Bibliografischer Nachweis
Rauh, Carsten: Möglichkeiten der Unterstützung studentischer Prozesse
Diplomarbeit
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Fachbereich Polygrafische Technik, Studiengang Medientechnik, 2003
100 Seiten, 49 Abbildungen, 90 Quellenangaben
Autorenreferat
Der Übergang zur Wissensgesellschaft stellt hohe Anforderungen an Hochschulen und die von ihnen getragene Hochschulausbildung. Dem Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien im Hochschulbereich kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Die intensive Nutzung der neuen Medien in Lehre, Forschung und Verwaltung soll Hochschulen eine qualitativ verbesserte, flexiblere und effizientere Erfüllung ihrer Aufgaben ermöglichen.
Unter diesem Aspekt untersucht die vorliegende Arbeit, welche Möglichkeiten im Rahmen einer internetbasierten Informations- und Kommunikationsplattform bestehen, um studentische Prozesse an Fachhochschulen zu unterstützen. Die Basis hierfür stellt eine eingehende Analyse der studentischen Prozesse dar. Auf dieser Grundlage wird konzeptionell eine internetbasierte Information- und Kommunikationsplattform erarbeitet, die verdeutlicht, welche Unterstützungsmöglichkeiten denkbar sind. Abschließend wird skizziert, welchen Beitrag die Optimierung der Prozesse zu einer Verbesserung der Studienqualität leisten kann.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Seite
Bibliografischer Nachweise und Autorenreferat
Formblatt zur Ausgabe der Diplomarbeit
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung und Motivation 2
1.2 Zielsetzung und Aufbau 2
2 Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen 4
2.1 Internet als Teil moderner Informations- und Kommunikationstechnologien 4
2.1.1 Potenziale des Internets aus heutiger Sicht. 5
2.1.2 Basistechnologien und -dienste des Internet 9
2.1.3 Multimedia, Interaktivität. 13
2.2 Einsatz von IKT im Hochschulbereich 15
2.2.1 Vorteile und Zielsetzung 17
2.2.2 Begriffe und Elemente mediengestützter Lehr- und Lernprozesse. 18
2.2.3 Szenarien Virtuelle Lehr- und Lernprozesse - Virtuelle Hochschule. 22
2.2.4 Erfolgskritische Faktoren der IKT-Unterstützung im Hochschulbereich. 24
2.3 Unterstützung von Prozessen 26
2.3.1 Prozess und Prozessorientierung 26
2.3.2 Effizienz und Effektivität 28
2.4 Internetbasierte Informations- und Kommunikationsplattformen 29
2.4.1 Basis 29
2.4.2 Sichtweise Portal. 30
2.4.3 Zusammenfassende Definition 33
3 Analyse studentischer Prozesse 34
3.1 Ziele und Rahmenbedingungen des Studiums 35
3.2 Fachhochschulstudium Medientechnik. 36
3.2.1 Studium an Fachhochschulen 37
3.2.2 Studium der Medientechnik an der HTWK Leipzig. 38
3.3 Prozessmodellierung - Vorgehensweise. 40
3.4 Prozesse auf der übergeordneten Ebene „Studium“ 42
Inhaltsverzeichnis
3.5 Prozesse auf der Ebene „Semester“ 43
3.5.1 Teilprozess Rückmeldung 44
3.5.2 Teilprozess Semester-Start 45
3.5.3 Teilprozess Semesterorganisation. 47
3.5.4 Teilprozess Prüfungen. 48
3.5.5 Teilprozess Studienbuch 49
3.6 Prozesse auf der Ebene Lehrveranstaltung 50
3.6.1 Teilprozess Präsenzstudium. 51
3.6.2 Teilprozess Selbststudium. 52
3.6.3 Teilprozess Gruppenarbeit 54
3.6.4 Teilprozess Betreuung. 55
3.7 Prozess Studium generale 56
3.8 Prozess Praktisches Studiensemester 57
3.9 Prozess Diplomarbeit 58
3.10 Indirekte Prozesse 59
4 Konzeption der internetbasierten Informations- und Kommunikationsplattform 61
4.1 Konzeptionelle Aspekte. 61
4.1.1 Optimierungsaspekte. 62
4.1.2 Integrationsaspekte Portal. 64
4.1.3 Personalisierung. 64
4.1.4 Funktionelle Betrachtungsweise und Redundanzen 66
4.2 Modulaufbau und Modulübersicht 67
4.3 Modul Nachrichten 68
4.3.1 Elemente und Funktionalitäten 68
4.3.2 Prozessunterstützung durch das Modul. 69
4.4 Modul Studienadministration 70
4.4.1 Elemente und Funktionalitäten 70
4.4.2 Prozessunterstützung durch die Module. 73
4.5 Modul Lehrveranstaltungen. 74
4.5.1 Elemente und Funktionen. 74
4.5.2 Prozessunterstützung durch die Module. 80
4.6 Modul Wissensbibliothek. 81
4.6.1 Elemente und Funktionalitäten 81
4.6.2 Prozessunterstützung durch das Modul. 84
4.7 Modul Studieninformationen. 84
4.7.1 Elemente und Funktionalitäten 85
Inhaltsverzeichnis
4.7.2 Prozessunterstützung durch das Modul. 87
4.8 Modul Praktisches Studiensemester 88
4.8.1 Elemente und Funktionalitäten 88
4.8.2 Prozessunterstützung durch das Modul. 90
4.9 Modul Diplomarbeiten 90
4.9.1 Elemente und Funktionalitäten 90
4.9.2 Prozessunterstützung durch das Modul. 91
4.10 Modul Persönliche Daten und Service. 91
4.10.1 Elemente und Funktionalitäten 91
4.10.2 Prozessunterstützung durch das Modul. 93
5 Nutzungspotenziale zur Verbesserung der Studienqualität 95
5.1 Grundüberlegungen 95
5.2 Bereich Lehre und Forschung 96
5.3 Bereich Praxiserfahrung, Aus- und Weiterbildung 97
5.4 Bereich Freizeit 98
6 Zusammenfassung 99
Quellenverzeichnis
1 Einleitung
Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) verändern und prägen unser Leben und unsere Gesellschaft. Sie sind die Schlüsseltechnologien der sich entwickelnden Wissensgesellschaft. Der Umgang mit Wissen, das Tempo von Wissensvermehrung und -wachstum sind und werden dabei ausschlaggebende Faktoren für Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung, für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft 1 .
Dies stellt auch hohe Anforderungen an die Hochschulbildung einer Gesellschaft. Inhalte, Strukturen und Rahmenbedingungen, in denen sich Hochschulbildung vollzieht, müssen an die veränderten Erwartungen, Ansprüche und Anforderungen der Gesellschaft angepasst werden. Sie leisten, als Teil des öffentlich finanzierten Wissens- und Forschungssystems, einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft 2 .
Dies stellt Hochschulen unweigerlich vor die Frage, welche Anforderungen, aber auch welche Möglichkeiten sich aus dem Einsatz und der Nutzung der modernen IKT für sie ergeben. Und das sowohl in Bezug auf Programminhalte, die Art und Weise, wie geforscht und gelehrt wird, als auch die Organisation, Verwaltung und Infrastruktur der Hochschulen 3 .
Die intensive Nutzung der IKT in Lehre, Forschung und Verwaltung soll - so der Anspruch -Hochschulen eine qualitativ verbesserte, flexiblere und effizientere Erfüllung ihrer Aufgaben ermöglichen. Hier werden Fachhochschulen besonderes gefordert 4 . Sie sollen laut Profil und öffentlichem Bildungsauftrag einen stärkeren Praxisbezug des Studiums, kürzere Studienzeiten als auch eine effiziente Organisation von Studium und Prüfungen gewährleisten 5 .
In den letzten Jahren entstanden zahlreiche Projekte im Hochschulbereich, die sich mit der Mediennutzung im Bereich der IKT auseinandersetzten. E-Learning, Tele-Teaching, Virtuelle Studiengänge und Virtuelle Hochschulen sind hierbei nur einige Begrifflichkeiten, die in diesen Bereich fallen. Diese Projekte haben zum Kenntnisstand und nicht zuletzt zu einer stärkeren Verbreitung der Mediennutzung in den Hochschulen beigetragen. Von der dauerhaften Absicherung und nachhaltigen Weiterentwicklung der in diesem Zusammenhang aufgebauten Infrastrukturen, Inhalte und Kompetenzen sind die meisten Hochschulen derzeit aber
1 Kraemer, W., u.a. (Initiative B.I.G): Virtuelles Lehren und Lernen an deutschen Universitäten, Gütersloh, 1997, S.9.
2 Müller-Böhling, D.: Die entfesselte Hochschule, Gütersloh, 2000, S.27f.
3 Sand, Th., Wahlen, K.: Mediennutzungskonzepte im Hochschulbereich, Hannover, 2000, S.3ff.
4 Sand, Th., Wahlen, K.: Vorwort.
5 o.V.: Die Fachhochschulen in Deutschland, Bundesministerium für Bildung und Forschung, Februar 2003, http://www.bmbf.de/pub/die_fachhochschulen_in_deutschland.pdf, 26.06.2003.
noch weit entfernt. Um eine erfolgreiche Institutionalisierung und ganzheitliche Integration des IKT-Einsatzes voranzutreiben, sind Hochschulen gefordert, übergreifende, ganzheitliche Mediennutzungskonzepte zu entwicklen, in denen eine langfristige Medienplanung zielgerichtet umgesetzt werden kann 6 .
1.1 Problemstellung und Motivation
Betrachtet man sich die entsprechende Projektlandschaft 7 , so erkennt man, dass die jeweiligen Zielsetzungen die Alltagsbedürfnisse des Studenten nicht umfassend berücksichtigen. So stellen Aufbaukurse an Virtuellen Hochschulen, internetbasierte Lernplattformen für einzelne Lehrveranstaltungen oder spezifische Verwaltungsleistungen (Rückmeldung per Internet) nur punktuelle Verbesserungen dar. Von einem ganzheitlichen Ansatz ist hier nur wenig zu erkennen.
Dies motiviert den Autor, mit der vorliegenden Arbeit einen Beitrag zur Gestaltung eines ganzheitlichen Mediennutzungskonzeptes zu leisten. Dabei sollen gezielt die Möglichkeiten betrachtet werden, mit denen eine umfassende Unterstützung der Studenten durch Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien (im folgenden IKT), insbesondere dem Internet, erreicht werden kann.
1.2 Zielsetzung und Aufbau
Im Rahmen der Arbeit soll gezeigt werden, welche Möglichkeiten eine internetbasierte Informations- und Kommunikationsplattform bieten kann, um die studentischen Prozesse an Fachhochschulen zu unterstützen.
Hierzu werden zuerst die notwendigen Grundlagen vermittelt, die in diese Thematik hineinspielen. So werden zunächst begriffliche und konzeptionelle Grundlagen des Internets und des Einsatzes von IKT im Hochschulbereich erarbeitet. Als Grundlage für den Ansatz der Prozessunterstützung werden weiterhin die Aspekte der Prozessorientierung erläutert, auf denen eine Optimierung von Prozessen hinsichtlich Effizienz und Effektivität basieren. Darauf abgestimmt erfolgt eine spezifische Betrachtung der Begrifflichkeit Informations- und Kommunikationsplattform unter besonderer Berücksichtigung des Portalaspekts. Dieser erste Teil schildert somit die verschiedenen Einflussbereiche, die die Spezifika von Kommunikations- und Informationsportalen im Hochschulbereich charakterisieren.
6 Sand, Th., Wahlen, K.: Mediennutzungskonzepte im Hochschulbereich, Hannover, 2000, Vorwort.
7 vergleiche (vgl.) hierzu beispielsweise Bachmann, G., u.a.(Hrsg.): Campus 2002, Münster, New York, München, Berlin, 2002.
Im zweiten Teil der Arbeit erfolgt ein Analyse der studentischen Prozesse, die über eine entsprechende Plattform unterstützt werden sollen. Hierzu werden zunächst die entsprechenden Rahmenbedingungen und Zielsetzungen des Studiums allgemein und dem Studium an Fachhochschulen, insbesondere dem Studium der Medientechnik an der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur, Leipzig geschildert. Sie stellen nicht nur den Rahmen für die Prozessanalyse, sondern haben auch direkten Einfluss auf die Gestaltung der Prozesse. Danach erfolgt die Analyse der studentischen Prozesse am exemplarischen Beispiel des obengenannten Studiums der Medientechnik. Zielsetzung ist es hierbei, ein Prozessmodell des Studiums an Fachhochschulen zu konstruieren, das eine mögliche Gesamtheit der Prozesse identifiziert, die der Studenten während seines Fachhochschulstudiums durchläuft, wobei neben Lernprozessen auch die Prozesse der Studienorganisation und -administration einbezogen werden.
Auf dieser Basis soll im dritten Teil untersucht werden, welche Möglichkeiten der Einsatz einer internetbasierten Plattform bietet, um die identifizierten Prozesse zu unterstützen und zu optimieren. Dies bedeutet, dass durch das Angebot bestimmter Funktionen und Services über eine entsprechende Plattform entweder der Aufwand (z.B. Zeit, Kosten) des Studenten reduziert oder ein Mehrnutzen (z.B. Flexibilität) erzeugt wird. Auf diese Weise werden konzeptionell mögliche Inhalte, Funktionalitäten und Strukturen einer solchen Plattform erarbeitet. Durch das Optimieren der Prozesse ist es möglich, Ressourcen auf Seiten des Studenten freizusetzen, die zur qualitativen Verbesserung des Studiums genutzt werden können. Die Arbeit versucht mögliche Ansatzpunkte in diesem Bereich zu skizzieren, die den Aufbau und Einsatz einer solchen Plattform rechtfertigen können.
Die Arbeit versucht so, einen Beitrag zum Aufbau eines übergreifenden Mediennutzungskonzeptes an Fachhochschulen zu leisten. Weiterhin soll die Arbeit auch eine Motivation für weitere wissenschaftliche Arbeiten darstellen. So erscheint es dem Autor wichtig, die erarbeiteten Prozesse ebenso wie die aufgezeigten Möglichkeiten der Plattform hinsichtlich Funktionalität und Optimierung durch eine empirische Untersuchung der realen studentischen Verhaltensweisen und Bedürfnissen qualitativ und quantitativ zu evaluieren. Weiterhin muss im Rahmen von ganzheitlichen Mediennutzungskonzepten auch das Unterstützungspotenzial für anderen Anspruchsgruppen (Professoren, Mitarbeiter, Staat, Wirtschaft,etc.) fundiert erarbeitet werden, wie dies hier für Studenten geschieht.
2 Begriffliche und konzeptionelle Grundlagen
Bevor in dem dritten und vierten Teil der Arbeit detailliert auf die studentischen Prozesse sowie auf die Informations- und Kommunikations-Plattform zur Unterstützung der Prozesse eingegangen wird, sollen in diesem Teil der Arbeit begriffliche und konzeptionelle Grundlagen vermittelt werden, welche thematisch relevant erscheinen.
Ziel der Arbeit ist es, die Möglichkeiten der Unterstützung durch eine internetbasierte Platt-form darzustellen. Dafür ist es sinnvoll, dem Leser in einem ersten Schritt grundlegende und für diesen Bereich wesentliche Informationen über das Internet nahezubringen. Durch die Unterstützung von studentischen Prozessen leistet die Plattform einen Beitrag zum Einsatz von IKT im Hochschulbereich. Dieses, in den letzten Jahren, sehr ausführlich und kontrovers diskutierte Thema soll in einem zweiten Schritt dargestellt werden, wobei Rahmen und Umfang der Arbeit nur einen Überblick zu relevanten Aspekten dieser äußerst weitreichenden Thematik erlauben. Der Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologie soll nicht nur im Hochschulbereich zu einer Optimierung bestehender Prozesse und zu einer effizienteren und effektiveren Gestaltung von Wertschöpfungsketten beitragen. Im dritten Schritt werden diese, aus dem Bereich der Organisationstheorie stammenden, Ansätze zur Prozessorientierung und Prozessoptimierung näher beleutet. Auf diesen Grundlagen aufbauend, wird dem Leser in einem vierten Schritt das zentrale Element der Informations- und Kommunikationsplattform, welches die zu identifizierenden Prozesse unterstützen soll, erläutert und im Kontext der Arbeit positioniert.
2.1 Internet als Teil moderner Informations- und Kommunikationstechnologien
Das Internet und die damit verbundenen Möglichkeiten haben eine wesentliche Bedeutung im Rahmen dieser Arbeit. So sollen die damit verbundenen Technologien und Eigenschaften als Medium im Rahmen einer Plattform genutzt werden, um die im Abschnitt 3 näher beschriebenen studentischen Prozesse zu unterstützten. Das Internet stellt dabei lediglich einen Teilaspekt der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) dar. Dem European Information Technology Observatory (EITO) zufolge umfasst der Begriff IKT folgende Komponenten: Computer-Hardware und -Software und damit verbundene Dienstleistungen sowie Telekommunikationsausrüstung und -dienstleistungen 8 .
Zwar haben auch andere Technologien der modernen IKT Auswirkungen auf den Bereich der Hochschulbildung, doch kommt dem Internet hier eine besondere Stellung zu. Müller
8 o.V.: European Information Technology Observatory, Yearbook 2002, EITO, http://www.eito.com, 15.06.2003.
Böhling konstatiert hierzu 9 : „Die Möglichkeiten, Informationen und Kommunikation über entsprechende Technologien zu integrieren und in synchronen wie asynchronen Aspekten (vgl Abschnitt 2.1.1) mit einem hohen Maß an Wirtschaftlichkeit zugreifbar zu machen, geben dem Internet das Potenzial andere technologiebasierte Lern- und Lehrformen (beispielsweise Satellitenübertragung) zurückzudrängen.“
Auch für Kerres hat das Internet eine hohe Bedeutung in Bezug auf den Einsatz im Hochschulbereich. „Das Internet bietet eine universelle Plattform für die weltweite, nicht-materielle Distribution von medialen Informationen. Es erlaubt die Abbildung unterschiedlicher Varianten interpersonaler Kommunikation, wodurch sich verschiedenartige neue Lernszenarien realisieren lassen“ 10 . Er bezeichnet das Internet als Telemedium. Hierunter versteht er alle Techniken der Informationsübermittlung beziehungsweise des Austausches, die zur Überwindung von Distanzen zwischen Sender und Empfänger eingesetzt werden und wobei die Übermittlung nicht-materiell erfolgt 11 .
Um ein grundlegendes Verständnis für das Internet, seine Möglichkeiten und Technologien zu schaffen, wird im Folgenden auf die Potenziale des Internets sowie die zugrundeliegenden Technologien und Begrifflichkeiten eingegangen.
2.1.1 Potenziale des Internets aus heutiger Sicht
Das Medium Internet hat in den letzten Jahren in vielen Bereichen der Gesellschaft zu einem erheblichen Wandel geführt. Dies begründet sich in den technischen Eigenschaften, die viele Bereiche unseres täglichen Lebens und Handelns durch neue Möglichkeiten anreichern und nachhaltig verändern oder verändert haben. Jedoch haben sich die schier unendlichen Potenziale, die dem Medium zugeschrieben wurden, mittlerweile relativiert. Sehr deutlich wird dies vor allem im Bereich des E-Business und des E-Commerce. Während am Anfang der Boomphase des Internets scheinbar neue Regeln für wirtschaftliches Agieren zu gelten schienen, hat sich sowohl der Markt als auch der Wandel von nicht tragfähigen Ansätzen und Konzepten bereinigt und konsolidiert (vgl hierzu www.dotcomtod.de 12 oder Hirn, W.; Rickens, Chr.: Internet, endlich Gewinne. Wer im Web Geld verdient, welche Branchen sich am stärksten verändern 13 ).
9 Müller-Böhling, D.: Die entfesselte Hochschule, Gütersloh, 2000, S.237ff.
10 Kerres, M.: Technische Aspekte multi- und telemedialer Lernangebote. In: Issing, L.J., Klimsa, P. (Hrsg.), Information und Lernen mit Multimedia und Internet, 3. Aufl., Weinheim, 2002, S.19.
11 Kerres, M.: S.24.
12 Auf der Internetseite www.dotcomtod.de wird die Entwicklung und der Niedergang von Unternehmen der sogenannten new economy beobachtet und dokumentiert. http://www.dotcomtod.de, 23.05.2003.
13 Hirn, W.; Rickens, Chr.: Internet, endlich Gewinne. Wer im Web Geld verdient, welche Branchen sich am stärksten verändern. In: manager magazin, 33.Jahrgang, 6/2003, S.72ff.
Obwohl die Potenziale des Internets heute etwas nüchterner betrachtet werden, fällt es schwer, eine mögliche Gesamtheit zu skizzieren. Dennoch sollen hier drei Aspekte aufgezeigt werden, die im Rahmen der Arbeit als bedeutsam erscheinen:
1. Potenziale im Bereich Information
Durch das Internet werden Informationen zeit- und ortsunabhängig zugreifbar, verfügbar und publizierbar (vgl. hierzu die Ausführungen von Kerres in Abschnitt 2.1 und 2.1.1). Dies stellt eine wesentliche Verbesserung gegenüber anderen Medien, wie bespielsweise Printmedien oder Fernsehen, dar. Durch Multimedialität und Interaktivität des Mediums lassen sich Informationen anders aufbereitet, untereinander vernetzen (vgl Abschnitt 2.1.3). Ein weiterer Vorteil der Interaktivität liegt in der Pull-Funktionalität, die über die Rückkanalfähigkeit des Internets gegeben wird. Hierdurch kann der Nutzer die Informationsaufnahme selbst steuern 14 .
2. Potenziale im Bereich Kommunikation
Das Potenzial im Bereich der Kommunikation gründet darin, dass sich über das Internet und entsprechende Technologien (vgl. Abschnitt 2.1.2.2) verschiedene Kommunikationsszenarien abbilden lassen. So ermöglicht das Internet:
Synchrone und asynchrone Kommunikation 15
Bei der synchronen Kommunikation kommt es zwischen Sender und Empfänger zeitgleich zu einer wechselseitigen Verbindung. Dafür ist die Koordination zwischen Sender und Empfänger notwendig. Der Empfänger hat die Möglichkeit, unmittelbar auf die vom Sender übermittelte Information zu antworten und umgekehrt.
Bei der asynchronen Kommunikation erfolgt die Kommunikation zeitversetzt, dass heißt die übermittelte Information kommt entweder zeitversetzt an oder muss vom Empfänger überhaupt einmal abgerufen werden. Zwischen Versand und Empfang von Informationen kann ein beliebig großer Zeitraum liegen, ergo müssen Sender und Empfänger nicht zeitgleich über ein Medium verbunden sein 16 .
14 Weidenmann, B.: Abbilder in Multimediaanwendungen. In: : Issing, L.J., Klimsa, P. (Hrsg.), Information und Lernen mit Multimedia und Internet, 3. Aufl., Weinheim, 2002, S.83.
15 Simon, B.: E-Learning an Hochschulen, Köln, Lohmar, 2001, S. 73.
16 Coenen, O.: E-Learning-Architektur für universitäre Lehr- und Lernprozesse, Köln, Lohmar, 2001, S. 132.
1:1 und 1:N Kommunikation 17
Das Internet ermöglicht sowohl die Kommunikation zwischen Einzelpersonen (1:1) oder vielen (1:N). Seibt unterscheidet neben bereits genannten Point to Point (1:1) - und One to Many (1:N) -Szenario weiterhin das Multipoint-Szenario, bei dem eine N:N Kommunikation statffindet (beispielsweise internetbasierte Videokonferenz mit mindestens drei Teilnehmern) 18 .
Symmetrischer Kommunikation 19
Bei der symmetrischen Kommunikation können Sender und Empfänger ihre Rollen wechseln, was bei der asymmetrischen Kommunikation nicht möglich ist.
Der wesentliche und entscheidende Vorzug des Internets gegenüber anderen Medien besteht laut Kerres darin, dass im Internet alle beschriebenen Szenarien integriert und realisiert werden können 20 .
3. Potenziale im Bereich der Unterstützung und Optimierung von Prozessen Gerade in diesem Bereich wurden zahlreiche, leider nicht immer erfolgreiche, Anstrengungen unternommen, um durch Einsatz des Internets bestehende Wertschöpfungsketten zu unterstützen und zu optimieren (vgl. Abschnitt 2.3). Als eine der populärsten, aber auch der kritischsten Möglichkeiten ist die Nutzung des Internet als Distributionskanal anzuführen.
Nichtsdestotrotz verfügt das Internet durch die Möglichkeiten der digitalen Abbildung von Prozessen oder der Prozessunterstützung über ein enormes Potenzial. Simon sieht hier zwei
17 Kerres, M.: Technische Aspekte multi- und telemedialer Lernangebote. In: Issing, L.J., Klimsa, P. (Hrsg.), Information und Lernen mit Multimedia und Internet, 3. Aufl., Weinheim, 2002, S.25.
18 Seibt D. (Hrsg.): Kommunikation, Organisation und Management, Braunschweig, 1995, S.40.
19 Simon, B.: E-Learning an Hochschulen, Köln, Lohmar, 2001, S. 73.
20 Kerres, M.: S.25.
Ansatzpunkte, die für ihn die Einzigartigkeit und damit das Potenzial des Mediums beschreiben 21 :
Möglichkeit digitale Produkte zu geringen Kosten an viele Kunden zu distribuieren. Wichtig ist es hierbei, welche Produkte verteilt/vertrieben werden sollen. Er unterscheidet dabei:
nichtdigitale Produkte (bsp. Auto, Lebensmittel, Chemie, etc.) digitale beziehungsweise virtuelle Produkte (Musik, Daten, Versicherungen, etc.) nichtdigitale Produkte, die sich digitalisieren lassen (Bücher, Filme, etc.)
Das größte Potenzial liegt hier im Bereich der nichtdigitale Produkte, die sich digitalisieren lassen. Natürlich hängt das Potenzial auch davon ab, wieviele Prozesse sich durch eine starke Informationslastigkeit innerhalb der kompletten Wertschöpfungskette größtenteils digital abbilden lassen. Das Internet hat nicht zuletzt dann auch ein hohes Potenzial, wenn durch eine große Zahl von Kunden oder regelmäßige Transaktionen eine hohe Anzahl von Transaktionen erreicht werden kann.
Möglichkeit des Networking
Großes Potenzial hat das Internet auch dort, wo es viele Personen gewissermassen in Form eines Netzwerkes zusammenbringen und einen direkten Austausch von Informationen, Produkten und Kommunikation an sich unterstützen kann. Gemeint sind hierbei Anwendungen oder Konzepte, die dem Peer to Peer-Ansatz folgen und insbesondere Austauschprozesse zwischen Endanwendern oder Endverbrauchern unterstützen. Neben der mittlerweile nicht mehr existierenden privaten Musiktauschbörse Napster zählen hierzu auch Geschäftskonzepte wie ebay, über deren internetbasierte Plattform Endverbraucher untereinander mit Waren oder Produkten handeln können.
Die in diesem Abschnitt dargestellten Aspekte stellen eher eine abstrakte Betrachtungsweise der Potenziale des Internets dar. Eine, für den Kontext der Arbeit, spezifischere Darstellung findet im Abschnitt 2.2.1 statt.
21 Simon, H.: E-Biz - Analyse und Perspektive. In: Ahlbach, H., u.a.: Die Zukunft des E-Business, Zeitschrift für Betriebswirt- schaft, Ergänzungsheft 1/2003, S. 3ff.
2.1.2 Basistechnologien und -dienste des Internet
Die Potenziale des Internets gründen auf verschiedenen, größtenteils aufeinander aufsetzenden Technologien. Diese sollen nachfolgend vorgestellt und erläutert werden. Jedoch sind Definitionen zum Bereich Internet oftmals vielfältig und auch kontrovers. Aus diesem Grund wird eine einheitliche Begriffsabgrenzung vorgenommen. Die innerhalb der Fachliteratur verwendeten Definitionen stellen meist eine eher enge Auslegung der Begriffe dar. Auf-grund der schnellen Entwicklung in diesem Bereich kann es sein, dass Einsatzmöglichkeiten und Umsetzungsvarianten zum momentanen Stand eine weitere Auslegung der Begriffe im Kontext notwendig machen. Die Auswahl der Begrifflichkeiten und Dienste erfolgt im Hinblick auf die Einsatzmöglichkeiten im Rahmen dieser Arbeit und sind diesbezüglich als nicht vollständig zu betrachten. Der Autor verweist weiterführend auf Tanenbaum, 2000 22 . Durch Verbreitung und Bekanntheit der meisten Begriffe, werden die Erläuterungen kurz gehalten und fallsweise auf weitere Fachliteratur verwiesen.
2.1.2.1 Internet, Internettechnologie - Webtechnologie
Eine Beschreibung des Internets erscheint mittlerweile nahezu trivial und würde jedoch in ausführlicher Form den Rahmen der Arbeit sprengen. Deswegen wird anschließend auf eine Kurzbeschreibung von Kerres zurückgegriffen und für eine detaillierte, leicht verständliche Beschreibung auf das HTML-Tutorial SELFHTML von Stefan Münz verwiesen, welches im Internet frei abrufbar ist 23 .
Kerres beschreibt die Funktionsweise des Internets wie folgt: Das Internet ist ein weltweiter Verbund von Rechnernetzwerken (vgl. Abbildung 2 der Netzwerkarchitektur von Münz 24 ).
Per Standleitung oder Einwahl über das Telefonnetz können Computer in dieses Netz eingebunden werden.
Jeder, der auf diese Weise zu einem Teil des Netzes wird, hat sowohl Zugriff auf Informationen auf anderen Rechnern als auch die Möglichkeit selbst Informationen auf einem angeschlossenen Server einzustellen.
Oftmals werden die Begriffe world wide web (www) und Internet gleich verwendet, was so jedoch nicht richtig ist. Aus diesem Grund wird auf die Terminologie und deren Unterschiede hier näher eingegangen.
22 Tanenbaum, A. S.: Computernetzwerke (3. revidierte Auflage). München, London, New York, 2000.
23 Münz, St.: SELFHTML - HTML-Dateien selbst erstellen, http://selfhtml.teamone.de, 16.06.2003.
24 Münz, St.: SELFHTML - HTML-Dateien selbst erstellen, http://selfhtml.teamone.de/intro/internet/standards.htm, 16.06.2003
Die verschiedenen Rechner und Netzwerke im Internet kommunizieren durch den Einsatz eines gemeinsamen Protokolls 25 , dem Transmission Controll Protokoll/ Internet Protokoll, kurz TCP/IP 26 . Dies stellt dabei für die darauf aufsetzten Dienste lediglich die technische und physische Voraussetzung dar. Zum Internet zählen auch Intranets. Diese sind nichts anderes, als ein nach aussen abgeschlossenes, unternehmens-/organsisationsweites Internet, sozusagen ein lokales Internet. Die Internettechnologie schliesst alle Dienste der Inter- und Intranets mit ein, dass heißt auch den Informationsdienst www 27 . Dagegen beschränkt sich die Webtechnologie auf die www-eigenen Dienste, die auf das Hypertexttransferprotokoll 28 aufsetzen. Man versteht hierunter alle die Teildienste, die in das www integriert sind.
2.1.2.2 Kommunikations-, Informations- und sonstige Dienste
Kommunikationsdienste
Sie dienen der Mensch-zu-Mensch-Kommunikation, wobei Sie sowohl synchron als auch asynchron ablaufen können. Diese besteht generell aus einer Clientanwendung, die auf dem Rechner des Nutzers installiert ist, und einer Serveranwendung. Die Clientanwendungen dienen zur Ein- und Ausgabe der Kommunikationsinhalte und zur Kontaktierung der Server-
25 Tanenbaum,A. S.: Computernetzwerke (3. revidierte Auflage). München, London, New York, 2000, S. 33.
26 Tanenbaum, A. S.: S. 443-449 sowie 558-576.
27 Schäfer, K. J.: Internetportal für eine virtuelle Hochschule, Wiesbaden, 2001, S. 6
28 Tanenbaum, A. S.: S. 726-743.
anwendungen. Die Serveranwendungen stellen eine Verbindung zwischen Sender und Empfänger her und übermitteln die Daten 29 .
E-Mail 30
Der wohl bekannteste und weitverbreitetste asynchrone Kommnikationsdienst im Internet ist die elektronische Post, engl. electronic mail, kurz E-Mail. Die vom Sender erstellten Briefe (engl. mails), mit denen auch digitale Daten in Form einer Anlage versendet werden können, landen in Sekundenschnelle im Postfach (engl. mailbox) des Empfängers´, bis dieser Sie von dort abruft. Zur eindeutigen Identifikation von Sender und Empfänger dienen einzigartige, unverwechselbare Adressen, die sich jeweils aus dem Namen des Postfaches, dem @-Zeichen (engl. at, deutsch: bei) und dem Serverstandort des Postfaches zusammensetzten (bsp. rrauh@fbp.htwk-leipzig.de).
Chat/Videoconferencing
Chat bezeichnet die Möglichkeit, über das Internet mit einer Software-Anwendung synchrone Kommunikation in Echtzeit zu betreiben. Hier kann es sowohl zu „1 zu 1“-Verbindungen als auch zu Konferenzschaltungen zwischen mehreren Teilnehmern kommen. Man unterscheidet dabei reine Text-Chats (Übermittlung von Text), Audiochats (Übermittlung von akustischen Daten) und Videoconferencing (Übermittlung von Video-, also akustische und visuelle Daten) 31 .
Newsgroups/Diskussionsforum 32
Die Newsgroups, im Deutschen auch als Diskussionsforum bezeichnet, stellen symbolisch nichts anderes als ein „schwarzes Brett“ dar, auf dem Nachrichten und Informationen angeschlagen werden können, die dann von anderen Besuchern gelesen, beantwortet und kommentiert werden können. Die verschiedenen „groups“ oder Foren stellen dabei eine Zuordnung zu einem bestimmten Themenbereich dar.
Mailinglisten
Die Mailinglisten sind vergleichbar mit den Newsgroups, jedoch wird der Transfer der Artikel und Nachrichten via E-Mail abgewickelt.
Eine Zuordnung zu einem Dienstbereich fällt schwer, da sie einerseits sowohl zu den Kommunikations- anderseits auch zu den Informationsdiensten gehören. Der Autor hat sich für
29 Schäfer, K. J.: Internetportal für eine virtuelle Hochschule, Wiesbaden, 2001, S. 7.
30 Tanenbaum, A. S.: Computernetzwerke (3. revidierte Auflage). München, London, New York, S. 680-689.
31 Schäfer, K. J.: S. 7.
ersteres entschieden, da im weiteren Verlauf der Arbeit die entsprechenden Dienste vor allem unter dem kommunikativen Aspekt betrachtet werden.
Informationsdienste
Hierunter werden die Dienste und Anwendungen verstanden, die dem Nutzer als Informationsmedium dienen, wobei diese im Regelfall asynchron genutzt werden.
world wide web (www) 33
Das www ist der wohl leistungsfähigste Dienst des Internets. Das www ist ein Dienst, der auf der Bereitstellung von Hypertextdokumenten basiert, die untereinander durch sogenannte Hyperlinks verbunden sind. Hypertextdokumente enthalten die darzustellenden Informationen und werden mit Hilfe der Seitenbeschreibungssprache HTML (engl. Hypertext Markup Language) realisiert, die von Softwareanwendungen, den sogenannten Browsern interpretiert und am Bildschirm des Nutzers grafisch ausgegeben werden. Die Hyperlinks stellen Quer-/Verweise zu anderen Dokumenten beziehungsweise anderen Computern dar und ermöglichen somit das Navigieren im Netz. Ähnlich hierzu die Ausführungen von Tergan zu Hypertext und Hypermediasystemen 34 . Sie ermöglichen das aktive Aufsuchen, Explorieren, kongnitive Verarbeiten, Umstrukturieren und Kreiren von Informationsknoten unter Nutzung einer interaktiven Benutzerschnittstelle. Beim Hypertext betreffen die präsentierten Informationen überwiegend Text, aber auch Grafiken und Abbildungen. Werden in das Hypertext-Dokument weitere mediale Elemente wie Audio, Video, Animation, Simulation, etc. integriert, muss die Konzeption von Hypertext auf Hypermedia(-system) erweitert werden. Das www implementiert damit auf dem elektronischen Netzwerk, dem Internet, ein logisches Netzwerk von miteinander verbundenen Dokumenten auf verschiedenen Computern 35 .
Sonstige Dienste
Der nachfolgenden Dienst ist vor allem im Bereich des reinen Datentransfers zwischen Computern und Internetservern relevant. Über diese Dienste werden ein Großteil von Downloads (deutsch herunterladen), also dem Transfer von Daten anderer Rechner auf den eigenen, sowie Uploads (deutsch hochladen), also dem Datentransfer vom eigenen Rechner auf andere, abgewickelt.
32 Tanenbaum, A. S.: Computernetzwerke (3. revidierte Auflage). München, London, New York, S. 707-714.
33 Tanenbaum, A. S.: S. 716-726.
34 Tergan, S.O.: Hypertext und Hypermedia. In: Issing, L.J., Klimsa, P. (Hrsg.), Information und Lernen mit Multimedia und Internet, 3. Aufl., Weinheim, 2002, S.100f.
35 Schäfer, K. J.: Internetportal für eine virtuelle Hochschule, Wiesbaden, 2001, S. 9 sowie Münz, St., SelfHTML,
www.teamone.de/selfhtml.
File Transfer Protocol/FTP 36
Der Datentransfer über FTP dient der Übertragung von Dateien von einem Computer auf einen anderen. Ein FTP-Server stellt in Verzeichnissen Datein zum Herunterladen bereit und jeder andere an das Internet angeschlossene Computer kann diese Dateien herunterladen, also auf seine Festplatte transferieren. Teilweise wird der Zugriff zu den anderen Rechnern über eine Zugangsberechtigung mit Benutzername und Passwort reglementiert.
Streaming
Streaming kann als spezifischer Internet-Multimedia-Dienst betrachtet werden, der vor allem beim Transfer von Video- und Audiodaten (sowohl synchron: Live-Streaming als auch asynchron: Streaming on demand) zum Einsatz kommt. Kontinuierliche Medien oder auch zeitabhängige Medien (vergleiche 2.1.2.3 Multimedia) bedürfen im Internet nicht nur wegen ihrer relativ hohen Datenmenge einer besonderen Behandlung. Das Senden der kontinuierlichen Medien bereitet aufgrund der paketorientierten Übertragungsform große Schwierigkeiten. Da die Übertragungszeiten der einzelnen Pakete nicht garantiert werden können, müssen entsprechende Dateien erst vollständig auf den Rechner des Nutzers übertragen werden, um sie lokal betrachten zu können. Streaming-Verfahren schaffen hier Abhilfe. Sie ermöglichen eine Betrachtung des kontinuierlichen Mediums bereits, bevor die Datei komplett übertragen wurde. Video- und Audiodaten müssen hierfür in streamingfähige Dateiformate konvertiert werden. Beispiele für solche Dateiformate sind beispielsweise das REAL-Video-Format (Dateiendung *.rm) (vgl. www.real.com) oder das Quicktime-Video-Format (Dateiendung *.mov,) (vgl. www.apple.de). Auf die technischen Grundlagen des Streamings soll an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden (vgl. hierzu Grace, Cox, Jacobs, Morrison, 2000 37 ).
2.1.3 Multimedia, Interaktivität
Die oben erwähnten technischen Grundlagen sind die Voraussetzung, mediale Inhalt auf eine neue Art aufzubereiten, darzustellen, untereinander zu vernetzen, zu kombinieren und dem Nutzer erschliessbar zu machen. Diese Eigenschaft wurde in der breiten Diskussion meist mit den Begriffen Multimedia, Interaktivität in Verbindung gesetzt. Da die Begriffe im Kontext dieser Arbeit eine wichtige Rolle spielen und durch eine Benutzung in zahlreichen, auch falschen, Kontexten verschiedene Bedeutungen zulassen, soll an dieser Stelle eine klare Zuordnung und Abgrenzung stattfinden.
36 Tanenbaum, A. S.: Computernetzwerke (3. revidierte Auflage). München, London, New York, S. 557.
37 Grace, A., u.a.: Streaming Media for the Internet. In: BT Technology Journal, Volume 18, Issue 1, January 2000. S. 89-90.
Multimedia
So definiert Klimsa Multimedia als ein Konzept mit technischen und anwendungsbezogenen Dimensionen 38 . Multimedia bedeutet zahlreiche Hardware- und Softwaretechnologien für die Integration von digitalen Medien (Text, Bild, Grafik, Video, Ton, etc.). Neben diesem Medienaspekt - der Multimedialität - spielen aber auch Interaktivität, Multitasking (gleichzeitige Ausführung mehrerer Prozesse) und Parallelität (bezogen auf die parallele Präsentation) eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang spricht man von Integrations- und Präsentationsaspekt des Begriffes.
Die Aspekte der technischen Dimension müssen um die Dimension der Anwendung ergänzt werden, erst diese konkretisiert den Begriff. Ein PC mit Lautsprecher ist eben kein Multimedia-System, ebensowenig wie ein CBT-Programm (vgl. Abschnitt 2.2.2.). Hierbei sind verschiedene Anwendungskategorien zu unterscheiden: Datenbanksysteme, Kommunikationssysteme, Hypermediasysteme, spezifische Autorensysteme/-umgebungen und Multimediawerkzeuge, Systeme der virtuellen Realität und andere.
Multimedia ist also ein Konzept, das nicht nur digitale Medien, sondern auch die gesamte technische und anwendungsbezogene Dimension integriert und Einsatz findet in den Bereichen Information, Kooperation, Lernen und Unterhaltung (vgl. Abbildung 3).
Abbildung 3:
Multimedia als Konzept
38 Klimsa, P.: Multimedianutzung aus psychologischer und didaktischer Sicht. In: Issing, L.J., Klimsa, P. (Hrsg.), Information und Lernen mit Multimedia und Internet, 3. Aufl., Weinheim, 2002, S.5ff.
Interaktivität
Nach Kerres bietet Multimedia erweiterte und neue Varianten der Interaktivität 39 . Diese liegen nicht nur im wahlfreien Zugriff auf die Inhalte, denn dies ist nur eine technische Fähigkeit (auch ein Buch hat eigentlich wahlfreien Zugriff). Die technischen Fähigkeiten von interaktiven Medien muss nach Kerres um die interaktive Nutzung erweitert werden. Bei der Rezeption eines Mediums entwickelt der Nutzer ein kognitives Schema, insbesonders über die logisch-temporale Struktur der präsentierten Information, das heißt: Wo ist der Anfang? Wo geht es weiter? Bei linearen Medien (Buch, Video, etc.) deckt sich das kognitive Schema des Nutzers mit der physikalischen Organisation der Information auf dem Speichermedium. Bei interaktiven Medien kommt es zu einer Entkopplung zwischen physikalischer Speicherorganisation und logisch-temporaler Struktur. Hierdurch wird beim Nutzer der Zusammenhang zwischen eben dieser physikalischen Speicherorganisation und der mentalen Präsentation aufgebrochen.
2.2 Einsatz von IKT im Hochschulbereich
Im Kontext dieser Arbeit ist es notwendig, den Einsatz von IKT im Hochschulbereich generell zu betrachten. Die Möglichkeiten und Potenziale, die sich durch die Nutzung der IKT ergeben, haben hierbei weit reichende Auswirkungen auf Aufgaben- und Zielstellung der Institution Hochschule. Treibende Kraft dabei ist der Wandel hin zur Wissensgesellschaft, der nicht zuletzt auf den Entwicklungen der IKT in den letzten Jahren und Jahrzehnten gründet. Die zunehmende Bedeutung des Faktors Wissen, speziell der intelligente Umgang mit Wissen stellen hohe Anforderungen an den Bildungsbereich und besonders an die Hochschulen 40 . Das an Hochschulen vermittelte Wissen unterliegt immer schneller werdenden Veränderungen und Erweiterungen. Die Innovationszyklen sind teilweise so kurz, dass die Vermittlung mit herkömlichen Bildungsmaßnahmen nicht geeignet ist, da der Wissenserwerb den Innovationszyklus überschreitet. Lernen kann so nicht mehr auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt oder als abgeschlossene Lebensphase betrachtet werden. Lernen wird zu einem lebenslangen Prozess (life long learning). Hochschulen müssen hierdurch ihre Wissenswertschöpfungskette überprüfen und überdenken 41 .
Neben Fragestellungen, wie einer zunehmenden nationalen und internationalen Wettbewerbsfähigkeit, einer koordinierten Hochschulentwicklung und Profilbildung sowie der zunehmenden Forderung nach Wirtschaftlichkeit und Internationalisierung, müssen
39 Kerres, M.: Technische Aspekte multi- und telemedialer Lernangebote. In: Issing, L.J., Klimsa, P. (Hrsg.), Information und Lernen mit Multimedia und Internet, 3. Aufl., Weinheim, 2002, S.23ff.
40 Müller-Böhling, D.: Die entfesselte Hochschule, Gütersloh, 2000, S.27.
41 Kraemer, W., u.a. (Initiative B.I.G): Virtuelles Lehren und Lernen an deutschen Universitäten, Gütersloh, 1997, S.11
Hochschulen sich mit der Frage auseinandersetzen, wie eine intensivere Mediennutzung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien zur besseren Erfüllung ihrer Aufgaben beitragen kann 42 . Sand und Wahlen sehen die maßgeblichen Aspekte der Mediennutzung in folgenden Bereichen 43 :
Reorganisation des konventionellen Unterrichtsbetriebs, insbesondere in stark frequentierten Veranstaltungen und Fächern, durch vermehrten Einsatz von elektronischen Selbstlernprogrammen unter tutorieller Begleitung. Entlastung des Lehrpersonals von reiner Faktenvermittlung hin zu Moderation, Betreuung und Diskussion.
orts- und zeitunkritischer Zugang zu campusbasierten Lehr- und Betreuungsangeboten vor dem Hintergrund der Zunahme von Teilzeitstudierenden und Tagespendlern, aber auch zur Intensivierung von Lern- und kommunikationsprozessen über den engen Vorlesungs- und Semesterzeitrahmen hinaus.
Beteiligung an standortübergreifenden, interdisziplinären Entwicklungen multimediagestützter Kurse zur komplementären Ergänzung und stärkeren Profilierung des eigenen Lernangebotes
Ausweitung der räumlichen Reichweite und der Ausbildungskapazität durch Fernstudienangebote hinsichtlich der Erwirtschaftung zusätzlicher Einnahmen und einer stärkeren internationalen Ausrichtung
Entwicklung mediengestützter Weiterbildungsangebote mit individuellem und modularem Kursprogramm zur Erschließung neuer Zielgruppen.
Im weiteren Verlauf der Arbeit finden vor allem die ersten beiden Aspekte Geltung. So sollen im Folgenden Vorteile und Zielsetzungen zu diesem Bereich aufgeführt werden. Anschließend werden die hier zugehörigen Begriffe erläutert sowie Szenarien Virtuellen Lehr- und Lernprozesse dargestellt. Abschliessend erfolgt eine Betrachtung erfolgskritischer Faktoren, die sich hinsichtlich der Einsatzes von IKT erkennen lassen.
42 Wagner, E.: Sprache - Wissen - Information. In: Wagner, E. Kindt, M. (Hrsg.): Virtueller Campus, Münster, New York, München, Berlin, 2001, S.462 sowie Müller-Böhling, D.: Die entfesselte Hochschule, Gütersloh, 2000, S.31f.
43 Sand, Th., Wahlen, K.: Mediennutzungskonzepte im Hochschulbereich, Hannover, 2000, S.180f.
2.2.1 Vorteile und Zielsetzung
IKT bieten Hochschulen eine Vielzahl von Ansatzpunkten, bei denen die Potenziale und Vorteile der neuen Medien einen Mehrwert gegenüber bisheriger Vorgehensweisen haben. Neben den Ansatzpunkten auf institutioneller Ebene oder in den Bereichen Forschung und Verwaltung interessieren im Rahmen der Arbeit natürlich die Aspekte, die im Bereich der Lehre eingesetzt werden können, um studentische Prozesse zu unterstützten. Es ist hierbei gemeinhin die Rede von virtueller Lehre oder medien- beziehungsweise computergestützter Lehre (vgl. Abschnitt 2.2.2). Die Initiative B.I.G der Bertelsmann Stiftung formuliert dabei folgende Vorteile und Zielsetzungen, die für Lehr- und Lernprozesse durch den Einsatz neuer Medien in diesem Bereich bestehen 44 :
zeit- und ortsunabhängiger Zugriff auf studienrelevantes Wissen. höhere Flexibilität der Studenten.
Wandel vom passiven, anonymen Konsum von Präsenzveranstaltungen hin zu einem individuellen Lernprozess, bei dem der Studierende seine Lernumgebung selbst gestalten und das Lerntempo individuell bestimmen kann. effizientere Lernerfolgskontrolle (durch Self-Assessments, vgl. Abschnitt 2.2.2) bessere Lernbegleitung durch Teletutoring (vgl Abschnitt 2.2.2) sowie individuellere Betreuung der Studierenden.
didaktische Anreicherung, Belebung und Neugestaltung von Lehrinhalten durch die Möglichkeiten interaktiver Multimediasysteme, insbesonders bei der Darstellung komplexer Sachverhalte.
Steigerung des Servicegrades zwischen Hochschule und Studierenden.
Auch Coenen sieht dies vergleichbar. Er charakterisiert die Ziele der IKT-Unterstützung universitärer Lehr- und Lernprozesse ähnlich 45 :
Steigerung der Flexibilität.
Reduktion des Zeitaufwandes und der Kosten beim Studierenden. Steigerung der Motivation. Verbesserung der Wissensvermittlung. Steigerung der Medienkompetenz.
Jedoch gibt es auch kritische Stimmen hinsichtlich der hypermedialen Aufbereitung von Lehr- und Lerninhalten. Jedoch gehen die Argumente in dieselbe Richtung, wie man sie von
44 Kraemer, W., u.a. (Initiative B.I.G): Virtuelles Lehren und Lernen an deutschen Universitäten, Gütersloh, 1997, S.13
45 Coenen, O.: E-Learning-Architektur für universitäre Lehr- und Lernprozesse, Köln, Lohmar, 2001, S.57-72.
Arbeit zitieren:
Carsten Rauh, 2003, Möglichkeiten der Unterstützung studentischer Prozesse an Fachhochschulen durch internetbasierte Kommunikations- und Informationsplattformen, München, GRIN Verlag GmbH
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