Inhaltsverzeichnis
Einf ührung. 3
I HINTERGRUND
1 Zeitliche Einordnung (Modulvorlesung) 4
2 Levinus Hulsius und das Dictionarium Teutsch-Frantzösisch vnd
Frantz ösisch-Teutsch. 5
2.1 Levinus Hulsius. 5
2.2 Das Dictionarium Teutsch-Frantzösisch vnd Frantzösisch-Teutsch. 6
3 Auflagen. 8
3.1 Erste und zweite Auflage. 8
3.2 Dritte Auflage und weitere Editionsgeschichte. 9
3.3 Leservorrede der dritten Auflage: „An den Leser“ 11
II UNTERSUCHUNG DES DICTIONARIUMS FRANTZÖSISCH-TEUTSCH
1 Einführendes, Methode. 12
2 Untersuchung der Alphabetstrecken A, N und Q. 13
2.1 Alphabetstrecke AA-AO. 14
2.2 Alphabetstrecke N. 16
2.3 Alphabetstrecke Q. 18
2.4 Auswertung. 20
Fazit. 21
Abbildungsverzeichnis. 22
Abk ürzungsverzeichnis. 22
Literaturverzeichnis. 23
Anhang. 25
2
Einführung
Die zweisprachige alphabetische deutsch-lebendfremdsprachige Lexikographie beginnt um 1600 vor allem mit den Wörterbüchern von Levinus Hulsius (vgl. Müller 2001, S. 241). Es handelt sich hierbei noch um eine Randerscheinung in der Wörterbuchlandschaft (vgl. Müller 2001, S. 259), aber das wohl bedeutendste lexikographische Werk von Hulsius - das erste umfangreiche französisch-deutsche Wörterbuch - war recht erfolgreich (es erlebte mehrere Auflagen) und wurde auch später u.a. von den Brüdern Grimm (vgl. Hausmann 1984, S. 307) für ihre Sprach-forschungen genutzt.
Das Dictionarium Teutsch-Frantzösisch vnd Frantzösisch-Teutsch (Titel des deutsch-französischen Teils) bzw. Dictionnaire françois-alemand et alemandfrançois (Titel des französisch-deutschen Teils) von Levinus Hulsius ist Gegen-stand der Untersuchungen in dieser Arbeit: Es sollen die erste Auflage von 1596 und die erheblich überarbeitete dritte von 1607 gegenübergestellt und verglichen werden.
Im ersten Teil (Hintergrund) steht der Autor Levinus Hulsius und das aus seiner Feder stammende französisch-deutsche Wörterbuch hinsichtlich der Quellenabhängigkeit, Entstehung, Bearbeitung und Bedeutung im Mittelpunkt. Außerdem fließen Aspekte der Modulvorlesung zum Thema Sprachkontakt in die Arbeit ein. Im zweiten Teil (Untersuchung) wird an konkreten Beispielen (die Alphabetstrecken A, N, Q) untersucht, inwieweit sich die erste und die dritte Auflage des Werks unterscheiden, unter anderem bezüglich der Umsetzungen des Vorworts der dritten Auflage und der Lemmaanzahl.
3
I HINTERGRUND
1. Zeitliche Einordnung (Modulvorlesung)
Im Rahmen der Modulvorlesung wurde das Thema Sprachkontakt und seine Folgen behandelt. Dieses Thema eignet sich gut, um an den Gegenstand des französischdeutschen Wörterbuchs von Levinus Hulsius heranzuführen. Sprachkontakt gibt einen Anlass für die Erarbeitung eines zweisprachigen bidirektionalen Wörterbuchs: die gegenseitige Verstehbarkeit soll gefördert werden. Das Französische nahm in der Geschichte der deutschen Sprache eine bedeutende Rolle ein. Dies soll im Folgenden kurz erörtert werden.
Schon im Mittelalter - zur Zeit der höfischen Literatur (12. bis 13. Jahrhundert)gab es Sprachkontakt zwischen dem Deutschen und dem Französischen (vgl. Stedje 2007, S. 105); die höfische Kultur beeinflusste die deutsche. Zu dieser Zeit wurden bedeutende frz. Werke (u.a. von Chrétien de Troyes, 12. Jh.) übersetzt (vgl. Brunner 2007, S. 193-199). „Mit der Übernahme der französisch-provenzalischen gesellschaftlichen Lebensform drangen auch viele französische Wörter in die Sprache der Ritter ein“ (Stedje 2007, S. 118).
Ein weitere Sprachkontakt-Epoche Französisch-Deutsch fand im 17./18. Jahr-hundert statt. Wie schon im Mittelalter galt das Französische als Sprache des Adels (Oberschicht) und hatte auch zuerst in Adelskreisen sprachlichen Einfluss. Diese Bewegung wird unter dem Begriff Alamodewesen zusammengefasst (vgl. Werner 2007, S. 105). Es fand eine starke Beeinflussung auf lexikalischer Ebene statt: vor allem in der Adelskultur (z.B. Baron, Dame, Exzellenz), in der Architektur, in der Verwaltungs- und Rechtssprache (z.B. Archiv, finanzieren) und im Militärwesen. Es wurde nicht die Sprache erlernt, sondern die aufgrund von Kulturkontakt notwendigen Ausdrücke aus der Kontaktsprache übernommen, zum Teil als Lehnwörter (z.B. finanzieren), zum Teil direkt als Fremdwörter (z.B. Balkon). Die französischen Ausdrücke galten als besonders chic und spiegelten die neuen Kulturimporte wider. Einige der importieren Wörter stammen aus wirtschaftlichem Kontext und weisen daher auf rege Handelsbeziehungen hin. Das Französische hatte den Status einer Prestigesprache und wurde zur Sprache der Gesellschaft. Daneben drang die französische Sprache aber auch in die Unterschicht ein, weil aufgrund der vorherrschenden politischen Auseinandersetzungen
4
und Kriege (z.B. Hugenottenkriege, Dreißigjähriger Krieg) viele Einwanderer niederer Stände nach Deutschland kamen (vgl. Werner 2007, S. 105). Levinus Hulsius erkannte Ende des 16. Jahrhunderts die große Wichtigkeit der Verständigung beider Sprachparteien und schuf das erste umfangreiche französischdeutsche (et vice versa) Wörterbuch.
„Bis 1936 war Französisch die erste moderne Fremdsprache an den Gymnasien in Deutschland. Erst dann wurde es vom Englischen abgelöst“ (Werner 2007, S. 105). Neben Latein hatte also das Französische bis zu Beginn der Neuzeit den größten Einfluss auf die deutsche Sprache.
2. Levinus Hulsius und das Dictionarium Teutsch-Frantzösisch vnd
Frantzösisch-Teutsch
2.1 Levinus Hulsius
Levinus Hulsius (latinisiert, eigentlich Lievin Hulst oder (van) Hulsen) wurde um 1546 geboren. Der aus Gent stammende und universal gebildete Calvinist floh 1584 vor der Inquisition der Spanier nach Frankenthal in der Pfalz, wo er eine Internatsschule gründete. Er siedelte 1591 nach Nürnberg über und arbeitete dort als Französisch- und Italienischlehrer, Verleger, Buchhändler und kaiserlicher Notar. Im Laufe seiner Tätigkeit verfasste er Werke u.a. zur Mathematik, Mechanik, Geographie und Topographie. Außerdem übersetzte er Reiseberichte, verschiedene wissenschaftliche Schriften und veröffentlichte zwei bedeutende lexikographische Werke: sowohl das erste französisch-deutsche (et vice versa, 1596) als auch das erste italienisch-deutsche (et vice versa, 1605) Wörterbuch. Hierbei brachte er Erfahrungen aus seiner Lehrtätigkeit mit ein und arbeitete daher sehr benutzer-orientiert. 1602 ging er schließlich nach Frankfurt/Main, wo er bis zu seinem Tod am 13.März 1606 lebte. (vgl. Hausmann 1984, Bray 1991, Bray 1992, von Gemmingen 1999, Müller 2001 und Glück 2002).
Aufgrund seiner Herkunft hatte der Flame eine sprachliche Beziehung zum Französischen. Durch die Flucht nach Deutschland, erlernte er auch schnell die deutsche Sprache. Er war also ein idealer Mittler zwischen beiden Sprachen (vgl. Hausmann, S. 306), weil er beide als Fremdsprache erlernt hatte.
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2.2. Das Dictionarium Teutsch-Frantzösisch vnd Frantzösisch-Teutsch
„Die Anfänge der zweisprachigen alphabetischen Lexikographie des Deutschen mit einer lebenden Fremdsprache beginnt 1596 mit den französisch-deutschen Synonymes von Gerard de Vivre 1 . Gegen Ende des Jahrhunderts folgt als zweites Werk das Dictionarium Teutsch Frantzösisch vnd Frantzösisch Teutsch [von Levinus Hulsius].“ (Müller 2001, S. 241)
Hulsius war hinsichtlich der Benutzerorientierung selbstständiger als seine Vorgänger, da er schon den aktuellen Sprachgebrauch berücksichtige und dem Deutschen mehr Raum gab (vgl. Haß-Zumkehr 2001, S. 60) und damit auch mehr Bedeutung zusprach, als dies bis dahin in anderen Wörterbüchern umgesetzt worden war. „Hulsius’ Dictionarium stellt das dritte im deutschen Sprachraum erschienene bidirektionale Wörterbuch mit Deutsch als Wörterbuchsprache dar“ (Müller 2001, S. 242). Dem vorausgegangen waren das Dictionarium von Dasypodius und der Kleine Fries, jeweils mit Latein als Wörterbuchsprache (vgl. Müller 2001, S. 242), welche zum Erlernen des Lateinischen konzipiert waren. Hulsius erschien ein französisch-deutsches Wörterbuch längst überfällig (vgl. Hausmann 1984, S. 307). Er erkannte, dass es Wörterbücher des Französischen mit anderen Sprachen (Spanisch, Italienisch, Latein, Englisch, Niederländisch) gab, aber eines mit Deutsch fehlte (vgl. Bray 1992, S. 2 und Hausmann 1984, S. 307). Charakteristisch für Hulsius’ Dictionarium ist, dass es nicht - wie sonst üblichim Umkehrverfahren entstanden ist, sondern durch Interpretamentsubstitution (Substitutionsverfahren). Das heißt, dass beiden Teilen je ein Wörterbuch zu-grunde lag 2 und jeweils eine Sprache durch eine andere ersetzt wurde, hierbei wurden die einzelnen Interpretamente meist 1:1 übersetzt. Die zugrunde liegenden Wörterbücher sind das deutsch-lateinische Teilwörterbuch Germanicolatinum 3 (nach 1579 4 ) des Schweizer Humanisten Petrus Dasypodius für den
1 Dieses Werk erhielt nur geringe Aufmerksamkeit, da es wenig umfangreich war. Als das erste
umfangreiche Wörterbuch des Deutschen mit dem Französischen gilt Hulsius’ Dictionarium.
2 Da die Quellenabhängigkeit beider Teile unterschiedlich ist, müssen beide hinsichtlich ihrer
Entstehungsgeschichte getrennt voneinander betrachtet werden (vgl. Hausmann 1984, S. 307).
3 Bray gibt als zweite Quelle für den dt.-frz. Teil das lat.-dt. Wörterbuch von Josua Maaler (1561)
an (vgl. Bray 1992, S. 3), von dem aber Hausmann behauptet, dass Hulsius dieses gar nicht kannte
und es daher auch nicht als Vorlage benutzte (dies gilt zumindest für die erste Auflage) (vgl.
Hausmann 1984, S. 312).
6
deutsch-französischen Teil (hier wurden die lateinischen Interpretamente durch französische ersetzt) und das französisch-niederländische Wörterbuch Dictionaire ou Promptuaire François-Flameng, tres-ample et tres-copieux (1592 in Rotterdam) des Flamen Elcie Adouard Leon Mellema für den französisch-deutschen Teil (hier wurden die niederländischen Interpretamente durch französische ersetzt). Beide Quellenwerke sind im Umkehrverfahren entstanden. (vgl. Müller 2001, S. 242 u. 263/264).
Die alphabetisch-morphologische Lemmaanordnung von Dasypodius als auch die alphabetisch-teilmorphologische Anordnung von Mellema wurden übernommen. Der Lemmabestand wurde im französisch-deutschen Teil kaum gekürzt 5 , während der Bestand im deutsch-französischen Teil eine erhebliche Kürzung erfuhr. Das lässt den Schluss zu, dass Hulsius mit dem französisch-deutschen Teil begonnen hat und (vermutlich) aus Zeitgründen den zweiten Teil erheblich kürzen musste. (Müller 2001, S. 244). Die wichtigsten Unterschiede der beiden Teile werden hier zusammenfassend aufgeführt 6 :
Das Dictionarium erlebte mehrere Auflagen, vier in seiner ursprünglichen Form als bidirektionales zweisprachiges Wörterbuch; es folgten verschiedene Nach- bzw. Raubbearbeitungen und Wörterbuchfusionen (siehe hierzu Kapitel I, 3).
4 Hier finden sich abweichende Angaben bei Bray: er nennt die Dasypodius-Ausgabe von 1536
(vgl. Bray 1992, S. 3), dazu sind weitere Erklärungen bei Hausmann zu finden: das Wörterbuch
von Dasypodius ist erstmals 1536 erschienen (Hausmann 1984, S. 311).
5 „In der Tat ergab ein [...] Vergleich, dass Hulsius den Mellema bis auf wenige Auslassungen Wort
für Wort abgeschrieben und dessen flämische Äquivalente oft wörtlich ins Deutsche übersetzt
hat.“ Hausmann 1984, S. 308 (hier finden sich auch Beispiele)
6 Ausführliche Arbeiten sind u.a. bei Müller 2001, von Gemmingen 1999 und Hausmann 1984 zu
finden.
7
Arbeit zitieren:
B.A. Cornelia Reinhardt, 2009, Hulsius’ Dictionarium Frantzösisch-Teutsch: Vergleich der ersten und der dritten Auflage (1596 und 1607) an Beispielen, München, GRIN Verlag GmbH
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