Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Kinder alkoholabhängiger Eltern(teile) 2
2.1 Zahlen und Fakten 2
2.2 Alkoholabhängigkeit 3
2.2.1 Definition von Sucht und Alkoholabhängigkeit 3
2.2.2 Kennzeichen der Alkoholabhängigkeit 6
2.3 Merkmale einer alkoholbelasteten Familie 9
2.3.1 Die Situation der Kinder 10
2.3.2 Rollenmodelle 11
2.3.3 Co-Abhängigkeit 15
2.3.4 Gestörte Eltern-Kind Beziehung 18
3. Auffälligkeiten bei Kindern alkoholabhängiger Eltern(teile) 20
3.1 Körperliche Auffälligkeiten 22
3.1.1 Alkohol in der Schwangerschaft 22
3.1.2 Intelligenz und sprachliche Fähigkeiten 24
3.2 Verhaltensauffälligkeiten 25
3.2.1 Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) 27
3.2.2 Störungen des Sozialverhaltens 28
3.2.3 Schulische Probleme 30
3.3 Psychische Auffälligkeiten 30
3.3.1 Depression und Angststörung 31
3.3.2 Psychosomatische Störungen 32
3.4 Risiko einer Suchtentwicklung 33
4. Kindeswohlgefährdung in einer Alkoholikerfamilie 35
4.1 Grundlagen und Definition 36
4.2 Kindeswohlgefährdung bei Kindern alkoholabhängiger Eltern(teile) 39
4.3 Möglichkeiten/Aufgaben der SPFH bei einer Kindeswohlgefährdung 44
5. Präventionsarbeit 46
5.1 Begriffserklärung 48
5.1.1 Primärprävention 48
5.1.2 Sekundärprävention (Intervention) 51
5.1.3 Tertiärprävention 52
5.2 Bedeutung der Förderung von Resilienzen 53
5.3 Ziele der Präventionsarbeit mit Kindern alkoholabhängiger Eltern(teile) 61
5.4 Mögliche Grenzen der Präventionsarbeit 65
6 Präventionsangebote 69
6.1 Mögliche Präventionsmaßnahmen der Hilfsorganisationen 70
7 Fazit 75
8 Zusammenfassung 78
9 Literaturverzeichnis 81
10 Anhang 92
Kinder alkoholabhängiger Eltern(teile) - Möglichkeiten und Grenzen der Prävention
1. Einleitung
Jahrelang wurde eine Alkoholabhängigkeit als ein Problem gesehen von dem lediglich die süchtige Person selbst betroffen ist. Den Angehörigen des Suchtkranken wurde dabei wenig Beachtung geschenkt (Mörder, 2009). Sowohl in der Suchtkrankenhilfe als auch in Präventionsprojekten gab es kaum Unterstützung für betroffene Familienmitglieder. Der heutige Forschungsstand zeigt jedoch, dass die Suchterkrankung eines Angehörigen auch die gesamte Familie mit betreffen kann. Aufgrund dessen wurden zunächst (Ehe-) Partner des Abhängigen in eine Therapie/Beratung/Behandlung mit eingebunden (Arenz-Greiving, 1998). Leider wird auch heute noch die Betroffenheit der Kinder kaum beachtet, weder in der Psychiatrie und in der Suchthilfe, noch in der Kinder- und Jugendhilfe, obwohl bereits 1969 Margaret Cork ein Buch zu diesem Thema mit dem Titel „The forgotten children“ (Die vergessenen Kinder) herausbrachte. Die erste deutsche Fachtagung zu diesem Thema fand erst Jahre später (1987) statt. Mit dem Titel „Kinder von Suchtkranken - zum Schweigen verurteilt!“ wurden Kinder suchtkranker Eltern zum ersten Mal Thema von öffentlichem Interesse. Einige im Verlauf dieser Arbeit aufgeführten Studien, Statistiken und Schätzungen zeigen übereinstimmend, dass es eine hohe Anzahl von Kindern alkoholabhängiger Eltern(teile) in Deutschland gibt (Klein, 2001; 2006).
In dieser Arbeit mit dem Thema: „Kinder alkoholabhängiger Eltern(teile) - Möglichkeiten und Grenzen der Prävention“ werden nun besonders Kinder alkoholabhängiger Eltern(teile) betrachtet.
Zunächst wird zum einheitlichen Verständnis der Begriff „Alkoholabhängigkeit“ genau erläutert. Des Weiteren werden die Situation der betroffenen Kinder und die möglichen Folgen einer elterlichen Alkoholabhängigkeit aufgezeigt, bevor abschließend die Möglichkeiten und die Grenzen von Präventionsarbeit mit betroffenen Kindern dargestellt werden.
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2. Kinder alkoholabhängiger Eltern(teile)
2.1 Zahlen und Fakten
Durch die ambulanten Suchtberatungsstellen in Deutschland (EBIS) und durch das Dokumentationssystem der Suchthilfe (SEDOS) gibt es zum Bereich suchtkranker Eltern und deren Kinder umfangreiches Zahlen- und Datenmaterial (Klein, 2007). So ist bekannt, dass in Deutschland etwa 2,65 Millionen Kinder suchtkranker Eltern(teile) leben. Davon sind die meisten Eltern von einer Alkoholabhängigkeit betroffen.
Durch eine Studie des Max Planck Instituts für Psychiatrie in München konnte bestätigt werden, dass in jeder siebten Familie Kinder zeitweise oder dauerhaft von der Alkoholabhängigkeit wenigstens eines Elternteils betroffen sind. In etwa jeder 20. Familie sind beide Elternteile alkoholabhängig (Lachner und Wittchen, 1997). Laut Ergebnissen der Statistik der ambulanten Suchtberatungsstellen in Deutschland (EBIS) haben 75 % der alkoholabhängigen Frauen und 63 % der alkoholabhängigen Männer wenigstens ein Kind.
Alkohol hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Der Pro-Kopf-Konsum in Deutschland liegt seit mehreren Jahren stabil bei 10,5-11 Litern pro Jahr. Deutsch-land liegt damit im Vergleich mit 50 anderen Staaten sehr weit vorne (unter den ersten zehn). In den westlichen Industriestaaten ist Alkohol -nach Tabak- die am häufigsten konsumierte legale Droge (Wissenschaftliches Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, 2003).
Dabei betreiben ca. 12% der über 14-Jährigen einen „riskanten Konsum“ (40-80g bei Männern und 20-40g bei Frauen Reinalkohol am Tag). Die Prävalenzrate der Männer ist in etwa dreimal so hoch wie die der Frauen. Einen „gefährlichen Konsum“ (60-120g bei Männern und 40-80g bei Frauen Reinalkohol pro Tag) betreiben ca. 3-5% der über 14-Jährigen bundesweit. Auch hier ist die Prävalenzrate bei Männern dreimal so hoch wie die der Frauen (Klein und Zobel, 1997).
Zu bedenken ist, dass ca. 1,6 Millionen Menschen (ca. 2,4% der über 18-Jährigen) in der Bundesrepublik Deutschland akut alkoholabhängig sind, damit einher gehen schwere gesundheitliche und soziale Folgen. Ein Alkoholmissbrauch liegt bei ca. 7,8 Millionen Menschen vor (Klein und Zobel, 1997).
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Auch in gesundheitlichen Belangen kann der starke Alkoholkonsum einen großen Einfluss auf unsere Gesellschaft haben. In Deutschland kommt es pro Jahr zu etwa 42.000 Todesfällen durch ihren Alkoholkonsum und sogar rund 73.000 Menschen sterben aufgrund, eines kombinierten Konsums von Alkohol und Tabak (Wissenschaftliches Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, 2003). Zwischen drei und fünf Millionen Menschen sind als enge Familienmitglieder unmittelbar von den Konsequenzen der Alkoholabhängigkeit eines Angehörigen betroffen. Die genannten Studien, Statistiken und fundierten Schätzungen (der EBIS, der SEDOS und vom Max Planck Institut München) zeigen übereinstimmend, dass von einer hohen Anzahl von Kindern mit alkoholabhängigen Eltern(teilen) auszugehen ist (Klein, 2001; 2006).
2.2 Alkoholabhängigkeit
2.2.1 Definition von Sucht und Alkoholabhängigkeit
Sucht:
Als eine stoffgebundene Sucht bezeichnet man eine Abhängigkeit von einer Substanz, die durch Toleranzentwicklung oder Entzugserscheinungen zu erkennen ist (Brömer, 2007). Dabei bedeutet Toleranzentwicklung, dass für den Betroffenen stets eine Dosissteigerung nötig ist, um einen gleichbleibenden Effekt zu erzielen. Entzugserscheinungen können auftreten, wenn der Alkoholkonsum vermindert oder unterbrochen wird (beispielsweise in Form von Magen-Darm-Störungen, Schlafstörungen, starkes Schwitzen, Neurologischen Störungen, Psychischen Störungen und/oder Bewusstseinsstörungen) (Soellner, 2000). Der Konsum des Suchtmittels nimmt für den Süchtigen einen besonders hohen Stellenwert ein, sodass dabei oft andere, teilweise wichtige Dinge (wie z.B. die Familie, die Arbeit) vernachlässigt werden (Brömer, 2007).
Es gibt physische (körperliche) und psychische (seelische) Abhängigkeiten. Im DSM IV 1 (ein System zur Einordnung und Diagnose psychischer Störungen) werden vier Diagnosekriterien für eine Sucht benannt:
1. Die Toleranzentwicklung (Gewöhnung)
1 DSM IV: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen), 4. gültige Ausgabe
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2. Das gesteigerte Verlangen
3. Die psychische und physische Abhängigkeit
4. Die schädlichen Folgen für den Abhängigen und seine Umwelt.
Erst wenn diese Kriterien erfüllt sind, spricht man von einer Sucht.
Alkoholabhängigkeit:
Im zweiten, besonders in Deutschland gebräuchlichen Kassifikationssystem zur Diagnostik psychischer Störungen dem ICD 10 2 , wird eine Alkoholabhängigkeit folgendermaßen definiert:
„Eine Gruppe von Verhaltens-, kognitiven und körperlichen Phänomenen, die sich nach wiederholtem Substanzgebrauch entwickeln. Typischerweise besteht ein starker Wunsch, die Substanz einzunehmen, Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren, und anhaltender Substanzgebrauch trotz schädlicher Folgen. Dem Substanzgebrauch wird Vorrang vor anderen Aktivitäten und Verpflichtungen gegeben. Es entwickelt sich eine Toleranzerhöhung und manchmal ein körperliches Entzugssyndrom. Das Abhängigkeitssyndrom kann sich auf einen einzelnen Stoff beziehen (z.B. Tabak, Alkohol oder Diazepam), auf eine Substanzgruppe (z.B. opiatähnliche Substanzen), oder auch auf ein weites Spektrum pharmakologisch unterschiedlicher Substanzen.“ (Dilling, 1993)
Weiter sind im ICD 10 acht Kriterien definiert, von denen mindestens drei erfüllt sein müssen, um die Diagnose einer Alkoholkrankheit stellen zu können (Dilling, 1993):
1. starker Wunsch oder Zwang, Alkohol zu konsumieren
2. verminderte Kontrollfähigkeit in Bezug auf Menge, Beginn oder Ende des Konsums
3. Alkoholkonsum mit dem Ziel der Linderung von Entzugssymptomen und der Wiederherstellung der entsprechenden positiven Erfahrung
4. körperliche Entzugserscheinungen bei Konsumstopp oder Konsumreduktion
5. Nachweis einer Toleranz (Um die ursprünglich durch niedrige Dosen hervorgerufene Wirkung zu erreichen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich, die
2 ICD 10: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, 10. gültige Ausgabe
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bei Konsumenten ohne Toleranzentwicklung zu schweren Beeinträchtigungen oder gar zum Tode führen würden.)
6. ein eingeengtes Verhaltensmuster im Umgang mit Alkohol, wie z.B. die Tendenz, Alkohol an Werktagen wie an Wochenenden zu trinken, und die Regeln eines gesellschaftlich üblichen Trinkverhaltens außer Acht zu lassen 7. fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Alkoholkonsums (erhöhter Zeitaufwand, um die Substanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen)
8. anhaltender Substanzkonsum trotz Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen (wie z.B. Leberschädigung durch exzessives Trinken, depressive Verstimmungen infolge starken Alkoholkonsums oder eine Verschlechterung der kognitiven Funktionen)
Stoffgebundene Süchte sind seit dem Jahr 1985 als Krankheit anerkannt. Dadurch müssen gegebenenfalls Behandlungskosten von Versicherungen oder Sozialhilfeträgern übernommen werden (Arenz-Greiving, 1998). In der aktuellen Fachliteratur werden die Begriffe Sucht und Abhängigkeit oft analog verwendet (Paetzold, 2006). Besonders im Bereich des Alkohols werden inhaltlich keine Unterschiede zwischen Alkoholsucht, Alkoholabhängigkeit oder Alkoholismus gemacht. (Fengler, 2002) Auch in dieser Arbeit werden die drei Begriffe synonym gebraucht. Die Alkoholsucht wird als eine chronische Krankheit angesehen. Die abhängige Person hat über ihr Konsumverhalten keine Kontrolle und der Konsum erfolgt wiederholt, zwanghaft und übermäßig (Ladewig, 2002). Der Stoffwechsel des Körpers stellt sich auf die Verarbeitung des Alkohols ein und entwickelt eine Toleranz. Folglich mussum eine gleichbleibende Wirkung zu erzielen - eine Dosissteigerung erfolgen. Zudem kommt es zu physischen, psychischen und sozialen Folgeerscheinungen. In Deutschland zählt Alkohol zu den legalen Drogen. Laut dem Jugendschutzgesetz sind alkoholhaltige Getränke frühestens ab dem 16. Lebensjahr (Bier, Wein und Sekt) beziehungsweise ab dem 18. Lebensjahr (Branntwein und branntweinhaltige Getränke) erlaubt. Jedoch wird in der Realität Alkohol häufig -auch schon in großen Mengen- von noch minderjährigen Personen konsumiert (Brömer, 2007).
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2.2.2 Kennzeichen der Alkoholabhängigkeit
Die Ursachen für die Entstehung einer Alkoholabhängigkeit können sehr unterschiedlich sein. Es gibt zwar keine typischen Faktoren, es kann jedoch zu begünstigende Umstände kommen. Das bekannteste Modell zur Entstehung einer Sucht ist das multifunktionale Faktoren- bzw. Ursachenmodell, das sogenannte „Suchtdreieck“ von Kielholz und Ladewig (1973). Demnach gibt es drei in Wechselwirkung zueinander stehende Faktoren, die zur Entstehung einer Sucht beitragen können.
Abbildung 1: Multifunktionales Faktoren-/Ursachenmodell (Kielholz und Ladewig, 1973)
Wie die Abbildung 1 verdeutlicht ist zum einen der Mensch selbst mit seinem genetischen Ursprung, seiner Persönlichkeit und seinen eigenen Lebenserfahrungen ein eigenständiger Faktor; dann zum zweiten die Droge (hier der Alkohol) hinsichtlich ihrer Art, Verfügbarkeit, Wirkung und Akzeptanz und dritter Faktor ist das soziale Umfeld des Betroffenen (Familie/Freunde) und seine gesellschaftlichen Bezüge (Freizeit/Beruf).
Die genetische Komponente kann wissenschaftlich zwar nicht eindeutig erwiesen werden, es wird jedoch angenommen, dass sie bei der Ausbildung einer Sucht eine Rolle spielt. „Auf die Wirkung genetischer Faktoren weisen Familienuntersuchungen hin, nach denen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Familienangehöriger einer alkoholabhän- gigen Person selbst Alkoholprobleme entwickelt, 3-4 mal höher ist als bei einer unbe-
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lasteten Person.“ (Wissenschaftliches Kuratorium der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen 2003, S. 32)
Des Weiteren spielt die Familie als Sozialisationsinstanz und auch als Identifikationsmodell eine wichtige Rolle. Sie bestimmt maßgeblich die persönliche Entwicklung des Kindes mit und ist an den meisten Erfahrungen in der Kindheit beteiligt. Somit kann die Familie auch im Hinblick auf die Entwicklung einer Abhängigkeit sowohl eine schützende aber auch eine gefährdende Rolle darstellen (Zobel, 2006). Kinder die in schwierigen Familienverhältnissen aufgewachsen sind und nur wenige positive Lebenserfahrungen machen konnten, tendieren im Erwachsenenalter häufiger dazu eine Sucht auszubilden (Barnow et al., 2002). Vorgelebte Lernmodelle und Bezugspersonen beeinflussen die Entwicklung des Kindes in hohem Maße. Zudem kann es im Erwachsenenalter noch zu weiteren schwierigen Lebenssituationen kommen, die die Entwicklung einer Abhängigkeit begünstigen wie beispielsweise Konflikte am Arbeitsplatz, Überforderung oder Stress (Bertling, 1993)(Vgl. Kapitel 3.4). Hinzu kommt, dass gerade das Suchtmittel Alkohol in unserer Gesellschaft sehr präsent ist. Alkohol steht als eine legale, leicht zugängliche und gesellschaftlich anerkannte Droge zur Verfügung. Erfahrungen mit Alkohol werden stark durch das Konsumverhalten des Umfeldes geprägt, somit nimmt der Einfluss der Gesellschaft einen hohen Stellenwert ein. Der Konsum von Alkohol ist in das soziale Leben unserer Gesellschaft integriert. Er gehört beispielsweise zu vielen Veranstaltungen dazu und dient oft als „Stimmungsmacher“ der die Geselligkeit steigert (Zobel, 2006). Das Trinken von Alkohol wird dabei meist als positiv und entspannend erlebt. Ein Großteil unserer Gesellschaft akzeptiert den Alkoholkonsum und auch die Massenmedien beeinflussen das Konsumverhalten, indem sie durch Werbung auf gewisse Produkte aufmerksam machen und diese anpreisen. Alkohol wird dadurch in ein positives Licht gerückt (Zimmer, 2005). Hinzu kommt, dass viele Industrieketten durch den Verkauf von Alkohol große Gewinneinnahmen erzielen mit denen sie Arbeitsplätze schaffen und Existenzgrundlagen vieler Menschen sichern (Bertling, 1993). Doch der Übergang von einem „normalen Alkoholgenuss“ zu einem schädlichen „Alkoholmissbrauch“ verschwimmt oft schnell und wird leicht unterschätzt. Das Konsumieren kann somit schnell zur Gewohnheit werden und „der Griff zur Flasche“ wird als eine Bewältigungsstrategie für alltägliche Probleme gewählt (Zimmer, 2005). Trotz der Akzeptanz von Alkohol in unserer Gesellschaft gilt ein übermäßiger Alkoholkon- sum weiterhin als eine stigmatisierte Krankheit und wird oft auf das persönliche Ver-
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sagen eines Betroffenen zurück geführt. Aufgrund dieser negativen Vorurteile sind auch Kinder alkoholabhängiger Eltern(teile) häufig einer schlechten gesellschaftlichen Wertung ausgesetzt. Aus Scham wird so die Alkoholproblematik der Eltern(teile) vor Außenstehenden geheim gehalten und die ohnehin schwierige Lebenssituation der Kinder wird weiter erschwert (Zobel, 2006).
Häufig geht die Alkoholabhängigkeit in unserer Gesellschaft mit einer möglichen Stigmatisierung einher. Der Süchtige wird als arbeitslos, verwahrlost und ungepflegt charakterisiert. Eine Alkoholabhängigkeit kann jedoch in verschiedenen Erscheinungs-formen auftreten (Zobel, 2001), die im Folgenden aufgezählt werden:
• Spiegeltrinker: Alkohol wird über den gesamten Tag hinweg konsumiert, um den Alkoholgehalt im Blut auf einem bestimmten „Spiegel“ zu halten. Dabei ist der Konsum meist kontrolliert und es kommt nicht zu Rauschzuständen. Die Abhängigkeit kann lange unbemerkt bleiben. Wird der gewohnte „Alkoholspiegel“ im Blut unterschritten, so kommt es zu Entzugserscheinungen (z.B. zittern, schwitzen, Unruhe, etc.).
• Rauschtrinker: Betroffene können den Alkohol nicht kontrolliert und in kleinen Mengen konsumieren. Sie haben den starken Drang bis zu einem Vollrausch hin zu trinken. Oft fallen sie durch unangemessenes und unkontrolliertes Verhalten auf.
• Konflikttrinker: Alkohol wird nur in Belastungs- und Konfliktsituationen konsumiert, da der Betroffene über keine anderen Bewältigungsstrategien verfügt. Der Konsum hängt demnach von konfliktbeladenen Umständen und der subjektiven Stimmung ab.
• Periodische Trinker: Diese Form zeichnet sich durch Trinkphasen und Trinkpausen aus. Nach einer trinkfreien Zeit fällt der Betroffene ohne ersichtliche Gründe in einen heftigen und unkontrollierten Konsum. Aufgrund immer wiederkehrender Trinkpausen hält der Betroffene sich selbst meist nicht für ab- hängig.
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Eine Alkoholabhängigkeit kann sich negativ auf die Persönlichkeit und das Verhalten des Süchtigen auswirken. Dabei wird das Denken und Handeln des Betroffenen stark beeinträchtigt und die Abhängigkeit kann nicht mehr vor der sozialen Umwelt verborgen werden (Zobel, 2006). Der Süchtige selbst ist in seiner Wahrnehmung und in seiner Selbsteinschätzung beeinträchtigt und kann Situationen teilweise nicht mehr richtig deuten. Die Sucht wird bagatellisiert oder verleugnet. Der Alkoholkonsum wird dabei zunehmend zur Bewältigung alltäglicher Schwierigkeiten eingesetzt. Der einsetzende Rausch wird als angenehm und erleichternd erlebt (Feuerlein, 2005). Es kann bei dem Betroffenen zudem zunehmend zu psychischen und sozialen Auffälligkeiten kommen und die Erfüllung von Pflichten oder Aufgaben innerhalb des sozialen Umfeldes können dadurch vernachlässigt werden. Das Hauptinteresse des Abhängigen liegt überwiegend auf dem Konsum von Alkohol, Bedürfnisse von Mitmenschen, der Familie oder gegebenenfalls sogar den eigenen Kindern werden dabei nicht mehr wahrgenommen. Die Grundstimmung zeichnet sich durch Passivität und Gleichgültigkeit gegenüber der eigenen Person und der Umgebung aus (Zobel, 2006).
Im Zuge dessen wird im Folgenden auf die Schwierigkeiten einer alkoholbelasteten Familie näher eingegangen, insbesondere auf die problematische Situation der betroffenen Kinder.
2.3 Merkmale einer alkoholbelasteten Familie
Die Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit die nicht nur den Süchtigen selbst beeinflussen kann, sondern auch Angehörige und besonders enge Familienmitglieder. Die Sucht des Betroffenen kann sich grundlegend auf das Zusammenleben in der Familie auswirken. Besonders hart trifft es dabei meist die Kinder. Sie sind den aus der Situation resultierenden, häufig schwierigen familiären Verhältnissen ausgeliefert. Zudem haben besonders die jungen Familienmitglieder mit Stigmatisierungen aus der Gesellschaft zu kämpfen. Aus Schamgefühl werden familiäre Probleme daher häufig verschwiegen. Die aktive Suche nach Ansprechpartnern kann somit völlig ausbleiben. Ebenso kann es zu einer Isolierung von ihrem sozialen Umfeld kommen (Zobel, 2006).
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2.3.1 Die Situation der Kinder
Wie schon erwähnt, besteht ein großes Problem für Kinder suchtkranker Eltern(teile) darin, dass die Sucht als „Familiengeheimnis“ behandelt wird und nicht darüber gesprochen wird. Häufig ist die Krankheit sogar innerhalb der Familie ein Tabuthema. Probleme in der Familie werden keinesfalls auf die Alkoholabhängigkeit der Eltern/des Elternteils zurückgeführt, da es die Sucht offiziell gar nicht gibt (Ehrenfried, 2000). Jedes Familienmitglied weiß zwar von dem Alkoholproblem, dennoch darf es nicht offen angesprochen werden. Es ist vielmehr so, dass der zu hohe Alkoholkonsum des Süchtigen entschuldigt, heruntergespielt oder ungünstigen Umständen (z.B. Stress, ungezogene Kinder, Streit) zugeschrieben wird (Arenz-Greiving, 1998). Kinder, die ihre Eltern trotz allem lieben, versuchen dieser Anforderung gerecht zu werden. Aus Angst es könnte etwas über das „Familienproblem“ heraus kommen und auch aus Schamgefühl vermeiden sie dadurch Situationen in denen ihr Geheimnis enthüllt werden könnte (Lägel, 2008). Dies kann zu einer sozialen Isolation führen. Freundschaften zu Gleichaltrigen können nur schwer oder teilweise gar nicht aufgebaut werden, denn durch sie erhöht sich das Risiko, dass etwas von den Schwierigkeiten Zuhause nach außen dringen könnte. Selbst wenn ein Kontakt zu Gleichaltrigen besteht, werden diese Freunde meist nicht nach Hause eingeladen (Zobel, 2001). Durch die seltenen Kontakte zu anderen Gleichaltrigen ist den Kindern suchtkranker Eltern das Erlernen sozialer Kompetenzen oft nicht möglich und somit auch ein für die Kindesentwicklung wichtiger Sozialisationsfaktor nicht gegeben (Gleißner, 2006). Häufig kommt es vor, dass betroffene Kinder auffälliges und unangemessenes Verhalten zeigen, was wiederum zu weiterer sozialer Abgrenzung führen kann. (Vgl. Kapitel 3) Die Kinder sind somit quasi in einem Kreislauf gefangen aus dem viele ohne professionelle Unterstützung unmöglich wieder herauskommen können (Zobel, 2006). Die Atmosphäre in einer alkoholbelasteten Familie ist oft durch einen häufigen und unvorhersehbaren Stimmungswechsel des Suchtkranken gekennzeichnet. Für die Kinder alkoholabhängiger Eltern(teile) ist es schwierig sich daran anzupassen. Sie versuchen sich unauffällig zu verhalten und den Erwartungen der Eltern gerecht zu werden (Quast, 2006). Sie leben in einer ständigen Ungewissheit und können nie genau abschätzen wie die Reaktion beziehungsweise die Stimmung der Eltern oder des betroffenen Elternteils gerade ist. Eigene Empfindungen und Bedürfnisse werden daher meist nicht geäußert oder sogar gänzlich unterdrückt (Quast, 2006). Der familiäre All-
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tag dreht sich mehr und mehr um die Sucht des Abhängigen und seine Bedürfnisse. Dadurch kann es im Familienleben an Stabilität, Struktur, Sicherheit, Geborgenheit und Zuneigung fehlen. Das Kind gerät in den Hintergrund, seine Not, seine Ängste und seine Fragen bleiben unbeachtet (Lägel, 2008). Meist unzählig gebrochene Versprechungen zeigen dem Kind, dass es sich auf Aussagen nicht verlassen kann. Hinzu kommt -wie schon erwähnt-, dass die Alkoholsucht in der Familie als ein Tabuthema behandelt wird. Besonders nach außen hin werden Tatsachen verleugnet (Quast, 2006). Hierbei kann von dem Kind erlernt werden, dass Wahrheit keinen hohen Stellenwert hat. Lügen können mit der Zeit zur Selbstverständlichkeit oder sogar zur Gewohnheit werden (Arenz-Greiving, 1998). Dies kann soweit führen, dass auch in Situationen gelogen wird, in denen dies gar nicht nötig wäre und die Wahrheit keine Nachteile nach sich ziehen würde (Arenz-Greiving, 1998). Kinder alkoholkranker Eltern sind schon früh gezwungen Verantwortung zu übernehmen und Aufgaben zu bewältigen denen sie meist noch gar nicht gewachsen sind (Vgl. 2.3.2). Dadurch können sie schnell überfordert werden und ihrer zugeschriebenen Rolle aufgrund ihres Entwicklungsstandes langfristig nicht gerecht werden (Arenz-Greiving, 1998).
Viele alkoholabhängige Eltern(teile) handeln oft widersprüchlich (Puhm, 2003). Während sie im nüchternen Zustand liebevoll und fürsorglich sein können, reagieren sie im betrunkenen Zustand plötzlich mit Desinteresse, unbeherrscht und manchmal sogar mit körperlicher und verbaler Aggression (Puhm, 2003). Dem Kind fehlt es dadurch an Orientierungshilfen. Auch hier erfüllen die Eltern ihre Vorbildfunktion nicht. Das Kind wächst somit zum Teil ohne klare Strukturen, Regeln oder Grenzen auf an denen es sich orientieren könnte (Klein und Zobel, 2001).
2.3.2 Rollenmodelle
In einem Familiensystem hat jedes Familienmitglied eine bestimmte Rolle, die maßgeblich zur Sozialisation der Kinder in einer Familie beiträgt (Ehrenfried et al., 2000). Durch die Schwierigkeiten die sich aufgrund der Alkoholabhängigkeit eines Elternteils ergeben können, verändern sich auch die Rollen innerhalb des Familiensystems (Arenz-Greiving, 1998). Jedes Mitglied muss Aufgaben und Funktionen des Suchtkranken mit tragen. Für die Kinder bedeutet dies häufig auch die Übernahme von Auf- gaben, denen sie unter Umständen noch gar nicht gewachsen sind. Um in dieser belas-
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tenden Situation zu bestehen, entwickeln die betroffenen Kinder meist entsprechende Strategien um mit ihnen umgehen, sich anpassen oder sich selbst schützen zu können (Zobel, 2006).
In verschiedenen Untersuchungen wurden mögliche Rollen von Kindern alkoholkranker Eltern(teile) untersucht. So entwickelte z.B. Lambrou (1990) die im Folgenden vorgestellten Rollenmodelle. Einige ähnliche Konzepte gibt es auch von Wegscheider (1988), Ackermann (1987) und Black (1988), die sich von den hier vorgestellten Rollen jedoch nur gering unterscheiden und daher nicht weiter spezifiziert werden (Zobel, 2006).
1. Der Held: Die Rolle des Helden hat meist das älteste Kind in einer Suchtfamilie inne. Ein Kind mit dieser Rolle übernimmt häufig die Verantwortung für andere. Ein Held im Allgemeinen ist gut darin, Dinge zu organisieren und Konflikte zu lösen. Der Familienheld ist sozial kompetent, kann sich gut ausdrücken, ist pflichtbewusst und äußerst zuverlässig. Der Held selbst hat gelernt, dass er sich nur auf sich selbst verlassen kann. Solche Kinder werden dadurch nicht selten zu „Ersatzpartnern“ für den nicht trinkenden Elternteil. Manchmal werden sie sogar „Ersatzelternteil“ für Geschwisterkinder, indem sie sowohl den Süchtigen selbst als auch die übrigen Familienmitglieder versorgen. Ein Familienheld ist sehr selbstständig, vergisst jedoch dabei häufig sich selbst und die eigenen Bedürfnisse. Er sucht durch Erfolge (z.B. schulische, sportliche) nach Bestätigung, Lob und Anerkennung. Durch den Versuch perfekt zu sein, können sich Perfektionismus oder sogar Zwangsstörungen entwickeln (Zobel, 2006).
2. Das Chamäleon: Auch hier ist die erlebte Situation in der Suchtfamilie der Grund, warum das Kind beginnt, sich wie ein Chamäleon (sich tarnen, sich unsichtbar machen) zu verhalten. Da die familiäre Situation häufig nicht berechenbar ist, entwickelt das Kind ein sensibles Gespür für die aktuelle Stimmungslage in der Familie. Das Grundlegende dabei ist, rechtzeitig zu erkennen, welches Verhalten jetzt gerade am wenigsten zu Problemen führen wird. Da Menschen unter Suchtmitteleinfluss häufig sehr emotional reagieren können, erscheint diese Strategie für das Kind als sinnvoll, insbesondere wenn der trinkende Elternteil zwischen aggressiven Ausbrüchen und liebevoller Zuwendung schwankt. Das Chamäleon muss also lernen, seine Mitmenschen besonders gut einzuschätzen. Denn es muss rechtzeitig
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erkennen wie es sich verhalten muss, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Es passt sich der Situation an. Kinder mit dieser Rolle bemühen sich nach Möglichkeit darum, nicht aufzufallen und wirken im Einzelkontakt für den Anderen meist sehr angenehm. Diese Kinder haben meist zu vielen Dingen keine eigene Meinung und wagen es nicht, sich anderen Personen mit ihrer eigenen Persönlichkeit zu zeigen. Dabei fühlen sie sich häufig nicht gesehen, nicht akzeptiert und nicht wertgeschätzt. Ein starkes Gefühl der Einsamkeit ist meist die Folge. (aus einem Vortrag von Frau Knecht zum Thema „Alkoholismus“ in den Kliniken Daun Thommener Höhe im März 2011).
3. Der Sündenbock: Da es in einer Suchtfamilie zu wenig Aufmerksamkeit für die Kinder kommen kann, da sich alles um die Sucht (z.B. Beschaffung des Suchtmittels, Rausch, Verheimlichung, Streit) dreht, entwickelt ein Kind bei der Übernahme dieser Rolle eine Strategie, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Es wird auffällig. So kann es zum Beispiel in der Schule ständig Ärger haben, schlechte Leistungen zeigen oder Schwierigkeiten mit anderen Kindern herausfordern. Dieses Verhalten hat den Effekt, dass man das Kind nicht mehr ignorieren kann. Durch das auffällige Verhalten werden die Eltern gezwungen, sich zumindest kurzzeitig dem Kind zuzuwenden. Auch wenn dies nicht die Art von Aufmerksamkeit sein mag, die sich das Kind insgeheim wünscht, so ist diese negative Aufmerksamkeit besser als gar nicht beachtet zu werden (Ehrenfried et al., 2000). Die Familie nimmt ein auffälliges Verhalten zudem unbewusst gerne an, denn durch die Schwierigkeiten mit dem Kind kann das eigentliche Problem der Sucht überspielt werden und die Familie kann damit entschuldigen, dass der abhängige Elternteil trinkt. So scheinen beide Seiten etwas von den Auffälligkeiten des Kindes zu haben, obwohl alle Beteiligten darunter eher leiden (Wegscheider, 1989). Wird ein solches Kind erwachsen, ist das erlernte Muster häufig so stark eingeprägt, dass es weiterhin versucht, Aufmerksamkeit durch unliebsames Verhalten zu bekommen. Dies tritt insbesondere dann ein, wenn es scheint, dass auf andere Art die Aufmerksamkeit nicht erlangt werden kann. So kann sich exzentrisches Verhalten mit der Folge entwickeln, dass die betroffene Person durch ihr Verhalten immer wieder bei ande- ren aneckt (Zobel, 2006).
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4. Das verlorene Kind: Ein solches Kind versucht sich möglichst unsichtbar zu machen, in dem es allen Problemen aus dem Weg geht (Ehrenfried et al., 2000). Es beschäftigt sich viel mit sich selbst. Sind Andere in der Nähe spricht es möglichst wenig und hält sich zurück. Dieses Verhalten sorgt dafür, dass ihm nur wenig Beachtung und Anerkennung wiederfährt, wodurch diese Kinder nur schlecht ein individuelles Selbstwertgefühl entwickeln können (Ehrenfried et al., 2000). Auch als Erwachsener geht das verlorene Kind weiterhin jedem Konflikt aus dem Weg. Es hofft darauf, dass sich die Dinge von alleine regeln werden. Es entwickelt eine eher passive Grundeinstellung, wodurch Vermeidungstendenzen und Schwierigkeiten bei Entscheidungen oder gar Depressionen entstehen können (Wegscheider, 1989). Da Kinder mit dieser Rolle meist wenig Aufmerksamkeit bekommen haben, reden sie nur selten über sich selbst (Wegscheider, 1989). Sie sind oft der Meinung, dass man sie nicht gern haben könnte, sollten die Anderen erfahren, wie sie wirklich sind (Ehrenfried et al., 2000). So können sie sich zu Menschen mit einem Hang zum Einzelgängertum entwickeln, was Einsamkeit und das Gefühl nicht geliebt zu werden zur Folge haben kann. Auch um Hilfe können sie meist nur schlecht bitten (Arenz-Greiving, 1998).
5. Der Clown: Diese Rolle wird meistens von dem jüngsten Kind einer Familie ausgefüllt. Der Clown ist eine Art Sonnenschein der Familie. Er ist immer gut gelaunt und fröhlich. Ein Kind mit dieser Rolle lebt scheinbar in einer ganz unbeschwerten Welt. Probleme scheint es nicht zu kennen. Ältere Geschwister sind häufig sehr darum bemüht, das jüngste Familienmitglied vor den unangenehmen Verhältnissen in der Familie zu schützen (Ehrenfried et al., 2000). So sorgen sie z.B. dafür, dass „der Sonnenschein“ den betrunkenen Elternteil nicht zu Gesicht bekommt, gehen mit ihm spielen, wenn es bei den Eltern zu Streitigkeiten kommt und erzählen, dass es eigentlich keine Schwierigkeiten in der Familie gibt (Wegscheider, 1989). Aber natürlich bekommt auch der Clown etwas von den familiären Problemen mit. Im Gegensatz zu den anderen Familienmitgliedern kann er jedoch die Ursache nicht benennen. Eine dadurch entstehende Ungewissheit sorgt dann für eine innere, sich aufbauende Anspannung des Kindes. Kinder mit dieser Rolle können eine übersprudelnde Lebendigkeit entwickeln, die bis zur Hyperaktivität reichen kann (Wegscheider, 1989). Das Kind lernt durch dieses Verhalten zudem, dass durch Lustigkeit und Albernheit Aufmerksamkeit von Anderen erlangt werden kann. So
Arbeit zitieren:
Anja Esch, 2011, Kinder alkoholabhängiger Elternteile, München, GRIN Verlag GmbH
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Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
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