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Validierung
im Erste-Hilfe-Kurs
für Führerscheinbewerber
Kontrolle des Lernerfolges
zur Autoreflexion des Andragogen
mit dem Ziel der
Qualitätsverbesserung in
Kursen, die ,,gezwungenermaßen" besucht werden
Projektbericht zur Erlangung eines Zertifikates für das
Kontaktstudium
,,Lehren lernen Lernen lehren
Berufsbegleitende erwachsenenpädagogische
Grundqualifizierung"
des
Zentrums für Wissenschaftliche Weiterbildung der
Johannes GutenbergUniversität Mainz
und des
Verbandes der Volkshochschulen von Rheinland Pfalz
Variante 2: Bericht über ein bereits laufendes Projekt.
Vorgelegt von
Ralf Arno Wess
zur Präsentation am 16. März 2007
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Im Verlauf der einzelnen Module des Kontaktstudiums kam
mehrfach ein Problem zur Sprache, das auch mich in den Erste-Hilfe
Kursen drückt. Nämlich, das der Pflichtteilnahme. Für die vhs Mainz
bin ich als Kursleiter in meinen Tanzkursen stets einer Teilnehmer-
schaft gegenüber, die sich in Vorfreude auf das Thema versammelt
hat. Mir ist aufgrund der an jedem Veranstaltungsende ausgeteilten
Bewertungsbogen ein regelmäßiges und für mich sehr erfreuliches
Feed-Back sicher. Umso mehr wurde mir der Kontrast zu den von
mir ebenfalls gegebenen Erste-Hilfe Kursen deutlich. "Hier muß die
Kunst und Wissenschaft herbei und die Kurse trotz der Zwangsan-
wesenheit für die Teilnehmenden attraktiv zu machen!", dachte ich
mir. Auch Möglichkeiten den Erfolg des Kurses und seiner Modifika-
tionen zu bewerten scheinen mir der Bearbeitung wert. Deshalb
habe ich für die Projektarbeit diesen Bereich meiner Kursleitertätig-
keit ausgewählt. Ganz nach dem Motto: "Der Kranke braucht den
Arzt!". Und natürlich ist mit dieser Entscheidung auch der Wunsch
verbunden, das ethisch so wichtige Thema der Erste-Hilfe Kurse
besser zu vermitteln und somit zur erfolgreichen Rettung Verun-
glückter beizutragen. Daher der Schwerpunkt "Validierung". Ferner
hoffe ich zeigen zu können, dass auch restriktive Beschränkungen
der Kursgestaltung nicht zu bedeuten haben, dass man nichts ma-
chen könne. Ein weiterer Anlass zur Wahl genau dieses Themas ist
der Nutzen der hier vorgelegten Analysen für die Instruktion und
Ausbildung neuer Kursleiter. Hierzu ist über den vorliegenden Text
hinaus eine dezidierte Charakterisierung der einzelnen Gruppen und
ihrer Sozialisation erarbeitet worden. Der wertende Charakter dieser
Analysen bringt die Notwendigkeit zu einer gewissen Vertraulichkeit
dieser Sozialdaten mit, weshalb sie in diesem Text nicht enthalten
sind.
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1 Planung
Der Nachweis von Kenntnissen in Erster Hilfe ist Vorausset-
zung für die Zulassung zu Fahrprüfungen und damit zur Erlangung
von Fahrerlaubnissen (Führerscheinen). Dieser Nachweis wird übli-
cherweise durch das Vorlegen einer Teilnahmebescheinigung an
entsprechenden Kursen geführt, die nur von Veranstaltern und Re-
ferenten angeboten werden dürfen, welche beim Regierungspräsidi-
um der jeweiligen Landesregierung akkreditiert sind. Der Akkreditie-
rung geht die Vorlage eines Lehrplanes durch den Ausbildungsträger
voraus, von dem nicht ohne Zustimmung abgewichen werden darf.
Eine Vielzahl von Vorschriften ist zu beachten und der Spielraum
des Kursleiters ist in inhaltlicher wie methodischer Hinsicht gering.
Ein Abweichen beim zeitlichen Ablauf ist ebenfalls nicht gestattet.
Konkret bedeutet das, dass einer methodischen oder inhaltli-
chen Umgestaltung des Kurses große Widerstände entgegenstehen.
De jure ist jede nicht im Voraus gestattete Änderung im Kursverlauf
geeignet, die Gültigkeit der von den Teilnehmern angestrebten Be-
scheinigung in Frage zu stellen. Allerdings sind im Zweifelsfall Über-
prüfungen des Wissens von Teilnehmern (in zusätzlicher Zeit) mög-
lich. Es bietet es sich also an, z.B. beim Erreichen eines Pausenzeit-
raumes durch eine kurze Einlage den Erfolg der Wissensaneignung
durch die Teilnehmenden zu ermitteln. Wenn das Ergebnis positiv
ist, kann der entsprechende Kniff in den Lehrplan aufgenommen
werden (und dann der nächste und so weiter). Dies alles kann je-
doch nach Einschätzung des Autors kaum alle Probleme einer
,,Zwangsteilnahme" lösen, weshalb das Erreichen einer positi-
ven Einstellung zum Thema ,,Erste Hilfe" primäres Kursziel
(Primärziel) sei.
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Wegen dieses bürokratischen Prozesses sind eine Reihe von
Ideen durch mich und Kollegen hier und da zwar verwendet worden,
aber es ist nicht zu einer Sammlung und Implementierung der ein-
zelnen Ansätze gekommen. Die vorliegende Arbeit liefert eine Zu-
sammenfassung nebst einer Bewertung dieser Möglichkeiten. Sie
soll im Sinne eines Erfahrungsberichtes die Basis für eine Vorlage
beim Regierungspräsidium zur Genehmigung eines Lehrplanes, der
die Möglichkeit flexiblerer Kursgestaltung in Abhängigkeit der Er-
gebnisse solcher (dann vorgesehener) Validierungsschleifen vor-
sieht.
Hauptproblem ist dabei der üblicherweise völlig starre zeitli-
che Ablauf der Veranstaltung. Das ist kaum mit einem Kursverlauf
zu vereinbaren, der in Abhängigkeit vom sichtbaren und ermittelten
Erfolg der Kompetenzaneignung seitens der Teilnehmenden die
Schwerpunkte im Ablauf setzt. Gleichwohl bietet die eingangs er-
wähnte Vorgabe, dass nicht das Durchlaufen eines Kurses, sondern
der Nachweis der Kenntnisse durch die Verordnung gefordert ist,
den möglicherweise entscheidenden Hebel. Schließlich ist bekannt,
dass der durchschnittliche Erste Hilfe Kurs sehr häufig gelangweilt
abgesessen wird ohne dass irgendwelche Fertigkeiten erworben
werden. Die Kompetenz danach wird in den allermeisten Fällen kei-
neswegs die Vorgabe der Rechtsvorschrift erfüllen.
1.1 Die Zielgruppe
Es handelt sich bei den Teilnehmern der hier in Rede stehen-
den (kommerziell angebotenen) Kurse fast ausschließlich um Perso-
nen, die von einer Fahrschule (nicht selten ultimativ) geschickt wur-
den, um den Erste Hilfe - Nachweis zur Anmeldung für die Fahrprü-
fung vorzulegen zu können. Ein Interesse an dem Thema selbst gibt
sehr selten den Ausschlag für die Teilnahme. Interessierte Personen
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suchen normalerweise weniger kompakte Veranstaltungen der Ret-
tungsorganisationen (Rotes Kreuz, Malteser, Johanniter und Arbei-
ter Samariter Bund aber auch DLRG u.a.) auf. Das ergibt sich aus
der Art des Marketings und des Kursdesigns (Blockveranstaltung an
nur einem Tag, meistens Samstag vormittags, Teilnahme ohne Vor-
anmeldung, zugleich die Möglichkeit im Rahmen des Ablaufes den
amtlichen Sehtest durchführen zu lassen und auch Passfotos zu er-
werben).
1.2 Situation und Probleme der einzelnen Fraktionen
Auch wenn die kompakte Majorität der Teilnehmenden zur
erstgenannten Gruppe gehört, ist das Auditorium doch als inhomo-
gen, ja sogar fraktioniert anzusprechen.
Ich halte es für sehr wichtig, die leichter zu erreichenden
Fraktionen nicht zu übersehen. Sie können dem Kursgeschehen eine
positive Dynamik verleihen, welche die mürrischen mitnimmt.
Auch wenn die einzelnen Gruppen oft schon optisch klar zuzu-
ordnen sind, ist hier trotz aller Zeitknappheit eine ,,Kennenlernrun-
de" angesagt, um die Situation zu klären. Ich sehe bei Gruppengrö-
ßen von üblicherweise 25 über 40 Personen keinen Raum für ein
Vorgehen nach der Art ,,Jeder nennt seinen Namen und stellt sich
der Gruppe vor!", denn es erzeugt Längen und überfordert das Ge-
dächtnis. Die mangelnden sprachlichen Fähigkeiten von Einzelnen
führen darüber hinaus oft zu Peinlichkeiten, die die Betroffenen
bloßstellen, indem sie zu Gekicher und Zwischenbemerkungen rei-
zen.
Daher ist hier ein themenorientierter Einstieg angezeigt, der
die positiv eingestellten anspricht. Ich wähle z.B. oft Einstiegsfragen
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wie ,,Haben Sie das Thema Erste Hilfe in Ihrem bisherigen Leben, in
Ihrer Familie bereits erfahren? Haben Sie schon helfen müssen?
Oder brauchten Sie Hilfe?" Die Frage geht also reihum und jeder
wird zur Antwort aufgefordert, Verweigerung (Achselzucken etc.
wird kommentarlos akzeptiert).
1.3 Lehr - Lern Verträge
Die Lernziele sind nicht verhandelbar, soweit sie durch die be-
hördlichen Vorgaben, umgesetzt im anerkannten Lehr- und Ver-
laufsplan bestimmt sind. Darüber hinaus bleibt den Teilnehmenden
allerdings durchaus die Möglichkeit, durch das Stellen von Fragen
Lernwünsche ad hoc einzubringen. Grundsätzlich ist jede Frage in
der insgesamt eher gezwungenen Kursatmosphäre sehr erwünscht
und wird von der Leitung sofort beantwortet oder später aufgegrif-
fen werden. Bei komplexeren Dingen wie etwa dem Wunsch nach
Information über Erste Hilfe bei Kindern oder bestimmten Grunder-
krankungen, muß allerdings im Wesentlichen der Verweis auf die
dafür angebotenen Spezialkurse genügen. Zwei verschiedene Lehr
Lernverträge sind typisch für die verschiedenen Fraktionen:
1. Die Interessierten bekommen ihre Informationsbedürfnisse
durch kurzes aber individuelles Eingehen auf ihre Fragen und
Anregungen an passender Stelle befriedigt. Dafür lassen sie
sich auch auf die meist weniger geliebten praktischen
Übungen ein. Ihrem eventuellen Mitteilungsbedürfnis wird
Raum gegeben, da dies zur Motivation der ,,Unwilligen" nutzt.
2. Die Desinteressierten, Personen mit Sprachschwierigkeiten
und diejenigen mit einer kulturell-erzieherischen begründeten
Ablehnungshaltung müssen einsehen, dass einige Dinge für
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sie verbindlich sind und eine völlige Passivität nicht geduldet
wird, bzw. zur Kenntnisprüfung und evtl. Ausschluss von der
Scheinvergabe führt. Dafür wird ihnen das Einlenken leicht
gemacht indem ein witziger und pointenreicher Kurs - mit
Entlarvung verborgener Motive der Verweigerung - zahlreiche
Anlässe zum ,,Einstieg" bietet. Einige davon sind die
Demonstrationen praktischer Maßnahmen, in denen ,,cooles"
Beherrschen von Handgriffen oder auch einfach körperliche
Kraft gezeigt werden kann.
1.4 Dozentenmotivation
Ich glaube, dass die Durchführung solcher Kurse mit allen o.g.
Einschränkungen richtig ist, auch wenn die Änderung einiger Rah-
menbedingungen sinnvoll wäre. Wer hier mit sich im Zweifel ist,
wird Schwierigkeiten haben, in einer solchen Kurssituation positive
Ergebnisse zu erzielen.
Ich persönlich fühle mich u.a. vor dem Hintergrund eigenen
altruistischen Engagements in der Lage, echte Übernahme von Ver-
antwortung vorzuleben und mich uneingeschränkt damit zu identifi-
zieren. Das fängt an bei der Übernahme von Wahlehrenämtern und
geht bis zur freiwilligen Reservistenlaufbahn und als Rettungs-
schwimmer. Auch meine Lebensführung (Erdgasauto, monatliche
Baumpflanzung, substanzielle Geldspenden für Naturschutz und En-
gagement für erneuerbare Energien als greenpeace energy - Genos-
senschafter), die in der Bilanz mehr klimawirksames CO
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- binded
als freisetzt ist von entsprechend konsequenter Umsetzung meiner
ethischen Überzeugung getragen. Ferner stärkt mir mein Bekennt-
nis zu Bio Lebensmitteln als vorgelebter Beitrag zu nachhaltigem
Umgang mit den natürlichen Ressourcen den Rücken.
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Das eigene Vorbild in der Haltung mag auf Teilnehmende
überspringen. Dabei ist es selbstverständlich schon ein Erfolg, die
individuelle Einstellung eines Teilnehmenden zum Thema günstig
beeinflusst zu haben (siehe 1. ,,primäres Kurziel"). Der Anspruch,
kleine Sanitäter(innen) ausbilden zu wollen, muß scheitern. Ich bin
bereit, geringe Detailperfektion zu akzeptieren, um die Motivation
nicht zu gefährden. Auch technisch unperfekte oder gar fehlerhafte
Hilfe ist oft emotional für Betroffene sehr wertvoll und im Vergleich
zur Verweigerung nicht selten lebensrettend und damit zielführend.
Dabei ist die eigene Bereitschaft zur Analyse des Handelns im
Kurs und das Verändern kleiner Dinge im Ablauf (begrenzt durch die
starren Rahmenbedingungen) der Schlüssel zur Verbesserung der
Veranstaltung. Ich denke, dass mein andragogisch - wissenschaftli-
ches Interesse daran für mich wichtig ist, um die unvermeidbare
Frustration über einzelne Teilnehmer(innen) und Kursituationen
nicht überhand nehmen zu lassen.
1.5 Die Veranstaltungsform
Die Blockveranstaltung ohne Voranmeldung ermöglicht eine
schnelle Erledigung des oft ultimativ benötigten Nachweiserwerbs.
Ebenso kann an Ort und Stelle auch der Sehtest und die Beschaf-
fung der Passfotos erledigt werden. Das ist oft die letzte Rettung für
die Saumseligen die z.B. am Samstag erscheinen und am Montag
den letzten Termin für die Abgabe dieser drei Dinge (Erste-Hilfe-Be-
scheinigung, Sehtest, 2 Passfotos) bei ihrer Fahrschule haben, da
am Donnerstag ihre Fahrprüfung ist.
Es gibt natürlich unter den rein kommerziellen Anbietern
enormen Konkurrenzdruck. Dagegen sind die Rettungsorganisatio-
nen (Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiter Samariter Bund, Johanniter,
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