Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Analyse des 3. Aktes, Szene I bis Szene III 3
3. Truffaldino 6
3.1. Allgemeines zu den Dienerfiguren 6
3.2. Goldonis Truffaldino in „Il servitore di due Padroni“ 7
4. Die Komik in Goldonis Werk 8
4.1. Der Begriff Komik 8
4.2. Komik in „Il servitore di due Padroni“ 8
5. Fazit 10
6. Literaturverzeichnis 12
1
1. Einleitung
„Il servitore di due Padroni“ ist eines der bekanntesten Stücke Carlo Goldonis und zählt zu den Werken der commedia dell’arte - eine Theaterform, die ihre Blütezeit in der Renaissance erlebte und eine Art Stegreiftheater darstellt. Typisch für sie ist, dass die Figuren der commedia dell’arte größtenteils Typen sind und damit - im Gegensatz zu Charakteren - nicht zu einer inneren Entwicklung fähig sind. 1 Goldoni war einer der ersten, der einen vorgeschriebenen Text anfertigte und seine Figuren je nach Herkunftsort in diesem Dialekt auch Sprechen ließ. Damit orientierte er sich an dem französischen Vorbild Molière und veränderte die bisherige Form des Stegreiftheaters. 2
In den ersten drei Szenen des dritten Aktes spielen Truffaldino, ein tollpatschiger und gieriger Diener, Pantalone, ein Cameriere und die beiden sich liebenden Beatrice, verkleidet als ihr Bruder Federigo Rasponi, und Florindo. Die drei Szenen bilden den Höhepunkt des Bewegungs- und Verwechslungsspiels, da sie entscheidend für den Handlungsverlauf des „[…] servitore di due Padroni“ sind. Außerdem lässt sich anhand dieser drei Szenen ein genaues Bild des Truffaldinos erstellen und die Komik des Stücks gut erkennen.
Der Hauptteil dieser Arbeit ist in drei Teile gegliedert: Im ersten Teil werden die Szenen eins bis drei des dritten Aktes mit dem Schwerpunkt auf dem Beiseite-Sprechen analysiert. Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Figur des Truffaldino. Zunächst einmal soll kurz erwähnt werden, dass es nicht nur eine typische Dienerfigur in der commedia dell’arte gibt, um dann spezieller zu begründen, inwiefern Truffaldino einer Dienerfigur mehr entspricht als der anderen. Der dritte Teil befasst sich mit dem Thema Komik. Hier soll erst einmal eine kurze Definition des Begriff ‚Komik‘ erwähnt werden, um dann anhand des Stückes „Il servitore di due Padroni“ aufzuzeigen, wie Komik erzeugt werden kann bzw. wird.
1 Gröne, Maximilian,Von Kulessa, Rotraud, Reiser, Frank, Italienische Literaturwissenschaft, Eine Einführung, Tübingen, 2009, S. 102.
2 Schulze-Witzenrath, Elisabeth, Literaturwissenschaft für Italianisten, Eine Einführung, Tübingen, 3. durchgesehene Auflage 2006, S. 118.
2
2. Analyse des 3. Aktes, Szene I bis Szene III
Die Handlungs- und Kommunikationsebene dieses Stückes charakterisiert sich vor allem dadurch, dass sich im Falle des „Il servitore di due Padroni“ zwei Ebenen feststellen lassen: Zum einen entwickelt sich die Dramenhandlung über die dramatische Kommunikationsebene, nämlich durch die Dialoge der Figuren untereinander (vgl. III, 1) 3 und zum anderen durch die theatralische Kommunikationsebene, die v.a. durch das Beiseite-Sprechen, das Aparte, gekennzeichnet ist:
Truffaldino (da sè). L’ho fatta.
Beatrice (da sè). Queste sono due lettere da me scritte a Florindo. Oimè! Queste memorie, questi conti apparatengono a lui. Sudo, tremo, non so in che modo mi sia.
(III, 3). 4
Durch das Beiseite-Sprechen, welches durch die Regieanweisung „(da sè)“ erkennbar ist, wird das Publikum bzw. der Leser von Anfang an mit einbezogen und beginnt, sich mit einer Figur, nämlich die des Truffaldino zu identifizieren. Außerdem dient das Beiseite-Sprechen noch einem weiteren wichtigen Aspekt: Der Leser bzw. der Zuschauer bekommt somit den Figuren gegenüber einen Informationsvorsprung. In unserem Fall weiß das Publikum nämlich Dank des Personenverzeichnisses bereits zu Beginn des Stücks, dass Beatrice sich als Mann verkleidet. Durch das Vorwissen hat man einen anderen Blickwinkel auf das Geschehen und genau darüber kann Komik entstehen, denn der Informationsvorsprung des Publikums, befähigt den Zuschauer zu einem Bewusstsein für die Fehleinschätzungen der dramatischen Figuren. Die Tatsache, dass niemand erkennt, dass Beatrice eine Frau ist, dass Truffaldino zwei Herren gleichzeitig bedient und ständig deren Dinge vertauscht, führt dazu, dass das Publikum die Figuren belächelt, was es nur kann, weil es eben mehr weiß als die Figuren. Durch dieses Vorwissen bekommt das Verhalten einzelner Figuren eine ganz andere Tragweite für das Publikum - es entsteht eine dramatische Ironie.
Außerdem entsteht durch das permanente Beiseite-Sprechen Truffaldinos auch eine Sympathielenkung, die sehr entscheidend ist, um aus dem Werk eine commedia zu machen. Dadurch, dass man Truffaldino besser kennen lernt, als die anderen Figuren, fühlt
3 Goldoni, Carlo, Il Servitore di due Padroni, Diener zweier Herren, Stuttgart,1745, S.148.
4 Goldoni a.a.O., S. 160.
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Arbeit zitieren:
Vincenza Incorvaia, 2010, Carlo Goldoni, Il servitore di due padroni, München, GRIN Verlag GmbH
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