Inhaltsübersicht
Einleitung 1
I. Modellprojekt Universität Gießen Studieren und Forschen mit Kind
1. Das Projekt. 2
1.1 Zielbeschreibung und Vorgehensweise. 2
1.2 Ergebnisse der qualitativen Eltern-Interviews. 2
II. Wandel der Familienformen
1.1 Definition des Begriffs Familie. 4
1.2 Wandel der familiären Lebensformen. 5
1.3 Bildungsanspruch der Frau. 7
III. Das Projekt und seine Folgen
1. Aufgaben der Familienpolitik. 7
2. Ergebnisse und ihre Folgen. 9
3. Deutschland unter Zeitdruck: die Rush-Hour des Lebens. 10
IV. Schlussworte. 11
Bibliographie
Einleitung
Im Januar 2006 hält der Bundespräsident Köhler beim Jahresempfang der Evangelischen Akademie in Tutzing eine Rede mit dem Titel Kinder selbstverständlich! Von der Freiheit, Kinder zu haben. Bekannt ist es schon länger und inzwischen dürfte es auch jedes Kind wissen: Deutschland ist arm an Kindern. Dabei geht Horst Köhler nicht nur auf die Folgen dieser Entwicklung ein. Er „möchte über das Glück sprechen, das jeder einzelne neue Erdenbürger seinen Mitmenschen bringen kann.“ 1 Er betrachtet jedes Kind als ein Geschenk, dass so viel Begeisterung und Spannung ins Leben bringt. „Kinder bekommen, Kinder aufwachsen sehen - das ist Leben wie das Altwerden und Abschiednehmen. Kinder sind deshalb eigentlich selbstverständlich. Ohne sie haben wir, hat unser Land keine Zukunft.“ 2 Doch wo sind die Kinder geblieben? Wieso werden die Wünsche nach Kindern von so vielen jungen Menschen nicht Wirklichkeit? Wie kann der Staat, wie kann die Gesellschaft, wie kann die Politik dazu beitragen, dass sich mehr junge Menschen wieder trauen und den Kinderwunsch in ihre Lebensplanung integrieren? Die vorliegende Arbeit will aufzeigen, ob und wie der Kinderwunsch sich mit dem Studium vereinbaren lässt. Durch den Wandel der familiären Lebensformen und der Geschlechterrollen haben sich die Ansprüche der Frauen verändert und gleichzeitig ist das Zeitfenster in dem junge Menschen ihre Ausbildung absolvieren, einen Beruf ergreifen, einen Lebenspartner finden und eine Familie gründen sollen, sehr eng. Für viele Eltern ist die frühe Elternschaft während des Studiums die einzige Chance, um nach dem Studium voll in die Erwerbstätigkeit einsteigen zu können - mit der Möglichkeit berufstätig aufzusteigen. Anhand des Modellprojekts Studieren und Forschen mit Kind, das an der Justus-Liebig-Universität und der Fachhochschule Gießen-Friedberg durchgeführt wurde, soll aufgezeigt werden wie Studenten und Studentinnen den Studienalltag mit Kind bewältigen und welche Anforderungen und Folgen sich für die Familienpolitik ergeben.
1 Köhler, Horst. Reden und Interviews. Band 2. 1. Juli 2005 - 5. Juli 2006. Berlin: Bundespräsidialamt, 2006, S.199.
2 ebd.
1
I. Modellprojekt Universität Gießen Studieren und Forschen mit Kind 1. Das Projekt 1.1 Zielbeschreibung und Vorgehensweise
Die Stadt Gießen in Hessen ist für ihre bundesweit überdurchschnittliche Studierendendichte bekannt. Dabei liegt der Frauenanteil bei 62%. Der Anteil studierender Eltern wird momentan auf rund 5-6% geschätzt, also in etwa 1000-1500 Mütter und Väter. Ungefähr 62% aller 30 bis 35-jährigen Akademikerinnen haben keine Kinder. Das war ein Grund für die Justus-Liebig-Universität Gießen eine qualitative Längsschnittstudie durchzuführen 3 . Die Studie gliederte sich in drei Phasen: 1. der Bestandsaufnahme 2. einer zweijährigen Maßnahmephase
3. und einer Gesamtauswertung mit wiederholter Bestandsaufnahme. Die Bestandsaufnahme beinhaltete Aspekte wie Literaturrecherche bestehender Studien und aktueller Veröffentlichungen; eine Analyse der
Kinderbetreuungssituation in Stadt und Landkreis Gießen; einen Vergleich mit anderen deutschen Hochschulen; qualitative ExpertInnen-Interviews und qualitative Eltern-Interviews. Zeitgleich wurden Kontakte und Kooperationsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Netzwerken, beispielsweise dem Studentenwerk, dem Bündnis für Familie, entwickelt. Da es die studierenden oder promovierenden Eltern nicht gibt, war es wichtig ein breites Spektrum an gesellschaftlichen und individuellen Realitäten abzubilden. So wurden Aspekten wie Kinderbetreuung,
Studienorganisation, Info und Beratung, Hochschulpolitik, Wohnsituation, finanzielle Situation und der Übergang in die Erwerbstätigkeit berücksichtigt. Besonders interessante Ergebnisse gab es im Zusammenhang der qualitativen Eltern-Interviews.
1.2 Ergebnisse der qualitativen Eltern-Interviews
Von 2004 bis 2008 wurden 20 studierende und promovierende Eltern der Justus-Liebig-Universität und der Fachhochschule Gießen-Friedberg interviewt. Es konnte ein umfassendes Bild über die Alltagsgestaltung dieser Zielgruppe gewonnen werden. Auffallend war, dass es sich bei den studierenden Eltern nicht um eine
3 Vgl. Modellprojekt Studieren und Forschen mit Kind. Gießen: 2011. [Online im Internet]. URL: http://www.kind-und-studium.de/index.html [26.10.2011].
2
homogene Gruppe handelt: die Lebenssituationen innerhalb der Interviewstichprobe unterscheiden sich vielmehr erheblich. Demgegenüber sind die Lebenssituationen der promovierenden Eltern untereinander deutlich ähnlicher. Die meisten befragten studierenden Eltern berichten von einer bescheidenen, aber gesicherten finanziellen Situation. Prekär ist die Finanzierung des Lebensunterhalts allerdings bei den alleinerziehenden studierenden Müttern, da ihre Einnahmen nicht über einen längeren Zeitraum abgesichert und planbar sind. Die Zeitorganisation der studierenden Eltern variiert beträchtlich und zwar in Abhängigkeit vom gewählten Studienfach. Die Studienfächer lassen sich in drei Gruppen einteilen, nämlich solche mit hoher, mittlerer und geringer zeitlicher Flexibilität. Bei der Abstimmung von Studien- und Kinderbetreuungszeiten lassen sich ebenfalls drei Grundmuster feststellen, die aber nur teilweise mit dem Studiengang zusammenhängen, sondern auch mit den Ausmaß der Unterstützung in der Partnerschaft und den vorhandenen Betreuungsmöglichkeiten. Fast alle studierenden Eltern geben zudem an, dass sie regelmäßig in den Abendstunden, teilweise bis spät in die Nacht arbeiten müssen, um zu lernen oder Veranstaltungen vor- und nachzubereiten. Die promovierenden Eltern haben neben ihrer Forschungsarbeit zusätzliche Verpflichtungen, die sich aus ihrer Arbeitsstelle ergeben. Ihr größtes Problem ist das Herstellen einer befriedigenden und bezahlbaren Betreuungssituation. Zudem ist bei ihnen die Größenordnung, in der die Partner jeweils zum Haushaltseinkommen beitragen, ein entscheidender Bestimmungsfaktor für die Organisation der Arbeitsteilung in der Partnerschaft. Alle studierenden und forschenden Eltern haben eine grundlegende Gemeinsamkeit: sie wollen und müssen ihren Alltag zwischen Studium, Promotion und Familie so strukturieren und gestalten, dass ihre Verantwortung für das Wohlergehen und Aufwachsen ihrer Kinder mit ihrem Ziel, ein Studium oder eine Promotion erfolgreich abzuschließen, kompatibel ist. Sie zeigen fast durchgehend eine hohe Leistungsbereitschaft, wollen aber auch gleichzeitig ihre Vorstellungen von einem guten Familienleben umsetzen können.
II. Wandel der Familienformen 1.1 Definition des Begriffs Familie
Es gibt unterschiedliche gesellschaftlichen Sichtweisen der Familie, die zugleich im historischen Wandel sind. „Von Familie zu sprechen heißt einerseits gelebte Formen von Familie zu beschreiben und im interkulturellen oder historischen Vergleich voneinander abzusetzen. Es heißt aber auch, im Rahmen von gesellschaftlichen
3
Arbeit zitieren:
Aleksandra Szymczyk, 2011, Studieren und Forschen mit Kind - Vereinbarkeit von Familie und Studium, München, GRIN Verlag GmbH
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