Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
1 Problemstellung 4
2 Wirtschaftstheoretische Ansätze 5
2.1 Theorie der komparativen Kostenvorteile 5
2.2 Währungssystem und Wechselkurs 7
2.3 Zwischenfazit 9
3 USA und China 10
3.1 Chinesische Währungspolitik 12
3.2 Bilaterales Dilemma 13
4 Fazit und Ausblick 14
Literatur - und Quellennachweise 16
Einleitung
Schon im Vorfeld der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise, die 2006 mit dem Abschwung des US-amerikanischen Immobilienmarktes einsetzte, zeichneten sich Verwerfungen und globale Ungleichgewichte im internationalen Außenhandel ab. In ihrer Konsequenz verstärkten sich durch diese Ungleichgewichte die negativen Auswirkungen der Krise in den betroffenen Ländern empfindlich. Eine Sonderrolle aufgrund ihrer Bedeutung für den gesamten Welthandel durch ihr Handelsvolumen haben dabei die Außenwirtschaftsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China. Die USA, als größte Volkswirtschaft der Welt, sind hierbei gegenüber China seit deren Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) 2001 ins Hintertreffen geraten. Kontinuierlich hohe Außenhandelsüberschüsse ermöglichen dabei Chinas Aufstieg. Im Jahr 2009 wurde die Bundesrepublik Deutschland von China als Exportweltmeister abgelöst. Und auch Japan, als bis dahin größter Kapitalexporteur, wurde von China auf den zweiten Platz verwiesen (vgl. Belke 2010: 2). China wäre es theoretisch möglich, die 15 größten Unternehmen des Nasdaq-Index zu kaufen (vgl. Handelsblatt-Online, 2011). Zwischen 1978 und 2003 wuchs das chinesische Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner im Durchschnitt um 8,1 Prozent pro Jahr. 1978 stellte für China den Beginn eines umfassenden wirtschaftlichen Reformprozesses dar. Unter dem Motto Mao Zedongs - „Egal ob weiße oder schwarze Katze, Hauptsache sie fängt Mäuse.“ - öffnete sich China nach und nach dem Welthandel, mit überwältigenden Auswirkungen für die Bevölkerung (vgl. Schneider, 2007: 1). Während Anfang der 80er Jahre noch ungefähr 500 Millionen Chinesen in absoluter Armut lebten - definiert als verfügbares Einkommen von weniger als 1 US-Dollar pro Tag - waren es im Jahr 2000 nur noch rund 90 Millionen (vgl. Peters, 2004: 31).
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Diesem rasanten wirtschaftlichen Aufschwung Chinas stand Ende der 90er Jahre die schlechte konjunkturelle Lage der USA gegenüber. Zur Stimulation der inländischen Nachfrage wurde seitens der US-amerikanischen Regierung eine expansive Haushalts- und Fiskalpolitik betrieben, welche eine höhere Importnachfrage zur Folge hatte. Diese expansive Fiskalpolitik wurde mit dem Zusammenbruch der „New Economy“ zur Stützung der Aktienkurse beibehalten. Dadurch stiegen die Staatsverschuldung und das Handelsbilanzdefizit der USA massiv an. Gleichzeitig stieg aber auch die private Verschuldung in den USA infolge einer negativen Sparneigung und dem Zusammenbruch des Immobilienmarktes im Zuge der Subprime Krise (vgl. Schmied, 2010: 2). Aus dieser Lage heraus wuchs der Druck auf die politische Führung der USA. Erwähnenswert erscheint in diesem Zusammenhang ein Zitat von Hillary Clinton aus der amerikanischen Washington Post, welches die amerikanische Sicht der Dinge treffend auf den Punkt bringt. Die spätere Außenministerin verstieg sich, wenig diplomatisch, im Wahlkampf 2008 auf die Äußerung:
„This country [China, Anm. d. Verf.] manipulates its currency to our disadvantage, they engage in broad-based intellectual property theft, industrial espionage, they do not follow the rules they agreed to follow when they joined the WTO. What do we get in return from them? Well, we get tainted pet food, we get lead-laced toys, we get polluted pharmaceuticals." (ebd., 2008)
Besonderer Bedeutung kommt hierbei dem ersten Halbsatz zu, bildet er doch den Kern der Problematik des sino-amerikanischen Währungskonfliktes: China würde zum Nachteil der USA seine Währung manipulieren. Die immense Anhäufung von Währungsreserven ermöglicht es China die globale Finanz- und Währungsordnung in Frage zu stellen. Die Etablierung des Renminbi (RMB) auf internationaler Ebene scheint das Ziel der chinesischen Außenwirtschaftspolitik zu werden, um im gleichen Zuge langfristig den US-Dollar als jetzige Weltreservewährung abzulösen (vgl. Heep/Hilpert, 2009: 1).
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Unabhängig von dieser Perspektive, führen die durch das
Wechselkursungleichgewicht verschlechterten terms of trade zwischen den USA und China zu bilateralen Spannungen. Die aus dem Außenbilanzdefizit resultierenden Effekte für die USA sind die eingebrochene Konjunktur, eine schrumpfende Wirtschaft und die steigende Arbeitslosigkeit. Zum Handeln gezwungen, könnten protektionistische Maßnahmen wie Strafzölle auf Importgüter auf beiden Seiten ergriffen werden, welche wiederum empfindliche negative externe Effekte auf den gesamten Welthandel und die Weltkonjunktur hätten (vgl. Erber, 2010: 9). Derartige Optionen werden auf US-amerikanischer Seite in der Diskussion um Maßnahmen gegen die chinesische Währungspolitik erwogen. So diskutierte der US-Kongress bereits 2003 unilaterale Strafzölle von 27,5 Prozent und der Ökonom Paul Krugman forderte 2009 25 Prozent Strafzoll auf alle chinesischen Importgüter (vgl. Souminen, 2010: 209; Krugman, 2009: A25).
1 Problemstellung
Der diskutierte Währungskonflikt zwischen den USA und China kann nur im Zusammenhang mit den Prinzipien der Weltfinanz- und Handelsordnung verstanden werden. Dabei erscheint es angebracht das Betrachtungsfeld für diese Arbeit soweit einzuschränken, wie die einführend erläuterten Ungleichgewichte aus dem System der Integration der internationalen Märkte resultieren. Es ist in diesem Zusammenhang modelltheoretisch irrelevant um welche Währungen oder Länder es sich dabei konkret handelt. Der aktuell stattfindende implizite Währungskonflikt bzw. der befürchtete Handelskrieg zwischen den USA und China ist kein spezifisch chinesischamerikanisches Phänomen, sondern kann im Folgenden anhand außenwirtschaftstheoretischer Ansätze als systembedingtes Ergebnis erklärt werden.
4
Methodisch wird zunächst das Grundmodell der komparativen Kostenvorteile im Außenhandel sowie der monetären Währungstheorie erläutert. Danach wird gezeigt, welche Auswirkungen eine Störung des Systems auf das gleichgewichtige Marktergebnis hat und was sich daraus für den konkreten Fall des sinoamerikanischen Währungskonfliktes ableiten lässt. Weiterführende
Betrachtungen wie z.B. über die politischen Beziehungen der USA und China oder eine normative Beurteilung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen, wie sie im oben angeführten Zitat Hillary Clintons anklingen, sollen hingegen nicht geführt werden. Sie könnten im Rahmen der Arbeit nicht ausreichend berücksichtigt werden.
2 Wirtschaftstheoretische Ansätze
„It is quite important to the happiness of mankind that our enjoyments should be increased by the better distribution of labour, by each country producing those commodities for which its situation, its climate, and its other natural or artificial advantages is adapted, and by exchanging them for the commodities of other countries.” (David Ricardo, 1817: 132)
2.1 Theorie der komparativen Kostenvorteile
David Ricardo entwarf 1817, in Anlehnung an das Modell der absoluten Kostenvorteile von Adam Smith, ein Modell der relativen (komparativen) Kostenvorteile. Ein Land, dass durch unterschiedliche Technologie und somit unterschiedliche Produktivität verfügt, erfährt selbst dann Vorteile durch Handel, wenn es anderen Ländern gegenüber schlechter gestellt ist, also absolut eine geringere Produktivität aufweist. Gleichzeitig hätte das Land, welches in allen Bereichen eine höhere Produktivität aufweist, ebenfalls Vorteile durch Spezialisierung gegenüber einer Autarkiesituation. Ricardo verwendete zur Darstellung wie Smith ein 2x2-Modell.
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Arbeit zitieren:
Sebastian Reuther, 2010, US-Dollar vs. Renminbi - Der sino-amerikanische Währungskonflikt, München, GRIN Verlag GmbH
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