I n h a l t s v e r z e i c h n i s
1. Gegenstand und Ziel dieser Arbeit 1
2. Hintergründe und Rahmenbedingungen 3
2.1 Demografischer Wandel 3
2.2 Rahmenbedingungen der ambulante Pflege 5
2.2.1 Zahlen, Daten Fakten zur ambulante Pflege 5
2.2.2 Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Pflegebranche 8
3. Methodik der Befragung, Auswahl und Details der Stichprobe 11
3.1 Auswahl der Stichprobe und methodische Vorgehensweise 12
3.2 Beschreibung der Stichprobe 12
3.2.1 Berufsausbildung 12
3.2.2 Altersstruktur 13
3.2.3 Geschlechterverteilung 13
3.2.4 Familienstand 14
3.2.5 Kinderzahl 14
3.2.6 Zeitliche Ausgestaltung der Beschäftigungsverhältnisse 15
3.2.7 Tätigkeitsbereiche 17
3.2.8 Entgelt 18
4. Berufswahl und Berufsverläufe der Befragten 20
4.1 Berufswahl und Motivationen 20
4.2 Berufsverläufe der Befragten 21
4.2.1 Unterbrechungszeiten 22
4.2.2 Berufliche Wiedereinstiege 23
5. Negative Aspekte des Arbeitsfeldes ambulante Pflege 26
5.1 Mehrarbeit 26
5.2 Schicht- und Wochenendarbeit 28
5.3 Zeitdruck 29
5.4 Tod der Patienten sowie Probleme aus dem Kontakt zu Angehörigen 31
5.5 Trage- und Hebetätigkeiten und physische Beanspruchungen 33
5.6 Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben / „Arbeit und Familie“-Konflikte 36
6. positive Aspekte des Arbeitsfeldes ambulante Pflege 38
6.1 Autonomie bzw. Handlungsspielraum 38
6.2 Kontrollier- und Planbarkeit der Arbeitstätigkeit 40
6.3 Einbringen von Fähigkeiten und Kompetenzen 41
6.4 Angemessene Entlohnung 41
7. Bewältigungsstrategien 43
8. Rückblickende Bewertung des Berufsverlaufes 46
9. Zukunftsvisionen 50
10. Zusammenfassung der Ergebnisse und Fazit 52
11. Lösungsansätze zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der alter(n)sgerechten
Arbeitsgestaltung 57
11.1 „Stellschraube“: Person“ 58
11.2 „Stellschraube“: Situation 59
11.2.1 Arbeitsgestaltung und -organisation 59
11.2.2 Personalentwicklung 61
11.3 „Stellschraube“: Organisation 62
11.3.1 Führung 62
11.3.2 Unternehmensleitbild und -kultur ......................................................................... 62 12. Literaturverzeichnis ............................................................................................................ 64
V e r z e i c h n i s s e
Tabellen
Tabelle 1: Prognose Pflegebedürftigkeit einer 65-jährige Frau ................................................. 9 Tabelle 2: Prognose Pflegebedürftigkeit eines 65-jährigen Mannes .......................................... 9 Tabelle 3: Ausbildungsabschlüsse der Beschäftigten in der Stichprobe .................................. 13 Tabelle 4: Alter der Beschäftigten innerhalb der Stichprobe mit Mittelwert, Standardabweichung, Minimum- und Maximum-Angabe ..................................... 13 Tabelle 5: Familienstand der Beschäftigten innerhalb der Stichprobe .................................... 14 Tabelle 6: Kinderanzahl der Beschäftigten innerhalb der Stichprobe mit Mittelwert, Standardabweichung, Minimum- und Maximum-Angabe ..................................... 14 Tabelle 7: zeitliche Ausgestaltung der Beschäftigungsverhältnissen innerhalb der Stichprobe15 Tabelle 8: Wochenstunden mit Mittelwert, Standardabweichung, Minimum- und Maximum-
Angabe ................................................................................................................... 15 Tabelle 9: Situation in den ambulanten Pflegediensten am 15.12.2009, Personal nach Beschäftigungsverhältnis, Tätigkeitsbereich, Arbeitsanteil für den Pflegedienst .. 16 Tabelle 10: Art der Beschäftigungsverhältnisse in der Gruppe „privater Träger“ ................... 16 Tabelle 11: Art der Beschäftigungsverhältnisse in der Gruppe „Wohlfahrtsträger“ ............... 17 Tabelle 12: Tätigkeitsbereiche innerhalb der Stichprobe ......................................................... 17 Tabelle 13: Tätigkeitsbereiche in der Gruppe „privater Träger“ ............................................. 17 Tabelle 14: Tätigkeitsbereiche in der Gruppe „Wohlfahrtsträger“ .......................................... 18 Tabelle 15: Gesamtübersicht über die Berufserfahrung (insgesamt & nur ambulante Pflege)
Tabelle 16: Anzahl der Kinder und Unterbrechungszeiten der Beschäftigten und
Tabelle 17: Beschäftigte innerhalb der Stichprobe, die regelmäßig Mehrarbeit leisten .......... 26 Tabelle 18: geleistet Mehrarbeit in der Gruppe "privater Träger" ........................................... 28 Tabelle 19: geleistet Mehrarbeit in der Gruppe "Wohlfahrtsträger" ........................................ 28 Tabelle 20: Bewertung der arbeitsbedingten Beanspruchung innerhalb der Stichprobe ......... 36 Tabelle 21: Angaben zur Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit innerhalb der Stichprobe .... 37 Tabelle 22: Angaben innerhalb der Stichprobe zur Möglichkeit Kompetenzen einzubringen 41 Tabelle 23: Angemessenheit der Entlohnung innerhalb der Stichprobe .................................. 42 Tabelle 24: Angemessenheit der Entlohnung in der Gruppe „privater Träger“ ....................... 42 Tabelle 25: Angemessenheit der Entlohnung in der Gruppe „Wohlfahrtsträger“ ................... 42 Tabelle 26: Bewertung des bisherigen beruflichen Berufsweges innerhalb der Stichprobe .... 46
Abbildungen
Abbildung 1: „Eckdaten“ Pflegestatistik 2009
Abbildung 2: Entwicklung der Zahl Pflegebedürftigen
Abbildung 3: Altersklassen der von ambulanten Pflegediensten betreuten Pflegebedürftigen
Abbildung 4: Einkommensverteilung (Bruttomonatseinkommen) in Altenpflegeberufen
Abbildung 5: Häufigkeitsverteilung von Schichtarbeit innerhalb der Stichprobe
1. Gegenstand und Ziel dieser Arbeit
Niedrige Geburtenraten und ein kontinuierlicher Anstieg der Lebensdauer führen zu einer erheblichen Veränderung der Altersstruktur in unserer Gesellschaft. Die daraus resultierenden Veränderungen hatten nie auf individueller und organisationaler sowie auch auf gesellschaftspolitischer und wirtschaftlicher Ebene einen höheren Stellenwert als heute. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt im Allgemeinen und im Speziellen für die Pflegebranche sind gravierend. Denn dem aktuellen sowie zukünftigen Pflegekräftemangel kann nur mit einer dualen Strategie begegnet werden, d.h. durch „Nachwuchs“-Akquise und durch einen möglichst langen Verbleib von älteren Beschäftigten im Berufsbild der Pflege. Im Fokus dieser Arbeit und der durchgeführten Befragung stehen ältere Beschäftigte im Tätigkeitsfeld der ambulanten Pflege. Zum einen sollen detailliertere, auf das Individuum bezogenere Einblicke in Motivationen zur Berufswahl und Berufsverläufe (inklusive Unterbrechungszeiten) gewonnen werden, da bis dato nur wenige Studien zu diesem Thema existieren und beispielsweise die Ergebnisse des Projektes „Berufsverläufe von ambulanten Altenpflegerinnen und Altenpflegern“ vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) in Frankfurt (Main) „nur“ auf Auswertungen jährlicher Meldungen von Arbeitgeber zur Sozialversicherung basieren. Möglicherweise lassen sich so eventuell sogar Rückschlüsse, zu dem was ältere Beschäftigte in diesem Beruf hält, ziehen. Weiterhin soll in diesem Zusammenhang ermittelt werden - da in der ambulanten Pflege grundsätzliche Kranken- und Altenpflegerinnen anzutreffen sind - warum sich ausgebildete
Krankenpflegerinnen 1 und auch vormals in der stationären Pflege tätige Altenpflegerinnen im Berufsverlauf für das Tätigkeitsfeld der ambulanten Pflege entscheiden. In diesem Zusammenhang wird vermutet, dass die ambulante Pflege einen leichteren Wiedereinstieg nach zum Beispiel Erziehungszeiten ermöglichen kann.
Eine weitere Hypothese ergibt sich aus den grundsätzlichen Unterschieden der Arbeitgeber (privatwirtschaftliche vs. Wohlfahrtsträger) innerhalb der Stichproben und zwar wird ver-
1 ImFolgenden wird in der Regel die weibliche Sprachform verwendet, da der Anteil der weiblichen Beschäftigten in Pflegberufen im Durchschnitt bei ca. 80 Prozent (variiert nur etwas nach Einrichtung bzw. Berufsgruppe) liegt und auch innerhalb der Stichprobe (N=21) war lediglich ein männlicher Interviewpartner vertreten. Eine Ausnahme bilden die exemplarischen Ausführungen des männlichen Interviewpartners und die Ausführungen in Gliederungspunkt 11, da diese Maßnahmen auch in anderen Branchen angewandt werden können.
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mutet, dass die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten bei den privatwirtschaftlichen, ambulanten Pflegediensten schlechter sind.
Zum Anderen wird im Rahmen dieser Arbeit der Frage nachgegangen werden, welche Belastungen im Detail für ältere, ambulante Pflegekräfte bestehen und welche persönlichen Bewältigungsstrategien zur Verfügung stehen, um damit die berufliche Verweildauer zu erhöhen. Eine Hypothese in diesem Zusammenhang ist, dass ältere Beschäftigte - trotz vielfältiger Belastungen und daraus resultierender Beanspruchungen - eine relativ hohe Arbeitszufriedenheit aufweisen. Dies könnte in den generationsbedingten, hohen Ideal- und Wertvorstellungen (bezogen auf die Arbeitstätigkeit selbst) begründet sein. Weiterhin wird vermutet, dass soziale Unterstützung aus dem familiären Umfeld hier eine besondere Rolle spielt.
Im Anschluss an diese Ausführungen folgen detaillierte Informationen zum Hintergrund des demografischen Wandels sowie zu Rahmenbedingungen der ambulanten Pflegebranche. Der 3. Abschnitt dieser Arbeit widmet sich der methodischen Herangehensweise und detaillierten Informationen zur Stichprobe, wie Alter, Familienstand, Kinderanzahl etc. Im nachfolgenden Kapitel 4 stehen Motive der Berufswahl sowie der eigentlichen Berufsverlauf inklusive Unterbrechungszeiten im Fokus der Betrachtung. Weiterhin werden in Teil 5 dieser Arbeit negative Aspekte der Tätigkeit in der ambulanten Pflege sowie im Anschluss in Gliederungspunkt 6 positive Aspekte der Arbeit dargestellt. Kapitel 7 stellt die von den Interviewpartnerinnen genannten Bewältigungsstrategien dar. Anschließend werden in Gliederungspunkt 8 dieser Arbeit die Ausführungen der Befragten zur rückblickenden Bewertung ihrer Berufswahl sowie in Gliederungspunkt 9 die Zukunftsvisionen der Pflegekräfte skizziert. Den Abschluss dieser Arbeit bilden Kapitel 10 und 11 mit einer Zusammenfassung der gewonnen Erkenntnisse sowie möglichen Interventionsmaßnahmen.
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2. Hintergründe und Rahmenbedingungen
2.1 Demografischer Wandel
Es sind vor allem der wissenschaftliche und medizinische Fortschritt sowie steigender Wohlstand, gesündere Lebensweisen und geringere körperliche Belastungen der Menschen, die zu einem kontinuierlichen Anstieg der Lebenserwartung führen. Sowohl Deutschland als auch Europa befinden sich mitten in enormen gesellschaftlichen Veränderungen: Die Bevölkerung überaltert, d.h. einer zunehmenden Anzahl älterer Menschen stehen immer weniger junge Jahrgänge gegenüber. 1950 lag in Europa das Medianalter, das eine Bevölkerung in eine jüngere und ältere Hälfte teilt, noch bei 31 Jahren. Im Jahr 2005 hatte das Medianalter 38 Jahre erreicht und Projektionen zufolge könnte es bis 2050 auf 48 Jahre ansteigen.
Damit altert die Bevölkerung Europas derzeit etwa zwei Tage pro Woche und somit wird es schon bald mehr über 65-Jährige als unter 20-Jährige geben (Kröhnert, Hoßmann, Klingholz, 2008).
Nach der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland werden im Jahr 2030 rund 7,3 Millionen, dies entspricht einem Anstieg von 34,5 Prozent, mehr 60-Jährige und Ältere leben als im Jahr 2009 - bei Berücksichtigung der unteren Grenze der
mittleren Bevölkerungsentwicklung 2 als Vorausberechnungsvariante. Im Jahr 2030 würden dann 37 Prozent der Einwohner in Deutschland zu den 60-Jährigen und Älteren zählen, wobei im Jahr 2009 der Anteil noch bei 25 Prozent lag (Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2010).
Momentan leben in Deutschland rund 82 Millionen Menschen und - je nach Wanderungsgewinn - werden es dann im Jahr 2050 zwischen 69 und 74 Millionen sein, die dann im Durchschnitt auch noch älter sein werden (INQA, 2010).
Die aktuell noch verbleibende Lebenserwartung von 60-jährigen Männern beläuft sich auf weitere 21 Jahre, während 60-jährige Frauen statistisch gesehen mit weiteren 24 Jahren und 10 Monaten rechnen können (Statistisches Bundesamt, 2010). Das niedrige Geburtenniveau
2 Es existieren verschiedene Vorausberechnungsvarianten mit unterschiedlichen Annahmen bezogen auf Fertilität, Lebenserwartung sowie Wanderungssaldo. Die oben ausgeführte Vorausberechnungsvariante basiert auf den Annahmen einer annähernd konstanten Geburtenhäufigkeit von 1,4 Kindern je Frau. In Deutschland ist schon seit 15-20 Jahren - im Gegensatz zur weltweiten Entwicklung - ein annähernd gleichbleibend niedriges Geburtenniveau von rund 1,4 Kindern zu beobachten. Weiterhin ist ein Anstiegs der Lebenserwartung Neugeborener bis 2060 auf 85 Jahre (Jungen) bzw. 89,2 Jahre (Mädchen) und eines jährlichen Außenwanderungssaldos von + 100 000 Personen berücksichtigt worden.
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mit etwa 730.000 Neugeboren im Jahr und die gestiegene Lebenserwartung verändern die Gesellschaft in der Bundesrepublik damit nachhaltig (Statistisches Bundesamt, 2009).
Global gesehen, legt man die mittlere Fertilitätsvariante der UN Population Prospects zu-grunde, wächst jedoch die Weltbevölkerung von 6,7 Milliarden in 2007 auf 9,2 Milliarden in 2050. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von rund 78 Millionen Menschen.
Die Bevölkerung der entwickelten Länder bleibt bis 2050 weitgehend konstant bei 1,2 Milliarden - wobei durch Wanderungsgewinne ein jährlicher Bevölkerungsschwund von ca. 2,3 Millionen kompensiert werden kann. Ein schnelles Wachstum weisen hingegen die sich entwickelnden Länder auf:
Ihre Bevölkerung steigt von 4,6 auf 6,2 Milliarden Menschen bis 2050. In den 50 geringst entwickelten Ländern wird sich die Bevölkerung von 0,8 auf 1,7 Milliarden fast verdoppeln. Es ist aber jetzt bereits prognostizierbar, dass das weltweite Bevölkerungswachstum in absehbarer Zeit an ein Ende gelangen wird und dass die Weltbevölkerung dann ebenfalls insgesamt altert. Dieses für den demographischen Wandel typische globale Altern, wird sich vorrangig in den entwickelten Regionen der Welt vollziehen, in denen die Bevölkerungszahlen aufgrund des Absinkens der Fertilitätsrate stagnieren werden. In absoluten Zahlen bedeutet dies für die entwickelten Regionen einen Anstieg zwischen 2005 und 2050 der über 60-jährigen Menschen von 245 auf 406 Millionen Menschen. Die Anzahl der Personen unter 60 Jahre nimmt hingegen von 971 Millionen im Jahr 2005 auf 839 Millionen im Jahr 2050 ab. Damit steigt der Anteil der über 60-Jährigen in den entwickelten Regionen von ungefähr 20 Prozent auf über 33 Prozent im Jahr 2050. Weiterhin wird erwartet, dass sich weltweit die Anzahl der Personen über 60 Jahre von 673 Millionen im Jahr 2005 auf 2 Milliarden bis 2050 verdreifachen wird (Bieber, 2008).
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2.2 Rahmenbedingungen der ambulante Pflege
2.2.1 Zahlen, Daten Fakten zur ambulante Pflege
Die folgenden Ausführungen sollen Einblicke in die ambulante Pflegebranche über eine einleitende Definition, Zahlen zur Entwicklung ambulanter Pflegedienste, Unterschiede in der Trägerschaft sowie charakteristischer Merkmale der Beschäftigten und Pflegebedürftigen verschaffen.
Zur begrifflichen Abgrenzung der ambulanten Pflegedienstleistung folgt zunächst die gesetzliche Definition, woraufhin ambulante Pflegedienste in das Gesundheitssystem einge- ordnetwerden. Gemäß § 71 Abs. 1 SGB XI sind „Ambulante Pflegeeinrichtungen (Pflegedienste) (…) selbständig wirtschaftende Einrichtungen, die unter ständiger Verantwortung einer ausgebildeten Pflegefachkraft Pflegebedürftige in ihrer Wohnung pflegen und hauswirtschaftlich versorgen.“
Im Rahmen von Qualitätsvereinbarungen, die u.a. zwischen den Spitzenverbänden der Pflegekassen, dem Medizinischen Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDK) und den Verbänden der Pflegeberufe vereinbart wurden, wird weiter spezifiziert: „Der Pflege- dienstist eine auf Dauer angelegte organisatorische Zusammenfassung von Personen und Sachmitteln, die unabhängig vom Bestand ihrer Mitarbeiter in der Lage sein muß, eine ausreichende, gleichmäßige und konstante pflegerische Versorgung eines wechselnden Kreises von Pflegebedürftigen in ihrem Einzugsgebiet zu gewährleisten“ (Kruse, 2002, S. 304). Durch die Einführung der Pflegeversicherung bzw. mit Einführung des SGB XI als "fünfte Säule" der Sozialversicherung in Deutschland ("Gesetz zur sozialen Absicherung des Risikos der Pflegebedürftigkeit, Pflegeversicherungsgesetz - PflegeVG") im Jahr 1995 wurde u.a. das Ziel häuslicher Pflege vor stationärer Versorgung den Vorrang zu gewähren, gesetzlich verankert. Weiterhin wurde damit auch der Pflegemarkt für private Anbieter geöffnet
(DAK-BGW 3 , 2006). Seit Einführung der Pflegeversicherung ist ein zunehmender Kostendruck im Gesundheitswesen vorhanden. Auch der Altenpflegemarkt ist von einer zunehmenden Ökonomisierung und einem wachsenden Wettbewerb gekennzeichnet (Winter, 2005).
3 Die Krankenkasse DAK und die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienste und Wohlfahrtspflege hat in einer Untersuchung Fragebögen von 728 DAK-Mitgliedern, die zu dem befragten Zeitpunkt in der ambulanten Pflege als Pflegekräfte tätig waren, ausgewertet.
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Deutschlandweit waren im Jahr 2009 insgesamt 269.000 Personen bei ambulanten Pflegediensten im Rahmen des SGB XI beschäftigt.
Die Beschäftigtenstruktur in der ambulanten Pflege weißt folgende charakteristische Merkmale auf: Der überwiegende Anteil (87 Prozent) der Beschäftigten in der ambulanten Pflege sind weiblich. 71 Prozent waren Teilzeit-Beschäftigte, 27 Prozent vollzeitbeschäftigt und die restlichen Beschäftigten waren Zivildienstleistende, Auszubildende, Praktikanten oder Helfer im freiwilligen sozialen Jahr. Daher entsprechen diese Angaben bei einer Gewichtung nach der jeweiligen Arbeitszeit ungefähr 177.000 Vollzeitäquivalenten (Statistisches Bundesamt, 2011).
Des Weiteren können ambulante Pflegedienste anhand ihrer Trägerschaft unterschieden werden: Im Jahr 2009 befand sich die Mehrzahl der insgesamt 12.000 zugelassenen ambulanten Pflegedienste - genauer 62 Prozent - in privater Trägerschaft. Der Anteil der freigemeinnützigen Träger betrug 37 Prozent. Öffentliche Träger hatten einen Anteil von ledig-
lich 2 Prozent 4 (Statisches Bundesamt, 2011) 5 .
Bei genauerer Betrachtung anhand der Anzahl der versorgten Pflegebedürftigen sind hingegen die freigemeinnützigen Pflegedienste „Marktführer“ in Deutschland, denn 53 Prozent der Pflegebedürftigen werden hier versorgt. Der Anteil der Privaten beträgt in diesem Zusammenhang 45 Prozent und die Öffentlichen weisen auch hier einen Anteil von 2 Prozent auf (Statistisches Bundesamt, 2008).
Im Schnitt betreute ein Pflegedienst 46 Pflegebedürftige. Bei privaten Diensten wurden 35 Pflegebedürftige je ambulanten Dienst betreut, während die Pflegedienste unter freigemeinnütziger Trägerschaft im Durchschnitt ungefähr doppelt so viele Pflegebedürftige (64 je ambulanten Dienst) versorgten.
Der Haupteinsatzbereich des Personals war die Grundpflege, welche beispielsweise Tätigkeiten wie Körperpflege, Hilfestellung bei der Nahrungsaufnahme und die Mobilisationen subsummiert: Hier hatten annähernd zwei Drittel der Beschäftigen ihren Arbeitsschwerpunkt. Als Pflegedienstleitung fungierten 6 Prozent des Personals, 14 Prozent des Personals erbrachte hauswirtschaftliche Versorgung und jeder zwanzigste (5 Prozent) Mitarbeiter war für die Verwaltung oder Geschäftsführung des Dienstes tätig. Entsprechend des Hauptein-
4 Entsprechenddem Vorrang der anderen Träger nach SGB XI.
5 Durch die Rundung der Zahlenwerte ergibt sich hier eine Gesamtprozentzahl von über 100 Prozent.
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satzbereiches hatte der überwiegende Anteil der Beschäftigten eine Ausbildung als Krankenpflegerin oder Altenpflegerin.
Die Zahl der Pflegebedürftigen im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI) lag im Dezember 2009 bei rund 2,3 Millionen Menschen (Statistisches Bundesamt, 2011). Mehr als zwei Drittel (1,62 Millionen) der Pflegebedürftigen wurden zu Hause versorgt. Davon erhielten 1,07 Millionen Pflegebedürftige ausschließlich Pflegegeld, d.h. sie wurden in der Regel zu Hause ausschließlich durch ihre Angehörigen gepflegt. Weitere 555.000 Pflegebedürftige lebten ebenfalls in Privathaushalten, jedoch erfolgte die Pflege bei Ihnen teilweise oder vollständig durch ambulante Pflegedienste (Pflegestatistik, 2011).
2.2.2 Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Pflegebranche
Der demografische Wandel wirkt sich auf den Pflegebedarf älterer Menschen aus, da das Risiko pflegebedürftig zu sein mit dem Lebensalter überproportional ansteigt. Somit benötigen immer mehr hochbetagte Menschen aufgrund ihres hohen Lebensalters und der damit einhergehenden Multimorbidität gesundheitsbezogene Produkte und personenbezogene Dienstleistungsarbeit im Bereich der Betreuung, Versorgung und Pflege.
Im Vergleich von 2007 zu 2009 ist die Anzahl der durch ambulante Pflegedienste betreuten Personen um rund 10 Prozent, dies entspricht einer Zahl von 51.000 Personen, gestiegen. Dieser Anstieg kann als überdurchschnittlich hoch bezeichnet werden, da im Vergleich von 2005 zu 2007 die Anzahl der durch ambulante Pflegedienste betreuten Personen um nur ca. 7 Prozent (+ 33.000 Personen) gestiegen ist. Durch diese Entwicklung zeigt sich kein Trend mehr weg von der Pflege zu Hause und hin zu vollstationären Pflegeheimen, denn der Anteil der zu Hause Versorgten betrug zum Jahresende 2009 69 Prozent (2007: 68,4 Prozent, 2005: 68,2 Prozent und 1999: 72 Prozent). (Statistisches Bundesamt, 2008 und 2011). Einen interessanten Einblick in die zukünftige Entwicklung der Zahl der Pflegebedürftigen ermöglichen die Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW): Denn es wird prognostiziert, dass die Zahl der Pflegefälle von 1,93 Millionen im Jahr 1999 bis zum Jahr 2050 auf bereits 4,7 Millionen ansteigen wird - dies entspricht einem Anstieg um 145 Prozent (DIW, 2001).
Einen differenzierten Überblick in die Entwicklung der Zahl der Pflegebedürftigen und Verteilung auf ambulante / teilstationäre und vollstationäre Pflegedienstleistungen bietet die
Die folgenden Tabellen können zudem einen guten Einblick auf die Lebensjahre mit Pflegebedürftigkeit von Frauen und Männer unter Berücksichtigung der Inanspruchnahme ambulanter und stationärer Pflegedienstleistungen geben:
Auch die Altersstruktur der Pflegebedürftigen, die durch ambulante Pflegedienste versorgten werden, ist sehr aufschlussreich und wird in der folgende Abbildung sowie den weiteren Ausführungen näher dargestellt:
Abbildung 3: Altersklassen der von ambulanten Pflegediensten betreuten Pflegebedürftigen
(Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, www.gbe-online.de)
23 Prozent der von ambulanten Pflegediensten betreuten Pflegebedürftigen waren 85 bis unter 90 Jahre alt und sogar 11 Prozent waren 90 bis unter 95 Jahre alt.
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Die Anzahl der 85- bis unter 90-jährigen Pflegebedürftigen, die durch ambulante Pflegedienste betreut werden, stieg zwischen 2005 und 2007 um 34 Prozent. Auch die Zahl über 95-jähriger Pflegebedürftiger nahm zwischen 2005 und 2007 um 14 Prozent zu und seit 1999 sogar um insgesamt 80 Prozent (Hirschberg, Kähler, Kromark, 2009).
Entsprechend des Anstiegs der Pflegebedürftigen, hat sich die Anzahl ambulanter Pflegdienste seit der Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 verdreifacht. Daraus resultierend ist natürlich auch ein Anstieg der Beschäftigten in der ambulanten Pflege festzustellen:
Allein vom Jahr 2007 auf das Jahr 2009 ist die Zahl der Beschäftigten um fast 14 Prozent (+ 33.000) angestiegen. Im Vergleich dazu lag der Anstieg der Beschäftigten von 2005 auf 2007 bei rund 10 Prozent (+ 22.000). Entwicklung der Ausbildungsplätze in der ambulanten Pflege lässt sich nur bedingt durch die Ergebnisse der Pflegestatistiken 2007 und 2009 erschließen, da hier neben Auszubildende auch Schülerinnen und Praktikantinnen berücksichtigt wurden. Im Bereich der ambulanten Pflegedienste stieg hier die Zahl der Ausbildungsplätze von 1.816 im Jahr 1999 auf 4.492 im Jahr 2009. Allein im Vergleich von 2007 zu 2009 ist ein Anstieg um annähernd 30 Prozent festzustellen. Die Ergebnisse für die stationäre Altenpflege lassen viel gravierendere Veränderungen feststellen, denn hier ist die Zahl der Ausbildungsplätze von 16.782 im Jahr 1999 auf 34.309 im Jahr 2009 angestiegen. Im Vergleich von 2007 zu 2009 beträgt der Anstieg rund 6 Prozent (Statistisches Bundesamt, 2008 und 2011).
Trotz dieser Anstiege der Zahl an Beschäftigten- und Auszubildenden bestehen jedoch aktuell in einige Regionen in Deutschland schon Schwierigkeiten, qualifiziertes Pflegepersonal zu rekrutieren und junge Menschen für Pflegeberufe zu begeistern. So gehörten soziale Berufe insgesamt Ende 2008 im Zusammenhang des ungedeckten Arbeitskräftebedarfs bereits zu den „Top-5“-Berufsgruppen, die die größte Anzahl sofort zu besetzender offenen Stellen vorweisen. Speziell für die Berufsgruppe der Altenpflegerinnen wurden bei der Bundesagentur für Arbeit im April 2009 bundesweit rund 60 Prozent mehr offene Stellen gemeldet als im Januar 2007 (Heckmann, Kettner, Reiben, 2009). Selbst wenn der Rückgang des „Nachwuchses“ in der Pflegebranche gestoppt und mehr Auszubildende für diesen Beruf begeistert werden können, wäre der zukünftige Personalbedarf nicht zu decken.
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Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass der demografische Wandel auch heute schon Folgen auf die Altersstruktur der Beschäftigten. So ist bereits aktuell bei den Beschäftigten im gesamten Gesundheitswesen ein Anstieg des Durchschnittsalters festzustellen. Der Anteil der über 50-Jährigen in Gesundheitsberufen stieg zwischen 1997 und 2007 von rund 18 Prozent auf annähernd 25 Prozent. Die Pflegebranche wird also unweigerlich auf ihre älteren, erfahrenen, aber auch - durch verschiedene Studien nachgewiesen - oftmals gesundheitlich selbst belasteten Beschäftigten angewiesen sein. Und damit werden Ältere zunehmend interessant für einen Arbeitsmarkt, der sich bislang eher um junge Arbeitskräfte bemühte. Und dies bedeutet wiederum, dass ein möglichst langer Verbleib älterer Beschäftigter im Berufbild der Pflege im Fokus der Betrachtung stehen muss (Hirschberg, Kähler, Kromark, 2009). Eine notwenige Konsequenz ist es somit, die Arbeitsbedingungen in einer Weise zu gestalten, dass Pflegekräfte so lange wie möglich diesen Beruf ausüben und in diesem Beruf weiter bestehen können (Joost, Kipper, Tewolde, 2009).
Weiterhin hat dieses Szenario - neben den genannten Auswirkungen auf die Arbeitswelt - nochkaum vorhersehbare Folgen für die Finanzierbarkeit der Sozialsysteme. Unumgänglich ist, dass ältere Menschen länger arbeiten werden müssen, um ihre eigene Versorgung zu sichern (Kromark, Wohlert, Köhler, 2007).
Dass der demografische Wandel auch ökonomische Folgen hat, veranschaulichen die weiteren Ausführungen:
Mit den rund 810.000 Beschäftigten im gesamten Pflegesektor wurde im Jahr 2007 ein Beitrag zur Wertschöpfung in Höhe von ca. 25 Milliarden Euro erwirtschaftet. Bis zum Jahr 2050 könnten sich die Wertschöpfung und Beschäftigtenzahl fast verdreifachen, so dass bis zu 2,2 Millionen Personen professionelle Pflege leisten würden. Wertschöpfungs- und Beschäftigungszuwächse werden aufgrund der damit verbundenen Wohlstandssteigerungen volkswirtschaftlich grundsätzlich als erstrebenswert angesehen, jedoch im Pflegebereich teilweise kritisch betrachtet, da steigende Umsätze und Ausgaben aufgrund der damit verbundenen wachsenden Beitragslasten zu berücksichtigen sind. So werden jetzt schon 31 Prozent der Pflegeausgaben allein von den privaten Haushalten aufgebracht. Die Pflegeversicherung (ca. 60 Prozent) übernimmt zusammen mit den Sozialhilfeträger (9 Prozent) den Rest (Enste, 2009).
3. Methodik der Befragung, Auswahl und Details der Stichprobe
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Arbeit zitieren:
A. Stockrahm, 2011, Berufsverläufe älterer ambulanter Pflegekräfte sowie Arbeitsbedingungen und -belastungen in der ambulanten Pflege, München, GRIN Verlag GmbH
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