Friedrich Schiller Universität Jena
Institut für Altertumswissenschaften
Studienfach: Kunstgeschichte / Klassische Archäologie
Fachsemester: 4 / 4
Hausarbeit
Künstlerporträt: Manfred Leve
Porträtreihe von Blinky Palermo
Sommersemester 2011
Modul: Aufbaumodul Neuzeit I
Proseminar: Custodia Salanae - Arbeiten mit Objekten aus der Kunstsammlung der
Universität Jena
Abgabetermin: 28.10.2011
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung
S. 3
2
Künstlerphotograph Manfred Leve - Leben und Werk
S. 4
3
Biografische Aspekte zu Person und Werk des Blinky Palermo
S. 5
4
Manfred Leves Werksequenz aus der Serie Blinky Palermo 1968 S. 7
5
Schlussbemerkung
S.10
6
Abbildungsverzeichnis
S.11
7
Literaturverzeichnis
S.33
1
Einleitung
I DON'T MAKE PHOTOGRAPHS,
I TAKE PHOTOGRAPHS.
[Manfred Leve]
Der Künstlerphotograph Manfred Leve will mit seinen photographischen Werken
nicht nur einzig darstellen, sondern den Augenblick im Foto selbst wiedergeben
somit liegt das Hauptaugenmerk dieser vorliegenden Arbeit, mit dem Thema
,,Künstlerporträt: Manfred Leve - Porträtreihe von Blinky Palermo", auf den
künstlerischen Schaffensprozess Leves, speziell auf die Werksequenz aus der
Serie Blinky Palermo im Jahre 1968.
Vorerst soll ein kleiner Einblick in das Leben des Künstlers gegeben werden, um
ihn in die Kunstgeschichte eingliedern zu können. Nach kurzen biografischen
Angaben beider Künstler wird die Kunstauffassung und Vorgehensweise, die als
roter Faden immer wieder aufgegriffen werden soll, des Manfred Leve erläutert.
Im weiteren Verlauf ebenfalls im Dialog auf seiner Serie Blinky Palermo.
2
Künstlerphotograph Manfred Leve - Leben und Werk
Manfred Leve (Abb.01), geboren am 13.08.1936 in Trier, begann bereits im Alter
von 18 Jahren an Ausstellungen wie Jugend photographiert
1
im Rahmen der
Kölner photokina
2
oder an Vernissagen in der Wuppertaler Galerie Parnass
mitzuwirken. Nachdem Leve seine Reifeprüfung ablegte, studierte er
Rechtswissenschaften, Kunstgeschichte und Orientalistik unter anderem in
Freiburg, Berlin und Köln.
3
1962 heiratete er Heidi Bärbel Weides. Bereits zwei Jahre später brachte diese
den gemeinsamen Sohn, Marc Daniel, zur Welt - sieben Jahre darauf folgte der
zweite Sohn David Philipp. Nach zwei juristischen Staatsprüfungen promivierte
Manfred Leve, 1966-1967, zum Dr. iur. an der Kölner Universität und war
daraufhin im Amts- und Landesgericht in Düsseldorf als Rechtsanwalt tätig.
Trotz seines juristischen Werdegangs begann er seit ungefähr 1954 damit,
Ausstellungseröffnungen, Konzerte, Auftritte beziehungsweise Aufführungen und
Aktionen von diversen Künstlern eine Fotografie zu machen. Somit war Manfred
Leve, ab 1958, Beteiligter an den Aufführungen von Sylvano Bussottis Brève für
Ondes Martenot solo, John Cages Music Walk in der Düsseldorfer Galerie 22,
Nam June Paiks Hommage à John Cage, Merce Cunninghams Ballettabend in
Köln und der Veranstaltung NEO-DADA in den Düsseldorfer Kammerspielen.
4
Künstlerphotographen entwickeln die Thematik ihrer Werke generell aus der
bildenden Kunst selbst. Normalerweise entstanden Manfred Leves Lichtbilder;
wie von Sigmar Polke, Merce Cunningham, Nam June Paik, John Cage, David
Tudor und Carolyn Brown; bildeten sich in einem Dialog, mit dem dargestellten
Künstler selbst, heraus. Sie zeigen nicht nur den Künstler, meistens während des
Arbeitsprozesses im Atelier oder nebst einer vollendeten Arbeit, sondern auch
dessen künstlerische Werke an sich, welche auf diesen Weg gleichzeitig
dokumentiert und erörtert werden können. Manfred Leve will mit seinen
1
Manfred Leve : Blick und Anblick, S. 33.
2
Ebenda, S. 33.
3
Vgl. Manfred Leve: Blick und Anblick, S.33.
4
Ebenda, S. 33-36.
fotografischen Arbeiten nicht nur darstellen, sondern wiedergeben in der
Fotografie selbst, frei von eigener Deutung.
5
Er verfolgte, zur damaligen Zeit, ein neues Verfahren zur Anfertigung eines
Werkes. Gestellte Posen, angespannte Körperhaltung, ebenso erkünstelte
Perspektiven waren Manfred Leve in seinem Schaffen fremd. Mit Hilfe seines
Vorgehens werden szenische Beziehungen wahrnehmbar gemacht.
Im Januar 1968 entstand Manfred Leves Suite des Blinky Palermo in der
Düsseldorfer Sternstrasse.
6
3
Biografische Aspekte zu Person und Werk des Blinky Palermo
Blinky Palermo (Abb.02) wurde am 2. Juni 1943, mit bürgerlichen Namen Peter
Schwarze, in Leipzig geboren. Er und sein Zwillingsbruder Michael wurden
bereits im ersten Lebensjahr zur Adoption freigegeben und nahmen folglich den
Nachnahmen der Adoptiveltern, Heisterkamp, an. Peter Heisterkamp besuchte
1961 die Werkkunstschule und wurde kurze Zeit später an der Düsseldorfer
Akademie angenommen. Unterrichtet wurde er anfangs von Bruno Goller und ab
1964 von Joseph Beuys. Den Spitznamen, Blinky Palermo, verdankte er seinen
Kommilitonen Anatol Hertzfeld. Peter Heisterkamp ähnelte nach dessen
Auffassung einem italienischen Box-Promoter und nahm diesen Namen ferner
auch an zu sehen an Arbeiten mit ,,Palermo"-Signatur, diese noch im selben
Jahr entstanden.
7
Hauptsächlich lebte Palermo bis 1973 in Düsseldorf und Umgebung.
8
Für drei
Jahre hielt er sich, nach einer USA-Studienreise mit Gerhard Richter, in New
York auf, zog aber 1976 zurück nach Düsseldorf.
9
Im Laufe seiner Karriere verwendete er unterschiedliche Medien und Techniken.
Nach Meinung des Dieter Honisch setzte Palermos Kunst einen neuen ,,Standard
des Sehens".
10
Erste Veränderungen in der zeitgenössischen Kunst brachten seine
Wandobjekte. Diese waren mit Klebeband eingepackte Holzkonstruktionen.
5
Vgl. Franz-Joachim Verspohl: I don't make photographs, I take photographs, S.166.
6
Ebenda, S.166.
7
Vgl. Sabine Grosser: Palermo: Annäherung an seine Arbeit, S.11-12.
8
Vgl. Blinky Palermo: Ausst. Kat. Stuttgart 1993, S.229.
9
Vgl. Sabine Grosser: Palermo: Annäherung an seine Arbeit, S.11-12.
10
Dieter Honisch: Kunst in der Bundesrepublik Deutschland 19451985, S. 414.
Darauf folgten Stoffbilder aus unterschiedlich farbigen Nesselbahnen. Bei diesem
Verfahren wurden Stoffe zusammengenäht, auf den Keilrahmen gespannt und
farbig gemacht. Werke wie Grünes T, Blaue Scheibe und Stab (Abb.03), als auch
Stoffbild rot-blau (Abb.04), zählen zu diesen ,,befremdenden" Werken jener Zeit.
Palermo beschäftigte sich 1968 bis 1973 aber auch mit Wandzeichnerei (Abb.05)
und
Wandmalerei
(Abb.06).
Zeitweilig
entstanden
Wandarbeiten
in
Ausstellungsorten, Galerien, Museen, ebenso in Wohnungen. Außerdem fertigte
er, neben seinen Installationen und Bildern, eine Menge grafischer Werken an,
wie Aquarelle, Druckgrafiken und Zeichnungen. Daraufhin stellte er Metallbilder
her. Platten aus Stahl oder Aluminium wurden mit Acrylfarben bemalt.
,,Ich kenne im Deutschsprachigen Raum aus dieser Zeit keinen Künstler, der eine
Fläche im Mass so durch die Farbe bestimmt hat, dass die Fläche dadurch zu
einer Öffnung des Raumes führt. Blinky Palermo hat diesen Raum immer
aufgemacht [...]. Die Geometrie hat Palermo viel beschäftigt. Immer wenn er ein
prinzip stören konnte, tat er das."
11
[Franz Dahlem]
Bei Palermos Werken ist zu beobachten, dass diese nicht alleiniges Zentrum des
Raumes bilden sollen, sondern alle Werke in einem Raum, seien es Objekte oder
Bilder, miteinander harmonieren und eins werden.
Mit nur 33 Jahren starb Blinky Palermo am 17. Februar 1977 während einer
Reise auf den Malediven. Auch heute beschäftigen sich noch zahlreiche
Ausstellung mit den unterschiedlichsten künstlerischen Arbeiten des Palermos,
wie zum Beispiel die Düsseldorfer Kunsthalle im Jahre 2007.
12
11
Vgl. Manfred Leve: Blick und Anblick, S. 24.
12
Vgl. Sabine Grosser: Palermo: Annäherung an seine Arbeit, S.11-12.
4
Manfred Leves Werksequenz aus der Serie Blinky Palermo 1968
Im Januar 1968 gestattete Manfred Leve dem Künstler Blinky Palermo einen
Besuch in dessen Düsseldorfer Atelier ab. Dort entstand die Serie Blinky
Palermo. Diese umfasste einunddreißig Bilder (Abb.07-Abb.37). Das von Leve
verwendete
Baryt-Papier
wurde
mit
dem
gelantin
silver
process
13
weiterverarbeitet. Die Fotografie, in den Maßen 20,3 x 25,4 cm und 25,4 x 20,3
cm, wurde im Anschluss daran auf Hochglanz getrocknet. Auf der Rückseite
tragen sie das Signum des Künstlers Manfred Leve.
14
Generell ist zu sagen, dass jede einzelne Aufnahme die Eigenschaften eines
Einzelwerks besitzt, obwohl äußere Charakteristiken auf eine Momentaufnahme
beziehungsweise Photographie einer ganzen Serie hinweisen. In Leves
Photographie von Blinky Palermo, wie auch bei Nam June Paik oder Joseph
Beuys, ist dieser vollends gegenwärtig und wird dem Künstler, dem er
gegenüberstand, keineswegs aufdringlich, wie bereits Karl Pawek 1963 in seinem
Werk Das optische Zeitalter schlussfolgerte:
,,Die Kamera sei mitten unter die photographierten Gegenstände geraten, man
müsste sie eigentlich sehen im Blicke, so nahe ist sie der Situation, gleichgültig,
über welche Entfernung hin sie diese Situation photographiert."
15
[Karl Pawek]
Manfred Leve, als Künstlerphotograph, versucht die Handlungen des Blinky
Palermo während seines Werkprozesses, als ,,stiller" Betrachter zu begleiten bzw.
zu beschreiben.
Den Prozess den Leve bei dieser Art der Photographie anwendete verlässt sich
vollkommen auf den Anblick, die an einen festen bestehenden Augenblick
gebunden ist. Beleuchtet wird der Moment folglich von innen und außen. Somit
wird dieser kurze Zeitpunkt festgehalten.
16
13
Fotografischer Prozess. Bei diesem werden Silbersalze in Gelatine auf den Träger, Baryt-Papier,
aufgetragen werden.
14
Vgl. Manfred Leve: Blick und Anblick, S. 24.
15
Karl Pawek: Das optische Zeitalter, S.152.
16
Vgl. Manfred Leve: Blick und Anblick, S. 28.
Trotz Vorlieben der Gesellschaft in den fünfziger und sechziger Jahren zur
informellen Malerei, blieb Leve seinem Leitspruch ,,I don't make photographs, I
take photographs." treu und gab dem Augenblick einen Anblick.
17
Zum photographieren benutze Leve lediglich eine Mittelformat- oder
Kleinbildkamera. Schlicht und einfach ohne diverse Teleobjektive und Blitz-
beziehungsweise Lichtanlagen. Er photographierte unter den ihm gegebenen
Verhältnissen ohne die Atmosphäre zu stören. Außerdem produzierte Leve
niemals Auszüge aus Negativen her, wodurch sich die Papierränder an den
meisten Abzügen erklären lassen. Seine Aufnahmen vergrößerte er per Hand und
ließ diese auf Hochglanz, in einer Schale trocknen. Jede Photographie besaß
lediglich eine Einzige makellose Vergrößerung. Mit einem Format von 20,3 x
25,4 cm und 25,4 x 20,3 cm ähneln sie einer Grafik in recht praktischer
Ausführung. Eine Photographie gehört in der Regel zu einer Sequenz oder einer
Serie. Manfred Leves Ziel ist es den Künstler, beziehungsweise Personen oder
Gruppen, in Aktion festzuhalten. Als Porträt- oder auch Motivaufnahmen kann
man seine Werke nicht halten da der Gegenstand, in diesem Sinne Blinky
Palermo, nicht bewusst als auch direkt vor Leve posiert. Beide unterhalten und
bewegen sich durchaus während des ,,Prozesses". Manchmal scheint es, als würde
Palermo kurz die Luft anhalten. Um die Aufnahme nicht den typischen Charakter
einer Einzelphotographie zu geben, sondern den einen bestimmten Augenblick zu
erfassen, belässt er diese in einem unvollkommenen Zustand.
18
Selbst bezeichnet sich Manfred Leve als Dokumentationsphotograph
19
. Er hielt
Einzelpersonen und Gruppen auf Ausstellungen und Vernissagen fest alle in
Aktion. Während des Photographierens entstand ein Dialog mit der dargestellten
Person oder auch Gruppe. Hauptaugenmerk liegt nicht nur auf den Dargestellten,
sondern auch auf dessen künstlerisches Schaffen. Die Bildsequenz des Blinky
Palermo sind Neuerscheinungen in der Porträtphotographie. Es handelt sich
hierbei nicht um das Erlangen unzähliger Photographien um sich letztendlich das
Beste auszusuchen - Leve hatte das Ziel eine Serie zu schaffen. Dadurch, dass er
17
Franz-Joachim Verspohl: I don't make photographs, I take photographs, S. 256ff.
18
Vgl. Manfred Leve: Blick und Anblick, S. 30ff.
19
Ebenda, S. 30ff.
immer wieder die gleichen Künstler photographierte, konnten solche Serien
überhaupt entstehen.
In Manfred Leves Werksequenz aus der Serie Blinky Palermo 1968 fällt
besonders der ,,Verlauf" des Künstler Palermos im Bild auf. Die ersten vier
Photographien (Abb.07-Abb.10) zeigen ihn im schwarzen Anzug und weißem
Hemd, sehr konzentriert und angespannt bei der Arbeit. Auf den nächsten beiden
(Abb.11-Abb.12) trägt er die Jacke nicht mehr und krempelt daraufhin die Ärmel
des Hemdes locker nach oben (Abb.13-Abb.16), was ihm wohlmöglich die Arbeit
an seinen Werken erleichterte. Leves folgenden drei Aufnahmen (Abb.17-
Abb.19) präsentieren Palermo im Raum. Man könnte meinen eine Art Porträt, da
nur die obere Partie des Künstlers zu sehen sind und er Leve direkt anschaut. Die
Blicke wendet er aber wieder ab (Abb.20-Abb.26), zündete sich eine Zigarette an
und macht sich erneut an seine Objekte. Er wirkt nachdenklich und konzentriert
(Abb.26), obwohl die anfängliche Anspannung einst als aufgehoben erschien.
Erst als Palermo zu Tisch saß, wirkt die Serie viel entspannter (Abb.27-Abb.37),
da er sich von der Arbeit abgewendet hatte und seinen Kaffee, als auch die
Zigarette genießen konnte. Alle Aufnahmen die Manfred Leve von Palermo
machte sind letztendlich sehr natürlich, ohne Pose und ohne Starrheit
beziehungsweise Verklemmungen. Die Natürlichkeit spiegelt sich auch in der
Photographie an sich wieder. Es sind Bewegungslinien von Händen zu sehen, die
ein Photograph heutzutage versucht hätte zu bearbeiten. Man sieht den Künstler
von vorn, hinten und von den Seiten. Leve belässt Palermo in einem
unvollkommenen Zustand.
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