Inhalt
1 Einleitendes zu Lebensweltbezügen 2
2 Missbrauch von Lebensweltbezügen 2
3 Analyse der Aufgabe „Schokoladentafeln“ 3
3.1 Aufgabentyp 3
3.2 Prognose möglicher Schwierigkeiten 4
4 Probleme durch die Aufgabenstellung 6
5 Probleme durch die Partnerarbeit 7
5.1 Grundlegendes zu Partnerarbeit 7
5.2 Analyse der kommunikativen Probleme 9
6 Fazit Verbesserung der Aufgabe 11
Anhang 13
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1 Einleitendes zu Lebensweltbezügen
Das gesellschaftliche Leben hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verändert. Vor allem die Arbeitswelt ist geprägt durch einen enormen Facettenreichtum, den sich auch heute noch weiter ausdehnt. Obwohl in den neueren Berufen mehr und mehr Spezialisten gefragt sind, gelten sogenannte „Softskills“ wie Flexibilität, Kommunikations- und Teamfähigkeit oder Präsentationstechniken als wichtige generelle Voraussetzungen für einen Großteil aller Berufe. In der Schule geht es jedoch größtenteils um die Vermittlung fachlichen Wissens. Da ein Großteil der Lerninhalte für das spätere Leben irrelevant ist, steht die schulische Bildung in einer Dissonanz zum gesellschaftlichen Leben. Zur Erhaltung seines Sinns, bedient sich Unterricht der Lebensweltbezüge. Der Glaube, dass z.B. mathematisches Denken in der Gesellschaft unerlässlich sei, führt zum Einbezug von täglichen Situationen in die Methodenwelt. Auf diese Weise wird der unterrichtliche Alltag mit Sinn gefüllt. Man kann einem Schüler zu jeder Zeit verdeutlichen, warum dieser oder jener Inhalt ihm nicht egal sein sollte und warum er sich motivieren und anstrengen sollte. Schließlich hat man durch den Lebensweltbezug darauf hingewiesen, dass man dieses Wissen im beruflichen und alltäglichen Leben braucht.
In dieser Arbeit soll am Beispiel einer Mathematikaufgabe erläutert werden, wieso Lebensweltbezüge nicht immer sinnvoll sind und manchmal sogar einen Lernprozess behindern. Des Weiteren eignet sich das Unterrichtstransskript dazu, die kommunikativen Probleme der Schüler zu untersuchen.
2 Missbrauch von Lebensweltbezügen
Wie eben schon erwähnt, dienen Lebensweltbezüge als Nachweis für die Relevanz eines Unterrichtsthemas. Auch literarische Werke aus früheren Jahrhunderten werden heute immer noch im Unterricht gelesen, versucht zu interpretieren und in die heutige Gesellschaft einzuordnen. In der heutigen Zeit ist es also nicht mehr üblich, etwas kulturell Wertvolles als solches zu schätzen und zu behandeln, sondern es wird immer versucht, eine künstliche Relevanz für die alltägliche Welt der Schüler herzustellen. Dadurch geht jedoch manchmal Bedeutsames verloren. Neben der Aberkennung jeglicher Eigenbedeutung eines Themas oder Werks, ist an Lebensweltbezügen außerdem zu kritisieren, dass einem Schüler, der den
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Sachverhalt nicht durchdrungen hat, auch durch den Lebensweltbezug nicht zwangsläufig geholfen wird. Lediglich die oft von Schülern geäußerte Frage: „Wozu brauche ich das?“, vermag ein Lebensweltbezug zu beantworten. Daher bleibt fraglich, ob künstlich hergestellte Lebensweltbezüge eine Aufgabe oder ein Thema wirklich vereinfachen können und somit zumindest einen methodischen Sinn erfüllen würden.
Allerdings existieren auch Aufgaben, die gerade durch ihren künstlich hergestellten Lebensbezug und dessen Darstellung für Verwirrung sorgen und die Aufgabe zusätzlich erschweren. Im Folgenden soll nun eine derartige Aufgabe analysiert werden, die als nicht gelungenes Beispiel für die Nutzung von Lebensweltbezügen gesehen werden kann.
3 Analyse der Aufgabe „Schokoladentafeln“
3.1 Aufgabentyp
Das untersuchte Beispiel stammt aus dem Mathematikunterricht, genauer gesagt aus dem Bereich der Arithmetik. Arithmetik bezeichnet im Allgemeinen das Rechnen mit natürlichen Zahlen in den Grundrechenarten Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division. Die gewählte Aufgabe ist außerdem ein typisches Beispiel für den sogenannten Dreisatz. Der Umgang mit Verhältnissen verschiedener Größen, der in Dreisatzaufgaben behandelt wird, ist wiederum Grundlage für die anschließend zu behandelnde Prozentrechnung.
Ausgangspunkt eines Dreisatzes ist in der Regel die Anzahl eines bestimmten Gegenstands und ein zugehöriger Parameter (z.B. Preis). Beispielsweise ist bekannt, dass 10 Äpfel 5€ kosten und man möchte wissen, was man für 3 Äpfel zu zahlen hat. Beim ersten Schritt wird durch Division die entsprechende Größe des Parameters von einem dieser Gegenstände errechnet. Im Beispiel wäre dies die Division von 5€ durch 10 mit dem Ergebnis, dass ein Apfel 50€-Cent kostet. Im zweiten Schritt des Dreisatzes multipliziert man beide Seiten der Gleichung mit der gefragten Anzahl (hier mit 3) und erhält 1,50€ als Ergebnis. Bereits auf den ersten Blick sieht man, dass solche Aufgaben schon von Natur aus an reale Gegenstände gebunden sind, sodass man sich zuvor an dieser Stelle fragen könnte, wozu in solchen Aufgaben noch ein Lebensweltbezug hergestellt werden soll.
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3.2 Prognose möglicher Schwierigkeiten
Zunächst kann gesagt werden, dass durch die Verwendung von Schokolade eine kindliche Realitätsnähe simuliert wird. Dadurch wird den Schülern unterstellt, dass die Aufgabe für sie leichter ist, wenn sie sich auf etwas für sie Alltägliches bezieht. Würde man also Zündkerzen oder Wandfarbe als Gegenstand der Aufgabe wählen, so die Annahme, wäre die Aufgabe schwerer. Der große Vorteil von Dreisatzaufgaben gegenüber anderen Aufgabentypen ist jedoch, wie schon angesprochen, dass sie sich überhaupt auf etwas Greifbares beziehen und dadurch auch für Kinder vorstellbar sind. Also ist es völlig irrelevant, ob der gewählte Gegenstand in der alltäglichen Welt von Schülern vorkommt, oder sie noch nie von ihm gehört haben.
Betrachtet man nun die Darstellung der Aufgabe (vgl. Anhang), so fallen sofort die Preistafeln neben dem Aufgabentext ins Auge. Auch diese Schilder sind dazu gedacht, die Aufgabe durch Realitätsnähe zu vereinfachen. Schließlich lesen die Schüler, wenn sie Schokolade kaufen, den Preis auch von einem ähnlichen Schild ab.
Doch genau diese versuchte Vereinfachung kann letztendlich zum Problem werden. Die Teilaufgaben a) und b) sind in ihren Grundzügen unterschiedlich und unabhängig, auch wenn das Ergebnis aus a) für b) verwendet werden kann. Die jeweils für die Bearbeitung notwendigen Informationen werden erst unmittelbar im entsprechenden Aufgabenteil gegeben (vgl. Wernet 2006, 122). Die Schilder jedoch beziehen sich ausschließlich auf Teilaufgabe b) und genau an dieser Stelle kann ein Problem entstehen, wenn Schüler diese Zuordnung nicht erkennen. Es wird vermutet, dass die Schilder wegen ihrer Lebensnähe realer wahrgenommen werden als der Aufgabentext. Außerdem neigen Schüler häufig dazu, Aufgaben nicht komplett zu lesen, bevor sie die Bearbeitung beginnen. Dadurch kann es in diesem Fall leicht passieren, dass sie Teilaufgabe a) bearbeiten wollen und versuchen die Preisschilder von Teilaufgabe b) dort einzubauen. Dieses Problem ist vor allem dadurch verschuldet, dass auf den Preistafeln die wichtigste Information vergessen wurde. Eine Zuordnung der angegebenen Preise zu verschiedenen Schokoladensorten kann erst nach dem Lesen von Teilaufgabe b) geschehen. Herauszuheben ist also, dass dort, wo dem Schüler eine Hilfe gegeben werden soll, ein fataler Fehler gemacht wird.
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Arbeit zitieren:
Janosch Bülow, 2010, Lebensweltbezug und didaktische Hilfen, München, GRIN Verlag GmbH
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