Die Mühsal
mit der Kommunikation
auf den Punkt gebracht
Das Wesentliche von Schulz von Thun
und seinen Vorgängern für den Praxisgebrauch
Studienarbeit
Fern-Uni Hagen
Kristina Bornemann
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Gliederung:
Seiten
1.
Einstieg...3
2.
Einleitung...4-5
3.
Das Bühlersche Organon-Modell der Sprache...5-10
3.a Karl Bühler - ein kurzes Porträt...5
3.b Die Vorgänger - Platon, de Saussure, Wundt, Husserl ...6
3.c ,,Dreifach ist die Leistung der menschlichen Sprache ..."
Bühler 1978, S. 28) - Darstellung des Organon-Modells...7
1. Darstellungsfunktion...8
2. Appellfunktion...8-9
3. Ausdrucksfunktion...9-10
3.d Kritik des Organon-Model...10-11
4. Das 2.e Axiom von Paul Watzlawick: Inhalts- und
Beziehungsaspekt...11-12
5.
Das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun...12-20
5.a Schulz von Thun - kurze Vorstellung...13
5.b Darstellung des Kommunikationsmodells...14-19
· Grundlagen: Ableitungen, Begriffe, Definitionen...13-16
· Die vier Seiten der Nachricht...16-17
· Beispiel einer Nachricht-Analyse...17
· Der ,,vierohrige" Empfänger...18
· Gesendete und empfangene Nachricht...18-19
5.c Kritik des Kommunikationsmodells von Schulz von Thuns...20
6. Schlusswort...20-22
7.
Literaturverzeichnis...23
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1. Einstieg:
Nach dem Modell von Schulz von Thun
Gespräch 1: Der Mann spricht auf der Offenbarungsworte, die Frau
hört auf dem Appell Ohr.
Er: Es war ein netter Abend, nicht wahr? Und der Fisch war einfach wunderbar.
Sie: Ach ja, wunderbar! Soll ich mich vielleicht zu einem Kochkurs anmelden?
Er: Quatsch. Es hat mir einfach gut geschmeckt.
Sie: Gut geschmeckt! Gut geschmeckt! Ich kann ja doch viel besser kochen als
Andrea.
Er: Hör doch auf! Das hat doch nichts mit deinen Kochkünsten zu tun. Ich bin doch
mit Deiner Küche gar und ganz zufrieden.
Sie: Zufrieden? Aber wunderbar schmeckt es bei Schmidts?
Er: Der Fisch war einfach gut gelungen, es hat gut geschmeckt, das ist doch nett.
Sie: Also müsste ich noch besser kochen?
Er: Meinst du, außerhalb deiner Küche muss mir alles scheußlich schmecken?
Sie: Du magst mich nicht mehr!
Er: Heiliger Strohsack, was hat das denn damit zu tun?
Gespräch 2: Zwei Frauen unterhalten sich scheinbar über einen
Sachverhalt , in Wirklichkeit "tobt" eine "Beziehungsschlacht"
zwischen den beiden
Frau A.: Oh, schicke Frisur!
Frau B.: Ja, letzte Woche habe ich mir eben die Haare schneiden lassen.
Frau A: Bei der Frau Müller?
Frau B.: (mit Blick auf die Haare von Frau A.) Da müsstest Du auch mal hingehen.
Frau A.: Ich zu Frau Müller?
Frau B.: Sie ist gut.
Frau A.: Ja, ich sehe es.
Frau B.: Hat sie doch schön hingekriegt!
Frau A.: Ja, vor 20 Jahren war es modern.
Frau B,: Ich fühle mich auf jeden Fall wohl mit meinem neuen Schnitt. Dir würde ein
neuer Schnitt auch gut tun.
Frau A.: Liebe schneide ich mir die Haare selber als zu Frau Müller zu gehen.
Frau B.: Ich dachte, das hättest du eben gemacht.
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2. Einleitung
Das Wort Kommunikation gehört zu den 100 Wörtern, die das 20. Jahrhundert geprägt haben -
so entschied 1999 eine prominente Jury aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens in
Deutschland. Wir leben in einer ,,Kommunikationsgesellschaft", eine neue Wissenschaft - die
allgemeine Kommunikationswissenschaft - ist entstanden. In diesem Geiste des Jahrhunderts
wurden auch in Deutschland und vor allem in den USA mehrere unterschiedliche
Kommunikationsmodelle entwickelt. Das im deutschsprachigen Raum am weitesten verbreitete
Kommunikationsmodell von Schulz von Thun wird in dieser Arbeit vorgestellt. Diese
Forschung gehört zu einem ebenso noch jungen Wissenschaftsbereich: der
Kommunikationspsychologie. Unter den Büchern mit dem Titel Kommunikationspsychologie
findet man aber auch Darstellungen von Techniken zwecks möglichst erfolgreicher Vermittlung
von Werbebotschaften. Die eine Kommunikationspsychologie wird als Klärungshilfe, die
andere als Manipulierungshilfe verstanden und betrieben. Dieses Beispiel zeigt, dass sich
hinter dem Schlagwort Kommunikation viele verschiedene Inhalte und Bedeutungen verbergen.
Tatsächlich ist die ,,Kommunikation" eine Schnittstelle von mehreren Forschungsbereichen: von
Psychologie, Soziologie und Pädagogik bis zu mehreren technischen Wissenschaften (z. B.
Nachrichtenübertragung); und für viele Ereignisse des öffentlichen Lebens: von einem
Gespräch bis zu den Medien (Gestaltung und Wirkung), vom Internet bis zu
Kommunikationssatelliten.
Auch innerhalb der Psychologie gibt es keine Einigkeit über die Definition von Kommunikation,
da sich hier auch mehrere Disziplinen mit dem Phänomen beschäftigen: u.a. Sozialpsychologie
(Medien-Forschung), A&O Psychologie (Komm. in Institutionen), Ökologische Psychologie
(Distanzverhalten, Crowding), Pädagogische Psychologie (Unterricht), Klinische Psychologie
(Komm.-Störungen), Psychologie sozialer Prozesse
(Komm. in Gruppen und
Zweierbeziehungen bzw. Dyaden). Die kommunikative Forschung wie auch der
kommunikative Alltag haben viele Facetten; daher gibt es eine Menge von Definitionen, die
unterschiedliche Aspekte in den Vordergrund stellen. In dieser Arbeit verstehe ich nach
Wolfgang Frindte (2001, S. 17), dass Kommunikation ein sozialer Prozess ist, ,,in dessen
Verlauf sich die beteiligten Personen wechselseitig zur Konstruktion vor Wirklichkeit
anregen". Auch in diesem Sinne wird bei Auwärter/Kirsch/Schröter (1976, S. 7) betont, dass
Kommunikation "Austausch von Information über selektive Ereignisse" ist. Diese aktive,
formende und selektierende bzw. ,,konstruierende" Rolle von Sender wie auch von Empfänger
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tritt meiner Meinung
nach deutlich in den beiden in dieser Arbeit vorgestellten Modellen zu
Tage, wie wir später sehen werden.
In der Tat haben schon Wissenschaftler des 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts den
Weg zu dieser ,,Kommunikationsrevolution" bereitet. Vor allem der Ursprung der Sprache,
wie auch Sprache und Psychologie, worunter üblicherweise Beziehung von Sprache und
Denken gemeint war, waren damals die Gegenstände intensiver Forschungsbemühungen.
Besonders Wissenschaftsdisziplinen wie Psychologie und Linguistik haben sich mit dem
Thema beschäftigt, aber auch Philosophen wie z.B. Fritz Mauthner, der der Hauptvertreter
der ,, ...extremen Sprachkritiker des linguistischen Skeptizismus und Pessimismus" (Kainz
1967, S. 10) war. Mauthner behauptete, dass Sprache das Denken oft in die Irre führt, und
dass Denken besser mit mathematisch-physikalischen Symbolsystemen bewältigt wird
(Mauthner 1982, S. 203 f). Für den Philosophen war Sprache ein ,,leeres Abstraktum"
(Mauthner 1982, S. I I ) , welches er an einer anderen Stelle so erklärt: ,, ... «die Sprache» gibt
es nicht; das Wort ist ein so blasses Abstraktum, das ihm kaum mehr etwas Wirkliches
entspricht," (Mauthner 1982, S. 4). Als etwas, das nur ,,in der Luft" (Mauthner 1982, S.
20) existiert, ist es nicht möglich, Sprache zu strukturieren und ,,übersichtlich hinzustellen"
(Mauthner 1982, S. 2l). Den Gegenbeweis lieferte Bühler mit seiner ,,Sprachtheorie", in der
er u.a. sein Organon-Modell der Sprache vorstellte, wodurch er den Grundstein für die
heutigen Kommunikationsmodelle, unter anderen auch für das von Schulz von Thun, gelegt
hat.
3. Das Bühlersche Organon-Modell
der Sprache
In dem 1934 erschienenen Werk ,,Sprachtheorie. Die Darstellungsfunktion der Sprache" hat
Karl Bühler sein Organon-Modell der Sprache vorgestellt (Bühler, 1978). Obwohl das
Modell keine praktische Bedeutung mehr hat, hat es seine Richtigkeit im Kern bis heute
behalten. Das Modell von Schulz von Thun ist tatsächlich eine Weiterentwicklung, die das
ursprüngliche Modell verfeinert und differenziert hat. Daher ist es interessant, kurz zu
sehen, welches Profil der Wissenschaftler hatte, der sich vor über 40 Jahren mit dem gleichen
bzw. ähnlichen Thema befasst und den Boden für die heutige Entwicklung vorbereitet hat.
3. a Karl Bühler - ein kurzes Porträt
Karl Bühler war anfänglich Mediziner; erst im Laufe seines wissenschaftlichen Lebens
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entwickelte er sich zum Psychologen und Philosophen (Lück/Miller/Sewz-Vosshenrich
2000, S. 156). Er war daher kein klassischer Sprach- oder Kommunikationspsychologe im
heutigen Sinne. In seinem heute wohl bekanntesten o.g. Werk, der 1934 erschienenen
,,Sprachtheorie", findet der heutige Leser insgesamt viel mehr Anknüpfungspunkte zur
Linguistik als zur Kommunikationspsychologie. Nichtsdestoweniger ist seine
,,Handschrift" im Kommunikationsmodell von Schulz von Thun deutlich zu erkennen.
Karl Bühler wurde 1879 in Meckesheim bei Heidelberg geboren und starb 84-jährig (1963) in
Los Angeles, USA, wohin er während des zweiten Weltkrieges auf Umwegen über Norwegen
und England emigrierte. Er studierte Medizin und promovierte 1903 zum Doktor der Medizin
Später wurde er Assistent von Oswald Külpe in Würzburg und beschäftigte sich mit der
Psychologie der Denkvorgänge, womit er auch 1907 habilitierte. Seine anderen Werke neben
dem o.g., die bekannt wurden, sind sein 1918 erschienenes Buch ,,Die geistige Entwicklung des
Kindes" und das 1927 veröffentlichte ,,Die Krise der Psychologie". Das letzte Werk erschien
während seiner ,,Wiener Jahre", die als die fruchtbarste Zeit in seinem Leben als
Wissenschaftler gelten. Karl Bühler war als Professor für Psychologie und auch gleichzeitig
Direktor des ,,Psychologischen Institutes" 16 Jahre lang in Wien tätig (Lück/Miller/Sewz-
Vosshenrich 2000, S. 156-157).
Bekannt wurde auch die Ehefrau von Karl Bühler, die Berlinerin Charlotte Bühler, die er 1916
heiratete. Ein Anfänger kann durch die Initialen C. Bühler und K. Bühler schon mal verwirrt
werden, zumal Charlotte Bühler ebenfalls Psychologin war und in Wien, wohin sie mit ihrem
Mann zog, auch wissenschaftlich tätig war. Sie wurde dort 1929 zum außerordentlichen
Professor ernannt (Lück 2002, S. 144 f).
Das Organon-Modell hatte Bühler in psychologischen Kreisen bekannt gemacht. Man darf
aber nicht vergessen, dass er auf der zeitgenössischen Sprachforschung aufbauen konnte, die an
wissenschaftlichen Beiträgen zum Wesen der Sprache wie auch an vielen, teilweise
kontroversen Richtungen reich war. Er erwähnt mehrere Kollegen und setzt sich mit ihnen
auseinander und beruft sich auch auf die ganz frühen ,,Vorgänger"; einige von denen werden
nachfolgend kurz erwähnt.
3. b Die Vorgänger - Platon, de Saussure, Wundt, Husserl
Von Platon leitet Bühler den Namen seines Sprachmodells ab - ,,Organon". Platon hat in
seinem Kralylos den Gedanken geäußert, dass die Sprache ein Werkzeug, (ein Instrument),
griechisch ,,Organum" ist, ein Hilfsmittel, das Menschen benutzen, um sich mitzuteilen (Bühler
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