1. Die Wirklichkeit der Metapher 3
2. Die Wirkungsmacht des „metaphorischen Konzept“ 4
2.1 Bildung von metaphorischen Konzepten 4
2.2 Das menschliche Verstehen als metaphorischer Prozess 8
3. Poetische Metaphern 9
3. 1 Die Bildung von poetischen Metaphern 9
3.1 Kreative Metapher als Ergebnis der Poetisierung der konventionellen Metapher 12
4. Interpretationen zu Goethes Gedicht „Prometheus“ 13
4.1 Barbara Neymeyrs Interpretationsansatz 14
4.2 Peter Müllers Interpretationsansatz 16
4.3 David E. Wellberys Interpretationsansatz 18
5. Fazit 20
6. Literaturverzeichnis 22
6.1 Primärliteratur 22
6.2 Sekundärliteratur 22
7. Anhang 23
2
1. Die Wirklichkeit der Metapher
Die großen Kritiker der Metapher, für die die Metapher nur ein Element der Rhetorik darstellt, sind Platon und Hobbes. Beiden gemeinsam ist, neben der Beschäftigung mit Erkenntnisfragen, dass sie zu den wichtigsten politischen Philosophen gehören: Platon gilt als antiker Begründer der politischen Philosophie und Hobbes als deren neuzeitlicher Erneuerer. Platon kritisiert in seinem Werk Politeia die Dichter deshalb, weil zum ihre Darstellung der Wirklichkeit nicht immer dem pädagogischem Erziehungsziel des Staates diene, da sie „unwahre Märchen“ 1 enthalten, die zur Verweichlichung der Jugend und damit zur Bedrohung der Stabilität des Staates führen könne. Hinter der pädagogischen Kritik an der Dichtung von Platon verbirgt sich jedoch seine grundsätzliche Skepsis gegenüber der meta-phorischen Sprechweise in Bezug auf die Wahrheit, denn Metaphern können als Ausdruck der Dichtersprache die Wirklichkeit nur nachahmen. Deshalb seien ausgewählte Metaphern in der Erziehung einzusetzen, aus dem Alltag, insbesondere aus dem politischen Handeln ist die Metapher jedoch zu verbannen. 2 Für Hobbes wiederum stellt die Metapher in seinem Werk Leviathan einen Missbrauch der Sprachbenutzung dar: „indem [die Menschen] Wörter in übertragener Bedeutung gebrauchen, das heißt in einem anderen Sinn als dem für sie vorgesehenen“ 3 täuschten sie andere. Durch metaphorisches Sprechen werde die „wahre Grundlage des Denkens“ gefährdet, weil die objektive Existenz von Dingen durch die Beimischung subjektiver Empfindung in Frage gestellt werde. 4 Lakoff, Johnson und Turner kritisieren nun die Position von Platon und Hobbes sowie zahlreicher andere Vertreter der These, dass metaphorisches Denken die Wirklichkeit nicht wiedergebe. Dabei zeigen sie auf, interessanterweise in gewisser Hinsicht auf die von Platon in seiner Dichterkritik formulierte Wirkung der Herstellung von Beziehungen durch Metaphern zurückgreifend, dass Metaphern die zentrale Funktion innerhalb der Sprache zukommt, nämlich die Wirklichkeit zu strukturieren. Da Menschen mit Metaphern auf Wirklichkeiten bzw. auf die Erfahrungen von Dingen zurückgreifen und zwischen diesen Bezüge herstellen, gehöre das Sprechen in Metaphern zur Tiefenstruktur der Wirklichkeitswahrnehmung und -Konstruktion von Menschen. Die Metaphern, so Lakoff und Johnson, seien unter anderem auch ein besonders wichtiges Verfahren der Politik, die durch Hervorhebung des einen Erfahrungsaspekts stets die Exklusion des anderen und damit eine
1 Platon: Politeia, 377c-378b.
2 ebd., 388d-398b.
3 Hobbes: Leviathan..., S. 25.
4 Vgl., ebd., S. 31.
3
neue (Be-)Deutung der Wirklichkeit zu bewirken sucht 5 , d.h. auch die Gründungsmythen der politischen Philosophen Platon und Hobbes sind als Metaphern im doppelten Sinn zu bezeichnen: zum einen als Beschreibungsform und zum anderen als Konstruktionswerkzeug gesellschaftlich-politischer Ordnungen.
In der vorliegenden Arbeit wird deshalb der Versuch unternommen, die empirische Praktikabilität der theoretischen Annahmen zu Metaphern aufzuzeigen. Ausgehend von der Darstellung der theoretischen Grundannahmen zur Bildung von konventionellen Metaphern in George Lakoff’s und Mark Johnson’s Werk Leben in Metaphern. Konstruktion und Gebrauch von Sprachbildern (Kap. 2) sowie der theoretischen Diskussion zur Bildung von poetischen Metaphern im Werk von Lakoff und Turner More than Cool Reason. A Field Guide to Poetic Metaphor (Kap. 3), werden die metaphorischen Annahmen verschiedener Interpretationen zu Goethes Gedicht Prometheus untersucht (Kap. 4). Das Ziel ist zu überprüfen, ob Lakoff, Johnson und Turner mit ihrer Annahme, dass grundsätzlich alle Metaphern nur deshalb und nur dann verstanden werden können, weil bzw. wenn sie vor dem Hintergrund ihres empirischen Erfahrungsgehalts gedeutet werden, ein theoretisches Gerüst für das Verstehen der poetischen Metaphern bieten.
2. Die Wirkungsmacht des „metaphorischen Konzept“
2.1 Bildung von metaphorischen Konzepten
Entgegen der These, dass Metaphern nur ein Ausdruck der Sprache sind, die getrennt von menschlicher Wahrnehmung und Denken zu betrachten sind, gehen Lakoff und Johnson davon aus, dass das metaphorische Sprechen mit „unsere[r] Wahrnehmung, unser[em] Denken und Handeln“ 6 strukturell zusammenhängt. Das heißt: metaphorisches Sprechen ist dem zufolge ein Ausdruck des metaphorischen Denkens und das metaphorische Denken ist wiederum ein Beweis dafür, dass Menschen, indem sie metaphorisch wahrnehmen das Wahrgenommene erst verstehen können. In dem wir durch die Metapher „eine Sache oder einen Vorgang in Begriffen einer anderen Sache bzw. eines anderen Vorgangs verstehen und erfahren“ 7 , ist der mit der metaphorischen Sprache beschriebene Sachverhalt mehr als nur ein sprachliches Bild. Es handelt sich darum, dass das „metaphorische Konzept“ 8 , auf das „unsere
5 Vgl. Lakoff u. Johnson: Leben in Metaphern..., S. 270f.
6 ebd., S. 12.
7 ebd., S. 13.
8 ebd., S. 14
4
alltagssprachliche metaphorische Ausdrücke“ 9 rekurrieren, von Menschen auch im
wörtlichen Sinn benutzt wird. Wir rechnen also „solche Wendungen zu den wörtlichen Ausdrücken, die durch metaphorische Konzepte strukturiert sind“ 10 , d.h. „der größte Teil unseres normalen Konzeptsystems [ist] metaphorisch strukturiert“, so dass „wir die meisten Konzepte partiell von anderen Konzepten her verstehen“ 11 . Metaphorische Konzepte sind in diesem Fall sowohl als metaphorische Ausdrücke als auch als Strukturierungsinstrumente menschlicher Wahrnehmung, die sich auch im Handeln niederschlagen, zu verstehen. So beschreibt das metaphorische Konzept „Argumentieren ist Krieg“ 12 auf der einen Seite auf welche Weise Menschen manchmal über Sachverhalte sprechen. Andererseits wirkt sich dasselbe ‚metaphorische Konzept‘ derart auf das Sprechen über bestimmte Sachverhalte aus, dass Menschen dieses analog zum Kriegskampf gestalten, wie der für eine Argumentation typische Satz zeigt, dass A die Position von B angegriffen hätte. 13 Des Weiteren können metaphorische Konzepte nicht als total bezeichnet werden, d.h. die Parallelisierung zweier Sachverhalte in metaphorischen Konzepten ist nur eine „partielle“ 14 . Hinter dem partiellen Charakter von metaphorischen Konzepten verbirgt sich nach Lakoff und Johnson die Tatsache, dass diejenigen metaphorischen Konzepte in die Bedeutung eines metaphorischen Ausdrucks Eingang finden, die einen Vorgang so zu beschreiben ermöglichen, das er verstanden und erfahren werden kann. So finden aus dem metaphorischen Konzept „Theorien sind Gebäude“ zwar die Ausdrücke „konstruieren und Fundament“ 15 Eingang in die wörtliche Bedeutung (z.B. Seine Theorie hat solides Fundament). Die Ausdrücke wie Fenster, Zimmer, Treppen treten in der konventionellen Bedeutung des metaphorischen Konzepts ‚Theorien sind Gebäude‘ jedoch nicht auf. Diejenigen Aspekte, die nicht in die wörtliche Bedeutung eingehen, bezeichnen Lakoff und Johnson als „Unterarten“ 16 des metaphorischen Konzepts. Obwohl diese „isolierten“ 17 Ausdrücke nicht in alltäglicher metaphorischer Ausdrucksweise benutzt werden, werden sie dennoch durch die Bezugnahmen auf lexikalisierte Metaphern eines metaphorischen Konzepts interpretiert: so wird der Satz, „[d]iese Daten sind die Ziegelsteine und der Mörtel meiner Theorie“ 18 , erst vor dem Hintergrund des metaphorischen Konzepts ‚Theorien sind Gebäude‘
9 ebd., S. 15.
10 ebd., S. 65.
11 ebd., S. 70.
12 ebd., S. 12.
13 Vgl., ebd., S. 13.
14 ebd., S. 21.
15 ebd., S. 66
16 ebd., S. 67
17 ebd., S. 69.
18 ebd., S. 67
5
verstehbar. Der partielle Charakter der metaphorischen Struktur, der darauf verweist, dass das mit dem metaphorischen Ausdruck Gemeinte im wörtlichen Sinn zu verstehen ist, ermögliche auch, so Johnson und Lakoff, dass die Verbindung zweier Sachverhalte/Begriffe im Fall von z.B. poetischer Erweiterung des metaphorischen Konzepts über die wörtliche Bedeutung hinaus gestaltet werden kann. 19
Darüber hinaus spielt die Prototypikalität, die den kausalen Verbindungszusammenhängen in Bezug auf die Ausbildung von metaphorischen Konzepten zugrunde liegt, eine wichtige Rolle. Dabei ergibt sich gerade aus der Randunschärfe des Prototypikalitätskonzepts die Möglichkeit, Kausalität „als eine unendlich analysierbare Gestalt, die sich aus natürlich auftretenden Eigenschaften zusammensetzt“ 20 zu benutzen, weshalb „der protoypische Kern des Konzepts Kausalität“ obwohl „in vielfältiger Weise metaphorisch ausgeschmückt“ 21 immer verstanden werden kann. So ist, wie Lakoff und Johnson zeigen, das Phänomen Liebe auf die metaphorische Strukturierung deshalb angewiesen, weil es als Emotion eine minimale Strukturierung zu anderen Emotionen aufweist. Da also Liebe als Emotion nicht eindeutig bestimmt werden kann, wird auf metaphorische Strukturierung zurückgegriffen, indem Liebe als „Reise“, „Verrücktheit“, „Krieg“ 22 (Rosenkrieg) oder als Essen (Von Luft und Liebe leben) zu erfassen gesucht wird.
Die Ausbildung des metaphorischen Konzepts geht jedoch nicht nur auf die „Strukturmetapher[n]“, die sich darin äußern, dass „ein Konzept von einem anderen Konzept her metaphorisch strukturiert wird“, zurück, sondern auch die „Orientierungsmetaphern“ 23 gehören zu den Bestandteilen des metaphorischen Konzepts. Die Orientierungsmetaphern basieren darauf, dass die Wahrnehmung des menschlichen Körpers im Raum auf die Bestimmung von Bedeutungen anderer Sachverhalte, die der Mensch bewertet, im meta-phorischen Konzept Einfluss ausübt. Dass „oben“ 24 in unserem Kulturkreis in der Regel für glücklich und/oder erfolgreich (z.B. Er ist obenauf) steht, führen Lakoff und Johnson darauf zurück, dass die „gebeugte Körperhaltung typischerweise mit Traurigkeit und Depression“ verbunden ist, während „eine aufrechte Körperhaltung mit gesundem Gemütszustand“ 25 assoziiert wird. Die Orientierungsmetapher gehört zu den „basalen Konzepten“ 26 der
19 Vgl. ebd., S. 21.
20 ebd., S. 92.
21 ebd.
22 ebd., S. 102.
23 ebd., S. 22.
24 ebd.
25 ebd., S. 23.
26 ebd., S. 26.
6
Arbeit zitieren:
Ernest Mujkic, 2011, George Lakoff’s Metaphertheorie angewandt auf die Interpretationen von J.W. Goethes Gedicht „Prometheus“, München, GRIN Verlag GmbH
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