Inhalt
1 Einleitung 2
2 Jugendkulturen 2
3 Die geschichtlichen Grundlagen des Rechtsrocks 4
3.1 Die Skinheads als Ursprung des Rechtsrocks 4
3.2 Entwicklungen in Deutschland 6
3.3 S.H.A.R.P. 7
4 Die Musik der Skinheads 8
4.1 Musikalische Entwicklung 8
4.2 Die Musikszene heute 10
4.3 Textmerkmale des Rechtsrocks 12
4.4 Konzerte 14
4.5 Bedeutung des Internets 16
5 Fazit 19
Anhang 22
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1 Einleitung
Sandro und seine Kumpels ziehen durch die Straßen. Von einigen Flaschen Alkohol angetrieben suchen sie nach „Action“. Ob friedlicher Discobesuch oder Schlägerei; sie sind für alles offen. Als die Jugendlichen in einer Straßenbahn zwei Punks sichten hört Sandro gerade einen Rechtsrock Song, der sich über das Leben dieser anderen Subkultur auslässt. Vom Inhalt des Textes angestachelt, öffnet Sandro die Tür und lacht provokativ in das Abteil hinein. Bei der anschließenden Schlägerei, nutzen die drei Skinheads ihre zahlenmäßige Überlegenheit aus (vgl. Elverich/Glaser/Schlimbach 2009, 55). Im Zuge dieser Arbeit soll untersucht werden, was diese Musik, die Sandro hört, ausmacht, wie sie entstanden ist und welche Funktionen sie innerhalb ihrer größten Fangemeinde, den Skinheads, hat. Um die Auswirkungen und Bedeutungen für die Skinheadszene zu analysieren, soll zunächst der Begriff der Jugendkultur untersucht werden. Anschließend folgt ein geschichtlicher Überblick über die Entwicklungen von Skinheads und die Verbreitung des Kults in Gebiete außerhalb des Ursprungslands England. Hier steht vor allem die Ausbreitung der Subkultur in Deutschland im Vordergrund.
Um die Faszination an der Rechtsrockszene verstehen zu können, soll nun über die aktuelle Musikszene und Konzerte berichtet werden. Hierbei wird ein weiterer Fokus auf die Textmerkmale der Songs und deren Bedeutung für Identifikationsmöglichkeiten der Jugendlichen gelegt. Auch die Relevanz des Internets, dem ein großer Einfluss auf die Verbreitung rassistischen Gedankenguts nachgesagt wird, soll vor allem im Hinblick auf die Verbreitung von Musik untersucht werden.
Als abschließende Fragestellung, soll zusammenfassend aus den bisherigen Kapiteln untersucht werden, in wieweit Musik als einstiegsbegünstigendes Mittel gesehen werden kann.
2 Jugendkulturen
Der Begriff der Jugendkultur ist nicht von dem der Subkultur zu trennen, weitere Begrifflichkeiten sind Teilkultur oder Jugendszene. Die Entstehung einer Jugendkultur ist Folge und Lösung der Problematik, dass das gesamtgesellschaftliche Normensystem im Wesentlichen auf berufstätige
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Erwachsene ausgerichtet ist und die wirtschaftlich und beruflich noch nicht integrierte Jugend dort keinen Platz findet. Eine Orientierung in altershomogene Gruppen ersetzt Sozialisierungsdefizite von Familie, Schule und Ausbildung. Der Jugendliche versucht die Unsicherheit einer mangelnden Rollendefinition zu kompensieren, indem er sein Orientierungs- und Schutzbedürfnis innerhalb der Gruppe Gleichaltriger befriedigt. Die Erwachsenenwelt wird als Negativ-Vorbild gewertet, die Absetzbewegung von ihr kann bis zur Rebellion gehen. Die Gruppe hilft bei der Identitätsfindung, vermittelt ein Gefühl der Stärke und gibt Selbstsicherheit. Eigene Formen der Selbstgestaltung werden in einem abweichenden Verhalten erprobt, das die Grenzen gesellschaftlich akzeptierter Möglichkeiten testet. Dabei erfasst die jugendliche Teilkultur fast alle Lebensgebiete durch beispielsweise eigene Mode, Moral, Literatur, Musik und Sprache (vgl. Baacke 1999, 148 ff.; Nevill 1993, 48). Jugendkulturen müssen Überschneidungen zur normalen Alltagskultur aufweisen, sich aber gleichzeitig auch wesentlich von dieser unterscheiden. Sie können immer nur eine partielle Lösung von der Gesamtgesellschaft sein. Eine Autonomie von Jugendkulturen existiert nur intern, im Stil, zum Beispiel durch Kleidung, Musik, oder Sprache, der aber wiederum nur aus externen Bezügen erklärbar ist. Jugendliche Subkulturen sind auf die Reflexion kultureller Gewohnheiten ausgerichtet. Sie sind gleichzeitig Produkt, Antwort oder Teillösung von strukturellen gesellschaftlichen Widersprüchen. Dazu zählt das Bewusstsein der relativen „gesellschaftlichen Ohnmacht“, des Ausschlusses von gesellschaftlichen Machtzentren und deren Medien. Eine Möglichkeit der Kompensation dieser Ohnmacht liegt beispielsweise in der Provokation (vgl. Baacke 1999, 148 ff.). Medien sind ein wesentlicher Vermittler zwischen Gesellschaft und Subkultur: Sie vereinfachen und vereinheitlichen die subkulturellen Zeichen und ermöglichen der Konsumindustrie den Zugriff darauf. Diese entschärft die Symbole und beraubt sie ihrer kritischen Impulse. So werden die Jugendlichen indirekt, mittels Kommerzialisierung und Schablonisierung von subkulturellen Elementen, kontrolliert. Man kann sagen, Jugendkulturen sind zugleich Impulsgeber und Opfer der Allgemeinkultur (vgl. Baacke 1999, 148 ff.).
Ein Merkmal beim Entstehen von Jugendkulturen ist, wie oben dargestellt, das Artikulieren gesellschaftlicher Widersprüche; der Widerspruch zwischen ideologischer Fassade und gesellschaftlicher Wirklichkeit in der DDR war wohl für
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viele Jugendliche ausschlaggebend, Gemeinschaftsgefühl in Gruppen zu suchen und zwar gerade in solchen Gruppen, die die herrschenden Zustände gemeinschaftlich ablehnten (vgl. Schröder 1992, 112-116) Der Druck der staatlichen Organe bewirkte dann noch ein Erhöhen der Gruppenkonformität, eine Radikalisierung, aber auch ein Einüben von konspirativen Organisationstrukturen. Wieso sich der jugendliche Widerstand rechtsextremistisch äußerte, verdeutlicht die Aussage des Rechts- und Kriminalsoziologen Wolfgang Brück, der für die SED das Thema untersucht hatte, keine andere Jugendrichtung hätte sich „[…] so offen mit dem herrschenden System angelegt“ (vgl. Schröder 1992, 114).
3 Die geschichtlichen Grundlagen des Rechtsrocks
3.1 Die Skinheads als Ursprung des Rechtsrocks
Die Wurzeln des Rechtsrocks sind in England zu suchen. Sie sind eng verstrickt mit der Entstehung und Entwicklung der Skinheads. Ende der 60er Jahre kam es in den englischen Arbeitervierteln zu großen Veränderungen und Umbrüchen. In dieser Zeit vollzog sich ein starker Wandel in der Gesellschaft, indem die industrielle und wirtschaftliche Produktivität gesteigert wurde und ein Anheben des Wohlstandes mit sich brachte. Es erfolgte eine Sanierung und Modernisierung der verwahrlosten Arbeiterviertel, sodass die neu formierten und finanzkräftigen Mittelschichten sich in die aufgewertete Wohnbezirke drängten. Die bis dahin wohnhaften Arbeiterfamilien wurden gezwungen in die immer noch heruntergekommen und nicht sanierten Viertel zu ziehen. Der Wohnraum in diesen Vierteln war sehr umkämpft, denn auch Gruppierungen der Einwanderer aus Pakistan, Indien oder Afrika wohnten in diesen Unterkünften. Durch mangelnde Integrationsversuche seitens der Regierung zwang man die Einwanderer sich selbst zu helfen. Es entstanden geschlossene Gruppen mit eigenen Bars, Kneipen und speziellen Versammlungspunkten, mit der Folge, dass die Arbeiter sich in ihrer weißen Homogenität gestört fühlten. Es entwickelte sich ein Gefühl der Verfremdung im eigenen Land das zum Identitäts- und Gemeinschaftsverlust führte und die Immigranten als Konkurrenz präsentierte (vgl. Farin/Seidel 2002, 23-31).
Dies war die Geburtsstunde der Skinheads. Diese Gruppierung kann als multikulturelle Synthese von Elementen der Rude-Boys (jamaikanische
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Jugendgangs) und der Mods (Gangs der britischen Arbeiterjugend) gesehen werden. Auch andere Jugendbewegungen orientierten sich zu der neu entstandenen Skinheadszene, da auch sie mit den neuen Verhältnissen nicht zufrieden waren und sich mit dem Gedankengut der Skinheads identifizieren konnten. Dreh- und Angelpunkt des Skinheadalltags waren die Fußballspiele der heimischen Vereine und die eskalierenden Kämpfe mit den gegnerischen Fans während und nach dem Spiel (vgl. Farin/Seidel 2002, 32 f.; Neville 1993, 48 ff.). Auch bei den sonstigen Beschäftigungen wie Kneipentouren und Barspiele wie Darts oder Billard schlossen sich anfangs schwarze und weiße Jugendliche zusammen. Die Ablehnung von Minderheiten oder anderen Subkulturen wurde also nicht zwangsläufig durch die Hautfarbe entschieden; vielmehr wurden Anders-Denkende oder Anders-Fühlende abgelehnt. Es entstanden verschiedene gewaltbereite, ihr Revier verteidigenden Gangs, die ihren Frust häufig durch Gewalttaten gegen sexuelle und soziale Minderheiten, Studenten oder feindliche Gangs abbauten. Erste Anfänge von rassistischem Gedankengut lassen sich vor allem durch den Hass gegen Pakistaner erkennen (vgl. Farin/Seidel 2002, 34 f.; 38 f.; Neville 1993,50).
Die Skinheads pflegten ein martialisches Auftreten. Namensgebend war die Frisur, bei der die Haare so kurz geschnitten waren, dass die Kopfhaut zu sehen war. Dieser Haarschnitt symbolisierte zum Einen ihre Kontraposition zum langhaarigen Hippie-Kult und die „Sauberkeit“ der britischen Arbeiterklasse, zum Anderen war er Zeichen der Repression. Weitere äußerliche Markenzeichen der Skinheads waren schwere Lederstiefel, Jeans und Hosenträger. Neben den schon angesprochenen gemeinsamen Vorlieben für Gewalt, Alkohol und Fußball war Musik ein weiteres wichtiges Mittel der Identifikation (vgl. Farin/Seidel 2002, 23; 138).
Organisationsversuche innerhalb der Skinheadszene bilden die Ausnahme, sind aber vereinzelt erkennbar. Zu nennen sind zwei internationale Strukturen, die „Blood & Honour“- Bewegung, sowie die „Hammerskins“. Erstere waren hauptsächlich als Konzertveranstalter rassistischer und neonazistischer Skinbands aufgetreten, die deutsche Abteilung, mitsamt ihrer Jugendorganisation „White Youth“ wurde 2000 vom Bundesinnenministerium verboten (vgl.
Bundesministerium des Inneren 2004, 43)
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3.2 Entwicklungen in Deutschland
Etwa zehn Jahre später als in Großbritannien wiederholte sich dieser Ausdifferenzierungsprozess in der Bundesrepublik Deutschland, wo Ende der siebziger Jahre eine Skinhead-Subkultur entstanden war. Hier scheiterten aber die Bemühungen neonazistischer Gruppierungen, die Skinheads einzubinden, obwohl es hinsichtlich der ideologischen Orientierungen Übereinstimmungen gab. Ausschlaggebend für dieses Scheitern dürfte wohl die Ablehnung der Skinheads von Disziplin und festen Strukturen gewesen sein. Rechtsextremistisch orientierte Skinheads besaßen zumeist keine geschlossene Ideologie, sondern diffuse Vorstellungen und platte Feindbilder prägten das politische Denken. Ihr Weltbild äußerte sich weniger in programmatischen Überlegungen, als vielmehr in aggressiven Parolen oder gewalttätigen Aktionen gegen ihre vermeintlichen Gegner. Unterschwellig waren Ideologieelemente des Nationalsozialismus vorhanden, oder Bezüge auf Germanentum und das „Nordische“ (vgl. Pfahl-Traughber 1999, 65-68).
Ein weiterer Prozess, der sich zu diesem Zeitpunkt vollzog, war die Differenzierung anderer Jugendkulturen. Gewaltbereite Punks, Rocker oder Fußballfans gingen zu den Skins über. Mitte der achtziger Jahre erhielt die Qualität der Gewalthandlungen eine neue Dimension, neue Opfergruppen tauchten auf, diese wurden gezielt, geplant und in der Gruppe angegriffen. Neben den alten Feindbildern aus anderen Jugendkulturen, gingen Skinheads zunehmend dazu über, Ausländer, Homosexuelle und Vertreter der Staatsmacht als Opfer auszuwählen. Ab 1987 setzte ein Ausdifferenzierungsprozess innerhalb der Szene ein, neonazistisch orientierte Teile sonderten sich ab. Die langsam in die Szene eingewanderten Ideologie-Versatzstücke aus dem neonazistischen Feld, passten zu den Gewaltritualen, oder wurden angepasst. „Es begann die Phase der Ablösung von der jugendkulturellen Protestbewegung und der Entstehung neonazistischer Konglomerate, die fortan in die Jugendkultur hineinwirkten.“ (vgl. Wagner 1994, 191; Farin/Seidel 2002, 99-103) Aber auch die Skinheadszene verlor alsbald ihr exotisches Image und mit steigender Popularität stiegen viele Alt-Skins aus, da die Szene für sie nicht mehr interessant war. Die neue Generation verband mit dem Skinheaddasein eine rechtslastige und provokante Einstellung, da sie den Skinheadkult und die Oi-Musik erst entdeckten, als sie bereits einen extremen Rechtsruck erfahren hatte.
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Arbeit zitieren:
Janosch Bülow, 2010, Rechtsrock - Geschichte und Bedeutung für die Szene, München, GRIN Verlag GmbH
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