Sowohl in der Politik als auch auf den Gebieten von Elektronik und Informatik wird die Geschwindigkeit ein immer wichtigerer Faktor. Hier zählt außerdem nicht mehr die Speicherung sondern die Anzeige der Informationen, welche entscheidend ist. Mit dem Auftauchen des Motors änderte sich damals sowohl die Eigenschaft von Geschwindigkeit in Hinblick auf die wissenschaftlichen Forschung als auch in Hinblick auf kinematographische Bilder (Bewegte Bilder) welche nun, dank doppelter Projektoren, zugleich verarbeitet werden konnten.
Schon Alexander der Große fürchtete schon damals nur, durch seinen Eroberungsdrang und der Geschwindigkeit mit der er seinen Kampf anführte, eines Tages an eine Grenze zu stoßen. Ähnlich ist hier der Blick auf die Tachonadel eines Rennfahrers, welcher mehr oder weniger lebenswichtig für ihn ist. Hier ist ein schwindelerregender Ablauf der Zeit zu erkennen, welcher durch die Geschwindigkeit des Angriffs entstand.
In den 30er Jahren erkannten Filmproduzenten in Amerika, dass die Technik des Films sie aus der damaligen Flaute retten konnte. Menschen stürmten damals die Kinosäle um den tristen und trostlosen Alltag zu entfliehen.
Zum Zusammenspiel von Auge und Motor kam nun die Eigenschaft hinzu, die visuelle Prothese mit den Transportprothesen von Körpern verschmelzen zu lassen. Um nun die Gedanken der Schauspieler einzufangen, wurden Großaufnahmen dessen Gesichter gezeigt in Kombination mit Schlachtfeldern, Meer und Himmel, Straßen usw. Diese Optik ähnelte nun dem Reisen, dem Hinausschauen aus dem Zugfenster und die vorbeiziehende Landschaft. Diese Technik wirkt sich auch auf die Kameraeinstellungen aus. So soll die Landschaft und deren Hintergrund mehr und mehr in die Handlung bzw. in das vorhandene Bild miteinbezogen werden.
Vergleichbar auch mit den Eigenschaften eines leidenschaftlichen Autofahrers: Die Geschwindigkeit macht das Sehen zum Rohstoff, mit zunehmender Beschleunigung wird das Reisen zum Filmen“....oder auch umgekehrt.
In seinem Wagen nimmt der reisende Voyeur das Verhalten eines notorischen Kinogängers an.
Weiters verändert sich auch die Ästhetik und Eigenschaften von Städten in Filmen. Diese verschwinden in den special effects der Kommunikations- und Verkehrsmaschinen, welche in diesen „Supercities“ herrschen. Die Kunst verschwindet mehr und mehr im grellen Licht der Anzeigentafeln und Scheinwerfer (Vgl. „Batman“ - Gotham City oder „M-Die Stadt sucht einen Mörder).
Mit diesen Eigenheiten kann man nun das Kino vergleichen: Dunkle Vorführräume werden nur durch Projektorstrahlen behellt, welche die Sonne ersetzen und nicht mehr das Theater ist Stadtkern, sondern das Lichtspiel der Stadtbeleuchtung.
Jedoch müssen sich neue Errungenschaften nicht immer positiv auswirken. So tut sich die Fernsehwelt noch etwas schwer die immer häufigeren Bild- und Toneffekte zu verarbeiten weil es technisch noch nicht ganz möglich ist. Durch die aufkommende Autoindustrie, neue Diskotheken mit deren Lichtspielen und Walt Diseny Wordl’s sank das Interesse am Kino. Das heißt zwar dass die Zuseher die Kinosäle verlassen hatten, sich aber dennoch der restlichen Künstlichen Welt aussetzten.
(Vgl. Menschen beklagen sich über ihre Einsamkeit, scheuen aber den Kontakt zu anderen) Immer wieder vergleicht Virilio das Autofahren mit dem Kino bzw. mit Licht-Ton Spiele. So erwerben Führerscheinneulinge ähnliche Gewohnheiten wie im Kino, das heißt mit konditionierten Reflexen auf entsprechende Stimuli zu reagieren. Die Aufmerksamkeit wird durch Licht- und Tonsignale geweckt bzw. stimuliert. Überhaupt sind wir mehr oder weniger in vielen Stationen unseres Lebens von Licht und Tonsignalen abhängig. Man vergleiche die Ungeborgenheit, Angst und Verunsicherung bei einem Stromausfall.
Im 3.Kapitel geht Virilio auf das Bewußtseinsphänomen ein. Hier vergleicht er Adam und Eva und deren gegenseitige Verführung mit dem Andruch einer neuen Dimension, eines neuen Universums. Der Körper und Geist wird in eine neues Gebiet der Zeit geführt, welches unbeständig und beweglich gilt - leit und wandelbar.
Hier ist vor allem die Anziehungskraft der Frau ausschlaggebend, jedoch nicht im negativen Sinne gemeint. Die sexuelle Paarung bzw. das „Spiel“ Mann - Frau ist eine Art „gemeinsamer Antrieb“. Pornos und Erotikfilme sind somit die neuen Anziehungspunkte im Film.
Hier löst erst der Horrorfilm dieses Erotik Genre ab. Sex wird hier durch Angst abgelöst. Die menschlichen Vermittler verschwinden und es kommt zu einer Verbindung mit dem technischen Objekt, welches Träger und Motor ist. (Anm.: Ähnlich wie bei Science Fiction Filmen)
Im Horrorfilm ist dieses Gesetz der Bewegung noch vollkommener erfüllt. (Der Zuseher ist hier noch mehr mit dem Darsteller zB. dem Monster oder Opfer etc. verknüpft) Es geht darum den Blick auf sich zu ziehen, ihn zu fesseln und damit die Aufmerksamkeit von etwas anderem abzulenken oder zu bekommen. Es geht um eine Täuschung einer schon vorhandenen Täuschung.
Auch der Realismus spielt eine wichtige Rolle, er ist in vielen Filmen eine Art Resumé der Erzählungen. Diese können natürlich nicht in ganzer Länge gezeigt werden. Das Plötzliche beinhaltet hier dermaßen viele Ereignisse innerhalb kürzester Zeit, dass sich das Auge nur auf das Resumé dieser beschränkt, da es nicht alles zu erfassen mag. Um wichtige Szenen darzustellen behilft man sich Hilfsmitteln wie zB. der Zeitlupe. Weiters sagt Virilio zur Eigenschaft der Verführung dass sie sich in einer Welt des Verhängnisses befindet, in der weder Gut und Böse, noch Zeit und Raum oder Erfolg eine Rolle spielt. Das Aussehen einer Frau ist ausschlaggebend für die Verführung. Prächtiger Schmuck und betörendes Funkeln der „Verführungswaffen“ setzten schon Krieger ein, aber auch Frauen bis in hohe Alter können damit Männer anlocken. Dies zieht sich bis heute hin, indem die Frau durch Technik verführt. Sie kann sportliche Rekorde aufstellen, in ein schnelles Auto setzen usw. Dies alles ersetzt nun ein Korsett oder teuren Schmuck. Die Frau wird dadurch aber teils auch nur mehr als Werbebotschaft verwendet, als Sinnbild für Vollkommenheit im Schönheitswettbewerb usw. und die Aufmerksamkeit für sie schwindet. Auch hier sieht man die Geschwindigkeit, mit welcher sich diese Eigenschaften im negativen Sinne verbreiten: Was funktioniert, ist bereits überholt. Was passiert aber nun? Der Techniker wird zum Opfer der Bewegung - zum Opfer der Geschwindigkeit. Er kann den aufkommenden Atomreaktorunfall nicht verhindern, da selbst die schnellsten Computer nicht auf atomare Reaktionen reagieren können. Im 4.Kapitel wird von Virilio beschrieben, dass der Mensch nur mehr in Zeitdruck lebt und viele Bewegungen dieser Welt, besonders im Kino, Tv etc. gar nicht mehr hinterfragt. Zeitlupen werden natürlich und werden ebenfalls kaum hinterfragt. Diese Gewalt der Geschwindigkeit beherrscht auch die technische Welt. Die Technik reproduziert letztendlich die ununterbrochene Gewalt eines Unfalls. (zB. Zeitlupen von Autounfällen, Ski-Unfällen usw.)
Auch der Krieg verwandelt sich in eine „gemütliche“ Arbeit. Mit Hilfe von Technik und Geschwindigkeit werden Kriege von Ingenieure geführt und nicht mehr von Kriegern, ohne jedoch die Auswirkung der Geschwindigkeit eines solchen Krieges zu hinterfragen.
Diese Auswirkungen der Geschwindigkeit heben die allgemeine Dauer einer kontinuierlichen Bewegung auf. Film ist hier neben Zeichnung, Malerei, Musik und Mechanik und Elektrizität eine siebte Kunst. Alle diese Eigenschaften sind zwangsläufig miteinander verbunden. Die Musik modifiziert den Atemrythmus und den Pulsschlag, sie beschleunigt oder verlangsamt sie. Die visuelle Aufmerksamkeit ist zwar mit den Augenbewegungen verbunden, aber auch andere Körperbewegungen spielen eine Rolle.
Virilio, der Theoretiker der Geschwindigkeit - erklärt diese damit, dass er die verschiedenen Lebensabschnitte eines Menschen in Bezug mit den Eigenschaften dieser gleichsetzt. Die Wahrnehmbarkeit verändert sich je nach Lebensalter. Aber auch in der Technik ist die Geschwindigkeit ausschlaggebend. Neue Errungenschaften bringen neue Erfindungen hervor und lösen somit Eigenschaften ab und verändern dadurch die Aufmerksamkeit und Gewohnheiten eines Menschen. Sowohl in der Sexualität, im Kino als auch in der Kriegsmaschinerie.
Arbeit zitieren:
Jürgen Eppinger, 2012, Über Paul Virilio - "Ästhetik des Verschwindens" (1980) , München, GRIN Verlag GmbH
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