HS 15 743 (WS 03/04)
Individuum und Gesellschaft
Herbert Striebeck
Inhaltsverzeichnis :
I Einleitung - 3 -
II Biographisches zu Georg Herbert Mead - 6 -
III Theoretische Grundlagen - 7 -
IV Mead und der Behaviorismus - 8 -
IV.1 Grundannahmen. - 9 -
IV.2 Interaktion - 10 -
V Grundbegriffe - 11 -
V.1 Interaktionsformen - 11 -
V.2 Role taking / Role making. - 14 -
V.3 Identität. - 16 -
VI Meads Theorie des Interaktionismus - 19 -
VI.1 „Selbst/Identität“ - 19 -
VI.2 Das „Ich“ - 20 -
VI.3 Das „Mich“ - 21 -
VII Qualitäten der Interaktionistische Theorie nach Habermas - 23 -
VII.1 Das Meadsche Sozialisationsmodell - 24 -
VII.2 Die Gesellschaft - 26 -
VII.3 „Die Soziale Kontrolle“ - 27 -
VII.3.1 Beispiel: Meads Idealgesellschaft. - 28 -
VII.4 Die gesellschaftlichen Konflikte. - 29 -
VIII Fazit. - 30 -
IX Literaturverzeichnis. - 31 -
X Abbildungsverzeichnis. - 32 -
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HS 15 743 (WS 03/04)
Individuum und Gesellschaft
Herbert Striebeck
I Einleitung
Zum Verständnis der Konzepte von George Herbert Mead, ist die Erörterung von mehreren soziologischen Lehren erforderlich. Die Chicagoer Schule vertrat eine Empirie, die sich im Besonderen quantitativ orientierte. Ihre strukturelle-funktionale Theorie ist die Zusammenfassung des Wertvollsten der europäischen Klassiker der Soziologie und bildet somit das Fundament einer „professionell abgesicherten und kumulativen Erkenntnisgewinnung“. 1 Die neu gewonnene Identität des Faches verdrängte jedoch die Tradition des deutschen Idealismus und Marxismus, die nicht in das Bild eingefügt werden konnten. Darüber hinaus wurden auch die Leistungen der pragmatischen Sozialphilosophie nur unzureichend gewürdigt. Konzeptionen der Ich-Identität und der Rollenübernahme, das „Thomas-Theorem“ und die Grundidee der biographischen Methode gehören jedoch zum Standartwissen in der Soziologie. Von allgemeinem Interesse in den sechziger Jahren war Blumers Fassung des „interpretativen Ansatzes“. Auch heute noch spielt das Erbe der Chicagoer Schule eine wichtige Rolle in aktuellen Theoriediskussionen. Der symbolische Interaktionismus war jedoch nicht ausgereift genug, um gleichwertig neben der kritischen Theorie, oder dem Marxismus zu stehen. Daher setzte sich diese Tradition jahrzehntelang eher durch exemplarische Forschung und mündliche Übermittlung, als durch theoretische Systematik und Selbstbegründung durch.
1 Hans Joas 1988: symbolischer Interaktionismus. Von der Philosophie des Pragmatismus zu einer soziologischen Forschungstratition, S.40
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Der symbolische Interaktionismus, der seinen Namen von Herbert Blumer bekam, kennzeichnet sich durch Prozesse der Interaktion. Der Begriff Interaktion meint hier den Symbolvermittelnden Charakter sozialen Handelns. Somit bedeuten soziale Beziehungen nicht die Umsetzung fester Vorschriften in die Tat, sondern gemeinsame und wechselseitige Beziehungsdefinitionen. Damit sind soziale Beziehungen nicht stabil und zum Teil vorhersehbar, sondern offen und an gemeinsame Anerkennung gebunden.
Der symbolische Interaktionismus gründet auf den Pragmatismus, eine Philosophie der Handlung. Die Leitvorstellungen im Denken von Descartes des einsam zweifelnden Ich werden von der Idee einer kooperativen Wahrheitssuche zur Bewältigung realer Handlungsprobleme abgelöst. John Dewey und George Herbert Mead waren diejenigen, über die die entscheidende Wirkung des Pragmatismus in die Soziologie übertrat.
Diesen Übergang erkannte man zunächst an einer funktionalistischen Psychologie. John Deweys Aufsatz ,,The Reflex Arc Concept in Psychology“ zeigt diese neue Gestalt der Soziologie am deutlichsten. Er kritisierte dort die Psychologie, die behauptete, dass unsere Handlungen summativ aus äußeren Reizen und innerer Reizverarbeitung zusammengesetzt sind. Er entwickelt ein Reflexbogenmodell. Demnach konstituieren Handlungen erst, welche Reize in ihrem Zusammenhang relevant sind.
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Handeln wurde aber als Realisation Vorgefasster Zwecke gesehen. Das kindliche Spiel jedoch sollte zeigen, dass es keine Vorgefasste Zwecksetzung gibt, sondern nur eine Reflexion auf Widerstände gegenüber vielfältig orientierten Verhalten. Deweys und Meads Studien zum kindlichen Spiel dienten als Modell des Handelns unter geringem Druck zur Eindeutigkeit der Zwecke. Auftretende Handlungsprobleme werden mit ,,schöpferischer Intelligenz“ überwunden, indem neue Handlungsalternativen entworfen werden.
Mead untersuchte das Konzept der Selbstreflexivität. Jemand der in einer sozialen Situation handelt ist eine Reizquelle für den Partner. Er muss sich seiner eigenen Handlungsweisen vergewissern, da sein Partner auf ihn reagiert. Aus dieser Selbstreflexivität und der Theorie menschlicher Kommunikation und Sozialität entwickelt Mead die Theorie der Symbolvermittelnden Interaktion. Handlung wird in gestische Zeichen umgewandelt. Dadurch kann man auf eigene Handlungen reagieren und die Reaktionen anderer Repräsentieren. Diese Konzeption lässt Handlung als Selbstkontrolliertes Verhalten deuten. Der Rationalitätsbegriff des Pragmatismus lässt sich so mit dem Begriff der Selbstkontrolle fassen.
Der Begriff „Symbolischer Interaktionismus“ bezeichnet einen Ansatz in der sozialwissenschaftlichen Forschung, der das Handeln der Individuen zum Mittelpunkt macht. 2
2 Herbert Blumer 1973: Der methodologische Streit des symbolischen Interaktionalismus, S.80
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Dieser Satz kann als Zusammenfassung der gesamten Theorie des symbolischen Interaktionismus, als ein mikrosoziologischer Ansatz gesehen werden.
Der symbolische Interaktionismus ist in der Soziologie nicht unumstritten, hat jedoch für die Methodologische Entwicklung aller Sozialwissenschaftlicher Disziplinen, vielleicht sogar aller naturwissenschaftlicher Disziplinen eine ganz fundamentale Bedeutung. Es ist der Versuch aus dem vorherrschenden Paradigma auszubrechen und durch die neue Definition der Wirklichkeit eine neue Vorgehensweise zu entwickeln.
II Biographisches zu Georg Herbert Mead
Der als Sohn eines protestantischen Pfarrers aus New England geborene Mead wuchs in einer Zeit auf in der die Auseinandersetzung zwischen religiösen Dogmatismen und Darwins Evolutionslehre stark thematisiert wurde. Sein Umfeld war jedoch auch durch ein starkes Engagement für die Emanzipation der Schwarzen und Frauen geprägt. 1887 begann sein Studium der Philosophie in Harvard, später konzentrierte er sich auf die physiologische Psychologie und verbrachte eine Zeit in Deutschland. 1891 kam er nach Michigan als Dozent für Psychologie. Hier lernte er John Dewey und Charles H. Cooley kennen. Mit Dewey wechselte er als Assistenzprofessor an die University of Chicago, wo er bis zu seinem Lebensende 1931 am Department of Philosophy lehrte. Das was ihn so berühmt machte war sein Kurs in Sozialpsychologie, den er ca. 30 Jahre lang in immer ähnlicher Form angeboten hat.
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Die darin entwickelten Gedanken wurden erst nach seinem Tod aus seinen Manuskripten und der studentischen Mitschrift seines Schülers Charles W. Morris, in Form seines Werkes „Mind, self and society“ veröffentlicht. 3 Seine Schwerpunkte waren dort die Erarbeitung einer Kommunikationstheorie und darauf aufbauend eine Sozialpsychologie.
III Theoretische Grundlagen
George Herbert Mead (1863-1931) ist Begründer einer Sozialtheorie, die menschliches Verhalten als symbolisch vermittelte Interaktion auffasst und aus diesem Prozess der symbolisch vermittelten Interaktion auch die Entstehung von Bewusstsein, Individuum und Gesellschaft erklärt. Mead der aufgrund seiner verschiedenen theoretischen Interessen, sich nicht nur mit Soziologie sondern auch für Sozialpsychologie und Pädagogik beschäftigte, wurde durch verschiedene wissenschaftliche und philosophische Strömungen seiner Zeit beeinflusst.
Positiv bestimmten Darwins Evolutionstheorie, der amerikanische Pragmatismus und der deutsche Idealismus Meads Arbeit. Von Darwins Evolutionstheorie übernahm er das Grundmodell des Organismus, der sich an seine Umwelt anpassen muss um zu überleben.
3 vergl. Hannelore Faulstich-Wieland 2000: Individuum und Gesellschaft, S. 139
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Mead begreift in Übereinstimmung mit dem amerikanischen Pragmatismus diese Anpassungsleistung nicht als deterministische, viel mehr als abhängig von bewussten Problemlösenden Denken und Handeln der Menschen.
Das selbstbewusste Erkenntnis- und Handlungssubjekt wie es der deutsche Idealismus postuliert, greift Mead auf und erklärt dessen Entstehung .Ein selbstbewusstes Subjekt kann nur in einer Gemeinschaft handelnder und kommunizierender Menschen entstehen.
Negativ beeinflusste Mead die behavioristische Psychologie, eine psychologischen Schule, der er sehr kritisch gegenüber stand. Die behavioristische Psychologie versucht menschliches Verhalten ohne Bezugnahme auf die inneren Erfahrungen des Individuums zu erklären. Verhalten wird als Reaktion auf objektive Reize gedeutet.
Dieses Reiz-Reaktionsmodell steht jedoch im Gegensatz zu Meads Konzept des sich an die Umwelt anpassenden bewusst agierenden Subjekts, so dass Mead versuchte di ese Theorie zu widerlegen. Auf dieser theoretischen Grundlage entwickelte Mead seine Theorie des Sozialbehaviorismus, die noch heute die Grundlage der modernen Soziologie ist.
IV Mead und der Behaviorismus
Mead baut seine Theorie auf den Begriffen des Behaviorismus auf, löst sich jedoch auch von ihnen und entwickelt sie weiter. Auch er setzt beim Aufbau seiner Theorie an den Begriffen Reiz und Reaktionen. 1 - 8 -
Arbeit zitieren:
Ines Lenz, 2004, Individuum und Gesellschaft in den Konzepten von Georg Herbert Mead, München, GRIN Verlag GmbH
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