Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Abk ürzungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis V
Abbildungsverzeichnis VI
1 Einleitung. 1
2 Grundlagen und Strukturen. 2
2.1 Historie und Definition von Hedge Fonds 2
2.2 Hedge Fonds-Strukturen. 4
2.3 Hedge Fonds-Strategien 8
2.4 Abgrenzungen 14
2.4.1 Unterscheidungsmerkmale zwischen Hedge Fonds und
traditionellen Investmentfonds 14
2.4.2 Abgrenzung zu anderen Alternativen Investments. 18
3 Risikomanagement in Hedge Fonds 21
3.1 Traditionelle Risiken 21
3.2 Spezielle Risiken 24
3.3 Risikomanagement 27
4 Performance-Analyse. 31
4.1 Performancemessung. 31
4.2 Performancevergleich zu traditionellen Investmentfonds und Standard-
Indizes. 34
4.3 Der Einfluss spezifischer Hedge Fonds-Charakteristika auf die
Performance 37
5 Hedge Fonds aus der Sicht der Prinzipal-Agenten-Theorie 46
5.1 Einführung. 46
5.2 Anreizkompatibles Kontraktdesign und Investitionsentscheidung: Das
Modell von Starks. 48
5.3 Lösungsdesigns für Hedge Fonds. 57
6 Wertung und Schlussbetrachtung 63
Anhang I: Ausschnitt der am deutschen Markt befindlichen
Hedge Fonds-Produkte 66
Literaturverzeichnis 67
II
Abkürzungsverzeichnis
Aufl. Auflage Bd. Band BP bonus plan Bsp. Beispiel bez. bezüglich CAPM Capital Asset Pricing Model CSFB Credit Suisse First Boston CFTC Commodity Futures Trading Commision CTA Commodity Trading Adviser d. h. das heißt EAFE Europe, Australia, New Zealand and the Far East EWS Europäisches Währungssystem f. folgende ff. fort folgende FK Fremdkapital HFR Hedge Fund Research ICA Investment Company Act Inc. Incorporated KAGG Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften KG Kommanditgesellschaft LIBOR London Interbank Offered Rate LTCM Long Term Capital Management Ltd. Limited Partnership M & A Merger and Aquisitions MAR Managed Account Reports Mrd. Milliarden MSCI Morgan Stanley Capital International NAV Net Asset Value NB Nebenbedingung OTC Over the Counter p. a. per anno PFE Potential Futures Exposure
III
S. Seite(n) SEC Securities and Exchange Commission SM Sharpe-Maß SP symmetric plan S&P Standard and Poor u. a. unter anderem USA United States of America USD US-Dollar VaR Value at Risk VCF Venture Capital Fonds vgl. vergleiche z. B. zum Beispiel
IV
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Einteilung von Investmentanlagen........................................................14 Tabelle 2: Sharpe-Maß-Vergleich zwischen Hedge Fonds und Publikumsfonds..34 Tabelle 3: Sharpe-Maß-Vergleich zwischen Hedge Fonds und
Standard-Indizes....................................................................................35 Tabelle 4: Strukturelle Einflussfaktoren zu Gunsten von Hedge Fonds................37 Tabelle 5: Querschnitts-Regression von Hedge Fonds Performance
auf Grund der Fonds-Charakteristika....................................................40
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Unternehmenssitze von Hedge Fonds.
Abbildung 2: Typische Hedge Fonds-Struktur.
Abbildung 3: Relative Anzahl von Hedge Fonds-Stilrichtungen.
Abbildung 4: Struktur der Hedge Fonds-Investoren.
Abbildung 5: Vergleich von Effizienzlinien.
Abbildung 6: Darstellung der verschiedenen Beteiligungszeitpunkte.
Abbildung 7: Diversifikationsebenen der Strategischen Asset Allocation.
Abbildung 8: Effizienzlinien.
VI
1 Einleitung
Auf Grund der sich seit mehr als zwei Jahren negativ entwickelnden Weltbörsen und dem damit verbundenen Vermögens- und Vertrauensverlust der Anleger ist das Interesse an sogenannten „Alternativen Investments“ stark gestiegen. Im Gegensatz zu den „Traditionellen Investments“ soll der Investor die Möglichkeit erhalten, auch in Zeiten fallender Kurse zu profitieren und sein Portfolio unabhängig vom allgemeinen Markttrend zu gestalten. Insbesondere die Klasse der Hedge Fonds hat in den letzten Jahren immer wieder für kontroverse Diskussionen in der Wirtschaftspresse gesorgt und entschieden an Bedeutung gewonnen. 1 Laut Deutscher Bundesbank hat sich allein die Anzahl der weltweit agierenden Hedge Fonds von 1400 im Jahre 1988 um 300 % auf 5500 Ende 1997 erhöht. Das verwaltete Gesamtvermögen der Branche stieg im gleichen Zeitraum sogar um 600 %, von 42 Mrd. USD auf 300 Mrd. USD. 2 Verschiedene Quellen sprechen aktuell von mehr als 6000 Hedge Fonds mit einem verwalteten Vermögen von ca. 500 Mrd. USD. Obwohl das Volumen im Vergleich zu traditionellen Investmentfonds eher gering ist, kann ein eindeutiger Trend zu Hedge Fonds-Investitionen erkannt werden.
Darüber hinaus treten Hedge Fonds auch immer wieder durch spektakuläre Einzelaktionen in Verbindung mit Finanzkrisen in Erscheinung. So wird z. B. der Quantum Fonds - verwaltet von George Soros - dafür verantwortlich gemacht, dass das Britische Pfund im Frühling 1992 aus dem EWS auf Grund einer massiven Gegenspekulation ausscheiden musste. 3 Ein weiteres Bsp. ist die Beinahe-Pleite des LTCM-Hedge Fonds im Herbst 1998, die zu weltweiten Irritationen und einem globalen Kursrutsch an den Aktienmärkten führten. 4 Die entscheidenden Gründe für das gestiegene Interesse der Anleger sind jedoch die folgenden propagierten Argumente der Hedge Fond-Manager: Erstens wird den Investoren eine maximierte absolute Rendite versprochen, die auf Grund der Kombination aus einem optimalen Produkt-Design und einem überlegenen Investment-Team resultieren soll. Zweitens wird mit einer geringen Volatilität geworben, die durch die Flexibilität der Investment Entscheidungen - welche hier unabhängig von sämtlichen Benchmarks ist und somit zu einer Risikoreduzierung
1 Vgl. Rutkis, A. (2002), S. 1 f.
2 Vgl. Dt. Bundesbank (1999), S. 34, 36.
3 Vgl. Pichl, A. (2001), S. 4.
4 Nachzulesen in: Edwards, F. R. (1999), S. 189-210; Single, G. L./Stahl, M. (2000), S. 1060-
1066; Lowenstein, R. (2000).
1
des Portfolios führt - erreicht werden kann. Als drittes Argument wird die geringe Korrelation mit anderen traditionellen Anlagen des Anlegerportfolios angegeben, wobei der Einsatz von Hedge Fonds zu einem verbesserten Risiko-Rendite-Verhältnis des Gesamtportfolios führen soll. 5 Diese und weitere Argumente werden im Verlauf dieser Studie noch auf ihre Stichhaltigkeit zu untersuchen sein.
Ziel dieser Arbeit ist es, einen Beitrag zum besseren Verständnis der oftmals als „geheimnisumwogen“ bezeichneten Branche zu leisten. Dazu werden zunächst einmal die Grundlagen zum Thema Hedge Fonds erläutert, indem die Strukturen und vor allem die sehr heterogenen Strategien vorgestellt werden. Eine Abgrenzung zu den traditionellen Investmentfonds und anderen alternativen Investments erfolgt dann im Anschluss. Im Kapitel 3 soll eine Risikobetrachtung und -bewertung der Hedge Fonds durchgeführt werden, wobei sowohl auf traditionelle wie auch auf spezifische Risiken eingegangen wird. Ein besonderer Fokus liegt auf der Performance-Analyse im Kapitel 4, da sich an Hand von empirischen Untersuchungen zeigen wird, ob Hedge Fonds tatsächlich ihrem Ruf gerecht werden, eine höhere Rendite als traditionelle Investments zu generieren. Gegenstand des Kapitels 5 ist das „Moral Hazard“-Problem zwischen Anleger und Manager eines Hedge Fonds im Rahmen der „Prinzipal-Agenten-Theorie“. Die Arbeit wird mit einer Wertung und Schlussbetrachtung abschließen, wobei hier eine Zusammenfassung der erörterten Erkenntnisse und ein Ausblick gegeben werden soll.
2 Grundlagen und Strukturen
2.1 Historie und Definition von Hedge Fonds
Der erste Hedge Fonds wurde bereits am 1. Januar 1949 von dem Amerikaner Alfred W. Jones in Form eines Eigenkapitalfonds in der Rechtsform eines „General Partnerships“ aufgelegt. Das Ziel bestand darin, einen Teil der eingegangenen Marktrisiken seiner Aktienpositionen zu eliminieren, indem er andere Aktien gleichzeitig leerverkaufte (short-selling). Seine Anleger sollten hierdurch ein breites und flexibles Portfolio erhalten, das sowohl in Hausse- wie auch in Baisse-Zeiten profitabel ist. Damit verlagerte er seine bisherigen Strategien vom Market-Timing-Ansatz zum Stock-Picking. Zusätzlich nahm
5 Vgl. Banz, R./De Planta, R. (2002), S. 317.
2
Jones Fremdkapital auf um so einen noch wesentlich höheren Gewinn zu erzielen (Leverage-Effekt). Er war damit der erste, der short sales, leverage und die sogenannten „incentive fees“ in Kombination verwendete. 6 Im Jahr 1952 konvertierte Jones seinen General Partnership-Fonds in die Rechtsform einer „Limited Partnership“, in der er gleichzeitig mehrere, unabhängig voneinander arbeitende Fondsmanager engagierte und so den ersten „multi-manager“-Hedge Fonds ins Leben rief. Mitte der 50er-Jahre duplizierten eine Reihe von Fondsmanagern diese Short-Selling-Strategien, ohne dass jedoch das Hedging von Marktrisiken der Kern ihrer Investmentstrategie war. 7 Im Jahr 1966 erschien ein Artikel im Fortune Magazine, nach dem Jones’ Hedge Fonds alle damaligen traditionellen Investmentfonds nach Abzug einer 20-prozentigen Managementgebühr (incentive fee) in der Performance schlug. Auf Grund dieses Artikels entstanden in nur wenigen Jahren mehrere hundert Hedge Fonds, von denen jedoch viele Ende der sechziger Jahre, nicht zuletzt wegen der Unerfahrenheit ihrer Manager, insolvent wurden. In den folgenden Jahre beruhigte sich die Branche, bis es zu einer erneuten Hedge Fonds-Welle kam, die ebenfalls durch einen Zeitungsartikel ausgelöst wurde und von 1987 bis 1993 andauerte. Auch in den Börsenboomzeiten der 90er-Jahre entstanden eine Reihe von neuen Hedge Fonds, von denen einige traurige Berühmtheit durch spektakuläre Ereignisse (siehe Einleitung) erreichten. 8 Fest steht, dass die Entwicklung der Hedge Fonds Branche sehr wechselhaft und expansiv verlief, was hauptsächlich auf die Marktkonstellation und auch auf die Marktpsychologie zurückzuführen ist.
Bevor der Terminus der Hedge Fonds definiert werden kann, ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass der Begriff „Hedging“ in diesem Zusammenhang sehr missverständlich und eher irreführend verwendet wird. Hedging an sich bedeutet Absicherung und bezieht sich grundsätzlich auf die Verringerung bzw. Eliminierung eines vorhandenen Risikos durch das Eingehen eines kompensatorischen Risikos. 9 Bei einem Hedge Fonds geht es indes weniger um die Absicherung bestehender Wertpapierpositionen als vielmehr um die
6 Vgl. Pichl, A. (2001), S. 1; Blum, C. (2000), S. 247.
7 Vgl. Rutkis, A. (2002), S. 11 f.
8 Vgl. Brown, S. J./Goetzmann, W. N./Ibbotson, R. G. (1999), S. 93 f; Cottier, P. (1998), S. 13 f.
9 Vgl. Schierenbeck, H. (1994), S. 617.
3
Spekulation auf Aktien, Bonds, Zinsen, Währungen oder Rohstoffe. 10 Eine konkrete Definition bezüglich Hedge Fonds ist in der finanzwirtschaftlichen Literatur bisher nicht vorhanden, jedoch werden sie oftmals anhand ihrer folgenden spezifischen Merkmale ausgelegt. Hedge Fonds sind „[a]ll forms of investment funds, companies and private partnerships that
1. use derivatives for directional investing
2. and/or are allowed to go short 3. and/or use significant leverage through borrowing.” 11
2.2 Hedge Fonds-Strukturen
Ein wesentliches Merkmal eines Hedge Fonds ist die Wahl seiner Rechtsform, verbunden mit dem Domizil seiner Verwaltung. Beide Kriterien werden so gewählt, dass der Fondsmanager möglichst wenig durch Regulierungs-, Aufsichts-und Besteuerungsvorschriften behindert wird.
Wie aus Abbildung 1 zu erkennen ist, präferieren 54 % der Hedge Fonds einen Unternehmenssitz in einem der angegebenen „Offshore-Zentren“, lediglich 33 % haben sich in den USA angesiedelt und die restlichen 13 % verteilen sich auf die
10 Vgl. Single, G. L. (2001), S. 240.
11 Vgl. Cottier, P. (1998), S. 17.
4
übrigen Länder. 12 Hedge Fonds in den USA werden in Form einer Gesellschaft amerikanischen Rechts entweder als „Limited Company“ oder weit öfter als „Limited Partnership“ gegründet, die mit der deutschen KG vergleichbar ist. Bei der Letzteren befindet sich der Hedge Fonds sowohl im Besitz des Sponsors (General Partner) als auch im Besitz der Investoren (Limited Partners). Während der Sponsor das Fondsmanagement übernimmt, agieren die Investoren lediglich als reine Kapitalgeber. 13 Der Vorteil dieser Rechtsform liegt darin begründet, dass der Hedge Fonds unter die Ausnahmetatbestände des ICA 1996 fällt, wenn er nicht mehr als 499 Personen einschließt oder alle Partner als „qualifizierte Investoren“ im Sinne des Gesetztes gelten, d. h., dass ihr Anlagevermögen größer als 5 Mio. USD sein muss. Jedoch untersteht der Fonds auch weiterhin der Aufsicht und Kontrolle der SEC. Der ICA 1940 bzw. ICA 1996 beschreibt ähnlich dem deutschen KAGG die Rechte und Pflichten von Investmentgesellschaften, wonach z. B. die FK-Aufnahme, der Leerverkauf von Aktien und der Aktienanteil an anderen Gesellschaften reglementiert ist. Diese begrenzte Regulierung erlaubt den Hedge Fonds eine überlegene und extreme Flexibilität bezüglich ihrer Investment-Optionen. Sämtliche Hedge Fonds, die keinerlei Anlagebeschränkungen unterworfen sind, werden als „Offshore-Hedge Fonds“ bezeichnet und dürfen ausschließlich an Nicht-US-Amerikaner vertrieben werden. Um dem Investorenkreis vorteilhaftere steuerliche Rahmenbedingungen zu verschaffen, haben die meisten amerikanischen Hedge Fonds aber auch Ableger in einer der Offshore-Zentren. 14
Wie bereits erwähnt, ist ein herkömmlicher Hedge Fonds in den USA meist als Limited Partnership aufgestellt. Die Organisationsstruktur kann unter Umständen sehr kompliziert und unübersichtlich werden, da typischerweise sehr viele verschiedene Parteien involviert sind. Eine auf die wichtigsten Akteure beschränkte Übersicht stellt die Abbildung 2 dar. Der Sponsor (General Partner) und die Investoren (Limited Partner) sind Eigentümer des Hedge Fonds, wobei der Sponsor oftmals gleichzeitig als Fondsmanager agiert und somit alle Investmententscheidungen in Eigenregie trifft. 15 Ferner entwickelt er das Fondskonzept, gründet die Gesellschaft, organisiert, vermarktet und verwaltet bis
12 Vgl. Schuhmacher, F. (2001b), S. 279 f.
13 Vgl. Schäfer K. (2001), S. 1006 f.
14 Vgl. Brown, S. J./Goetzmann, W. N./Ibbotson, R. G. (1999), S. 94 f.
15 Vgl. Pichl, A. (2001), S. 43.
5
zu einem bestimmten Ausmaß den Fonds. Als Sponsor können sowohl Vermögensmanager, Broker, Banken, Anlagegesellschaften wohlhabender Familien (family offices), Einzelakteure als auch Limited Partnerships auftreten. Normalerweise investiert der Sponsor selbst einen großen Teil seines Vermögens in den von ihm gemanagten Hedge Fonds und wird mit einer größtenteils variablen und performanceabhängigen Vergütung entlohnt. 16
Verantwortlich für die gesamte Investmentpolitik und die Risikokontrolle ist die Management Company, die sich nicht selten im Besitz des Sponsors befindet. Sie ist für administrative Aufgaben und die Verwaltung zuständig. Ein großer Teil der erhobenen Managementgebühren werden hierfür verwendet. Der Manager wählt und überwacht die einzelnen Händler (individual traders), tauscht Berater aus oder passt die Investitionen an, sofern er dies für notwendig erachtet. 17
16 Vgl. Bekier, M. (1996), S. 124.
17 Vgl. Cottier, P. (1998), S. 69.
6
Der Prime Broker wird für die Beschaffung externer Dienstleistungen und externen Kapitals benötigt. Zu seinen Hauptaufgaben gehört die reibungslose technische Abwicklung der eingegangen Terminkontrakte (Optionen, Futures) des Hedge Fonds und die Übernahme von Kontrolle und Steuerung der Zahlungsströme. Des Weiteren ist er zuständig für die Berichterstattung über die Geschäftsentwicklung des Fonds gegenüber dem Manager. Außerdem deckt er den Bedarf an FK der Hedge Fonds ab und bietet die unterschiedlichsten Alternativen zur FK-Aufnahme an. Prime Broker sind als „back-office“ für die Hedge Fonds Gesellschaften zu verstehen und werden meist als Tochterfirmen von Investmentgesellschaften geführt. 18
Die Aufgaben des Administrators liegen im Bereich der Vermögensverwaltung. Er ist verantwortlich für die Buchführung, die Feststellung des Nettovermögenswertes (NAV), die Berichterstattung, die Vorbereitung des Jahresabschlusses und die Gebührenabrechnung. Je nach rechtlicher Ausgestaltung der Hedge Fonds-Gesellschaft ist der Administrator im gleichen Domizil angesiedelt. Idealerweise sollte er sowohl unabhängig vom Investment-Manager als auch vom Prime Broker sein um im besten Interesse des Anlegerschutzes zu handeln. 19
Als letzte wichtige Partei soll die Custodian oder Depotbank in ihrem Aufgabenfeld bez. Hedge Fonds vorgestellt werden. Sie übernimmt die Koordination der Zahlungsströme bei der Zeichnung und der Einlösung bestimmter Wertpapiere. Außerdem werden von ihr die Prime Broker und Executing Broker kontrolliert, alle Transaktionen festgehalten, die Vermögensgegenstände verwahrt und fällige Zinszahlungen und Margins getätigt. Die Depotbank tritt in vielen Fällen als Knotenpunkt zwischen den Brokern und dem Administrator auf, aber auch in Fragen von Rechtsproblemen im Domizilland bietet sie Unterstützung an. Aufgrund der immer herausragenderen Stellung der Prime Broker und dem teilweise sich überschneidenden Arbeitsfeldern, verliert die Depotbank an Bedeutung und gerät mehr und mehr in den Hintergrund. 20
18 Vgl. Chandler, B. (1998), S. 28.
19 Vgl. Pichl, A. (2001), S. 45.
20 Vgl. Cottier, P. (1998), S. 71.
7
2.3 Hedge Fonds-Strategien
Das Grundprinzip der meisten Hedge Fonds lässt sich durch das Ausnutzen von Marktinsuffizienzen beschreiben, indem der Fondsmanager über- bzw. unterbewertete Vermögenstitel aufspürt und versucht sie gewinnbringend einzusetzen. Um für die Investoren höhere Renditen zu erwirtschaften, verfolgen die Hedge Fonds-Manager sehr heterogene Strategien, die zu einer praktisch unübersichtlichen Vielfalt von Ausprägungen der einzelnen Hedge Fonds in den letzten Jahren geführt haben. Auf Grund der in der Branche typischen Intransparenz bez. der Vorgehensweise des Fondsmanagers ist es sehr schwierig die verfolgten Strategien zu bestimmen und zu beschreiben. Des Weiteren kommt hinzu, dass die Anlagestile in der einschlägigen Literatur sehr unterschiedlich systematisiert werden. 21 Vereinfachend lassen sich zwei Strategieansätze gegenüberstellen, die jedoch das gemeinsame Ziel verfolgen, von vermuteten Fehlbewertungen bei Finanzmarktpreisen zu profitieren. Die erste Strategie setzt dabei auf absolute Preisbewegungen eines Instruments oder Marktes in Erwartung, dass sich Veränderungen in Bezug auf den Emittenten oder die volkswirtschaftlichen Fundamentalfaktoren ergeben. Beispiele hierfür sind die noch genauer vorzustellenden Macro Fonds und Emerging-Markets Fonds oder die auf einzelwirtschaftlicher Ebene agierenden Event-Driven Fonds und Value Fonds. Die zweite Strategie zielt auf relative Preisveränderungen zwischen mehr oder weniger eng verwandten Finanzaktiva ab. Dieser Strategieansatz kann als „Arbitrage in Erwartungen“ angesehen werden und erfolgt, indem der Fondmanager Titel kauft, die er als unterbewertet einschätzt, gleichzeitig jedoch überbewertete Titel verkauft (leerverkauft), so dass im Prinzip immer zwei gegensätzliche Geschäfte abgewickelt werden. Derartige Arbitragemöglichkeiten entstehen z. B. bei unterschiedlichen Preisen von Anleihen auf ihren Kassa- und Futuresmarkt oder auch durch Anomalien in der Zinsstrukturkurve. Vertreter dieser Strategie sind beispielsweise Market-Neutral Fonds oder Short-Selling Fonds. 22 Im Folgenden werden die wichtigsten Formen von Hedge Fonds-Kategorien erläutert. Dabei soll die Systematisierung der Van Hedge Fund Advisor International Inc. verwendet werden. 23 Zuvor soll jedoch die Abbildung 3
21 Vgl. Kayser, J./Steinmüller, J. (2002), S. 1272.
22 Vgl. Dt. Bundesbank (1999), S. 34.
23 Kategorisierung anderer Vertreter z. B. durch: MAR Inc., HFR, CSFB/Tremont.
8
einen Überblick zur Vermögensverteilung der entsprechenden Hedge Fond-Kategorien geben.
Abbildung 3: Relative Anzahl von Hedge Fonds Stilrichtungen
Macro Fonds spekulieren weltweit unter Verwendung von Leverage und Derivaten auf Kursveränderungen von Aktien, Anleihen, Zinsen, Währungen und/oder börsengehandelten Waren (z. B.: Öl, Edelmetalle) in Verbindung mit erwarteten Veränderungen makroökonomischer Daten. Hierbei wird sowohl an etablierten wie auch an Wachstumsmärkten gehandelt. 24 Ein wichtiger Bestandteil der Strategie ist es, potentielle endogene und exogene Gefahrenquellen zu identifizieren, um so nach Eintritt dieser von möglichen marktpsychologischen Schockreaktionen profitieren zu können. 25 Wie in Abbildung 3 zu erkennen ist, sind Macro Fonds gemessen an ihrer Anzahl im Verhältnis zum gesamten Hedge Fonds-Markt eher von geringer Bedeutung. Demgegenüber ist das Volumen des durchschnittlich verwalteten Vermögens signifikant höher als bei Fonds der meisten anderen Strategien. Prominentester Vertreter dieser Kategorie ist der
24 Vgl. Asness, C./Krail, R./Liew, J. (2001), S. 17.
25 Vgl. Single, G. L. (2001), S. 240.
9
legendäre Quantum Fonds von George Soros, der Mitte 2002 eine Marktkapitalisierung von mehr als 3,3 Mrd. US-Dollar hatte. 26
Hedge Fonds, die die Short Selling-Strategie verfolgen, leihen sich von Brokern Wertpapiere, die sie als überbewertet einstufen, verkaufen diese sofort am Markt, in der Hoffnung, sich mit den gleichen Wertpapieren zu einem späteren Zeitpunkt billiger eindecken zu können. 27 Die durch den Verkauf der geliehen Papiere erhaltenen finanziellen Mittel werden zwischenzeitlich meist in festverzinslichen Wertpapieren angelegt und dienen in der Regel auch zur Besicherung der Wertpapierleihe. 28 Diese Strategie ist in besonderem Maße riskant, da sich der „Short Seller“ - gegenüber einem Fonds der ausschließlich Long-Positionen eingeht - der Gefahr eines unbegrenzten Verlustes aussetzt. Bei einer Long-Position kann das Wertpapier oder Underlying lediglich auf den Wert Null fallen, wobei der Käufer maximal den Kaufpreis verliert. Die unbegrenzte Verlustmöglichkeit des Short Sellers kommt dadurch zustande, dass das leerverkaufte Papier entgegengesetzt der vermuteten Richtung nicht fällt, sondern steigt und der Investor sich zu einem theoretisch nach oben unbegrenzt gestiegenen Kurs mit den entliehen Papieren eindecken muss, um den Broker wieder beliefern zu können. Hierfür ist ein besonders sorgfältiges Aktien-Research und Stock-Picking von Seiten des Hedge Fonds-Managers nötig um auch in Zeiten von Bull-Märkten bestehen zu können. 29 Auch wenn die Bedeutung von reinen Short-Selling-Hedge Fonds stark zurückgegangen ist (ca. 1 % siehe Abb. 3), wird das Instrument an sich häufig innerhalb anderer Strategien genutzt.
Manager, die ihren Hedge Fonds auf eine Market Neutral-Strategie ausgerichtet haben, versuchen marktunabhängige Renditechancen (Alphas) 30 zu maximieren und das marktsystematische Risiko (Beta) in allen Märkten auf einen Wert von Null zu bringen. Hierbei wird unter Verwendung von komplexen mathematischen Modellen versucht, Preisineffizienzen ähnlicher bzw. abhängiger Anlageinstrumente zu lokalisieren und davon zu profitieren. Es werden gleichzeitig
26 Vgl. Brown, S. J./Goetzmann, W. N. (2003), S. 101.
27 Vgl. Edwards, F. R./Caglayan, M. O. (2001a), S. 107.
28 Vgl. Dt. Bundesbank (1999), S. 35.
29 Vgl. Chandler, B. (1998), S. 51; Jaeger, Robert A. (2002), S.139.
30 Vgl. Blume, M. (1984), S. 86-92.
10
Arbeit zitieren:
Patrick Witzmann, 2003, Hedge Fonds - Strategien, Risiken und Problemfelder, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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