Kinder aus Alkoholikerfamilien aus (sonder-) pädagogischer Sicht
- Grundlagen von Prävention und InterventionMMMMMMM
Gliederung/Inhalt
Deckblatt 1
Gliederung/Inhalt........................................................................................ 2
1. Zu dieser Arbeit 4
2. Alkoholikerfamilien 7
2.1 Die Krankheit 8
2.1.1 Alkoholismus (Ätiologie Epidemiologie Phasen Typen) 9
2.1.2 Schäden durch Alkoholismus 20
2.2 Die Familie Der andere Partner 22
2.2.1 Co-Abhängigkeit 24
2.3 Die Kinder: Schäden und Risiken 27
2.3.1 Epidemiologie 27
2.3.2 Physische psychische und soziale Schäden 28
2.3.3 Suchtkrankheit 32
2 NA
3 Prävention Intervention in pädagogischen Einrichtungen 34
3.1 Grundlage: Wissen der Mitarbeiter (Vermittlung: Wo Wie) 36
3.2 Grundlage: Erkennen gefährdeter Kinder 41
3.2.1 Kontakte mit Betroffenem dem anderen Partner sonstigen Personen 41
3.2.2 Kindes-Äußerungen beachten und Rollenmuster (er)kennen 43
3.3 Definitionen Abgrenzungen (Prävention-Intervention) 50
3.4 Prävention 51
3.5 Interventionschancen -Strategien 57
3.5.1 Der alkoholkranke Elternteil 60
3.5.2 Der andere Partner 62
3.5.3 Das Kind 64
3.6 Notwendigkeit interdisziplinären konkret vernetzten Arbeitens 72
4. Resümee 75
Quellen Literatur 81 NA
Erklärung 83
3 NA
1. Zu dieser Arbeit
Alkoholabhängigkeit wird seit einigen Jahrzehnten als Krankheit anerkannt, erforscht und behandelt. Sowohl professionelle Bemühungen (durch Mediziner, Soziologen, Psychologen, etc.), als auch Aktivitäten der Betroffenen selbst (insbesondere Selbsthilfegruppen und - Organisationen) sind in diesem Zusammenhang erwähnenswert.
Im Laufe der Zeit kam man zu der wichtigen Erkenntnis, daß in Bezug auf “Sucht” in der Regel nicht ein einzelnes, isoliertes Individuum “zur Behandlung ansteht”, sondern daß sich Abhängigkeit entwickelt, daß vielfache Ursachen hierfür maßgeblich sind und -vor allem- daß
die Menschen in der sozialen Umgebung des Süchtigen mitwirken an der Entstehung und Aufrechterhaltung der Suchtkrankheit. Dies fast immer unwissentlich und sehr oft besonders dann, wenn sie selbst in hohem Maße unter der Krankheit des Betroffenen leiden und alles nur menschenmögliche tun, um ihm (scheinbar) zu helfen. Mitbetroffene in diesem Sinne sind natürlich vor allem die jeweiligen (Ehe-)Partner der Abhängigen, auch Söhne und Töchter, sowie Eltern oder andere enge Verwandte können hier angesprochen sein. Im -nur etwas- weiteren Sinne werden aber auch Arbeitskollegen, Vorgesetzte und andere Personen aus dem Umfeld oft vom Alkoholsüchtigen als wichtige Faktoren in sein krankes System mit einbezogen. Der Fachbegriff für dies unbeabsichtigt suchtfördernde Verhalten lautet “Co- Abhängigkeit” oder, hier, eben “Co-Alkoholismus”. Der Erkenntnisgewinn bezüglich dieser Sachverhalte brachte wichtige Impulse in Bezug auf bessere Hilfe und Unterstützung für Betroffene und Angehörige. Später sollen hierzu auch noch weitere, wichtige Erläuterungen gegeben werden.
Hauptsächlich jedoch soll im folgenden von einer Gruppe die Rede sein, die allzu lange vergessen wurde: den Kindern aus Alkoholikerfamilien. Sie sind Mitbetroffene in besonderer Hinsicht. Einerseits verfügen auch sie nicht über die notwendigen Informationen, verhalten auch sie sich in der Regel so, daß der süchtige Vater, die süchtige Mutter in der Krankheit bleibt, keine Anstalten unternimmt die Sucht zum Stillstand zu bringen und insofern sind auch sie, die Kinder, “Co-Alkoholiker”. Andererseits sind sie aber Opfer in doppeltem Sinne, denn sie sind körperlich unterlegen, rechtlich höchstens beschränkt handlungsfähig und ganz allgemein mit weniger Möglichkeiten und Kompetenzen versehen als jeder erwachsene “Co”.
Erst seit vergleichsweise wenigen Jahren hat sich die Forschung dieser Kinder angenommen, ganz konkrete, praktische Einrichtungen, Hilfen und “Strategien zur Hilfe” fehlen bislang noch in hohem Maße.
Hier soll versucht werden, einen Beitrag zu leisten.
Kinder bewegen sich im öffentlichen Raum, sei es im Kindergarten, im Hort, der Schule, offenen Kinder- und Jugendeinrichtungen, oder verschiedenen sonderpädagogischen Einrichtungen. Vielfach wäre es möglich -früher und öfter als bisher- die von Sucht massiv
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mitbetroffenen Kinder zu erkennen und ihnen zu helfen. Ein sehr “schwieriges Geschäft” wird dieser Prozeß allerdings wohl in jedem Falle bleiben.
Es gibt einige typische Verhaltensweisen und oft eingenommene Rollen von Kindern aus Alkoholikerfamilien, dasselbe gilt für den mitbetroffenen Partner und auch den Süchtigen selbst. In der Begegnung mit dem Kind, dem Partner, möglicherweise auch dem Betroffenen diese Rollen zu kennen, kann nicht nur hilfreich sein, oft ist es eine der Grundbedingungen für die rechtzeitige “in Gang Setzung” eines Hilfeprozeßes.
Hierzu sind zunächst einmal die entsprechenden Kenntnisse notwendig. Geklärt werden müssen also Begriffe und Sachverhalte wie “Alkoholismus-Phasen”, “Alkoholiker-Typen”, “Co- abhängiges Verhalten” und “typische Rollenmuster der Kinder”.
Es soll demnach im folgenden zunächst noch einmal auf die Krankheit und auf das Verhalten des jeweils dem Süchtigen “nahestehendsten” Menschen eingegangen werden. Anschließend werden die Risiken und Schädigungen hinsichtlich der betroffenen Kinder näher geschildert. Schon hier wird deutlich werden, daß das vorliegende Thema ein wichtiges ist, mit dem zu beschäftigen sich lohnt.
In der Folge soll dann einiges zum Thema “Prävention und Intervention in pädagogischen Einrichtungen” (wie Kindergärten, Horten, Schulen und in der offenen Kinder-/Jugendarbeit) gesagt werden, insbesondere zu den Voraussetzungen hierfür. Detaillierte Handlungspläne, Schilderungen entsprechender didaktischer Einheiten und Projekte, u.ä. können dagegen hier nicht gegeben werden, dies würde den Rahmen der Arbeit sprengen. Wenn aber einige grundlegende Bedingungen für qualifizierte Hilfe besser abgeklärt und -zumindest grob und skizzenhaft- “Strategien für den pädagogischen Alltag” angeregt werden können, so ist wohl schon einiges erreicht.
Gelegentlich wird es notwendig sein, wichtige Begriffe in kurze Definitionen zu fassen. Dies soll in den jeweiligen Kapiteln geschehen.
Vorweg will der Verfasser, wie immer bei solchen Gelegenheiten, daher auf etwas hinweisen: Der Versuch, Wirklichkeit in Begriffe zu fassen, also Definitionsversuche zu machen ist allgemein sicherlich wertvoll. Überhaupt erst einmal klar zu machen, worüber man eigentlich spricht, erleichtert die Kommunikation und ermöglicht somit, im günstigen Fall, das Gewinnen neuer Erkenntnisse. Vergessen werden darf dabei aber nicht, daß “Realität” naturgemäß nicht vollständig faßbar ist -und bleibt- stets wird definitorisch an den “Rändern” von Begriffen “abgeschnitten”, d.h. Teile von möglichen Bedeutungen gehen verloren, Übergänge, Mischungen, etc. sind nicht adäquat darstellbar. In der Bewußtheit dieser Einschränkungen wird an den jeweils sinnvollen Orten versucht werden, sich erklärungsbedürftigen Begriffen (wie z.B. “Sucht”, “Co-abhängigkeit”, etc.) zu nähern.
Zum Abschluß dieser Einleitung möchte sich der Verfasser in der Form einer knappen “Vita” kurz vorstellen. Hierdurch wird (u.a.) ein weiterer Grund deutlich, der ihn bewog, sich mit dem
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vorliegenden Thema auseinander zu setzen: die persönliche Betroffenheit.
Heinz-Burkhard TOMM-BUB, geb. Tomm
Geboren am 25.12.1957 in Recklinghausen (NW), dort auch aufgewachsen. Lebt seit 1989 in Ludwigshafen am Rhein. Verheiratet seit 1993, keine (eigenen) Kinder. Mehrfachabhängig mit den Schwerpunkten Alkohol / Tranquilizer. Tiefpunkt November 1987. Durchlauf vieler ambulanter Hilfsangebote (diverse Selbsthilfegruppen, Suchtberatungen, Psychologen-Gespräche, Psychotherapie), mehrmonatige stationäre Therapie. Rückfallfrei trocken / clean seit März 1989.
Er ist staatlich anerkannter Erzieher und Diplom-Sozialarbeiter (FH) -und als solcher gegenwärtig auch bei der Stadt Ludwigshafen beschäftigt (“Kinder- Eltern- Haus e.V.”, Sparte 5-25). Stadtverwaltungs-intern zusätzlich mit betrieblicher Suchtkrankenhilfe befaßt. Besuch entsprechender Fortbildungen.
Außerhalb seiner Erwerbstätigkeit ist er z.Zt. in der “Freiwilligen Suchtkrankenhilfe e.V., Ludwigshafen” als stellvertretender Vorstand engagiert.
Zeitweise war er, ebenfalls ehrenamtlich, “Justizvollzugshelfer” (Suchtgruppe) in einer Justiz- Vollzugs- Anstalt (JVA/Sozialtherapeutische Anstalt).
Er schreibt in seiner Freizeit vor allem Lyrik, gelegentlich auch Fantasy-/Sience Fiction-Stories, sowie “Kurz-Krimis” und Rezensionen. Veröffentlichungen in Anthologien, (Literatur-) Zeitschriften, im Literaturtelefon und im Internet.
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2. Alkoholikerfamilien
Unter den Begriff “Alkoholikerfamilien” lassen sich theoretisch recht verschiedene Familiensysteme einordnen. So könnten, in größeren Familien, durchaus auch die Großeltern abhängig sein, denkbar wäre genauso, daß ein bereits erwachsenes Kind der Betroffene ist, oder eben, hier schwerpunktmäßig, daß ein Elternteil (oder beide) Alkoholiker ist (bzw. sind). Nicht selten sind auch alleinstehende Mütter von sich entwickelnder Alkoholsucht betroffen. Ein im Alltag aber noch immer besonders häufiger Fall ist jedoch wohl der, daß der Vater (oder Stiefvater) der Problemträger in der Familie ist. Von diesem “idealtypischen” Fall soll im folgenden ausgegangen werden, soweit nichts anderes erwähnt wird. In mehr oder weniger hohem Maße sollten aber viele der Aussagen übertragbar sein. Besondere Gefahrenschwerpunkte sind dabei möglich: ein Beispiel hierfür ist die bereits tief in der Krankheit verhaftete, alleinstehende Mutter mit einem noch jüngeren Kind. Hier stellen sich Fragen etwa nach “Vernachlässigung” und “Gefährdung des Kindeswohles” mit deutlich stärkerer Akzentuierung! Der Alkoholiker wird im Krankheitsverlauf zunehmend zu einem einsamen Menschen. Entweder ist er von vornherein mehr oder weniger alleinstehend, oder es trennen sich die engsten Bezugspersonen im Laufe der Zeit von ihm. In jedem Falle entsteht nach und nach ein immer größer werdender innerer Abstand zu den Mitmenschen: weder Zeit noch Lust ist vorhanden sich mit diesen zu beschäftigen, möglicherweise stören sie ihn beim Trinken, auch ist es oft der Fall, daß der Abhängige zunehmend weiß oder ahnt, daß er sich hier und dort, bei dieser und jener Gelegenheit wieder einmal “danebenbenommen” oder “dummes Zeug erzählt” hat. So läßt man lieber “Gras über diese Sachen wachsen” und meidet dann vorsorglich gleich viele Situationen lieber ganz.
Dieser Abstand, diese Isolation entsteht im Prinzip fast immer, für die äußere Situation gilt dies jedoch viel weniger häufig. Die Krankheit “Sucht” braucht -insbesondere beim Alkoholismus- oft viele Jahre bis sie ein gravierendes Ausmaß erreicht. So leben denn viele Alkoholiker in Familien, die meist noch in “besseren Zeiten” gegründet wurden, sie haben demnach einen Ehepartner und gar nicht selten auch ein Kind oder deren mehrere. Diese Konstellationen bleiben häufig noch erstaunlich lange (nach außen hin) stabil. Grund hierfür ist, daß die jeweiligen Partner die Ehe und die Familie sehr lange aufrecht zu erhalten versuchen, und daß sie dem Betroffenen auf ungeeignete Weise zu helfen bemüht sind. Der Betroffene, der jeweilige Angehörige und eben auch die Kinder nehmen bei diesem Prozeß Schaden. Diese Tatsachen sollen nun näher erläutert und belegt werden. Die dabei vermittelten Kenntnisse sind grundlegend für eine verbesserte Hilfe, dies insbesondere in bezug auf die machtloseste der betroffenen Gruppen: die Kinder.
Abgebracht ist nun noch ein folgender Hinweis: “Alkoholismus” -um den es hier geht- ist eine
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äußerst verbreitete Krankheit, andere Süchte sind jedoch zahlenmäßig keineswegs unbeachtlich, auch hier sind viele Kinder mit betroffen. Als Beispiel soll die Medikamentensucht und die Abhängigkeit von “illegalen Drogen” wie Heroin, Kokain, u.ä. genannt sein. Auch die zunehmenden Mehrfachabhängigkeiten (Polytoxikomanie) verschlimmern und verwirren oft die Sachlage noch. Einen Definitionsversuch und einige Erklärungen hierzu gibt Doll: “Polytoxikomanie - Drogenabhängigkeit von mehreren oder vielen Drogen, Medikamenten und Alkohol. - Immer häufiger werden Medikamente zusätzlich zum täglich getrunkenen Alkohol eingenommen, wie zum Beispiel Schmerzmittel, Schlafmittel. Beruhigungsmittel, Aufputschmittel, Herz- und Kreislaufmittel, Magenmittel - um nur einige zu nennen. Dies geschieht zum Teil, um die Nebenwirkungen übermäßigen Alkoholkonsums gering zu halten, denn Alkohol - über längere Zeit oder/und im Übermaß genossen - schädigt die inneren Organe und das vegetative Nervensystem erheblich. Das zusätzliche Einnehmen von Medikamenten geschieht jedoch auch in vermehrtem Ausmaß, weil a) der Abhängige sich eine den Alkohol potenzierende Wirkung erhofft, b) Medikamente geruchlos sind und somit der Konsum weniger auffällig ist. c) bestimmte Wirkungen, wie z.B. leistungssteigernd, mobilisierend, konzentrationsfördernd, stimmungsaufhellend, angstbefreiend oder einschläfernd besser gesteuert werden können, der Abhängige sich besser in den Arbeitsalltag integriert d) der Abhängige sich beruflichen Leistungsanforderungen wie privaten, sozialen Anforderungen eher gewachsen fühlt.” (Doll,A.;1990,S.123) Anschließend soll sich zunächst näher mit der Krankheit an sich befaßt werden.
2.1 Die Krankheit
Schon mehrfach war vom Alkoholismus, von Sucht allgemein, als einer Krankheit die Rede. Dies ist keineswegs eine “Auslegungssache”, sondern die Anerkennung als echte Krankheit ist medizinisch allgemein erfolgt und auch die Rechtsprechung und die Krankenkassen tragen den Tatsachen seit spätestens 1968 gleichermaßen offiziell Rechnung.
Im Grundsatzurteil des Bundessozialgerichts vom 18. Juni 1968 (BSG 28, 114, bzw. 3 RK 63/66) heißt es nämlich: “Trunksucht ist eine Krankheit im Sinne der Reichsversicherungsordnung RVO (§ 182, RVO)”. Nach diesem Urteil ist übrigens jede
So ist gewährleistet, daß Kostenträger für die Behandlung (d.h. für Entgiftung und Entwöhnung; Selbsthilfegruppen arbeiten kostenlos) zur Verfügung stehen. Es gibt viele Wege der Hilfe, ambulante und/oder stationäre und der Aufwand lohnt allemal! Als wichtig bleibt festzuhalten: Sucht ist keine Willensschwäche und kein Charakterfehler und kann demnach auch nicht unter dieser Perspektive “behandelt” werden (“Reiß`dich doch mal zusammen und trink` nicht soviel!”).
Den Arten, Formen und Abläufen einer angemessenen Therapie, der “Hilfe zur Selbsthilfe”,
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wird in dieser Arbeit kein eigener Abschnitt gewidmet, entscheidend ist aber: sie gibt es. Zu den Chancen, die Krankheit zum Stillstand zu bringen (von einer klassischen “Heilung” zu sprechen, verbietet sich aus logischen Gründen) soll nun noch ein Zitat angeführt werden das belegt, daß die Aussichten hier besser sind, als bei manch` anderen, tödlichen Krankheiten: “Eine Meta-Analyse von Süß (1995) konzentriert sich ... auf weniger, aber methodisch solidere Untersuchungen. ... Zur Berechnung der Abstinenz- und Besserungsraten wurden unterschiedliche Bezugsgrößen gewählt, sodaß sowohl pessimistische wie auch optimistische Schätzungen resultieren ... Faßt man alle Patienten und alle Katamnesezeitpunkte zwischen 6 Monaten und 4 Jahren zusammen, so ergeben sich Schätzungen von 34 Prozent dauerhaft Abstinenten für den pessimistischen Berechnungsmodus, 48% für den optimistischen Berechnungsmodus. Die Nichtabstinenten aber Gebesserten machen bei der pessimistischen Schätzung nur 6% aus, bei der optimistischen Schätzung 22%. Die Ergebnisse dieser Meta- Analyse belegen recht überzeugend, daß im Verlauf eines Jahres nach Abschluß einer Entwöhnungsbehandlung auch bei pessimistischer Schätzung doch mit einer Abstinenzquote zwischen 30 bis 50 % zu rechnen ist.” (Rist,F.; “Therapiestudien mit Alkoholabhängigen”, in Mann,K.; Buchkremer,G. (Hrg.), 1996, S. 244) Klar geht hier hervor, daß bei angemessener Hilfe viel Raum für Hoffnung ist. Dies ist etwas,
daß sich weitergeben läßt: an Mitbetroffene -und Kinder!
2.1.1 Alkoholismus (Ätiologie,Epidemiologie,Phasen,Typen)
Zur Vertiefung des Wissens, zur Schaffung einer Basis, aufgrund derer Verständnis und Hilfe möglich werden, soll nun einiges zu den Ursachen und der Verbreitung der Alkoholkrankheit gesagt werden. Die Kenntnis der Phasen dieser Sucht und der unterschiedlich ausgeprägten Typen von Alkoholsüchtigen scheint an dieser Stelle ebenso relevant.
Zuvor gilt es aber, die Grundbegriffe handhabbar zu machen, daher sollen zunächst einige Zeilen zur Definition von “Sucht” und “Alkoholismus”, u.ä. angeführt werden. Zum Begriff “Alkohol” selbst läßt sich dabei unter Heranziehung gängiger Lexika leicht herausfinden, daß hier der sog. Ethylalkohol (C2H5OH), also der Trinkalkohol, gemeint ist. Er entsteht durch die Gärung von Zucker und ist ein Stoffwechselprodukt lebender Mikroorganismen und kann seit dem 20. Jahrhundert auch künstlich hergestellt werden. Interessanterweise kommt Alkohol in der Natur höchstens in einer Konzentration von 14 % vor, bei höherer Konzentration sterben die Organismen, die Alkohol herstellen, nämlich ab.
Etymologisch stammt ,,Alkohol” aus der arabischen Sprache und bedeutet ,,das Feinste”.
Alkohol ist eine Droge und wirkt unmittelbar verändernd auf Funktionen des Zentralnervensystems.
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Schon interessanter als diese Stichworte sind einige der Festlegungen der Weltgesundheits- organisation (=World Health Organization, WHO). Der schon mehrfach benutzte Begriff “Sucht” ist nämlich, folgt man der WHO, eigentlich nicht mehr ganz korrekt. Diese ersetzte ihn schon im Jahre 1964 durch den Begriff der ,,Drogen-abhängigkeit”. Zu diesen Drogen zählt -natürlich- auch der Alkohol, dies erkennt z.B. schon 1985 auch (der Jurist!) Kreuzer. Unter der Überschrift “Drogenarten” führt er aus:
“Nicht zuletzt ist Alkohol zu erwähnen, der neben seinen Funktionen als technisches Hilfsmittel (Lösungs- und Desinfektionsmittel), als bedeutsames, kulturell integriertes Nahrungs-, Genuß- und Kultmittel schon unabhängig vom gegenwärtigen Drogenmißbrauch junger Menschen auch die Funktion als wichtigste und weitgehend gesellschaftlich tolerierte Rauschdroge hat. Junge Drogenkonsumenten nehmen im allgemeinen auch stärker Alkohol. Seine möglichen Wirkungen dürften hinreichend bekannt sein (Rausch, körperliche und seelische Abhängigkeit, Leberzhirrose, Letaldosis usw.).” (S. 12/13) Recht qualifiziert unternehmen Dörner und Plog den Versuch, die sich hieraus definitorisch ergebenden Begriffe näher zu bestimmen:
“Droge: Sammelbegriff für alle das Gehirn bzw. das Handeln beeinflussenden (enzephalo- bzw.
Abhängigkeit: (Dependence): tritt an die Stelle der alten Begriffe (addiction) und Gewöhnung
Definition für Drogenabhängigkeit: (in Anlehnung an die WHO): Zustand periodischer oder
chronischer Vergiftung durch ein zentralnervös wirkendes Mittel, der zu seelischer oder seelischer und körperlicher Abhängigkeit von diesem Mittel führt und der das Individuum und/oder die Gesellschaft schädigt - Bestandteil der Definition ist also auch die Gesellschaft. Nikotin, Alkohol, Haschisch werden sozial unterschiedlich gewertet.
Seelische Abhängigkeit: das schwer bezwingbare Verlangen, durch eine Droge
Selbstverwandlung, Entlastung und Genuß herzustellen, mit Verselbständigung des Mittels, Verlust der Konsumkontrolle, und Versuch, um jeden Preis sich das Mittel zu beschaffen. Körperliche Abhängigkeit: Anpassungszustand mit Toleranzsteigerung, Zwang zur
Dosissteigerung für dieselbe Wirkung und mit Abstinenzerscheinungen bei Absetzen oder Verminderung der Dosis” (1984, S.250). (Unterstreichungen vom Verfasser.) Nachzutragen ist hier noch, daß bei Alkoholismus oft, wenn auch keineswegs immer, körperliche und seelische Abhängigkeit vorliegt, dies im Gegensatz etwa zu Stoffen wie
Haschisch (Cannabis, Hauptwirkstoff THC) und Kokain.
Ungeachtet der Dörner/Plog-, bzw. WHO-Definition wird der Verfasser weiterhin die Begriffe “Abhängigkeit” und “Sucht” (synonym) verwenden. Dies hat folgenden Grund: Der Ausdruck “Sucht” signalisiert scheinbar Assoziationen zu “Suchen”, “Sehnsucht”, u.ä., in Wahrheit ist als etymologische Herkunft des Begriffs jedoch der Wortstamm “krank sein,
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siechen” anzusehen. Diese “Doppelbödigkeit” sollte nach Ansicht des Verfassers bei der Beschäftigung mit dem Thema ruhig auch weiterhin gelegentlich “mitschwingen”! Damit mögen die wichtigsten Begriffsbestimmungen vorerst gegeben sein. Es soll nun in groben Zügen versucht werden, einige der Ursachen die Sucht entstehen lassen, bzw. fördern, aufzuzeigen (Ätiologie). Auch dies kann durchaus hilfreich sein, um den Süchtigen und seine Handlungen besser zu verstehen.
Einen ersten Hinweis gibt Maier:
“Der Alkoholismus ist multifaktorieller Genese. Genetische Faktoren spielen eine etwa gleichgewichtige Rolle wie individuumbezogene Umgebungsfaktoren. ... Der familiär übertragene Phänotyp umfaßt neben der Alkoholabhängigkeit auch den Alkoholabusus und andere substanzmittelinduzierte Abhängigkeiten bzw. Formen des Mißbrauchs. Die familiäre Übertragung des Alkoholismus läßt sich nicht auf ein einzelnes Gen zurückführen. Wahrscheinlich wirken mehrere Gene bei der Manifestation des Alkoholismus zusammen.” (Maier, W., in Mann, K.; Buchkremer, G. (Hrg.), 1996, S.95) Wichtig ist hier die Aussage, daß die Krankheit in der Regel mehrere Ursachen hat. Weiter wird der Faktor der Vererblichkeit angesprochen, der leider oft zu den verschiedensten Mißverständnissen führt. Beispielsweise wird etwa angenommen, da “man das Saufen ja nun mal geerbt hätte, könne man halt leider nichts daran ändern”, -so die Argumentation manch` “nasser” Alkoholiker, die noch nicht bereit oder in der Lage sind, gegen ihre Erkrankung anzugehen. Natürlich wird hier ein Trugschluß produziert: egal, worauf meine Krankheit beruht, ich kann sie zum völligen Stillstand bringen, durch Abstinenz und durch Arbeit an mir selbst, mit dem Ziel der zufriedenen Abstinenz!
Andererseits ist die Möglichkeit der Vorurteilsbildung gegeben: “Der Vater säuft, da wird der Jungen wohl auch bald ein ‘Alki’ werden!” Diese Zuschreibung (die durchaus Mechanismen in der Art der “sich selbst erfüllenden Prophezeiung” in Gang setzen kann), ist aus vielen Gründen falsch:
Einmal sind die Arbeitsergebnisse der verschiedenen Forscher keineswegs eindeutig genug, um von einer direkten und auch nur annähernd “sicheren” Vererbung des Alkoholismus sprechen zu können, zum anderen hat Sucht -wie schon erwähnt- fast immer viele Ursachen.
In der entsprechenden Fachliteratur finden sich oftmals graphische Darstellungen ähnlich der folgenden, um einen ersten Überblick über die Entstehungsfaktoren von Abhängigkeit zu geben.
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So ließe sich nach Ansicht des Verfassers daher zu der nachfolgenden Darstellung kommen, in
der die Oberbegriffe beispielhaft in Einzelfaktoren unterteilt werden:
((Siehe folgende Seite:))
Zu beachten ist, daß die Teilfaktoren untereinander oft in Wechselwirkung miteinander stehen,
teilweise sogar voneinander abhängig (interdependent) sind. Dies gilt für einige Teilfaktoren
innerhalb einzelner Felder, aber auch für manche Querverbindungen.
Es soll nicht versucht werden, die Liste der möglichen Einzelursachen erschöpfend darzustellen
und zu erläutern, einige Hinweise können aber -auf der Grundlage des heutigen Kenntnisstandes
und der persönlichen Erfahrungen des Verfassers- noch vorgebracht werden.
Zur Droge:
-Die Verfügbarkeit von Alkohol in Deutschland ist ausgesprochen hoch, Alkohol ist fast überall
in fast jeder Preislage erhältlich.
-Suchtpotential: Hier bewegen sich Schätzungen, etwa der “Anonymem Alkoholiker (AA)” und
der “Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren” (DHS), bei ca. 5 - 10 %, das bedeutet,
jeder zehnte bis zwanzigste “Alkoholprobierer” endet als behandlungsbedürftiger Alkoholiker.
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Zu den Individualfaktoren:
Hier können unter anderem folgende Faktoren Suchtentstehung begünstigen und/oder fördern: -Soziale Ängste (z.B. Prüfungsängste, vor Vorgesetzten, “Lampenfieber”,...) -Sexuelle Ängste (Annäherungsängste, Versagensängste) -Depressionen -Geistig-seelische Schwächen (Schwierigkeit mit Gefühlen umzugehen, geringe Belastbarkeit,..) -sonstige Ängste und seelische Störungen -Eltern - Kind- Konflikte -Kommunikations- und Partnerschaftsprobleme -Lebenskrisen (wie der Tod eines Angehörigen oder Trennungen) -Lebensalter (Jugendprobleme - Altersängste) -Falsche Lernerfahrungen in Bezug auf das Suchtmittel (“mit” geht scheinbar Schlechtes besser / Gutes noch besser) -Geschlecht (Frauen wird in der Öffentlichkeit ein Alkoholrausch noch immer nicht so leicht verziehen wie einem Mann. Dies ist sicher mit ein Grund dafür, daß sie eher bei den Medikamentensüchtigen ,,in Führung liegen”).
Zur Sozialen Umwelt:
-Verbreitete falsche Vorurteile über die Droge / (gesellschaftliche) Bewertung der Droge Beispiele: “Alkohol wärmt, bringt den Kreislauf in Schwung, beugt Erkältungen vor und desinfiziert den Körper und ist außerdem ein gutes Schlaf- und Beruhigungsmittel.”
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(Wohlgemerkt: Alle diese Annahmen sind erwiesenermaßen falsch!).
-Das berufliche Umfeld
Beispiele sind hier Berufe die verstärkt mit Alkohol zu tun haben, wie Winzer, Brauer, Gastwirt, aber auch andere, in denen “traditionell” viel getrunken wird, wie Bauarbeiter, mancherlei Geschäftsleute, usw.
-Häusliche und familiäre Verhältnisse
Belastete und zerrüttete Verhältnisse können sicher ebenfalls zu verstärktem Alkoholkonsum und damit zur Suchtgefährdung beitragen. Auch sind möglicherweise alleinstehende, vereinsamte Menschen stärker gefährdet. Aber auch ein Partner der seinerseits bereits Alkoholprobleme hat, kann unter Umständen den anderen Partner “mitziehen”.
-(Fehlende) Religion
Dies weist darauf hin, daß unsere westliche Gesellschaftsordnung mittlerweile doch recht stark säkularisiert (verweltlicht) ist. Labile Menschen (was immer dies auch genau heißen mag) hatten in früheren Zeiten möglicherweise an ihrer jeweiligen Religion einen gewissen Halt, der heutzutage eher wegfällt. Auch dies könnte die Suchtgefährdung vergrößern. Allgemein wurden in der Menschheitsgeschichte aber auch schon immer Drogen aller Art zu religiösen Zwecken eingesetzt, so auch Alkohol (römische Bacchaniten, katholischer Meßwein, usw.). Evtl. versuchen demnach auch einigen Menschen dieses (unterstellte) religiöse Bedürfnis (bewußt oder unbewußt) durch Alkoholkonsum zu befriedigen.
-Erziehung
Hier ist vor allem an die Vorbildrolle der Eltern zu denken, d.h. es ist wichtig wie sie Alkohol
bewerten und -vor allem- wie sie damit umgehen (Konsumart/-häufigkeit, etc.).
Es soll, wie gesagt, nicht versucht werden, diese Stichworte im einzelnen zu belegen und zu quantifizieren, es läßt sich aber davon ausgehen, daß all dies suchtbegünstigende Faktoren sein können -aber nicht müssen. Die Aufzählung ist keineswegs vollständig, im Einzelfall sind durchaus auch noch ganz andere Bedingungsfaktoren denkbar. Als Anregung um sich mit konkreten Fällen auseinander zu setzen mag die Darstellung jedoch genügen.
Kurz geschildert werden soll nun die quantitative Ausbreitung des Alkoholismus und ähnlicher
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Süchte. Hierzu findet sich zunächst folgender Hinweis: “In den alten Bundesländern rechnet die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren mit 80 000 bis 100 000 Abhängigen von illegalen Drogen; mit 500 000 bis 800 000 Abhängigen
von Medikamenten; mit etwa - wie erwähnt - 2 Millionen alkoholabhängigen Menschen. Dieses beachtliche Heer von Menschen aus dem Zwischenreich des Drogenlebens hat Einfluß auf ... (die) Kinder, die ihnen familiär verbunden sind.” (Schmieder,A.;1992 ,S.67) Neuere Quellen zeigen, daß dieser Trend wohl ungebrochen ist:
“Suchtmittelmißbrauch bleibt eines der dringendsten Probleme unserer Gesellschaft. ... Auch bezüglich der legalen Suchtstoffe läßt sich keine Verringerung des Problemdrucks erkennen. Zwar ist der Pro-Kopf-Verbrauch an reinem Alkohol in der Bundesrepublik Deutschland von 12,0 1992 im Jahr 1993 auf 11,5 1 - 1994 zurückgegangen, nach den vorliegenden Daten ist aber zugleich davon auszugehen, daß rd. 13 % der Männer und 7 %, der Frauen in einem gesundheitsgefährdenden Ausmaß Alkohol konsumieren. Es bleibt festzuhalten, daß das Suchtproblem in unserer Gesellschaft in erster Linie gekennzeichnet ist durch den Mißbrauch und die Abhängigkeit von legalen Suchtstoffen. Das vielfältige Bedingungsgefüge einer Sucht- erkrankung, der prozeßhafte Verlauf der Entstehung und der Behandlung erfordert differenzierte und vernetzte Maßnahmen.” (Ministerium für Kultur, Jugend, Familie und Frauen Mainz (Hrg.), 1996, S.12 ) Auch Ziegler nennt ähnlich alarmierende Zahlen:
“Zahlen zum Suchtproblem ...
In Deutschland ist nach den Angaben der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren mit 2.500.000 Alkoholkranken und 800.000 - 1.200.000 Medikamentenabhängigen zu rechnen.
Der Altersschwerpunkt der Alkoholabhängigen liegt zwischen 30 und 50 Jahren, etwa 65% der Alkoholabhängigen sind Männer, 35% sind Frauen. Anders stellen sich die Verhältnisse bei der Medikamentenabhängigkeit dar: Hier sind doppelt soviel Frauen betroffen wie Männer. Für den Arbeitsplatz liegen keine gesicherten Zahlen vor. Gleichwohl kann mit 5% bis 7% behandlungsbedürftigen Abhängigkeitskranken gerechnet werden.” (Ziegler,H.;1996,S.7).
Es handelt sich also keineswegs um ein randständiges Problem, sondern um eine relativ große Teilgruppe des Klientels, die betroffen ist.
Das nächste Thema sollen die Phasen des Alkoholismus sein, deren Entwicklung sich oft über (viele) Jahre erstreckt.
Phasen und Typen
Zu den Grundkenntnissen bezüglich der Alkoholkrankheit gehört sicherlich auch die (schon ältere) Phasen- und Typenlehre von Jellinek. Diese Einteilungen wurden in den
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letzten Jahren verschiedentlich kritisiert. Sie seien ,,nicht mehr aktuell” und zunehmend gäbe es ,,Mischtypen” und Abweichungen. Letzteres ist zweifellos richtig. Will man aber -bei allen Nachteilen- die Vorteile einer Einteilung beanspruchen, so gibt es m.E. bislang keine annehmbare Alternative zu Jellineks Modellen.
In der Regel verläuft eine Suchterkrankung in mehreren Phasen. Deutlicher gesagt: Die Krankheit verschlimmert sich mit der Zeit und führt sehr häufig -wenn sie nicht zum Stillstand gebracht wird- zum Tode. Bestimmte Verhaltensweisen und Schäden sind hier typisch für die jeweilige Phase. Äußerst wichtig und unbedingt zu beachten ist hier aber folgendes: keineswegs muß jede Verhaltensweise, jede Schädigung bei jedem Betroffenen auftreten! Gleiches gilt für die Abfolge der Symptome: Diese treten nicht unbedingt ,,wohlgeordnet” auf, also nicht Punkt für Punkt, Phase nach Phase. Eher ist es z.B. möglich, daß die Anzeichen der ersten Phase schon (fast) alle auftreten, bereits die meisten der Zweiten und einige der Dritten. Dieses zu wissen und zu beachten ist wichtig für jeden Einschätzungsversuch.
Nur allzugern klammern sich der Süchtige und teilweise auch seine Angehörigen an jeden ,,Strohhalm”: ,,Trifft dieses und jenes auf mich ja gar nicht zu, wieso sollte ich dann einer von diesen ‘Alkis’ sein”. Diese “Argumentationsfalle (eine von vielen) gilt es unbedingt zu vermeiden. Als Anhaltspunkt, um in etwa zu erfahren wo der Einzelne steht, ist die Phasenlehre also durchaus sehr nützlich, was sich dann auch auf den Umgang mit dem Betroffenen und seinem Verhalten hilfreich auswirken kann.
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Quote paper:
Burkhard Tomm-Bub, M.A. (Dipl.-Soz.Arb.-FH-), 1998, Kinder aus Alkoholikerfamilien - Grundlagen von Prävention und Intervention, Munich, GRIN Publishing GmbH
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