Gliederung
Einf ührung 1
Wikipedia und Facebook 2
Transparenz und Offenheit 4
Teilnahme und Mitbestimmung 6
Rechte und Freiheiten 8
Online -Governance: Ein Prozess im Wandel 10
Governance in sozialen Online-Plattformen Moritz Homann, 15.09.2011 Governance in sozialen Online-Plattformen Eine Analyse von Wikipedia und Facebook
Einführung
Das Internet als sozialer Raum samt seiner spezifischen Gegebenheiten und bisherigen Governance-Ansätzen löst einige der bisherigen für politische Strukturen geltenden Prämissen wie die Raum- und Zeit-Gebundenheit auf und eröffnet völlig neue Möglichkeiten, wie Menschen an politischen Prozessen teilnehmen und sich selbst organisieren können. Dieser Umstand wurde in der politischen Forschung bereits viel beachtet und ausgearbeitet, insbesondere in den Themenfeldern der E-Democracy 1 , der Auswirkungen von sozialen Netzwerken auf politische Partizipation und der Herausforderungen und Möglichkeiten seitens von Staaten, in gemeinsamer, internationaler Anstrengung für das Internet Regeln zu schaffen und diese durchzusetzen. 2
Ein Themenkomplex, der bisher jedoch nur wenig Beachtung findet, ist die Frage, wie spezifische Online-Projekte und -Plattformen sich selbst organisieren, welche politischen Konzepte dabei zum Einsatz kommen und wo möglicherweise völlig neue Governance-Strukturen entstehen, die auf den spezifischen Merkmalen des Internets beruhen. Das Internet hat seit seiner Weiterentwicklung zum „Web 2.0“, das es Nutzern einfach macht, Seiten mitzugestalten, mitzubestimmen und ihre Meinungen und Ansichten zu veröffentlichen, neue Möglichkeiten eröffnet: Es ist für Gruppen mit gemeinsamen Interessen relativ leicht, sich zu vernetzen, gemeinsam Inhalte zu erstellen, diese zu kontrollieren und zu verbessern. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern diese Vorgänge von gewissen Personen oder Personengruppen überwacht, angeleitet und reguliert werden und werden müssen.
1 Hilbert, Martin: „The Maturing Concept of E-Democracy: From E-Voting and Online Consultations to Democratic
Value Out of Jumbled Online Chatter“. In: Journal of Information Technology & Politics, Band 6, Heft 1 (2009). S.
87-110.
2 Drezner, Daniel W.: „The Global Covernce of the Internet: Bringing the State Back In“. In: Political Science
Quarterly, Band 119, Heft 3 (2004). S. 477-498.
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Eine Analyse von Wikipedia und Facebook Moritz Homann, 15.09.2011
Für diese Analyse sollen zwei Onlineplattformen herangezogen werden, die sich vor allem durch ihre beständig große Reichweite und beträchtliche Nutzerzahlen auszeichnen: die Online-Enzyklopädie Wikipedia und das soziale Netzwerk Facebook. Da sich beide Projekte durch stark unterschiedliche Organisationsformen auszeichnen und jeweils andere Ziele verfolgen, bietet sich ein Vergleich nicht an. Doch beide Plattformen geben Einblicke, wie versucht wird, eine große Anzahl von mitunter sehr heterogenen Nutzern zu organisieren, und auf welche bekannten Politikkonzepte dabei zurückgegriffen wird.
Wikipedia und Facebook
Die beiden zu analysierenden Plattformen sind in den vergangenen Jahren zu Webseiten mit sehr großer Reichweite herangewachsen. Wikipedia wurde 2001 gegründet und belegt heute in der Rangliste der weltweit am häufigsten aufgerufenen Webseiten Platz 7. 3 Facebook besteht seit 2004 und belegt heute Platz 2. 4 Bei Facebook sind nach Angaben des Gründers Mark Zuckerberg weltweit über 750 Millionen Nutzer registriert 5 , bei Wikipedia sind es über 15 Millionen Autoren. 6 Über 43 Prozent der Internetnutzer surfen regelmäßig auf facebook.com, knapp 15 Prozent sind es bei wikipedia.org. Facebook und Wikipedia stellen beide immens große Online-Gemeinschaften dar, deren Mitgliederzahlen viele Staaten an Einwohnern übertreffen. Beide Plattformen verfolgen unterschiedliche Ziele. Wikipedia ist eine Online-Enzyklopädie, die es sich zum Ziel gesetzt hat, als Zusammenschluss zahlreicher Freiwilliger eine Wissensdatenbank aufzubauen, die neutral ist und in beinahe allen Bereichen von jedem beliebigen Nutzer verändert werden kann. Die Organisationsstruktur ist stark ambivalent: Einerseits existieren zahllose Dokumente, die Regeln und Governance-Richtlinien beinhalten, andererseits können auch diese Dokumente jederzeit von jedem beliebigen Nutzer verändert werden. Wikipedia hat
3 Alexa: Information for wikipedia.org, in: http://www.alexa.com/siteinfo/wikipedia.org (abgerufen am 13.09.2011)
4 Alexa: Information for facebook.com, in: http://www.alexa.com/siteinfo/facebook.com (abgerufen am 13.09.2011)
5 Ehrlich, Brenna: Facebook Hits 750 Million Users, in: http://mashable.com/2011/07/06/facebook-750-million/
(abgerufen am 13.09.2011)
6 Wikipedia: About, in: http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:About (abgerufen am 13.09.2011)
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Governance in sozialen Online-Plattformen Moritz Homann, 15.09.2011
zwar einen Gründer und „Anführer“, Jimmy Wales, dieser hält sich jedoch mit regulativen und repressiven Maßnahmen sehr zurück. 7 Facebook hingegen ist ein soziales Netzwerk, das vor allem auf dem Zweck beruht, sich mit Freunden zu vernetzen und gemeinsam Inhalte zu teilen. Hier existiert kein höheres Ziel, Facebook-Nutzer arbeiten üblicherweise nicht gemeinsam an Projekten. Dementsprechend scheint die Notwendigkeit, für Facebook-Nutzer politische Strukturen einzuführen, weniger ausgeprägt. Jedoch stellt Facebook für viele Nutzer der Plattform ein zentrales Instrument der alltäglichen Kommunikation dar, entsprechend wichtig werden seitens der Mitglieder Themen wie Datenschutz, Privatsphäre und Transparenz genommen. Immer wieder gab es in der Vergangenheit Proteste, wenn Facebook seine Datenschutzbestimmungen entgegen der Vorstellungen seiner Nutzer geändert hat. Daher sah sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im Februar 2009 veranlasst, rudimentäre Governance-Strukturen in Belangen wie Privatsphäre, Datenschutz und Nutzungsbestimmungen einzuführen. 8 In einer entsprechenden Veröffentlichung schreibt Zuckerberg: „Our main goal at Facebook is to help make the world more open and transparent. [...] Beginning today, we are giving you a greater opportunity to voice your opinion over how Facebook is governed.“ 9 Zuckerberg nennt keinen demokratischen Anspruch, sondern stellt lediglich Transparenz und eine größere Partizipationsmöglichkeit seitens der Nutzer in Aussicht. Facebook selbst ist als profitorientiertes Unternehmen strukturiert. Wikipedia nimmt sich in seiner Machtstruktur selbst als Mischung aus anarchischen, despotischen, demokratischen, republikanischen, meritokratischen, plutokratischen, technokratischen und bürokratischen Elementen wahr. 10 Das wird mit der Vielzahl von Möglichkeiten begründet, wie sich im Wikipedia-Projekt Governance-Strukturen herausbilden und stetig verändern können. Es existiert keine ausgewiesene
7 Konieczny, Piotr: „Governance, Organization, and Democracy on the Internet: The Iron Law and the Evolution of
Wikipedia“. In: Sociological Forum, Band 24, Heft 1 (2009). S. 162-192.
8 Magid, Larry (2009): What Facebook‘s democratic gesture might mean, in: http://news.cnet.com/
8301-19518_3-10173360-238.html (abgerufen am 12.09.2011)
9 Zuckerberg, Mark: Governing the Facebook Service in an Open and Transparent Way, in: http://blog.facebook.com/
blog.php?post=56566967130 (abgerufen am 13.09.2011)
10 Wikipedia: power structure, in: http://meta.wikimedia.org/wiki/Power_structure (abgerufen am 13.09.2011)
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Arbeit zitieren:
Moritz Homann, 2011, Governance in sozialen Online-Plattformen, München, GRIN Verlag GmbH
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