Inhaltsverzeichnis
Einf ührung. 3
1 Autor und Werk. 4
1.1 Autor. 4
1.2 Überlieferung. 6
1.2.1 Werk. 6
1.2.2 Würzburger Liederhandschrift. 8
2 Gedicht-Typus und historische Einordnung. 8
2.1 Historische Einordnung. 8
2.1.1 Zeitgenössische Literatur. 9
2.1.2 Reimpaargedichte. 9
2.2 Der Gedicht-Spezialtyp des Königs vom Odenwald. 10
2.2.1 Charakteristika. 10
2.2.2 Gedichtbeispiele. 13
2.3 Der König vom Odenwald - Tradition oder Sonderfall? 14
Res ümee. 16
Abbildungsverzeichnis. 17
Abk ürzungsverzeichnis. 17
Literaturverzeichnis. 18
2
Einführung
In der Tradition der paradoxen Lobrede werden an Stelle von lobenswerten Dingen augenscheinlich lästige und unlobenswert scheinende Gegenstände, Tiere und Gebrechen gelobt - Die Fliege und der Floh, die Kahlheit und die Torheit, die Gicht und die Dummheit. Es handelt sich um eine Tradition, die seit der Antike besteht und auch von Berühmtheiten ihrer Zeit, wie Hucbald von Saint-Armand (gest. 930), Erasmus von Rotterdam (gest. 1536) und Jean Paul (gest. 1825), weitergeführt wurde.
Im Mittelalter treffen wir auf einen Zeitgenossen, der auf den ersten Blick die Tradition der paradoxen Lobrede weiterführt, indem er die Kuh, das Schwein und weitere Nutztiere, sowie Alltagsgegenstände lobt. Seine Verse beschreiben durch sehr eigenwillige Argumente die Unentbehrlichkeit der gelobten Gegenstände und Tiere. Doch steht dieser Autor in der Tradition der Adoxographie? Wie lobt er und warum? Unter welchem Umständen entstanden seine Werke? Und wer ist eigentlich dieser Dichter, der sich selbst König vom Odenwald nennt? Im Vorwort zu „König vom Odenwald - Gedichte“ weist Reinhard Olt darauf hin, dass die Gedichte des mittelalterlichen Dichters zwar in der Literaturgeschichtsschreibung Beachtung und Würdigung erhalten haben, jedoch im Laufe der Zeit immer wieder Fragen und Unstimmigkeiten in der Forschung aufwerfen 1 . Es handelt sich hierbei sowohl um stoffliche Fragen, die die Überlieferung betreffen und die Suche nach weiteren Gedichten seiner Verfasserschaft, als auch um Fragen zur Person, die nur unter dem offensichtlichen Pseudonym König vom Odenwald zu fassen ist.
1 Vgl. Olt 1988, S. 9.
3
1 Autor und Werk
1.1 Autor
Der König vom Odenwald (künig vom Otenwalde bzw. meistens nur künig) verfasste seine Gedichte um 1340. Seine Identität ist bis heute ungeklärt. Aufgrund seiner Selbstbezeichnung als König vom Odenwald, wobei es sich offensichtlich um ein Pseudonym handelt, geht man davon aus, dass er aus dem Odenwald stammte. Gisela Konrumpf merkt hierbei jedoch an, dass der Odenwald aber auch literarisch besetzt ist (Siegfried stirbt dort) und es sich deshalb auch um einen willkürlich gewählten Name handeln kann 2 . Möglich wäre auch eine Art Familienname. Eine zeitlang lebte er in Würzburg im engen Umkreis des Michael de Leone und in der Gegend des (Ober-)Rheins, dies geht aus verschiedenen Quellen hervor 3 . Der Dialekt, in dem seine Gedichte verfasst bzw. aufgeschrieben wurden, gibt Aufschluss über seine Herkunft bzw. (s)einen Aufenthaltsort: Die Sprache der überlieferten Gedichte ist Ostfränkisch (s. Abb.1), d.h. er war im mitteldeutschen Gebiet beheimatet 4 (Abb. 2). Außerdem findet sich ein „treues Abbild der Sitten und Gebräuche des Frankenlandes“ in seinen Gedichten 5 .
Würzburg
Odenwald
Abb. 1: Schriftdialekte in mittelhochdeutscher und mittelniederdeutscher Zeit
2 Vgl. Kornrumpf 1985, S. 78.
3 Vgl. Olt 1988, S. 16-17.
4 Vgl. v. Bahder 1878, S. 195.
5 Vgl. v. Bahder 1878, S. 213.
4
Odenwald
Ob er Berufsdichter war, worauf die sorgfältig signierten Gedichte hinweisen, von dessen Werk nur noch Teile erhalten sind, oder Gelegenheitsliterat, ist unbekannt 6 . Olt vermutet, „daß es sich beim KvO [König vom Odenwald] nicht um eine ‚bescheidene Lokalgröße’ [...] sondern um einen zu seiner Zeit [...] einigermaßen geachteten Dichter gehandelt haben muß“ 7 . Aufgrund seiner Lese- und Schreibkenntnis und der Vertrautheit mit Texten der großen mittelalterlichen Dichter, ordnet man ihn dem Bildungsbürgertum zu. Vermutlich studierte er an verschiedenen europäischen Universitäten 8 .
Es gibt verschiedene Theorien zu seiner Identität: v. Bahder vermutet aufgrund der Selbstbezeichnung als König vom Odenwald in ihm einen „König“ der Spielleute im Odenwald 9 . Er könnte aber auch - darauf weisen die vielen Anspielungen auf Speisezubereitung in seinen Gedichten hin - der Küchenmeister des Michael de Leone gewesen sein 10 , in dessen Hausbuch (sog. Würzburger Liederhandschrift) zwölf seiner (vermutlich dreizehn) Gedichte überliefert sind.
6 Vgl. Kornrumpf 1985, S. 78.
7 Olt 1988, S. 12.
8 Vgl. Olt 1988, S. 25.
9 Vgl. v. Bahder 1878, S. 213.
10 Vgl. Schröder 1904, S.37-34 und Keyser 1966, S. 131.
5
Reinhard Olt stellt eine weitere Theorie zur Identität des Königs vom Odenwald 1 auf, er vermutet hinter dem Pseudonym König vom Odenwald „eine höherstehende Persönlichkeit aus diesem Raum [gemeint ist der Odenwald] in der Umgebung Michaels de Leone“ 11 . Dass sich dieser Dichter hinter einem Pseudonym versteckt spricht dafür, „daß er unerkannt bleiben will, zumal er [...] in seinen Gedichten nicht nur den Nutzen der Haustiere lobt, sondern in gleichem Umfang massive Ständekritik übt“ 12 .
1.2 Überlieferung
Die Überlieferung der Gedichte vom König vom Odenwald beschränken sich hauptsächlich auf ein handschriftliches Werk aus dem 14. Jahrhundert. Urkundlich ist er nicht zu fassen und es ist schwer, ihm anonym geschriebene Gedichte nachträglich zuzuordnen.
1.2.1 Werk
Das Werk des Königs vom Odenwald umfasst mindestens zwölf Gedichte, die alle in der Würzburger Liederhandschrift enthalten sind 13 , es finden sich auch Überlieferungen in der Gothaer Sammelhandschrift (diese ist fast ein Jahrhundert nach
der Würzburger Liederhandschrift e n t s t a n d e n ) u n d v e r e i n z e l t a u c h g e k ü r z t e Fassungen und Bruchstücke (hier meist ohne Autornennung) in anderen Sammel-handschriften und Frühdrucken 14 . Diese Gedichte können aufgrund der Selbstnennung des Dichters dem König vom Odenwald zugeordnet werden. Die Gedichte des Autors wurden in mehreren zeitlich getrennten Absätzen geschrieben 15 . Außerdem macht keines der Gedichte „den Eindruck, als habe es schon mehrere Handschriften passiert, die verschiedenen Schreiber werden der Sprache, in welcher
11 Olt 1988, S. 21.
12 Olt 1988, S. 21.
13 Vgl. De Boor/Newald 1987, S. 37.
14 Vgl. Olt 1988, S. 12.
15 Vgl. Schröder 1904, S. 5.
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Arbeit zitieren:
B.A. Cornelia Reinhardt, 2010, Der 'König vom Odenwald' in der Tradition der paradoxen Lobrede?, München, GRIN Verlag GmbH
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