Inhaltsverzeichnis
Einleitung S. 3
1. Die städtische Gesellschaft: Kleidung als Mittel zur Abgrenzung 5
2. Kleiderordnungen 7
2.1 Sozialdisziplinierung durch Kleiderordnungen 7
2.2 Kleiderordnungen im Mittelalter 8
2.3 Kleiderordnungen in der Frühen Neuzeit 13
2.4 Kleidung von Randgruppen am Beispiel der Juden und Prostituierten 15
2.5 Durchführbarkeit von Kleiderordnungen 17
3. Abschlussbetrachtung: Machen Kleider Leute? 18
4. Literatur- und Quellenverzeichnis 20
2
Einleitung
Kleidung ist schon immer ein fester Bestandteil menschlichen Lebens. Für das Entstehen und die Entwicklung von Kleidung waren die Bedingungen der menschlichen Lebensweise und Umwelt sicher maßgeblicher als das Schamgefühl dieser.
Im Laufe des Mittelalters wurde es immer deutlicher, dass Kleidung Konventionen schuf, in dem Sinne, dass damit Sitten geschafften wurden. Man kleidete sich mit dem, was man hatte und trug dabei auch alte Kleidung auf. Wichtig war, dass man etwas am Leibe trug. Erst in Folge der Entwicklungen des 11. und 12.Jahrhunderts wurde das archaische System und dessen Hierarchie in Frage gestellt, der soziale Aufstieg einer neuen Schicht der Kaufleute und Handwerker möglich und so traten auch die Ideen von Nutzen und Wirklichkeit in das Bewusstsein der Bevölkerung. Das trug zur Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes bei. Soziale Schicht und Status waren vermehrt durch Farbe und Art der Kleidung abzulesen, bunte und phantasievolle Modekreationen setzten sich trotz Kleiderordnungen durch. Aus diesem Grund wurde eine ständige Veränderung in der Mode hervorgerufen, „denn das Allernötigste an Kleidung fand sich leichter […]“ 1 so dass es auch vorkam, dass man die verschiedensten Dinge miteinander kombinierte.
Ab dem 13. Jahrhundert entwickelte sich die Kleidung immer mehr zum Ausdruckssymbol eines gesellschaftlichen Standes. Aus diesem Grunde kann man sagen, dass modischer Wandel oft mit einer bestimmten gesellschaftlichen Dynamik einher zu gehen scheint. So lassen Bildquellen darauf schließen, dass vor allem beim städtischen Bürgertum Kleidung einem stetigen Wandel unterzogen war. 2
„Kleiderordnungen sind Verfügungen einer Obrigkeit über die Kleidungen ihrer Untertanen. Sie wollen auf die Kleidung Einfluß nehmen, weil diese nicht nur Geschmack oder Reichtum eines Menschen anzeigen kann, sondern auch seinen sozialen Standort repräsentiert und manchmal sein sittliches Wesen offenbart." 3 Diese Hausarbeit bemüht sich, die Kleiderordnungen als Instrument und Ausdruck der Denkweisen dieser Obrigkeiten in der frühen Neuzeit zu sehen. Kleiderordnungen sind wichtige Quellen der Kulturgeschichte, mit denen man die Niederungen des Alltags betritt. Kleiderordnungen standen stets in engem Zusammenhang mit den sogenannten Polizeiordnungen. ,,Unter Policey verstand der frühmoderne Staat noch nicht die Institution, die für innere Sicherheit zuständig war, sondern
1 BORST, Arno: Lebensformen im Mittelalter. Hamburg 2004, S, 210.
2 Roeck, Bernd: Lebenswelt und Kultur des Bürgertums in der Frühen Neuzeit. München 1991, S. 26.
3 Eisenbart, Liselotte Constanze: Kleiderordnungen der deutschen Städte zwischen 1350 und 1700. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des deutschen Bürgertums. Göttingen/ Berlin/ Frankfurt 1962
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den ganzen Komplex der Verwaltung, Ökonomie und Ordnung einer Herrschaft." 4 Die Policey regelte damals all die Dinge, die zur Ordnung des Gemeinwesens gehörten und somit auch die dem Stand und Rang entsprechende Kleidung. Die Gemeinschaft und das Wohlergehen der Gemeinschaft stand dabei immer im Fokus. Kleiderordnungen werden als Spiegel bzw. Forschungsstrang der Volkskultur angesehen. In diesem Zusammenhang war die Bevölkerung allein als Repräsentant von Klassengesetzen und Klassengegensätzen von Interesse. Trotz des expliziten Interesses am Alltag und an der Kultur vergangener Zeiten, fand die Kleiderordnung aber generell in der Forschung nur wenig Beachtung im Vergleich zu anderen Polizeiordnungen. Für die Forschung selbst sind vor allem die erhalten gebliebenen regionalen Quellen und die daraus resultierenden Regional- und Lokalstudien enorm wichtig, da diese den Ursprung der Forschung selbst und wertvolle Zeugnisse bilden. Besonders gut erhalten sind beispielsweise die Nürnberger Stadtordnung, die Lindauer Policey Ordnung u.a..
Der Forschungsstand zu Kleiderordnungen im Mittelalter ist recht umfassend, da man sich zu allen Zeiten für Kleidung interessierte und dies schriftlich oder aber bildlich festgehalten wurde. So machte die Österreichische Akademie der Wissenschaften eine Veröffentlichung zur Terminologie und Typologie Mittelalterlicher Sachgüter: Das Beispiel der Kleidung. Dieses Werk gibt einen groben Überblick über die Kleidung im Mittelalter, insbesondere der Artikel von Jutta Zander- Seidel Ständische Kleidung in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadt. Mechthild Müller gibt in Die Kleidung nach Quellen des frühen Mittelalters recht fundiertes Wissen zu mittelalterlichen Textilien, ihrer Tragweise. Dieses Wissen basiert auf Forschungsergebnissen über die Kleidung selbst. Dabei liegt ihr Schwerpunkt in der Darstellung von Realien. Vor allem aber gelang es Lieselotte Constanze Eisenbart in Kleiderordnungen der deutschen Städte zwischen 1350 und 1700. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte des deutschen Bürgertums ausgiebig die gesellschaftlichen Strukturen und die sich daraus entwickelnden Kleiderordnungen zu beschreiben. Sie analysiert und interpretiert die Kleiderordnungen und setzt dies in Relation zu der jeweiligen Zeit. Aufgrund dieser Literatur gliederte sich auch die Fragestellung „Machen Kleider Leute?“ heraus. Grundsätzlich kann man bei Kleiderordnungen zwei Forschungsströme bestimmen, die sich vielfältig berühren und auch überschneiden. Auf der einen Seite werden Kleiderordnungen als Konsequenz der Herausbildung von Städten und Mode gesehen, deren Folge Sozialdisziplinierung und somit unter anderem Kleidergesetzgebung war. Auf der anderen Seite wird betont, dass es zwar Kleiderordnungen gab, diese aber nicht richtig aufgeführt und
4 Van Dülmen, Richard: Kultur und Alltag in der frühen Neuzeit. Bd. 2: Dorf und Stadt im 16. bis 18. Jahrhundert. München 1992. S. 223.
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ausgeführt wurden und somit wirkungslos waren. Zur Sozialdisziplinierung innerhalb der Städte trugen diese nichts bei.
1. Die städtische Gesellschaft: Kleidung als Mittel zur Abgrenzung
Das Bürgertum in den mittelalterlichen Städten war durch ein soziales Gefälle, das sich in verschiedenen Ständen äußerte, geprägt. Diese Einteilung in Stände wurde im Spätmittelalter konkretisiert, in dem man die Menschen aufgrund ihrer Herkunft und ihres Berufes einteilte. Aus diesen Ständen formierten sich dann spezielle Rechte, zu denen auch das Tragen von Kleidung gehörte. Das mittelalterliche Ständesystem hatte strenge Kleiderordnungen, die vorschrieben, wie sich die Mitglieder einzelner Berufsgruppen zu kleiden hatten. 5
Viele Quellen berufen sich auf die Darstellung von Realien und subsumieren daher unter dem Begriff der Kleidung all das, was der Mensch am Körper trug. Kleidung signalisierte somit bereits sehr früh die Stellung, die ein Mensch in der Gesellschaft hatte. Sie war zu allen Zeiten ein Standesarttribut und man kleidete sich >an- ständig<, dem Stand entsprechend. 6 Kleidung ist somit wichtiges Erkennungsmerkmal für die jeweilige soziale Zugehörigkeit, so dass sogar Details der Kleidung ständisch geregelt sind. Die Unterschiede zwischen den Ständen lagen meistens nur im verwendeten Material und dem dazugehörigen Zierrat. So wie das Land im Mittelalter untrennbar mit dem Begriff der Bauern verbunden war, so war es die Stadt mit dem Begriff der Bürger. Während die Kleidung der Bauern über lange Zeit hinweg kaum Veränderungen durchlebte, kann man beim Bürgertum einen stetigen Wandel erkennen. Das Bürgertum des Mittelalters war keineswegs homogen, sondern durch ein soziales Gefälle gekennzeichnet, welches das Bürgertum aufgrund seiner unterschiedlichen Berufe, Vermögensverhältnisse und seines Ansehens in verschiedene Schichten teilte. 6 Diese soziale Schichtung bekam jedoch erst im Spätmittelalter konkrete Formen. 7 Somit konnte man die Stadtbevölkerung in Ober-, Mittel- und Unterschichten teilen, wobei letztere nicht zur Bürgerschaft gehörten. Eine klare Abgrenzung der einzelnen Schichten ist jedoch schwer möglich, da die Grenzen oft fließend waren und die soziale Zusammensetzung von Stadt zu Stadt unterschiedlich war.
5 Borst, Otto: Alltagsleben im Mittelalter. Frankfurt am Main 1983, S.6.
6 Le Goff, Jaques: Der Mensch des Mittelalters. Frankfurt 1989, S. 34.
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Vor allem durch Verschwendung von Gütern, konnte man sich besonders gut von den niederen städtischen Ständen abgrenzen. Dies geschah vor allem an der Kleidung, da diese für jeden präsent war. Zudem besitzt der verschwenderische Aufwand an Kleidern den Vorteil, dass er eine sofortige Schätzung der jeweiligen finanziellen Verhältnisse erlaubt, in dem man in diesen gesehen wird. Der größte Teil der Kleiderkosten entsteht nicht mehr aufgrund des Schutzes gegenüber Witterungsbedingungen, sondern vielmehr für ein anständiges und respektables Äußeres, das die Blicke auf sich zieht. 7 Das Bedürfnis sich anzuziehen, gehört zu den höheren Bedürfnissen des Menschen. Durch Kleidung kann man den jeweilig geltenden Prestigestandard, dem Stand angepasst, ausleben. 8 Doch nicht immer war dies im Mittealter der Fall. Nachdem im 14. Jahrhundert Mode aufkam, wurden reihenweise Kleiderordnungen erlassen, die schnell auf die Wandlungen der Mode reagierten, oft mit detaillierten Verboten. Mode wird in diesem Zusammenhang als die Lust am Leben definiert, die durch das Erlebnis der Pest, die von 1347 bis 1351 in Europa epedemieartig ausbrach, ausgelöst wurde. In der Chronik der Stadt Limburg steht dazu geschrieben: „ Als dann die Welt wieder zu Leben anhub, da machten die Männer neue Kleidung.“ 9 Zudem unterschied man damals Mode von der Tracht. Während die Tracht etwas fest vorgegebenes, anständiges ist, ist die Mode ein Element des bewussten Gestaltens, das sich ständig weiter entwickelt. So wurde in diesem Zusammenhang auch mit dieser experimentiert, was an sich wandelnden Armausschnitten oder neuen Verschlussarten und Schnitten deutlich wurde.
2. Kleiderordnungen
2.1 Sozialdisziplinierung durch Kleiderordnungen
„Von Kaiser Karls Kleidung. Mit Kleidern und Schuhen hat er sich allweg gehalten nach der teutschen Art, so dieselbige Zeit im Brauch war: nit viel köstlicher denn der gemeine Mann trug er Hemd und Joppe oder Leibrock; die mußten ihm überall am Leib anliegen und nit weiter noch größer denn die Glieder sein, verbrämt mit Seide. Ein rauhes Brusttuch und leinene Hosen trug er allweg […]. 10
Anhand dieser Quelle wird deutlich, dass der Kaiser sehr darauf bedacht war, sich dem Brauch entsprechend zu kleiden, sich aber nicht allzu sehr von der Gesellschaft abzusetzen. Dies wird unter anderen an den Materialien seiner Kleidung deutlich (raues Brusttuch, leinene
7 Veblen, Thorstein: Theorie der feinen Leute. Eine ökonomische Untersuchung der Institutionen. Frankfurt am Main 2007, S. 165.
8 Veblen, S. 167
9 Eisenbart, S. 8
10 Thurmair, Aventinus, Johannes: Baierische Chronik, Anfang 16. Jahrhundert, S. 71/72
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Arbeit zitieren:
Janina Bolz, 2009, Machen Kleider Leute? Kleiderordnungen im Spätmittelalter und deren Veränderung in der Frühen Neuzeit, München, GRIN Verlag GmbH
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