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GLIEDERUNG
I. Einführung. 3
II. Auf der Suche nach dem Meister der „Auferstehung Christi“ 5
1. Werkbeschreibung der einzelnen Flügel des Altarstücks unter besonderer Berück-
sichtigung der sich Städel befindlichen „Auferstehung Christi“ 5
1.1 Außenseite des linken Flügels: „Die Fußwaschung“ 5
1.2 Außenseite des rechten Flügels: „Das Abendmahl“ 6
1.3 Rechter Standflügel: „Christus vor Kaiphas“ 6
1.4 Innenseite des linken Flügels: „Ecce Homo“ 6
1.5 Mitteltafel: „Kreuzigung“ 7
1.6 Innenseite des rechten Flügels: „Die Auferstehung Christi“ 8
2. Analyse des Altarstücks unter Berücksichtigung der im Städel befindlichen „Aufer-
stehung Christi“ 9
3. Zur Herkunft, Fertigung und Geschichte des Altarstücks. 12
3.1 Herkunft des Meisters des Speyerer Altars und weitere Beispiele seines Kön-
nens. S. 12
3.2 Vergleich des Speyerer Altars und des Gothaer Liebespaares. 17
3.3 Vergleich des Meisters des Amsterdamer Kabinetts und des Gothaer Liebespaa-
res. S. 19
3.4 Ein kurzer Vergleich des Meisters des sog. mittelalterlichen Hausbuches, des Meis-
ters des Speyerer Altars und des Meisters des Amsterdamer Kabinetts. 20
III. Schlußbetrachtung - Der Meister der „Auferstehung Christi“, seine Werkstatt und
ihr zeitgenössischer Kontext. 24
LITERATURVERZEICHNIS. S. 26
ABBILDUNGSVERZEICHNIS :::: S 28
3
I. Einführung
Die Frage nach der Identität und der Herkunft des Meisters der „Auferstehung Christi“ aus dem Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main beschäftigt die Kunstgeschichte seit dem 18. und insbesondere seit dem 19. Jahrhundert. Mit vielen neuen Name nschöpfungen (Hausbuchmeister, Meister des Amsterdamer Kabinetts etc.) hat man ve rsucht Brücken zwischen den vielen zeitgenössischen Tafelbildern, Stichen, Zeichnungen und der Glaskunst zu schlagen 1 , hat aber wohl eher letztendlich das Gegenteil erreicht und Verwirrung gestiftet - die bis in die heutige Forschung reicht. Gerade in der letzten Zeit wurde - mit großen Ausstellungen in Frankfurt und Amsterdam 1985 - diese Frage wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Mit dieser Arbeit soll versucht werden das Altarretabel bzw. den im Städel befindlichen Flügel zu analysieren und in einen künstlerischen und zeitgenössischen Gesamtkontext zu stellen, um somit auch etwas über den Meister und seine Werkstatt herauszufinden, sowie weitere Arbeiten als die seinen ident ifizieren zu können.
Der Altarflügel „Die Auferstehung Christi“ (vgl. Abb. 1) des mehrteiligen sog. Speyerer Flügelaltars wurde in Mischtechnik auf Tannenholz gefertigt, besitzt die Maße 131,7 x 76,6 cm und stammt vermutlich aus den Jahren 1470-1500. Der Altar bestand ursprünglich vermutlich aus sechs Flügeln und einer Mitteltafel. Das Städel erwarb 1928 „Die Auferstehung Christi“ aus der Sammlung Hohemzollern-Sigmaringen, welche die Innenseite des rechten Flügels des Altarbildes darstellt. Der linke Innenflügel „Ecce homo“ (130,5 x 76,6 cm) wird im Augustinermuseum in Freiburg aufbewahrt, die Außenseiten links „Die Fußwaschung“ und rechts „Das Abendmahl“ (je 130, 5 x 75,6 cm) befinden sich heute in der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen in Berlin. Der andere, rechte Flügel „Christus vor Kaiphas“ (130, 5 x 75,6 cm) wird ebenfalls im Augustinermuseum verwahrt. Der weitere, linke Flügel gilt heute als verloren (vgl. Abb. 2, A-E). Nach heutiger Forschung ist davon auszugehen, daß „Die Fußwaschung“ und „“Ecce Homo“ die Innen- und die Außenseite des linken Flügels bilden, während rechts auf der Innenseite „Die Auferstehung Christi“ und „Das Abendmahl“ auf der Außenseite zu sehen war. Die Meinung von Hans-Joachim Ziemke, Daniel Hess u.a. 2 , daß es sich bei den Flügeln „Christus vor Kaiphas“ und dem weiteren, verlorenen Flügel um den rech-
1 vgl.u.a. H.Th. Musper, Altdeutsche Tafelmalerei, Köln, 1970
2 vgl. u.a. Daniel Hess, Meister um das mittelalterliche Hausbuch, Mainz, 1994
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ten bzw. linken Standflügel handelt, muß hinsichtlich der Seltenheit dieser Konstruktion und des gleichen Formats aller Flügel (beim anderen Standflügelkonstruktionen waren diese zumeist kleiner) in Frage gestellt werden.
Die im Städel befindliche „Auferstehung“ soll mit Hilfe dieser Arbeit zuerst technisch und inhaltlich untersucht werden (s. II.1. und II.2.). Dabei soll die Identität des/der Meister dargelegt (s. II.3.1) und mit weiteren zeitgenössischen Werken verglichen werden. Weiterhin gilt es zu klären, ob der/die Meister und der Meister des Gothaer Liebespaares (s. II.3.2), des Amsterdamer Kabinetts (s. II.3.3) bzw. des sog. mittelalterlichen Hausbuches (s. II.3.4) wirklich ein und dieselbe Person sind, wie dies in der Kunstgeschichte oftmals behauptet wurde. Von besonderer Bedeutung für die Untersuchung waren hierbei die Forschungsergebnisse von Daniel Hess und Jan Piet Filedt Kok, deren neuere Forschungsergebnisse zur „Hausbuchmeisterfrage“ zum großen Teil zur Grundlage für diese Arbeit geworden sind.
5
II. Auf der Suche nach dem Meister der „Auferstehung Christi“
1. Werkbeschreibung der einzelnen Flügel des Altarstücks unter besonderer Berücksichtigung der im Städel befindlichen „Auferstehung Christi“
Das ursprünglich aus sechs Flügeln und einer Mitteltafel bestehende Altarwerk wurde in Mischtechnik auf Nadelholz gefertigt. Die hochformatigen Tafeln weisen hierbei ein gemeinsames Standardformat von ca. 131 x 77 cm auf. Zum Mittelbild, der „Kreuzigung“, gehören zwei Tafeln, die die Innenseiten der Flügel gewesen sind. Die Darstellung des „Ecce homo“ muß vor der Kreuzigung, also links, und die „Auferstehung“ nach der Kreuzigung, also rechts, angebracht gewesen sein. Von diesen beiden Seiten sind wahrscheinlich schon im 19. Jahrhundert die Rückseiten abgespalten worden, sie wurden 1930 für das Berliner Museum erworben. Die „Fußwaschung“ bildete die Rückseite des Freiburger „Ecce homo“ Bildes und das „Abendmahl“ war als Rückseite für die Frankfurter „Auferstehung“ bestimmt. Das geht auch aus dem Verlauf der Jahresringe an den Schnittkanten und der Übereinstimmung von Astlöchern hervor 3 . Bei zusammengeklappten Flügeln stand links die Fußwaschung und rechts das Abendmahl. Die Freiburger Vorführung „Christi vor Kaiphas“ und die „Verleugnung Petri“ im mondbeschienenen Palast kann somit der weitere rechte Flügel gewesen sein. Der linke ist verloren, er könnte nach herrschender Meinung und aus chronologischen Gründen eine Szene vom Anfang der Passion dargestellt haben - am ehesten wohl den „Einzug Christi in Jerusalem“ gezeigt haben 4 .
Für eine genauere Werkbeschreibung der einzelnen Flügel läßt sich folgendes feststellen:
1.1 Außenseite des linken Flügels (vgl. Abb. 2, A): Die Fußwaschung Die „F ußwaschung“ war an Außenseite des linken Flügels angebracht und befindet sich heute in der Gemäldegalerie in Berlin. Gezeigt wird Jesus im Kreise seiner 12 Apostel, wie er Petrus die Füße wäscht. Die Szenerie spielt in einem zeitgenössischen Interieur. Die Figuren sind halbkreisförmig um den Christus angeordnet und haben ihre Hände allesamt, bis auf Judas, zum Beten gefaltet. Der Maler versucht durch die individuelle Gestaltung der Personen, den Detailreichtum im Interieur und die Raumtiefe ein mög-
3 Hans-Joachim Ziemke, Altdeutsche Tafelmalerei im Städel, Frankfurt, 1985, S.55
6
lich lebendiges und realistisches Bild der Szenerie zu schaffen. Einzig der Nimbus, der bei Christus die traditionelle Form des Kreuzes in sich trägt, deutet bei den Figuren auf heilige Gestalten.
1.2 Außenseite des rechten Flügels (vgl. Abb. 2, B): Das Abendmahl Auch das Abendmahl Christi im Kreise seiner Jünger auf dem rechten Außenflügel findet in einem zeitgenössischen Festsaal statt. Der Maler versucht die Ähnlichkeit der Physiognomie der betenden Personen und ihrer Gewänder im Vergleich mit den anderen Tafeln hervorzuheben, sie individualistisch zu charakterisieren und miteinander in lebendiger Konversation zu halten. Der quadratische Tisch mit den typischen Symbolen der Passion (Wein /Blut) und Brot (Leib) befindet sich im Zentrum des Geschehens. Im Sinne der Bedeutungsperspektive ist Christus in der Mitte angeordnet und zugleich die größte Figur des Geschehens, obwohl er nicht, wie beispielsweise Judas, im Vorder-grund angeordnet ist.
1.3 Weiterer, rechter Flügel (vgl. Abb. 2, C) : Christus vor Kaiphas Auf dem weiteren, rechten Flügel ist Christus im Vordergrund zu sehen, wie er vor Kaiphas gebracht wird, während seine Jünger vor dem Feuer draußen auf das Ergebnis der Anklage warten. Auch diesen Teil der „Passionsgeschichte“ hat der Meister bis ins Detail ausgeführt. Sogar der Hahn, welcher dreimal kräht, während Petrus Christus drei Mal verleugnen wird, ist zu sehen. Hierbei zeigt er eine, wie auch in den weiteren Flügeln, gelungene Verbindung von Innen- und Außenwelt. Die Raumsituation und ihr Ausblick werden ständig variiert. Die Fußbodendekoration gerade in diesem Bild dient zur Schaffung von Perspektive. Überraschend ist die Lichtführung in der Szene der Verleugnung Petri. Fahles Mondlicht und genaues Studium der Schatten, ist in der deutschen Malerei des 15. Jhds. ein seltenes Motiv, wenngleich die Innenräume durch das traditionelle „indifferente Leuchtlicht“ 5 erhellt bleiben. Der Maler ist außerdem in der Lage zwischen den Heiligenfiguren, welche zarter und vertrieben gemalt sind und ihren Peinigern, mit teilweise tierähnlicher Physiognomie, zu differenzieren.
1.4 Innenseite des linken Flügels (vgl. Abb. 2, D): Ecce homo
Die Präsentation Christi vor dem jüdischen Volk, das „Ecce homo“, ist ebenfalls sehr bewegt und realistisch auf der Innenseite des linken Flügels dargestellt. Es erinnert in
4 Hans-Joachim Ziemke, Altdeutsche Tafelmalerei im Städel, Frankfurt, 1985, S. 55 f.
7
der thematischen Auffassung an das gleichnamige, ebenfalls im Städel befindliche, Bild von Hieronymus Bosch, welches einige Jahre später entstand (s. Abb. 3). Zugleich wird aber auch deutlich, daß der Niederländer in der detaillierten Beobachtung der Perspektive und Hintergrundgestaltung, sich grundlegend von der Goldgrundmalerei des Speyerers Altars unterscheidet. Seine Figuren und ihre Gewänder wirken jedoch phantastischer im Gegensatz zur naturalistischen Malerei des Meisters, der in Dramatik, Gestik und detailgenauer Ausführung des Geschehens der Malerei Bosch in nichts nach steht. Wir sehen den blutüberströmten Christus, wie er dem Volk zum Tausch gegen dem im Kerker wartenden Barabas dargeboten wird. Das Volk zeigt eine aufgewühlte Stimmung, die voller gestischer Brutalität das Leben des vom Leid gezeichneten Christus fordert.
1.5 Mitteltafel (vgl. Abb. 2, E): Kreuzigung
Die Kreuzigung ist ein, seit dem 14. Jhd. verbreiteter, Bildtypus und ist auch im sog. Speyerer Altar auf der Mitteltafel mit den Maßen 270 x 75,6 cm zu finden. Im Zentrum des Geschehens, welches inmitten einer Menschenmenge stattfindet, ist Christus zw ischen zwei Schächern, alle ans Kreuz genagelt, dargestellt. Maria, die zwei Marien, Maria Magdale na und Johannes beten erschüttert vor der Kreuzigungsszenerie im Mittelpunkt des Werkes. Durch Ausblicke auf eine Hügellandschaft und die Staffelung bzw. Überschneidungen in dieser gefüllten Szene gelingt es dem Meister, die Raumillusion der anderen Flügel auch hier, im Freien, aufrecht zu erhalten. Im Vordergrund, links und rechts von der Kreuzigung ist ein kniendes Stifterpaar dargestellt, welches sich bis heute nicht identifizieren läßt. Die gesamte Bildkomposition ist achsens ymetrisch zum Kreuz aufgebaut. Um die zeichenhafte Wirkung dieses Kreuzes noch zu betonen, ist der Horizont hinter der Kreuzgruppe tiefer gelegt und die Hügellandschaft nur angedeutet. Das fast „stürmisch verwehte“ Lendentuch Christi (s. Abb. 6) zeugt von dem dramatischen Ereignis der Kreuzigung und scheint dabei ein flatterndes Eigenleben zu führen. Somit dient es wohl nicht nur im mittelalterlichen Sinn, um Bewegung in der regungslosen Figur darzustellen, wie dies von Daniel Hess behauptet wird, 6 sondern dient vielmehr der Untermalung der inneren Bewegtheit der Szenerie.
5 vgl. Wolfgang Schöne, Das Licht in der Malerei, 1994, S. 35 ff.
Arbeit zitieren:
M.A. Martina Merten, 2002, Auf der Spur des Meisters der 'Auferstehung Christi', München, GRIN Verlag GmbH
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