Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung.
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2. Zum Film Mikrokosmos.
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2.1 Inhalt.
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2.2 Claude Nuridsany und Marie Pérennou.
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2.3 Entstehung des Films Mikrokosmos.
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2.4 Rezeption des Films Mikrokosmos.
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3. Empathie.
3.1.1 Empathie als allgemein kognitive Fähigkeit
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oder affektive Reaktion.
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3.1.2 Abgrenzung von Empathie und Mitleid.
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3.2 Empathie als prozesshaftes Geschehen.
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4.1 Empathie mit dem Tier.
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4.2 Was Mensch und Tier verbindet und gleichzeitig trennt.
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5.1.1 Empathie mit Insekten.
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5.1.2 Kleiner Exkurs.
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5.1.3 Die Liebe zu Insekten.
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5.2 Empathie in dem Film Mikrokosmos.
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6. Fazit.
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7. Literaturverzeichnis.
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8. Anhang.
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8.1 Filmprotokoll.
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8.2 Abbildungsverzeichnis.
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1.Einleitung
Den Menschen scheint auf den ersten Blick vieles mit dem Tier zu verbinden, vieles schafft aber gleichzeitig auch eine große Kluft zwischen denselben. Eines ist jedoch sicher, der Mensch ist alleine in seinem Universum, in dem sich nur selten seine Blicke mit denen der Tiere kreuzen. Ein Gefühl der Vertrautheit stellt sich für einen kurzen Moment ein und der Augenblick des gegenseitigen Erkennens beunruhigt den Menschen ein wenig. Dann ruft der menschliche Verstand ihn wieder in sein eigenes Universum zurück und das Tier, welches einen Augenblick zuvor noch Gefährte war, ist wieder in seiner Welt, deren Sprache wir nicht kennen. Die Tiere bewohnen eine zur menschlichen parallelen Welt. Bei den üblichen Haustieren, die den Besitzer umschnurren, ihn schwanzwedelnd an der Haustür empfangen oder putzig piepende Geräusche machen gelingt bisweilen der Blick in die fremde Welt der Tiere. Man kann sich einfühlen, die Tiere lieben und versuchen, seinen Lebensraum zu teilen. Das Universum der Insekten ist von der „normalen“ Welt der Haustiere, besonders aber von der der Menschen sehr weit entfernt, sie liegt an der Grenze unserer Wahrnehmungsfähigkeit. Die Augen der Insekten betrachten uns und aus dieser anderen Welt, sie sind eine Art Spiegel, der uns unsere eigene Merkwürdigkeit erkennen lässt 1 . Die meisten Menschen vermögen sich mit „normalen“ Tieren ohne weiteres zu identifizieren, eine Art Beziehung zu ihnen aufzubauen. Insekten dagegen sind das Ziel zahlreicher Phobien und Ängste, da sie eine vom Menschen völlig fremdartige Gestalt haben. Sie bewegen sich anders und sie kommunizieren anders. Der Film Mikrokosmos handelt von genau diesen uns so fernen Tieren. Anhand dieses Films versuche ich in meiner Arbeit offen zu legen, ob man den Empathiebegriff, an welchen eine schrittweise Annäherung im ersten Teil der Arbeit erfolgt, auch auf die Insekten im Film Mikrokosmos anwenden kann. Zum besseren Verständnis der Zusammenhänge stehen am Beginn der Arbeit einige Kapitel zu Inhalt, Entstehung und den Machern des Films. Darauf folgt ein allgemeiner Ansatz aus der Psychologie, um die eigentliche Bedeutung vom Empathie zu erläutern und diese final auf die Tierwelt zu übertragen. Im entscheidenden Kapitel des Hauptteils werde ich mich auf einzelne Sequenzen des Films beziehen und an ihnen die Mittel von Nuridsany und Pérennou, mit denen sie eine empathische Beziehung zwischen Zuschauer und Insekt herstellen, offen legen.
2. Zum Film Mikrokosmos
2.1 Inhalt
Der Film „Mikrokosmos- Das Volk der Gräser“ (1996) ist ein Dokumentarfilm von Claude Nuridsany und Marie Pérennou, welcher dem Zuschauer die Welt der kleinen Tiere inmitten einer Wiese im Aveyron in Südfrankreich 2 eröffnet. Die Kamera gleitet zunächst über den Wolken, senkt sich herab über Baumkronen und sinkt tiefer und tiefer bis sie in eine Urwald gleiche Wiese abtaucht. Die Musik, ein von einem Kind gesungenes Lied verstummt zugunsten von lautem Dschungellärm, welcher einen 74-minütigen Film einleitet, der fast ganz ohne menschliche Kommentare, einfach nur aus nächster Nähe verschiedene Szenen aus dem Alltag einiger Insekten vorstellt. Der Film zeigt einen Kosmos, in welchem ganz eigene Gesetze herrschen und der Begriff von Zeit eine dem Menschen fremde Dimension hat. Nuridsany und Pérennou präsentieren eine Galaxie im Zentimtermaßstab, wobei für den Menschen kleine Grasbüschel, zu undurchdringlichen Wäldern für die Tiere, Tautropfen zu riesenhaften Ballons und ein Tag zu einem halben Insektenleben wird. Der Zuschauer bewegt sich hierbei auf gleicher Höhe mit den Tieren, deren Welt sich für ihn auftut: Ameisen können hier Gerüche ertasten, Bienen können Wiesenblumen wie aus dem Nebel auftauchende Lichter sehen und nur wenige Duftmoleküle zeigen einem Nachtpfauenauge den Weg zu seinem Kilometer weit entfernten Weibchen. Die unterschiedlichsten Akteure der Insektenwelt werden dabei gezeigt, wie sie mit den ihnen alltäglich begegnenden Gefahren umgehen oder ihnen aus dem Wege gehen, und wie sie sich diesem Lebensraum angepasst haben um ihre Art zu erhalten. Der Zeitraum des Geschehens erscheint dem Zuschauer hier wie ein Tag und eine Nacht im Leben der Wiesenbewohner.
„Früh morgens auf einer Wiese irgendwo auf dieser Erde- aber in dieser Wiese verbirgt sich eine andere Welt- ein Planet. Wilde Gräser wachsen zu einem undurchdringlichen Dschungel, Steine wachsen zu Bergen an, das kleinste Wasserloch verwandelt sich in einen Ozean. Der Lauf der Zeit erhält andere Dimensionen. Eine Stunde wird zu eine Tag, wird zu einer Jahreszeit und eine Jahreszeit dauert solange wie ein Leben. Aber schscht..., ganz leise sein, nur so können wir in diese Welt eindringen und ihren Geräuschen lauschen...“
Dies sind die einzigen gesprochenen Worte mit denen der gesamte Film Mikrokosmos auskommt. Nuridsany und Pérennou enthalten sich also einer Zeigefinger- Didaktik 3 , wie man sie von Grzimeck kennt, zugunsten stimmungsvoller Musik, welche Emotionen in den Erzählbogen, der sich vom Morgengrauen bis zur Nacht spannt, legt 4 . Außerdem überzeugt Mikrokosmos mit einer ausgefeilten Geräuschkulissen und nicht zuletzt phantastischen
Bildern aus der Welt der Insekten, überwältigend in ihrer Schönheit, aber auch verstörend in der Dokumentation des unbarmherzigen Kampfs ums Überleben. Nuridsay und Pérennou wählen hier nicht lediglich Verhaltenssequenzen wegen ihrer hohen ästhetischen Qualität, oder ihrer Spektakularität aus. Um dem Film ein klares Szenario zu geben, setzt sich hier das Prinzip der Einheit von Ort und Zeit durch, um eine erzählerische Kontinuität zustande kommen zu lassen 5 . Eine detaillierte Angabe zum Inhalt des Films ist im Anhang in Form eines Protokolls zu finden, um einzelne Szenen, auf welche in den folgenden Kapiteln bezug genommen wird, plastischer zu gestalten.
2.2 Claude Nuridsany und Marie Pérennou
„Insekten. Einmal eine Libelle sein (1992). Insgesamt wollen die beiden Biologen ihr Publikum sensibilisieren und ihnen gleichzeitig die Augen öffnen, welche Schönheit und Vielfalt die Natur zu bieten hat, für die sich der normale Mensch kaum Zeit nimmt. 6
2.3 Entstehung des Films Mikrokosmos
Vier Jahre streiften Claude Nuridsany und Marie Pérennou mitsamt ihrem Regieteam und hochdifferenzierten Makro- Objektiven durch eine Wiese in Südfrankreich 7 . Mit eigens von ihnen entwickelten Techniken wurden millimeterkurze Fahrten, Zooms und Schwenks auf kleinstem Raum realisiert 8 . Da eine normale kinematographische Ausrüstung kaum speziell für das Filmen von Insekten geeignet war, verlangte der Film eine technische Infrastruktur, welche außerhalb der üblichen Normen lag 9 . In der traditionellen Vorgehensweise für Dokumentarfilme, die das Tier als Studioobjekt sieht und die Kamera kaum mo-
bil und festgeschnallt auf ein Stativ nutzt, fanden Nuridsany und Pérennou nicht die Art, in welcher sie ihren Film realisieren wollten, wesshalb sie auch hiermit brachen, um „ihren“ Insekten von Beginn an den Status von Persönlichkeiten zu verleihen, wie ihn auch richtige Schauspieler in richtigen Filmen besitzen 10 . Diesen Eindruck wollte man mit Hilfe von
Verschiebungen eines Kamerakrans (siehe Abb. 3) durch Totalen und Schwenks und deren Kombinationen einfangen, was sich aber als schwierig erwies, da diese Technik erst noch entwickelt werden musste. Nach 18 Monaten war ein fünfbeiniger, 300 Kilogramm schwerer Roboter für die Makroaufnahmen fertiggestellt, mit dessen Hilfe die Filmcrew eine 35 Millimeter- Kamera auf Insektenhöhe mit der Flexibilität einer geschulterten Kamera und der Präzision eines Mikroskops über der Wiese platzieren konnte
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.
2.4 Rezeption des Films Mikrokosmos
Der Film Mikrokosmos wurde in Frankreich, wo er sogar amerikanischer Kassenschlager weit hinter sich ließ, zu einem der Erfolgreichen Filme überhaut. Außerdem ist er besonders in Kreisen der Insektenliebhaber, wie ich bei meinen e-mail Anfragen feststellte, ein Muss. Er wurde 1996 auf dem Filmfest in Cannes mit dem großen Preis der Technik und in Locarno ausgezeichnet. Außerdem gewann er den Großen Preis beim 15. internationalen Umweltfilms in Paris.
3. Empathie
Der Begriff Empathie ist eine Rückübersetzung des Englischen „empathy“, eine von Titchener eingeführte Wendung für das sich einfühlen und hat seinen eigentlichen Ursprung im Altgriechischen „empátheia“, heftige Leidenschaft 12 . Seine erstmalige Verwendung hat der Begriff Empathie im Verstehen von Kunstwerken und geht zurück auf den Kunsthistoriker Visher und Lipps, welcher den Begriff dann in die Psychologie einbringt 13 . Max Weber etabliert diesen in Übertragung auf das Seelische in seinem heute
geläufigen Sinn. Der ursprüngliche Begriff Empathie ist hier als ein sich einfühlen im Sinne von einem Verstehen des Kunstwerkes, indem man seine eigenen Gefühle und Stimmungen in das Werk hineinverlegt, oder in den dahinter vermuteten Künstler, gemeint 14 . Heute hat der Terminus Empathie vornehmlich eine Bedeutung in Bereichen wie der Sozial-, Entwicklungs- und Klinischen Psychologie, wobei der Zusammenhang von Empathie und Hilfsbereitschaft stark in den Vordergrund tritt. Was man heutzutage unter dem Begriff Empathie versteht, wird im folgenden Kapitel erläutert.
3.1.1 Empathie als allgemein kognitive Fähigkeit oder affektive Reaktion
Modernere Auffassungen des Empathiebegriffs halten sich meist an eines von zwei dominanten Elementen von Empathie, das kognitive Miterleben wie etwa das Begreifen und Wissen über die inneren Vorgänge eines anderen, und das affektive Miterleben, Nacherleben, oder eine emotionale Reaktion auf die vom Gegenüber wahrgenommenen Gefühle oder Erlebnisse, sowie dessen Situation 15 .
Aus Sicht der Phänomenologie ist mit dem Begriff „Empathie“ die Fähigkeit, an dem emotionalen Zustand einer anderen Person teilzunehmen und diesen zu verstehen, gemeint. Lange Zeit galt Empathie als primär kognitive Fähigkeit die Gedanken, Perspektiven und Gefühle eines anderen zu erkennen und gleichsam zu verstehen 16 . Hiergegen gibt es jedoch mehrere Einwände. Aus allgemeinpsychologischer Sicht werden Kognitionen bewusst hervorgerufen, wogegen es gerade ein typisches Merkmal von Emotionen ist, dass sie einem wiederfahren, somit wird Empathie allgemein als eine Erfahrung gesehen, gegen die sich eine Person nicht einfach abzugrenzen vermag 17 . In den neueren Emotionstheorien werden Emotionen als intentionale, wenn auch hastige Urteile gesehen, die die Funktion haben, den Tatsachen eine Bedeutung zu verleihen und somit den beurteilten Sachverhalt auf die eigene Person zu beziehen. Unter zu Hilfenahme dieser Auffassung kann Empathie, ausgelöst durch den emotionalen Zustand einer anderen Person, als emotionale Reaktion gedeutet werden 18 . Eine weitere Theorie besagt, Emotionen bezögen sich immer auf Person-Umwelt-Beziehungen, welche entweder Leid oder Wohlgefallen umfassen. Aus entwicklungspsychologischer Sicht werden drei Komponenten der Empathie postuliert. Es handelt sich um Rollenübernahmefähigkeit, Diskiminationsfähigkeit, also die Identifikation mit dem emotionalen Zustand einer anderen Person, sowie das Hervorrufen einer
Arbeit zitieren:
Andrea Deutsch, 2003, Empathie mit Tieren in dem Film 'Mikrokosmos- Das Volk der Gräser' von Claude Nuridsany und Marie Pérennou, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
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