Inhalt
1. Einleitung 2
2. Aristoteles' Poetik 2
3. Oedipus Charaktereigenschaften 3
3.1 Blindheit 3
3.2 Ödipus Selbstüberschätzung 4
4. Fazit 5
5. Bibliografie 7
1
1. Einleitung
Mit Ödipus hat Sophokles ein Werk geschaffen, das den Zuschauer bzw. den Leser vor die spannende Frage nach der Schuld bzw. der Unschuld des Protagonisten stellt.
Diese Diskussion besteht seit jeher und wird vermutlich nie enden, da es keine richtige Antwort gibt.
Ob man Ödipus nun für schuldig bzw. für nicht schuldig erklärt, ist davon abhängig, worin man die Ursache für das Unglück des tragischen Helden sucht. Sieht man die Gründe für das „menschliche Unglück“ in dem Handeln der Figur oder stürzt sie hauptsächlich durch das Schicksal bzw. durch Fremdeinwirkung in ihr Unglück?
Ist Ödipus' Blindheit und Selbstüberschätzung Schuld an seinem Schicksal oder ist er einfach das Opfer des Schicksals, das für ihn bestimmt war? 1
Diese Arbeit basiert auf Aristoteles Meinung, dass ganz bestimmte Merkmale notwendig sind, um eine gute Tragödie zu schaffen. 2 Aus diesen Merkmalen ergibt sich nämlich die Tragödie als „rein menschliches Geschehen“. 3 Es ist keine Interpretation des gesamten Werkes vorgesehen, sondern die Betrachtung einiger Situationen, die aufzeigen, inwiefern Ödipus dem tragischen Helden nach Aristoteles entspricht. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht auch die Frage, inwiefern Ödipus selbst Schuld an seinem Schicksal trägt und welche Charaktereigenschaften für sein Scheitern von Bedeutung sind.
Wie kann es sein, dass Ödipus zwar so intelligent ist, dass er es schafft, eine Stadt zu retten, indem er das Rätsel der Sphinx löst und andererseits bei dieser „geradezu erdrückenden Fülle von Indizien und Fakten“ 4 die Wahrheit nicht sieht?
2. Aristoteles' Poetik
In seiner Poetik erläutert Aristoteles, wie die Tragödie beschaffen sein muss. 5 Dabei führt er immer wieder 'König Ödipus' als Beispiel für seine Theorie heran.
2
Die Tragödie ahmt grundsätzlich bessere Menschen nach und soll Jammer erzeugen. 6 Außerdem muss eine Tragödie, wenn sie gut sein will, „vom Glück
ins Unglück umschlagen […] wegen eines großen Fehlers […] eines Mannes“. 7 Dieser Umschlag „vom Glück ins Unglück“ ist der notwendige Lebenslauf des tragischen Helden bzw. das Thema der Tragödie. Folglich handeln die Personen nicht, um die Charaktere nachzuahmen, sondern um der Handlung willen beziehen sie Charaktere ein. Daher sind die Geschehnisse und der Mythos das Ziel der Tragödie […]. 8 Der tragische Held muss grundsätzlich gut
sein, um Mitgefühl im Publikum auszulösen, er darf jedoch nicht fehlerlos sein. Einen Fehler (harmatia) braucht er einerseits, damit er nicht zu ideal erscheint und man sich mit ihm identifizieren kann und andererseits, um die Handlung einer Tragödie erst möglich zu machen. So kommt man zu dem Schluss, dass der Held zwischen gut und böse übrig bleibt. 9
Nach Aristoteles beruht das Scheitern des tragischen Helden nicht darauf, absichtlich etwas Unrechtes getan zu haben, sondern vielmehr auf eine Charakterschwäche der Figur. Somit besteht das Tragische in dem Entschuldbaren; der Held hat nicht mit Absicht so gehandelt, wie er gehandelt hat, büßt aber eine Strafe, als wäre sein Tun Vorsatz gewesen. 10
3. Oedipus Charaktereigenschaften
3.1 Blindheit
In der Theresias-Szene zeigt sich deutlich, dass Sophokles einen Schwerpunkt auf Ödipus Schwäche des Nicht-sehens legt. Denn er erlaubt sich an dieser Stelle des Stücks ein dauerndes Spiel zwischen dem blinden Sehenden und dem sehenden Blinden.
Ödipus lässt den Seher Theresias zu sich bestellen, denn dieser soll ihm helfen, den Mörder des Laios zu entlarven. Nach langem Zögern sagt Theresias, was er weiß: […] Ans Licht wird kommen: mit den eigenen Kinder lebt er zusammen, als ihr Bruder und ihr Vater, der gleiche Mann, ist er der Frau, der er entspross, Sohn und Gemahl und des Vaters Mitsäer und sein Mörder! […]. 11
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Arbeit zitieren:
Vincenza Incorvaia, 2009, Oedipus - ein tragischer Held mit Fehlern?, München, GRIN Verlag GmbH
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