Ressortseminar Wissenschaftsj ournalismus II Forschung in der Privatwirtschaft
Wege und Muster der Kommunikation
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungen 4
Abbildungen und Tabellen. 5
1 Einleitung. 6
Barbara Urban
2 Welche Unternehmen berichten über ihre Forschungsergebnisse? 6
2.1 Forschung - Begriffsbestimmung. 6
2.1.1 Einleitung. 6
2.1.2 Was ist Forschung? 7
2.1.3 Wie ist Forschung organisiert? 8
2.1.4 Wie wird Forschung finanziert? 9
2.2 Veröffentlichung von Forschungsergebnissen der Privatwirtschaft 11
2.2.1 Welche Unternehmen informieren über ihre Forschungs-
ergebnisse und warum? - eine Fragebogenaktion. 11
2.2.2 Die SCHERING AG 12
3 Veröffentlichung und Geheimhaltung von Forschungsergebnissen. 15
3.1 Gründe für die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen. 15
3.1.1 Akzeptanz 16
3.1.2 Corporate Identity (CI, Unternehmensidentität) 16
3.1.3 Image, Prestige, Reputation 16
3.1.4 Börse. 19
3.2 Geheimhaltung von Forschungsergebnissen
(von Isabel Pasch und Christian Rell) 20
Christian Rell
4 Mediaplanung 22
4.1 Veröffentlichungen bedürfen einer Planung. 22
4.2 Bezugsgruppen privatwirtschaftlicher Forschung 23
4.2.1 Was sind Bezugsgruppen? 23
4.2.2 Die Gesellschaft im Allgemeinen 23
4.2.3 Aktionäre und Analysten. 24
4.2.4 Wissenschaftler 25
4.2.5 Nicht-Regierungsorganisationen. 25
4.2.6 Der Staat 26
4.2.7 Journalisten als Multiplikatoren 26
4.3 Kanäle zu den Bezugsgruppen. 29
4.3.1 klassische Werbung 29
4.3.2 Der redaktionelle Teil der Massenmedien 29
4.3.3 Erreichung der Massenmedien und anderer Bezugsgruppen. 31
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Ressortseminar Wissenschaftsj ournalismus II Forschung in der Privatwirtschaft
Wege und Muster der Kommunikation
Isabel Pasch
5 Private Forschung im Wandel 35
5.1 Einleitung. 35
5.2 Was ist Kooperation? 35
5.3 Gründe für Forschungskooperationen. 37
5.3.1 Gesellschaftliche Erwartungen 37
5.3.2 Globalisierung und internationaler Wettbewerb. 37
5.3.3 Spezialisierung und Interdisziplinarität 37
5.4 Beispiele für Forschungskooperationen 38
5.4.1 Das Humangenom-Projekt. 38
5.4.2 Novartis / Neuengland. 40
5.4.3 Die Fraunhofer Gesellschaft (FHG) 41
5.5 Zusammenfassung 43
Literaturverzeichnis 44
Stichwortregister 48
Anhang. 49
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Abkürzungen
ADARC The Aaron Diamond AIDS Research Center BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise ca. zirka CI Corporate Identity DAX Deutscher Aktien-Index DPMA Deutsches Patent- und Markenamt etc. et cetera F+E Forschung und Entwicklung f. folgende ff. fortfolgende FHG Fraunhofer Gesellschaft Hrsg. Herausgeber/Herausgeberin Mio. Millionen MIT Massachusetts Institute of Technology Max Planck-Gesellschaft MPG NGO Nicht-Regierungsorganisationen (non-governmental organisations) NIH National Institute of Health o. ohne PR Public Relations S. Seite s. siehe TÜV Technischer Überwachungsverein u. a. unter anderem usw. und so weiter VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. VDI Verein Deutscher Ingenieure Verf. Verfasser / Verfasserin VH von Hundert vgl. vergleiche z. B. zum Beispiel
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Abbildungen und Tabellen
Abbildungen
Abb. 1:
Forschungsergebnisse und Börsenwerte, die “Größten im DAX“: besonders forschungsintensive Unternehmen! Anhang
Abb. 2:
Vorstellung von dpma.de Anhang
Abb. 3:
Der Patentierungs- und Verwertungsprozess Anhang
Abb. 4:
Vorstellung von media-daten.de Anhang
Tabellen
Tabelle1:
Fraunhofer Gesellschaft Gemeinsame Patentanmeldungen beim deutschen Patentamt im Jahr 2000 Seite 42
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Der Journalist will seine eigene und die Neugier des Publikums befriedigen. 1 Diese Neugier ist bei Forschungsergebnissen häufig sehr hoch. Privatwirtschaftlich organisierte Forschung und öffentliche Meinung stehen in einem wechselseitigen Verhältnis. Wir möchten den Umgang mit daraus entstehenden Informationen zeigen, also
Informationen bereitstellt (PR). Es soll verdeutlicht werden, wie in diesem Prozess den Medien (Journalismus) Themen und Quellen angeboten werden und diese im Gegenzug den Unternehmen eine Plattform für ihre Forschungen bieten. „Die Quelle sucht Zugang zum Journalisten, und der Journalist sucht Zugang zur Quelle.“ 2 Auch das Verhältnis zu anderen Akteuren soll dargestellt werden, um die Notwendigkeit gesellschaftlicher Legitimation und Partizipation im Bereich der Forschung in seiner Ganzheit zu verdeutlichen. Ein offener und transparenter Umgang mit Informationen ist für das funktionieren demokratischer Systeme notwendig.
2 Welche Unternehmen berichten über ihre Forschungsergebnisse?
(von Barbara Urban)
2.1 Forschung - Begriffsbestimmung
2.1.1 Einleitung
Bevor die Kommunikation in der privatwirtschaftlichen Forschung untersucht wird, soll zuerst der Begriff Forschung definiert werden. Neben der Bedeutung des Begriffs geht es um die Organisation und Finanzierung von Forschung. Dabei interessiert in erster Linie die Struktur der deutschen Forschungslandschaft, ihre Integration in den Europäischen Forschungsraum und vor allem die Arbeit der Forscher in der Privatwirtschaft. Mit Hilfe eines Fragebogens soll versucht werden, den Wissenstransfer in und aus der Privatwirtschaft zu analysieren. Dabei wurden deutsche und amerikanische Unternehmen aus der Biotech- bzw. Pharmabranche ausgewählt und befragt. Ziel ist, Gründe und Strategien der Unternehmen für ihre Veröffentlichungen zu ermitteln.
1 s. Schneider, Wolf und Raue, Paul-Josef, Handbuch des Journalismus, Rowohlt Verlag, Hamburg, 2000, S. 23.
2 Baerns, Barbara, Öffentlichkeitsarbeit oder Journalismus? Zum Einfluss im Mediensystem, o. Verlag, Köln, 1991, Vorwort.
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2.1.2 Was ist Forschung?
Die Definition des Begriffs Forschung geht auf Arbeiten von Roger Bacon aus dem 13. Jahr-hundert zurück. Bacon erklärte erstmals Erfahrung, Experiment und Mathematik zu den methodischen Elementen der Forschung. In der Antike und dem Mittelalter verstand man unter Forschung noch überwiegend die Weitergabe von Wissen und die Verbesserung alten, vorhandenen Wissens. Das Verständnis von Forschung und Wissenschaft veränderte sich seit Roger Bacon grundlegend und Forschung wurde fortan als Handlungsprinzip der Wissenschaft definiert. Ziel von Forschung ist, neues Wissen zu produzieren. Forschung ist also die systematische Suche nach Neuem mit wissenschaftlichen Methoden. 3
„Im strengen Sinn ist die Forschung also weder ein Experiment, das getätigt wird, um zu sehen, was los ist, noch die Förderung einer Idee oder eines Produktes.“ 4
Im engeren Sinne bedeutet Forschung, die einzeln oder gemeinschaftlich betriebene, planmäßige und zielgerichtete Suche nach neuen Erkenntnissen in einem Wissensgebiet. Das beinhaltet auch die Suche nach Methoden zur Überprüfung dieser Erkenntnisse. 5
Im weiteren Sinne ist Forschung die Gesamtheit aller methodisch-systematischen und schöpferisch-geistigen Bemühungen, um neue, allgemein nachprüfbare Erkenntnisse sowie den ihnen zugrundeliegenden Gesetzmäßigkeiten zu gewinnen. Im weiteren Sinne schließt Forschung auch, die an der Forschung beteiligten Personen und Institutionen im Sinne eines Netzwerkes ein. Zum Forschungsgegenstand gehört die kritische Überprüfung herrschender Lehrmeinungen genauso wie die Lösung komplexer, disziplinübergreifender Probleme. 6
Dabei sind Forschung und gesellschaftlicher Fortschritt eng miteinander v erknüpft. 7 „So führen neue Technologien und neue Methoden zu weitreichenden Innovationen im Wirtschaftsleben, im künstlerischen oder medizinischen Bereich und verändern bestehende Strukturen und Institutionen nachhaltig.“ 8
3 Brockhaus Die Enzyklopädie, F.A. Brockhaus Leipzig Mannheim, 20. Auflage, 1996, Band 7, S. 483
4 Jermann, Patrick; Mendelsohn, Patrick: Die schweizerische Forschung über die in der Bildung eingesetzten neuen
Informationstechnologien, Trendbericht an den Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen
Forschung NFP 33 "Effizienz unserer Bildungssysteme" Gesuch Nr. 4033-40137, Universität Genf, 1995,
http://tecfa.unige.ch/tecfa/research/pnr33/german/nfp33-13.html
5 Brockhaus Die Enzyklopädie, F.A. Brockhaus Leipzig Mannheim, 20. Auflage, 1996, Band 7, S. 483
6 Brockhaus Die Enzyklopädie, F.A. Brockhaus Leipzig Mannheim, 20. Auflage, 1996, Band 7, S. 483
7 Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung 2002, Jahresgutachten 2002/3, Wiesbaden
8 Picot, Arnold: „Zufall oder Gesetzmäßigkeit? Über die Entstehung des Neuen aus ökonomischer Sicht“ in Forschung & Lehre,
I/2000, S. 11, 13 und Ruß-Mohl, Stefan: Journalismus, Das Hand- und Lehrbuch, Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt am
Main, 2003, S. 241
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2.1.3 Wie ist Forschung organisiert?
In der Forschung unterscheidet man zwei Formen 9 : die Grundlagenforschung und die angewandte Forschung. Die Grundlagenforschung - auch häufig als reine Forschung bezeichnet - dient der Vervollkommnung der Erkenntnisgrundlagen und Erweiterung des Erkenntnisstandes unabhängig von Anwendungsbezügen. Die angewandte Forschung hingegen will den Erkenntnisstand mit wissenschaftlichen Methoden anhand vorgegebener Probleme erweitern.
In den hochentwickelten Industriegesellschaften gehören Forschung und Entwicklung (F+E) eng zusammen 10 : Forschung mündet in Entwicklung und Entwicklung initiiert neue Forschung. 11 In diesem Kontext muss die von Dritten initiierte Forschung, die sogenannte Auftragsforschung 12 Auftragsforschung, erwähnt werden. Die kann sowohl
Grundlagenforschung als auch angewandte Forschung beinhalten. In der Auftragsforschung werden naturwissenschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Erfahrungen ausgewertet und angewandt, um neue Substanzen, Materialien, Bauelemente, Geräte, Systeme etc. zu entwickeln. 13
Zu den wichtigsten Forschungsbereichen in Deutschland gehören: Informations- und Kommunikationstechnologien, Biotechnologie, Optik und Lasertechnik, Mobilitäts- und Verkehrs-forschung sowie die Mikrosystemtechnik und die Nanotechnologie. 14 Während Forschung in ihren Anfängen privat und von einzelnen Forschern in klar abgegrenzten Disziplinen durchgeführt wurde, bedingten immer komplizierter werdende Sachverhalte und komplexere Forschungsaufgaben seit etwa 200 Jahren eine stetige Veränderung der Forschungslandschaft. 15 Heute beruht das deutsche Forschungssystem auf drei Säulen 16 :
- den Hochschulen,
- den außeruniversitären Forschungseinrichtungen und
- den Forschungsabteilungen der privaten Unternehmen.
Zu den außeruniversitären Forschungseinrichtungen gehören Forschungsanstalten von Bund, Ländern und Gemeinden wie z.B. die Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt e.V. sowie private Einrichtungen ohne Erwerbszweck, die sich überwiegend aus
9 Brockhaus Die Enzyklopädie, F.A. Brockhaus Leipzig Mannheim, 20. Auflage, 1996, Band 7, S. 483
10 Chance für Deutschland und Europa, Das 6. Forschungsrahmenprogramm, BMBF, 2002, S. 6
11 Picot, Arnold: „Zufall oder Gesetzmäßigkeit? Über die Entstehung des Neuen aus ökonomischer Sicht“ in Forschung &
Lehre, I/2000, S. 13: „Schließlich sind Innovationen selbst die Basis für etwas Neues.“
12 Brockhaus Die Enzyklopädie, F.A. Brockhaus Leipzig Mannheim, 20. Auflage, 1996, Band 7, S. 483
13 Picot, Arnold: „Zufall oder Gesetzmäßigkeit? Über die Entstehung des Neuen aus ökonomischer Sicht“ in Forschung &
Lehre, I/2000, S. 11
14 Bundesministerium für Bildung und Forschung: im Detail, März 2002, S. 9-11
15 Brockhaus Die Enzyklopädie, F.A. Brockhaus Leipzig Mannheim, 20. Auflage, 1996, Band 7, S. 483
16 www.destatis.de, PM des Statistischen Bundesamtes vom 29. Mai 2002, Ausgaben außeruniversitärer Einrichtungen
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öffentlichen Mitteln finanzieren. Dazu zählen Gesellschaften wie die Fraunhofer-Gesellschaft oder die Hermann-von-Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.. 17 In einem Evaluierungsverfahren hat das BMBF bis 2001 das deutsche Forschungssystem geprüft und fordert seitdem eine stärkere Arbeitsteilung und Profilbildung in F+E. 18 Durch Kooperation zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und ihren Partnern im In- und Ausland sollen deutlich mehr Synergieeffekte entstehen. Forschungskapazitäten in den zukunftsträchtigen Bereichen müssen gebündelt und gestärkt werden, so das BMBF. Das gilt für die Grundlagenforschung genau wie für die marktnahe angewandte Forschung. 19
Während in den großen, privaten Unternehmen mit weltweiten Standorten bereits seit langem die verschiedenen Forschungsabteilungen global kooperieren und agieren 20 , ist die institutionelle Forschung in Europa noch überwiegend auf nationaler Basis organisiert 21 . „Obwohl Wissenschaft zunehmend grenzüberschreitend praktiziert wird, werden wissenschaftliche Entscheidungen immer noch auf nationaler Ebene getroffen“ 22 , so Donald Kennedy, Chefredakteur der Zeitschrift „Science“, zur Forschungssituation in Europa.
Erst mit der europäischen Integration begann sich die Forschungslandschaft der einzelnen europäischen Länder zu verändern. Neues konnte entstehen, weil gezielt innovative Rahmenbedingungen geschaffen wurden. 23 Ein Instrument zur Integration nationaler Forschung in einen gesamteuropäischen Forschungsraum ist das seit 1984 mehrfach aufgelegte Forschungsrahmenprogramm. 24 Damit werden grenzüberschreitende Forschungs-vorhaben und die ortsungebundene Arbeit von Wissenschaftlern gezielt gefördert. 25
2.1.4 Wie wird Forschung finanziert?
Forschung wird vom Staat oder privat finanziert. Staatlich finanzierte Forschung findet an Universitäten oder außeruniversitären Einrichtungen (MPG, Helmholtz-Ges. etc.) statt. Die Wissenschaftler forschen sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung. Die Grenzen zwischen diesen beiden Forschungsformen sind fließend.
17 IT-Forschung 2006, BMBF 2002, S.56 ff.
18 Bundesministerium für Bildung und Forschung: im Detail, März 2002, S. 14
19 Bundesministerium für Bildung und Forschung: im Detail, März 2002, S. 14
20 Schering Geschäftsbericht 2002, S. 2 ff.
21 Kennedy, Donald: Europa muss sich bewegen, Seine Wissenschaft steht am Scheideweg, FAZ, Feuilleton, Natur und
Wissenschaft, 29.8.2003, S. 34: „Im Rahmen der Anstrengungen, ein wirtschaftlich geeintes Europa zu schaffen, ist es im
Interesse einer mehr auf Gemeinschaftlichkeit fixierten Zukunftsvision notwendig gewesen, einen Teil nationalstaatlicher
Souveränität aufzugeben. Auf dem Wissenschaftssektor findet nun im Zuge einer dynamischen Entw icklung, die den Aufbau
einer europäischen Forschungsunternehmung zum Ziel hat, dasselbe statt.“
22 Kennedy, Donald: Europa muss sich bewegen, Seine Wissenschaft steht am Scheideweg, FAZ, Feuilleton, Natur und
Wissenschaft, 29.8.2003, S. 34
23 Picot, Arnold: „Zufall oder Gesetzmäßigkeit? Über die Entstehung des Neuen aus ökonomischer Sicht“ in Forschung &
Lehre, I/2000, S. 12
24 Chance für Deutschland und Europa, Das 6. Forschungsrahmenprogramm, BMBF, 2002, S. 7
25 Kennedy, Donald: Europa muss sich bewegen, Seine Wissenschaft steht am Scheideweg, FAZ, Feuilleton, Natur und
Wissenschaft, 29.8.2003, S. 34
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Forschungsziel ist dabei in erster Linie der Gewinn neuer Erkenntnisse. Das garantiert den Wissenschaftlern einen hohen Grad an Forschungsfreiheit hinsichtlich Inhalt und Umfang. Der Forschungsetat des BMBF betrug im Jahr 2002 fast 8,4 Milliarden Euro. 26 In diesem Jahr liegt er bei 9,3 Milliarden Euro. 27 Tendenz steigend! 28
An Universitäten und den Forschungsinstituten der Gesellschaften kann auch Auftrags-forschung für private Unternehmen durchgeführt werden. Das heißt, dass ein Teil der Forschung an diesen Einrichtungen von der Industrie finanziert wird. Die Fraunhofer-Gesellschaft z.B. wird von Bund und Ländern zu vierzig Prozent finanziert. Diese Summe sichert etwa die Grundfinanzierung. Die restlichen sechzig Prozent werden durch Auftragsforschung aus Industrie und öffentlichen Projekten erwirtschaftet. 29
Der größte Teil nichtstaatlich finanzierter Forschung wird jedoch in privatwirtschaftlichen Unternehmen realisiert. Im Unterschied zur rein staatlich oder teilweise staatlich finanzierten Forschung ist die Industrieforschung streng am Kunden und am Markt orientiert. 30 Industrieforschung wird nur dann finanziert, wenn sie den Unternehmenszielen entspricht und dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit dient. Industrieforschung sucht nach neuen Lösungen für Produkte und Produktionsverfahren, um diese anschließend zu vermarkten. 31 Forschungsabteilungen werden in privaten Unternehmen vom Forschungsmanagement geleitet, d.h. von Wissenschaftlern und Kaufleuten. 32
Die Ausgaben im Bereich F+E in der Privatwirtschaft schwanken innerhalb der einzelnen Branchen stark. Die Pharmaindustrie ist z.B. besonders von Produktinnovationen abhängig. Demzufolge sind die F+E-Ausgaben hoch. Weltweit werden im Durchschnitt in der pharmazeutischen Industrie etwa 12,5% des Umsatzes für F+E ausgegeben. 33 Die Schering AG, die zu den führenden deutschen Pharmakonzernen gehört, hat z.B. in 2002 etwa neunzehn Prozent ihres Umsatzes in F+E investiert. 34
Zum Vergleich: In der Automobilindustrie betragen die durchschnittlichen Aufwendungen für F+E etwa 6,4% und in der Metallindustrie nur 3,4% des Umsatzes. 35
26 Bundesministerium für Bildung und Forschung: im Detail, März 2002, S. 4
27 IHK-Innovationsnachrichten, 7/2002, 3.7.2002, S. 2
28 Pressemitteilung BMBF 20.07.2003
29 IT-Forschung 2006, BMBF 2002, S. 56
30 Picot, Arnold: „Zufall oder Gesetzmäßigkeit? Über die Entstehung des Neuen aus ökonomischer Sicht“ in Forschung &
Lehre, I/2000, S. 11
31 Picot, Arnold: „Zufall oder Gesetzmäßigkeit? Über die Entstehung des Neuen aus ökonomischer Sicht“ in Forschung &
Lehre, I/2000, S. 11
32 Bertelsmann Lexikon, Bertelsmann Lexikothek Verlag, Band 5, Gütersloh, 1991, S. 142
33 Festel, Gunter; Falk, Martin; Hofmeier, Urs Ch.: Outsourcing bei der Wirkstoffentwicklung in der Pharmaindustrie am Beispiel
von Synthesedienstleistungen in Chemie & Wirtschaft, Jahrgang 1, Ausgabe 3, August 2002, S. 11
34 Schering AG, Geschäftsbericht 2002
35 Festel, Gunter; Falk, Martin; Hofmeier, Urs Ch.: Outsourcing bei der Wirkstoffentwi cklung in der Pharmaindustrie am Beispiel
von Synthesedienstleistungen in Chemie & Wirtschaft, Jahrgang 1, Ausgabe 3, August 2002, S. 11
35 Schering AG, Geschäftsbericht 2002
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Die Pharmaindustrie versucht, den steigenden Kosten für F+E z.B. durch Zusammenlegung von F+E-Abteilungen 36 oder Forschungskooperationen mit innovativen Biotech- oder Plattform-Unternehmen auszuweichen. Die Vergabe von Aufträgen für F+E-Dienstleistungen nach außen ist eine weitere Möglichkeit, interne F+E-Kosten zu senken 37 (siehe dazu auch Kapitel 5.4.2).
Generell kann für die Finanzierung der Forschung in Deutschland jedoch ein Trend ausgemacht werden: „Seit der Staat wieder gezielt in Forschung und Entwicklung investiert, steigen auch die privaten Ausgaben in diesem Bereich. Die Wirtschaft hat ihre Aufwendungen seit 1998 um rund 21% erhöht. Deutlich gestiegen sind vor allem die Anstrengungen für Innovationen.“ 38
2.2 Veröffentlichung von Forschungsergebnissen aus der
Privatwirtschaft
2.2.1 Welche Unternehmen informieren über ihre Forschungsergebnisse und
warum? - eine Fragebogenaktion
Um aktiv über die Forschungsarbeit ihres Unternehmens berichten zu können, besitzen vor allem größere Firmen Abteilungen für Öffentlichkeitsarbeit. 39 Die Öffentlichkeitsarbeiter definieren ihren Auftrag als „...das Management von Kommunikationsprozessen für Organisationen oder Personen mit deren Bezugsgruppen“. 40 Kommunikation ist ein wechselseitiger Prozess. Er dient der Information und dem Interessenausgleich mit Organisationsumwelten, wenn ein Unternehmen Auswirkungen auf Subsysteme in der Gesellschaft hat. Das Unternehmen informiert über verschiedene Themen z.B. über die Finanzen (Geschäftsbericht), die Personalentwicklung, den Umweltschutz 41 oder F+E 42 . Informationsbedarf haben in erster Linie Nachbarn (Anwohner), Mitarbeiter, Journalisten, Politiker und Anleger. Wie Unternehmen über ihre Forschung informieren, soll im folgenden untersucht werden.
Mit einem Fragenkatalog zur Unternehmensstruktur, zur Forschung sowie zum Wissenstransfer in und aus dem Unternehmen sowie zur Öffentlichkeitsarbeit wurden ausgewählte Firmen der Biotech- und Pharmabranche befragt. 43 Die Antworten sollten einen Einblick in
36 www.brandeins.de, Boston Gene Party, Ausgabe 02/2003
37 Festel, Gunter; Falk, Martin; Hofmeier, Urs Ch.: Outsourcing bei der Wirkstoffentwicklung in der Pharmaindustrie am Beispiel
von Synthesedienstleistungen in Chemie & Wirtschaft, Jahrgang 1, Ausgabe 3, August 2002, S. 12 ff.
38 Bundesministerium für Bildung und Forschung: im Detail, März 2002, S. 6
39 Göpfert, Winfried: Vorlesung Einführung in Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit“, 16.12.2002
40 Definition Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Public Relation Gesellschaft, www.dprg.de
41 KonzernUmweltbericht, SCHERING AG, März 2002, www.schering.de
42 Livingbridges, Das SCHERING Forschungsmagazin, www.livingbridges.com
43 Die vollständigen Fragebögen befinden sich in deutsch und englisch im Anhang.
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Arbeit zitieren:
Christian Rell, Barbara Urban, Isabel Pasch, 2003, Forschung in der Privatwirtschaft / Entstehung neuen Wissens. Wege und Muster der Kommunikation über Forschung in Unternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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