dass der Gleichlauf der Aktienmärkte zugenommen hat. Mit diesem Integrationsprozess und dem Einfluss auf das Rendite-/Risikoprofil steigt die Notwendigkeit, eine rein auf Länderauswahl basierende Anlageklassen-Allokation mit einer gezielten Titel- und Branchenauswahl zu ergänzen.
2. Globalisierung
Das Schlagwort "Globalisierung" gehört inzwischen zum allgemein verbreiteten Wortschatz. Politiker verzichten kaum darauf, auf Globalisierungstendenzen hinzuweisen, um ökonomische Zusammenhänge erklären zu wollen. Mit dem Verweis auf "Globalisierung" wird von Wirtschaftsfachleuten vieles gerechtfertigt: Von der Vernichtung von Arbeitsplätzen (angesichts globaler Konkurrenz), über Lohnabbau bis hin zur Drohung an den Staat - wenn Firmen mit dem Verweis auf Globalisierung vom Staat günstigere Steuermodelle verlangen, damit sie nicht in andere Weltregionen abwandern. Von "Globalisierung" reden auch diejenigen, die das Internet als Möglichkeit der globalen Kommunikation, über alle Grenzen hinweg, bis in alle Winkel der Erde anpreisen. 1
2.1. Definition
In den letzten 30 Jahren haben sich rasante und erhebliche technologische Innovationen im Bereich der Kommunikations- und Informationstechnologie vollzogen, die tiefe
1 Vgl. Schreckgespenst Globalisierung (2010)
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Auswirkungen für die Gesellschaften und Volkswirtschaften hatten. Beispielsweise hat die Verbreitung von Kommunikationssatelliten, Faxgeräten und Computern in den letzten 20 Jahren dazu beigetragen, den Informationsaustausch zwischen Personen, Firmen und Regierungen enorm zu erhöhen. Dank diesen technologischen Entwicklungen sind nicht nur die Kosten der Kommunikation stark gesunken, sondern auch die Qualität und die Geschwindigkeit der Datenübertragung haben sich wesentlich verbessert.
Unter dem Schlagwort Globalisierung werden oft die sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Konsequenzen dieser technologischen Veränderungen
zusammengefasst, welche das Zusammenrücken der Welt und die Überwindung von Distanzen zur Folge haben. Sowohl in akademischen Kreisen als auch in der breiten Öffentlichkeit, wird heutzutage nicht nur die Globalisierung der ökonomischen Aktivitäten diskutiert, sondern auch die Globalisierung von Lebensformen, des Konsumverhaltens, des kulturellen Lebens, der Technologie und des Wissens.
2.2. Historischer Hintergrund
Der Begriff Globalisierung wurde zunächst in den Sozialwissenschaften geprägt. Globalisierung tauchte gemäss Recherchen erstmals 1961 in einem englischsprachigen Lexikon auf und kommt von global, was "weltumspannend" bedeutet. Der Duden führte den Begriff jedoch erst mit dem Erscheinen der 22. Auflage im Jahr 2000 ein. Damit scheint Globalisierung nicht nur ein Phänomen jüngsten Datums zu sein, sondern die verstärkte Aufmerksamkeit für globale Interaktionen lässt auch einen ursächlichen Zusammenhang mit Entwicklungen der letzten Jahre erahnen. Wie alt Globalisierung ist, hängt primär davon ab, was man unter Globalisierung versteht. In der Forschung findet man dazu unterschiedliche Antworten. Einzelne Autoren interpretieren Globalisierung als Phänomen, dessen Geschichte mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges beginnt. Damit verbunden ist ein Fokus auf globale Institutionen wie jenen des Systems von Bretton Woods oder die Uno 1944. Ebenso die Bedrohung nuklearer Waffen der Supermächte oder die Zunahme des Welthandels und verdichteten Kommunikationsbeziehungen. Andere Autoren hingegen sehen bereits in den menschlichen Wanderungsbewegungen vor zehntausenden von Jahren den Kern zunehmend globaler Interaktionen. Ein hinreichendes Verständnis für Globalisierung mit dem Aufbau und der Verdichtung von weltweiter Vernetzung wurde mit den europäischen Expansion im 16. Jahrhundert geschaffen. Massgeblicher Motor dafür war die europäische Nachfrage nach asiatischen Gewürzen, Textilien, Porzellan und Tee. Die Ausdehnung des osmanischen Reichs erschwerte jedoch den Handel über die traditionellen Routen und liess europäische Mächte nach Möglichkeiten eines direkten Zugangs zu den asiatischen Gütern suchen, was einerseits zur Entdeckung Amerikas und anderseits zur Erschliessung eines Seewegs über die westafrikanische Küste führte. Portugiesische, spanische, niederländische, französische und englische Kaufleute versuchten, in die asiatischen Handelsnetze einzudringen. Dabei kamen ihren Ambitionen zwei Umstände zugute:
7
einerseits war es im Gegensatz zum asiatischen Handel üblich, mit Waffengewalt gute Handelspositionen anzustreben, was den Europäern mittelfristig die Seeherrschaft garantierte. Zum zweiten verfügten Sie über eine gut organisierte Handelspräsenz. Die Handelskompanien waren Frühformen moderner Aktiengesellschaften und damit private Unternehmungen, die aber mit staatlichen Rückendeckungen agierten. Abgesehen von der Ware im innerasiatischen Zwischenhandel, konnten die Europäer nur Silber anbieten. Dieses vom chinesischen Reich sehr gefragte Gut wurde in Lateinamerika gewonnen und über Umschlagsplätze in Europa oder über Manila nach Asien verschifft. Dies erlaubte den Europäern, die begehrten asiatischen Waren zu erwerben und mit hohen Gewinnen weiter zu veräussern. Während in Asien der Platz im Handel erkämpft werden musste, war das Auftreten in Lateinamerika praktisch gleichbedeutend mit Kolonialisierung. Abgesehen von der Gewinnung von Edelmetall war Amerika insbesondere als Anbaugebiet für exportfähige Rohstoffe wie Zuckerrohr, Tabak, Kaffee oder Kakao von Interesse. Dabei setzten die Portugiesen und Spanier ein exportorientiertes System auf, welches erstmals einem vernetzen Handelssystem glich. Dazu setzten sie die seit langem praktizierte Form der Sklaverei als Arbeitsorganisation um, die in Amerika sukzessive ausgebaut wurde. Sie erhielten entlang der westafrikanischen Küste Zugang zu bestehenden arabisch-afrikanischen
Handelsverbindungen und damit zu den zentralen Anbietern von Sklaven. Bis zum 19. Jahrhundert wurden so Millionen Afrikaner zu Amerikanern. Somit wurde das atlantische Dreieck konstruiert, das zu den Schrittmachern frühmoderner Globalisierung zählte.
8
Abb. 1: Das Atlantische Dreieck
Quelle: Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Atlantischer_Dreieckshandel)
Zucker und andere Produkte wurden aus Amerika nach Europa verschifft. Diese wurden verarbeitet und die Fertigprodukte als Tauschware für Sklaven nach Afrika versendet, die wiederum von Händlern nach Amerika gebracht wurden. Wesentlich an diesem System war, dass die Gewinne daraus hauptsächlich die Europäer verzeichneten. Diese erste Phase von globaler Verdichtung veränderte viele Regionen in sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht. So veränderten sich zum Beispiel die
Ernährungsgewohnheiten in Europa oder Asien durch die Zulieferung von Übersee. Unverkennbar war, dass ab Mitte des 18. Jahrhunderts zahlreiche Impulse globaler Vernetzung verstärkt von Europa und Grossbritannien ausgingen.
Die Periode ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird als Phase der ersten tatsächlichen Globalisierung verstanden, die Parallelen zu aktuellen Prozessen aufweist. Grossbritannien war im Zentrum der Weltwirtschaft, aber auch Deutschland und die USA gewannen an Bedeutung. Die asiatischen Regionen konnten ihre starken Positionen von früherer Zeiten nicht mehr halten und verloren immer mehr an Terrain. Für die Europäer wurde jedoch Japan zu einem immer ernstzunehmenden Macht. Die Japaner verstanden es, europäische Elemente in ihre Traditionen zu integrieren, was ihre Position stärkte.
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Der Ausbau der Eisenbahnverbindungen ab 1840 beschleunigte und verbilligte interregionale Verbindungen. Mit der Eröffnungen des Suezkanals 1869 und des Panamakanals 1914 sowie der Ausbreitung der Dampfschifffahrt wurden die Distanzen zwischen den Zentren der Wirtschaft und anderen Regionen der Welt deutlich rascher und billiger überbrückt. Die Telegraphie beschleunigte die Kommunikation. Ebenso sollte der von Grossbritannien übernommene Goldstandard die Währungskonvertibilität gewährleisten und den internationalen Kapitaltransfer erleichtern. Internationale Regulierungen wurden von verschiedenen Staaten vorangetrieben, um den globalen Handel zu fördern. Die europäischen Staaten wurden in dieser Periode als Akteure immer wichtiger und Europa entwickelte sich dadurch zu einem wichtigen Bestandteil der Globalisierung. Die Staaten wurden mehr und mehr als legitimer Akteur zur Durchsetzung von Prozessen wahrgenommen. Ein Bewusstsein für globale Dimensionen wurde für immer mehr Menschen relevant, als die Expansion von Tageszeitungen gefördert wurde. Aktuelle Meldungen aus aller Welt wurden von internationalen Nachrichtenagenturen wie der 1851 von Julius Reuter gegründeten, geliefert.
Die Globalisierungsprozesse dieser Periode waren regional unterschiedlich und entwickelten sich entlang jener hierarchischen Strukturen, die bereits zur Mitte des 19. Jahrhunderts erkennbar waren. Die Zentren der Weltwirtschaft, allen voran Grossbritannien, waren an einem möglichst barrierefreien Welthandel interessiert, was aufgrund der Dominanz in Handel und Industrie bereits bestehende Abhängigkeiten festigte. Diese äusserten sich, indem den Kolonien, über die Westeuropa informelle Herrschaft ausübte, die Rolle als Rohstoff- und Nahrungsmittelexporteure beziehungsweise Absatzmärkte europäischer Erzeugnisse zugedacht war. Diese Rollenverteilung wurde durch neue Institutionen und Infrastrukturen verstärkt: Koloniale Eisenbahnnetze waren deutlich weniger dicht als jene in den Zentren der Weltwirtschaft. Sie dienten in vielen Fällen dazu, den Transport von Exportgütern in die Häfen zu erleichtern. Der Goldstandart sowie das Pfund Sterling als Leitwährung für die globale Wirtschaft festigte die zentrale Rolle der Bank of London. Zahlreiche Regionen ausserhalb der ökonomischen Zentren begannen sich zusehends in eine Abhängigkeit zu verwickeln, welche teilweise auch heute noch vorhanden ist. Lateinamerika zum Beispiel hatte aus der kolonialen Periode eine ökonomische Struktur geerbt, die eine hohe Exportabhängigkeit im Rahmen eines kleinen Güterspektrums beinhaltete. Die gestiegene Nachfrage nach Rohstoffen und Nahrungsmitteln für die industriellen Zentren der Weltwirtschaft verlängerte diese Abhängigkeit, bot aber eine der wenigen Möglichkeiten, Devisen zu erwirtschaften. Dabei waren Sie aber immer vom Weltmarkt und dessen schwankenden Preisen abhängig. Kraftanstrengungen, welche die Staaten unternahmen, um eine eigene konkurrenzfähige Industrie aufzubauen und ihr militärisches Arsenal zu stärken, führten im Falle Japans zum Erfolg, trieben aber Regionen wie Ägypten in eine Schuldenfalle, die europäische Interventionen nach sich
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zogen. Manche Völker waren nur dann in der Lage, den Weg zur unabhängigen Volkswirtschaft zu finden, wenn sie dem europäischen Pfad der Entwicklung folgten.
Der allmähliche Wandel der ökonomischen Grundlage zahlreicher Gesellschaften vom Sklavenhandel zum Anbau beziehungsweise zur Gewinnung exportorientierter Güter stellten in Afrika vielfach traditionelle Strukturen in Frage. Dies erleichterte es den Europäern Einfluss zu erringen. Bei der Errichtung kolonialer Herrschaft war jedoch die Anknüpfung an lokale Gegebenheiten und Erwartungshaltungen wesentlich. Bei der Ausgestaltung kolonialer Herrschaft in den folgenden Jahrzehnten, waren Europäer aufgrund ihrer geringen Präsenz bis zum Zweiten Weltkrieg, auf die Kooperation lokaler Akteure angewiesen. Praktiken kolonialer Herrschaft, im Bereich der Administration, stellten häufig ein Modell dar, das sukzessive in den Kolonialstaaten übernommen wurde. In dieser Phase der Globalisierung war der Kolonialismus ein wesentlicher Prozess, welcher keine Einbahnstrasse darstellte sondern mehr eine gegenseitige Beeinflussung.
Die globalisierte Wirtschaft verhinderte den 1. Weltkrieg bekanntlich nicht, der im Kern ein europäischer war. Er reflektierte die intensiven internationalen Verbindungen. Augenscheinliches Beispiel dafür waren die zahlreichen Soldaten aus den Kolonien, die in Europa kämpften. Alleine in der französischen Armee waren nahezu eine halbe Million Soldaten aus den Kolonien eingereiht. Es waren nicht zuletzt die besser gestalteten Möglichkeiten Grossbritanniens und Frankreichs, globale Ressourcen zu mobilisieren, die für den Ausgang des Krieges verantwortlich waren. Der Krieg veränderte die bisher vorherrschenden Verhältnisse. Der Goldstandard verlor nach dem Krieg an Bedeutung. Dies waren Symbole für den relativen Bedeutungsverlust Grossbritanniens gegenüber den USA, die sich endgültig zum ökonomischen Zentrum der Welt aufschwangen, ohne damit zunächst eine politische Führungsrolle zu übernehmen. Hatte Europa also von der Globalisierung des 19. Jahrhunderts profitiert und hatte sie selbst vorangetrieben, so wurde ihm nunmehr verstärkt die Rolle zugewiesen, negative Globalisierungseffekte abzuwehren. Dazu zählte der 1. Weltkrieg oder auch die Spanische Grippe welche insgesamt 25 bis 50 Millionen Menschenleben forderte. Auch trotz der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren, ist die Periode nach dem Krieg nicht als Ende der globalen Integration zu verstehen. Zwar erreichten die Exportquoten der europäischen Staaten einige Jahrzehnte nicht mehr das Niveau von 1913, dennoch war die weltweite Vernetzung nach wie vor sehr dicht. Nach dem Krieg wurde mit dem Völkerbund, der heutigen UNO, erstmals eine weltweite politische Dachorganisation geschaffen, welche die internationale Kooperation fördern und bei Konfliktfällen vermitteln sollte. Ebenfalls wurden kommerzielle Flugverbindungen eingerichtet und nach dem Telefon fand auch das Radio als Kommunikationsmedium Verbreitung. Es war unverkennbar, dass die Fäden der Welt in vielen Bereichen nicht mehr in erster Linie in Westeuropa zusammenliefen. Die militärischen und ökonomischen Ambitionen Japans wurden immer deutlicher erkennbar und auch die neu entstandene Sowjetunion wurde
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stärker. Von der europäischen Selbstzerstörung des 1. Weltkrieges haben vor allem die USA profitiert. Nachdem sich das Land bereits 1914 zum grössten industriellen Produzenten entwickelt hatte, wurde es nach dem Krieg zum Zentrum der Weltwirtschaft. Die Vereinigten Staaten lieferten auch kulturelle Impulse, wie die Filmproduktion, die auch jenseits der Grenzen des Landes an Attraktivität gewannen. Erste Warnungen von einer "Amerikanisierung" kamen auf. Der europäische Wiederaufbau wurde wesentlich mit Kapital aus den USA finanziert. Die USA exportierte nicht nur Kapital sondern auch Industrie- und Agrargüter. Zugleich schützten sie sich durch hohe Zölle vor Importen. Dadurch konnte Europa seine Schulden kaum durch Exporte in die USA ausgleichen, was die europäische Wirtschaft von amerikanischen Krediten abhängig machte. Dies bedeutete, dass die europäische Entwicklung stark von jener der USA abhängig war. Viele sahen daher die nationale Abschottung als einzige Möglichkeit, sich vor weiteren negativen Entwicklungen zu schützen. Die Bemühungen zahlreicher Staaten im Windschatten der kriegsbedingt geschwächten europäischen Konkurrenz eigene Industrien aufzubauen, wurden grösstenteils durch den Protektionismus der Industrieländer zunichte gemacht. Der Rückgang des Welthandels bedeutete aber nicht zwangsläufig eine Lockerung der Interaktionen zwischen Zentrum und der rohstoffliefernden Peripherien. Die Kolonien wurden stärker denn je auf die Erfordernisse der Kolonialmächte ausgerichtet. Vielfach wurden die Kosten der ökonomischen Depression auf die Kolonien abgewälzt, was deren ökonomische Lage noch mehr in die Krise trieb. Dabei lies sich erkennen, dass der Kolonialismus während dieser Periode elementare Grundlagen seiner prekären Legitimation verspielte.
In der Folge des 2. Weltkrieges wurden zur Verhinderung ähnlicher Krisen mit globaler Reichweite neue Systeme und Institutionen geschaffen. Die Einführung des Bretton Woods Systems sollte die globalen Interaktionen erleichtern. Grössere Stabilität sollte gewährleistet werden und auch Mechanismen beinhalten, die eine Verbreitung regionaler Krisen auf die Weltwirtschaft erschweren sollten. Ebenso neu geschaffene Institutionen wie GATT (General Agreement on Tariffs and Trade, heute WTO), der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds schienen dazu besonders geeignet, weil bei ihnen auch wirtschafts- und finanzpolitische Rahmenbedingungen starke Berücksichtigung fanden. Der Nachfolgeorganisation des Völkerbundes, der neugegründeten UNO standen grössere Möglichkeiten offen, wie zum Beispiel
verbindliche Standards zu den Menschrechten. Durch die Stärkung solcher Organisationen wurden allerdings die ungleichen Verbindungen zwischen Zentren und Peripherien der Weltwirtschaft relativiert. Dabei schienen zunächst durchaus entsprechende Ansätze erkennbar zu sein. Das europäische Machtvakuum nach dem Zweiten Weltkrieg wurde rasch von den USA und der UdSSR gefüllt, und wurde durch den Aufbau der nuklearen Waffenarsenale verstärkt. Die beiden Mächte beriefen sich auf eine antikoloniale Grundhaltung, die sich aber in erster Linie auf die zerfallenden Imperien der "alten" europäischen Kolonialmächte bezog. Bis in die 1970er Jahre wurde nicht zuletzt auf Kosten der Kolonialmächte ein Grossteil der kolonisierten Regionen in
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Thomas Widmer, 2010, Globalisierung und die Auswirkungen auf die Asset Allocation, München, GRIN Verlag GmbH
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