1. Einleitung Einleitung 1 1 1.
2. Die Physiognomie, Phrenologie und Kraniologie im methodisch Die Physiognomie, Phrenologie und Kraniologie im methodisch 2.
historischen historischen
Kontext nach 1800 1 1 Kontext nach 1800
2.1 Physiognomik - - Das Geniale „ablesen“ Das Geniale „ablesen“ 1 1 2.1 Physiognomik
2.1.1 Der Zusammenhang von Gehirn und Geistesfähigkeit Der Zusammenhang von Gehirn und Geistesfähigkeit 3 3 2.1.1
2.1.2 Neue Denkansätze Neue Denkansätze 4 4 2.1.2
2.1.3 Der Maschinenmensch Der Maschinenmensch 6 6 2.1.3
2.2 Die P hrenologie hrenologie 7 7 2.2 Die P
2.2.1 Kulturelle Tabus und Gepflogenheiten Kulturelle Tabus und Gepflogenheiten 8 8 2.2.1
2.2.2 Kant als Paradebeispiel für Galls Schädellehre Kant als Paradebeispiel für Galls Schädellehre 9 9 2.2.2
2.3 Die Kraniologie 11 11 2.3 Die Kraniologie
3. Der Schädel als Beweis für das Geniale Der Schädel als Beweis für das Geniale 14 14 3.
4. Schädel v Schädel v ersus Gehirn im 19. Jahrhundert ersus Gehirn im 19. Jahrhundert 15 15 4.
5. Vermessung, Hagiographie und Erinnerungskultur Vermessung, Hagiographie und Erinnerungskultur 16 16 5.
6. Das Genie im soziokulturellen Kontext Das Genie im soziokulturellen Kontext ab 1900 ab 1900 18 18 6.
7. Elitegehirnforschung Elitegehirnforschung 22 22 7.
7.1. Nach der Elitegehirnforschung 26 26 7.1. Nach der Elitegehirnforschung
7.2. Dem Gehirn beim Denken zusehen 26 26 7.2. Dem Gehirn beim Denken zusehen
Literatur 29 29 Literatur
1. Einleitung Einleitung 1.
In der folgenden Arbeit möchte ich einen Abriss der Hirnforschung nach 1800 In der folgenden Arbeit möchte ich einen Abriss der Hirnforschung nach 1800 bis heute geben. Dabei werde ich unterschiedliche Konzepte beleuchten und bis heute geben. Dabei werde ich unterschiedliche Konzepte beleuchten und die damit verbundenen gesellschaftspolitischen und kulturellen Aspekte die damit verbundenen gesellschaftspolitischen und kulturellen Aspekte darstellen. Das Wechselspiel zwischen der gesellschaftspolitischen darstellen. Das Wechselspiel zwischen der gesellschaftspolitischen Entwicklung und den wissenschaftlichen Mögl ichkeiten in der Hirn ichkeiten in der Hirn -- forschung forschung Entwicklung und den wissenschaftlichen Mögl
nach 1800 soll im Fokus meiner Betrachtung stehen und die Frage nach Erfolg nach 1800 soll im Fokus meiner Betrachtung stehen und die Frage nach Erfolg bzw. Misserfolg beantworten. bzw. Misserfolg beantworten.
Hierfür werde ich mich mit der Literatur von Michael Hagner, Erhard Oeser, Hierfür werde ich mich mit der Literatur von Michael Hagner, Erhard Oeser, Jochen Schmidt, Edgar Zilsel und Christiane Frey auseinandersetzen, um Frey auseinandersetzen, um Jochen Schmidt, Edgar Zilsel und Christiane Verbindungen zwischen der Hirn -- forschung und den kulturellen und forschung und den kulturellen und Verbindungen zwischen der Hirn
gesellschaftspolitischen Auswirkungen darzustellen. Es wird von besonderem gesellschaftspolitischen Auswirkungen darzustellen. Es wird von besonderem Interesse sein, zu welchem Zeitpunkt und mit welchen Methoden, welche Ziele Interesse sein, zu welchem Zeitpunkt und mit welchen Methoden, welche Ziele angestrebt wu rden. Dies kann natürlich nur durch einen groben Abriss rden. Dies kann natürlich nur durch einen groben Abriss angestrebt wu
geschehen und erhebt keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit. geschehen und erhebt keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit.
2. Die Physiognomie, Phrenologie und Kraniologie im methodisch Die Physiognomie, Phrenologie und Kraniologie im methodisch 2.
historischen Kontext nach 1800 historischen Kontext nach 1800
2.1 Physiognomik -- Das Geniale „ablesen“ Das Geniale „ablesen“ 2.1 Physiognomik
Der Schweiz der Pastor Johann Caspar Lavater (1741 (1741 -- 1801) 1801) war der festen war der festen Der Schweiz der Pastor Johann Caspar Lavater Überzeugung, dass ein direkter Zusammenhang zwischen den äußeren und Überzeugung, dass ein direkter Zusammenhang zwischen den äußeren und den inneren Merkmalen eines Menschen besteht. Wesensmerkmale und den inneren Merkmalen eines Menschen besteht. Wesensmerkmale und Verhaltensweisen sollten sich im äußeren Erscheinu ngsbild eines Menschen ngsbild eines Menschen Verhaltensweisen sollten sich im äußeren Erscheinu widerspiegeln. Seiner Ansicht nach zeichneten sich beispielsweise der widerspiegeln. Seiner Ansicht nach zeichneten sich beispielsweise der Charakter und die Intelligenz an der Gesichtsform und am Kopfbau ab. Dies Charakter und die Intelligenz an der Gesichtsform und am Kopfbau ab. Dies mündete für einige Hirnforscher in der Theorie, dass bestimmte geistige mündete für einige Hirnforscher in der Theorie, dass bestimmte geistige Fähigkeiten mit e iner sozialen und kulturellen Hierarchie zu verbinden seien, iner sozialen und kulturellen Hierarchie zu verbinden seien, Fähigkeiten mit e
was zur Zeit Lavaters in der Gesellschaft zur einem Überlegenheitsgefühl des was zur Zeit Lavaters in der Gesellschaft zur einem Überlegenheitsgefühl des Europäers dem Nicht -- Europäer gegenüber führte. Dies sollte einige Europäer gegenüber führte. Dies sollte einige Europäers dem Nicht
1 1
assistischer Sündenfall“ 1 Jahrhunderte später in Form einer Rassenlehre als „r „r assistischer Sündenfall“ Jahrhunderte später in Form einer Rassenlehre als wieder aufleben. wieder aufleben.
Die Überzeugung, dass sich der Geist des Menschen in seinem Körper Die Überzeugung, dass sich der Geist des Menschen in seinem Körper ausdrücken müsse, bewog Lavater dazu, sich zeit seines Lebens darum zu ausdrücken müsse, bewog Lavater dazu, sich zeit seines Lebens darum zu bemühen, diese Vorstellung auf wissenschaftliche Füße zu stellen, allerdin gs gs bemühen, diese Vorstellung auf wissenschaftliche Füße zu stellen, allerdin mangelte es ihm an der Theorie, auf welche Art und Weise Geist und mangelte es ihm an der Theorie, auf welche Art und Weise Geist und körperliche Gestalt zusammenhängen sollen. Im Rahmen seiner Unter -körperliche Gestalt zusammenhängen sollen. Im Rahmen seiner Unter suchungen legte er eine Sammlung von Scherenschnitten und anderen suchungen legte er eine Sammlung von Scherenschnitten und anderen Portraits an. Portraits an.
Lavater hatte zu seinen Lebzeiten zahlre iche Anhänger für seine These iche Anhänger für seine These Lavater hatte zu seinen Lebzeiten zahlre
gefunden. Allerdings gab es auch Kritiker, wie z.B. der deutsche Schriftsteller gefunden. Allerdings gab es auch Kritiker, wie z.B. der deutsche Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg (1742 -- 1799). Er versuchte mit scharfer Ironie 1799). Er versuchte mit scharfer Ironie Georg Christoph Lichtenberg (1742
und satirischen Einlagen zu zeigen, wie absurd und menschenverachtend und satirischen Einlagen zu zeigen, wie absurd und menschenverachtend di ese Physiognomik Lavaters war, nachdem er sich jahrelang mit der ese Physiognomik Lavaters war, nachdem er sich jahrelang mit der di
Anthropologie des Menschen beschäftigt hatte und zu keinem brauchbaren Anthropologie des Menschen beschäftigt hatte und zu keinem brauchbaren Ergebnis ge -- kommen war. Trotzdem vermutete er aber auch einen kommen war. Trotzdem vermutete er aber auch einen Ergebnis ge Zusammenhang zwischen dem äußeren Erscheinungsbild und de r r Zusammenhang zwischen dem äußeren Erscheinungsbild und de
Anthropologie des Menschen. Er unterteilte die Men -- schen in drei Gruppen, schen in drei Gruppen, Anthropologie des Menschen. Er unterteilte die Men durch deren Mischung sich die Gesellschaft erklären lässt: Genialität, durch deren Mischung sich die Gesellschaft erklären lässt: Genialität, Kriminalität und Wahnsinn. Mit Hilfe dieser Einteilung verdrängte Lichtenberg Kriminalität und Wahnsinn. Mit Hilfe dieser Einteilung verdrängte Lichtenberg die noch seit der Antike besteh ende humoralphysiologische Einteilung des ende humoralphysiologische Einteilung des die noch seit der Antike besteh Menschen nach dem Misch -- ungsverhältnis der Körpersäfte, deren Ursprung im ungsverhältnis der Körpersäfte, deren Ursprung im Menschen nach dem Misch
5. Jh. v. Chr. In Griechenland liegt. Sie bildete bis zum 17. Jahrhundert eine 5. Jh. v. Chr. In Griechenland liegt. Sie bildete bis zum 17. Jahrhundert eine der wichtigsten theoretischen Grundlagen der Medizin. der wichtigsten theoretischen Grundlagen der Medizin. Lichte nbergs These von den drei Menschenbildern bzw. der Drei nbergs These von den drei Menschenbildern bzw. der Drei -- Farben Farben --Lichte
Theorie der Menschheit wurde im 18. Jahrhundert von den Hirnforschern mit Theorie der Menschheit wurde im 18. Jahrhundert von den Hirnforschern mit großem Interesse aufge -- nommen und weiter verfolgt. Die Menschenbilder nommen und weiter verfolgt. Die Menschenbilder großem Interesse aufge
Genialität, Kriminalität und Wahnsinn gerieten in den Fokus wissenschaftlicher den Fokus wissenschaftlicher Genialität, Kriminalität und Wahnsinn gerieten in
1 Hagner, Michael: Geniale Gehirne. Zur Geschichte der Elitegehirnforschung. 2. Aufl., 1 Hagner, Michael: Geniale Gehirne. Zur Geschichte der Elitegehirnforschung. 2. Aufl.,
Göttingen 2005. S. 44 Göttingen 2005. S. 44
2 2
Forschung. Die meisten Untersuchungen be -- schränkten sich auf das Sezieren schränkten sich auf das Sezieren Forschung. Die meisten Untersuchungen be Hingerichteter, Geisteskranker oder Krimineller. Hingerichteter, Geisteskranker oder Krimineller.
Das besondere Interesse an diesen Gruppen führte zu immer differenzierteren Das besondere Interesse an diesen Gruppen führte zu immer differenzierteren Methoden der Erforschung d ieser Phänomene. Im Vordergrund standen hier ieser Phänomene. Im Vordergrund standen hier Methoden der Erforschung d
die cranialen und celebralen Merkmale, die durch Experimente und die cranialen und celebralen Merkmale, die durch Experimente und Erkundungen an den Schädeln von Geisteskranken, Kriminellen und Erkundungen an den Schädeln von Geisteskranken, Kriminellen und Schwarzafrikanern im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts durchgeführt Schwarzafrikanern im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts durchgeführt wurden. So versuchte man die Gesellschaft zu klassifizieren und zu versuchte man die Gesellschaft zu klassifizieren und zu wurden. So
stigmatisieren, um das hierarchische Denken einiger weniger zu untermauern. stigmatisieren, um das hierarchische Denken einiger weniger zu untermauern. Der Schädel als Untersuchungsobjekt wurde nur übergangsweise als solches Der Schädel als Untersuchungsobjekt wurde nur übergangsweise als solches genutzt, da sich zu dieser Zeit aus Pietätsgründen und Respekt vor den und Respekt vor den genutzt, da sich zu dieser Zeit aus Pietätsgründen Leichen bekannter Persönlich -- keiten keine weitere Möglichkeit erwies, als die keiten keine weitere Möglichkeit erwies, als die Leichen bekannter Persönlich Schädel nach der Verwesung zu unter -- suchen. Es war verpönt bzw. ein suchen. Es war verpönt bzw. ein Schädel nach der Verwesung zu unter ethisches Tabu, direkt nach dem Tod, den Kopf vom rest -- lichen Körper zu lichen Körper zu ethisches Tabu, direkt nach dem Tod, den Kopf vom rest trennen und das G ehirn zu sezieren, insbesondere bei sog. Genies. Die ehirn zu sezieren, insbesondere bei sog. Genies. Die trennen und das G
Hinterbliebenen waren darauf bedacht, einen vollständigen Leichnam zu Hinterbliebenen waren darauf bedacht, einen vollständigen Leichnam zu beerdigen, um die Totenruhe zu wahren. beerdigen, um die Totenruhe zu wahren.
Außerdem war man der Meinung, dass sich das Gehirn in der Form des Außerdem war man der Meinung, dass sich das Gehirn in der Form des Schädels wider -- spiegelt. D spiegelt. D eshalb legte man sehr viel Wert auf die genaue eshalb legte man sehr viel Wert auf die genaue Schädels wider
Vermessung anhand festgelegter Parameter. Mit Hilfe dieser Daten glaubte Vermessung anhand festgelegter Parameter. Mit Hilfe dieser Daten glaubte man beweisen zu können, dass Stirnbreite, Stirn -- höhe und Kopfumfang, höhe und Kopfumfang, man beweisen zu können, dass Stirnbreite, Stirn Anhaltspunkte für besondere Begabung oder sogar Hinweise auf Genial ität ität Anhaltspunkte für besondere Begabung oder sogar Hinweise auf Genial seien. Ferner war man der Meinung, man könne anhand des angefertigten seien. Ferner war man der Meinung, man könne anhand des angefertigten Stirnprofils, Rückschlüsse auf den Charakter eines Menschen schließen. Stirnprofils, Rückschlüsse auf den Charakter eines Menschen schließen.
2.1.1 Der Zusammenhang von Gehirn und Geistesfähigkeit Der Zusammenhang von Gehirn und Geistesfähigkeit 2.1.1
Die frühneuzeitliche Denkweise erlaubte es, sich ein sog. Seelenorgan Seelenorgan Die frühneuzeitliche Denkweise erlaubte es, sich ein sog. vorzustellen, bei dem es sich laut René Descartes (1596 -- 1650) um Hirnareale 1650) um Hirnareale vorzustellen, bei dem es sich laut René Descartes (1596 handelte, „die wahlweise als Sitz der Seele oder als Interaktionsort zwischen „die wahlweise als Sitz der Seele oder als Interaktionsort zwischen handelte,
3 3
2 angesehen wurden. Hinzu kam der „Spiritus animalis“, die Körper und Seele“ 2 angesehen wurden. Hinzu kam der „Spiritus animalis“, die Körper und Seele“
Nervenflüssigk eit, die bereits seit der Antike die Verbindung von Seelenorgan eit, die bereits seit der Antike die Verbindung von Seelenorgan Nervenflüssigk
und Körper regelte. Der dritte Bereich, der vom Mittelalter geprägten Hirn --und Körper regelte. Der dritte Bereich, der vom Mittelalter geprägten Hirn forschung, bezog sich auf die Hirnventrikel. Damit waren Hohlräume im Gehirn forschung, bezog sich auf die Hirnventrikel. Damit waren Hohlräume im Gehirn gemeint, in denen geistige Wahrnehmungs -- und Einbildungskraft steckten und und Einbildungskraft steckten und gemeint, in denen geistige Wahrnehmungs in denen sich der Ver -- stand und das Gedächtnis verbargen. Mit Descartes stand und das Gedächtnis verbargen. Mit Descartes in denen sich der Ver
Ausführungen über die unterschiedliche Härte der Hirnsubstanz, rückte die Ausführungen über die unterschiedliche Härte der Hirnsubstanz, rückte die Säftelehre in den Hintergrund und der Zusammenhang von Gehirn und Säftelehre in den Hintergrund und der Zusammenhang von Gehirn und Geistesfä higkeiten wurde in der Gehirnforschung genauer beleuchtet. higkeiten wurde in der Gehirnforschung genauer beleuchtet. Geistesfä
Bei den Untersuchungen am Forschungsobjekt Gehirn stellten Anatomen Bei den Untersuchungen am Forschungsobjekt Gehirn stellten Anatomen beunruhigt fest, dass kaum Unterschiede zwischen dem menschlichen Gehirn beunruhigt fest, dass kaum Unterschiede zwischen dem menschlichen Gehirn und dem Affengehirn besteh -- en und schlossen daraus, da en und schlossen daraus, da ss der wesentliche ss der wesentliche und dem Affengehirn besteh
Unterschied in der Unsterblichkeit der Seele eines Menschen liegt. Bei Unterschied in der Unsterblichkeit der Seele eines Menschen liegt. Bei Vergleichen von menschlichen Gehirnen konnten Anatomen um 1700 kaum Vergleichen von menschlichen Gehirnen konnten Anatomen um 1700 kaum Unterschiede feststellen, da ihnen die passenden Parameter für ihre Unterschiede feststellen, da ihnen die passenden Parameter für ihre Messungen fehlten. Außerdem sa hen sie die äußere, sichtbare Hirnrinde als hen sie die äußere, sichtbare Hirnrinde als Messungen fehlten. Außerdem sa Schutzschild und Ernähr -- ungsorgan des Gehirns an und vermuteten, die ungsorgan des Gehirns an und vermuteten, die Schutzschild und Ernähr wichtigen Informationen zur geistigen Fähig -- keit im Hirninneren zu finden. keit im Hirninneren zu finden. wichtigen Informationen zur geistigen Fähig
Allein Franz Joseph Gall vertrat die bis heute gültige These, dass s ich der ich der Allein Franz Joseph Gall vertrat die bis heute gültige These, dass s höchst entwickelte Teil des Gehirns in der sichtbaren Hirnrinde befindet. höchst entwickelte Teil des Gehirns in der sichtbaren Hirnrinde befindet.
2.1.2 Neue Denkansätze Neue Denkansätze 2.1.2
Der spanische Schriftsteller und Arzt Juan Huarte de San Juan (1530 -- 1592) 1592) Der spanische Schriftsteller und Arzt Juan Huarte de San Juan (1530 erklärte mit seinem Examen de Ingenios Examen de Ingenios von 1575 die verschiedenen von 1575 die verschiedenen erklärte mit seinem Begabungen eines jeden Mensch jeden Mensch -- en im politisch en im politisch -- pädagogischen Kontext, so pädagogischen Kontext, so Begabungen eines
dass man mit der Hilfe seines Gedankens, An -- nahmen für die spätere nahmen für die spätere dass man mit der Hilfe seines Gedankens, An
Entwicklung der Kinder machen konnte. Eltern konnten so besser erkennen, Entwicklung der Kinder machen konnte. Eltern konnten so besser erkennen, welche besonderen Fähigkeiten ihre Kinder besaßen und sie welche besonderen Fähigkeiten ihre Kinder besaßen und sie
de mentsprechend fördern. Er war der Überzeugung, dass die Begabung, das mentsprechend fördern. Er war der Überzeugung, dass die Begabung, das de
2 vgl. Hagner, Michael: Geniale Gehirne. S. 2 2 vgl. Hagner, Michael: Geniale Gehirne. S. 2 3 f. 3 f.
4 4
Ingenium angeboren sein müsse und damit zum wichtigsten und angeboren sein müsse und damit zum wichtigsten und Ingenium
einflussreichsten Vorläufer des Geniebegriffs wurde, hatte allerdings selbst einflussreichsten Vorläufer des Geniebegriffs wurde, hatte allerdings selbst „nur Ratschläge für die Berufswahl und Anweisunge n für die Menschen n für die Menschen -- zucht zucht „nur Ratschläge für die Berufswahl und Anweisunge
3 beabsichtigt“. 3 Seine emotionsgeladenen Gedanken wurden im 17. beabsichtigt“. Seine emotionsgeladenen Gedanken wurden im 17. Jahrhundert wie -- der u. a. in Descartes Ansätzen aufgegriffen. Der der u. a. in Descartes Ansätzen aufgegriffen. Der Jahrhundert wie Zusammenhang von Gehirn und Geistes -- fähigkeiten war nicht nur in der fähigkeiten war nicht nur in der Zusammenhang von Gehirn und Geistes Medizin und Physiologie, sondern auch in andere wissen auch in andere wissen -- schaftliche Bereiche schaftliche Bereiche Medizin und Physiologie, sondern
vorgedrungen. So überlegte sich beispielsweise der Philosoph Christian Wolff vorgedrungen. So überlegte sich beispielsweise der Philosoph Christian Wolff (1679 -- 1751) ein System der Einzelwissenschaften, deren Gemeinsamkeit die 1751) ein System der Einzelwissenschaften, deren Gemeinsamkeit die (1679 Ratio -- nalität war. Seine Überlegung war es, vom einheitlichen nalität war. Seine Überlegung war es, vom einheitlichen Grundgedanken Grundgedanken Ratio und der spekulati -- ven Vernunft abzukommen und zu einzelnen Wissenschaften ven Vernunft abzukommen und zu einzelnen Wissenschaften und der spekulati zu gelangen, die durch Erfahr -- ung und Empirie Bestätigung fanden. Dieser ung und Empirie Bestätigung fanden. Dieser zu gelangen, die durch Erfahr neue Gedanke begünstigte u.a. auch die Bild -- ung der Ästhetik als eine eigene ung der Ästhetik als eine eigene neue Gedanke begünstigte u.a. auch die Bild Disziplin. Nun war es möglich auch die Kunst mit empirisch es möglich auch die Kunst mit empirisch -- en Mitteln zu en Mitteln zu Disziplin. Nun war
hinterfragen und mit psychologischen Kriterien zu belegen. „Daher die zahllos „Daher die zahllos -- hinterfragenund mit psychologischen Kriterien zu belegen. en Untersuchungen über das Wesen des „Genies“, des „Geschmacks“, der en Untersuchungen über das Wesen des „Genies“, des „Geschmacks“, der
4 kraft“ usw.“ 4 „Einbildungs -- kraft“ usw.“ „Einbildungs
Ein Werk eines Künstlers w urde nun nicht mehr nach den bereits festgelegten urde nun nicht mehr nach den bereits festgelegten Ein Werk eines Künstlers w
Strukturen hinterfragt, sondern nach dem, was im Inneren des Künstlers und Strukturen hinterfragt, sondern nach dem, was im Inneren des Künstlers und des Kunstbetrachters vor sich ging. Dies stellte eine ganz neue Denkweise in des Kunstbetrachters vor sich ging. Dies stellte eine ganz neue Denkweise in den Vordergrund, die subjektorientierter Natur war. Da s Individuum an sich s Individuum an sich den Vordergrund, die subjektorientierter Natur war. Da bekam eine besondere Aufmerksamkeit und die Gehirne einzelner Gelehrter bekam eine besondere Aufmerksamkeit und die Gehirne einzelner Gelehrter wurden ab dieser Zeit besonders interessant. Die Wissenschaft wandte sich wurden ab dieser Zeit besonders interessant. Die Wissenschaft wandte sich vom abstrakten Gehirn eines Intellektuellen ab und konfrontierte sich mit vom abstrakten Gehirn eines Intellektuellen ab und konfrontierte sich mit einzelnen Gehir nen berühmter Persönlichkeiten, die im 18. Jahrhundert als nen berühmter Persönlichkeiten, die im 18. Jahrhundert als einzelnen Gehir Genies angesehen wurden. Genies angesehen wurden.
3 zit. Zilsel, Edgar: Die Geniereligion. Ein kritischer Versuch über das moderne 3 zit. Zilsel, Edgar: Die Geniereligion. Ein kritischer Versuch über das moderne
Persönlichkeitsideal, mit einer Persönlichkeitsideal, mit einer
historischen Begründung. Frankfurt, 1990. S. 189 historischen Begründung. Frankfurt, 1990. S. 189
4 Schmidt, Jochen: Die Geschichte des Genie 4 Schmidt, Jochen: Die Geschichte des Genie -- Gedankens in der deutschen Literatur, Gedankens in der deutschen Literatur,
P hilosophie und Politik hilosophie und Politik P
1750 -- 1945, Bd. I: Von der Aufklärung bis zum Idealismus. 3.verb. Aufl., Heidelberg 2004. S. 1945, Bd. I: Von der Aufklärung bis zum Idealismus. 3.verb. Aufl., Heidelberg 2004. S. 1750
8 f. 8 f.
5 5
5 Der Maschinenmensch 5 2.1.3 Der Maschinenmensch 2.1.3
Jene Aufmerksamkeit bekam auch der Philosoph und Mediziner Julien Offray Jene Aufmerksamkeit bekam auch der Philosoph und Mediziner Julien Offray de La Mettrie (1709 -- 1751) mit seiner berüchtigten Maschinentheorie des 1751) mit seiner berüchtigten Maschinentheorie des de La Mettrie (1709
Mensch en. Er sah den Menschen als eine komplex konstruierte Maschine an en. Er sah den Menschen als eine komplex konstruierte Maschine an Mensch
und formulierte sogar den Begriff vom „Maschin „Maschin -- enmenschen“ enmenschen“ bei dem es bei dem es und formulierte sogar den Begriff vom
nicht möglich ist, die richtige Vorstellung zu gewinnen. Er war der Ansicht, nicht möglich ist, die richtige Vorstellung zu gewinnen. Er war der Ansicht, dass die Erfahrung am Menschen nur durch Ex perimente und der ärztlichen perimente und der ärztlichen dass die Erfahrung am Menschen nur durch Ex Erfahr -- ung am Krankenbett erlangt werden konnte. ung am Krankenbett erlangt werden konnte. Erfahr
Regelrecht geschockt war man zu der Zeit über die Feststellung, dass das Regelrecht geschockt war man zu der Zeit über die Feststellung, dass das menschliche Gehirn sich grundsätzlich nicht vom Affengehirn unterscheidet. menschliche Gehirn sich grundsätzlich nicht vom Affengehirn unterscheidet. Damit wurde das bisherige Men schenbild in Frage gestellt, bei dem sich der schenbild in Frage gestellt, bei dem sich der Damit wurde das bisherige Men Mensch vom Tier abhebt. Mensch vom Tier abhebt.
Noch unerfreulicher war die Feststellung, „dass die Korrelation zwischen „dass die Korrelation zwischen Noch unerfreulicher war die Feststellung, celebraler Konsis -- tenz tenz und geistigen Kräften mit zunehmenden celebraler Konsis und geistigen Kräften mit zunehmenden
6 n Ergebnissen führte.“ 6 hirnanatomischen Befunden zu völlig unein -- heitliche heitliche n Ergebnissen führte.“ hirnanatomischen Befunden zu völlig unein
La Mettrie zufolge war Schwachsinn und Verrücktheit auf einen erhöhten La Mettrie zufolge war Schwachsinn und Verrücktheit auf einen erhöhten Anteil von weicher Masse im Gehirn zurückzuführen. Umgekehrt waren Anteil von weicher Masse im Gehirn zurückzuführen. Umgekehrt waren intelligente Menschen mit einem höher -- en Anteil an fester Gehirnmasse en Anteil an fester Gehirnmasse intelligente Menschen mit einem höher
ausgestattet. Dieser und ähnlicher Ansicht waren zu der Zeit auch andere ähnlicher Ansicht waren zu der Zeit auch andere ausgestattet. Dieser und
Gelehrte, die versuchten, die weichen und festen Bestandteile der Hirn -- masse masse Gelehrte, die versuchten, die weichen und festen Bestandteile der Hirn zu deuten: z.B. Wahnsinn und Genie, Kindheit und Alter. zu deuten: z.B. Wahnsinn und Genie, Kindheit und Alter. Im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts erkannte man, dass diese Im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts erkannte man, dass diese Forschun g hinsichtlich der Festigkeit des Gehirns keine schlüssigen g hinsichtlich der Festigkeit des Gehirns keine schlüssigen Forschun
Ergebnisse einbrachte und sowohl Anatomen als auch Anthropologen die Ergebnisse einbrachte und sowohl Anatomen als auch Anthropologen die typische Gehirnbeschaffenheit von Genies und Gelehrten nicht nachweisen typische Gehirnbeschaffenheit von Genies und Gelehrten nicht nachweisen konnten. konnten.
5 Oeser, Erhard: Geschichte der Hirnforschung. Von der Antike bis zur Gegenwart. Darmstadt 5 Oeser, Erhard: Geschichte der Hirnforschung. Von der Antike bis zur Gegenwart. Darmstadt
2002, S. 85 2002, S. 85
6 Hagner, Michael: Genial 6 Hagner, Michael: Genial e Gehirne, 2005, S. 31 e Gehirne, 2005, S. 31
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Susanne Ahmadseresht, 2010, GENIALE GEHIRNE - Eine Wissenschaft des Scheiterns?, München, GRIN Verlag GmbH
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