Schafft die punktuelle Förderung deutscher Hochschulen Elite-Unis? Moritz Homann
Gliederung
Von Exzellenz zu Elite 3
Die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder 4
„Exzellenz“ und „Elite“ - eine Begriffsklärung 5
Was macht eine Elite-Universität aus? 7
Allgemeine und soziale Selektion 8
Tradition und Idylle 10
Finanzkraft und Prestige 11
Elite -Universitäten in Deutschland? Untersuchung der Merkmale 13
Kaum Ähnlichkeiten in der Selektion 13
Tradition und Idylle: notfalls konstruiert 14
Finanzkraft und Prestige: zwei verschiedene Welten 15
Im Aufbruch zur Elite-Landschaft? 16
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Schafft die punktuelle Förderung deutscher Hochschulen Elite-Unis? Moritz Homann
Von Exzellenz zu Elite
Schafft die punktuelle Förderung deutscher Hochschulen Elite-Unis?
Die Einführung der „Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen“ im Jahr 2005 markiert einen Einschnitt in der Entwicklung der deutschen Hochschullandschaft. Ausgerechnet die SPD, normalerweise eine Verfechterin des Prinzips der Gleichheit und der sozialen Gerechtigkeit, sprach sich öffentlich dafür aus, einzelne Universitäten gezielt zu fördern, um somit die internationale Sichtbarkeit und die Konkurrenzfähigkeit zu steigern (Leffers 2004; Hartmann 2007a; Haas/Laube/Reichmann 2009). Das lange geltende Prinzip der Gleichheit zwischen den Universitäten wurde aufgehoben, in Zukunft sollten die Ergebnisse eines Wettbewerbs um die besten Zukunftskonzepte darüber entscheiden, wer sich zum erlesenen Kreis der exzellenten Universitäten in Deutschland zählen darf und wer nicht. Die Exzellenzinitiative schuf eine Dichotomisierung: Die exzellenten Universitäten auf der einen Seite, die große, graue Masse auf der anderen. Durch die gezielte finanzielle Förderung vor allem der Hochschulen, die sowieso schon über großes ökonomisches und symbolisches Kapital verfügen, wird der Spalt zwischen den zwei Gruppen noch vergrößert (Münch 2007). Die SPD merkte schnell, dass der ursprünglich gewählte Begriff der „Elite“ gerade im deutschen Raum eher auf Skepsis stößt - sei es aufgrund der Geschichte oder aufgrund eines generell ausgeprägten Hangs zur Chancengleichheit (Hartmann 2007a). Daher entschloss man sich dazu, statt des Elite-Begriffs den unproblematischeren Begriff der „Exzellenz“ zu wählen, die vor allem mit wissenschaftlicher Spitzenleistung verknüpft wurde.
In der Öffentlichkeit, vor allem durch die Massenmedien geprägt, hat sich jedoch der Begriff der Elite festgesetzt. Die Universitäten, die sich im Zukunftskonzept-Wettbewerb durchsetzen und damit zum Kreis der „exzellenten“ Universitäten zählen dürfen, werden in den Medien und im alltäglichen Sprachgebrauch überwiegend auch als „Elite-Universitäten“ bezeichnet (Friedmann/Leffers 2006; Bönisch 2007; Fries 2011; Kühne 2011; Schmoll 2011). Der Stein, den die SPD ins Rollen gebracht hatte, ließ sich nicht mehr aufhalten -
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der Elite-Begriff ist nun auch im deutschen Hochschulwesen verankert. Doch schafft die Exzellenzinitiative durch ihre punktuelle Förderung auch in Deutschland Elite-Universitäten? Was zeichnet eine Elite-Universität überhaupt aus, und wo liegt der Unterschied zwischen Elite und Exzellenz? Diese Fragen sollen im Folgenden beantwortet werden - soweit das zum heutigen Zeitpunkt möglich ist.
Die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder
Das politische Programm der Exzellenzinitiative beinhaltet im Wesentlichen drei Förderlinien: Die „Zukunftskonzepte“, die „Exzellenzcluster“ und die „Graduiertenschule“. Wir wollen uns in diesem Text auf die Zukunftskonzepte fokussieren, da sie darüber entscheiden, ob eine Universität als „Exzellenzuniversität“ oder im allgemeinen Medien- und Sprachgebrauch als „Elite-Universität“ bezeichnet wird. Im Oktober 2006 wurden die ersten drei Gewinner des Exzellenzwettbewerbs bekanntgegeben: Die Universität Karlsruhe, die Ludwig-Maximilians-Universität München und die Technische Universität München. Ein Jahr später folgten sechs weitere Universitäten, die nun zum Kreis der „exzellenten“ Hochschulen gehören: die RWTH Aachen, die Freie Universität Berlin, die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, die Universität Göttingen, die Universität Heidelberg und die Universität Konstanz. Vom Erfolgsjahr an werden die Universitäten für ihr Zukunftskonzept fünf Jahre lang mit jährlich 21 Millionen Euro gefördert.
Das erklärte politische Ziel der Exzellenzinitiative ist es, deutsche Elite-Universitäten zu schaffen, die international konkurrenzfähig sind (Pasternack 2008: 13). Universitäten, die in einer Liga mit amerikanischen Elite-Universitäten wie Harvard oder britischen Elite-Einrichtungen wie Oxford spielen können. Weil nicht genug Geld für alle da ist, wird dabei in Kauf genommen, dass einige wenige Universitäten in Deutschland überproportional viel Geld erhalten, um diesen Elite-Status schaffen zu können. Zur Kritik an der Exzellenzinitiative gehört allerdings, dass zur Erreichung dessen ein Vielfaches der derzeit ausgeloteten Gelder nötig wäre (Nida-Rümelin 2004).
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Insgesamt bietet die Exzellenzinitiative viele Ansatzpunkte für Kritik; zu ihren schärfsten Kritikern zählt sicherlich Richard Münch. Münch kritisiert, dass die Exzellenzinitiative zu einer wissenschaftlichen Monopolbildung führe, Kreativität beschränke, ein wissenschaftliches Machtfeld die wissenschaftliche Exzellenz nur konstruiere und dadurch eine bestehende Machtordnung reproduziere und aufrecht erhalte (Münch 2007). Er und einige andere Autoren kritisieren insbesondere den „Matthäus-Effekt“, wonach sich Hochschulen, die sowieso schon über mehr soziales, ökonomisches und kulturelles Kapital als andere Universitäten verfügen, durch diesen Kapitalvorteil einfacher noch mehr Kapital akkumulieren können. „Wer hat, dem wird gegeben“ ist das Motto (Hartmann 2007a). Ohnehin schon dominierende Standorte profitierten von ihrem Kapital, diese Entwicklung werde durch die Exzellenzrhetorik legitimiert. Münch kritisiert auch die Akteure, die über die Fördermittel entscheiden und die Kennziffern, nach denen die Entscheidungen fallen - aber detailliert darauf einzugehen würde an dieser Stelle zu weit führen.
Sehr wichtig für das Verständnis der Exzellenzinitiative ist der Fakt, dass durch das Programm vor allem die Forschung gefördert wird, nicht aber die Lehre. Zwar hat der Ausbau der Forschung möglicherweise auch positive Auswirkungen auf die Lehre, politisch beabsichtigt ist aber vor allem die Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Das bedeutet, dass die Studenten einer Universität mit Exzellenz-Status von dem Geldsegen eigentlich nichts merken.
„Exzellenz“ und „Elite“ - eine Begriffsklärung
Es ist klar, dass die Begriffe „Elite“ und „Exzellenz“ an dieser Stelle nicht in ihrer vollen Breite definiert werden können, und darin liegt auch gleichzeitig eines der zentralen Probleme der Exzellenzinitiative: Seien es Wissenschaftler, Politiker oder Studenten - die Akteure im wissenschaftlichen Feld wissen selbst nicht so genau, wie sie die Begriffe inhaltlich füllen und verknüpfen sollen. Das führt dazu, dass jeder unter Elite und Exzellenz etwas anderes versteht, bei Studenten führt es zu den verschiedensten Vorstellungen und Hoffnungen (Haas/Laube/ Reichmann 2009).
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Rein sprachlich stammt das Wort „Exzellenz“ vom lateinischen „excellentia“ ab, was so viel wie „herausragende Leistung“, aber auch „herausgehobene Stellung“ bedeutet (Hartmann 2007b). Damit kommt es dem Elite-Begriff schon recht nahe, deshalb soll es an dieser Stelle die erstere Bedeutung bekommen. In dieser Arbeit steht Exzellenz für hervorragende Leistung. Eine Universität mit Exzellenzstatus müsste sich also dadurch auszeichnen, dass sie in ihrer Gesamtheit eine konstant hohe Qualität an wissenschaftlicher Leistung erbringt - die angesichts der politischen Ausrichtung der Exzellenzinitiative wohl auf die Forschung beschränkt werden müsste. Exzellenz soll hier also bedeuten, dass eine Universität in der Lage ist, konstant hochwertige Forschung zu betreiben. Nun schließen sich an diese Arbeitsdefinition immanent Nachfragen an: Woran macht man die Qualität von Forschung fest? Eine genaue Operationalisierung des Begriffs würde hier zu weit führen, schließlich geht es nur darum, den Begriff der Exzellenz vom Begriff der Elite zu trennen. Wir halten also fest, dass Exzellenz in diesem Rahmen für herausragende, wissenschaftliche Leistung steht und dabei nicht an bestimmte Personen geknüpft ist.
Über den Begriff der Elite haben sich Philosophen und Soziologien schon über Jahrhunderte den Kopf zerbrochen, auch hier kann es keine endgültige Definition geben. Worin aber Einigkeit zu herrschen scheint, ist die Tatsache, dass Elite mit einer Dichotomisierung einhergeht: Wenn es eine Elite gibt, muss es auch eine Nicht-Elite geben, üblicherweise eine Masse. Eine Elite ist in einer Gesellschaft also eine kleine, erlesene Gruppe, die einer großen Masse gegenübersteht. Nun gibt es allerlei Unterkategorien von Elite: Funktionseliten, Positionseliten, Leistungseliten, Herrschaftseliten und so weiter. In unserem Kontext soll „Elite“ vor allem für einen Status stehen. „Elite“ ist ein Stempel, den man sich aufdrücken kann, ohne dass er zwingend mit herausragender Leistung zu tun hat. Wenn ich mich zur Elite zähle, grenze ich mich von der Masse ab, ganz gleich, worauf diese Erhebung zur Elite fußt - ob auf tatsächlich herausragender Leistung, ökonomischen, kulturellen oder sozialen Kapital oder sonstigem. Das heißt: Exzellenz steht hier für eine herausragende Leistung, Elite bezeichnet einen kleinen Kreis, in den man unter bestimmten Voraussetzungen
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Arbeit zitieren:
Moritz Homann, 2010, Von Exzellenz zu Elite, München, GRIN Verlag GmbH
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