Universität Mannheim Lehrstuhl Germanistik Proseminar: Mittelhochdeutsch Sommersemester 2000
Inhalt
I. Einleitung. 3
II. Hauptteil. 4
1. Die Entwicklung des Frauenbildes bis zur höfischen Zeit. 4
2. Die symbolische Bedeutung der Frau in Hartmanns Werk. 5
3. Die strukturelle Bedeutung der Frau in Hartmanns Werk. 7
4. Textanalyse. 8
4.1. Ausgangssituation: Heinrichs Weltleben und Sturz. 8
4.2. Handlungsbeginn: Heinrichs Suche nach Heilung. 8
4.3. Der Meierhof: Entstehung neuer Voraussetzungen. 9
4.4. Heinrichs Selbstdeutung. 9
4.5. Der Entschluß zum Opfer. 10
4.6. Die Reise nach Salerno. 12
4.7. Heimkehr und Heirat. 13
III. Schluß. 14
2
I. Einleitung
Die im Mittelhochdeutschen verfaßte epische Dichtung der arme Heinrich ist eines der letzten Werke Hartmanns von Aue, entstanden nach seiner inneren Umkehr zur Zeit der hochhöfischen Literaturepoche. Hartmann bleibt, wie weitere Meister der Epik, ohne Urkunde und Biographie, denn zu jener Zeit war Kunst und Künstler ein ‘funktionales Element’ im Kreise der höfischen Gesellschaft. In seiner Lyrik und Epik stellt er sich mehrfach vor. Zu Beginn des Armen Heinrich spricht Hartmann von sich.
Der arme Heinrich hat seine Verwurzelung im religiösen Denken des Mittelalters. Hartmann verwendet Motive aus verschiedenen literarischen Bereichen, die er künstlerisch zu einer Einheit verbindet. Legende, Märchen und religiöse Dichtung sind Muster, die sich im Verlauf der Handlung, abwechselnd und auch einheitlich, bemerkbar machen. Trotz seines geringen Umfangs weist das Gedicht eine poetische Dichte auf, die über den knappen Rahmen und Zusammenhang des Erzählten weit hinausgeht. 1
Hauptmotive der Erzählung sind Aussatz und Aussatzheilung, die im Mittelalter tabuisierte Krankheit und das magische Rezept. Der Werdegang eines Aussätzigen und die Geschichte einer opferbereiten Jungfrau - und schließlich beider Wandlung - bestimmen die relativ handlungsarme Erzählung. Das innere Geschehen, psychische Vorgänge werden in den Mittelpunkt gerückt. Zwei Figuren bestimmen den Erzählablauf, Heinrich und die Meierstochter. Im Mittelteil tritt das Mädchen erheblich in den Vordergrund, Heinrich bleibt passiv. In dieser Arbeit soll die Bedeutung, Sinn und Funktion des Mädchens in Hartmanns Werk Der arme Heinrich untersucht werden. Die symbolische sowie allgemeine Rolle, die Aufgabe und Einwirkung, die der Dichter seiner Frauengestalt geben wollte, soll vom Text heraus gedeutet werden. Das namenlose Bauernmädchen ist neben Heinrich die bedeutendste Gestalt der Erzählung, denn es spielt eine vielseitige Rolle im Dasein des Helden. Sie führt ihn, stets von ihrer güete geleitet, von Selbstbefangenheit zu Selbsterkenntnis, was beider Glück zur Folge hat.
1 Hugo Kuhn und Cristoph Cormeau: Hartmann von Aue, Darmstadt 1973, S. 151.
3
II. Hauptteil
1. Die Entwicklung des Frauenbildes bis zur höfischen Zeit
Um das Besondere an Hartmanns Frauenbild deutlich zu machen, soll hier ein kurzer Überblick über die sich immer wandelnde männliche Einstellung zur Frau gegeben werden.
Die Frau wurde im Mittelalter als bloßes Objekt oder als Besitz erlebt. Sie diente als Auflöserin sexueller Spannung, als Pflegerin, als Hausverwalterin, als Mutter. Rechtlich und sozial war die Frau im Mittelalter dem Mann untergeordnet. Sie lebte unter seiner Vormundschaft, Verlobung und Ehe waren Sache der Sippe oder Familie, eine rein wirtschaftliche Angelegenheit. Für die deutsche Dichtung bis ins zwölfte Jahrhundert gilt: der Mann und seine Taten stehen im Mittelpunkt, während die Frau ganz am Rande, wenn überhaupt, erwähnt wird. Erst bei der höfischen Literatur, die tatsächlich eine Ausnahmestellung einnimmt, wird die minne zum Zentralmotiv des Geschehens. Die Gestalt der minne entstand wohl aus der Verehrung des „Weiblichen“ im allgemeinen. Hierbei mag es sich zum Teil um einen psychischen Ausgleich handeln, der eine Reaktion auf die waltende Geringschätzung weiblicher Werte in einer betont patriarchalisch orientierten Gesellschaft bedeutet. 2 Auf jeden Fall setzt mit der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts ein Zeitalter von kurzer Dauer ein, wo die geistigen weiblichen Kräfte dramatisch hervorbrechen und in der Literatur zur Wirkung gelangen. Diese Entwicklung ist aus dem Geist der Zeit zu erklären. Ein allgemeines Erwachen findet statt. Der Mensch entdeckt sich als wertvolles Einzelwesen. Mit der wachsenden Bewußtheit aber steigert sich die Fähigkeit, den Eigenwert des anderen Menschen anzuerkennen. Die Beziehung zwischen den Geschlechtern spiegelt das Reifen der Menschheit wider.
2 Carne, Eva-Maria: Die Frauengestalten bei Hartmann von Aue, Marburg 1970, S. 3.
4
Arbeit zitieren:
Emese Farkas, 2000, Die Gestalt des Mädchens in Hartmanns von Aue "Der arme Heinrich", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der arme Heinrich: Rhetorik und Theologie in der Argumentation der Mei...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 17 Seiten
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Das Selbstopfer in Hartmanns von Aue „Der arme Heinrich“
Das Mädchen zwischen Egoismus ...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 15 Seiten
Die Krankheiten in Hartmanns von Aue "Der arme Heinrich"
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 13 Seiten
Die Frau im Mittelalter und die Figur der Meierstochter im "Armen...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 17 Seiten
Über die Bildlichkeit von Tod und Vergänglichkeit im 'Armen Heinri...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Die Funktion der Krankheit in Hartmanns von Aue "Der arme Heinric...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 16 Seiten
Zu Hartmann von Aues "Der arme Heinrich". Veränderungen und ...
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit (Hauptseminar), 45 Seiten
Über die Lepra des armen Heinrich
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Hausarbeit, 17 Seiten
Gemischte Charaktere in Gotthold E. Lessings 'Emilia Galotti'
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 18 Seiten
Die Grundzüge der Frühromantik anhand der Werke: „Theorie der Romantik...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Examensarbeit, 12 Seiten
Goethe, Johann Wolfgang von - Mailied - Interpretation
Referat / Aufsatz (Schule), 8 Seiten
Das Trancephänomen in Wolfram von Eschenbachs „Parzival“
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Funktion der Krankheit in Hartmann von Aues `Der arme Heinrich`
Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
Seminararbeit, 16 Seiten
Symbolik im Film am Beispiel von Tom Tykwers "Lola rennt"
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Hausarbeit, 37 Seiten
Die bürgerliche Frau im 19. Jahrhundert unter Einbeziehung der Autorin...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit, 18 Seiten
Emese Farkas's Text Die Gestalt des Mädchens in Hartmanns von Aue "Der arme Heinrich" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Emese Farkas hat den Text Die Gestalt des Mädchens in Hartmanns von Aue "Der arme Heinrich" veröffentlicht
Emese Farkas hat einen neuen Text hochgeladen
German Poetry from the Beginnings to 1750: Hartmann Von Aue, Wolfram V...
Ingrid Walsoe-Engel, Wolfram Von Eschenbach, George C. Schoolfield
0 Kommentare