A. Kirche als Gemeinschaft in der Nachfolge 3
B. Nachfolge Christi von der Geschichte bis zur Gegenwart 3
1. Wandel der Nachfolge Christi in den verschiedenen Zeiten 3
1.2
1.3
1.4
1.5
1.6
2. Bleibender Kern im Wandel der Geschichte 9
2.2
3. Möglichkeiten der Nachfolge in unserer Zeit 12
3.2
3.3
C. Gemeinsam auf dem Weg der Nachfolge 14
3
A. Kirche als Gemeinschaft in der Nachfolge
„Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Mk 8,34). Immer wieder finden sich im Neuen Testament Stellen, an denen Jesus zur Nachfolge ruft. Daher wird die Kirche als Gemeinschaft auf dem Weg der Nachfolge Jesu gesehen. Der Christ lebt nicht aus einer abstrakten Glaubenslehre, sondern aus der Gemeinschaft mit Christus, seinem Herrn. „Kehrt um, und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,14), so lautet die Botschaft von Jesus. Diese Botschaft ist ein Weg, den der Mensch betreten und gehen muss. Christ sein bedeutet, Jesus nachfolgen im Glauben und im Heiligen Geist, das Leben Christi leben, ihn nicht nur bewundern, sondern ihn wirklich "anziehen" (Röm 13,14), bis man ihm zum Verwechseln ähnlich ist. Allerdings wurde „dieser Ruf in der Kirche nicht nur historisch im Sinne eines unmittelbaren Mitgehens mit Jesus“ „verstanden und verwirklicht“, „sondern auch - in der nachösterlichen Zeit - im Sinne der Orientierung an Jesu Beispiel und der gläubigen Verbundenheit mit dem Auferstandenen“. 1
B. Nachfolge Christi von der Geschichte bis zur Gegenwart 1. Nachfolge Christi in der Vergangenheit
Die Nachfolge Christi ist im Laufe der Geschichte sehr unterschiedlich verstanden und auch gelebt worden.
1.1 Jesu Ruf in die Nachfolge
Das zentrale Anliegen Jesu und sein Ruf zur Nachfolge trifft in seiner ganzen Konsequenz die ersten Jünger beim Fischen am See von Galiläa, wo Jesus zu Ihnen spricht: „Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ (Mk 1,17) „Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.“ (Mk 1,18) Hier liegt der Grundstein der gesamten christlichen Gemeinschaft, der Kirche Jesu Christi. 2 Aber gleichzeitig handelt es sich auch um eine Sendung, um einen missionarischen Auftrag. Damit die Botschaft Jesu auch in die Welt hinausgetragen und dort umgesetzt wird, sucht sich Jesus eine Gruppe von Männern, die er um sich schart. „Und er setzte zwölf ein, die er bei sich haben und die er dann
1 vgl. GK LB 16 „Kirche im Neuen Testament“. Hg. V. Theologie im Fernkurs, Würzburg, Auflage 2006, 43
2 vgl. GK LB 16 „Kirche im Neuen Testament“. Hg. v. Theologie im Fernkurs, Würzburg, Auflage 2006, 13
4
aussenden wollte, damit sie predigten und mit seiner Vollmacht Dämonen austrieben.“ (Mk 3,14-15) Aber nicht nur diese Zwölf wurden von Jesus beauftragt. Immer wieder bittet er den Herrn um „Arbeiter für seine Ernte“ (Mt 9,38), die er dann „zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften“ (Lk 10,1) sandte. Eine besondere Rolle wird dabei dem Jünger Petrus übertragen, zu dem Jesus sagt: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“ (Mt 16,18).
Nachfolge in den ersten Jahrhunderten 1 1.2
In den ersten Jahrhunderten nach dem Tod Jesu am Kreuz wurden Christen als Fremdkörper in der Gesellschaft empfunden. So konnten sie nur durch einen tadellosen Lebenswandel Zeugnis für die erlösende Macht Christi geben. Sie folgten der Ermahnung des Paulus, "ein Leben zu führen, dass des Rufes würdig ist" (Eph 4,1), der an sie erging. Ihr Lebenswandel orientierte sich an seinem Wort: "Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält" (Eph 4,2-3). Für die Christen galt es, nicht mehr zu leben wie die Heiden, die sich entgegen der Lehre Christi der Ausschweifung hingaben und Gemeinheiten begingen (vgl. Eph 4,17 - 24). Nicht Lüge, Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei, Lästerung, Unzucht, Schamlosigkeit und Habgier sollten das Leben der Christen bestimmen, sondern Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit (vgl. Eph 4,25 - 5,20). "Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder, und liebt einander, weil auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und als Opfer, das Gott gefällt" (Eph 5,1 - 2). Da die Christen also aufgerufen waren, "rein und ohne Tadel ... Kinder Gottes ohne Makel mitten in einer verdorbenen und verwirrten Generation" (Phil 2,15) zu sein, galt es, schwere sittliche Verfehlungen zu ahnden und in besonderen Fällen Sünder aus der Gemeinde auszuschließen. Nur so konnte man den Christen zu einem Lebenswandel verhelfen, der sie von den anderen Menschen unterschied, nämlich zu einem Leben entsprechend dem Evangelium Christi (vgl. Phil 1,27).
Mit der beginnenden Verfolgungszeit wurde das Martyrium zum Inbegriff der Nachfolge Jesu Christi. Unbeirrt durch die Drohungen der Verfolgung am
1 vgl. GK LB 10 „Nachfolge Jesu - im Glauben und im Heiligen Geist“. Hg. v. Theologie im Fernkurs, Würzburg, Auflage 2006, 39 ff.
5
Glauben und am Bekenntnis zu Christus festhalten, das bedeutete Christsein jetzt. Es erforderte Mut, Tapferkeit, Bereitschaft und Fähigkeit, Leiden zu ertragen und lieber den Tod auf sich zu nehmen, als den Glauben zu verleugnen und dem Bekenntnis abzuschwören. Diese Fähigkeit hatte auch Stephanus, der erste Märtyrer der Christenheit. 1 Doch jeder Christ konnte in die Situation der Verfolgung und der Todesandrohung kommen. Christliches Leben stellte damit also die Vorbereitung auf diesen Ernstfall dar, in dem es für jeden galt, wie die Hl. Karpos zu beten: "Lobpreis sei Dir, Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, dass du mich armen Sünder gewürdigt hast, so innig dir gleichzuwerden!" 2 In solchen Zeiten der Verfolgung konnte sich Nachfolge als ein Nachgehen in das Todesleiden Jesu erweisen. Diese vollkommene Nachahmung Jesu im Martyrium durfte nur der auf sich nehmen, der von Christus berufen wurde, kraft seines Geistes zum Zeugen seines Sieges zu werden. Das Martyrium diente damit nicht nur dem Märtyrer selbst als Siegeskrone, sondern sollte alle anderen Christen im Glauben ermutigen und für den Ernstfall rüsten.
Nachfolge im „verchristlichten“ Staat: die Antwort der Mönche 3 1.3
Auch wenn vor der öffentlichen Anerkennung des Christentums im römischen Reich nicht jeder Christ vor die Notwendigkeit eines Martyriums gestellt wurde, änderte sich mit dem "Mailänder Edikt" von 313 die Situation. Die Christen mussten jetzt nicht mehr mit dem Ernstfall rechnen. Im Zuge der "Verchristlichung" des Staates passte sich auch das Leben der Christen an die Lebensformen im Kaiserreich an. Wer dem Vorbild der Märtyrer gemäß Christus nachfolgen wollte, musste sich eine andere Bewährungsform suchen. Denn um "die Begierde des Fleisches, die Begierde der Augen und das Prahlen mit dem Besitz" (1 Joh 2,16) aus den christlichen Gemeinden zu verbannen, musste man sich nach dem Zeugnis der Evangelien in die Einsamkeit der Wüste zurückziehen (vgl. die Versuchung Jesu, Mt 4,1). Für die Christen ging es jetzt nicht mehr darum, im Kampf gegen die Verfolger beharrlich am Glauben festzuhalten, sondern im beharrlichen Beten und Meditieren gegen innere Verführer stark im Glauben zu bleiben und darin ein
1 vgl. Schauber/Schindler, Heilige und Namenspatrone. Augsburg (Pattloch) 1992, 664 ff.
2 GK LB 10 „Nachfolge Jesu - im Glauben und im Heiligen Geist“. Hg. v. Theologie im Fernkurs, Würzburg, Auflage 2006, 41
3 vgl. GK LB 10 „Nachfolge Jesu - im Glauben und im Heiligen Geist“. Hg. v. Theologie im Fernkurs, Würzburg, Auflage 2006, 41 ff.
Arbeit zitieren:
Christoph Rabl, 2007, Nachfolge Christi in Geschichte und Gegenwart, München, GRIN Verlag GmbH
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