Inhaltsverzeichnis
1 Themeneinführung 3
1.1 Einleitende Gedanken 3
1.2 Begriffsklärungen 3
1.2.1 Der Begriff „Mobilität“ und seine Facetten 3
1.2.2 Der Begriff der sozialen Schichten 4
2. Die Studie zum sozialen Auf- und Abstieg in Schleswig-Holstein von Karl M. Bolte 6
2.1 Das Forschungsinteresse von Bolte 6
2.2 Die Vorgehensweise von Bolte 6
2.3 Ergebnisse der Studie von Bolte 10
3. Die Studie der sozialen Schichtung und Mobilität in Westdeutschland von Morris Janowitz 11
3.1 Das Forschungsinteresse von Janowitz 11
3.2 Die Vorgehensweise von Janowitz 11
3.3 Ergebnisse der Studie von Janowitz 17
4 Gegenüberstellung der beiden Studien 18
4.1 Gemeinsamkeiten. 18
4.2 Unterschiede 19
5 Abschließende Gedanken 21
Seite 2
1 Themeneinführung
1.1 Einleitende Gedanken
Der Zweite Weltkrieg zog in Deutschland und in anderen Ländern viele Veränderungen nach sich. Das Land und seine Bevölkerung mussten eine militärische Niederlage, die Fremdbesatzung und eine Massenbewegung an Flüchtlingen bewerkstelligen. Schließlich setzte Anfang der 1950er Jahre eine wirtschaftliche Erholung ein, die Deutschland wieder zu neuem Auftrieb verhalf. Doch stellt sich die Frage, ob sich in Folge all dieser historischen Ereignisse ein Wandel in der sozialen Schichtung und Mobilität Deutschlands vollzog und falls dies der Fall ist, wie sich dieser äußerte. (vgl. Janowitz 1958, S. 1)
Mit der Beantwortung dieser Frage beschäftigten Mitte der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts beispielsweise Karl M. Bolte und Morris Janowitz. Ihre beiden Untersuchungen zählen zu den bekanntesten und bedeutendsten in diesem Bereich und zu dieser Zeit. Im Folgenden werde ich ihre beiden Untersuchungen zur Berufsprestigemobilität einander gegenüber stellen. Dabei lege ich zunächst das jeweilige Forschungsinteresse, die Vorgehensweise und letztlich noch die Untersuchungsergebnisse dar. Anschließend werde ich die einzelnen Übereinstimmungen und Differenzen der beiden Studien offen legen.
1.2 Begriffsklärungen
Zunächst einmal möchte ich einige für diese Arbeit grundlegende Begriffe klären.
1.2.1 Der Begriff „Mobilität“ und seine Facetten
Unter dem Begriff Mobilität wird in der Soziologie der „Wechsel eines oder mehrerer Indivi- duenzwischen den festgelegten Einheiten eines Systems verstanden. [...] Die Anbindung des M[obilitäts]begriffs an eine Systemperspektive betont dessen analytischen Charakter und macht darauf aufmerksam, daß [sic!] die betrachteten M[obilität]svorgänge von der Wahl der Teileinheiten im jeweils zugrunde gelegten System abhängen“ (Endruweit 1989, S. 446). Die- sesheute geläufige systemorientierte Verständnis des Begriffs Mobilität ist allgemeiner gehalten, als die auf Pitirim Sorokin, einen der Begründer der klassischen Mobilitätstheorie, aus dem Jahr 1927 zurückzuführende Auffassung, dass unter Mobilität der Positionenwechsel von Personen in einer Gesellschaft zu verstehen ist. Dabei blendet der Einbezug des Bezugsrahmens der Gesellschaft als Größenbeschränkung, beispielsweise Mobilitätsvorgänge zwischen Gesellschaft, also Migration, aus. Hinzu kommt, dass mit Position hier die kleinste mögliche Einheit gemeint ist. Die Teileinheiten der moderneren Definition hingegen sind in ihrer Größe je nach Forschungsinteresse frei bestimmbar. (vgl. Endruweit 1989, S. 446)
Aus Sorokins Mobilitätsverständnis hat sich die heute gängige Definition von sozialer Mobilität entwickelt. So versteht man unter sozialer Mobilität „Bewegungen von Personen oder Per- sonengruppenaus einer sozialen Position in eine andere, die sich innerhalb einer sozial relevanten Schichtungsdimension (beispielsweise Macht, Beruf, Wohngegend) oder zwischen solchen vollziehen“ (Fuchs-Heinritz 1994, S. 444).
Wird in der Soziologie von Mobilität gesprochen, so ist damit häufig in erster Linie diese Begrifflichkeit gemeint. (vgl. Endruweit 1989, S. 448)
Auch Karl Bolte hatte während seiner Mobilitätsstudien diese Mobilitätsdefinition vor Augen. (vgl. Recker 1974, S. 17)
Auf Pitirim Sorokin geht zudem die Unterscheidung zwischen horizontaler und vertikaler Mobilität zurück, wobei beide Bewegungsvorgänge miteinander verknüpft sind. (vgl. Recker 1974, S. 17)
Die Terminologie der vertikalen Mobilität bezieht sich auf die „ Bewegung von Individuen (Karrieren), Familien [...] oder Kollektiven (z.B. Berufsgruppen) zwischen Positionen oder Schichten, die subjektiv oder objektiv unterschiedlich bewertet werden, so daß (sic!) die Veränderung als sozialer Auf- oder Abstieg erfaßt [sic!] werden kann“ (Fuchs-Heinritz 1994, S. 444f).
Demgegenüber wird mit horizontaler Mobilität ein Positionswechsel eines Individuums, einer Familie oder einer Gruppe bezeichnet, der keine Änderung des Status dieses Individuums, der Familie oder des Kollektivs, bedeutet. (vgl. Fuchs-Heinritz 1994, S. 443) Ein Beispiel hierfür wäre, wenn ein Mann zunächst Bäcker lernt und später als Maler arbeitet. Es hat sich zwar der ausführende Beruf geändert, jedoch ist die Berufsposition des Handwerkers geblieben. Würde allerdings dieser Bäcker eine große Billig-Backwaren-Kette gründen und rentable Filialen in ganz Deutschland eröffnen, so wäre ihm ein Aufstieg und damit vertikale Mobilität vom Handwerker hin zum Unternehmer geglückt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Unterscheidung zwischen Inter-Generationen-Mobilität und Intra-Generationen-Mobilität. Die Inter-Generationen-Mobilität bezieht sich auf den „Schichtwechsel in der Generationenfolge von der Elterngeneration auf die Kindergeneration“ (Geißler 2006, S. 255), deshalb auch als Generationenmobilität bezeichnet. Die Intra-Generationen-Mobilität, oder auch Karrieremobilität, hingegen bezieht sich auf einen Schichtwechsel im Verlaufe eines individuellen Lebenslaufes. (vgl. Geißler 2006, S. 255)
Schließlich ist noch die Unterscheidung zwischen individueller und kollektiver Mobilität offen zulegen. Die individuelle Mobilität bezieht sich auf die Bewegung von einzelnen Personen von einer Schicht in eine andere. Die kollektive Mobilität hingegen betrifft den sozialen Auf-oder Abstieg einer ganzen Gruppe. (vgl. Geißler 2006, S. 255)
Die beiden im Folgenden dargestellten Studien untersuchen in erster Linie die individuelle Mobilität innerhalb und zwischen den Generationen im Nachkriegs-Deutschland.
1.2.2 Der Begriff der „sozialen Schichten“
Soziale Schichten sind „vertikale soziale Differenzierung[en] der Makrostruktur 1 eines sozia- lenSystems“ (Fuchs-Heinritz 1994, S. 584). In Bezug auf eine Rangordnung in Gruppen mit horizontalen Grenzen ist mit sozialer Schichtung eine hierarchische Aufgliederung größerer Bevölkerungsteile gemeint, die durch objektive und/oder subjektive Merkmale voneinander unterschieden werden. (ebd.)
Das Konzept der sozialen Schichten entstand in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Begründer war Theodor Geiger (1891-1952) der, ausgehend von Karl Marx (1818 - 1883) Kon-
zept der „sozialen Klassen 2 “, das Konzept der Schicht zu einem der grundlegenden, soziologischen Terminologien präzisiert. (vgl. Geißler 2006, S. 93)
Er verstand Schichten als „Gruppierungen gleicher Wirtschaftsinteressen und -mentalitäten [...], die als bewegende Kräfte in der Entwicklung des Wirtschafts- und Gesellschaftslebens wirksam sind“ (Geißler 1996, zit. n. Hradil 1999, S. 37).
Um von vertikaler und horizontaler, sozialer Mobilität innerhalb einer Gesellschaft sprechen zu können, muss eine hierarchische Rangordnung innerhalb dieser Gesellschaft, dass heißt zum Beispiel die Untergliederung der Gesellschaft in Schichten, vorgenommen werden. Folglich müssen hier die Konzepte Mobilität und Schicht miteinander in Verbindung gesetzt werden.
In den Untersuchungen von Bolte und Janowitz wird die horizontale Mobilität durch die Zu-ordnung der rangmäßig gegliederten Berufe in eine begrenzte Anzahl von Schichten nach unterschiedlichen Überlegungen dargestellt.
1 Die Makrostruktur beinhaltet die „Elemente und Zusammenhänge auf einer allgemeinen oder oberen Untersuchungsebene, die Gesamtstruktur“ (Fuchs-Heinritz 1994, S. 413).
2 Soziale Klassen sind „Gruppierungen innerhalb von Gefügen sozialer Ungleichheit [...] die aufgrund ihrer Stellung innerhalb des Wirtschaftsprozesses anderen Gruppierungen über- oder unterlegen sind“ (Hradil 1999, S. 34).
2. Die Studie zum sozialen Auf- und Abstieg in Schleswig-Holstein von Karl M. Bolte
2.1 Das Forschungsinteresse von Bolte
Die Untersuchung von Karl Martin Bolte der vertikalen Mobilitätsbewegungen innerhalb der westdeutschen Bevölkerung, begrenzt auf das Gebiet von Schleswig-Holstein und die Stadt Hamburg aus dem Jahr 1955, gilt als erster Versuch der Wiederaufnahme der soziologischen Forschung in Deutschland. Im Mittelpunkt dieser Untersuchung stand dabei die Frage, ob und inwiefern die historischen Ereignisse seit Kriegsbeginn 1940 zu einer Umbesetzung in der sozialen Hierarchie geführt hatten. Im Bundesland Schleswig-Holstein, in dem sich das Flüchtlingsproblem als besonders gravierend darstellte, war dies eine naheliegende Forschungsfrage. (vgl. Recker 1974, S. 86)
2.2 Die Vorgehensweise von Bolte
Die Erhebung von Karl M. Bolte umfasste im Wesentlichen 3 Phasen: 1) eine Befragung der männlichen und weiblichen Stadtbevölkerung bezüglich der Prestigeskala ausgewählter Männerberufe
2) eine Befragung männlicher Landbewohner über die Prestigeskala bestimmter Männerberufe
3) eine Befragung männlicher und weiblicher Stadtbevölkerung über die Prestigeskala typischer Frauenberufe. (vgl. Bolte 1959, S. 31)
Dabei lautete die Grundfrage dieser Erhebung, ob in der Bevölkerung eine einheitliche Vorstellung über die Prestigezuordnungen von Berufen existiert und falls dies der Fall ist, wie diese aussieht. Es wurden insgesamt 1612 Personen befragt, die ausschließlich in Nord-deutschland, vorwiegend in Schleswig-Holstein wohnten. Insgesamt wurden die zu Befragenden, um eine willkürliche Auswahl zu vermeiden, innerhalb bestimmter genau abgegrenzter Merkmalsgruppen erfasst und wenn möglich vollzählig befragt. Die zu befragenden setzten sich zusammen aus 100 Studenten der Berufsschulpädagogik und Nationalökonomie, 103 Männern über 20 Jahre aus drei Dörfern eines bestimmten ländlichen Gebietes, 133 Erwachsenen aus Klein- und Großstädten in Schleswig-Holstein, 92 Studenten der Nationalökonomie der Uni Kiel, 83 Schüler/innen der höheren Klassen einer kaufmännischen Berufsschule in Hamburg und schließlich 1101 Schüler/innen der höheren Klassen einer Kieler Berufsschule. Diesen Untersuchungspersonen wurde eine Auswahl von 38 Berufen vorgelegt, die zum einen in Norddeutschland häufig vorkamen und zum anderen grundsätzlich bekannte Berufe waren (bzw. sind), wie zum Beispiel Arzt, Bauer, Schriftsteller, Seemann usw.. Diese Berufe sollten
Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Julia Erdmann, 2010, Gegenüberstellung zweier früher Mobilitätsstudien für die BRD nach dem zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag GmbH
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