25. November 2003
Magister Osteuropäische Geschichte und Politikwissenschaft
4. Semester
Inhalt
1. Einleitung Seite 3
2. Kreuzzugsdefinition Seite 4
3. Vorgeschichte Seite 5
4. Der (5.) Kreuzzug Seite 8
5. Folgen des Kreuzzugs Seite 11
6. Friedrich ohne Kreuzzug? Seite 12
6.1 Friedrich und der Islam Seite 13
7. Beurteilung Seite 14
Literatur - und Quellenverzeichnis Seite 17
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1. Einleitung
Militärische Konflikte haben nicht nur das Mittelalter geprägt, sie sind auch heute noch weltweit gegenwärtig. Religiöse Überzeugungen stehen dabei heute oft (wieder) wie damals als Legitimation im Vordergrund. 1 Besonders einschneidend sind dabei die Anschläge vom 11. September 2001 gewesen. Es ist daher besonders faszinierend, das ein Herrscher vom Weg seiner Vorgänger abweicht und mit Diplomatie zum Erfolg kommt, wie es Friedrich II. vor fast 800 Jahren geschafft hat.
Um Missverständnisse Angesichts der historischen sich ähnelnden Namen zu vermeiden soll zunächst festgehalten werden, um welchen Friedrich es eigentlich geht: Nämlich um Friedrich II., geboren am 26. Dezember 1194 in Jesi durch die Kaiserin Konstanze, gestorben 1250 (ab hier einfach „Friedrich“ genannt). In dieser Arbeit soll untersucht werden, warum es unter Friedrich zu einem Kreuzzug kommt, welche Folgen er hatte und wie man ihn einordnen und bewerten könnte. Handelte er als Christ, Politiker oder wollte er nur seine Macht als König von Sizilien und König und Kaiser von „Deutschland“ festigen? Frei nach Tolstoj lässt sich auch die Frage dazu entwickeln, warum Menschen überhaupt an einem Kreuzzug teilnehmen. 2 Auf die Geschichte der Kreuzzüge soll hier nur soweit unbedingt zum Verständnis notwendig eingegangen werden.
Was die Literatur angeht, sind zu Friedrich bereits einige Werke publiziert worden. Zu den Kreuzzügen findet sich reichlich Material. Spezielle Literatur, die sich ausschließlich mit dem fünften Kreuzzug beschäftigt, ist dagegen kaum vorhanden. In den letzten Jahren sind zudem auch nur wenige neue Werke über Friedrich erschienen. Leider war es mir bisher nicht möglich, in das in diesem Jahr erschienene Werk von Bodo Hechelhammer Einsicht zu nehmen. Als Meilenstein in der Literatur zu Friedrich scheint allgemein das Buch von Ernst Kantorowicz zu gelten. Da die historischen Quellen in lateinischer Sprache verfasst worden sind, stützt sich diese Arbeit vorwiegend auf Sekundärliteratur.
1 vgl. Juergensmeyer, Mark: Religious Nationalism confronts the secular state. Oxford, 1993. S. 3
2 vgl. Tolstoj, Lew: Krieg und Frieden. Bd. 4, Frankfurt 1982. S.425f.
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2. Kreuzzugsdefiniton
Zu Friedrichs Zeiten gab es den Begriff Kreuzzug noch nicht. 3 In den Überlieferungen aus dieser Epoche ist von Pilgern; in einem Schreiben Friedrichs von „der Sache des Kreuzes Christi“ die Rede. 4 Der dritte Kreuzzug fand unter Friedrich Barbarossa 1187 statt, 5 de vierte unter Papst Urban II. Augustinus, Bischof von Hippo Regius, entwickelte im 4. Jahrhundert als einer der ersten die Theorie vom gerechten Krieg, bei dem die Kämpfenden durch den Kriegsgrund von einer Autorität legalisiert werden. Der Krieg diente dabei sowohl gegen Heiden als auch gegen innere Feinde. 6 Die Theorie kann als Vorstufe in der Entwicklung der Kreuzzüge gesehen werden. Ebenfalls spielte das Pilgerwesen eine Rolle. Jerusalem besaß dabei für Pilger eine besondere Anziehungskraft. 7 Die Bezeichnung „Reise zum heiligen Grab“ für das, was wir heute unter Kreuzzug verstehen, klingt somit anschaulich und ist heute unstrittiger als „gerechter Krieg gegen Heiden“. 8 Die Pilger erhofften sich von dem Besuch bestimmter Orte oder Einrichtungen und von den Reliquien positive Auswirkungen auf ihr Seelenleben. Dass zwischen Pilgern und Kreuzfahrern eine Gemeinsamkeit nicht nur wegen ihres Reisezieles lag, weist auch Jaspert nach. 9 Verstärkt wurde dieses Zusammenspiel dann durch Versprechungen wie die der Absolution von Seiten des Papstes für die Teilnahme an einem Kreuzzug. 10 Speziell seit dem Kreuzzug, der mit der Eroberung Konstantinopels endete, sei, so Stürner, in der westlichen Christenheit das Bewusstsein lebendig gewesen, zur Befreiung des Heiligen Landes verpflichtet zu sein. 11 Hans Mayer nutzt die Bezeichnung der „bewaffneten Wallfahrt“. Er beschreibt in seinen Untersuchungen eine Wandel vom friedlichen Pilger auf der Wallfahrt hin zum Kreuzfahrer mit Waffen. Der Unterschied vom Kreuzzug zur Wallfahrt sei lediglich der gewesen, dass der Kreuzzug mit besonderen geistlichen Privilegien ausgestattet gewesen sei und mit dem besondere Verdienste und Erwartungen verknüpft waren. Viele hätten wohl aber auch einfach aus Tradition die Idee aufgegriffen. 12
3 vgl. Bühler, Arnold: Der Kreuzzug Friedrich Barbarossas 1187-1190. Bericht eines Augenzeugen. Stuttgart, 2002.
S. 12
4 Heinisch, Klaus J.: Kaiser Friedrich II. In Briefen und Berichten seiner Zeit. Darmstadt, 1970. 2. Auflage. S. 111
5 Otto, Eberhard: Friedrich Barbarossa. Potsdam, o.J., 2. Auflage. S. 142
6 vgl. Jaspert, Nikolas: Die Kreuzzüge. Darmstadt, 2003. S. 13
7 vgl. ebd. S. 19
8 Bühler, Arnold: Der Kreuzzug... S. 12
9 vgl. Jaspert, Nikolas: Die Kreuzzüge. S. 21
10 vgl. ebd. S. 29
11 Stürner, Wolfgang: Kreuzzugsgelübde und Herrschaftssicherung. Friedrich II. und das Papsttum im letzten
Pontifikatsjahr Innozenz‘ III. In: Mordek, Hubert (Hg.): Papsttum, Kirche und Recht im Mittelalter. Festschrift für
Horst Fuhrmann zum 65. Geburtstag. Tübingen, 1991. S. 303-315, hier S. 304
12 vgl. Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge. Stuttgart, 1989, 7. Auflage. S. 19
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Kreuzzug kann aber noch andere Bedeutungen haben.1245 versuchte Papst Innozenz IV, zu einem Kreuzzug gegen die Feinde der Kirche, und in dem Fall ganz besonders gegen Friedrich aufzurufen. 13 Heute denkt man beim Wort Kreuzzug, speziell seit den Anschlägen des 11.9.2001, an die militante Seite der Kreuzfahrer und verbindet damit allgemein die Vorstellung, das aus religiöser Überzeugung ein geographisches Ziel versucht wird einzunehmen, wobei auch Waffen eingesetzt werden können.
3. Vorgeschichte
Aus der Sicht der römischen Päpste waren Friedrichs Vorfahren eine potentielle Bedrohung für den Kirchenstaat. Immerhin war Heinrich der VI. durch Heirat zum König von Sizilien geworden, wodurch Mittelitalien in die Zange eines Herrschers geraten war, wenn man mal davon absieht, das auch die italienischen Städte und Fürstentümer wie Venedig oder Mailand eigene Machtgelüste verfolgten. 1196 gab es zwischen Friedrichs Vater, Heinrich VI, und dem Papst Verhandlungen um einen Kreuzzug unter Heinrich. Die scheiterten jedoch an den Forderungen Heinrichs oder an der Angst des Papstes Coelestin III. vor einem zu machtvollen Herrscher. Trotzdem bereitete Heinrich einen Kreuzzug vor, in den er große Hoffnungen setzte, da die Muslime zu diesem Zeitpunkt zerstritten waren. 14 Den eigentlichen Beginn erlebte er jedoch nicht mehr, da er zuvor verstarb. Etwa drei Monate später, am 8. Januar 1198, starb auch Papst Coelestin III. Sein Nachfolger wurde Innozenz III., der auch bald zum Vormund von Heinrichs Sohn Friedrich wurde. 15 Der von Heinrich VI. organisierte Kreuzzug endete 1204 erfolglos, die Einnahme Konstantinopels gelang nicht. 1212 versuchen vor allem Kinder aus Deutschland das Heilige Land zu erreichen. Ebenfalls erfolglos, aber sie sollen mit ihrer Begeisterung Friedrich angesteckt haben. Ab 1213 begann Innozenz III. für einen neuen Kreuzzug zu werben. Allen Teilnehmern versprach er im Gegenzug die Absolution, den Sündenerlass. 16 Einen Tag nach seiner Krönung in Aachen gelobte Friedrich 1215 „begeistert“ 17 , sich für die „Befreiung des Heiligen Landes“ einzusetzen. Stürner bezeichnet dies nicht als „genialen diplomatischen Zug“ wie Ernst Kantorowicz 18 , nachdem Friedrich sein Gelübde weniger aus Dankbarkeit Gott gegenüber abgegeben hätte, sondern sich selbst an die Spitze der Kreuzzugsbewegung stellen wollte um damit dem Papst die Führung aus der Hand zu
13 Abulafia, David: Herrscher zwischen den Kulturen. Friedrich II. von Hohenstaufen. Berlin, 1991. S. 341f.
14 vgl. Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Darmstadt, 1992. S. 61 - 65
15 ebd. S. 67
16 vgl. Stürner, Wolfgang: Friedrich II., 1992. S. 174-176
17 Jones, Terry und Ereira, Alan: Die Kreuzzüge. München, 1995. S. 221
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nehmen. Stürner verweißt diese Theorie und Selbstdarstellung, da zu dem Zeitpunkt Friedrichs Konkurrent in Deutschland, Kaiser Otto, noch im Norden aktiv war und die Kirche Friedrich zu seinem Kaisertum noch keinen Segen erteilt hatte. 19 Bis zur Einlösung seines Versprechens sollten jedoch noch einige Jahre vergehen. Beschäftigt mit der Sicherung seiner Herrschaft und der seines Sohnes hatte er sie auch 1220 noch nicht erfüllt, woraufhin der Papst seinen Druck verstärkte. Immerhin war Friedrich durch die Hilfe der Kirche an die Macht gelangt. Aber weder Innozenz III. noch sein Nachfolger Honorius III. erlebten einen persönlichen Kreuzzug von Friedrich. Keinen persönlichen, da er wohl einen ausgerüstet hatte. Zunächst hatte er den Beginn mit dem Vertrag von San Germano auf 1225 festgelegt, musste diesen jedoch auf 1227 verschieben. In dem Vertrag hatte sich Friedrich zur zweijährigen Besoldung von 1000 Rittern verpflichtet. Dazu sollte Transportraum für weitere 2000 beschafft werden. Für den Fall, das er selbst die Fahrt nicht bis 1227 antrat, war eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Unzen Gold vorgesehen, die für damalige Verhältnisse „ungeheuer“ hoch gewesen sein soll. Einen späteren Beitritt aufgrund von Krankheit sah der Vertrag nicht vor. 20 Innozenz III lehnte dabei Friedrich selbst als Führer ab, da er in ihm eine Bedrohung seiner Autorität sah. 21 Zu dem Genuss eines Kreuzzuges unter Friedrich selbst kam -wegen einer Seuche unter den Kreuzfahrern- erst Gregor IX. 1228. Bevor es aber soweit war, erfolgten von Seiten Gregor IX. Bannflüche und die Exkommunikation Friedrichs, da er ja sein termingebundenes Gelübde nach mehrmaligen Aufschüben wieder nicht erfüllt hatte. 22 Inwieweit für sein Gelübde der Tod des Vaters und das Scheitern dessen Kreuzzuges 1190 23 Friedrich beeinflussend waren, ist unklar. Vielleicht war die Niederlage der Kreuzfahrer unter Führung des Papstes 1221 in Ägypten mitentscheident. Für Friedrich bot sich nun erst recht die Chance, es besser zu machen und es seinem Rivalen, dem Papst, zu zeigen.
Eine erste Besprechung dieses Kreuzzuges sollte in Zusammenhang mit dem für 1226 geplanten Reichstag in Cremona stattfinden, der aber am Fehlen des Lombardenbundes scheiterte. 24 Den deutschen und italienischen Fürsten verkündete Friedrich zwei weitere Ziele des Kreuzzuges: Anerkennung seiner kaiserlichen Rechte und Bekämpfung der Ketzer. 25 Das Ziel der Ketzerbekämpfung nahmen ihm die lombardischen Städte übel, da in ihnen die Katarer wohnhaft waren. Friedrich sah in den Katarern eine Bedrohung, da sie das traditionelle Verhältnis
18 Kantorowicz, Ernst: Kaiser Friedrich der Zweite. 1927. S. 71
19 vgl. Stürner, Wolfgang: Friedrich II. 1992. S. 179
20 vgl. Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge. Stuttgart, 1976, 4. Auflage. S. 208
21 vgl. Jones, Terry und Ereira, Alan: Die Kreuzzüge. München, 1995. S 221
22 Abulafia, David: Herrscher zwischen... S. 174
23 Jones, Terry und Ereira, Alan... S. 171
24 Engels, Odilo: Die Staufer. Stuttgart, 1972, 6. Auflage S. 173
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Nils Kickert, 2003, Der Kreuzzug Friedrichs, München, GRIN Verlag GmbH
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