1. Ökonomische Situation und Gefühle 3
2. Der emotionale Zusammenhang zwischen der Männer- und Vaterrolle. 4
2.1 Das Bild vom alten Mann und seiner Gefühlswelt 4
2.2 Die Sensibilität des neuen Mannes und deren Einfluss auf die Vaterrolle 6
3. Die Vaterrolle in Regenbogenfamilien. 9
4. Ausblick 10
5. Literaturverzeichnis. 12
2
1. Ökonomische Situation und Gefühle
Das Bild von einem autoritären Vater war bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts einerseits durch die geschlechterspezifische Kategorisierung der Emotionen geprägt - zu männlichen Gefühlen wurden Gefühle der Wut, des Zorns und der Raserei, und zu weiblichen die Gefühle der Sanftmut, der Liebe und des Mitleids gerechnet 1 - und andererseits durch die aus der geschlechterspezifischen Trennung zwischen dem privaten (weiblichen) und öffentlichen (männlichen) Bereich 2 resultierenden Erwartung an Männer, ihre Gefühle zu disziplinieren, begann sich mit der Aufklärung zu wandeln. Einerseits lag dies daran, dass die Position des Individuums gegenüber der Gesellschaft und der tradierten gesellschaftlichen Erwartungen zunehmend kritisiert, d.h. die Geltungsreichweite der kollektiven Moral von intellektueller Elite zunehmend in Frage gestellt wurde. Andererseits lag das, wie Edward Shorter in seiner Untersuchung der ehelichen Verhältnisse in Frankreich mit Einbeziehung auch der Entwicklung in Deutschland zwischen 1750 und 1850 zeigt, auch daran, dass die „emotionale Erstarrung“ nicht nur das Ergebnis der gesellschaftlichen Erwartungen war, sondern dass „die kümmerliche Situation des Handels“ sowie „die Mittelmäßigkeit des privaten Vermögens“ die Vernachlässigung individueller Gefühlswelten bedingten. 3 Die Tatsache, dass „die große Woge des Gefühls [...] zuerst die Städte und den Mittelstand und erst später die Landbevölkerung und die untere Schicht“ 4 ergriffen hatte, weist also darauf hin, dass die zunehmende Verbesserung individueller wirtschaftlicher Verhältnisse, d.h., die Reduzierung der ökonomischen Abhängigkeit ein wichtiger Grund für die Minimierung des Einflusses kollektiver Moralvorstellungen auf das Gefühlsleben der Menschen im Allgemeinen und der Männer im Besonderen war. Dieser Einfluss wirkte sich in Bezug auf den Wahrnehmungs-und Bewusstseinswandel männlicher Emotionalität jedoch nur indirekt und womöglich auch langsamer aus. Da das emotionale Erleben der Vaterrolle auch einen Austausch der bestehenden Rollen zwischen Mann und Frau zur Voraussetzung hatte, wurde dies erst durch die stärkere Einbeziehung der Frau in das öffentlich tätige Leben erfüllt, wodurch die Möglichkeit für die Überwindung der ‚emotionalen Erstarrung’, die die Männer von der Ehefrau und von den Kindern emotional isolierte, und damit verbunden für die Entwicklung hin zu einem gefühlsbetonten Vaterrollenverständnis durch die Männer geschaffen wurde. 5
1 Vgl. Barutta/Verheyen, Vulkanier und Choleriker?..., S. 11 f.
2 Vgl. Frevert, Angst vor Gefühlen?..., S. 95 ff.
3 Shorter, Die Geburt der modernen Familie, S. 79.
4 Ebd, S. 79.
5 Ebd., S. 84 ff.
3
Ausgehend von diesen einführenden Bemerkungen zur Abhängigkeit der Präferrierung emotionalen Handelns von wirtschaftlichen Verhältnissen, soll in der vorliegenden Arbeit der Versuch unternommen werden, aufzuzeigen, dass die durch Veränderung ökonomischer Situation in Gang gesetzte Marginalisierung geschlechtspezifischer Gefühlskategorisierung zur Überwindung der klassischen Vaterrolle des pater familias und zur Hervorhebung der bestimmenden Bedeutung der sozialen über die natürliche Vaterschaft führt.
2. Der emotionale Zusammenhang zwischen der Männer-
Dassdie Gefühle nicht nur „Trajektoren kollektiver, öffentlicher Welterfahrung und Weltveränderung“ 6 sind, die die individuellen Wandelsprozesse in gesellschaftliche übersetzen und vice versa, sondern dass sie sich durch deren körperliche Manifestierung auch auf das soziale Handeln deren Träger, d.h. auf deren Rollenverständnis auswirken, wodurch sie gleichzeitig zum sichtbaren Impuls und zum Beweis des Wandels werden, hat bereits Georg Simmel zutreffend beschrieben. Die emotionalen Handlungsgrundlagen seien, so Simmel, deshalb bedeutende Komponenten jenes Wechselspiels von Wirkungen, die die Entstehung und Wandel der Gesellschaft sowohl begleiten als auch in gewisser Hinsicht bedingen, weil ihre Wirkungsmacht stets einem natürlichen Bedürfnis bzw. einer natürlich sozialen Notwendigkeit entspringe. 7 In der wechselseitigen Abhängigkeit bzw. „gegenseitige[n] Beeinflussung“ 8 der Menschen zeigt sich, dass die derselben zugrunde liegenden Gefühle ein steter Impulsgeber der Rollenanpassung und damit eine dauerhafte Korrekturherausforderung sozialen Handelns sind bzw. sein können. Sowie die „Manigfaltigkeit der Familienformen“ 9 das Ergebnis der unterschiedlichen Realisierung eines gleichen Inhalts sein kann, kann die private und auch vor allem lange Zeit öffentlich geführte Diskussion zur Frage der Begründung geschlechterspezifischer Gefühlskategorisierung am Beispiel des Verständniswandels der Vaterrolle als entwicklungsgeschichtlicher Indikator, und zwar als Gradmesser für die gesellschaftlich erwartete Gefühlsbegrenzung betrachtet werden, sowie die von den die Vaterrolle tragenden Personen und Gesellschaft zusammen
6 Frevert, Angst vor Gefühlen?..., S. 102.
7 Vgl. Simmel, Soziologie..., S. 17 f.
8 Ebd., S. 19.
9 Ebd., S. 21.
4
Arbeit zitieren:
Ernest Mujkic, 2011, Männliche Emotionalität und ihre Auswirkungen auf das Verständnis der Vaterrolle, München, GRIN Verlag GmbH
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