1
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
1. Der Begriff des Behandlungspfades. 4
1.1. Die Begriffe „clinical“ und „critical“ pathway. 4
1.2. Das Begriffsverständnis im Kontext dieser Arbeit 4
2. Die Ziele des klinischen Behandlungspfades 5
3. Die Untersuchungsthesen 5
4. Betrachtung der internationalen und nationalen Situation bei
Behandlungspfaden an ausgewählten Beispielen 6
4.1. Klinische Behandlungspfade im angloamerikanischen Sprachraum. 6
4.1.1. USA. 6
4.1.2. Australien 6
4.2. Schweiz 7
4.3. Deutschland 7
4.3.1. Pilotprojekt Patientenpfade im Krankenhaus München-Schwabing (KMS) 7
4.4. Zusammenfassung. 8
5. Die Erstellung eines Pfades 8
5.1. Grundlegende Voraussetzungen 8
5.2. Entwurf, Datenerfassung und Analyse 9
5.3. Die Kostenanalyse 11
5.4. Tauschbörse und Clearingstelle 12
5.5. Zusammenfassung. 13
6. Behandlungspfade unter betriebswirtschaftlichen Aspekten 13
6.1. Behandlungspfade und DRG 13
EXKURS 1 15
EXKURS 2 16
6.2. Behandlungspfade und Benchmarking 17
6.3. Behandlungspfade und Controlling 18
6.4. Zusammenfassung. 20
7. Darstellung des Gesamtergebnisses anhand der Untersuchungsthesen. 20
7.1. Klinische Behandlungspfade schaffen Kostentransparenz und sind in
Verbindung mit den DRG ein effektives Managementinstrument 20
7.2. Durch die Einhaltung von klinischen Behandlungspfaden kann die
Verweildauer gesenkt werden 21
7.3. Klinische Behandlungspfade machen erforderliche Ressourcen transparent
21
7.4. Klinische Behandlungspfade machen die Falldokumentation übersichtlich
und somit die Krankenhäuser untereinander vergleichbar 21
Zusammenfassung 22
2
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: PDCA-Zyklus ..................................................................................................10 Abbildung 2: Tabelle Kostenevaluierung...............................................................................11 Abbildung 3: Produktpyramide © Kantonspital Aarau ..........................................................19
Abkürzungsverzeichnis
3
Einleitung
Klinische Behandlungspfade sind ein derzeit im deutschen Gesundheitswesen kontrovers diskutiertes Thema. Besonders Ärzte haben die Befürchtung, durch die Einführung von Be-handlungspfaden in ihrer Behandlungsfreiheit eingeschränkt zu werden. Es ist eine Heraus-forderung für das Management eines Krankenhauses, diese Bedenken zu entkräften und die einzelnen Berufsgruppen an einem Tisch zusammenzuführen, damit sie gemeinsam die effektivste und effizienteste Behandlungsweise für die Patienten erarbeiten. Die Autorinnen halten das Thema „Klinische Behandlungspfade“ für sehr interessant, weil es sowohl unter Management- und Qualitätssicherungsaspekten als auch unter pflegerisch-medizinischen und ethischen Gesichtspunkten betrachtet werden kann. Da zur Zeit der Kostendruck im Ge-sundheitswesen in aller Munde ist, bedienen sich die Autorinnen in dieser Arbeit der ökonomischen Betrachtungsweise. Im Rahmen der Untersuchung werden jedoch immer wieder Schnittstellen zu den anderen Aspekten aufgezeigt, da das Wesen eines Behandlungspfades nur interdisziplinär erfasst werden kann.
Die Leitfrage der Autorinnen ist, ob Behandlungspfade in einem kontinuierlichen Qualitätsverbesserungsprozess Kosten transparent machen und als Instrument zur Kostenreduktion einsetzbar sind. Als Methode wurden Literatur- und Internetrecherche, Expertengespräche und die Teilnahme an Fachvorträgen auf dem Hauptstadtkongress „Medizin und Gesundheit“ 2002 in Berlin angewandt. Das Ziel der Arbeit ist die Darstellung des betriebswirtschaftlichen Nutzens von Behandlungspfaden in Krankenhäusern.
Das Untersuchungsdesign wurde wie folgt gewählt: Aus der Definition und den Zielen von Behandlungspfaden werden Untersuchungsthesen abgeleitet. Diese werden anhand bereits bestehender Modellprojekte und betriebswirtschaftlicher Instrumente überprüft.
4
1. Der Begriff des Behandlungspfades
Behandlungspfade stammen ursprünglich aus dem angloamerikanischen Sprachraum und wurden dort im Rahmen des Case Management 1 eingeführt. Deshalb wird zu Beginn die Herkunft der Pfade und die englischen Begriffe beschrieben.
1.1. Die Begriffe „clinical“ und „critical“ pathway
Sowohl in der englischsprachigen als auch in der deutschsprachigen Literatur werden die Begriffe „clinical“ und „critical“ pathway synonym verwendet. Es wurden unterschiedliche Hinweise auf die Herkunft der Begriffe gefunden. „Die Methode der clinical (critical) pathways (am besten mit >Wegweiser< übersetzt) wird seit den 50er Jahren im industriellen Projektmanagement mit Erfolg eingesetzt. Hier stellt es eine integrative Wegbeschreibung zur Ko-ordination einer Vielzahl paralleler Aktivitäten in einem engen Zeitrahmen dar. Hauptanwendungsgebiete sind Produktion, Konstruktion und Computerindustrie. Die erste Anwendung im Gesundheitswesen fand Ende der 80er Jahre in Boston statt.“ 2 In der betriebswirtschaftlichen Literatur werden „critical“ pathways, („kritische“ Pfade) als eine Phase der Netzplantechnik, einer „Planungstechnik, eingesetzt insbesondere zur Erkennung von zeitlichen Problemen bei der (...) Planung von Abläufen (...)“ 3 beschrieben. Um einen kritischen Pfad handelt es sich hier, wenn die Analyse der Anfangs- und Endzeitpunkte keine Zeitpuffer in den einzelnen Vorgängen aufzeigt 4 , wenn also der kürzeste Weg zwischen Ursprung und Ziel beschritten wird. 5 Kritische Pfade werden aber auch als eine Vorform der „clinical“ pathways, der klinischen Pfade, bezeichnet.
1.2. Das Begriffsverständnis im Kontext dieser Arbeit
Die Qualitätsanforderungen im heutigen Gesundheitswesen verlangen nicht nur einen klaren Zeitablauf, sondern auch klar definierte Ergebniskriterien, die in einem Pfad zum Ausdruck kommen sollten. 6 Ein Kriterium, das eher für den Begriff des „clinical pathway“ also des klinischen Behandlungspfades spricht, ist, dass Patienten bei dem Wort „kritisch“ in Sorge über die Schwere ihrer Erkrankung geraten könnten. Denn die Pfade sollen möglichst patientennah eingesetzt werden, wenn sie nicht sogar im Internet veröffentlicht oder dem Patienten vor oder bei der Aufnahme ins Krankenhaus zur Verfügung gestellt werden. 7 Sollen Behandlungspfade im heutigen Gesundheitssystem zur Anwendung kommen, muss die Definition folglich über den „(...) Plan, der die spezifischen Ereignisse festlegt, die an einzelnen Tagen des stationären Aufenthalts des Patienten eintreten sollen“ 8 hinausgehen. Deshalb werden die Autorinnen die Anforderungen an einen klinischen Behandlungspfad im deutschen Ge-sundheitswesen vorstellen und daraus eine Definition ableiten. Die Anforderungen an einen klinischen Behandlungspfad werden auf der Homepage des St. Vincent’s Hospital in Sydney/Australien, wie folgt, beschrieben:
„Clinical Pathways are multidisciplinary plans of best clinical practice for specified groups of patients with a particular diagnosis that aid the coordination and delivery of high quality care
1 „Case Management ist eine auf den Einzelfall ausgerichtete diskrete, d.h. von unterschiedlichen Personen und in diversen Settings anwendbare Methode zur Realisierung von Patientenorientierung und Patientenpartizipation sowie Ergebnisorientierung in komplexen und hochgradig arbeitsteiligen Gesundheitssystemen.“ - Ewers, M./Schaeffer, D. (Hrsg.) Case Management in Theorie und Praxis, Bern/Göttingen/Toronto/Seattle 2000, S.8
2 Thiemann, Dr. H., Clinical Pathways, Instrumente zur Qualitätssicherung, in: f&w , Jg.13 (1996), Heft 5, S.454
3 Schneck, O., Lexikon der Betriebswirtschaft, 4. Aufl. München 2000 (o.J.), S.675
4 Vgl. ebenda
5 Wöhe, G., Einführung in die allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 20. Aufl. München 2000 (1960), S.451
6 Vgl. Zander, K., Case Management, klinische Pfade und CareMaps£: Stand der Entwicklung und Diskussion in den USA, in: Ewers, M., et al., a.a.O., S.103
7 Vgl. Lesperance, B.J., Interdisziplinäre Versorgungspfade im Akutkrankenhaus, in: Dykes, P.C./Wheeler, K. (Hrsg.), Critical Pathways - Interdisziplinäre Versorgungspfade, Bern 2002, S.103-107
8 Müller, T., Case Management und Critical Pathway, in: Die Schwester/Der Pfleger, Jg. 37 (1998), Heft 6, S.480
5
(…) Clinical Pathways are able to standardise care for 60-70% of patients with a similar diagnosis, procedure or symptom. Clinical Pathways are more easily applied to surgical procedures where the plan of care may span a few hours or days. Some Clinical Pathways may extend to other healthcare facilities such as rehabilitation units or out into the community for continued care. They may even span a lifetime of care in such chronic conditions as multiple sclerosis or congestive heart failure. Clinical Pathways differ from practice guidelines, protocols and algorithms as they are utilised by a multidisciplinary team and have a focus on quality and coordination of care. There are four essential components of a Clinical Pathway: a timeline, the categories of care or activities and their interventions, intermediate and long term outcome criteria, and the variance record (…)” 9
Daraus leiten die Autorinnen folgende Definition ab: Klinische Behandlungspfade sind für ein Krankenhaus interdisziplinär gültige, kleinschrittige Behandlungsabläufe für Diagnosen und Prozeduren, wobei die Behandlung schon vor dem Klinikaufenthalt beginnen und sich auch darüber hinaus erstrecken kann. Klinische Behandlungspfade geben einen genauen Zeitrahmen vor, machen Aussagen über Personal- und Materialbedarf und beinhalten Ergebniskriterien . Sie müssen verbindlich eingehalten werden. Jede Abweichung muss dokumentiert und begründet werden. Idealerweise dienen die Behandlungspfade zugleich als Dokumentations- und Codierungshilfe im Rahmen der DRG und sind in ein hausinternes EDV-System eingebettet. Sämtliche relevanten Daten für z.B. einen Arztbrief oder einen Verlegungsbericht werden durch das System aus der Pfaddokumentation übernommen und müssen dann lediglich ergänzt werden.
2. Die Ziele des klinischen Behandlungspfades
Die Ziele des Case Management und somit auch der Behandlungspfade als Teil des Case Management lauten: „Verbesserung der Patientenversorgung, Kontrolle des Ressourceneinsatzes, Verkürzung der Verweildauer, Erhöhung der Patientenzufriedenheit, Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit.“ 10 Ein weiteres Ziel, von Wuttke als Primärziel der klinischen Be-handlungspfade aufgeführt, „(...) besteht darin, den Patienten evidenzbasierte 11 , qualitativ hochwertige Medizin heimatnah anzubieten und dies auch transparent und überzeugend darzustellen.“ 12 Die Autorinnen sehen auch ein Ziel in der Kostensenkung. Die Kontrolle des Ressourceneinsatzes wird um das Aufspüren und Umwidmen von Ressourcen erweitert. Die genannten Ziele werden allesamt als wichtig erachtet, in dieser Arbeit soll jedoch vorrangig auf die betriebswirtschaftlichen Zielsetzungen Senkung der Kosten, Kontrolle und Einsatzmöglichkeiten von Ressourcen, Verkürzung der Verweildauer und Transparenz eingegangen werden.
3. Die Untersuchungsthesen
Diese Ziele ergeben sich aus den Vorgaben des Gesetzgebers und aus dem Zustand des Gesundheitswesens in Deutschland sowie den sich daraus ergebenden Konsequenzen für Krankenhäuser. Daraus leiten die Autorinnen folgende Untersuchungsthesen ab:
9 http://wwwshv.stvincents.com.au/qi/Clin_Pathway/cp_what.htm, 20.05.2002, Hervorhebung durch die Autorinnen
10 Müller, T., a.a.O., S.478
11 Evidenz Basierte Medizin geht auf den englischen Begriff ‚evidence- based-medicine’ zurück. Es handelt sich hierbei um medizinische Maßnahmen, die durch repräsentative wissenschaftliche Studien belegt sind. Bei der Übersetzung ins Deutsche muss beachtet werden, dass das englische ‚evidence’ (der Beweis), und nicht die deutsche Evidenz (das Offensichtliche) gemeint ist. Deshalb tendieren die Autorinnen dazu, den Begriff nicht einzudeutschen, wollten es jedoch bei dem wörtlichen Zitat belassen.
12 Wuttke, R., Behandlungspfade führen Patienten, Personal und die Klinik zum Erfolg, in: f&w, Jg.19 (2002), Heft 1, S.60
6
• Klinische Behandlungspfade schaffen Kostentransparenz und sind in Verbindung mit den DRG ein effektives Managementinstrument.
• Durch die Einhaltung von klinischen Behandlungspfaden kann die Verweildauer gesenkt werden.
• Klinische Behandlungspfade machen erforderliche Ressourcen transparent.
• Klinische Behandlungspfade machen die Falldokumentation übersichtlich und somit die Krankenhäuser untereinander vergleichbar.
Diese Thesen werden im Laufe der Arbeit untersucht. Zunächst soll jedoch dargestellt werden, was zum Thema Behandlungspfade international und national bereits erarbeitet wurde.
4. Betrachtung der internationalen und nationalen Situation bei Behandlungspfaden an ausgewählten Beispielen
4.1. Klinische Behandlungspfade im angloamerikanischen Sprachraum
4.1.1. USA
Behandlungspfade existieren in den USA seit ca. zwölf Jahren. Sie wurden „von Anfang an als Hilfsmittel zur Forschung konzipiert (...), die (...) eingesetzt werden, um zu bewerten, zu planen, zu intervenieren und zu evaluieren.“ 13 Ursprünglich wurden sie aus dem Zwang zur Kostenersparnis in amerikanischen Gesundheitseinrichtungen entwickelt. Die staatlichen Versicherungsprogramme für Menschen ab 65 Jahren und terminal kranke Menschen konnten nicht mehr bezahlt werden, die Kosten für das Gesundheitswesen mussten gesenkt werden. Daraus ergab sich, dass die Kosten für Behandlungen nicht mehr retrospektiv, sondern prospektiv erbracht wurden. Die Gewinne der Gesundheitseinrichtungen sanken drastisch. Viele Ärzte und Krankenhäuser glaubten, es handele sich nur um einen kurzen Zeitraum, bis das alte System wieder eingeführt würde, weil so die Patienten unterversorgt wären. Andere jedoch waren so weitsichtig, ihre Prozesse zu analysieren und Möglichkeiten zur Vermeidung von Misswirtschaft, zur Kostensenkung und zur Qualitätsverbesserung zu entwickeln. So entstanden im New England Medical Center in Boston/USA die ersten Behandlungspfade. Heute spielen sie eine bedeutende Rolle im amerikanischen Gesundheitssystem, unter anderem auch bei der Qualitätssicherung. 14
4.1.2. Australien
In Australien wurde 1992 mit der Erstellung von Behandlungspfaden im Rahmen der DRG -Einführung begonnen. Die Anfänge zeichneten sich durch Enthusiasmus der Pflegekräfte, aber Skepsis der Ärzte bei der Erarbeitung und Umsetzung der Behandlungspfade aus. Begleitende Studien zeigten jedoch, dass Behandlungspfade die Kosten senken und die Qualität steigern. Außerdem verbesserte sich die Kommunikation unter den beteiligten Berufsgruppen. Die Behandlungspfade werden heute auf die einzelnen DRG bezogen und ange-wandt. 15 Ein exemplarischer Behandlungspfad aus dem St. Vincent’s Hospital in Sydney, der zugleich die Dokumentation umfasst, ist im Anhang 1 dieser Arbeit abgelegt. Er ersetzt nicht die ärztlichen Anordnungen und darf nicht mit einem Pflegeplan kombiniert werden. Die Au-torinnen bewerten den Behandlungspfad als übersichtlich und gut zu handhaben. Jedoch ist er nicht direkt ins deutsche Dokumentationssystem übertragbar, da hier z.B. die Verpflichtung zur Pflegeplanung als Bestandteil der pflegerischen Dokumentation besteht. Auch erachten die Autorinnen eine EDV-gestützte Pfaddokumentation als sinnvoll, wodurch ein höherer Aufwand durch Mehrfachdokumentation vermieden werden kann.
13 Dykes, P.C., et al., a.a.O., S.15
14 Vgl. Dykes, P.C., et al., a.a.O., S.19-31
15 Vgl. http://www.bibliomed.de/ARCHIV/FUW6_00/THEMEN/BRESSLEI.HTM, 13.05.2002
Arbeit zitieren:
Christina Mark, Stefanie Hasselbach, 2002, Die betriebswirtschaftliche Bedeutung von Behandlungspfaden für Krankenhäuser in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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