Geographisches Institut RWTH Aachen Robert Mihelli Merkmale und Klassifikation von Industrieländern 2
Inhaltsverzeichnis
I Einleitung 4
II Merkmale und Klassifikation 5
1. Die begriffliche Bestimmung 5
1.1. Die wirtschaftliche Entwicklung 6
1.2. Bevölkerung 7
1.3. Verstädterung 10
1.4. Verkehr 12
1.5. Umwelt 12
1.6. Wissenschaft und Forschung 14
III Schlußwort 17
Literatur 19
Anhang 20
Geographisches Institut RWTH Aachen Robert Mihelli Merkmale und Klassifikation von Industrieländern 3
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Karte 1 : Das Pro-Kopf Bruttosozialprodukt 1997 6
Karte 2: Anstieg der Verstädterungsraten 1995 2000 10
Tabelle 1: Die Industrialisierung (Auswahl) 5
Tabelle 2: Verdienst der Industrieländer 7
Tabelle 3: Die größten Länder der Welt 2002 8
Tabelle 4: Personenverkehr in Deutschland 1998 12
Tabelle 5: Luftqualität in Großstädten 1992 13
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"Im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts kündigt sich in der industriellen Wirtschaft ein Paradigmenwechsel an. Die Erkenntnis, daß systematische Ressourcennutzung und Naturausbeutung zwar Wohlstandsmehrung ermöglichen, der zunehmende Rohstoff- und Energieverbrauch und die problematischen Reststoffe industriellen Wirtschaftens aber die materiellen Bedingungen und die natürlichen Lebensgrundlagen in Gefahr bringen, führt zu der Notwendigkeit, freiwillige Grenzen des Verbrauchs zu setzen und das Verhältnis von Industrie und Natur neu zu begründen."
Kierdorf, Alexander/Hassler, Uta: Denkmale des Industriezeitalters.
I. Einleitung
Mit Beginn der industriellen Revolution in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die durch die Erfindung von Maschinen, z.B. der Dampfmaschine 1769 durch James Watt, ausgelöst wurde, konnte die Handarbeit durch Maschinen abgelöst werden. Mit der Technisierung des Produktionsprozesses begann das moderne Industriezeitalter, zuerst in England dann mit zeitlichen Verzögerungen auf dem europäischen Kontinent und in der Übersee 1 .
Vom wirtschaftlichen Standpunkt brachte die Industrielle Revolution in erster Linie eine stark gesteigerte Produktivität menschlicher Arbeit. Der Arbeitsprozess wurde durch die Verwendung von Maschinen und neuen Produktionstechniken verbessert. Die industrialisierenden Länder besaßen ein größeres wirtschaftliches Potential. Auf diesem Wege führte volkswirtschaftlich gesehen die Industrialisierung zu einem erhöhten Volkseinkommen dem ein verbesserter Lebensstandard folgte 2 . Gleichzeitig wurden die Mittel für ihren weiteren Ausbau und für die Forschung gewonnen. In ihren Anfängen wurde Industrialisierung mit Armut, traurigen Wohnbedingungen und Krankheit, vor allen Tuberkulose, gleichgesetzt. Im Gegensatz dazu wurde das Leben in der Landwirtschaft als gesund und erstrebenswert gezeichnet. Mit der Zeit erfolgte in dieser Hinsicht ein entscheidender Wandel des Sozialbewusstseins. Die Industrialisierung veränderte im weiteren die Bevölkerungsstruktur, ermöglichte so eine Entlastung der ländlichen Gebiete von einem immer stärker werdenden Bevölkerungsdruck und führte in der Folge zu einer Maßiven Reduktion der im primären Sektor Beschäftigten. Die
1 Vgl. Knox, Paul L. / Marston, Sallie A.: Humangeographie, Heidelberg / Berlin, 2001, S. 81 ff.
2 Vgl. Granados, Gilberto / Gurgsdies, Erik: Lern- und Arbeitsbuch Ökonomie, Bonn, 1990, S. 374.
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Bevölkerung verteilte sich räumlich anders, es entstanden Zentren der Industrie und des Handels. Die Entwicklung des Welthandels zeigt immer deutlicher, dass die Haupthandelsströme immer stärker zwischen den Industrieländern zu fließen begannen und heute gegenüber jenen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern bei weitem den Vorrang beanspruchen. Beobachtungen dieser Art drängen zu einer Gruppierung der Industrieländer in solche, die aufbauend auf selbständiger Forschung die Industrialisierung immer weiter entwickeln und jener andern, die einfach bekannte Prozesse übernahmen. Aus diesen Grunde könnten auch die Ausgaben für industrielle Forschung oder die Zahl der Erfindungen und der gelösten Patente wichtige Indikatoren für die Industrialisierung und vor allem für deren Charakter bilden.
Über die Merkmale der Industrieländer und deren Klassifikationen beschreibe ich die Formen, Elemente und Auswirkungen, beschäftige mich weiterhin mit der Entwicklung der Industrieländer und versuche in einem kleinen Rahmen ein brauchbares Bild zu skizzieren.
II. Merkmale und Klassifikation
1. Die begriffliche Bestimmung
Das Wort »Industrie« kommt ursprünglich vom lateinischen »Industria«, von welchem sich der Begriff ableitet und dauernde Eingabe an irgend eine Tätigkeit bedeutet 3 . In englischer Sprache
findet man heute noch das Wort »industrious« für sämtliche Vorgänge gebraucht, bei denen Rohstoffe verarbeitet und Güter erzeugt werden. Im Deutschen dagegen ist der Begriff »Industrie« in der Regel auf jene Verarbeitungsvorgänge beschränkt, bei denen Maschinen und moderne Arbeitsmethoden eingesetzt werden.
Diese und andere Verschiedenheiten können bei der Verwendung fremdsprachiger Literatur und Statistiken Missverständnisse verursachen. Wenn man den Begriff historisch und wirtschaftlich fasst, bezeichnet er eine wirtschaftsgeschichtliche Entwicklung, durch welche die menschliche Tätigkeit in ganz neue Richtungen gelenkt und die Produktion in nicht vorauszusehender Weise erhöht wurde. Diese "Industrielle Revolution" setzte in einigen europäischen Ländern schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein.
3 Vgl. Duden: Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter, Manheim und Leipzig, 1994, S. 116.
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1.1. Die wirtschaftliche Entwicklung
Die Wirtschaft ist die Gesamtheit aller Einrichtungen, Maßnahmen und Vorgänge, die mit der Produktion, dem Handel und dem Konsum von Waren bzw. Gütern in einen Zusammenhang stehen. Die Industrieländer weisen einen hohen Wirtschaftskomplexitätsgrad auf. Sie sind charakteristisch für die enge Verknüpfung von wirtschaftlicher Entwicklung und sozialem Wandel. Die wirtschaftliche Entwicklung wird häufig am Niveau und Veränderungen des Wohlstandes gemessen. Auf globaler Ebene wird die wirtschaftliche Entwicklung meist anhand ökonomischer Indikator wie zum Beispiel Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Bruttosozialprodukt (BSP) gemessen. Das Bruttoinlandsprodukt ist Maßstab für den jährlichen Wert sämtlicher Güter und Dienstleistungen eines Landes innerhalb einer Periode. Es umfaßt alle von In- und Ausländern in den einzelnen Wirtschaftsbereichen innerhalb der Landesgrenzen erstellten und zu Marktpreisen bewerteten Waren und Dienstleitungen. Das Bruttosozialprodukt umfaßt neben dem BIP auch die im Ausland erwirtschafteten Einkommen. In den meisten Industrieländern lag das Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt über 20.000 US-Dollar.
Die Karte zeigt das Wohlstandsgefälle zwischen den Ländern des Zentrums und der Peripherie. In den USA, Norwegen und der Schweiz liegt das Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt über 20.000 US-Dollar, und in Haiti, Indonesien und Mali nicht mal 3.500 US-Dollar. Der Durchschnitt lag 1997 bei 6330 US-Dollar.
Quelle:
Buckminster Fuller Institute: Kartenprojektion -- Pro-Kopf-BSP 1997, online im Internet
Das moderne Weltsystem besteht aus einem Netzwerk politischer Staaten, die in einem wirtschaftlichen Wettbewerb stehen. Jeder Staat versucht positiv den globalen Markt zu nutzen und sich gleichzeitig vor negativen Auswirkungen dieses Marktes zu schützen. Zur eigenen
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Sicherheit verfolgen Staaten meistens drei Strategien: 4
1. Territoriale Expansion;
2. Verzerrung der Märkte zugunsten heimischer Produzenten und/oder Konsumenten;
3. Entwicklung einer Infrastruktur zur Mobilisierung einheimischer Ressourcen.
Jeder Staat hat ökonomische Strukturen, die in primäre, sekundäre, tertiäre und quartäre Wirtschaftsbereich unterteilt sind. Als primären Sektor versteht man wirtschaftliche Faktoren im Bereich Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Bergbau. Sekundärer Faktor ist der Wirtschaftsbereich, der das warenproduzierende und verarbeitende Gewerbe umfasst. Verkauf und Tausch von Gütern und Dienstleistungen gehören zu tertiären Sektor und Produktion, so wie die Verwaltung und Vermittlung von Informationen und Wissen zum quartären Sektor.
Vom gesamten erwirtschafteten Verdienst der Industrieländer fällt proportional der größte Anteil auf die Dienstleistungen, gefolgt von dem Bereich Industrie; den kleinsten Anteil nimmt die Wirtschaft ein.
Technologische Fortschritte in der Energiewirtschaft, im Transportwesen und in Produktionsprozessen sind zu den wichtigsten Katalysatoren bei der Veränderung des wirtschaftlichen Entwicklungsmuster geworden. Das führte zu einer sukzessiven Expansion der Wirtschaftstätigkeit in Raum und Zeit. Die Globalisierung der Weltwirtschaft und Internationalisierung der Finanzsysteme, zusammen mit dem Einsatz der neuen Technologien und der Vereinheitlichung der Verbrauchermärkte ermöglichten eine internationale Arbeitsteilung. Dies verursachte auch eine größere Mobilität der Bevölkerung.
1.2. Bevölkerung
Schon am 12. Oktober 1999 gab das Bevölkerungsbüro der Vereinten Nationen bekannt, dass die Weltbevölkerung Sechs Milliarden Mark erreicht habe 5 . Immer wieder fragen sich
4 Vgl. Knox, Paul L. / Marston, Sallie A.: a.a.O., S. 323 ff.
5
Vgl. Vereinte Nationen: Das Bevölkerungswachstum, online im Internet
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Wissenschaftler und Politiker wie viele Menschen kann die Erde ausreichend mit Nahrung, Wasser, reiner Luft und anderen notwendigen Ressourcen versorgen, um ihnen ein glückliches, gesundes und zufriedenes Leben zu ermöglichen. Als der Kapitalismus in 15. Jahrhundert in Europa entstand, wies die Weltbevölkerung hohe Geburtenrate, hohe Sterberate und eine geringe Mobilität auf. Und heute hat sich in den meisten Industrieländern das Bevölkerungswachstum stark verringert, einige Staaten verzeichnen sogar schon eine Bevölkerungsabnahme. Die Verteilungsmuster der Bevölkerung können sehr unterschiedlich sein und werden von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst.
Der größte Teil der Weltbevölkerung drängt sich auf nur zehn Prozent der Festlandsfläche, vor allen in Küstennähe sowie an Seen oder schiffbaren Flüssen. Ungefähr 90 Prozent aller Menschen leben nördlich des Äquators, wo sich der größere Teil der Landmaßen befinden. Die Bevölkerungsdichten werden mit verschiedenen Maßzahlen beschrieben. Die am häufigsten gebrauchte derartige Maßzahl ist die rohe Bevölkerungsdichte, die zeigt Gesamtzahl der Bevölkerung einer Raumeinheit dividiert durch deren Gesamtfläche. 6
Quelle: Population Reference Bureau: Die größten Länder der Welt, online im Internet
Die Altersstruktur der Bevölkerung eines Gebietes ergibt sich aus der Relation von Geburten-und Sterberate, wenn man von anderen Faktoren wie den Zu- und Abwanderungen oder Kriegen absieht. Bevölkerungsstruktur wird mit einem nach Alter und Geschlecht gegliedertes Balkendiagramm dargestellt. Je nach Altersstruktur des Bevölkerung ergeben sich geometrische Figuren, deren drei Grundformen Pyramide, Glocke, Urne als Maß und Muster der Bewertung von Altersstruktur benutzt werden. Die Pyramide mit breiter Basis drückt aus, dass jeder Jahrgang Neugeborener größer ist als der vorhergegangene, es handelt sich um eine sich
6 Vgl. Knox, Paul L. / Marston, Sallie A.: a.a.O., S. 123-127.
Quote paper:
Robert Mihelli, 2003, Merkmale und Klassifikation der Industrieländer, Munich, GRIN Publishing GmbH
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