Inhaltsverzeichnis
1. Einführung und Darstellung des Hausarbeitsthemas 3
2. Der Kapital Begriff von Karl Marx 3
2.1 Ausgangspunkt des Kapitals 4
2.2 Die Warenzirkulation 4
2.3 Das Geld 5
2.4 Kapitalformen 6
3. Der Kapital Begriff von Pierre Bourdieu 7
3.1 Das kulturelle Kapital 8
3.1.1 Inkorporiertes kulturelles Kapital. 8
3.1.2 Objektiviertes kulturelles Kapital. 9
3.1.3 Institutionalisiertes kulturelles Kapital 10
3.2 Das soziale Kapital 10
3.3 Das ökonomische Kapital 12
4. Abschließende Gedanken 13
Literaturverzeichnis 14
Seite 2
1. Einführung und Darstellung des Hausarbeitsthemas
Der Begriff „Kapital“ stellt einen grundlegenden und zentralen Ausdruck der Wirtschats- und Gesellschaftswissenschaften dar. Volkswirtschaftlich versteht man unter Kapital die Gesamtheit aller produzierten Produktionsmittel und die dazu nötigen Produk-tionsfaktoren. Betriebswirtschaftlich meint der Begriff den in der Bilanz eines Unternehmens ausgezeichneten Wert des Gesamtvermögens, unterteilt in Eigen- und Fremdkapital. (vgl. Endruweit 1989, S.322)
Dies sind nur zwei der möglichen Bedeutungen des Wortes Kapital. Doch nicht nur das Verständnis dieses Wortes ist in unterschiedlichen Theoriebereichen ein anderer. In der Moderne begegnen uns täglich neue Formationen dieses Ausdrucks. Worte, wie Humankapital, wertschöpfendes Kapital und das Kapitalgut Gesundheit, trifft man täglich in Zeitungen und andreren Medien an. Der Begriff des Kapitals stellt sich folglich als sich stetig inhaltlich und formal wandelnder dar.
Betrachtet man den Ablauf der dazugehörigen Theoriegeschichte, lassen sich ebenfalls unterschiedliche Akzentuierungen ablesen. Karl Marx beispielsweise macht das Kapital zum Mittelpunkt seines gleichnamigen 1867 erschienen Werks. Pierre Bourdieu greift später diesen zentralen Begriff von Marx auf und erweitert ihn um zwei inhaltliche Facetten.
Wie sich genau der Begriff des Kapitals bei Karl Marx darstellt und wie Pierre Bourdieu ihn später versteht und ausweitet, möchte ich in dieser Arbeit darlegen.
2. Der Kapital Begriff von Karl Marx
Karl Marx veröffentlichte im Jahr 1867 den ersten Band seines Werkes „Das Kapital“. Der Grundgedanke dieser Schrift ist, dass alle historischen Ereignisse aus „der materiellen Produktion des Lebens empirisch erklärt werden“ (Berger 2004, S.12) müssen, denn diese beeinflusst die Wahrnehmung und die Verarbeitung der Wirklichkeit nachhaltig. Die politischen Ziele die in diesem Werk propagiert werden, sind vor allem aus dem „Manifest der Kommunistischen Partei“ übernommen, welches Karl Marx zusammen mit Friedrich Engels verfasste. Hintergrund dieser Arbeit war es die politischen Postulate der Arbeiterbewegung durch Konklusionen aus historischen Ereignissen zu bekräftigen. Daraus resultierende Forderungen sind die Erzielung größerer Verteilungsgerechtigkeit durch Abschaffung des Erbrechts, des Grundeigentums und des Einkommens ohne Arbeit. Basis dafür stellt für Marx und Engels der Ausbau des Trans-port- und Kreditwesens und die Kultivierung von Land dar. (vgl. Berger 2004, S.16)
Den Kapitalbegriff entwickelte Karl Marx in diesem Zusammenhang aus der Zirkulation von Geld - Ware - Geld. Der Zweck dieser Zirkulation ist die Vermehrung des Geldes in noch mehr Geld. (vgl. Fuchs-Heinritz 1994, S.325)
2.1 Ausgangspunkt des Kapitals
Die Voraussetzungen zur Entstehung des Kapitals sind für Karl Marx die Warenproduktion und die entwickelte Warenzirkulation, also der Handel. Dabei tritt historisch gesehen „das Kapital dem Grundeigentum überall zunächst in der Form von Geld […] als Geldvermögen, Kaufmannskapital und Wucherkapital“ (Marx 1977a, S.161) gegenüber. Dieser Prozess realisiert sich bis heute dadurch, dass jedes neue Kapital zunächst als Geld den Markt 1 betritt. Dieses Geld soll sich dann durch bestimmte Prozesse in Kapital verwandeln. Das letzte Produkt der Warenzirkulation ist das Geld und damit gleichzeitig die erste Erscheinungsform des Kapitals. (vgl. Marx 1977a, S.161) „Das Kapital muss gleichzeitig in der Zirkulation entspringen und nicht in ihr entspringen“ (Marx 1977a, S.180). Für Marx stellt sich der Ausgangspunkt der Transformation von Geld in Kapital als Austausch von Äquivalenten dar. Dabei muss eine Kapitalbildung möglich sein, auch wenn der Warenpreis dem realen Warenwert entspricht. Weicht der Preis vom wirklichen Wert ab, so muss dieser erst auf den wirklichen Wert reduziert werden, um das Phänomen der Kapitalbildung auf Basis des Warenaustausches erklären zu können. (vgl. Marx 1977a, S.180)
Die Rolle des Kapitalisten bzw. des Geldbesitzers charakterisiert sich für Marx darin, dass dieser die Ware zu ihrem Wert kauft, wieder verkauft und zum Schluss trotzdem mehr Wert erzielt, als er zuvor investierte. (vgl. Marx 1977a, S.181) Der Wert einer Ware ist bestimmt durch das „Quantum der in ihr enthaltenen Arbeit“ (Marx 1977a, S.224). Dieses Quantum ist seinerseits gesellschaftlich bestimmt.
2.2 Die Warenzirkulation
Die Warenzirkulation bildet den Ausgangspunkt des Kapitals. Marx unterscheidet zwei Formen der Warenzirkulation. Zum einen die „Verwandlung von Ware in Geld und die Rückverwandlung von Geld in Ware, verkaufen, um zu kaufen“ (Marx 1977a, S.162) und zum andreren die „Verwandlung von Geld in Ware und die Rückverwandlung von Ware in Geld, kaufen, um zu verkaufen“ (Marx 1977a, S.162). Geld, das der letzteren dieser beiden Zirkulationen folgt, wird zu Kapital. Es ist bereits seiner Bestimmung nach schon Kapital. (vgl. Marx 1977a, S.162)
1 Markt kann hier der Warenmarkt, Arbeitsmarkt oder auch der Geldmarkt sein. (vgl. Marx 1977a, S.161)
Die Zirkulation von Ware und Geld repräsentiert für Marx also die grundlegende Ver-kehrsform der gesamten Ökonomie, d.h. die Wirtschaft scheint nur durch Kauf und Verkauf charakterisierbar. Es findet also eine Reduktion der Wirtschaft auf die Warenzirkulation statt. (vgl. Heinrich 2005, S.79)
Den Zweck der einfachen Warenzirkulation, also der Verkauf für den Kauf, sieht Marx in der Befriedigung von Bedürfnissen. Die Zirkulation des Geldes hingegen als Kapital erfüllt für ihn einen Selbstzweck. Denn „die Verwertung des Wertes existiert nur inner- halbdieser selbsterneuerten Bewegung. Die Bewegung des Kapitals ist daher maßlos“ (Marx 1977a, S.167).
2.3 Das Geld
„Geld als Geld und Geld als Kapital unterscheiden sich zunächst nur durch ihre ver- schiedene Zirkulationsform“(Marx 1977a, S.161). Durch die kapitalistische Produktion kann Geld in Kapital verwandelt werden. Durch diese Verwandlung wird aus dem gegebenen Wert ein sich vermehrender Wert, der Profit produziert. Karl Marx versteht das profitproduzierende Kapital, als die Befähigung des Kapitalisten sich „ein bestimmtes Quantum unbezahlter Arbeit, Mehrprodukt und Mehrwert, aus den Arbeitern herauszuziehen und sich anzueignen“ (Marx 1979, S.350) 2 . Das Geld erhält dadurch neben seinem Gebrauchswert als Geld einen zusätzlichen Zweck, nämlich als Kapital zu fungieren. Sein Gebrauchswert ist dann Profit in Kapital zu verwandeln. Marx sieht dabei das Kapital als Kapital als bloße Ware an. (vgl. Marx 1979, S.351) Das Geld selbst stellt die Ware dar, die Eigens oder durch Stellvertreter, als Wertmaß und damit auch als Zirkulationsmittel fungiert. (vgl. Marx 1977a, S.143) Er unterscheidet drei Funktionen des Geldes. Die Erste ist ein Maß für den Wert eines Produktes zu sein, das heißt der Wert einer Ware wird durch eine bestimmte Menge Geld ausgedrückt. Diese Menge ist der Preis. (vgl. Heinrich 2005, S.62f) Die zweite Funktion ist die des Zirkulationsmittels. Als solches vermittelt Geld den wirklichen Austausch von Waren. Explizit bedeutet dies beispielsweise, dass ein Handwerker sein handwerklich geschaffenes Produkt verkauft und sich für die dafür erzielte Menge an Geld beim Bäcker Brot und beim Fleischer Wurst kauft. Marx Grundidee der „Metamorphose der Ware“ bedeutet in diesem Fall, dass sich das ursprüngliche hand- werklicheProdukt durch eine Metamorphose in Brot und Wurst verwandelt. Das Geld
2 Eine ausführlichere Darstellung der „Theorie des Mehrwertes“ von Karl Marx sprengt den Rahmen dieser Arbeit.
Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Julia Erdmann, 2009, Die Erweiterung des Marxschen Kapitalbegriffs bei Pierre Bourdieu, München, GRIN Verlag GmbH
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