P2P-Kreditmärkte als Finanzintermediäre
Eine empirische Analyse deutscher P2P-Kreditmärkte zur
Beurteilung der Eignung als Finanzintermediäre
Dissertation
zur Erlangung der Würde eines Doktors der Staatswissenschaften
vorgelegt der
Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel
von Dominik Faßbender
von Münster, Deutschland
GRIN Verlag GmbH
München, 2012
Genehmigt von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel auf
Antrag von Prof. em. Dr. Henner Schierenbeck und Prof. Dr. Pascal Gantenbein.
Basel, den 06. Januar 2012
Der Dekan
Prof. Dr. George Sheldon
III
Geleitwort
Das Internet und die mit ihm verbundenen Möglichkeiten veränderten das Privatkun-
dengeschäft deutscher Banken im Kreditbereich bisher nur wenig. Lediglich als zusätz-
licher Vertriebskanal genutzt, wurden ansonsten Kreditprozesse und Kreditprodukte
unverändert beibehalten.
Durch die in dieser Arbeit untersuchten P2P-Kreditmärkte wurde dagegen eine neue
Form der Kreditvergabe im Internet geschaffen, die den Versuch unternimmt, die Dis-
tanz zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern zu verringern und damit Banken in
ihrer Funktion als Finanzintermediäre überflüssig werden zu lassen. Erst das Internet
ermöglichte dieser Idee der direkten Kreditvergabe einen zentralen und öffentlich zu-
gänglichen Ort zu geben, sodass auch abseits des persönlichen Privatbereiches Kredit-
verträge zwischen Privatpersonen geschlossen werden können.
Ob diese neue Form der Kreditvergabe gegen die bestehende und im Laufe der Zeit
immer weiter optimierte Bankpraxis bestehen kann ist daher nicht nur wissenschaftlich
höchst interessant, sondern hat auch große praktische Bedeutung für das Bankgeschäft
der Zukunft.
Der übergeordneten Fragestellung dieser Arbeit, ob P2P-Kreditmärkte mit ihrer Art und
Weise der Finanzintermediation eine funktionierende Kreditvergabe ermöglichen kön-
nen, wird anhand einer empirischen Analyse der beiden deutschen P2P-Kreditmärkte
auxmoney und smava nachgegangen. Der Verfasser legt dabei die Schwerpunkte der
Untersuchungen auf die Finanzintermediationsfunktionen der Information und der Risi-
kotransformation sowie auf die insgesamt durch die Kreditvergabe entstehenden Trans-
aktionskosten. Durch Regressionsanalysen der gestellten Kreditanträge bzw. der ge-
schlossenen Kreditverträge sowie einer Umfrage unter den Teilnehmern der P2P-
Kreditmärkte gelingt es dem Verfasser ein detailliertes und umfangreiches Gesamtbild
der in Deutschland vergebenen P2P-Kredite zu zeichnen. Die Ergebnisse der vorliegen-
den Arbeit zeigen dabei Stärken und Schwächen der P2P-Kreditvergabe auf, die nach
einer abschließenden Bewertung auch die Grundlage für erste Ideen einer Weiterent-
wicklung bilden.
Mit der vorliegenden, ersten umfassenden Arbeit über deutsche P2P-Kreditmärkte ge-
lingt es dem Autor diese Innovation auf dem privaten Kreditmarkt aus einem wissen-
schaftlich fundierten Blickwinkel heraus zu untersuchen. Die grundsätzliche Frage der
Vorteilhaftigkeit einer Intermediation bei Kreditgeschäften erhält dadurch eine neue,
zusätzliche Komponente. Es ist damit der Grundstein für weitergehende wissenschaftli-
che Untersuchungen der P2P-Kreditmärkte gelegt. Darüber hinaus liefern die Ergebnis-
se der Untersuchungen praktisch höchst relevante Erkenntnisse nicht nur für die Teil-
IV
nehmer der P2P-Kreditmärkte, sondern auch für die P2P-Kreditmärkte selbst. Es ist zu
wünschen, dass hierdurch eine Verbesserung der P2P-Kreditmärkte angeregt wird, mit
der das Potential der direkten Kreditvergabe über das Internet noch besser genutzt wird.
Basel, im Februar 2012
Henner Schierenbeck
V
Vorwort
Über das Internet einen Kreditantrag zu veröffentlichen und sich Geld von anderen
Privatpersonen zu leihen bzw. als Kreditgeber eben diese zu finanzieren, ruft bei vielen
Personen im ersten Moment eine gewisse Skepsis hervor, die zumeist in der Frage mün-
det: Kann das überhaupt funktionieren? Der Wunsch, eine wissenschaftlich fundierte
Antwort auf diese Frage zu finden hat mich nicht mehr losgelassen und zu der vorlie-
genden Arbeit geführt.
Dass meine Suche nach einer Antwort überhaupt möglich wurde, ist an erster Stelle
meinem Doktorvater Herrn Prof. em. Dr. Dres. h. c. Henner Schierenbeck zu verdanken,
der mich von der ersten Idee bis hin zur fertigen Arbeit in meinem Ansinnen stets unter-
stützt und durch kritische Diskussionen und die daraus resultierenden Anregungen maß-
geblich zur Verbesserung der Dissertation beigetragen hat. Ebenfalls danken möchte ich
Herrn Prof. Dr. Pascal Gantenbein, der freundlicherweise das Zweitgutachten für meine
Arbeit übernommen hat.
Mein ganz besonderer Dank gilt an dieser Stelle meinen Freunden und Kollegen Herrn
Dipl.-Wirt. Inform. Jochen Olejnik und Herrn Dipl.-Kfm. David Roschke, die sich nicht
von dem Umfang der Arbeit haben abschrecken lassen und durch ihr Komplettreview
überaus hilfreiche Verbesserungsvorschläge gemacht haben. Ebenfalls wertvolle Denk-
anstöße und Diskussionen habe ich Herrn Dr. Holger Müller, Herrn Dipl-Kfm. Jörg
Howein und Herrn Dr. Jan Hendrik Broxtermann zu verdanken. Gleichfalls danken
möchte ich Frau Dipl.-Kffr. Silke Rahe, dank derer ich so manchen Rechtschreib- und
Formatierungsfehler ausbessern konnte. Für Ihre Geduld und Freundlichkeit bei allen
organisatorischen und formalen Fragen danke ich außerdem Frau Yvonne Mery und
Frau Marianne Ryser von der Universität Basel ganz herzlich.
Eine empirische Arbeit zu schreiben, ohne über eine entsprechende Datenbasis zu ver-
fügen, ist undenkbar. Mein Dank gilt daher der auxmoney GmbH und insbesondere
Herrn Philip Kamp und Herrn Maik Ernst, die mir freundlicherweise die Daten ihres
P2P-Kreditmarktes auxmoney für die vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen
zur Verfügung stellten und auch nicht müde wurden meine zahlreichen Fragen zu be-
antworten. Auch der smava GmbH in Person von Herrn Alexander Artopé sei gedankt,
die mir eine Verwendung der Daten aus dem Onlinearchiv von smava erlaubten. Um die
Kreditausfälle auf dem P2P-Kreditmarkt smava untersuchen zu können bedanke ich
mich auch ganz herzlich bei Herrn Claus Lehmann, von dem ich die von den Anlegern
über seine Internetseite
www.wiseclerk.com
gemeldeten Ausfälle erhielt. Zuletzt richtet
sich auch mein Dank an die Teilnehmer an meiner Onlineumfrage mit deren Antworten
ich meine Hypothesen überprüfen konnte.
VI
Nach so vielen Worten des Dankes fehlen am Ende noch zwei Menschen ohne die diese
Arbeit wohl nie enstanden wäre: Meine Eltern Angelika und Klaus Faßbender. Erst
durch ihre Unterstützung und Förderung war es mir möglich, mich privat wie beruflich
weiterzuentwickeln und den Spaß und die Neugier an wissenschaftlichen Themen zu
entdecken. Sie haben stets an mich geglaubt und mich insbesondere in schwierigen
Phasen der Dissertation motiviert weiterzumachen. Ihnen sei diese Arbeit gewidmet.
Münster, im Februar 2012
Dominik Faßbender
VII
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
XV
Abbildungsverzeichnis
XVII
Tabellenverzeichnis
XXI
Einleitung
1
Erster Teil:
P2P-Kreditmärkte als Intermediäre bei der
Privatkreditvergabe
5
A.
P2P-Kreditmärkte
5
I.
Grundlagen und begriffliche Abgrenzung
5
1.
Einführende Beschreibung und Charakterisierung
5
a)
Funktionsweise
5
b)
Eigenverständnis
6
2.
Einordnung als elektronische Marktplätze
8
a)
Anwendbarkeit des Begriffs ,,elektronischer Marktplatz"
8
b)
Spezifikation der Markteigenschaften
9
3.
Definitionsbildung
12
a)
P2P-Kredit
12
b)
P2P-Kreditmarkt
13
II.
Deutsche P2P-Kreditmärkte
13
1.
Detaillierte Beschreibung des Kreditprozesses
14
a)
auxmoney
14
b)
smava
20
2.
Klassifizierung und Vergleich mit P2P-Kreditmärkten weltweit
28
a)
Marktausrichtung
29
b)
Prozessgestaltung
30
c)
Informationsmanagement
33
III.
Stand der wissenschaftlichen Forschung
34
1.
Veröffentlichungen über die P2P-Kreditmärkte Zopa (GB) und
Prosper (USA)
35
Inhaltsverzeichnis
VIII
a)
Hulme und Wright, ,,Internet Based Social Lending: Past,
Present and Future"
35
b)
Herzenstein et al, ,,The democratization of personal consumer
loans? Determinants of success in online peer-to-peer loan
auctions"
35
c)
Freedman und Jin, ,,Do Social Networks Solve Information
Problems for Peer-to-Peer Lending? Evidence from
Prosper.com"
36
d)
Berger und Gleisner, ,,Emergence of Financial Intermediaries on
Electronic Markets: The Case of Online P2P Lending"
37
e)
Pope und Sydnor, ,,What`s in a Picture? Evidence of
Discrimination from Prosper.com"
38
f)
Ravina, ,,Love & Loans: The Effect of Beauty and Personal
Characteristics in Credit Markets"
39
g)
Iyer et al., ,,Screening In New Credit Markets Can Individual
Lenders Infer Borrower Creditworthiness in Peer-to-Peer
Lending?"
40
2.
Veröffentlichungen über den deutschen P2P-Kreditmarkt smava
41
a)
Blaesi, ,,P2P Kredite Marktplätze für Privatkredite im
Internet"
41
b)
Böhme und Pötzsch, ,,Social Lending aus der Perspektive des
Datenschutzes"
41
c)
Böhme und Pötzsch, ,,Collective Exposure: Peer Effects in
Voluntary Disclosure of Personal Data"
42
B.
Finanzintermediation
43
I.
Grundlagen der Finanzintermediation
43
1.
Intermediation auf unvollkommenen Finanzmärkten
43
a)
Definition des Finanzintermediärs
43
b)
Funktionale Betrachtung der Finanzintermediation
45
2.
Begründung für die Existenz von Finanzintermediären
47
a)
Übersicht ausgewählter Erklärungsansätze
47
b)
Praktische Analyse von Intermediation auf Finanzmärkten
49
II.
Finanzintermediation durch deutsche P2P-Kreditmärkte
50
1.
Finanzintermediationssystem und daran beteiligte Organisationen
50
Inhaltsverzeichnis
IX
2.
Erfüllung der Finanzintermediationsfunktionen
52
a)
Zahlungssystemfunktion
52
b)
Losgrößentransformation
53
c)
Fristentransformation
53
d)
Risikotransformation
53
e)
Informationsfunktion
54
3.
Interpretation der bisherigen Ergebnisse
55
III.
Offene Fragen zur Finanzintermediationsfähigkeit deutscher P2P-
Kreditmärkte
56
1.
Informationen
57
2.
Risiken
59
3.
Kosten und Erträge
60
C.
Privatkredite
62
I.
Bedarf und Verwendung von Informationen in Kreditbeziehungen
62
1.
Prinzipal-Agent-Theorie als Modell der Beziehung zwischen
privatem Kreditgeber und Kreditnehmer
63
a)
Einführung
63
b)
Informationsasymmetrien
64
2.
Lösungsansätze für Probleme in Prinzipal-Agent-Beziehungen
66
a)
Allgemeine Lösungsansätze und -übersicht
66
b)
Abbau der Informationsasymmetrie
68
c)
Änderung der Nutzenfunktion des Agenten
70
3.
Entscheidungsfindung von Privatpersonen bei Kreditfinanzierungen
72
a)
Informationen als Grundlage einer Entscheidung
72
b)
Begrenzte Rationalität der Entscheider bei der Anwendung von
Heuristiken
73
II.
Identifikation und Umgang mit Risiken aus Sicht eines Kreditgebers
74
1.
Entstehung von Risiken und deren Management
75
a)
Unsicherheitssituationen und Risiko
75
b)
Risikoanalyse
76
c)
Risikopolitik
77
2.
Spezielle Betrachtung des Kreditrisikos
78
Inhaltsverzeichnis
X
a)
Ausfallrisiko vs. Bonitätsrisiko
78
b)
Risikomessung und -politik des Ausfallrisikos
79
3.
Schätzung der Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten mithilfe von
Scoring
82
a)
Grundlagen zu Scoring/Rating
82
b)
Schätzverfahren
83
III.
Profitabilität eines Kreditgeschäfts
86
1.
Transaktionskosten als Beurteilungsmaßstab für den Kreditprozess
als Ganzes
87
2.
Krediteinzelgeschäftskalkulation einer Bank
89
a)
Deckungsbeitragsrechnung
89
b)
Barwertermittlung mit der Marktzinsmethode
92
3.
Berechnung des Effektivzinses nach der Preisangabenverordnung
95
Zweiter Teil:
Empirische Analyse der P2P-Kreditmärkte smava und
auxmoney
99
A.
Bedeutung und Verwendung einzelner Informationen
99
I.
Strukturierung der verfügbaren Informationen und Bewertung durch die
Marktteilnehmer
99
1.
Kreditspezifische Informationen
99
a)
Allgemeine Systematisierung
99
b)
Öffentliche kreditspezifische Informationen
100
c)
Nicht öffentliche kreditspezifische Informationen
103
d)
Bereitstellung zusätzlicher Informationen
104
2.
Kreditübergreifende Informationen
105
II.
Informationsverwendung der Kreditgeber bei der Kreditsuche
108
1.
Prozess der Kreditauswahl
109
2.
Bedeutung spezifischer Informationen
111
3.
Vorgehen bei der Risikoschätzung
115
III.
Statistische Analyse der Finanzierungswahrscheinlichkeit eines
Kreditantrags
118
1.
Deskriptive Analyse
119
a)
smava
119
b)
auxmoney
128
Inhaltsverzeichnis
XI
2.
Regressionsmodell
140
a)
smava
141
b)
auxmoney
147
B.
Geschätztes und beobachtetes Kreditausfallrisiko
154
I.
Statistische Analyse des Zinsaufschlags auf den risikolosen Zinssatz
154
1.
Deskriptive Analyse
155
a)
smava
155
b)
auxmoney
158
2.
Regressionsmodell
161
a)
smava
161
b)
auxmoney
165
II.
Statistische Analyse der realisierten Kreditausfälle
168
1.
Deskriptive Analyse
169
a)
smava
169
b)
auxmoney
176
2.
Regressionsmodell
184
a)
smava
185
b)
auxmoney
192
III.
Gegenüberstellung und Vergleich der Analyseergebnisse
197
1.
Ausfallquoten im Vergleich
197
a)
smava
198
b)
auxmoney
204
2.
Unterschiede in der Bedeutung einzelner Informationen für die
Ausfallquoten und die Annahmewahrscheinlichkeit
209
a)
smava
210
b)
auxmoney
214
C.
Quantifizierung des Nutzens von P2P-Krediten
217
I.
Identifikation privater Kosten und Erträge
217
1.
Monetäre Betrachtung
218
2.
Nicht monetäre Betrachtung
224
II.
Finanzielle Vorteilhaftigkeit für Privatpersonen
228
1.
Nettozinsmarge nach Risikokosten (Kreditgeber)
229
Inhaltsverzeichnis
XII
a)
smava
229
b)
auxmoney
239
2.
Effektivzinssatz (Kreditnehmer)
245
a)
smava
245
b)
auxmoney
246
III.
Deutsche P2P-Kreditmärkte aus Unternehmersicht
248
1.
Geschäftsmodell
248
2.
Einnahmen aus P2P-Krediten
251
Dritter Teil:
Beurteilung der empirischen Ergebnisse und Aufzeigen von
zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten deutscher P2P-
Kreditmärkte
255
A.
Interpretation der Ergebnisse aus den empirischen Analysen
255
I.
Finanzintermediation durch deutsche P2P-Kreditmärkte
255
1.
Informationsfunktion
255
2.
Risikotransformationsfunktion
258
3.
Transaktionskosten
262
II.
Vor- und Nachteile aus Sicht der Beteiligten
263
1.
Kreditnehmer
264
2.
Kreditgeber
266
3.
P2P-Kreditmarkt
269
III.
Status quo der deutschen P2P-Kreditmärkte
271
1.
smava
271
2.
auxmoney
275
B.
Mögliche Veränderungen deutscher P2P-Kreditmärkte und daraus
resultierende Verbesserungen in der P2P-Kreditvergabe
277
I.
Optimierung der P2P-Kreditmärkte smava und auxmoney
277
1.
Marktmodell
277
2.
Kreditprozess
278
3.
Produkt
279
4.
Zielgruppe
281
II.
Alternative Ansätze zur Intermediation bei P2P-Krediten
282
1.
Umlage und Reduzierung der Transaktionskosten auf Kreditnehmer
und Kreditgeber
282
Inhaltsverzeichnis
XIII
2.
Verringerung der Informationsintermediation
283
3.
Umgang mit dem Ausfallrisiko von P2P-Krediten
286
III.
Änderungen der Rahmenbedingungen für P2P-Kreditmärkte
289
1.
Rechtliche Situation von privaten Kreditgebern und der P2P-
Kreditmärkte
289
2.
Steuerliche Behandlung von P2P-Krediten
291
3.
Einfluss soziotechnologischer Veränderungen
292
C.
Beurteilung und Zukunft der P2P-Kreditmärkte in Deutschland
294
I.
Markt- und Wettbewerbsanalyse
294
1.
Abgrenzung des relevanten Absatzmarkts für P2P-Kredite
294
2.
smava und auxmoney im Wettbewerb
297
II.
Zukunftsszenarien für P2P-Kreditmärkte in Deutschland
299
1.
Der P2P-Kreditmarkt als Kreditbörse
299
2.
Finanzintermediation 2.0 Privatpersonen als aktive Vertragspartner 302
III.
Deutsche P2P-Kreditmärkte als Finanzintermediäre
303
1.
Abschließende Beurteilung der Finanzintermediationsfähigkeit durch
deutsche P2P-Kreditmärkte
304
2.
Prognose der weiteren Entwicklung von smava und auxmoney
305
Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
309
Literaturverzeichnis
315
Anhang
333
XV
Abkürzungsverzeichnis
AGB
Allgemeine Geschäftsbedingungen
AUX-KG
auxmoney-Kreditgeber
AUX-KN
auxmoney-Kreditnehmer
B2B
Business-to-Business
B2C
Business-to-Consumer
bspw.
beispielsweise
c. p.
ceteris paribus
C2B
Consumer-to-Business
C2C
Consumer-to-Consumer
ca.
circa
CF
Cashflow
CVaR
Credit Value-at-Risk
d. h.
das heißt
DB
Deckungsbeitrag
EL
Expected Loss
et al.
et alii
etc.
et cetera
evtl.
eventuell
ggf.
gegebenenfalls
i. d. R.
in der Regel
i. e. S.
im engeren Sinne
Abkürzungsverzeichnis
XVI
i. w. S.
im weiteren Sinne
inkl.
inklusive
ISMA
International Securities Market Association
KDF
Kapitaldienstfähigkeit
Kfz
Kraftfahrzeug
LGD
Loss given Default
max.
maximal
p. a.
per annum
P2P
hier: Peer-to-Peer;
in Praxis und Literatur auch: Person-to-Person, People-to-People
PD
Probability of Default
s. o.
siehe oben
s. u.
siehe unten
SMAVA-KG smava-Kreditgeber
SMAVA-KN smava-Kreditnehmer
sog.
sogenannte (-r/-s)
u. a.
unter anderem
UL
Unexpected Loss
VaR
Value-at-Risk
VIF
Variance Inflation Factor
z. B.
zum Beispiel
zzt.
zurzeit
XVII
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1:
Gestaltungsdimensionen elektronischer Marktplätze
9
Abbildung 2:
P2P-Kredite nach Teilnehmerbeziehungen
10
Abbildung 3:
Kreditphasen auf deutschen P2P-Kreditmärkten
13
Abbildung 4:
Ratenzahlung für lebende und ausgefallene Kredite (smava)
27
Abbildung 5:
Klassifizierungskategorien von P2P-Kreditmärkten
28
Abbildung 6:
Beteiligte Akteure bei P2P-Krediten inklusive der Informations-
und Zahlungsströme
51
Abbildung 7:
Systematisierung der Modelle zur Bonitätsbeurteilung
84
Abbildung 8:
Absolute Anzahl und prozentualer Anteil vollständig finanzierter
Kreditanträge im Zeitverlauf (smava-Kreditanträge)
125
Abbildung 9:
Absolute Anzahl und prozentualer Anteil vollständig finanzierter
Kreditanträge im Zeitverlauf (auxmoney)
137
Abbildung 10:
Histogramm des Aufschlags auf den risikolosen Zinssatz (smava) 155
Abbildung 11:
Boxplot des Aufschlags auf den risikolosen Zinssatz für die
SCHUFA-Bonitätskategorien inkl. Mittelwerte (smava)
156
Abbildung 12:
Differenz zwischen Nominalzinssatz und risikolosem Zinssatz im
Zeitverlauf (smava)
157
Abbildung 13:
Histogramm des Aufschlags auf den risikolosen Zinssatz
(auxmoney)
158
Abbildung 14:
Boxplot des Aufschlags auf den risikolosen Zinssatz für die
SCHUFA-Bonitätskategorien inkl. Mittelwerte (auxmoney)
160
Abbildung 15:
Ausfallquoten nach SCHUFA-Bonitätskategorien (smava)
172
Abbildung 16:
Ausfallquoten nach KDF-Indikator (smava)
172
Abbildung 17.
Monatliche Ausfallquote der Kredite mit einer aktuellen Laufzeit
von mindestens 24 Monaten (smava)
174
Abbildung 18:
Monatliche Ausfallquote und zugehörige Datenbasis (smava)
175
Abbildung 19:
Monatliche Ausfallquote der Kredite mit einer aktuellen Laufzeit
von mindestens 15 Monaten (auxmoney)
183
Abbildung 20:
Monatliche Ausfallquote und zugehörige Datenbasis (auxmoney) 184
Abbildung 21:
Boxplot der Zinsaufschläge für einzelne Kategorien der
geschätzten Ausfallwahrscheinlichkeit bezogen auf die ersten 15
Monate der Kreditlaufzeit (smava)
199
Abbildungsverzeichnis
XVIII
Abbildung 22:
Realisierte und auf Basis der Regressionsgleichung geschätzte
kumulierte Ausfallquote nach aktueller Kreditlaufzeit (smava)
203
Abbildung 23:
Boxplot der Zinsaufschläge für einzelne Kategorien der
geschätzten Ausfallwahrscheinlichkeit bezogen auf die ersten 15
Monate der Kreditlaufzeit (auxmoney)
205
Abbildung 24:
Realisierte und auf Basis der Regressionsgleichung geschätzte
kumulierte Ausfallquote nach aktueller Kreditlaufzeit (auxmoney) 208
Abbildung 25:
Zustimmung/Ablehnung der Kreditgeber mit in Verzug
befindlichen und/oder ausgefallenen P2P-Krediten zu der Aussage
,,Ich habe mich geärgert."
227
Abbildung 26:
Entwicklung von realer (bis Oktober 2010) und geschätzter
Poolquoten (bis März 2015) für den Pool C60
231
Abbildung 27:
Nettozinsmarge nach Risikokosten in Bezug auf den
Nominalzinssatz (smava)
236
Abbildung 28:
Boxplot der jährlichen Nettozinsmarge nach Risikokosten einer
500 EUR Investition für Kredite mit 36 Monaten Laufzeit (links)
und 60 Monaten Kreditlaufzeit (rechts) (smava)
237
Abbildung 29:
Nettozinsmarge nach Risikokosten einer 500 EUR Investition nach
Finanzierungsmonat (smava)
238
Abbildung 30:
Boxplot der jährlichen Nettozinsmarge nach Risikokosten einer
500 EUR Investition (auxmoney)
243
Abbildung 31:
Nettozinsmargen nach Risikokosten in Bezug auf den
Finanzierungsmonat einer 500 EUR Investition (auxmoney)
244
Abbildung 32:
Effektivzinsatz nach PAngV (links) und Differenz zwischen dem
Effektivzinssatz nach PAngV und dem Nominalzinssatz (rechts)
(smava)
246
Abbildung 33:
Effektivzinssatz nach PAngV (links) und Differenz zwischen dem
Effektivzinssatz nach PAngV und dem Nominalzinssatz (rechts)
(auxmoney)
247
Abbildung 34:
Effektivzinssatz nach eigener Berechnung (links) und Differenz
zwischen Effektivzinssatz nach eigener Berechnung und
Nominalzinssatz (rechts) (auxmoney)
248
Abbildung 35:
Über den P2P-Kreditmarkt smava abgeschlossenes Kreditvolumen
pro Monat in EUR
297
Abbildung 36:
Über den P2P-Kreditmarkt auxmoney abgeschlossenes
Kreditvolumen pro Monat in EUR
298
Abbildungsverzeichnis
XIX
Abbildung 37:
Beispiel eines Kreditantrags (auxmoney) (Teil 1)
390
Abbildung 38:
Beispiel eines Kreditantrags (auxmoney) (Teil 2)
391
Abbildung 39:
Kreditprojekt ,,auto" (smava)
393
XXI
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1:
Lösungsansätze für Probleme in Prinzipal-Agent-Beziehungen
Theorie und Praxis bei Privatkrediten
67
Tabelle 2:
Transaktionskostenarten in Bezug auf Privatkredite
89
Tabelle 3:
Deckungsbeitragsschema für ein Aktivgeschäft (Kreditinstitut)
90
Tabelle 4:
Barwertermittlung der Marktzinsmethode mithilfe von Zerobond-
Abzinsungsfaktoren am Beispiel eines dreijährigen Privatkredits
93
Tabelle 5:
Kreditspezifische Informationen (nur öffentliche)
Umfrageergebnisse
101
Tabelle 6:
Umfang und Art der Kommunikation zwischen Kreditgebern und
Kreditnehmern
104
Tabelle 7:
Bereitschaft der Kreditnehmer zur Veröffentlichung zusätzlicher
Informationen
105
Tabelle 8:
Einschätzung der eigenen Kenntnisse bezüglich des P2P-
Kreditmarkts auxmoney bzw. smava
106
Tabelle 9:
Zufriedenheit der Kreditnehmer und Kreditgeber mit auxmoney
bzw. smava
107
Tabelle 10:
Bekanntheitsgrad externer Webseiten mit zusätzlichem
Informationsangebot über smava bzw. auxmoney
108
Tabelle 11:
Nutzung technischer Hilfen bei der Kreditsuche
110
Tabelle 12:
Bestimmte Eigenschaften/Bedingungen als Voraussetzung einer
eventuellen Kreditvergabe
111
Tabelle 13:
Die fünf am häufigsten erwähnten Kriterien bei der Frage nach der
Kreditsuche
112
Tabelle 14:
Bedingungen der Kreditgeber für ein mögliches Investment in
einen Kredit (auxmoney)
113
Tabelle 15:
Bedingungen der Kreditgeber für ein mögliches Investment in
einen Kredit (smava)
115
Tabelle 16:
Berücksichtigung von Kosten möglicher Kreditausfälle bei der
Entscheidung in einen Kredit zu investieren
116
Tabelle 17:
Bedeutung einzelner Informationen für die Schätzung der Ausfall-
wahrscheinlichkeit eines Kredits (auxmoney)
116
Tabelle 18:
Bedeutung einzelner Informationen für die Schätzung der
Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kredits (smava)
117
Tabellenverzeichnis
XXII
Tabelle 19:
Kreditanträge nach Finanzierungskategorien (smava)
119
Tabelle 20:
Finanzierungskategorie nach SCHUFA-Bonität (smava-
Kreditanträge)
123
Tabelle 21:
Prozentsätze der Kreditanträge mit und ohne individuelles Bild im
Zeitverlauf (smava)
125
Tabelle 22:
Absolute Abweichung vom durchschnittlichen Prozentsatz
vollständiger Finanzierungen über alle Quartale für ausgewählte
Kategorien kreditspezifischer Informationen (smava)
127
Tabelle 23:
Kreditanträge nach Finanzierungskategorien (auxmoney)
129
Tabelle 24:
Durchschnittliche Kreditbeträge, -laufzeiten und Startzinssätze
(nominal) nach Beschäftigungsverhältnis (auxmoney)
133
Tabelle 25:
Finanzierungskategorie nach SCHUFA-Bonität (auxmoney)
135
Tabelle 26:
Absolute Abweichung vom durchschnittlichen Prozentsatz
vollständiger Finanzierungen über alle Quartale für ausgewählte
Kategorien kreditspezifischer Informationen (auxmoney)
139
Tabelle 27:
Binär-logistische Regression Finanzierungswahrscheinlichkeit
(smava-Kreditanträge)
144
Tabelle 28:
Klassifizierungstabelle der binär-logistischen Regressionsanalyse
zur Annahmewahrscheinlichkeit von Kreditanträgen (smava)
147
Tabelle 29:
Binär-logistische Regression Finanzierungswahrscheinlichkeit 1
(auxmoney)
149
Tabelle 30:
Binär-logistische Regression Finanzierungswahrscheinlichkeit 2
(auxmoney)
150
Tabelle 31:
Klassifizierungstabelle der binär-logistischen Regressionsanalyse
zur Finanzierungswahrscheinlichkeit von Kreditanträgen
(auxmoney)
153
Tabelle 32:
Modellvariablen der schrittweisen linearen Regression der
Differenz zwischen Nominalzinssatz und risikofreiem Zinssatz
(smava)
163
Tabelle 33:
Modellvariablen der schrittweisen linearen Regression der
Differenz zwischen Nominalzinssatz und risikofreiem Zinssatz
(auxmoney)
166
Tabelle 34:
Ausfallquote nach Quartalen der Kreditfinanzierung (smava)
175
Tabelle 35:
Binär-logistische Regression realisierte Kreditausfälle innerhalb
der ersten 15 Monate der Kreditlaufzeit (smava)
187
Tabellenverzeichnis
XXIII
Tabelle 36:
Binär-logistische Regression realisierte Kreditausfälle aller
Kredite (smava)
189
Tabelle 37:
Klassifizierungstabelle der binär-logistischen Regressionsanalyse
zur Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten (smava)
191
Tabelle 38:
Binär-logistische Regression realisierte Kreditausfälle
(auxmoney)
194
Tabelle 39:
Prozentualer Anteil der finanzierten Kredite nach SCHUFA-
Bonitätskategorie und Beschäftigungsverhältnis (nur Selbstständige
und Gesamt) (auxmoney)
196
Tabelle 40:
Klassifizierungstabelle der binär-logistischen Regressionsanalyse
zur Ausfallwahrscheinlichkeit von Krediten (auxmoney)
197
Tabelle 41:
Realisierte und geschätzte Ausfallquoten sowie Aufschlag auf den
risikolosen Zinssatz nach SCHUFA-Bonitätskategorie (smava)
201
Tabelle 42:
Realisierte Ausfallquoten nach 8 Monaten Kreditlaufzeit pro
Quartal der Finanzierung (smava)
203
Tabelle 43:
Realisierte und geschätzte Ausfallquoten sowie Aufschlag auf den
risikolosen Zinssatz nach SCHUFA-Bonitätskategorie (auxmoney) 207
Tabelle 44:
Vergleich der Bedeutung einzelner Informationen (smava)
211
Tabelle 45:
Vergleich der Bedeutung einzelner Informationen (auxmoney)
215
Tabelle 46:
Variable Einzelkosten auf den deutschen P2P-Kreditmärkten, die
gleichzeitig Auszahlungen sind (Stand 01.01.2010)
220
Tabelle 47:
Gründe für ein Investment in P2P-Kredite aus Kreditgebersicht
224
Tabelle 48:
Gründe für einen P2P-Kredit aus Kreditnehmersicht
225
Tabelle 49:
Beispielrechnung zur Barwertberechnung nach der
Marktzinsmethode Nettobarwerte nach Risikokosten (smava)
233
Tabelle 50:
Beispielrechnung zur Barwertberechnung nach der
Marktzinsmethode Nettozinsmargen nach Risikokosten (smava) 235
Tabelle 51:
Beispielrechnung zur Barwertberechnung nach der
Marktzinsmethode Nettobarwerte nach Risikokosten (auxmoney) 241
Tabelle 52:
Beispielrechnung zur Barwertberechnung nach der
Marktzinsmethode Nettozinsmargen nach Risikokosten
(auxmoney)
242
Tabelle 53:
Durchschnittliche Einnahmen des P2P-Kreditmarkts für einen
Kreditantrag/-vertrag im 1. Quartal 2010
251
Tabellenverzeichnis
XXIV
Tabelle 54:
Prognose der Einnahmen für ein Jahr auf Basis der
durchschnittlichen Werte aus dem 1. Quartal 2010 bei unterstellten
mtl. Wachstumsraten
252
Tabelle 55:
Kreditvolumen von Banken an deutsche Privatpersonen per
31.12.2010 nach Kreditlaufzeit
295
Tabelle 56:
Vermitteltes Kreditvolumen der im Bankenfachverband e.V.
organisierten Kreditbanken nach Vertriebswegen für die Jahre 2006
bis 2009
296
Tabelle 57:
Ergebnisse der Befragung (Frage 1): Geschlecht
339
Tabelle 58:
Ergebnisse der Befragung (Frage 2): Geburtsjahr/Alter
340
Tabelle 59:
Ergebnisse der Befragung (Frage 3): Derzeitiges
Beschäftigungsverhältnis
340
Tabelle 60:
Ergebnisse der Befragung (Frage 4): Höchster erreichter
Schulabschluss
341
Tabelle 61:
Ergebnisse der Befragung (Frage 5 und 6): Haushaltsgröße
341
Tabelle 62:
Ergebnisse der Befragung (Frage 7): Monatliches
Haushaltsnettoeinkommen
342
Tabelle 63:
Ergebnisse der Befragung (Frage 8): Kenntnisse im Bereich
Geld/Finanzen
342
Tabelle 64:
Ergebnisse der Befragung (Frage 9): Bereitschaft zum finanziellen
Risiko
342
Tabelle 65:
Ergebnisse der Befragung (Frage 11): Erlangung der Kenntnis vom
P2P-Kreditmarkt
343
Tabelle 66:
Ergebnisse der Befragung (Frage 12): Zeitpunkt der letzten
Aktivität auf dem P2P-Kreditmarkt
344
Tabelle 67:
Ergebnisse der Befragung (Frage 13): Gründe für einen
Kreditantrag auf dem P2P-Kreditmarkt (Kreditnehmer)
345
Tabelle 68:
Ergebnisse der Befragung (Frage 14): Gründe für eine Investment
in P2P-Kredite (Kreditgeber)
345
Tabelle 69:
Ergebnisse der Befragung (Frage 15): Status des Kreditantrags
(Kreditnehmer)
346
Tabelle 70:
Ergebnisse der Befragung (Frage 16): Status des Kredits
(Kreditnehmer)
346
Tabelle 71:
Ergebnisse der Befragung (Frage 17): Kreditanfragen außerhalb
des P2P-Kreditmarkts (Kreditnehmer)
346
Tabellenverzeichnis
XXV
Tabelle 72:
Ergebnisse der Befragung (Frage 18): Adressaten der
Kreditanfragen außerhalb des P2P-Kreditmarkts (Kreditnehmer)
347
Tabelle 73:
Ergebnisse der Befragung (Frage 19): Ergebnisse der
Kreditanfragen außerhalb des P2P-Kreditmarkts (Kreditnehmer)
347
Tabelle 74:
Ergebnisse der Befragung (Frage 20): Höhe der Schulden ohne
P2P-Kredite und Immobilienfinanzierungen (Kreditnehmer)
348
Tabelle 75:
Ergebnisse der Befragung (Frage 26): Zeitbedarf für das Verstehen
der Funktionsweise des P2P-Kreditmarkts und für das Erstellen des
Kreditantrags (Kreditnehmer)
349
Tabelle 76:
Ergebnisse der Befragung (Frage 27): Häufigkeit der
Supportanfragen (Kreditnehmer)
350
Tabelle 77:
Ergebnisse der Befragung (Frage 29): Vertrauen in die eigene
Rückzahlungsfähigkeit (Kreditnehmer)
350
Tabelle 78:
Ergebnisse der Befragung (Frage 33): Lesen des freien Textes
(Kreditgeber)
351
Tabelle 79:
Ergebnisse der Befragung (Frage 33): Wichtigkeit einzelner
Aspekte des freien Textes (Kreditgeber)
352
Tabelle 80:
Ergebnisse der Befragung (Frage 38): Vorgehen bei der Auswahl
eines Kreditantrags (auxmoney-Kreditgeber)
353
Tabelle 81:
Ergebnisse der Befragung (Frage 38): Vorgehen bei der Auswahl
eines Kreditantrags (smava-Kreditgeber)
354
Tabelle 82:
Ergebnisse der Befragung (Frage 39): Zeitbedarf für das
Verständnis des P2P-Kreditmarkts und für die Suche nach einem
Kredit (Kreditgeber)
355
Tabelle 83:
Ergebnisse der Befragung (Frage 40): Investiertes Kapital in P2P-
Kredite (Kreditgeber)
356
Tabelle 84:
Ergebnisse der Befragung (Frage 41): Anzahl an finanzierten P2P-
Krediten (Kreditgeber)
356
Tabelle 85:
Ergebnisse der Befragung (Frage 42): Status der finanzierten
Kredite (auxmoney-Kreditgeber)
357
Tabelle 86:
Ergebnisse der Befragung (Frage 42): Status der finanzierten
Kredite (smava-Kreditgeber)
357
Tabelle 87:
Ergebnisse der Befragung (Frage 43): Anteil der P2P-Kredite am
Gesamtvermögen (Kreditgeber)
358
Tabellenverzeichnis
XXVI
Tabelle 88:
Ergebnisse der Befragung (Frage 44): Geschätzte(r)
Nominalzinssatz, Ausfallwahrscheinlichkeit und jährliche Rendite
(Kreditgeber)
359
Tabelle 89:
Ergebnisse der Befragung (Frage 49): Reaktion auf in Verzug
befindliche bzw. ausgefallene Kredite (Kreditgeber)
360
Tabelle 90:
Beschreibung der unabhängige Variablen und deren Verwendung
in den Regressionsanalysen (smava)
369
Tabelle 91:
Beschreibung der unabhängige Variablen und deren Verwendung
in den Regressionsanalysen (auxmoney)
376
Tabelle 92:
Ergebnisse der deskriptiven Analysen (smava)
380
Tabelle 93:
Ergebnisse der deskriptiven Analysen (auxmoney)
386
Tabelle 94:
Hauptüberschuldungsauslöser nach Alter
387
Tabelle 95:
Copingstrategien nach Anteil und Nutzungsgrad
388
Tabelle 96:
Arvato Informer Score (auxmoney)
391
Tabelle 97:
Creditreform Consumer Reporting (auxmoney)
391
Tabelle 98:
SCHUFA-Score (auxmoney)
392
Tabelle 99:
Erwarteter Risikoaufschlag nach SCHUFA-Bonitätskategorie
(smava)
394
Tabelle 100:
Scorecard für Spezialkreditinstitute (smava)
394
Tabelle 101:
Kapitaldienstfähigkeits-Indikator (smava)
395
Tabelle 102:
Ereignisse seit Bestehen von auxmoney in chronologischer
Reihenfolge
399
1
Einleitung
Einen Kredit zu erhalten, erscheint als Privatperson heute so einfach zu sein, wie noch
nie: Elektronikmärkte werben mit einer ,,Null-Prozent-Finanzierung" für den nächsten
Fernsehkauf, der Autohändler legt den unterschriftsreifen Leasingvertrag direkt neben
den Kaufvertrag und selbst für einen Bücherkauf kann eine bequeme Ratenzahlung
vereinbart werden.
1
Doch selbst bei diesen verlockenden Angeboten darf angenommen
werden, dass die kreditgebende Bank die ihr entstehenden Kosten zurückverdienen und
darüber hinaus einen Gewinn erwirtschaften möchte. Unter diese Kosten fallen dabei
auch die zu zahlenden Zinsen für eine Gegenfinanzierung. So zahlt bspw. eine Auto-
bank für die bei ihr angelegten Tagesgelder Zinsen an private Anleger und nutzt das
Kapital der Tagesgelder zur Finanzierung der Leasingverträge. Letztendlich erhält dabei
die eine Privatperson (Autokäufer/Leasingnehmer) über den Umweg einer Bank (Auto-
bank/Leasinggeber) das Geld von einer anderen Privatperson (Tagesgeldinhaber). Wa-
rum aber sollte es nicht möglich sein, das Geld direkt von der einen Privatperson an die
andere Person zu verleihen, ohne dass ein Dritter daran mitverdient?
Dieser Idee der direkten Kreditvergabe von Privatperson zu Privatperson folgen die in
dieser Arbeit zu untersuchenden deutschen P2P-Kreditmärkte smava und auxmoney:
Sie bieten über das Internet privaten Kreditnehmern die Möglichkeit, einen Kreditantrag
zu veröffentlichen, der von einem oder mehreren Kreditgebern finanziert werden kann.
Dabei ist eine Finanzierung nur dann erfolgreich, wenn sich genügend private Kreditge-
ber für einen Kreditantrag finden lassen. Die privaten Kreditgeber tragen auch das Ver-
lustrisiko, falls der Kreditnehmer seine Kreditraten nicht mehr zahlen kann. Sie sind
daher daran interessiert die angebotenen Kreditanträge anhand der zur Verfügung ge-
stellten Informationen genau zu prüfen, um ihre Rendite unter Beachtung der möglichen
Verluste zu optimieren.
Der P2P-Kreditmarkt ist anstelle der bisherigen Bank Vermittler zwischen Kapitalange-
bot und -nachfrage und damit ein sog. Finanzintermediär. Die entscheidende Frage
hierbei ist, inwiefern der P2P-Kreditmarkt die Funktionen eines Finanzintermediärs
überhaupt erfüllen kann. Dieser Frage soll anhand einer empirischen Analyse des deut-
schen P2P-Kreditmarkts nachgegangen werden. Hierdurch wird nicht nur der diesbe-
zügliche aktuelle Stand für die untersuchten deutschen P2P-Kreditmärkte ermittelt,
sondern auch durch eine Diskussion und Weiterentwicklung der derzeitigen Umsetzung
die generelle Eignung von P2P-Kreditmärkten als Finanzintermediär kritisch hinter-
fragt.
Um dieses Ziel zu erreichen, gliedert sich die Arbeit in drei aufeinander aufbauende
Teile: Der erste Teil beginnt mit einer Einführung in die Thematik der P2P-Kredite und
1
Vgl. Geld-Magazin (2010); GfK (2010); Pfeifer, S. (2009).
Einleitung
2
der zugehörigen P2P-Kreditmärkte. Aus einer groben Beschreibung der P2P-
Kreditmärkte im Allgemeinen und dem Selbstbild ausgewählter P2P-Kreditmärkte
heraus wird Schritt für Schritt eine Definition für P2P-Kredite und P2P-Kreditmärkte
erarbeitet. Es folgt die detaillierte Schilderung der Funktionsweise von smava und
auxmoney, die ergänzt um die Ausgestaltung exemplarischer P2P-Kreditmärkte eine
Klassifizierung bestehender P2P-Kreditmärkte ermöglichen soll. Durch diese Klassifi-
zierung werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Märkte ersichtlich, die der
besseren Einordnung der anschließend kurz zusammengefassten wissenschaftlichen
Literatur über P2P-Kreditmärkte dienen. Das zweite Kapitel nähert sich der Fragestel-
lung der Arbeit von der theoretischen Seite: Die Funktionen der Finanzintermediation
und die daraus abgeleitete Existenzberechtigung für Finanzintermediäre werden vorge-
stellt und auf die deutschen P2P-Kreditmärkte angewandt. Dieser praktische Bezug auf
die P2P-Kreditmärkte smava und auxmoney führt im Ergebnis zu der Ausformulierung
von konkreten Fragestellungen, die im empirischen Teil der Arbeit untersucht werden.
Bevor damit jedoch begonnen werden kann, sind im dritten Kapitel zunächst weitere
Grundlagen zu den Oberbegriffen Informationen in Kreditbeziehungen, dem Umgang
mit Risiken und der Profitabilität von P2P-Krediten zu legen.
Diesen drei Themen werden dann im zweiten Teil der Arbeit separate Kapitel gewid-
met: Welche Informationen auf den P2P-Kreditmärkten smava und auxmoney verfügbar
sind und wie diese von den Marktteilnehmern eingeschätzt und genutzt werden, ist
Inhalt des ersten Kapitels. Dieses endet mit einer Regressionsanalyse der Annahme-
wahrscheinlichkeit von veröffentlichten Kreditanträgen, um den Einfluss der jeweiligen
Informationen auf die Entscheidungsfindung statistisch zu verifizieren. Die Informatio-
nen werden außerdem von den Kreditgebern zur Einschätzung des Ausfallrisikos ver-
wendet. Zu Beginn des zweiten Kapitels wird deshalb mit der Untersuchung des Auf-
schlags auf den risikolosen Zinssatz fortgefahren. Dem folgt die Analyse der realen
Ausfälle unter den deutschen P2P-Krediten, deren Ergebnis in Form einer Regressions-
gleichung als Schätzung der Ausfallwahrscheinlichkeit in einem bestimmten Monat
herangezogen werden kann. Die bis dahin verfügbaren Resultate in Form von durch die
Kreditgeber geschätzten Zinsaufschlägen und realen Ausfallquoten werden gegenüber-
gestellt und die als erklärende Variablen identifizierten Informationen im Gesamtzu-
sammenhang betrachtet. Als letztes Kapitel werden die Kosten und Erträge sowie der
daraus resultierende Profit der einzelnen Beteiligten an einem P2P-Kredit näher betrach-
tet. Die Kalkulation der Nettozinsmarge nach Risikokosten für den Kreditgeber, des
Effektivzinssatzes für den Kreditnehmer und die Einnahmesituation für den P2P-
Kreditmarkt runden den zweiten Teil der Arbeit ab.
Im dritten Teil werden die Ergebnisse der empirischen Analyse mit den theoretischen
Erkenntnissen zusammengebracht, um die aufgestellten Fragestellungen des ersten Teils
beantworten zu können. Diese Überprüfung geschieht innerhalb des ersten Kapitels,
indem die P2P-Kreditmärkte aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden: Be-
Einleitung
3
ginnend mit den Finanzintermediationsfunktionen über die praktische Sicht der privaten
Kreditnehmer und -geber sowie dem P2P-Kreditmarkt als Unternehmen hin zu einem
Gesamturteil des aktuellen Stands der deutschen P2P-Kreditmärkte. Die Ergebnisse des
ersten Kapitels aufgreifend werden im zweiten Kapitel für die derzeitigen Schwachstel-
len der deutschen P2P-Kreditmärkte Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt, die eine
Weiterentwicklung der P2P-Kreditmärkte ermöglichen sollen. Das dritte Kapitel
schließt die Arbeit ab, indem die Konkurrenzsituation von P2P-Kreditmärkten zu ande-
ren Anbietern von Privatkrediten beleuchtet wird und zwei Zukunftsszenarien für die
P2P-Kreditmärkte auf der Basis der vorgeschlagenen einzelnen Verbesserungsideen
entworfen werden. Die Beurteilung der derzeitigen und zukünftigen Finanzintermedia-
tionsfähigkeit der deutschen P2P-Kreditmärkte rundet als letzter Abschnitt die vorlie-
gende Arbeit ab.
5
Erster Teil:
P2P-Kreditmärkte als Intermediäre bei der
Privatkreditvergabe
A.
P2P-Kreditmärkte
I.
Grundlagen und begriffliche Abgrenzung
In der Einleitung wurde das grundsätzliche Prinzip der P2P-Kredite, eine direkte Kre-
ditbeziehung zwischen Kapitalgeber und Kapitalnehmer zu ermöglichen, bereits kurz
skizziert. Eine genauere Definition des Begriffs P2P-Kredit und der dazugehörenden
P2P-Kreditmärkte ist jedoch notwendig, um eine klarere Abgrenzung gegenüber ande-
ren Kreditformen und -märkten zu gewährleisten. Durch eine detailliertere Beschrei-
bung der Funktionsweise sowie ausgewählter Selbstdarstellungen von P2P-Kredit-
märkten werden zunächst wichtige Eigenschaften von P2P-Kreditmärkten identifiziert.
Diese führen zu dem Begriff des elektronischen Marktes, der die Grundlage für die
späteren Definitionen der P2P-Kredite und P2P-Kreditmärkte darstellt.
1.
Einführende Beschreibung und Charakterisierung
a)
Funktionsweise
Der erste P2P-Kreditmarkt der Welt Zopa wurde im März 2005 in Großbritannien ge-
gründet.
1
Seitdem hat sich eine Vielzahl weiterer P2P-Kreditmärkte in verschiedenen
Ländern gebildet, deren Geschäftsmodelle und Vorgehen sich teilweise erheblich von-
einander unterscheiden.
2
Grundsätzlich orientieren sie sich aber alle an dem Ziel von
Zopa, ein ,,online marketplace where people meet to lend and borrow"
3
zu sein.
Auf einem derartigen Marktplatz können Privatpersonen einen Kreditantrag stellen, der
dann durch andere Privatpersonen ganz oder anteilig finanziert werden kann. Dabei
wird der Kreditantrag in anonymisierter Form über den P2P-Kreditmarkt im Internet
veröffentlicht und kann von potenziellen Kreditgebern eingesehen werden. Die veröf-
fentlichten Informationen differieren je nach P2P-Kreditmarkt im Detail, enthalten aber
i. d. R. Angaben über den gewünschten Kredit (wie z. B. Zinssatz, Kreditbetrag und
1
Vgl. Zopa Ltd. (o. J.a).
2
Vgl. Lehmann, C. (2009d) für eine weltweite Übersicht der P2P-Kreditmärkte (ohne Anspruch auf
Vollständigkeit).
3
Zopa Ltd. (o. J.b).
Erster Teil
6
Laufzeit), Aussagen über die Bonität
1
des Kreditnehmers (wie z. B. Haushaltsüber-
schuss, Scorewerte
2
) und freiwillige Zusatzinformationen des Kreditnehmers (wie z. B.
Verwendungszweck des Kredits, Erklärung der persönlichen Lebensumstände). Kredit-
geber legen den Betrag fest, den sie finanzieren möchten, und falls der gesamte Kredit-
betrag finanziert wurde, kommt ein entsprechender Kreditvertrag zwischen Kreditneh-
mer und Kreditgebern zustande. Bei dem Kredit handelt es sich um ein unterjähriges
Annuitätendarlehen, das dementsprechend in festen monatlichen Raten zurückzuzahlen
ist. Alle notwendigen Arbeiten im Zusammenhang mit dem Kreditantrag wie z. B. die
Prüfung von Einkommensnachweisen und der späteren laufenden Serviceleistungen wie
Zahlungseinzügen, Kontoauszügen etc. erfolgt dabei über den P2P-Kreditmarkt selbst
oder über eine Partnerbank. Im Falle eines mehrfachen Zahlungsverzugs eines Kredit-
nehmers wird die Forderung zumeist direkt an ein Inkassounternehmen zu vorher ver-
einbarten Konditionen verkauft.
3
b)
Eigenverständnis
Die geschilderte Funktionsweise gibt einen ersten Einblick in die Eigenschaften eines
P2P-Kreditmarkts, die durch die Aussagen der P2P-Kreditmärkte über sich selbst er-
gänzt und geschärft werden können: Ähnlich wie Zopa spricht der deutsche P2P-
Kreditmarkt smava den Begriff des Marktplatzes an, indem er sich als ,,Online-
Marktplatz für Kredite von Mensch zu Mensch"
4
definiert. Ergänzt wird der Begriff
durch den Zusatz ,,online", der auch von dem zweiten deutschen P2P-Kreditmarkt
auxmoney in seiner Selbstbeschreibung als ,,Online-Plattform für Kredite"
5
mit ein-
fließt. auxmoney spricht jedoch im Gegensatz zu smava nicht explizit von einem
Marktplatz, sondern von einer Plattform. Ebenfalls ohne explizite Nennung des Wortes
Marktplatz sind die Beschreibungen von Virgin Money (,,manages personal loans
between relatives and friends")
6
und Kiva (,,micro-lending website")
7
, zwei weiteren
P2P-Kreditmärkten. Der Vergleich mit einer anderen im Internet befindlichen Plattform
(bzw. Marktplatz) liegt nahe: Sowohl smava als auch der US-amerikanische Anbieter
1
Unter dem Begriff Bonität (Kreditwürdigkeit) wird hier und im weiteren Verlauf der Arbeit in Anleh-
nung an die Bankpraxis die persönliche und materielle Fähigkeit eines Kreditnehmers verstanden,
Kreditverpflichtungen vertragsgemäß zu erfüllen; vgl. Grill, H. et al. (2009), S. 361. Für eine Diskus-
sion der fehlenden wissenschaftlichen Definition der Begriffe Bonität und Kreditwürdigkeit sowie de-
ren synonyme Verwendung vgl. Wolferink, C. (2005), S. 13.
2
Mit einem Scorewert wird die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kreditnehmers angezeigt. Siehe auch
erster Teil, C.II.3., für eine detaillierte Erklärung des Scorings.
3
Der hier beschriebene Vorgang ist lediglich eine kurze, vereinfachende Beschreibung der Funktions-
weise in Anlehnung an den P2P-Kreditmarkt smava. Für Details zu smava siehe auch erster Teil,
A.II.1.b), und im Vergleich hierzu die Informationen im direkt daran anschließenden Abschnitt im ers-
ten Teil, A.II.2., für die internationalen P2P-Kreditmärkte.
4
smava GmbH (o. J.p).
5
auxmoney GmbH (o. J.i).
6
Virgin Money (o. J.).
7
Kiva (o. J.).
P2P-Kreditmärkte als Intermediäre bei der Privatkreditvergabe
7
Prosper nennen eBay als Vergleich.
1
So schreibt Prosper über diesen Vergleich: ,,In-
stead of listing and bidding on items, people and institutions list and bid on loans using
Prosper's online auction platform."
2
. Hier wird darauf hingewiesen, dass im Unterschied
zu den P2P-Kreditmärkten, auf denen Geld verliehen wird, auf eBay Güter verkauft
bzw. versteigert werden. Prosper hebt jedoch das gemeinsame Auktionsverfahren her-
vor, eine Eigenschaft, die jedoch nicht von allen P2P-Kreditmärkten genannt wird.
Eine weitere Gemeinsamkeit vieler Beschreibungen ist die Erwähnung, dass es sich bei
den Vertragspartnern der P2P-Kreditmärkte um ,,Menschen"
3
(smava) bzw. ,,people"
4
(Zopa und Prosper) und ,,Privatpersonen"
5
(auxmoney) bzw. ,,persons"
6
(Kiva) handelt.
Bei Virgin Money wird dies weiter konkretisiert, indem nicht nur von natürlichen Per-
sonen, sondern gar von ,,relatives and friends"
7
die Rede ist. Prosper erweitert dagegen
die Menge indem der Anbieter von ,,people and institutions"
8
spricht. Der P2P-
Kreditmarkt Lending Club spricht in diesem Zusammenhang von sich als ,,social
lending network that brings together investors and creditworthy borrowers"
9
und betont
so den Charakter eines Netzwerkes bei der Zusammenführung von Investoren und Kre-
ditnehmern.
Besonders auffällig ist in vielen Beschreibungen die direkte Vermittlung zwischen den
Kreditgebern und Kreditnehmern ohne eine zwischengeschaltete Institution. So wird
von ,,people-to-people lending marketplace"
10
(Prosper) bzw. noch deutlicher von ,,per-
son-to-person micro-lending website, empowering individuals to lend directly [Herv.
durch Verf.] to unique entrepreneurs around the globe"
11
(Kiva) gesprochen, womit
gleichzeitig zwei mögliche Bedeutungen der Abkürzung P2P gegeben sind.
In der wissenschaftlichen Literatur, die sich direkt auf P2P-Kredite bezieht und die in
der kurzen Zeit seit Bestehen der P2P-Kreditmärkte veröffentlicht wurde, finden sich in
Ergänzung hierzu einige weitere Beschreibungen von P2P-Kreditmärkten wie z. B. bei
HERZENSTEIN
ET AL
.: ,,These sites host and facilitate peer-to-peer (P2P) loan auctions
in which individual consumers borrow from, and lend money to one another by means
of unsecured personal loans ...".
12
Es finden sich die aus dem vorherigen Abschnitt be-
kannten Aspekte von P2P-Kreditmärkten mit dem Zusatz wieder, dass es sich um
1
Vgl. smava GmbH (o. J.p) und Prosper Marketplace Incorporation (o. J.a).
2
Prosper Marketplace Incorporation (o. J.a).
3
smava GmbH (o. J.p).
4
Zopa Ltd. (o. J.b) und Prosper Marketplace Incorporation (o. J.a).
5
auxmoney GmbH (o. J.i).
6
Kiva (o. J.).
7
Virgin Money (o. J.).
8
Prosper Marketplace Incorporation (o. J.a).
9
Lending Club (o. J.b).
10
Prosper Marketplace Incorporation (o. J.a).
11
Kiva (o. J.).
12
Herzenstein, M. et al. (2008), S. 3.
Erster Teil
8
unbesicherte Privatkredite handelt. POPE/SYDNOR greifen den Begriff des Marktes
ohne die Zwischenschaltung einer Bank auf, indem sie schreiben: ,,Peer-to-peer lending
is an alternative credit market that allows individual borrowers and lenders to engage in
credit transactions without traditional banking intermediaries."
1
Und für
BERGER/GLEISNER sind ,,electronic lending platforms [...] electronic markets that
mediate between borrowers and lenders of loans."
2
2.
Einordnung als elektronische Marktplätze
a)
Anwendbarkeit des Begriffs ,,elektronischer Marktplatz"
Sowohl bei den wissenschaftlichen als auch bei den Selbstdarstellungen der P2P-
Kreditmärkte wird immer wieder der Markt als ein zentrales Element der Definitionen
genannt. Der Markt wird dabei als ,,ein ökonomischer Ort, auf dem Güterangebot und
-nachfrage zusammentreffen"
3
verstanden. Auf einem P2P-Kreditmarkt treffen Angebot
in Form von zu finanzierenden Kreditanträgen und Nachfrage in Form von zu investie-
rendem Kapitel der Kapitalgeber aufeinander, sodass hier korrekterweise von einem
Markt gesprochen werden kann. Der abstrakte Begriff des ökonomischen Ortes kann in
Form eines Marktplatzes weiter konkretisiert werden: ,,A marketplace as a historically
evolved institution allows customers and suppliers to meet at a certain place and at a
certain time in order to communicate and to announce buying or selling intentions,
which eventually match and may be settled."
4
Ort und Zeit werden hier explizit erwähnt
und können für den Fall der P2P-Kreditmärkte wie folgt bestimmt werden: Als Ort dient
die Webseite des P2P-Kreditmarktbetreibers im Internet, die (theoretisch) rund um die
Uhr erreichbar ist. Es handelt sich demnach nicht um einen physischen, sondern um
einen virtuellen Ort, der zudem nicht an eine feste (Handels-)Zeit gebunden ist. Dies
führt zu der Definition des elektronischen Marktplatzes, der einen ,,... virtual place
where buyers and sellers meet to exchange goods and services ..."
5
repräsentiert. Diese
Definition entspricht einer Definition im weiteren Sinne wie sie WANG
ET AL
. für die
elektronischen Märkte sehen, die darunter ,,all the electronically connected buyers and
sellers"
6
verstehen. Dabei kann der elektronische Markt auch als ,,... interorganizational
information system that allows the participating buyers and sellers to exchange informa-
tion about prices and product offerings"
7
aufgefasst werden. Hierbei wird explizit der
Begriff des Informationssystems verwendet, um zu zeigen, dass es sich bei dem Markt
1
Pope, D. G. et al. (2008), S. 5.
2
Berger, S. et al. (2009), S. 41.
3
Picot, A. et al. (2003), S. 30; vgl. bspw. auch Wöhe, G. et al. (2008), S. 414 oder Oberender, P. (2008),
S. 512.
4
Grieger, M. (2003), S. 282.
5
Segev, A. et al. (1999), S. 138.
6
Wang, S. et al. (2008), S. 556.
7
Bakos, J. Y. (1991), S. 296.
P2P-Kreditmärkte als Intermediäre bei der Privatkreditvergabe
9
um ein komplexes System aus Menschen, Aufgaben und Technik handelt, das auch
verschiedene Organisationen umfassen kann.
1
Ein solcher elektronischer Markt setzt
dabei auch den Betrieb und die Organisation durch einen Anbieter voraus.
2
Für P2P-
Kreditmärkte sind diese Bedingungen erfüllt: Der virtuelle Marktplatz im Internet wird
durch einen Anbieter betrieben, der darüber hinaus das gesamte System zur Deckung
des Informationsbedarfes der beteiligten Personen koordiniert. P2P-Kreditmärkte genü-
gen daher der Definition eines elektronischen Marktes.
3
b)
Spezifikation der Markteigenschaften
Ein elektronischer Markt kann anhand verschiedener Kriterien weiter spezifiziert wer-
den. Als mögliche Gestaltungsdimensionen nennt SCHWICKERT/PFEIFFER, die in
der folgenden Abbildung dargestellten Dimensionen Teilnehmerbeziehungen, Koordi-
nationsfunktion/Preisbildung und sachliche Gliederung:
4
Abbildung 1: Gestaltungsdimensionen elektronischer Marktplätze
1
Vgl. Heinrich, L. J. et al. (2004), S. 319.
2
Vgl. Schwickert, A. C. et al. (2000), S. 5.
3
Für eine umfangreichere Auswahl an Definitionen des elektronischen Marktes siehe auch Grieger, M.
(2003), Table 1 auf S. 282.
4
Schwickert, A. C. et al. (2000), S. 10, Abb. 3.
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Koordinationsfunktion/Preisbildung
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Business-to-Consumer (B2C)
- Käuferseitig
- Verkäuferseitig
- Beidseitig
Business-to-Business (B2B)
- Käuferseitig
- Verkäuferseitig
- Beidseitig
Consumer-to-Consumer (C2C)
- Käuferseitig
- Verkäuferseitg
- Beidseitig
Erster Teil
10
Bezüglich der Teilnehmerbeziehung auf P2P-Kreditmärkten kann aus den Selbstbe-
schreibungen der P2P-Kreditmärkte sowie der in der wissenschaftlichen Literatur ge-
machten Definitionen entnommen werden, dass sowohl Kreditnehmer als auch Kredit-
geber natürliche Personen sind und damit als Consumer-to-Consumer eingeordnet
werden können.
1
Bei einer genaueren Betrachtung zeigt sich jedoch, dass dies lediglich
den aktuellen Entwicklungsstand der P2P-Kreditmärkte darstellt. So bietet der US-
amerikanische Anbieter Prosper bereits an, dass institutionelle Investoren als Kreditge-
ber an dem P2P-Kreditmarkt teilnehmen können.
2
Aufseiten der Kreditnehmer sind
nicht natürliche Personen ebenfalls vorstellbar, sobald die P2P-Kreditmärkte genügend
Kreditgeber aufbringen können, um den höheren Finanzierungsbedarf zu decken.
3
Abbildung 2: P2P-Kredite nach Teilnehmerbeziehungen
4
Diese Überlegungen betreffen auch die bisher in dieser Arbeit ungeklärte Frage, wofür
die Abkürzung P2P steht. Diese wird in den Quellen unterschiedlich, entweder als Peer-
to-Peer oder als Person-to-Person bzw. People-to-People, ausgeschrieben. Die Bedeu-
tung von Peer-to-Peer stammt aus dem Bereich der Kommunikationssysteme, wo es die
direkte Verbindung zwischen zwei Rechnern ohne zwischengeschalteten Server be-
zeichnet.
5
In Bezug auf den Kredit kann diese ,,direkte Verbindung" so interpretiert
werden, dass der Kredit ohne zwischengeschaltete Institution (sog. ,,Finanzintermedi-
är")
6
zwischen dem originären Kapitalgeber und dem endgültigen Kapitalnehmer ge-
schlossen wird. Person-to-Person bzw. People-to-People lässt sich dagegen der Bedeu-
tung nach mit Consumer-to-Consumer gleichsetzen. Für den weiteren Verlauf der
Arbeit soll unter P2P daher Peer-to-Peer verstanden werden, um als übergeordneter
Begriff alle möglichen Teilnehmerbeziehungen abdecken zu können.
1
Der Begriff Konsument (engl. consumer) ist hier Synonym für einen privaten Haushalt, der aus einer
oder mehreren natürlichen Personen besteht; vgl. o.V. (2008), S. 339.
2
Vgl. Prosper Marketplace Incorporation (o. J.a).
3
Dies setzt außerdem voraus, dass andere bzw. zusätzliche Informationen als bei Privatpersonen zu
veröffentlichen sind (z. B. Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen), um den Kreditgebern eine Be-
urteilung der Kreditwürdigkeit der Unternehmen zu ermöglichen.
4
In Anlehnung an Coppel, J. (2000), S. 4, Figure 1.
5
Vgl. Stahlknecht, P. et al. (2005), S. 128.
6
Für eine exakte Definition des Finanzintermediärs bzw. eine Beschreibung der von ihm ausgeführten
Funktionen siehe erster Teil, B.I.1.
Kreditgeber
Business
Consumer
B2B
C2B
B2C
C2C
Consumer
Business
Kredit-
nehmer
P2P-Kreditmärkte als Intermediäre bei der Privatkreditvergabe
11
Für die Festlegung der sachlichen Gliederung des elektronischen Marktes steht das
gehandelte Produkt, der Kredit, im Vordergrund: Im engeren Sinne wird ein Kredit lt.
HÖLSCHER als ,,die befristete Überlassung von Zahlungsmitteln"
1
bezeichnet.
2
Da auf
den P2P-Kreditmärkten die Kreditgeber den Kreditnehmern ihr Geld zur Verfügung
stellen, das anschließend in monatlichen festen Beträgen bis zu einem bestimmten Zeit-
punkt zurückgezahlt wird, trifft hier die Definition des Kredits zu. Ein P2P-Kredit weist
darüber hinaus derzeit die Besonderheit auf, dass es sich um einen Kredit an eine priva-
te Person handelt, sodass es sich um einen Konsumentenkredit handelt.
3
Unter den Kon-
sumentenkrediten gibt es wiederum verschiedene Unterarten, wobei die P2P-Kredite
hier als persönliche Kleinkredite eingeordnet werden können, da sie in festen monatli-
chen Raten zurückgezahlt werden und nicht zweckgebunden sind.
4
In der Literatur fin-
den sich hierzu viele verwandte Begriffe, wie ,,persönlicher Ratenkredit"
5
oder ,,Privat-
darlehen"
6
, die inhaltlich denselben Sachverhalt bezeichnen.
7
Um eine einheitliche
Sprechweise im Rahmen dieser Arbeit festzulegen, wird im Folgenden der Begriff Pri-
vatkredit verwendet. Es bleibt festzuhalten, dass auf den P2P-Kreditmärkten mit dem
Kredit im Allgemeinen bzw. dem Privatkredit im Speziellen genau ein Produkt bzw.
eine Produktart gehandelt wird und es sich dementsprechend um einen Themenmarkt-
platz handelt.
Als letzte Dimension eines elektronischen Marktplatzes ist die Koordinationsfunkti-
on/Preisbildung zu betrachten: Wie SCHWICKERT/PFEIFFER schreiben ,, ... liegt ein
elektronischer Marktplatz erst dann vor, wenn mindestens eine Seite der Marktteilneh-
mer um einen Geschäftsabschluss konkurriert"
8
. Dies ist bei P2P-Kreditmärkten sowohl
für Kreditnehmer als auch für Kreditgeber der Fall, da sie jeweils in Konkurrenz um die
Finanzierung ihres Kreditantrags bzw. die Berücksichtigung ihres Gebots zu einander
1
Hölscher, R. (2001), S. 1372
2
Der Kreditbegriff im engeren Sinne, wie er in dieser Arbeit verwendet wird, ist mit dem im BGB § 488
verwendeten Darlehensbegriff gleichzusetzen. Im Folgenden Verlauf der Arbeit wird jedoch einheit-
lich der Begriff Kredit anstatt dem Begriff Darlehen verwendet.
3
Vgl. Schierenbeck, H. et al. (1998), S. 383.
4
Vgl. Schierenbeck, H. et al. (1998), S. 384 f.
5
Vgl. Hölscher, R. (2001), S. 1378.
6
Vgl. Lippe, G. et al. (1994), S. 553.
7
Der Begriff ,,Konsumentenkredit" wird dabei zum Teil ebenfalls synonym verwandt (vgl. Hartmann-
Wendels, T. et al. (2007), S. 186). Die Begriffe ,,Privatdarlehen" und ,,Konsumentenkredit" werden
ebenfalls häufig als Oberbegriff für alle dem Konsum von Privatpersonen dienenden Kreditarten gese-
hen. (vgl. Hölscher, R. (2001), S. 1378 oder Eckert, M. et al. (2010), S. 55).
Der Begriff des (privaten) Konsums ist an dieser Stelle erklärungsbedürftig: Hierunter werden volks-
wirtschaftlich alle Käufe der privaten Haushalte von Gütern mit Ausnahme von Grundstücken, Gebäu-
den und Wohnungen verstanden (vgl. o.V. (2008), S. 448). Gleichwohl impliziert das Wort Konsum
umgangssprachlich allgemein einen ,,Verbrauch von Gütern" (vgl. o.V. (2006), Band 15, S. 474). In-
haltlich bezeichnet ein Konsumentenkredit jedoch lediglich einen Kredit an einen privaten Haushalt,
unabhängig von dem konkreten Verwendungszweck für den das Geld gebraucht wird.
8
Schwickert, A. C. et al. (2000), S. 16.
Erster Teil
12
stehen. Dabei ist die Preisbindung auf den P2P-Kreditmärkten zzt. statisch oder einsei-
tig dynamisch:
1
3.
Definitionsbildung
a)
P2P-Kredit
Bei der Diskussion um die Abkürzung P2P und die Teilnehmerbeziehungen auf P2P-
Kreditmärkten wurde bereits verdeutlicht, dass unter einem P2P-Kredit einerseits über-
wiegend zwischen Privatpersonen vergebene Privatkredite verstanden werden, anderer-
seits eine derartige Einschränkung auf natürliche Personen und auf Privatkredite in der
Zukunft nicht zwingend weiter gelten muss. Um diese zukünftigen Entwicklungen mit
in einer Definition des P2P-Kredits zu berücksichtigen, wird daher der allgemeineren
Formulierung eines ,,Peer-to-Peer-Kredits" gegenüber derjenigen von ,,Privatkrediten
zwischen natürlichen Personen" der Vorzug gegeben. Das einzigartige Merkmal der
P2P-Kredite, eine direkte Kreditbeziehung zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern
zu ermöglichen, ist weiterer Bestandteil der Definition. Direkte Kreditbeziehung bedeu-
tet hier, dass zwischen den Vertragspartnern kein Dritter am schuldrechtlichen Verhält-
nis beteiligt ist. Es unterstellt zusätzlich, dass das Kapital des Kapitalgebers von diesem
stammt und nicht von Dritten beschafft wurde, sowie, dass der Kreditnehmer das Kapi-
tal seinerseits nicht an Dritte weiterverleiht. Es ergibt sich die folgende Definition für
P2P-Kredite:
Ein Peer-to-Peer-Kredit (P2P-Kredit) ist ein direkter Kredit zwischen originären Kre-
ditnehmer(n) und originären Kreditgeber(n).
Für die vorliegende Arbeit und die darin analysierten deutschen P2P-Kreditmärkte
smava und auxmoney soll diese weit gefasste Definition eines P2P-Kredits auf natürli-
che Personen sowie auf Privatkredite eingeschränkt werden:
Ein Peer-to-Peer-Kredit (P2P-Kredit) ist ein direkter Privatkredit zwischen originären
Kreditnehmer(n) und originären Kreditgeber(n) bei dem Kreditnehmer und Kreditgeber
ausschließlich natürliche Personen sind.
Diese Formulierung stellt keine allgemeingültige Definition dar, sondern gibt die der-
zeitige Praxis der in dieser Arbeit empirisch untersuchten P2P-Kredite von smava und
1
Der Begriff Preis ist in diesem Fall leicht irreführend, da dieser häufig in Geldeinheiten ausgedrückt
wird, auf P2P-Kreditmärkten jedoch unter Preis der jeweilige Zinssatz zu verstehen ist. Da aus diesem
Zinssatz unmittelbar der Zins und damit wiederum eine monetäre Größe in Geldeinheiten berechnet
werden kann, stellt der Zinssatz den korrekten Preis (ohne Berücksichtigung sonstiger Kosten wie z. B.
Gebühren) für einen Kredit dar.
P2P-Kreditmärkte als Intermediäre bei der Privatkreditvergabe
13
auxmoney wieder. Die aus den Analysen gewonnenen Ergebnisse sind daher vor einer
Übertragung auf P2P-Kredite im Allgemeinen kritisch zu prüfen.
b)
P2P-Kreditmarkt
Die Einordnung der P2P-Kreditmärkte als elektronische Marktplätze im engeren Sinne
wurde bereits vorgenommen, obwohl auch ein nicht elektronischer Handel der P2P-
Kredite möglich erscheint. Diese Option ist jedoch nur theoretischer Natur, da erst
durch die Vorteile des Internets (z. B. kostengünstige Verbreitung von Informationen,
zeit- und ortsunabhängige Zugriffsmöglichkeit) eine Realisierung der P2P-Kreditmärkte
durchführbar wurde.
1
Es ergibt sich deshalb die folgende Definition für P2P-
Kreditmärkte:
Ein Peer-to-Peer-Kreditmarkt (P2P-Kreditmarkt) ist ein elektronischer Marktplatz für
Peer-to-Peer-Kredite (P2P-Kredite).
Es bleibt anzumerken, dass für die in dieser Arbeit betrachteten P2P-Kreditmärkte
smava und auxmoney die auf ihnen gehandelten P2P-Kredite der eingeschränkten Defi-
nition, wie sie im vorherigen Unterabschnitt formuliert wurde, genügen.
II.
Deutsche P2P-Kreditmärkte
Nachdem ein allgemeines Verständnis für den Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit
geschaffen wurde, werden die Funktionsweisen von smava und auxmoney im Detail
vorgestellt. Dabei wird eine Aufteilung des gesamten Prozesses der P2P-Kredite in drei
Phasen vorgenommen:
Abbildung 3: Kreditphasen auf deutschen P2P-Kreditmärkten
In der ersten Phase wird das Stellen des Kreditantrags für den Kreditnehmer bis zu
seiner Veröffentlichung auf dem P2P-Kreditmarkt beschrieben.
2
Die Auktionsphase
umschließt den Zeitraum bis das Ergebnis einer erfolgreichen Finanzierung oder einer
Ablehnung des Kreditantrags feststeht. Die letzte Phase wird nur von den tatsächlich
1
Vgl. Hulme, M. K. et al. (2006), S. 10.
2
Der Kreditgeber ist in dieser Phase lediglich in Form seiner Registrierung auf dem P2P-Kreditmarkt
aktiv, sodass die Phase ausschließlich nach der Aktivität des Kreditnehmers benannt ist.
Antragsphase
Auktionsphase
Verlaufsphase
Erster Teil
14
zustande gekommenen Krediten durchlaufen und beinhaltet die Zeit der Aus- und
Rückzahlung des Kredits. Die Beschreibungen dieser Phasen entsprechen dabei dem
Stand, wie er sich im Januar des Jahres 2010 auf den P2P-Kreditmärkten smava und
auxmoney darstellte.
1
Ergänzt um Eigenschaften anderer, nicht deutscher P2P-
Kreditmärkte wird mithilfe von Kategorien und zugehörigen Kriterien anschließend
eine Klassifizierung der P2P-Kreditmärkte vorgenommen. Dies hilft die in den
Zusammenfassungen wissenschaftlicher Arbeiten über P2P-Kredite enthaltenen P2P-
Kreditmärkte besser verstehen und einordnen zu können.
1.
Detaillierte Beschreibung des Kreditprozesses
a)
auxmoney
(1)
Erstellen des Kreditantrags
Als Kreditnehmer bzw. als Kreditgeber ist zunächst die Registrierung auf der Internet-
seite von auxmoney unter Angabe des realen Namens und einer gültigen E-Mail-
Adresse notwendig. Dabei legt der Nutzer für sich ein Pseudonym fest, unter dem er
später auf dem P2P-Kreditmarkt aktiv ist. Die wahre Identität des Nutzers ist nicht öf-
fentlich bekannt. Voraussetzung für die Registrierung ist ein Mindestalter von 18 Jah-
ren, unbeschränkte Geschäftsfähigkeit, ein deutscher Wohnsitz und ein Konto bei einer
deutschen Bank. Ein Kreditgeber muss zusätzlich im Besitz einer Kreditkarte sein. Nach
diesem Schritt ist der Nutzer registriert und kann Gebote auf Kreditanträge abgeben
bzw. eigene Kreditanträge erstellen.
2
Vor dem eigentlichen Stellen des Kreditantrags werden von dem Kreditnehmer zusätz-
lich zu seinem bereits bei der Registrierung übermittelten Vor- und Nachnamen, seine
Anschrift, Staatsangehörigkeit, Familienstand und Berufsgruppe erfragt.
3
Es folgen die
Angaben zur Finanzsituation indem neben einem freien Textfeld für eigene Erläuterun-
gen, angegeben werden muss, welche Karten (ec-Karte und/oder Kreditkarte), Einnah-
men (Nettoeinkommen, Kindergeld, sonstige Verdienste), Ausgaben (Miete, Unter-
haltszahlungen, Versicherungen/Sparen, sonstige Kreditverbindlichkeiten, sonstige
Ausgaben), Immobilien (falls vorhanden: Wert des Grundbesitzes, monatliche Ausga-
ben) und Automobile (falls vorhanden: PS-Leistung, Baujahr) der Kreditnehmer besitzt.
Nach Angabe der Bankverbindung und der Einverständniserklärung für den Lastschrift-
einzug wird der eigentliche Kreditantrag ausgefüllt: Dabei wird neben einer Überschrift
1
In der empirischen Analyse wurden alle P2P-Kredite bis zum 31. März 2010 (Finanzierungsdatum)
berücksichtigt. Spätere Änderungen der P2P-Kreditmärkte sind ohne Einfluss auf die Daten und wer-
den daher lediglich in Form von Fußnoten ergänzt. Sie geben den Stand zum Januar 2011 wieder.
2
Vgl. auxmoney GmbH (2009a), § 2(1) und § 2 (3) b), auxmoney GmbH (o. J.a) und auxmoney GmbH
(o. J.b).
3
Die Angabe der Telefonnummer und der Zahl der unterhaltspflichtigen Kinder ist optional.
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