1. Einleitung 2
2. Das Normalisierungsprinzip 2
2.1 Die Bestandteile des Normalisierungsprinzips 4
2.2 Konkretisierung des Normalisierungsprinzips 6
3. Humanes Arbeiten geistig behinderter Menschen 7
3.1 Möglichkeiten der Normalisierung in der beruflichen Bildung 8
4. Humanes Leben und Wohnen geistig behinderter Menschen 9
4.1 Selbständigkeit des behinderten Menschen als humane Gestaltung des Lebens 9
4.2 Der Leitgedanke der Selbstbestimmung im Kontext des humanen Lebens und
Wohnens 11
4.3 Humanes Wohnen geistig behinderter Menschen 14
4.4 Wohnformen für Menschen mit geistiger Behinderung 15
4.4.1 Familie 16
4.4.2 Komplexeinrichtungen 17
4.4.3 Dorfgemeinschaften 18
4.4.4 Gemeindenahe Wohnformen 18
4.4.5 Betreutes Wohnen 19
4.4.6 Resümee 19
5. Schlussbetrachtung 20
1
1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema “Humanes Leben, Wohnen und Arbeiten von geistig behinderten Menschen”. Es soll herausgearbeitet werden was sich hinter dem Begriff “human” verbirgt und wie dies in der Praxis der Behindertenarbeit umgesetzt wird.
Es sind vor allem zwei Leitgedanken, die als Paradigmen geistigbehindertenpädagogische Aufgaben- und Handlungsfelder beeinflussen, und zwar der Normalisierungsgedanke und die Selbstbestimmung.
Zu Beginn wird die Grundlage des humanen Lebens, Wohnens und Arbeitens erläutert, nämlich das Normalisierungsprinzip. Es wird erklärt wie es sich entwickelt hat und welche Bestandteile es in sich trägt.
Im dritten Kapitel wird auf d as spezielle Thema “Humanes Arbeiten” eingegangen und erläutert, wie sich der Normalisierungsgedanke in der Arbeit von geistig behinderten Menschen umsetzten lässt.
Das folgende Kapitel handelt vom humanen Leben und Wohnen geistig Behinderter. Die Begriffe “Selbständigkeit” und “Selbstbestimmung” werden mit dem Thema zusammengeführt.
Im letzten Abschnitt werden verschiedene Wohnformen für geistig behinderte Menschen vorgestellt und ihre Vor- und Nachteile aufgezeigt.
2. Das Normalisierungsprinzip
Der Normalisierungsgedanke geht auf den Dänen BANK-MIKKELSEN zurück. 1959 forderte er, dass man geistig behinderten Menschen ermöglichen solle ein
2
Dasein so normal wie möglich zu führen. Man solle mehr auf die individuellen Bedürfnisse jedes Einzelnen eingehen. Die Forderung wurde in das dänische Fürsorgegesetz aufgenommen und gilt bis heute als Leitgedanke der Betreuung von geistig behinderten Menschen.
In Schweden wurde der Normalisierungsgedanke von NIRJE aufgegriffen und Anfang der 70er Jahre durch acht Grundprinzipien konkretisiert. Er forderte, dass allen Menschen mit geistiger Behinderung Lebensbedingungen und Alltagsmuster zugänglich gemacht werden, die den üblichen Bedingungen und Lebensarten der Gesellschaft soweit als möglich entsprechen. (vgl. Fornefeld 2000, 136) In Skandinavien hatte das Normalisierungsprinzip eine Auflösung der traditionellen Großeinrichtungen zur Folge. Es führte zu einer größeren Akzeptanz behinderter Menschen in der Gesellschaft.
1972 erhielt das Normalisierungsprinzip durch WOLFENSBERGER in den USA eine zentrale Erweiterung. Bei BANK-MIKKELSEN und NIRJE standen die juristischen und institutionellen Rahmenbedingungen im Vordergrund.
WOLFENSBERGER richtete seinen Blick stärker auf die Rolle des geistig
behinderten Menschen in der Gesellschaft. Für ihn ist es wichtig, die soziale Rolle des behinderten Menschen aufzubessern. Durch eine Aufwertung des sozialen Image bekommen Menschen von ihrer Umwelt mehr Unterstützung, Ermutigung und Gelegenheit noch eigenständiger zu werden.
Das Entstehen des Normalisierungsgedanken in den USA und Skandinavien beeinflusste das deutsche Behindertenwesen ab den 70er Jahren. Die Einstellung gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung wurde überdacht und das Prinzip bildete die Grundlage für sozialpolitische Veränderungen, die dem Personenkreis den Zugang zu Schulen und Werkstätten ermöglichten.
Das Normalisierungsprinzip wurde zum neuen Leitgedanken der Heilpädagogik.
3
Es erstreckte sich auf eine differenzierte Angebotsstruktur (Wohn-, Beschäftigungs- und Freizeitangebote), auf eine Reform der Betreuungskonzepte (Lebensgestaltung, Hilfe und Unterstützung, Förderung und Bildung) und auf den sozialpolitischen Bereich (rechtliche, finanzielle und administrative Absicherung der Reformbemühungen).
Häufig wurde das Normalisierungsprinzip als eine Anpassung des geistig Behinderten an die Normalität, also als “normal machen”, fehlinterpretiert und kritisiert.
Durch die Anwendung des Normalisierungsprinzips in den verschiedenen Bereichen der Erziehung, Arbeit und Betreuung soll die Lebensqualität der behinderten Menschen verbessert werden.
Im Bereich des Wohnens führte der Normalisierungsgedanke in den letzten 30 Jahren zur Entwicklung von kleinen und gemeindeintegrierten Wohnformen, alternativ zu den großen Anstalten und Psychiatrischen Landeskliniken. Eine flächendeckende Versorgung ist allerdings nicht gegeben. Aber auch große Anstalten haben sich durch Schaffung kleinerer Wohneinheiten, angelehnt an das Normalisierungsprinzip, angepasst.
2.1 Die Bestandteile des Normalisierungsprinzips
Die Bestandteile des Normalisierungsprinzips sind folgende:
- Ein normaler Tagesrhythmus
- Ein normaler Wochenablauf
- Ein normaler Jahresablauf: Dem geistig Behinderten soll die Gelegenheit gegeben werden, den Jahresablauf durch Einhaltung von Feiertagen, Ferien und Familientagen von persönlicher Bedeutung erleben zu können.
- Die normalen Erfahrungen eines Lebenszyklus: Normale Entwicklungserfahrungen sollen gemacht werden.
4
- Normaler Respekt: Entscheidungen, Wünsche und Bitten geistig behinderter Menschen müssen respektiert und berücksichtigt werden.
- Leben in einer zweigeschlechtlichen Welt
- Normaler Lebensstandard: Die Voraussetzung für ein normales Leben ist ein normaler materieller Lebensstandard.
- Normale Umweltbedingungen: Die Standarts für Einrichtungen (Schulen, Arbeitsstätten, Wohnstätten und Wohnheime) sollen sich an den Maßstäben messen, was dem gewöhnlichen Bürger der Gesellschaft geboten wird. (vgl. Fornefeld 2000, 136 f.)
Nicht nur die Humanisierung der Lebensbedingungen ist Ziel des Normalisierungsprinzips, sondern auch die Integration der geistig Behinderten in die Gesellschaft. Bei der Integration im Wohnalltag sind verschiedene Ebenen zu berücksichtigen:
- Räumliche Integration: Die Wohneinrichtungen sind in normalen Wohngegenden anzusiedeln.
- Funktionale Integration: Allgemeine Dienstleistungen wie öffentliche Verkehrsmittel und Einrichtungen sowie Restaurants usw., soll der geistig Behinderte in Anspruch nehmen können.
- Soziale Integration: Soziale Beziehungen sollen durch gegenseitige Achtung und Respekt gekennzeichnet sein.
- Personale Integration: Dem Behinderten sollen dem Lebensalter entsprechende persönliche Beziehungen ermöglicht werden. Im Erwachsenenalter bedeutet dies ein möglichst selbständiges Leben außerhalb des Elternhauses.
- Gesellschaftliche Integration: Aufgrund von Gesetzen haben geistig behinderte Menschen das Recht, Entscheidungen die ihr Leben und ihren Alltag betreffen mitzubestimmen.
5
Quote paper:
Kathrin Schiborr, 2003, Humanes Leben, Wohnen und Arbeiten von Menschen mit geistiger Behinderung, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Auswirkungen der Wohnsituation auf die Lebensqualität von Menschen mit...
Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Diploma Thesis, 132 Pages
Handlungsorientierter Unterricht
Theoretische Grundlagen und pr...
Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 12 Pages
TEACCH - ein Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus
Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 38 Pages
Basale Stimulation - Förderung oder Alltagssituation
Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Scholary Paper (Seminar), 15 Pages
Handeln und Handlungsorientierung als Begriffe der Didaktik: Definitio...
Business economics - Didactics, Economic Pedagogy
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 22 Pages
Soziale Arbeit mit psychisch Kranken - Möglichkeiten der Hilfe
Project Report, 21 Pages
Verfahrensmanagement: Werkstättenfertigung versus Fließfertigung
Führt ein Wechsel der Fertigun...
Business economics - Industrial Management
Lesson Plan, 19 Pages
Die Situation des Elternhauses als wichtige Komponente in der erfolgre...
Termpaper, 27 Pages
Handlungsorientierter Unterricht als didaktisches Konzept zur Anleitun...
Pedagogy - Common Didactics, Educational Objectives, Methods
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 26 Pages
Selbständigkeit und Selbstbestimmung bei geistig behinderten Menschen
Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Scholary Paper (Seminar), 12 Pages
Zum Einsatz von Lernspielen an einer Schule für Lernhilfe
Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Examination Thesis, 117 Pages
Handlungsorientierter Unterricht ist projektorientierter Unterricht - ...
Examination Thesis, 130 Pages
Projektunterricht - eine umfassende Betrachtung
Presentation (Elaboration), 26 Pages
Lern' ich Schauen und Greifen, lern' ich auch bald Schreiben! ...
Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Lesson Plan, 17 Pages
Das Normalisierungsprinzip und dessen Einfluss auf den sonderpädagogis...
Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Scholary Paper (Seminar), 11 Pages
Kathrin Melber has published the text Humanes Leben, Wohnen und Arbeiten von Menschen mit geistiger Behinderung
Kathrin Melber has uploaded a new text
Basiswissen Soziale Arbeit. Lebensalter und Soziale Arbeit. 6 Bände
Bd.1:Eine Einführung. 2:Kindhe...
Hans Günther Homfeld, Jörgen Schulze-Krüdener, Thomas Swiderek, Michael Galuske, Sven Stiehler, Ute Karl
Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung am Leben in der Kommun...
Klaudia Erhardt, Katrin Grüber
Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung?
Studie zur Theorie und Praxis ...
Jasmin Gutenberger
Soziale Arbeit mit Menschen mit Behinderung in Deutschland, Frankreich...
Dokumentation eines deutsch-fr...
Ludger Kolhoff, Thomas Assmann
Die Bedeutung des Körpers für Menschen mit geistiger Behinderung
Zwischen Pflege und Selbstverl...
John F Kane, Theo Klauß
Möglichkeiten der Selbstbestimmung im Arbeitskontext für Menschen mit ...
Jessika Wichmann, Cornelia Marx
0 comments