LEUPHANA UNIVERSITÄT LÜNEBURG
Analyse des Unterrichtsbausteins LUKAS
zum Thema „Bedürfnisse und Güterkonsum“ unter
dem Gesichtspunkt des induktiven Ansatzes von
Gerhard Gerdsmeier
angefertigt in den Seminaren: Wirtschaftsdidaktische Ansätze auf dem Prüfstand/
Komplexe Lehr-Lern-Arrangements in der
wirtschaftsberuflichen Bildung
vorgelegt von: Susanne Ahmadseresht
Abgabetermin: 30. März 2011
Inhalt
Inhalt
Einleitung 1
Gerhard Gerdsmeier und der induktiver Ansatz 2
Eigen - und Fremdmodellierung 2
Script -Modell 3
Analyse / Reflexion des induktiven Ansatzes 3
Das Unterrichtsmodell LUKAS - Darstellung und Analyse in Bezug auf 5
Gerdsmeiers induktiven Ansatz
Piepenbrocks fachliche Auseinandersetzung mit dem Thema 5
Methodischer Exkurs: Zukunftswerkstatt 8
1. Unterrichtssequenz: Bedürfnisse und Bedürfnisarten 10
2. Unterrichtssequenz: Entstehung und Veränderung von Bedürfnissen 11
3. Unterrichtssequenz: Ökonomische und ökologische Auswirkungen 14
wachsender Bedürfnisbefriedigung
4. Unterrichtssequenz: Wertewandel und Bedürfnisbefriedigung 15
Perspektiven für die Zukunft - „Zukunft braucht Herkunft“ 16
Ausblick 17
Literaturverzeichnis
Einleitung
Mit seinen neuen Überlegungen und Konzepten zum Wirtschaftslehreunterricht läutet Gerhard Gerdsmeier vor mehr als 20 Jahren eine neue Epoche der Berufs- und Wirtschaftspädagogik ein. Er ist der Vertreter einer induktiven Vorgehensweise und damit ein wichtiger Vertreter der wirtschaftspädagogischen Entwicklung seiner Zeit und darüber hinaus.
In meiner Arbeit stelle ich zunächst den induktiven Ansatz Gerhard Gerdsmeiers von 1980 in seinen Grundzügen dar. In einem weiteren Schritt werde ich versuchen zu verdeutlichen, wie die Überlegungen Gerdsmeiers in einem Unterrichtsbaustein (LUKAS) seiner Zeit verwirklicht worden sind und inwieweit sein induktives Konzept heute und in der Zukunft noch Bestand hat bzw. haben wird.
Für mich als angehende Wirtschaftspädagogin ist es eine Herausforderung, mich mit Gerdsmeiers Konzept auseinander zu setzen. Dazu wird es nötig sein,sein traditionelles Konzept zu hinterfragen, um Anregungen für meine zukünftige pädagogische Arbeit an berufsbildenden Schulen zu bekommen und die notwendigen Handlungskompetenzen zu erwerben, die mir bei meiner pädagogischen Standpunktsuche behilflich sind, damit die Berufsschüler der kommenden Jahre in den Genuss einer nachhaltigen beruflichen Bildung gelangen.
Angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen, des zunehmenden technischen Fortschritts, der Verwissenschaftlichung, der Globalisierung, der bedrohten Umwelt und des Wertewandels in unserer Gesellschaft müssen wir uns als Wirtschaftspädagogen immer neuen Herausforderung stellen, um eine effektive Berufsausbildung junger Menschen zu gewährleisten. Dazu gehört die berufliche Handlungsfähigkeit, Fach- und Sozialkompetenz, sowie Methoden- und Lernkompetenz. Die Auszubildenden sollen zum selbstständigen Planen, Durchführen und Kontrollieren angeleitet werden. (vgl. Kaiser/Kaminski 1997: 33)
Zur Vereinfachung werde ich mich in der folgenden Arbeit bei der geschlechterspezifischen Form „Schüler“ und „Schülerin“ sowie „Lehrer“ und „Lehrerin“ auf die beiden Begriffe „Schüler“ und „Lehrer“ beschränken.
1
Gerhard Gerdsmeier und der induktiver Ansatz
Gerhard Gerdsmeier gehört zusammen mit Wolfgang Lempert, Ingrid Lisop, Frank Achtenhagen, Günter Kutscha und Jürgen Zabeck zu der Gruppe von Fachleuten, die nach 1945 neue pädagogische und didaktische Konzepte für die Berufs- und Wirtschaftspädagogik erarbeitet haben.
Im Folgenden,stelle ich den induktiven Ansatz Gerdsmeiers in seinen Grundzügen von 1980 dar, um ihn später aus heutiger Sicht zu reflektieren. Dabei ist für mich von besonderem Interesse, wie laut Gerdsmeier, fundierte wirtschaftliche Grundkenntnisse bei Schülern gelegt werden, so dass sie ein Bestandteil ihrer privaten und beruflichen Lebenswirklichkeit werden.
Eigen- und Fremdmodellierung
Gerhard Gerdsmeier wendet sich gegen die bis in die 1970er Jahre geltende traditionelle Vorstellung der sog. „Wissensvermittlung“. Er geht davon aus, dass Schüler mit einem eigenen, durch ihre Umwelt geprägten Weltbild in den Unterricht kommen, und dass sie nur die Bildungsinhalte aufnehmen und in ihr Weltbild integrieren, die zu ihrem Weltbild passen. Für sie nicht integrierbare Bildungsinhalte werden verworfen.
Das Welt- und Spezialwissen wird von jedem Menschen individuell modelliert, um sich ein eigenes Weltbild zu schaffen. Im Alltag werden neue Erfahrungen und Eindrücke gesammelt, die das Weltbild komplettieren oder auch verändern können.
Beim Lernengelingt es im günstigsten Fall dem Lehrer, seine Schüler zu irritieren und ihre Vorstellungen von der Welt ins Wanken zu bringen. Dieser Prozess löst einen Konflikt aus, den der Schüler bewältigen muss, um sein Weltbild „zurecht zu rücken“. Allerdings findet dieser selbstgesteuerte Lernprozess nicht zwingend im Schüler statt; er kann auch fehlschlagen. Deshalb ist es die Aufgabe des Lehrers, sinnvolle Irritationen im Schüler auszulösen. Dies ist zwar lästig, aber beabsichtigt und für weitere Entwicklungen des Schülers notwendig. Diese Eigenmodellierungen sind die Voraussetzungen dafür, die Fremdmodellierungen aus den Wissenschaften zu begreifen. Der Schüler hat die Möglichkeit seine Eigenmodellierung zur Fremdmodellierung in Beziehung zu setzen, sie zu vergleichen und seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Dies ermöglicht eine tiefere Auseinandersetzung mit einem Thema und fördert ein nachhaltiges Lernen.
2
Script-Modell
Um das Konzept des induktiven Wirtschaftslehreunterrichts zu entwickeln greift Gerhard Gerdsmeier die Skript-Theorie von Roger Schank und Robert Abelson auf: „Ein Script ist eine Struktur, welche passende Sequenzen von Handlungenin einem
bestimmten Kontext beschreiben. […] Ein Script isteine voraussehbare, stereotype
Abfolge von Handlungen. Es beschreibt eine gutbekannte Situation und erlaubt
Rückschlüsse auf Objekte, obwohl diese nichtgenannt wurden.“ (Schank/Abelson 1977:
41)
Das Hauptinteresse von Schank und Abelson lag in der Modellierung von menschlicher Sprache auf dem Computer.
Gerdsmeier überträgtals Erster deutschsprachiger Pädagoge das Script-Modell auf wirtschaftsdidaktische Problemfelder und entwickelt anhand dessen sein eigenes Script-Modell für den induktiven Wirtschaftslehreunterricht.
Gerdsmeier versteht unter Scripts „subjektive kognitive Aufzeichnungen über Handlungssequenzen in bestimmten Kontexten.“ (Gerdsmeier in Fischer 2003: 181) „Vereinfacht kann man sagen, dass Scripts die kognitive Repräsentation von sozialen
Routinen sind, deren Stereotypisierung nicht selten arrangiert wird (etwa in
Arztpraxen, Restaurants, Selbstbedienungseinrichtungen usw.) […] Das kognitive
Schema dazu wird beschrieben als eine (meist feste) Abfolge von Szenen, die den
Vorgang insgesamt gut abbilden. Für jede Szene werden die Akteure, Erwartungen,
Requisiten usw. hervorgehoben, die dort notwendig und typisch sind.“ (Gerdsmeier
2006: 5)
Die Schüler haben im Laufe ihres Lebens selbst zahlreiche Scripts konstruiert, die aus ihrer eignen Lebenserfahrung resultieren und diese täglich anwenden. Diese Scripts eigenen sich dazu, das eigene Weltbild entstehen zu lassen und zu modellieren. Dies trägt zur Alltagsbewältigung bei und erleichtert das Leben insofern, dass Lebenssituationen überschaubarer und berechenbarer werden, weil Scripts von einem Lebensbereich auf einen anderen übertragen werden können.
Analyse/ Reflexion des induktiven Ansatzes
Für Gerdsmeier ist das Script-Modell nicht für die direkte Umsetzung im Unterricht gedacht, sondern eher ein Gedankenspiel, das am Alltag der Schüler anknüpft und versucht sie dort abzuholen, wo sie stehen. Die einzelnen Lebenserfahrungen der Schüler sieht er als episodische Scripts an, die er sich zu Nutze macht, um ökonomische Bildungsinhalte zu veranschaulichen. Indem er an die Erfahrungswelt der Schüler anknüpft, spricht er nicht nur ihren Verstand, sondern auch ihre Emotionen an, was lernpsychologisch gute Voraussetzungen für die Verinnerlichung von Wissen schafft. Damit steht Gerdsmeier im
3
Arbeit zitieren:
Susanne Ahmadseresht, 2011, Analyse des Unterrichtsbausteins LUKAS zum Thema „Bedürfnisse und Güterkonsum“ unter dem Gesichtspunkt des induktiven Ansatzes von Gerhard Gerdsmeier, München, GRIN Verlag GmbH
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