bzw. Aufforderungen, die von Unternehmen an den potenziellen Bewerber gestellt werden. Das ist Globallife!
Mit Flexibilität werden bislang starre Strukturen durchbrochen. Es entstehen neue Möglichkeiten für den einzelnen und der gesellschaftliche Prozess erfährt eine ganz neue eigene Dynamik. Andererseits kann Flexibilität auch eine Überforderung des einzelnen darstellen (vgl. Englisch 2001). Bislang wurden die sog. Yetties als Prototyp des flexiblen Menschen betrachtet, doch die Reise im Zeitalter der Globalisierung geht hin zu einer allumfassenden Flexibilisierung nahezu jedes Individuums. Die Basis dieses Aufsatzes bildet der „flexible Mensch“ von Sennett (1998). Auf sonstige - vielfältig vorhandene - Literatur zu diesem Thema wird nicht explizit eingegangen, da sich die Betrachtungen auf die Ansätze Sennetts konzentrieren. Diese werden einer Analyse unterzogen. Diverse Ansichten anderer Autoren können maximal in Ansätzen Eingang in die Ausführungen finden, sofern sie als Abgrenzung hilfreich, wichtig oder gar notwendig erscheinen. Sennetts Abhandlungen sollen nicht chronologisch wiedergegeben werden, sondern vielmehr wurde versucht, die wichtigsten Ansätze und Theorien hinsichtlich biographischer An- und Herausforderungen des Einzelnen in der sich globalisierenden Welt herauszuarbeiten. Dabei ist eine Beschränkung auf die zentralen Punkte unabdingbar. Das Hauptaugenmerk richtet sich vor allem auf die Herausforderungen des Einzelnen hinsichtlich sozialer Beziehungen, insbesondere werden Paar- bzw. Liebesbeziehungen fokussiert betrachtet. Analog zu Sennett soll sich der Blick nicht auf die Betrachtung der Entwicklungs- und Schwellenländer beschränken, sondern die Ausführungen beziehen sich - sofern nicht anders hervorgehoben - auf die großen Wirtschafts- und Industrienationen.
Zum Begriff der Globalisierung
Mit Globalisierung wird die stetige Zunahme internationaler Verflechtungen der Volkswirtschaften durch grenzüberschreitenden Handel mit Gütern, Kapital, Dienstleistungen und technischem Wissen bezeichnet. Konkret gemeint sind damit in erster Linie die Ausweitung des Welthandels und die Entwicklung der Auslandsinvestitionen.
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Die treibenden Kräfte der Globalisierung sind neue Kommunikations- und Informationsmedien sowie neue Organisationsformen der betrieblichen Produktion. Der Erdball ist nahezu komplett elektronisch miteinander verbunden, weite Wege werden durch elektronische Kommunikation verkürzt, die Märkte verschmelzen durch computergestützte oder -gesteuerte Logistik und hochmoderne Transportmethoden. Dadurch ergeben sich zahlreiche Optionen für Unternehmen hinsichtlich Produkti-onsstandorte oder Absatzmärkte.
Zu den Hauptakteuren der Globalisierung zählen große multinationale Unternehmen. Durch deren Investitions-, Markt- und Produktionsstrategien wird der Charakter des internationalen Handels bestimmt. Globalisierung basiert auf dem Abbau von Handelshemmnissen und Aushandlung neuer Handelsstrategien (WTO). Seit Mitte des 20. Jahrhunderts finden fundamentale Veränderungen der Austauschbeziehungen der Industriestaaten untereinander und zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern statt.
Globalisierung beinhaltet Chancen und Probleme gleichzeitig, denn der Wachstum des Welthandels bringt einerseits Wohlstand dort, wo Güter produziert, Dienstleistungen erbracht und Produkte verkauft werden können. Voraussetzung dafür ist ein günstiges Preis-Kosten-Verhältnis. Auf der anderen Seite gibt es Unstimmigkeiten bzgl. der Gewinnverteilung vor allem zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern. Ein weiters Problem der Globalisierung ist die Beeinträchtigung insbesondere kleinerer Volkswirtschaften hinsichtlich wirtschafts-, umwelt- genauso wie sozialpolitischer Gestaltungsfreiheit.
Ferner beeinträchtigt Globalisierung soziale Beziehungen, denn das Individuum muss sich neuen Herausforderungen stellen.
Soziale Beziehungen im Zeitalter der Globalisierung
Globalisierung impliziert Veränderungen, Hoffnungen genauso wie Befürchtungen und dies beschränkt sich nicht nur auf die Wirtschaft und auf die individuelle Berufsbiographie, sondern die Auswirkungen der Globalisierung werden auch im Privatleben sichtbar. Der „flexible Mensch“ (Sennett 1998) muss in der Lage sein, seine pri-
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vate Lebensweise auf die Wirtschaft (kurzfristige Gewinnerwartungen, elastische Or-ganisationsformen etc.) anzupassen. „Die Flexibilisierung von Arbeit und Beruf befindet sich gegenwärtig in einer turbulenten Konsolidierungsphase - Chaos und Frustrationen miteingeschlossen.“ (Horx/Wenzel 2003, S. 87) Das Ideal der Flexibilisierung ist eine „Win-Win-Situation“, das heißt sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber muss die Situation tragbar sein. „Die stimmige Balance zwischen Job und Privatleben rückt (…) immer mehr in den Fokus von Recruiting- und Human-Resources-Konzepten.“ (Horx/Wenzel 2003, S. 87)
Auf den jungen Menschen und hier insbesondere auf Studienabsolventen lastet ein hoher Druck. Sie haben zwar just erst ihre Ausbildung beendet, jetzt jedoch stehen schon wieder gravierende Veränderungen an: Sie sollen sich auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt etablieren und sogleich karrieremäßig durchstarten. Dafür sollen sie den Anforderungen der Globalisierung genügen und bereit sein, ein internationales Leben zu führen. Weil sich die jungen Menschen nach der Ausbildung bereits im Familiengründungsalter befinden, sollen sie natürlich in einer Partnerschaft leben und da die biologische Uhr zu ticken beginnt, müssten sie gleichzeitig eine Familie gründen. Idealtypischerweise lebt die Familie in der eigenen Immobilie, die finanziert werden muss. Und weil die Renten unsicher sind, muss auch fürs Alter selbst vorge-sorgt werden (vgl. Deml 2007, S. 75f.; 2010, S. 33f.).
Doch wie soll das unstete Berufsleben mit der Gründung und Sorge für eine Familie vereinbart werden? Wie halten Partnerschaften überhaupt, wenn einer der beiden oder vielleicht sogar beide beruflich ständig unterwegs sind? Und wo bleiben die Kinder? Oder soll doch die Frau nach dem Studium zuhause bleiben, aber wie viel muss ein Mann alleine verdienen, um Haus, Familie und die Altersrente finanzieren zu können? Kein Wunder, dass unter all diesen Belastungen Partnerschaften zerbrechen oder gar nicht erst zustande kommen. Doch eine Partnerschaft könnte ein mögliches „Dahintreiben“ des Individuums verhindern. Denn Sennett (vgl. 1998, S. 15ff) warnt vor dem allgemeinen „Drift“, d.h. dem ziel- und orientierungslosen Dahintreiben des Einzelnen. Das Individuum bewegt sich Sennett zufolge nicht länger in stabilen Verhältnissen mit festen Strukturen, die eine Entlastungsfunktion haben. Vielmehr geht Stabilität verloren, auch in intimen sozialen Beziehungen. An die Stelle von fes-
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Arbeit zitieren:
Sonja Deml, 2012, Globalisierung und der „flexible Mensch“ in Bezug auf Richard Sennett, München, GRIN Verlag GmbH
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