Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 3
2 Der Alexius Konrads von Würzburg - Asketenbiographie und höfi-
sches Erzählen. 4
2.1 Asketenbiographie. 4
2.2 Höfisches Erzählen. 5
3 Legendarisches Erzählen im Alexius. 8
3.1 Allgemeines. 9
3.2 Prolog. 10
3.3 Transformation. 13
3.4 Gottesbezug / beständiges Christentum. 15
3.5 Kultureller Aspekt. 21
4 Resümee. 22
Abk ürzungsverzeichnis. 23
Literaturverzeichnis. 24
2
1 Einleitung
Legende oder höfischer Roman? Im Alexius Konrads von Würzburg finden wir sowohl Aspekte legendarischen als auch höfischen Erzählens. Die divergierenden Meinungen in der Forschung könnten widersprüchlicher nicht sein, denn während Sibylle Jefferis das Werk als in höchst elegantem poetischen Stil geschrieben bezeichnet 1 und Roland Löffler eine der Epik entsprechende Ausschmückung erkennt, 2 bezeichnet Ulrich Wyss den Alexius als kurz und schmucklos. 3 Die, weder der Legende noch dem höfischen Roman zugeordnete, Bezeichnung der Asketenbiographie soll bezüglich des Alexius als Ausgangspunkt dienen. Das Werk aus dem 13. Jahrhundert soll in dieser Arbeit vor allem auf ihre legendarischen Erzählelemente untersucht werden. 4 Um dem Titel des Seminars „Höfisches Erzählen von Heiligen“ zu entsprechen, werden auch das höfische Erzählen und der Begriff der Asketenbiographie als Spezialfall der Legende, kurz erläutert. Nach einer kurzen Erläuterung der werkrelevanten Daten folgt eine überblicksweise Darstellung der höfischen Erzählelemente bzw. der kulturellen Einordnung des Textes in seine Entstehungszeit und aufgrund seiner Entstehungssituation. Daraufhin steht der Hauptteil der Arbeit, die Erläuterung der legendarischen Elemente im literarischen und kulturellen Umfeld des Textes.
1 Jefferis 1989, S. 195.
2 Löffler 1991, S. 146.
3 Wyss 1973, S. 216.
4 Zitiert wird nach Gereke 1926.
3
2 Der Alexius Konrads von Würzburg -Asketenbiographie und höfisches Erzählen
Die spätmittelalterliche strophische Alexius-Fassung Konrads von Würzburg aus dem 13. Jahrhundert nimmt die nachchristliche Sage vom Heiligen Alexius von Edessa auf, die im Laufe der Jahrhunderte mehrfach literarisch verwertet wurde. 5 Die aus 1413 Versen bestehende Asketenbiographie wird - wie sich im Laufe der Arbeit noch zeigen wird - aufgrund zeitlicher Konventionen sowohl durch höfische als auch durch legendarische Erzählelemente realisiert. Konrads Werk ist eine sog. Papst- fassung,das heißt, dem Papst kommt, im Gegensatz zu einer Brautfassung, eine große Rolle zu. 6 Es handelt sich bei dieser literarischen Verarbeitung des bekannten Legendenstoffs um eine Auftragsarbeit aus der bürgerlichen Schicht. 7
2.1 Asketenbiographie
Die hagiografische Konvention der Beschreibung eines Heiligenlebens kann in verschiedene Subgenera unterteilt werden. Die von Petra Paschinger als „Asketenbiographie“ bezeichnete Alexius-Geschichte enthält vor allem legendarische Züge. Zentraler Aspekt der Asketenbiographie ist - wie der Name schon vermuten lässt - die Askese des späteren Heiligen, welche „als Gegenkultur zu der hegemonialen, auf Statusbeweis und Hierarchie beruhenden Gesellschaft“ 8 gilt, dies wird durch den „Verzicht des Asketen auf seinen bisherigen gesellschaftlichen Status und Bruch mit bestehenden
5 Vgl. Beutin 1994, S. 72.
6 Vgl. Beutin 1994, S. 73.
7 Vgl. Löffler 1991, S. 139.
8 Paschinger 2004, S. 69.
4
sozialen Bindungen“ 9 verdeutlicht. An der damit einhergehenden Transformation 10 (körperlich und lebensweltlich) wird die Askese ablesbar. Dieser Transformationsprozess wird in der Heiligenlegende narrativ inszeniert und nachvollziehbar gemacht. Durch die Transformation wird der Asket nicht mehr erkennbar, dies gilt als Zeichen göttlichen Wirkens. 11 Dadurch werden Identität und Identifikation problematisiert. Wichtig ist die Legitimation als Heiligenlegende durch ein Schriftzeugnis, welches das Leben des Heiligen öffentlich darstellt und dadurch belegt bzw. legitimiert. Die Askese ist ein ständiges „Wechselspiel zwischen Öffentlichkeit und NichtÖffentlichkeit und zwischen Selbstbezüglichem und gesellschaftlich Relevantem“. 12 Zweck der Heiligenlegende ist, die Gläubigen zur imitatio anzuregen. Dies soll durch Identifikation mit dem Protagonisten, einem vorbildlichen Christen und späteren Heiligen realisiert werden. Edith Feistner ordnet diese Art der Heiligenlegende der Bekennerlegende zu. 13
2.2 Höfisches Erzählen
Dieses Kapitel widmet sich in verkürzter Form dem höfischen Erzählen im Alexius Konrads von Würzburg. Gründe für eine höfische Betrachtungsweise des Werks liefert z. B. die zeitgleich vorherrschende Laienfrömmigkeitsbewegung. 14 Die in der Volkssprache geschriebenen erbaulichen Texte, die vor allem zur imitatio bestimmt waren, stellten nicht mehr nur rein religiöse Inhalte dar, sondern öffneten sich vermehrt auch narrativen Erzählelementen, fantastischen Welten und künstlerischen Ausschmückun-
9 Paschinger2004, S. 69.
10 Der Begriff Transformation erscheint häufig im Zusammenhang mit Askese.
11 Paschinger 2004, S. 79.
12 Paschinger 2004, S. 149.
13 Vgl. Feistner 1995, S. 185.
14 Vgl. Feistner 1995, S. 186.
5
gen. So vollzog sich nach und nach eine Entwicklung vom rein erbaulichen zum unterhaltsamen Rezipieren der Texte. 15
Auch der Alexius war für Laien konzipiert und nicht im liturgischen Milieu in Auftrag gegeben worden. Ähnlich einem Tristan „rutschte“ somit die legendenhafte Erzählung in eine höfischere Erzählwelt. Natürlich fehlen stereotype Ritter und Minnekämpfe. Durch explizites Nennen der Gönner seines Werkes, Johannes von Bermeswil und Heinrich Inselin (V. 1396-1399), stellt sich Konrad in der Konvention der höfischen Epik. Konrad, der sowohl Legenden als auch höfische Epik verfasste, lehnte daher wohl bewusst seinen Text an den Tristan Gottfrieds von Straßburg an. Dies beobachtet Löffler und zeigt dies an folgender Darstellung auf: 16
Konrad von Würzburg Gottfried
Swer nu so reines muotes si Und swer nu ger, daz man im sage daz er mit willen hoere sagen ir leben, ir tot, ir vröude, daz wunder sines lebetagen, ir clage, der sol mit vlize bieten her der biete herze und oren her: sin oren und des herzen ger. er vindet alle sine ger. Ze Rome ein edel herre was, Ein herre in Parmenie was, der … der …
(V. 241- 244) 17 (V. 52-58)
Löffler fällt außerdem eine Nähe zum Prolog des höfischen Romans Willehalm Wolframs von Eschenbach auf. 18 Wyss erkennt ebenso einen analogen Aufbau zum Schema des Willehalm-Eingangs. 19
Der für eine manieristische Art des Erzählens, den so genannten „geblümten Stil“, bekannte Autor Konrad bringt verschiedene davon geprägte Motive, Metaphern und Vergleiche (mit der Vergleichspartikel als) in den Text ein, z. B. die folgenden:
15 Vgl. Quast 2005, S. 27-40.
16 Löffler 1991, S. 144.
17 Vgl. Gottfried von Straßburg 2007, S. 24.
18 Löffler 1991, S. 144.
19 Wyss 1973, S. 216.
6
(1) Alexius wird als spiegel rîcher tugent (V. 138) bezeichnet. (2) Motive wie turteltûbe und grüene[] böume (V. 377-383) 20 (3) Alexius‘ totes Gesicht wird als blüejend als ein rôse vrisch bezeichnet (V. 953)
Die ausschweifenden Berichte können als über die „nötigen“ Erzählaspekte der Heiligenlegende hinausgehend betrachtet werden, z. B. bei den Ausführungen über Alexius‘ Tugendhaftigkeit (V. 194-215) und bei der Beschreibung des sprechenden Marienbildes (V. 436-519). Außerdem ist eine Intensivierung des Gefühlsbereiches zu finden, welche an den Minnesang angelehnt sein könnte, z. B. in den V. 242-243, 21 eben auch weil Konrad selbst auch Minnesang geschrieben hat. Insgesamt ist ein Hang zur Übertreibung zu beobachten, Löffler zeigt die folgenden Beispiele auf: 22 (4) liute ane zal (V. 576)
(5) der groeste der ie wart bekannt[e] Wind (V. 533) Abschließend beziehe ich mich erneut auf Löffler:
„Konrad transponiert einen ca. 200 Jahre älteren Text, der in prosaischer Sprödheit ein typisches Heiligenleben, in strenger kirchlicher Observanz, darstellt, in seine höfische Zeit und Welt und stilisiert dabei seine Handlungsträger mit den Leitbegriffen höfischer Dichtung zu Vorbildern des höfischen Menschheitsideals. Alexius ist so nicht mehr eine Heiligenfigur des 4. Jhs., sondern ein aktuelles, blutvolles Idealbild des höfischen Menschen.“ 23
Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Wenn nicht sogar nur die ¼ Wahrheit, denn, wie sich im Folgenden zeigen wird, überwiegen die legendarischen Erzählelemente.
20 Vgl. Jefferis 1989, S. 200.
21 Löffler 1991, S. 147.
22 Löffler 1991, S. 148.
23 Löffler 1991, S. 145.
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Arbeit zitieren:
B.A. Cornelia Reinhardt, 2011, Legendarisches Erzählen im 'Alexius' Konrads von Würzburg, München, GRIN Verlag GmbH
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