2. Frauen, Arbeit, Beruf
2.1 Megatrend Frauenerwerbstätigkeit
Nachdem sich die Frauen i hr Recht auf Berufs- und Erwerbstätigkeit in der Gesellschaft erkämpft haben, werden sie von dieser zwar akzeptiert, dafür wird ihre Benachteiligung im Berufsleben aber um so deutlicher: die meisten Frauen gehen Beschäftigungen mit geringer Qualifikation, geringer Bezahlung und geringen Aufstiegschancen nach. Diese ‚typischen Frauenberufe‘ sind z.B. Sekretärin, Verkäuferin, Krankenschwester oder auch Putzfrau. In gut bezahlten Berufen mit höherer Qualifikation ist bisher nur ein kleiner Frauenanteil zu verzeichnen. Hinzu kommt häufig eine Doppelbelastung berufstätiger Frauen durch Haushalt und Kinder: 90% der Kinder unter 15 Jahren werden von ihren Müttern versorgt, im Gegensatz dazu nehmen weniger als 1% der Väter kleiner Kinder Erziehungsurlaub in Anspruch.
Zwar hat sich die Zahl der selbständig berufstätigen Frauen in den letzten 15 Jahren fast verdoppelt, trotzdem haben sie nicht die gleichen Chancen im Berufsleben wie die Männer: durch Schwangerschaft und Betreuung der Kinder stehen sie dem Arbeitgeber nicht mehr uneingeschränkt zur Verfügung, geben ihr Berufsleben zugunsten der Familie häufig ganz auf und finden oft nicht zurück in die Berufstätigkeit, haben also auch keine Chance mehr auf eine eigene Karriere.
Im Bezug auf die Qualifikation sind die Frauen den Männern zwar noch unterlegen und müssen, wenn sie nicht in den weniger attraktiven Berufen verbleiben wollen, Ausbildungsniveau und Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen verstärken. Doch gerade bei den jüngeren Frauen zeichnet sich eine Wende ab: diejenigen unter 35 Jahren sind -mit steigender Tendenz- annähernd so gut qualifiziert wie die Männer. Auf längere Sicht könnten sie sie sogar nicht nur ein-, sondern sogar überholen.
So sind z.B. 44% (mit Tendenz zur 50%-Marke) aller Studienanfänger Frauen, in den Geisteswissenschaften liegt ihr Anteil sogar bei 80%.
Die z.Zt. zunehmende Erwerbsorientierung der Frauen ist durch mehrere, z.T. miteinander verschränkten Faktoren wie
gestiegenes Selbstbewußtsein und Wunsch nach materieller Unabhängigkeit (Siche rung der - eigenenExistenz) Wunsch nach persönlicher Entfaltung -
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steigendes Ausbildungs- und Qualifikationsniveau - Unzufriedenheitmit der traditionellen Frauenrolle und sinkenden Kinderzahlen - begründetund wird ergänzt durch die günstigeren Erwerbschancen im expandierenden Dienstleistungssektor.
2.2 Frauenerwerbsquote
Obwohl Frauen den größten Teil der Bevölkerung ausmachen, gehen in den meisten Ländern weniger als die Hälfte der Frauen einer Erwerbstätigkeit nach. Besonders in Bezug auf Ausbildung, Bezahlung und Besetzung von leitenden Positionen sind die Chancen der Frauen im Vergleich zu denen der Männer gering.
Der internationale Vergleich zeigt, dass die Frauenerwerbsquote in Deutschland z.Zt. relativ niedrig ist: sie liegt bei 44% (West = 40%, Ost = 47%) im Gegensatz zu z.B. Skandinavien mit einer Spitzenquote von 65 - 70% (Wilke 1999, S. 226).
Um die deutsche Frauenerwerbsquote an den internationalen Durchschnitt anzupassen, muß u.a. die Arbeitszeitverkürzung und -flexibilisierung für die männlichen E rwerbstätigen verstärkt werden. Z.B. liegt die Teilzeitquote der Frauen in Deutschland z.Zt. bei 36,4%, die der Männer nur bei 4%. D.h., 36,4 % der erwerbstätigen Frauen sind teilzeitbeschäftigt, aber 87% aller Teilzeitarbeit entfällt auf die Frauen!
Jedoch steigt die Erwerbsquote der Frauen stetig an; in den vergangenen zwei Jahrzehnten nahm sie um ca. 14% zu, die der Männer sank dagegen um 4%!
Die höhere Beteiligung der Frauen am Erwerbsleben wird zur Folge haben, dass sich die Gesamtarbeit, die aus Erwerbs- und Haus-/Familienarbeit besteht, zwischen Männern und Frauen verschieben wird.
Auch werden sich Arbeitgeber bzw. Unternehmen auf eine steigende Frauenerwerbsquote und damit an die speziellen Bedürfnisse erwerbstätiger Frauen einstellen müssen. Denn über die Hälfte der Frauen im mittleren Alter, die neu ins Berufsleben einsteigen, hat Familie und betreuungsbedürftige Kinder.
Einige „familienfreundliche“ Unternehmen bieten den bei ihnen beschäftigten Frauen schon Untersützung bei der Organisation der Gesamtarbeit in Form von z.B. Unternehmenskindergärten, Geburtenbeihilfen, flexibler Teilzeitbeschäftigung und Wiedereinstellungsgarantien für Eltern nach ihrem Erziehungsurlaub.
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Arbeitgeber, die Wert auf die Mitarbeit von qualifizierten Frauen legen, werden in Zukunft noch verstärkt auf die Bedürfnisse von Frauen mit Familien eingehen müssen, besonders in Form von Arbeitsplatzmodellen, die genügend Flexibilität in Bezug auf Beruf und Kinderbetreuung bieten (Willke 1999, S. 227-229).
2.3 Heimarbeit und Eigenarbeit zu Hause
Eine traditionelle Form der Erwerbstätigkeit von Frauen ist die Heimarbeit. Sie bringt einige Vorteile mit sich, da die Arbeitszeit häufig flexibel gestaltet werden kann und betreuungsbedürftige Kinder in ihrer gewohnten Umgebung und unter Aufsicht der Mutter verbleiben können. Sie ist aber auch mit Nachteilen verbunden: Arbeitsmittel (z.B. PC, Kommuniktionsmittel, Kopierer usw.) müssen auf eigene Kosten - angeschafftwerden.
Oft werden akkordartige Leistungen abverlangt. - Eswird die Abrufbarkeit der Frauen verlangt, woraus für sie eine eingeschränkte - Zeitautonomieresultiert. Häufig entfallen Pausen- und Urlaubsansprüche. - Sozialversicherungenbestehen nicht oder nur eingeschränkt. - Esgibt weder Aus- noch Weiterbildung. - Esbesteht die Gefahr der Isolation durch fehlenden Kontakt zu Kolleginnen. - WennKinder vorhanden sind, wird die Arbeit oft auf den späten Abend oder die Nacht - verlegt.
Eine eventuelle Lösung dieser Probleme für betroffene Frauen könnte eine regionale Zusammenfassung von Heimarbeiterinnen in sog. ‚dezentralisierten Nachbarschaftsbüros‘ sein. Ein vorbildliches Beispiel ist das ‚Zentrum für Telearbeit‘ in Castelmoronsur-Lot in Frankreich, in dem Frauen in flexibler Teilzeitarbeit von ca. 6 Stunden täglich Sekretariats-Arbeiten leisten. Die Kunden senden ihre Arbeitsaufträge -rund um die Uhr- per Fax oder Email und bekommen diese nach Erledigung auf dem gleichen Weg zurück. Dieses Modell strebt -im Gegensatz zum Outsourcing von Heimarbeiten- die Ganzheitlichkeit von Wohnen, Arbeiten, Erziehung, Pflege etc. an. Am Beispiel Pflege zeigt sich, dass die überwiegend ausgelagerte und professionalisierte Variante die kostenintensivere
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Arbeit zitieren:
Kerstin Schulte, 2001, Brennpunkte zukünftiger Arbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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