Inhalt
1 Einleitung 4
2 Kunst und Künstler 5
2.1 Kunst als intrinsische Konstruktion 6
2.2 Kunst als extrinsische Konstruktion 7
2.3 Das Selbstbild des Künstlers 8
2.4 Der Künstler auf dem freien Markt. 10
2.5 Resümee 11
3 Kunst als System 12
3.1 Systemtheorie nach Luhmann 12
3.1.1 Kunst als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium 13
3.1.2 Kunst als System 13
4 Kunst als Massenbetrug 15
5 Ausblick 17
6 Abbildungsverzeichnis 19
7 Literatur 20
3
1 EINLEITUNG
Wir leben in einer „künstlichen“ Welt, eine Welt, die wir kultivieren und unseren Vorstellungen und Ansprüchen anpassen. Es ist eine Welt, die wir uns erschaffen, erdenken und konstruieren. Die Wissenschaft versucht diese zu erklären, ihre Komplexität zu reduzieren, Dinge und Vorgänge zu systematisieren und diese allgemein verständlich zu machen. Ein anderes System, nämlich das der Kunst, wagt diesen Schritt ebenfalls. Es versucht anhand von Darstellungen, Texten, Abbildungen, Skulpturen usw. - sprich Kunstwerken - die Welt zu veranschaulichen bzw. widerzuspiegeln.
Seit der Säkularisierung, der „Verwissenschaftlichung“ und der Entdeckung des Individuums in der Renaissance; seitdem die Welt durch profane Beobachtung, anstatt durch religiös-transzendente „Eingebungen“ erklärt wird, hat sich das Wesen und der Zweck der Kunst drastisch gewandelt. »Kunstwerke [waren] lange Zeit ausschließlich dazu bestimmt, religiöse Bedeutungen herauszustellen und so die bestehende Ordnung zu untermauern, so verlor die Kunst in der Renaissance ihren sakralen Symbolcharakter und besann sich nun wieder auf die Nachahmung der Wirklichkeit, mithin auf das aristotelische Mimesis-Konzept.« (Zahner 2006: 19f, Hervorhebung im Original) Kunst nahm die Rolle eines Meta-Betrachters ein, der versuchte die Welt bzw. die Wirklichkeit deskriptiv zu beschreiben.
Es drängt sich nun die Frage auf, was Kunst heute ausmacht? Und: Was ist überhaupt „Kunst“? Diese Frage wird ganz unterschiedlich behandelt, »Kunstliebhaber, Kunstkritiker oder Kunsthistoriker haben eine andere Sichtweise als Kunstsoziologen, Kunstökonomen oder etwa Politiker, welche konkrete kulturpolitische Maßnahmen durchführen sollen« (Frey/Busenhart 1997: 41).
Der provokante Titel der Arbeit, Kunst ist tot - es lebe die Kunst, weist darauf hin, dass Kunst anscheinend einen Wandel vollzogen hat und sie nicht mehr so ist, wie sie einmal war. In dieser Ausarbeitung soll sich mit einer weitestgehend soziologischen bzw. philosophischen Betrachtung der Kunst sowie deren Produzenten und Ideologie befasst werden, die am Ende in einer Kopplung von Niklas Luhmanns Systemtheorie und Horkheimer & Adornos Beitrag zur »Kulturindustrie« münden.
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2 KUNST UND KÜNSTLER
Mit dem Begriff Kunst 1 verbinden die meisten Menschen bestimmte Tätigkeiten oder gewisse Dinge, wie etwa Romane, Gemälde, Skulpturen, ein Theaterstück, eine Sinfonie; oder denken an Persönlichkeiten wie Goethe, Shakespeare, Mozart oder auch Beethoven. Für die einen ist Kunst ein essentieller Bestandteil ihres Lebens, für andere nur ein notwendiges Übel, dass gefördert werden muss, weil es andere so bestimmt haben. 2 »Kunst ist alltäglich präsent; zugleich soll sie etwas Besonderes repräsentieren, denn sie wurde seit Jahrhunderten als ein privilegierter Bereich der Kultur betrachtet. Kunstwerke sind der Inbegriff menschlicher Kreativität, sagen die einen. Kunstwerke enthalten Spuren des Seins, behaupten ehrfurchtsvoll die anderen.« (Zembylas 2004: 117) Kunst, wenn überhaupt von der Kunst gesprochen werden kann, findet sich aber nicht nur in „verstaubten“ Museen wieder, sondern kann auch etwas ganz Alltägliches sein:
Hier trafen zwei (ästhetische) Vorstellungen, von dem was Kunst ist, aufeinander und kollidierten. An diesem simplen, provokativ dargestellten Beispiel wurde gezeigt, dass Kunst abhängig ist. Sie ist abhängig vom Künstler selbst, 4 von den Rahmenbedingungen in denen sich jener befindet und letztlich vom Betrachter. Kunst
1 Der Begriff Kunst ist im wesentlichen schwer abzugrenzen. Verschiedene Positionen proklamieren,
dass der Kunstbegriff aus wissenschaftlicher Sicht nicht sehr rentabel sei, es also nicht viel darüber zu
sagen gäbe, weil die Geschmäcker zu verschieden seien. Oder es wird vorgeschlagen, den Künstlern die
Definition dessen, was Kunst sei, zu überlassen (Vgl. Zembylas 2004: 118). Eine methodologische
Abgrenzung aus kunstphilosophischer Sicht lässt sich durch normative, analytische,
phänomenologische/interpretative und systematische Konzeptionen vornehmen (Ebd.: 121).
2 Zur Thematik Kulturpolitik, vgl. Klein 2009: 60ff.
3 Das Plakat wird hier als Kunstwerk verstanden, genauer als „digital art“, da hier zumeist auch
kompositorische und kunsttheoretische/ ästhetische Aspekte in die Arbeit mit einfließen.
4 Ein Kunstprodukt entsteht aus einer Verkettung von Prozessen, so, zumindest in den meisten Fällen, in
Zusammenarbeit mit anderen. Ein Buch zum Beispiel entsteht durch den, der es schreibt, aber eben auch
durch den, der es letztlich druckt, vertreibt usw. Dieser Gedanke wird im Production-of-Culture-Ansatz
postuliert.
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wird demnach intrinsisch und extrinsisch konstruiert. Das Wort konstruieren 5 deutet darauf hin, dass etwas nicht natürlich, also von Natur aus gegeben ist, sondern sich erdacht wurde. Eine Konstruktion ist demnach ein Erzeugnis, das sich auf bestimmte Art und Weise generiert. Es handelt sich folglich um eine subjektive Perspektive, anhand derer Kunst definiert wird. 6 Schon aus diesem Punkt heraus ergeben sich machtpolitische Fragen, die sich auf die Legitimation von Kunst beziehen, jedoch hier nicht ausgeführt werden können.
Diese kursorischen Überlegungen liefern zwei Perspektiven, die nun nachfolgend erläutert werden sollen. Eine Grundfrage wird dabei sein, welche Bedeutung die Kunst bzw. das Kunstwerk für das jeweilige Subjekt hat. Warum wird Kunst geschaffen: Kunst der Kunst willen, oder Kunst als Mittel zum Zweck?
2.1 Kunst als intrinsische Konstruktion
»Kunst ist nicht gleich Kunst.« (Jussen 1999: 46) Diese Aussage impliziert, dass derselbe Begriff unterschiedlich Verwendung findet. Damit Kunst als solche überhaupt bezeichnet werden kann, muss zunächst etwas geschaffen werden: das Kunstobjekt. Dieses wird von einem Produzenten 7 erdacht und erbaut. Am Anfang dieses Prozesses steht eine Idee, die wiederum mit einer gezielten Intention ausgeführt und das Objekt dementsprechend ausgearbeitet wird. Diese Intention des Ausführenden ist es, die jenes Objekt in subjektiver Weise einfärbt, die nun folglich als intrinsisch konstruiert begriffen werden soll (Vgl. Zahner 2006: 52f). Der Erzeuger gibt seinem Produkt die Form, Farbe, Größe bzw. Gestalt. Er sieht etwas in ihm und externalisiert dadurch seine Vorstellungen und Gedanken. Das Kunstobjekt wird dadurch zum Kunstsubjekt. Die Kunst wird zum Zeichen und Repräsentant von Sinn. »Bei aller Verschiedenheit haben Zeichen gemeinsam, daß sie stets zweckbestimmt sind (Pragmatik), Informationen enthalten (Semantik) [und] ablesbar an ihrem jeweiligen Aussehen (Syntaktik) [sind].« (Duroy/ Kerner 1988: 260) Das Kunstsubjekt wird auf Grund von Distinktionen und auch als solche generiert; als »Produktion von Unterscheidungen« (Luhmann 1997: 59), wie es Luhmann bezeichnet. Es entsteht durch die Absicht des
5 Das Wort leitet sich ab aus dem lateinischen con = »zusammen« und struere = »bauen«.
6 Eine Frage die daraus folgen könnte wäre, ob es so etwas wie eine „objektive Kunst“ gibt bzw.
überhaupt geben kann. Folgt man dem konstruktivistischen Ansatz, dass es keine Objektivität gibt, so
ergibt sich, dass es maximal eine intersubjektive Kunst geben kann.
7 Anstatt den Begriff Produzent zu verwenden, könnte synonym dazu auch Erfinder, Erbauer o.ä.
angebracht werden, eben immer dann, wenn etwas originär erschaffen wird.
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Arbeit zitieren:
B.A. Markus Feiks, 2011, Kunst ist tot. Es lebe die Kunst!, München, GRIN Verlag GmbH
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