Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
1. Junge Menschen und Sport - Historischer Rückblick und
aktueller Stand in Deutschland 7
1.1 Historische Aspekte der Leibeserziehung 7
1.1.1 Sport, Erziehung und Körperkultur in der griechischen Antike 7
1.1.2 Sport- und bewegungsorientierte Pädagogik im
18. und 19. Jahrhundert 9
1.1.3 Körperliche Erziehung im Nationalsozialismus 12
1.1.4 Leistungssport in der DDR 14
1.2 Sportliche Betätigung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland 17
1.2.1 Engagement im Vereinssport 17
1.2.2 Bewegungsmangel und die Folgen 19
2. Sport und Bewegung als Beitrag zur Förderung der menschlichen
Bildung und Entwicklung 23
2.1 Aspekte der Entwicklungspsychologie 23
2.1.1 Entwicklungsstufen und Persönlichkeitsentwicklung im Kindes-
und Jugendalter 23
2.1.2 Die Rolle endogener, exogener und autogener Faktoren 27
2.1.3 Interaktion 30
2.2 Aspekte der Sportpsychologie 32
2.2.1 Motivation 32
2.2.2 Sport und Aggression 36
2.3 Schlussfolgerungen 38
2.3.1 Sport und Bewegung: Ein Grundbedürfnis des Menschen 38
2.3.2 Möglichkeiten und Chancen von Sport in der Arbeit mit
Kindern und Jugendlichen 40
3. Sport in der Kinder- und Jugendarbeit 43
3.1 Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit - Unterscheidung und
rechtlicher Hintergrund 43
3.2 Sportorientierte Arbeitsfelder und Angebote der Jugendarbeit 44
3.2.1 Jugendarbeit im Vereinssport 45
3.2.2 Sport in der offenen Jugendarbeit 48
3.3 Sportorientierte Arbeitsfelder und Angebote der Jugendsozialarbeit 50
3.3.1 Sport in der Suchtarbeit 51
3.3.2 Sport in der Delinquenzprävention 56
3.4 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 58
4. Anforderungen an eine sportorientierte Kinder- und Jugendarbeit 61
4.1 Interessen- und Bedürfnisorientierung 61
4.2 Personelle Fähig- und Fertigkeiten, fachliche Qualifikation und
ben ötigte Methodenvielfalt 65
4.3 Grundprinzipien und Rahmenbedingungen 69
4.4 Qualitätsmanagement und Evaluation 73
5. Resümee und Ausblick 77
Literatur - und Quellenverzeichnis 82
Einleitung
Wer dieser populären Redewendung Glauben schenkt, müsste zwangsläufig der Auffassung sein, dass ein gesunder Körper Voraussetzung für einen gesunden Geist ist bzw. dass Leibesübungen, die i. d. R. einer körperlichen Fitness und physischen Gesundheit zuträglich sind, einen positiven Einfluss auf die geistige Entwicklung nehmen.
„Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano“
- „Es wäre zu wünschen, dass in einem gesunden Körper auch ein gesunder Geist
Dass der Dichter und Satiriker Juvenal (ca. 60 - 130 n. Chr.) mit seinem Zitat eine fast gegensätzliche Intention verfolgte, nämlich die Verspottung des zu seiner Zeit zunehmenden Fitness- und Körperkults in der römischen Gesellschaft, soll an dieser Stelle nicht näher beleuchtet werden. Vielmehr ist es von Interesse, weshalb sich aus dem Zitat Juvenals eine gegenläufige und weit verbreitete Redewendung herausbilden konnte, die der körperlichen Ertüchtigung eine günstige Beeinflussung geistiger Fähig- und Fertigkeiten suggeriert. Vermag Sport evtl. doch mehr zu leisten als den Zugewinn und Ausbau körperlichen Könnens und die Festigung der physischen Gesundheit? Eine zentrale Fragestellung dieser Arbeit lautet deshalb: Inwieweit sind Sport- und Bewegungsangebote für die Bildung und Entwicklung junger Menschen erforderlich bzw. hilfreich? Hierfür werden ausgewählte entwicklungs- und sportpsychologische Aspekte untersucht.
Der gegenwärtige Alltag moderner Industriestaaten ist von einer regelrechten Bewegungsarmut geprägt. Von diesem Phänomen sind ebenso Kinder und Jugendliche betroffen. Die Gründe hierfür sind vielschichtig, festzustellen ist jedoch, dass die Freizeitgestaltung im Medienzeitalter zunehmend körperlich passiv stattfindet. Eine aktive Körpererfahrung sowie dynamische Alternative zum Ausgleich des starren Schulalltags bleibt den Heranwachsenden somit verwehrt. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass sich die Jugend durchaus für Sport interessiert; so lassen beispielsweise die vielseitigen Angebote von Kinderfanartikeln ein-
schlägiger Fußballbundesligaclubs und die hohe Zahl der in Fußballvereinen spielenden Kinder und Jugendlichen darauf schließen, dass sich Heranwachsende sehr wohl für Sport begeistern, sei es auf passiver oder aktiver Ebene. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, dass sich die vorliegende Arbeit ausschließlich auf die aktive Sportausübung bezieht, wenngleich auch Fanbewegungen einen durchaus interessanten Aspekt für die Sozial- und Jugendarbeit (z. B. Fanarbeit mit dem Schwerpunkt Hooligans) darstellen. Da sich die Kinder- und Jugendarbeit mit der Maßgabe für die Entwicklung junger Menschen erforderliche Angebote zur Verfügung zu stellen, an den Interessen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausrichtet, stellt sich die Frage, in welchem Umfang Sport Berücksichtigung in diesem Arbeitsfeld findet. Die zweite zentrale Fragestellung lautet folglich: Sind Sport und Jugendarbeit miteinander vereinbar bzw. welche Konzepte und Angebote der Kinder- und Jugendarbeit existieren in diesem Zusammenhang? Darüber hinaus soll geklärt werden, welche Absichten entsprechende Anbieter verfolgen sowie welchen Erfolg sich jene von dem Einsatz von Sportangeboten versprechen.
Im abschließenden Teil dieser Arbeit wird überprüft, ob eine sportorientierte Kinder- und Jugendarbeit speziellen Prämissen unterliegt. Hierfür werden insbesondere die dem Arbeitsfeld „Kinder- und Jugendarbeit“ zugeschriebenen bzw. die von diesem geforderten Grundprinzipien und Qualitätsstandards auf ihre Anwendbarkeit im Sport untersucht.
Die vorliegende Arbeit basiert auf Erkenntnissen einschlägiger Literatur aus den Bereichen der Sozialen Arbeit sowie der Kinder- und Jugendarbeit, der Entwicklungspsychologie und der Sportwissenschaft. Es finden keine eigenen Untersuchungen bzw. Datenerhebungen statt; vielmehr werden bereits veröffentlichte Untersuchungsergebnisse zum Thema „Sport und Jugendarbeit“ auf ihre Bedeutung hinsichtlich der v. g. Fragestellungen überprüft und durch eigene Schlussfolgerungen ergänzt.
Von einer ausführlichen Definition zentraler Begrifflichkeiten (Sport/ Kinder- und Jugendarbeit) wird bewusst Abstand genommen, da in Anbetracht der vielfältigen und teils widersprüchlichen Definitionsversuche, speziell hinsichtlich des Begriffs „Sport“, eine allgemeingültige und abschließende Begriffsklärung im Rahmen
dieser Arbeit nicht möglich ist. Deshalb sei an dieser Stelle erwähnt, dass sich die nachfolgende Abhandlung vorranging auf die Kinder- und Jugendarbeit im Sinne des § 11 SGB VIII bezieht und Sport als körperliche Aktivität in Verbindung mit Spiel und/ oder Wettkampf verstanden wird.
Der Einfachheit halber werden nachstehend hauptsächlich männliche Artikel und Beschreibungsformen verwendet. Alle Ausführungen gelten jedoch ebenso für die weibliche Form.
Wie geschichtliche Überlieferungen belegen, sind sportliche Wettkämpfe seit Anbeginn der Menschheit Bestandteil ihrer Kultur. Bevor die v. g. zentralen Fragestellungen erörtert werden, wird eingangs dieser Arbeit ein Überblick über ausgewählte Epochen hinsichtlich ihrer Bedeutung für junge Menschen im sportlichen Kontext gegeben. .
1. Junge Menschen und Sport - Historischer Rückblick und aktueller Stand in Deutschland
aktuelle Lage zum Sportinteresse und Vereinsengagement von Jugendlichen in Deutschland beleuchtet.
1.1 Historische Aspekte der Leibeserziehung
Ob Ringen im alten Ägypten oder das Ballspiel der Mayaindianer im präkolumbianischen Mittelamerika, Agone (griechisch: „Wettkämpfe“) ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Menschen unabhängig seiner Herkunft und Kultur. Da im Rahmen dieser Arbeit eine vollumfängliche sportgeschichtliche Abhandlung nicht möglich ist, werden an dieser Stelle lediglich einige bezeichnende Zeitabschnitte hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Sport und die Erziehung junger Menschen aufgezeigt.
1.1.1 Sport, Erziehung und Körperkultur in der griechischen Antike Im alten Griechenland nahmen körperliche Übungen und Wettkämpfe eine bedeutende Stellung in Kultur und Erziehung ein (vgl. Krüger 2004, S. 118 f.). Typische Begriffe für das antike Griechenland im Hinblick auf Leibeserziehung, Bildung und Sport waren Agonistik, Athletik und Gymnastik. Während die athletische und gymnastische Erziehung stets in einem engen Zusammenhang mit der Vorberei-
tung auf den Krieg stand, war das Ziel der körperlichen Erziehung in der klassischen und hellenistischen Zeit, die Menschen auf das Leben und für die Zwecke der „Polis“ (altgriechisch: „Stadt“) vorzubereiten.
Der Dichter Homer (8. Jh. v. Chr.) formulierte in seinem Epos „Ilias“ ein Motto, das die gesamte agonistische, athletische und gymnastische Kultur prägte: „Immer der erste zu sein und überlegen den anderen.“ (Homer zit. nach Krüger 2004, S. 118). Folglich war der Sieg das Wichtigste am Wettkampf und nicht die Teilnahme, wie es Vertreter der modernen olympischen Bewegung gerne sehen (vgl. Krüger 2004, S. 104 ff.). Der Dominanzgedanke spiegelte sich auch im Idealbild eines Helden oder Herrschers wider. Neben Klugheit, List und Schläue mussten jene auch über körperliche Vorzüge wie Kraft, Stärke und Geschicklichkeit verfügen.
Im Kriegerstaat Sparta wandelte sich das Ideal der Erziehung. Der einzelne Held, wie zu Zeiten Homers, stand nicht mehr im Mittelpunkt. Um die Macht gegenüber dem rechtlosen, jedoch zahlenmäßig weit überlegenen Volk behaupten zu können, setzten die Spartaner ihre Vorrangstellung allein mit kriegerischen Mitteln und roher Gewalt durch (vgl. Krüger 2004, S. 111 ff.). Ziel der Erziehung in Sparta war der tapfere, aber namenlose Soldat, der sein Leben in den Dienst des Staates stellte und auch bereit war, jenes dem Geburtsland zu opfern. Die Erziehung der spartanischen Jugend bestand aus der Vermittlung kriegerischer und militärischer Fertigkeiten. Schwerpunkte des körperlichen Trainings waren z. B. Laufen, Ringen und Speerwerfen.
„Diese Staatserziehung, im Altertum als die spartanische Agogè () bekannt, war ganz auf die militärischen Erfordernisse ausgerichtet. Unbedingter Gehorsam und Unterordnung unter die Staatszwecke sowie Abhärtung und körperliche Ertüchtigung waren die Hauptziele.“ (Schwenk 1996, S. 47 f.)
Neben den vorwiegend militärischen Zielen gab es aber auch „klassische“ Beweggründe für eine körperliche Erziehung (vgl. Krüger 2004, S. 115 f.). Demnach waren Leibesübungen nicht nur für den Krieg nützlich; zur Zeit des Friedens trugen diese zur Gesundheit, Abhärtung und Widerstandsfähigkeit bei, dienten der Kräftigung und Beweglichkeit des Körpers, förderten das Gemeinschaftsgefühl und die Zusammengehörigkeit, wirkten der Langeweile entgegen und bewahrten die Jugend vor „frevlerischem“ Tun.
Prägend für die griechische Kultur war der Begriff „Kalokagathie“ (griechisch: kalos, „schön“, + kai, „und“, + agathos, „gut“), welcher die geistige, moralische und körperliche Vollkommenheit beschreibt. So gingen die Menschen zu jener Zeit davon aus, dass wer körperlich schön, athletisch und wohlgeformt ist, sogleich auch ein guter und geistig regsamer Mensch sein müsse. Zur Zeit der klassischen griechischen Antike erfuhr die Gymnastik und Athletik in der Erziehung zunächst ihren vorläufigen Höhepunkt (vgl. Krüger 2004, S. 118). In der Folgezeit verloren Leibeserziehung und Körperkultur an Gewicht und Ansehen, was u. a. zur Ursache hatte, dass sich der Schwerpunkt der hellenistischen Erziehung nunmehr auf geistige, philosophische und musische Inhalte verlagerte. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass trotz der vorranging militärischen Absichten ebenso andere Motive für die Leibeserziehung im antiken Griechenland erkennbar waren. Das Streben, nicht nur nach geistiger, sondern auch nach körperlicher Vollkommenheit zeigt, dass bereits zur damaligen Zeit der Wunsch bestand, sich ganzheitlich zu bilden.
1.1.2 Sport- und bewegungsorientierte Pädagogik im 18. und 19. Jahrhundert Das Ende des 18. Jahrhunderts kennzeichnet den Beginn der Moderne und der industriellen Revolution. Das Bürgertum gewann allmählich Einfluss auf die Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens sowie politische Teilhabe. Immanuel Kants Denkansatz „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ (Kant zit. nach Ruffing 2006, S. 139) steht stellvertretend für die beginnende Autonomiebewegung des Verstandes. Als die Philanthropen (aus dem Griechischen: „Menschenfreunde“), ein sich im Jahr 1770 in Deutschland zusammenfindender Kreis von Reformpädagogen, an ihren Internatsschulen die Gymnastik in die Lehrprogramme aufnahmen, sprachen sich ebenso viele Mediziner dieser Epoche aus gesundheits- und bildungspolitischen Gründen für eine Etablierung dieser im schulischen Fächerkanon aus (vgl. Jacob 2000, S. 47 f.). Der Grundsatz der Aufklärung „Allen ist alles zu lehren“ spiegelte sich ebenfalls in einer ganzheitlichen Erziehung wider. Neben der geistigen Bildung und der Lehre von Tugenden, Sitte und Moral gehörte zu einer umfassenden Erziehung
nun auch die Unterrichtung und Ausformung des Körpers sowie dessen Pflege und Beherrschung (vgl. Krüger 2005a, S. 23). Bekannte Vertreter einer ganzheitlichen Erziehung waren u. a. Jean-Jacques Rousseau und Johann Heinrich Pestalozzi.
Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) entwickelte zwar keine eigene Theorie zur Leibeserziehung, jedoch enthielt sein Roman „Emile oder über die Erziehung“ viele grundsätzlich neue Gedanken über Erziehung in Zusammenhang mit körperlichen Erfahrungen, Bewegung sowie der grundlegenden Schulung des Körpers für die Entwicklung eines Menschen (vgl. Krüger 2005a, S. 26 ff.). So war auch für die Romanfigur Emile die Vielfalt der körperlichen und sinnlichen Erfahrungen durch Bewegung, Spiel und Training während seiner Kindheit von entscheidender Rolle für die spätere Beherrschung seines Körpers, die Entwicklung seines Selbstbewusstseins und die Erfahrung des eigenen Leistungsvermögens. Das Grundprogramm der Philanthropen beinhaltete Naturnähe, einfaches Leben, Abhärtung sowie körperliche Erziehung und stand somit ganz im Zeichen der „natürlichen Erziehung“ Rousseaus (vgl. Krüger 2005a, S. 29 ff.). Die Erziehung der Philanthropen zielte ferner auf eine unmittelbare Lebensvorbereitung ab. Leibesübungen wie z. B. Laufen, Springen, Klettern, Balancieren und Tragen sollten die Schüler auf Alltagssituationen, für die körperliches Geschick und Leistungsvermögen essentiell waren (z. B. in Handwerksberufen), vorbereiten. Einer der bekanntesten Vertreter der Philanthropen war Johann Christoph Friedrich Guts-Muths (1759-1839), welcher als Lehrer neben Erdkunde und Handarbeit auch Gymnastik unterrichtete.
„Die Hauptabsicht der Erziehung ist schon seit Jahrhunderten, daß eine gesunde Seele in einem starken gesunden Körper sey. Wie mag es aber kommen, daß wir auf die Ausbildung des letztern so wenig denken, ungeachtet wir mit unwidersprechlicher Gewißheit wissen, daß den Schwachen und Kränklichen, den Weichling und Verzärtelten nichts, gar nichts, weder Geld noch Ordensband, weder Gelehrsamkeit noch Tugend vor den traurigen Folgen schützen, die aus seinem Zustande für ihn entstehen?“ (GutsMuths 1804, S. 9)
GuthsMuths verfasste mehrere Werke zur Gymnastik, zum Schwimmen, zum Spielen und zum Turnen. Seine wohl berühmteste Arbeit „Gymnastik für die Jugend“ erschien 1793 bzw. 1804 in überarbeiteter Auflage und enthält Erfahrungen aus seiner praktischen Arbeit als Gymnastiklehrer. Die systematische Erprobung
und Weiterentwicklung von Übungen sowie die Überzeugung, dass die „richtige“ Lebensweise von Erwachsenen vorgelebt werden müsse und dass Zwang bei der gymnastischen Ausbildung nicht angebracht sei, hatten eine immense Auswirkung auf die damalige Theorie und Praxis der Leibesübungen sowie des Turnens in Schule und Verein. So wurde das Buch „Gymnastik für die Jugend“ in viele europäische Sprachen übersetzt.
Die Zeit um 1800 war von einem gesellschaftlichen Wandel geprägt (vgl. Krüger 2005a, S. 42 ff.). Die Menschen versuchten ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen bzw. sich vom Denken aus der bisherigen Abhängigkeit adeliger und kirchlicher Autoritäten zu lösen. Sie forderten Freiheit und Souveränität und entdeckten ihr Selbstbewusstsein sowie ihre nationale Identität. Der nationale Gedanke, der während der Romantik im 19. Jahrhundert in Europa vorherrschte, spiegelte sich auch in der Leibeserziehung wider. Der „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) verfolgte zu dieser Zeit die Idee einer am Körper ansetzenden, ursprünglich naturhaften und nationalen Erziehung. Gegenüber Pestalozzi, dessen Motivation für eine körperliche Erziehung darin bestand, hilfebedürftige Bevölkerungsgruppen (Arme, Kinder etc.) vor einer körperlichen Verwahrlosung zu schützen, war Jahns vorrangiges Ziel die nationale Vereinigung und militärische Ertüchtigung des Volkes. In den 1840er Jahren entstandenen Turnvereinen erfuhren Kleinbürger und Handwerker Gemeinschaftsgefühl und gegenseitige Hilfe. Der in Deutschland gegenwärtige Sport auf institutioneller Ebene ist u. a. auf das Engagement der bürgerlichen Turnvereinsbewegung und die Einführung des fakultativen Turnens an den Schulen im 19. Jahrhundert zurückzuführen.
„Bildung und Erziehung durch Bewegung, Gymnastik, Turnen, Spiel und Sport haben in Deutschland bis heute grundsätzlich zwei organisatorisch-institutionelle Orte: die Schule und den Verein. Die Gründe dafür liegen in der Geschichte des Turnens in der Mitte des 19. Jahrhunderts.“ (Krüger 2005a, S. 112)
Im Jahr 1842 wurde das Turnen offiziell als Erziehungsmittel in Schulen anerkannt (vgl. Krüger 2005a, S. 70 ff.). Ausschlaggebend dafür war, dass sich Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in einem Modernisierungsprozess befanden. Der Mediziner Ignaz Lorinser (1796-1853), für den gesundheitliche und medizinische Aspekte im Vordergrund standen, sah das Turnen und die körperliche Erziehung als Mittel, um den mit der Modernisierung verbundenen Problemen, z. B. die kör-
perliche Degeneration insbesondere der sitzenden und gebildeten Menschheit, entgegen zu wirken. Adolf Spieß (1810-1858), „Vater des Schulturnens“ und Turnsystematiker des 19. Jahrhunderts, entwickelte eine Reihe von Turnübungen, die es ermöglichten, das Turnen in den laufenden Schulunterricht einzubinden (Krüger 2005a, S. 128). Charakteristische Inhalte seines Turnunterrichts waren Körperbeherrschung, Ordnung und Disziplin.
Abschließend lässt sich festhalten, dass das Engagement der Turnvereinsbewegung des 19. Jahrhunderts ebenso von nationalen und militärischen wie auch von pädagogischen und gesundheitlichen Motiven geprägt war.
„Seit Beginn des 19. Jahrhunderts waren dann alle Bestrebungen zur Integration der Körperbildung in eine ganzheitlich aufgefaßte Erziehung, wie sie der populäre Heinrich Pestalozzi, der sich auch der unteren Sozialschicht annahm, und viele seiner zeitgenössischen Kollegen vertraten, relativ eng mit der politischen Willensbildung verflochten.“ (Jacob 2000, S. 49)
Wenngleich auch politische Ziele für die Weiterentwicklung der Leibeserziehung mitverantwortlich waren, trugen pädagogische und medizinische Gesichtspunkte mindestens im selben Maß dazu bei. Der gesellschaftliche Wandel zur Zeit der Aufklärung, der Umbruch in den Naturwissenschaften, die Naturverbundenheit, die Berufung auf die Vernunft sowie die Schaffung grundlegender Bürgerrechte beeinflussten die Pädagogik nachhaltig. Pädagogen befassten sich seitdem nicht mehr nur mit geistigen, sittlichen und moralischen Inhalten, sondern machten sich ebenfalls die Rolle des Körpers und die Bedeutung von Bewegung bewusst. Die Bildung erfuhr damit eine ganzheitliche Sichtweise. So fanden bei der Ausübung von Erziehung beispielsweise auch äußere Faktoren wie die auf den Körper wirkenden Folgen der beginnenden Industrialisierung eine Berücksichtigung.
1.1.3 Körperliche Erziehung im Nationalsozialismus
„Mit der Jugend beginne ich mein Erziehungswerk. (…) Sehen Sie sich diese jungen Männer und Knaben an. Welch Material. Daraus kann ich eine neue Welt formen. Meine Pädagogik ist hart. Das Schwache muss weggehämmert werden. In meinen Ordensburgen wird eine Jugend heranwachsen, vor der sich die Welt erschrecken wird. Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich. Jugend muss das alles sein. Schmerzen muss sie ertragen. Es darf nichts Schwaches und Zärtliches an ihr sein.“ (Hitler 1940 - im Gespräch mit Hermann Rauschning zit. nach: Krüger 2005b, S. 152)
Krüger vergleicht Hitlers Erziehung und Körperausbildung mit der „Pferdezucht“ (vgl. Krüger 2005b, S. 153 ff.). Tatsächlich war die „Zucht“ eines neuen Menschen erklärtes Ziel der Nationalsozialisten. Die Jugend wurde als „Rohstoff“ angesehen, aus dem die neue Herrenrasse hervorgehen sollte. Die Pädagogik hatte sich dabei grundsätzlich den Zielen des Nationalsozialismus unterzuordnen. Ein Befürworter dieser Ideen war der Philosoph und Pädagoge Alfred Baeumler (1887-1968). Er sah Menschen als „unbeschriebene Blätter“ und einzig die Umwelt bestimme, wie diese beschrieben werden. Baeumler prägte die Gestaltung sowie Umsetzung der politischen Bildung und nationalsozialistischen Leibeserziehung nachhaltig.
Bezeichnend für die Leibeserziehung im Nationalsozialismus war, dass diese vom Jungvolk über die Hitlerjugend bis hin zur SS und SA stets präsent war. Alle Menschen jeden Alters standen somit unter ständiger Kontrolle der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Aber nicht nur in den Institutionen der Partei fand eine „politische Erziehung“ im Sinne des „nationalsozialistischen Erziehers“ statt, sondern auch das im Jahr 1935 eingerichtete Amt K (Körperliche Erziehung) im Reichsministerium für Erziehung, Wissenschaft und Volksbildung widmete sich der Leibeserziehung an Schulen und Hochschulen. Volksgemeinschaft, Wehrhaftigkeit, Rassebewusstsein und Führertum waren die Grundlagen der nationalsozialistischen Weltanschauung und gleichwohl Prinzipien der „politischen Leibeserziehung“, die der Jugend im Bereich Bewegung, Turnen, Sport und Spiel vermittelt werden sollten. Bei der Leibeserziehung für Mädchen galten dem Grunde nach die gleichen Maximen wie für Jungen, jedoch mit der Besonderheit, dass Erstere hinsichtlich der „Rassenpflege“ zudem auf ihre künftige Bestimmung als Mütter und Erzieherinnen vorbereitet werden sollten. Der Schulsport wurde 1935 auf fünf Wochenstunden ausgeweitet und verfolgte von da an neben dem Turnunterricht nun auch kämpferische Mannschaftsspiele, Boxen und wehrsportliche Übungen wie Schleichen, Robben, Hindernisklettern und Kriechen. Für die Schaffung einer widerstandsfähigen und für den Krieg gerüsteten Jugend mussten sich Turnlehrer und Leibeserzieher einem Prüfungslehrgang in der „Führerschule“ in Neustrelitz unterziehen.
Im Freizeitbereich wurden Sportvereine und Verbände nach der Machtergreifung der NSDAP größtenteils in den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen (DRL; 1938 in Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen [NSRL] umbenannt) überstellt. Der Eindruck eines einheitlichen und blühenden Sportbetriebs im Nationalsozialismus täuscht jedoch, denn innerhalb des DRL wurde um die einzelnen Betätigungsfelder des ehemals freien Vereinssports gestritten. Sowohl die Hitlerjugend (HJ), der Bund Deutscher Mädchen (BDM), die Deutsche Arbeitsfront, die Sturmabteilung (SA) und die Schutzstaffel (SS) als auch die Urlaubsorganisation „Kraft durch Freude“ (KdF) versuchten den Massensport für sich zu beanspruchen, was zur Folge hatte, dass das Sportleben in den noch verbliebenen Vereinen zusehends zum Erliegen kam. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs wurden Sportler zum Militär einberufen und Turnhallen für Kriegszwecke umfunktioniert. Dadurch wurde der Sportbetrieb gänzlich eingestellt. Der Sport erlebte zur Zeit des Nationalsozialismus eine politische Instrumentalisierung. Von einer Leibeserziehung im Rahmen einer humanistischen Bildung konnte kaum mehr die Rede sein. Ähnlich wie im Kriegerstaat Sparta basierte die körperorientierte Erziehung im Deutschen Reich auf militärischen Interessen. Eine „unerschrockene“ und „grausame“ Jugend war neben ideologischen Gründen Voraussetzung für eine starke Streitmacht. Durch den Sport war das NS-Regime in der Lage, Einfluss und Kontrolle auf das alltägliche Leben der Menschen zu nehmen. Die Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie mittels Leibeserziehung und Förderung der körperlichen Ertüchtigung des Volkes macht deutlich, dass Sport auch als Medium begriffen werden muss. Abhängig von vorherrschender Gesellschaft und Politik kann Sport für die Streuung und den Austausch gezielter Informationen genutzt werden.
1.1.4 Leistungssport in der DDR
Der synonym für Sport gebräuchliche Begriff „sozialistische Körperkultur“ sollte zum Ausdruck bringen, dass in der DDR eine hochwertige und überlegene Leibeserziehung vorherrsche, die keine Klassengegensätze kenne, die allen zugutekomme, die wissenschaftlich begründet und erforscht sei und die die Überlegenheit der Leistungsfähigkeit der im Sozialismus lebenden Menschen widerspiegele (vgl. Krüger 2005b, S. 189 ff.). In der DDR war der Sport den
Weisungen und Richtlinien der kommunistischen Staats- und Parteiführung unterstellt, eine Gründung von eigenständigen Sportvereinen war untersagt. Das Volk hatte für die Sportausübung in einer Vereinigung nur die Möglichkeit, sich einer „Betriebssportgemeinschaft“ anzuschließen. Ein eigeninitiierter Freizeit-und Breitensport war nicht erwünscht, da der Staat fürchtete, damit die Kontrolle über seine Bürger zu verlieren. Mit der Gründung des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) im Jahr 1957 wurde der Sport in der DDR seitdem zentral organisiert und gesteuert. Selbsterklärte Ziele des DTSB waren die Einbindung des Sports in die Arbeit zum Aufbau des Sozialismus, die Erziehung und Disziplinierung aller Sporttreibenden im Sinne der Partei und der sportliche Wettstreit gegen Westdeutschland. Die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) sowie das Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport bereiteten systematisch die großen Sporterfolge der DDR vor.
Aufgabe des Schulwesens in der DDR war die Erziehung „allseitig entwickelter sozialistischer Persönlichkeiten“ (vgl. Krüger 2005b, 195 ff.). Die damit verbundenen Ziele der körperlichen Ausbildung und des Schulsports waren die Förderung disziplinierten Verhaltens, sozialistischer Moral, kollektiven Handelns und die Verteidigung des Vaterlandes. Der Sportunterricht in der DDR orientierte sich stark am Leitungssport (wettkampfbezogen, erfolgsorientiert) und hatte effektiv, diszipliniert sowie mitunter in militärisch strenger Form zu erfolgen. Neben dem Leistungsprinzip war der Wehrsport und Wehrunterricht Bestandteil des Sports an der Schule, was sich z. B. darin äußerte, dass sich bereits Erstklässler in Geländespielen übten und in einer für das Militär typischen Ordnungsform zum Unterrichtsbeginn anzutreten hatten (Antreten, Grüßen, Meldung, „Sport frei!“). Ab 1965 fanden regelmäßig die sogenannten „Spartakiaden“ statt, bei denen Kinder und Jugendliche auf Schul-, Kreis- und Bezirksebene sportliche Wettkämpfe absolvierten. Dem Leistungsprinzip entsprechend qualifizierten sich nur die Besten für die Endkämpfe bei den Kinder-und Jugendspartakiaden.
Über die Eignung zum Leistungssport entschied die „Einheitliche Sichtung und Auswahl“ (ESA). Ein auf mehreren Ebenen basiertes Talentsystem war dafür verantwortlich, dass nur die Besten der Besten ausgehend von den Trainings- zentren (TZ) über die Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) bis hin in die Sport-
clubs (SC) vorrückten und als sportliche Leistungselite der DDR in Wettkämpfen antraten. Für die Aufnahme an einer KJS war jedoch nicht nur sportliches Talent erforderlich, gute schulische Leistungen und Engagement in sozialistischen Jugendorganisationen waren ebenso wichtig wie die Nichtexistenz einer Verwandtschaft ersten und zweiten Grades in der Bundesrepublik Deutschland oder in anderen westlichen Staaten. Der Unterricht an der KJS war für die Kinder und Jugendlichen von hoher Belastung. Neben dem sportlichen Training stand Schulunterricht, politischer Unterricht und die Tätigkeit in Pionierorganisationen auf dem Programm. Der Unterricht umfasste zum Teil bis zu sechzig Stunden in der Woche. Die Sportschulen ähnelten Kasernen, in denen die Kinder und Jugendlichen ganztägig unter Aufsicht der Trainer und Erzieher standen. Der „Kalte Krieg“ war in der DDR auch im Bereich des Sports präsent. Für internationale Anerkennung und Billigung als „zweiter“ deutscher Staat förderte das politische System den Spitzensport mit größtem Aufwand (vgl. Krüger 2005b, S. 199). Nach der UdSSR und den USA war die DDR die führende Macht im Spitzensport. Für das Erreichen dieser Stellung im internationalen Sportvergleich und vor allem gegenüber dem „Klassenfeind“ war den Parteifunktionären jedes Mittel recht. So wurde beispielsweise im Ministerium für Staatssicherheit (MfS) eine eigene „Abteilung für Arbeits- und Sportmedizin“ gegründet, die sich mit der Erforschung und dem Einsatz von Dopingmitteln befasste. Wenn auch unter anderen Vorzeichen, lassen sich zwischen der „sozialistischen Körperkultur“ und der „nationalsozialistischen Leibeserziehung“ Gemeinsamkeiten erkennen. Eine humanistische Körperziehung stand in der DDR ebenso wenig im Vordergrund wie im Dritten Reich; vielmehr hatte sich der Sport den staatspolitischen Zielen unterzuordnen. Neben der ideologischen Bildung und Formung einer kommunistischen bzw. nationalsozialistischen Gesinnung hatten beide Systeme die fortwährende Aufsicht und staatliche Kontrolle heranwachsender Sportler sowie die teils militärische Anleitung von Kindern und Jugendlichen auf sportlicher Ebene gemeinsam.
1.2 Sportliche Betätigung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland
Wie der sportgeschichtliche Abriss zeigt, kommt Sport und Bewegung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und insbesondere in der Erziehung von jeher eine große Bedeutung zu. Oft waren es politische Interessen, die das Sportverhalten junger Menschen direkt oder indirekt steuerten. Welche Intention die sport-orientierte Kinder- und Jugendarbeit aktuell verfolgt bzw. welche Erfolge sich diese durch die Verwendung des Mediums Sport verspricht, soll an späterer Stelle dieser Arbeit erläutert werden. Nachfolgend wird zunächst das gegenwärtige Sport- und Bewegungspotenzial von Jugendlichen in Deutschland betrachtet. Als Indikatoren für Ausmaß und Umfang des Sportinteresses sowie des Bewegungsradius junger Menschen dienen ihr Engagement in Sportvereinen sowie die Folgen von Bewegungsmangel.
1.2.1 Engagement im Vereinssport
In Deutschland existieren über 90.000 Sportvereine mit mehr als 27 Millionen Mitgliedern (vgl. DOSB 2010, S. 13 ff.). Die Zahlen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) machen deutlich, dass Sportvereine auch bei jungen Menschen großen Anklang finden. Besonders Jungen im Alter von sieben bis vierzehn Jahren sind zahlenmäßig stark im Vereinssport vertreten. Abb. 2: Organisationsgrad des deutschen Sports 2009
Quelle: Bestandserhebung DOSB 2009
Mädchen treiben i. d. R. weniger Sport als Jungen und sind auch seltener in Sportvereinen aktiv. Signifikant ist ebenso der Unterschied zwischen „West“ und „Ost“; so sind beispielsweise Mädchen im Alter von sieben bis vierzehn Jahren in
den alten Bundesländern mit 66,79 Prozent fast doppelt so stark in Sportvereinen vertreten wie altersgleiche Mädchen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR mit 34,29 Prozent. Diese Zahlen verblüffen, wenn man bedenkt, dass gerade die Frauen der DDR im Leistungssport zur Weltelite gehörten. Für die generell schwächer ausgeprägte Sportvereinsmitgliedschaft in den neuen Bundesländern könnte u. a. der Wegfall von Betrieben und Produktionsgemeinschaften der ehemaligen DDR verantwortlich sein, die zu ihrer Zeit personelle und materielle Ressourcen für die sportliche Betätigung zur Verfügung stellten (vgl. Baur/Burrmann 2003, S. 378).
Das gegenwärtige Angebot der Sportvereine in Deutschland ist nicht nur in Bezug auf die angebotenen Sportarten vielfältig, auch die jeweiligen Leistungsbereiche und Vereinsphilosophien unterscheiden sich. Während sich einige Vereine dem Leistungssport verschreiben, konzentrieren sich andere Organisationen auf Bereiche des Breiten-, Freizeit- und Gesundheitssports. Leistung, Anerkennung und Verdienstmöglichkeiten stehen beim Spitzensport im Vordergrund; Ziel des Freizeit- und Breitensports ist dagegen das Erleben von Vergnügen, Geselligkeit, Entspannung und Gesundheit. Viele Vereine engagieren sich darüber hinaus im sozialen Bereich. Beispielhaft seien an dieser Stelle die Projekte der Deutschen Sportjugend (dsj) „Am Ball bleiben - Fußball gegen Rassismus und Diskriminierung“ und „Leitprojekt Sport! Jugend! Agiert!“ genannt (vgl. www.dsj.de). Beide Projekte setzen sich intensiv mit dem Umgang von Rechtsextremismus im Sport auseinander. Selbsterklärte Ziele sind dabei die Förderung von Toleranz und Demokratie sowie die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Aktives jugendliches Vereinsengagement ist auf zweierlei Ebenen möglich; neben der sportlichen Betätigung im Verein selbst können junge Menschen z. B. als Trainer, Schiedsrichter, Vorstand, Jugendwart oder Jugendsprecher den Sportverein aktiv mitgestalten und organisieren. Das freiwillige und ehrenamtliche Engagement auf organisatorischer Ebene ist nicht nur für die Bestandserhaltung der Vereine wichtig, sondern trägt auch wesentlich zur Förderung des Selbst- und Mitbestimmungsrechts sowie zur Toleranz- und Kritikfähigkeit der Jugendlichen bei (vgl. Piepgras-Brink 2009, S. 5). Piepgras-Brink weist darauf hin, dass demokratisch geführte Sportvereine einen wesentlichen Beitrag für das Demokratie- verständnis und Sozialverhalten von Kindern und Jugendlichen leisten können.
Arbeit zitieren:
Sebastian Albrecht, 2011, Fit for life – Sport in der Kinder- und Jugendarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Sozialpädagogik / Sozialarbeit: Fit for life – Sport in der Kinder- und Jugendarbeit ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Sozialpädagogik / Sozialarbeit: neuer Titel erschienen: Fit for life – Sport in der Kinder- und Jugendarbeit
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