Ethik als Gegenstand des Unterrichts Seminararbeit „Über die Moral und ihre Probleme“
Moral ist etwas, mit dem wir jeden Tag konfrontiert sind: sei es in der Zeitung, den Nachrichten, im Radio sowie TV, im Internet, in und während der Arbeit, oder in Gesprächen mit Freunden. Bei fast jeder Handlung und Überlegung, lauert sie auf uns, Mal bewusster und direkter, Mal unbewusster und gut versteckt.
Wachen wir in der Früh auf, fragen wir uns, ob wir zur Arbeit gehen oder uns „krankschreiben“ lassen. Als Student fragt man sich oft in der Früh, ob man auf die Uni fahren und die LVA besuchen soll, oder lieber Zuhause für eine Prüfung lernt. Schließlich würde es reichen, nur das Skript oder die Mitschrift eines Kollegen/ einer Kollegin zu lernen und sich den Besuch der LVA zu ersparen. Falls wir uns für den Gang zur Uni entscheiden, bleibt die Frage offen, ob wir mit dem Auto zur Uni fahren, die öffentlichen Verkehrsmittel nehmen, mit dem Rad hinfahren, oder doch lieber zu Fuß hingehen, da dies der Umwelt gegenüber „moralischer“ ist? Überspringen wir diese Fragen und gehen direkt zum Frühstück über, stellen wir uns die Frage, was wir frühstücken sollen, woher unsere Produkte kommen, wie sie hergestellt werden und ob sie moralisch vertretbar sind: ist beispielsweise die Wurst am Frühstücksbrot per se „unmoralisch“, da dafür ein Tier sterben musste? Ist der Bioschinken „moralischer“ als ein „normaler“ Schinken? Oder gibt es bei der Nahrungsaufnahme kein moralisch korrektes Handeln, da schließlich etwas gegessen und somit „vernichtet“ wird?
Die Frage nach dem moralisch korrekten Handeln und warum wir überhaupt moralisch sein sollen, ist eine sehr alte Frage. Sie tritt beispielsweise schon vor ~2400 Jahren in Euthyphron (Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet e.V., 1997), ein Frühdialog Platons (der zur ersten Tetralogie der platonischen Werke gehört), auf. Darin trifft Sokrates einen Mitbürger, der seinen Vater wegen Mordes anklagen will und mit ihm darüber ein Gespräch führt.
Damals wie heute ist das Thema „Moral“ ein wichtiges und aktuelles. Kaum eine Fernsehserie spricht das Thema nicht direkt, oder zumindest indirekt an und zeigt deren Probleme auf. Deshalb werde ich in dieser Seminararbeit eine aktuelle TV Serien heranziehen und anhand dieser das erste Kapitel des Buches „Warum überhaupt moralisch sein“ von Kurt Bayertz erklären.
Die Idee dieser Seminararbeit ist es, einen schul- und schülergerechten, einfachen sowie praktischen Einstieg in die Thematik „Moral“ zu geben. Der Inhalt dieser Seminararbeit könnte verwendet werden, um den SchülerInnen einen Denkanstoß bezüglich Moral und moralischem Handeln zu geben und anschließend das Thema Moral im Unterricht durchzunehmen.
Ich wählte bewusst die Fernsehserie „CSI: Miami“ aus, da sie eine sehr neue Serie ist, sich stark an Jugendliche richtet, von vielen SchülerInnen angeschaut wird, ihnen daher bekannt ist und in deren Lebenswelt liegt. Ein Nebeneffekt soll sein, dass der eigene TV Konsum besser reflektiert und aktiver gestaltet wird. In diesem Zusammenhang ist interessant, dass es innerhalb einer TV- Serie zu großen Verschiebungen und Veränderungen kommen kann, auch punkto Moral! Am Anfang der Serie „CSI: Miami“ wurde oft eine „schwarz weiß Moral“ mit erhobenen Zeigefinger präsentiert, bei der klar war, was moralisch korrekt ist und was nicht. In nachfolgenden Staffeln änderte sich dies deutlich und es häuften sich jene „Fälle“, bei denen Menschen rechtlich bedenkenlos handelten oder ihnen
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strafrechtlich nichts passierte, ihre Handlungen aber unmoralisch waren. Ebenso wurden vermehrt Folgen produziert, bei denen schwer zu sagen ist, wie moralisch richtiges Handeln aussieht. In den neueren Staffeln der Serie werden auch oft und dabei deutlich die anderen Probleme und Fragen, die die Moral mit sich bringt, aufgezeigt und in die Geschichte eingebaut behandelt. Die Folge 9 der Staffel 7 (7.09) mit dem Titel „Machtrausch“ ist meiner Meinung nach besonders interessant und gut für die Seminararbeit geeignet, da in dieser „CSI: Miami“ Folge das moralisch richtige Agieren im Vordergrund steht, verschiedene Wertesysteme aufeinanderprallen und somit das Buch von Kurt Bayertz und sein Inhalt gut zu veranschaulichbar ist.
Am Anfang der Seminararbeit gehe ich auf Moral als Orientierungssystem ein, sowie der Moral im engeren und weiteren Sinne. Im Kapitel darauf wird die „CSI: Miami“ Folge „Machtrausch“ zusammengefasst, die im Kapitel darauf, „Zwei Schwierigkeiten mit der Moral“, näher behandelt und im Kontext des Buches „Warum überhaupt moralisch sein?“ von Kurt Bayertz, analysiert wird.
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Da sich das zweite Kapitel des Buches (Bayertz, 2006) besser für eine Einführung in die Thematik als das erste Kapitel eignet, werde ich dieses Kapitel vorziehen. In diesem Kapitel geht es um die Moral als Orientierungssystem sowie der Trennung der Moral in „Moral im weiteren Sinne“ und „Moral im engeren Sinne“. Dabei wird auch erklärt, wie es zu dieser Trennung kam und warum diese notwendig war. Das Vorwort auf Seite 33 von (Bayertz, 2006) zeigt schon deutlich auf, welches Problem die Moral als fixe und für alle Ewigkeit konstante Definition mit sich bringt:
Moral ist inhaltlich nicht wertfrei definierbar. Daher ist die Vorstellung, wie moralisch richtiges Handeln aussieht, einem ständigen Wandel und Anpassung unterlaufen, ebenso, was moralisch richtig ist und was alles zur Moral dazu gehört. Schlussendlich kam es auch zu einer Teilung in „Moral im weiteren Sinne“ und „Moral im engeren Sinne“, auf die nun näher eingegangen wird.
In allen menschlichen Gesellschaften kann man die „Moral“ auch als ein Orientierungssystem finden. Sie sind, historisch gesehen, meist eng mit den mythischen oder religiösen Überzeugungen verbunden. Deren Legitimation beruht meist auf Tradition, später auch auf von Individuen oder Gruppen entworfenen Systemen. Diese wiederum stellen bewusst entworfene Systeme dar, die sich der Tradition entgegensetzen. All diese Orientierungssysteme haben etwas gemeinsam: sie geben vor, was Moral ist und sind nur für deren „Anhängern“ verbindlich. In (Bayertz, 2006) auf Seite 34 findet sich folgendes:
Die sehr reduzierte Grundüberlegung ist also, wie ein gutes Leben aussieht. Deutlicher kommt dieser Punkte auf Seite 35 von (Bayertz, 2006) hervor:
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Laut (Bayertz, 2006, S. 36) gibt es bei den Christen zwei Varianten des Orientierungssystems „Moral“:
Auch hier gibt es eine Teilung des Systems in sich. Historisch veränderte sich der zweite Punkt und wurde um weitere Forderungen, Gehorsam und Keuschheit, ergänzt. Somit gibt es auch im Christentum nicht DAS Moral- und Orientierungssystem, das einem sagt, was ein gutes Leben ausmacht, sondern mehrere Systeme. Diese wiederum unterliegen Veränderungen und Anpassungen, sodass sie sich über die Zeit verändern können.
Ein paar Beispiel für die Moral im weiteren Sinne: gutes Leben fühlen, als Mensch vervollkommnen. Wie will ich mein Leben führen und als Mensch sein? Positive Vorschriften in Form von Tugenden wie z.B. Tapferkeit oder Mäßigkeit, die einer Grundhaltung und Charaktereigenschaft, welche man sich aneignen „musste", gleichkam. Dadurch war die Tugend auch ein Orientierungssystem, wie man als Mensch sein soll, wie man sein Leben führen soll, gab aber nicht vor, wie man zu anderen sein soll! Die Moral im weiteren Sinne ist also ein allgemeiner Leitfaden und Orientierungssystem, das es schon länger, z.B. in Form von Religion, Tradition,… gibt, und über die Zeit immer mehr zu einer Anleitung und Leitfaden wurde, wie man sein Leben führen soll. Dieser Faktor nahm aber mit der Zeit, durch individuelle Lebensführung und andere Faktoren, auf die ich später noch eingehen werde, immer mehr und mehr ab. Dafür wurde der Aspekt des „Vermeiden von Übel“ immer wichtiger. „So sollst du leben“ wurde immer mehr durch „leben und leben lassen“ abgelöst. Das bringt uns auch gleich zum nächsten Thema, der Moral im engeren Sinne.
Bei der Moral im engeren Sinne geht es vor allem darum, die anderen Menschen zu respektieren, auf sie Rücksicht zu nehmen, sie nicht zu verletzten, …. Diese Verpflichtungen ergaben sich oft über die Zeit und sind in der Regel als selbstverständlich zu verstehen: beispielsweise. „du sollst nicht töten“ oder „du sollst nicht stehlen“, sind für alle verpflichtend und somit bindend. Ursprünglich waren sie meist als Richtlinien definiert. Heutzutage sind sie vielmehr Verbote, bei denen man genau weiß, was man nicht machen darf, um andere Menschen nicht zu gefährden, sie zu verletzten oder einzuschränken. Wie wir an den zwei Beispielen zuvor sahen, sind die 10 Gebote gute Beispiele für Moral im engeren Sinne. Diesbezüglich ist in (Bayertz, 2006, S. 37) folgendes zu finden:
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Somit sind die 10 Gebote, nicht wie zuvor bei der Moral im weiteren Sinne, ein Leitfaden dafür, wie ein gutes Leben aussieht, sondern vielmehr ein Regelwerk, dass das Leben mit- und untereinander regelt und sicherstellt. In (Bayertz, 2006, S. 37 bis 38) wird es wie folgt zusammengefasst:
In dem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass es beim moralisch „falschem“ Handeln keinen Mittelweg gibt, wie es auch unter (Bayertz, 2006, S. 38 und 39) erklärt wird:
Dieser Punkt ist grundsätzlich sehr wichtig, aber auch im Zusammenhang mit der im nächsten Kapitel vorgestellten „CSI: Miami“ Folge, die im Kapitel darauf näher untersucht und analysiert wird, von großer Bedeutung.
In der Antike wurde nicht zwischen der Moral im engeren und im weiteren Sinne unterschieden. Erst in der Moderne geschah diese Trennung, die sich immer mehr und mehr herauskristallisierte und bis heute anhält. So flossen einige Werte der Moral im weiteren Sinne, beispielsweise die Tugend der Gerechtigkeit, als Verpflichtungen in die Moral im engeren Sinne mit ein. Das menschliche Übel soll verringert werden, indem die Interessen der anderen Menschen geschützt werden. Eine Folge davon ist, dass das eigene Tun eingeschränkt wird und es zu Konflikten mit den eigenen Interessen kommen kann. Alle Vorschriften die gemacht werden, stellen ein Minimum dar. Sie dienen lediglich dafür, dass die Menschen unter- und miteinander leben können.
Sehr knapp zusammengefasst, gibt es die Moral im weiteren Sinne, bei der es um das eigene, erfolgreiche Leben geht. Die Moral im engeren Sinne hingegen soll das Leben der Mitmenschen schützen und verbessern. Schlussendlich kann man auch noch zwischen „moralischer“, religiöser und rechtlicher Moral unterscheiden, da nicht alles, was beispielsweise religiös für deren Anhänger bindend ist, auch rechtlich bindend ist. Auch unterliegt die Moral, und was moralisch richtig ist, einem Wandel, sodass es historisch gesehen Veränderungen gab und auch kulturelle Unterschiede gab und gibt. Auf einige von ihnen gehe ich nun in den nächsten Unterkapiteln näher ein:
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In der Antike meinten die Griechen, dass der Mensch schwach sei und dadurch zu schlechten Handlungen neige. Unter anderem stellte sich deswegen auch die Frage, wie Menschen das „höchste Gut", das sie anstreben, erreichen können. Somit entstanden Orientierungssysteme die Vorgaben, welche Ziele die Menschen anstreben und welche Menschen sie sein sollen. Charakteristisch für die damalige Denkweise ist, dass bei dieser Thematik immer in erster Person Singular geschrieben wurde. Inhaltlich ging es nicht um punktuelle Fragen, beispielsweise, ob man richtig handeln soll, sondern vielmehr darum, welcher Mensch man sein soll/ man sein will und wie ein gutes und gelungenes Leben aussieht. Zur damaligen Zeit gab es noch Mythen, Mythos, viele Götter, Kosmos,... und den Glauben an schicksalhafte Faktoren, denen wir ausgeliefert sind und die das Erreichen des „höchsten Guts“ erschweren oder behindern können. Zu einem Kernthema wurde unter anderem auch, wie man mit anderen Menschen umgehen soll. Primär drehte sich aber alles um die Frage „Wie sieht eine gelungene Lebensführung im Ganzen aus?".
Die christliche Religion unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt vom Orientierungssystem der Antike: der Ausgangspunkt ist das „menschliche Leiden". Da der Mensch durch die Erbsünde zum Sünder wurde, sieht die Religion keine Hoffnung für die Menschen auf Erden. Somit wird die Vollkommenheit, die man in der Antike bereits auf Erden erlangen konnte, vom jetzt ins Jenseits verlagert. Ein anderer Unterschied liegt darin, wie schon zuvor aufgezeigt, dass es einerseits eine Teilung in „Menschen die Volkommen sein wollen“ und „Minimalbedingungen für alle Menschen“, gibt. Diese Minimalbedingungen stellen keine Vorschriften oder Ziele dar, die man anstreben soll, sondern sind vielmehr Verbote wie „du sollst nicht stehlen". Somit steht der Schutz und das Wohlergehen der anderen Menschen im Vordergrund und soll verhindern, anderen Menschen Schaden zuzufügen. Schlussendlich bildet alles eine Einheit, wobei die Moral ein Teil davon ist. Beispielsweise gibt es bei den 10 Geboten keine Teilung der Moral gegenüber sich selbst, anderen und Gott. „Du sollst nicht stehlen“ gilt allgemein und ist nicht nur z.B. auf „nicht Gott bestehlen“, „nicht den Nachbarn bestehlen“, „nicht die Eltern bestehlen“, oder „nicht die Freunde bestehlen“ ausgerichtet. Es gilt universell für alle Gebiete, alle Fälle und alle Menschen!
Die moderne Ethik versuchte die Moral frei zu begründen, folglich von religiösen und anderen Orientierungssystemen zu lösen und eine (wert)neutrale Grundlage zu finden. Daher wurden vernünftige Argumente gesucht, die für jeden Menschen gelten, egal welcher (z.B. religiöser) Abstammung man sei. Dadurch verselbstständigte sich die Moral, löste sich und konzentrierte sich auf das Zwischenmenschliche und Miteinander von Menschen.
Ein kleines Beispiel: die Moral bezüglich des Sexualverhalten und was moralisch richtig ist, veränderte sich in den letzten Jahrzenten sehr stark. Früher war es unmoralisch, Sex ohne Ehe zu haben. Dies änderte sich mit der Zeit. Nun ist alles „erlaubt“, was einvernehmlich ist und keiner einen Schaden nimmt.
Es gibt in der individuellen Lebensführung Bereiche, bei denen wir sagen, dass sich die Moral nicht einzumischen hat (mit der Annahme, dass alles einvernehmlich ist und keiner einen Schaden nimmt). Dabei gibt es natürlich auch Grenzen und schwammige Übergänge. Für Christen gibt es beispielsweise die moralischen Vorschriften, keine Verhütungsmethoden anzuwenden, oder keinen Sex vor der Ehe zu haben. Wenn man von Moral spricht, muss man sich also immer das Begründungsprinzip so-
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Magister Bachelor Martin Tintel, 2011, Über die Moral und ihre Probleme, München, GRIN Verlag GmbH
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