Inhaltsverzeichnis
Einleitung 5
1. Personalität in der Heilpädagogik 5
1.1 Der Personenbegriff in der Heilpädagogik 5
1.2 Die neuzeitliche Metaphysik-Skepsis 7
2. Personalität als Bezogenheit 9
2.1 Das Neue des christlichen Personenbegriffs 9
2.2 Die Definition von Boethius und die weitere Entwicklung 10
3. Personalität als Existenz 12
3.1 Die geschichtliche Entwicklung 12
3.2 Das empirische Personenverständnis 14
4. Rechtfertigung 15
4.1 Die Frage nach dem Christlichen 15
4.2 Die Frage nach der Metaphysik 17
4.3 Ausblick auf ethische Fragen 19
5. Fazit 21
Literaturverzeichnis 23
Nachtrag 27
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Einleitung
Der Blick in die Geschichte macht klar: unser Verhältnis zu Menschen mit Behinderungen muss als misslungene Solidarisierung charakterisiert werden (Haeberlin 2005, 99). Zu keiner Zeit war die würdevolle Achtung von Behinderten und deren Lebensrecht gewährleistet. In neuerer Zeit zeigt sich sogar eine extreme Ent-Solidarisierung, indem behinderten Menschen das Personsein (Person hier als nomen dignitatis verstanden) abgesprochen wird. "A Down's is not a person" hiess es bei Fletcher (zitiert bei Stolk 1988). Ins selbe Horn blies der Tierschutzphilosoph Singer mit seinen präferenzutilitaristischen Thesen (Singer 1994). Singer begründete damit Schwangerschaftsabbruch und Früheuthanasie Behinderter. Ähnlich argumentierte der Rechtsphilosoph Hoerster: Menschenrechte (auch Recht auf Leben) gelten nicht für alle Menschen, sondern nur insofern sie Personen sind, und schwerbehinderte Kinder sind es nicht (Hoerster 1995)! Das sind Gründe genug, die Diskussion über den Begriff der Person in der Heilpädagogik nicht abbrechen zu lassen.
1. Personalität in der Heilpädagogik
1.1 Der Personenbegriff in der Heilpädagogik
Die Heilpädagogik kann sich einer solchen Bedrohung der Würde behinderter Menschen nur widersetzen, wenn sie sich als wertgeleitete Wissenschaft versteht (Haeberlin 2005, 33-35). In diesem Sinne haben sich z.B. Haeberlin
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(1990, 93), Speck (1991, 200f) und Bleidick (2003, 43) zur Personalität eines jeden Menschen bekannt. Aber hier zeigt sich ein Dilemma: Obwohl Personalität irgendwie normativ verstanden wird, kann sie offenbar nur auf einer subjektiven Wertsetzung, auf einer persönlichen Entscheidung beruhen (vgl. Bleidick 2003, 23), und die begründenden Werte werden primär der Emotionalität zugewiesen (vgl. Haeberlin 1990, 68). Diese Problematik vertieft sich in Bezug auf den Personenbegriff zu einer weiteren Frage: die nach dem 'Wesen' des Menschen. So steht Bleidick einer objektiven Begründung von Personalität ablehnend gegenüber, weil diese einen Substanzbegriff von Person und damit ein gutes Stück Metaphysik beinhalte (Bleidick 2003, 23, 43). Durch die Reduktion der Heilpädagogik zu einer empirisch-kritischen Wissenschaft (ders.1984) wurde die Frage nach dem Wesen, nach objektiven Menschenbildern und Werten, als nicht zur Erziehungswissenschaft gehörig betrachtet. Auch Jakobs diagnostiziert im heilpädagogischen Kontext eine ontologisierende Betrachtungsweise der Person (Jakobs 1997, 154). In Anlehnung an die Anthropologiekritik der Kritischen Theorie wird darum der Personenbegriff bei ihm eher vermieden (ebd. 154, 169).
Müssen wir also auf die Frage nach dem Wesen des Menschen oder auf den Begriff der Person verzichten? Aber können angesichts der ethischen Herausforderungen unserer Zeit rein subjektive Menschenbilder und Wertentscheidungen genügen, oder verlieren diese durch ihre Subjektivität nicht jegliche (objektive) Verbindlichkeit? Besteht nicht die Gefahr, dass subjektive Werte als blosse Äusserungen von privaten Gefühlen und Einstellungen im Sinne des Emotivismus missverstanden werden könnten, der eine rationale Basis von Werten leugnet (auch Haeberlin spricht vom 'ausserrationalen Kern' bei ethischem Denken und Handeln: ders. 2005, 33; zum Emotivismus: MacIntyre 1995, 44f )?
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1.2 Die neuzeitliche Metaphysik-Skepsis
Das neuzeitliche wissenschaftliche Bewusstsein der Neuzeit ist von einer klaren Ablehnung von metaphysischem und ontologischem Denken geprägt. Wie ist es dazu gekommen? Ein kurzer Blick in die Philosophiegeschichte soll diese Entwicklung nachzeichnen
Bei der Ablehnung von metaphysischem oder ontologischem Denken steht der antike Wesensbegriff (griech.:ousia; lat.:substanz/essentia; dt.:Wesen) im Hintergrund (Ontologie als Lehre des Seienden). Während für Platon das Wesentliche der Dinge in ihren transzendenten Ideen lag, erkennt Aristotoles das Wesen als Substanz im Seienden selbst. Diese Substanz zeigt sich in einer Doppelstruktur: in der selbständigen Selbstheit (Vollrath 1983, 101ff). Mit der Selbständigkeit ist das 'In-sich-stehen-Können', das 'Nicht-Angewiesensein-auf-Anderes' der Substanz gemeint (z.B. der einzelne Mensch als der selbständig Seiende). Mit der Selbstheit ist, in Anlehnung an die Ideenlehre Platons, eine Wesensbestimmung als das Was des Seienden vom Allgemeinen her gemeint, als seine Natur (z.B. der Mensch als vernünftiges Lebewesen). Aristotoles nannte die Einheit dieser beiden Momente das 'substantielle Wassein' des Seienden (ebd. 117). Dieser 'Wesensrealismus' (ebd. 89) war bis zum Ende des Mittelalters in der Philosophie präsent. In der Neuzeit begrenzte dann vorallem Hume die Möglichkeiten einer solchen Metaphysik: "We never really advance a step beyond ourselves" (zitiert bei Spaemann 2006, 74). Ähnlich auch Kant, der Metaphysik als "'vorkritisch' desillusionierte, das 'Ding-an-sich', also die Wesenstiefe des Wirklichen, als dem Menschen unerkennbar an den Rand der Philosophie rückte" (Ratzinger 1970, 82). Diesem engen Vernunftbegriff der Aufklärung (Benedikt XVI. 2008) entsprach in der Reformation die Vorstellung einer stark eingeschränkten Fähigkeit der Vernunft als Folge des Sündenfalls (vgl. MacIntyre 1995, 78ff). So wurde dann in der Romantik bei Schleier-
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macher das Ethische und Religiöse nicht mehr der Vernunft zugewiesen; insbesondere die Religiösität gehört für ihn in den Bereich des Gefühls (Ratzinger 1970). Diesen Schritt der Infragestellung einer rationalen Ethik hatte aber bereits die englische Moralphilosophie, hier vorallem Hume, vorweggenommen (MacIntyre 1984, 153ff). Im Neo-Positivismus schliesslich mit seiner Reduktion auf das empirisch Messbare wurde der Begriff des 'Wesens' selbst als sinnlos betrachtet. Typisch dafür ist die Äusserung Neuraths: "Alles ist Oberfläche: die Welt hat keine Tiefe" (zitiert bei Popper/Eccles 2008, 215). Von ganz anderer Seite her bestritt auch der Existentialist Sartre das Vorhandensein eines Wesens des Menschen. In den Sozialwissenschaften war es Max Weber, der als erster einen neo-positivistischen Standpunkt im Sinne einer radikalen Wertfreiheit vertrat. Von hier aus nahm dann das empirische Wissenschaftsverständnis Einzug in die Pädagogik und Heilpädagogik (vgl. Bleidick 1984).
Objektive Menschenbilder und Werte gelten einer solchen neuzeitlichen Metaphysikkritik als nicht existent oder zumindest als nicht erkennbar. An dieser Stelle soll nun gefragt werden, ob es nicht doch eine objektive, d.h. ontologisch-erkenntnistheoretische Begründung von Menschenbildern geben kann. Konkret formuliert: ist Personalität als Wirklichkeit des Menschen erkennbar? Dazu soll die (christliche) Herkunft und die Bedeutung des Personenbegriffs unter den Aspekten der Bezogenheit und der Existenz näher betrachtet werden, deren enge Verbundenheit sich aber zeigen wird.
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Arbeit zitieren:
Adrian Ambord, 2012, Der Mensch als Person, München, GRIN Verlag GmbH
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