Ruhr-Universität Bochum
Institut für Pädagogik
WS 2002 / 2003
Proseminar: Medien im Alltag von Jugendlichen
Persuasionsforschung
vs.
Agenda-Setting-Forschung:
ein wissenschaftlicher Vergleich
Verfasserinnen:
Carla Soares da Silva Maria Palmer-Wilson
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Entwicklung der (Massen-)Mediengeschichte 2
2.1 Um 1400 bis um 1830 3
2.2 Um 1830 bis um 1900 4
2.3 Um 1900 bis um 2000 5
3. Geschichte und Modelle der Medienwirkungsforschung 6
4. Entstehung der Persuasionsforschung von CARL IVER HOVLAND 8
4.1 Yale-Studien 9
4.2 Persönlichkeitsfaktoren 13
4.3 Kritik am Persuasionsmodell 14
4.4 Persuasionsforschung als Ausgangspunkt für weitere
Forschungsansätze 15
5. Chapel-Hill-Studie als Ausgangspunkt der Agenda-Setting-
Theorie von M E MCCOMBS D L SHAW 17
5.1 Typologie der Agenda-Setting-Theorie 18
5.2 Persönlichkeitsfaktoren 21
5.3 Kritik an der Agenda-Setting-Theorie 22
6. Zusammenfassende Gegenüberstellung:
Persuasionsforschung Agenda-Setting-Theorie 23
7. Literaturverzeichnis 26
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1. Einleitung
In der folgenden Hausarbeit sollen die Unterschiede der damaligen und der heutigen Medienwirkungsforschung herausgearbeitet werden, um die Veränderungen dieser aufzuzeigen.
Zuerst soll ein chronologischer Einblick in die Entwicklung der Medien- bis hin zur Massenmediengeschichte gewährt werden. Diese vollzieht sich über mehrere Jahrtausende hinweg und ist auch bis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen. Auch in Zukunft werden in rasantem Tempo immer neue Technologien entstehen.
Es sollen die Entwicklungsjahre von ca. 1400 bis 2000 kurz vorgestellt werden, da sich in diesem Zeitraum immer neue Medien in sehr kurzen Zeitabständen rasch aneinander reihen.
Des weiteren wird die Geschichte der Medienwirkungsforschung anhand einiger prägnanter Modelle dargestellt.
Speziell werden danach die beiden Modelle der Persuasionsforschung und der Agenda-Setting-Theorie erläutert und abschließend miteinander verglichen.
2. Entwicklung der (Massen-) Mediengeschichte
Die Geschichte der Medien reicht bis über mehrere Jahrtausende zurück und beginnt mit den „... Primär- oder Menschmedien, ergänzt durch Schreibmedien als Vorläufer der späteren Druckmedien.“ 1
FAULSTICH und RÜCKERT unterteilen die Vor- und Frühgeschichte der Medien
in das antike Theater, zu dem Verwandlungsrituale, theatralische Geisterbeschwörungen, Fruchtbarkeitsspiele und andere Riten bzw. Rollenspiele mit Masken, Kostümen, Tänzen und Gesängen gehörten, die alle eine kultische Funktion hatten, und in sog. Schreibmedien wie Plakat, Brief, Buch und andere graphische Medien. Diese reichen ähnlich weit zurück wie das Theater. Wichtig zu erwähnen wären hierbei die
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steinzeitlichen Höhlenmalereien, Grabinschriften in Ägypten, Gesetze und Verordnungen, die in Keilschrift festgehalten wurden. Weiterhin die Tontafelbibliothek in Phönizien aus dem Jahre 1400 v. Chr., das Buch in China, das bereits um 1000 v. Chr. existierte und nicht zuletzt das gedruckte Papiergeld in China im 10. Jahrhundert. 2 JÄCKEL stützt sich bei folgender Aussage auf ein Modell von IRVING FANG, nach dem bereits im achten Jahrhundert v. Chr. die Konvergenz von Schrift und Papier existierte, jedoch gab es, wie oben bereits erwähnt, auch schon lange vorher Medien wie zum Beispiel das Theater etc. 3 Mit der Annäherung von Schrift und Papier begann laut IRVING FANG die erste von insgesamt sechs sogenannten Informationsrevolutionen, die „Writing Revolution“, die es ermöglichte, „... das Wissen der jeweiligen Zeit von dem Gedächtnis einzelner Personen unabhängiger zu machen.“ 4 Im Mittelalter dann schrieb man den Medien eine zentrale Rolle zu: sie waren für die Herausbildung, Entwicklung und Steuerung sozialer, noch relativ voneinander abgegrenzter Teilöffentlichkeiten verantwortlich. Diese waren eingeteilt in Hof und Burg mit dem Narren oder Joker, dem Minnesänger und Minnespiel, Kloster und Universität mit den Mönchen, Lehrern und Bibliotheken, Dorf und Land mit den Märchenerzählern, Frühlingsspielen, Bauernriten und Farcen und den Kirchenraum mit kirchlichen Sängern und besonders den Passions- und Weihnachtsspielen, den Prozessionen und Mirakelspielen. Zuletzt die Stadt mit ihren Sängern und Gauklern, den Harlekins, Scharlatanen und Quacksalbern. 5
2.1 Um 1400 bis um 1830
Nach FANG beginnt hier nun die zweite Informationsrevolution, die sog. „Printing Revolution“ , die aus einer Konvergenz von Papier, Schrift und Drucktechniken entsteht und ihren Anfang mit dem ersten gedruckten Buch von GUTENBERG im Jahre 1448 hat. In dieser Epoche beginnen auch die Anfänge der heutigen Presse. 6 Durch die Erfindung der Drucktechnik wird es nun möglich, Informationen in Form von Einblattdrucken, Flugschriften, Kalenderblättern, Almanachen, Druckschriften, Buchführern und Büchern zu vervielfältigen. Diese Medien
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werden „... zu dominanten Instrumenten der Reformation und der Befreiung von überholten Zwängen und Konventionen.“ 7 Auch das Theater und der herkömmliche Brief entwickeln sich weiter: das Theater vom Fastnachtspiel über das Renaissancetheater und das elisabethanische Theater bis hin zum frühen deutschen Theater. Der Brief differenziert sich aus in z. B. den Ablaßbrief, Sendbrief und Geschäftsbrief. Um 1700 nehmen dann außerdem Briefkästen, neue Brieftheorien, die Entwicklung und Verbreitung des Privatbriefes und die Verbesserung der Briefbeförderung durch das Postsystem ihren Anfang und etablieren somit den Brief fest. 8 Mit dem Buchdruck entsteht auch eine Öffentlichkeit, da die Kontrolle über den Zugang zu Informationen entfällt und der Empfängerkreis so nicht mehr eindeutig bestimmbar ist. Die daraus resultierenden Institutionen wie Bibliotheken, Büchereien, Lesegesellschaften, Lesekabinette etc. sind prägnant für die erste allgemeinbürgerliche Öffentlichkeit im 18. Jahrhundert. 9 Des weiteren verbreiten sich Zeitung und Zeitschrift zur Information bzw. Unterhaltung stetig, und das Plakat wird als politisches und kommerzielles Propagandamittel eingesetzt. 10
2.2 Um 1830 bis um 1900
Zwei bedeutende Merkmale kennzeichnen diese Epoche: erstens wird das Medium aufgrund der wachsenden Bevölkerungsrate und des im Vergleich zu früher höheren Bildungsgrades zum Massenmedium. Das Theater verliert hierbei nach und nach seine Bedeutung als gesellschaftsfähiges Menschmedium. Das zweite Merkmal dieser Zeit sind technische Erfindungen, aus denen elektronische Medien hervorgehen und die eine gesellschaftsverändernde Bedeutung mit sich tragen. 11 Durch den Schritt vom Medium zum Massenmedium bei Schreib- und Printmedien entsteht z. B. die Massenpresse in den USA und in Frankreich, die Briefmarke wird eingeführt, das Briefgeheimnis wird in das Grundrecht aufgenommen, Comic-Strips sowie Groschenromane, Lesezirkelzeitschriften und Postkarten entstehen, Plakate werden durch die Litfaßsäule verbreitet. 12
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Um den Schritt vom Medium zum Massenmedium möglich zu machen, mußten bereits technische Voraussetzungen gegeben sein: die Dampfpresse für die Comics, die Rotationsmaschine für die Tagespresse und die Fotografie für die Illustrierte. Fast alle heutigen elektronischen Medien werden in dieser Phase eingeleitet, z. B. die Papiermaschine ab 1830, die Fotografie ab 1839, ein Jahr später der elektronische Telegraph, das Telefon im Jahre 1864, das Grammophon 1877, die Schallplatte dann 1888, im Jahre 1895 der Film, und „... nicht zuletzt die drahtlose Telegraphieverbindung als Schritt bei der Entwicklung zum Medium Hörfunk 1899.“ 13
2.3 Um 1900 bis 2000
Die ersten drei Jahrzehnte dieser Epoche stehen für einen bedeutenden Umschwung in der Mediengeschichte. Man könnte dabei von Reproduktion bzw. Konstruktion sprechen, da „... nach der Fotografie und dem Telefon nun bei Schallplatte und Hörfunk eine ‚echte‘ Reproduktion und insofern Verdoppelung der Wirklichkeit ...“ gegeben ist. Durch diese Wirklichkeitssimulation wird der Wirklichkeitsbezug Gegenstand von Diskussionen einer Informationsgesellschaft, die die 200-jährige Literatur- und Kulturgesellschaft inzwischen ersetzt hat. Aufgrund der technischen Neuerungen während dieser Zeit ist es nämlich möglich, zwei „Wirklichkeiten“ simultan zu erleben: einmal die alltägliche „echte“ Wirklichkeit und diejenige, welche z. B. durch Schallplatte und Hörfunk reproduziert vermittelt wird. Somit stehen nun diverse andere Medien zur Verfügung, die zur Folge haben, daß nun nicht mehr nur Bücher zur Informationsgewinnung herangezogen werden können, sondern auch nicht- schriftliche Medien (z. B. Fotografie, Telefon, Hörfunk, Schallplatte). 14 In den nächsten zwanzig Jahren nimmt vor allem das Radio aufgrund des zweiten Weltkrieges eine vorherrschende Stellung als Propagandamedium ein. Es wird deswegen bevorzugt eingesetzt, weil es „... als ‚akustische Schnellpresse‘ Wirklichkeit scheinbar unvermittelt, aber doch dramatisiert anbietet, um dann unter der Hand den Schritt vom ‚event‘ zum ‚pseudo- event‘ zu vollziehen.“ 15
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Trotz des primären Einsatzes des Radios werden jedoch auch Fernsehen und Kinofilm als Kampfmedien eingesetzt, sei es als unpolitische Unterhaltung oder als ausgefeilter NS-Propagandafilm. 16 In der nächsten Etappe von ca. 1950 bis ca. 1970 lösen die elektronischen Medien die Printmedien – besonders das Buch – ab, und der Fernseher wird vorherrschendes Medium. Durch ihn ist die Möglichkeit gegeben, daß „... immer mehr Programme über immer mehr Sender zu immer längeren Tageszeiten für immer mehr Zuschauer ...“ zugänglich sind. 17 Ab ca. 1970 werden fast alle Medien kommerzialisiert und privatisiert. Das Fernsehen differenziert sich zunehmend zum Spartenfernsehen aus, z. B. in Sport-, Musik- und Nachrichtenkanäle etc. Zwischen Ende 1970 und Anfang 1980 erfolgt ein Boom der Neuen Medien, darunter fallen z. B. Kabel- und Satellitenfernsehen, Computer, Video, Bildplatte, Videotext, Btx, Telefax, Mailbox etc. Die sog. Menschmedien (z. B. Theater) und die Printmedien wie Buch oder Zeitung werden mehr und mehr von den Neuen Medien verdrängt. Die Gesellschaft entwickelt sich demnach zu einer totalen Mediengesellschaft. 18 Mit den Multimedia-Erfindungen (um 2000, z. B. Internet, Digitalkameras, CD-ROM) wird es möglich, die reale Welt durch eine Scheinwelt zu substituieren, d. h. es muß kein persönlicher Erfahrungswert oder eine druckmediale Abbildung mehr vorhanden sein, wie es bei den Primär- (mündliche Überlieferungen, Menschmedium), Sekundär- (Printmedien) und Tertiärmedien (technische Erfindungen) der Fall ist. 19
3. Geschichte und Modelle der Medienwirkungsforschung
Der Beginn der empirischen Medienwirkungsforschung nimmt ihren Anfang in den 30er Jahren mit den Payne Fund Studies, die vom Motion Picture Research Council durchgeführt wurden. Gegenstand dieser Studien war die Suggestivkraft des Films: es sollte herausgefunden werden, inwieweit Filme Auswirkungen und Einfluß auf verschiedene Verhaltensweisen und Lebenssituationen von Kindern und Jugendlichen haben. 20
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Arbeit zitieren:
Maria Palmer-Wilson, Carla Soares da Silva, 2003, Persuasionsforschung vs. Agenda-Setting-Forschung: ein wissenschaftlicher Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
Der Agenda-Setting-Effekt bei unterschiedlichen Medien
Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein
Hausarbeit, 16 Seiten
Konzepte der Belohnung und Bestrafung bei Basedow und Salzmann
Hausarbeit, 18 Seiten
Basedow, Salzmann, Philanthropine - ein kurzer Abriß
Hausarbeit, 10 Seiten
Frauennetzwerke in der PR - Nutzen und Notwendigkeit
Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing
Seminararbeit, 16 Seiten
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Eri Rasch Bjorn, Bjorn Erik Rasch, George Tsebelis
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