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Inhalt
1. Einleitung 3
2. Erste Versuche der Analyse 4
3. Das Überlebenden-Syndrom - Die Charakter des Traumas 6
4. Der Pfandleiher 9
5. Analyse von Sol Nazerman 11
6. Fazit 14
Literatur 16
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1. Einleitung
Nach dem zweiten Weltkrieg waren die Juden ein zerrissenes Volk. 6 Millionen Juden waren unter dem Nazi-Regime Hitlers umgebracht worden. Die Überlebenden des Nazi- Terrors hatten oftmals schwerwiegende physische und psychische Folgen davon getragen, waren verbittert und heimatlos. Es gab in Europa über sieben Millionen „displaced persons“ (DPs), die, aus den Konzentrationslagern befreit, wieder eingebürgert werden mussten. Viele von ihnen waren bestürzt, dass sowohl die USA als auch Großbritannien wenig dazu beigetragen hatten, um die systematische Vernichtung zu stoppen.
Auch nach dem zweiten Weltkrieg änderte sich zunächst nur wenig; das Problem der europäischen Juden wurde oftmals ignoriert oder nicht thematisiert. Die Überlebenden der Konzentrationslager hatten nach dem Wunder der Befreiung auf die Möglichkeit gehofft, überallhin emigrieren zu können und willkommen geheißen zu werden. Stattdessen wurden zunächst sie in Auffanglager (DP- Lager) gebracht und der Weg in die Zukunft war ihnen versperrt. Viele wollten nach dem Krieg in ihre Heimat zurückkehren, fanden dort aber nichts als Zerstörung und Verwüstung vor. Oftmals wurden sie sogar feindselig aufgenommen. Einige Überlebende, die versuchten, nach Palästina auszuwandern, wurden auf Zypern aufgehalten und in Lagern interniert. Die meisten europäischen Juden mussten in fremden Ländern neue Sprachen lernen und mit ungewohnten Situationen in neuen Kulturkreisen umgehen. Selten gab es intakte Familien aus der alten Welt, so dass neue Kontakte geknüpft werden mussten. Viele Familien klammerten sich aneinander und schufen in einer fremdem Umwelt, die ihnen vielfach bestenfalls mit einer ambivalenten Mischung aus Ehrfurcht und Misstrauen begegnete, neue Ghettos in der Hoffnung, ihren ursprünglichen Sozialverband wieder herstellen zu können. Über die Geschehnisse des Holocaust wurde meist geschwiegen.
Im Folgenden werden die Ergebnisse der ersten Psychoanalysen, die bei Überlebenden des Holocaust angestellt wurden, beschrieben. Hierbei wird
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Bezug genommen auf das Buch „Kinder der Opfer - Kinder der Täter“, das 1982 unter dem Titel „Generations of the Holocaust“ erstmals erschien. Im zweiten Teil dieser Arbeit wird der Protagonist des Films „Der Pfandleiher“ von Sidney Lumet basierend auf den beschriebenen Ergebnissen und anhand ausgewählter Beispiele aus dem Film analysiert, beziehungsweise Aspekte der Handlung interpretiert.
2. Erste Versuche der Analyse
Nahezu für ein ganzes Jahrzehnt nach der Beendigung des Krieges wurde über die Erlebnisse aus der Zeit des Holocaust geschwiegen. Individuelle und kollektive Abwehrmechanismen wurden aktiviert, um die traumatischen Erfahrungen zu verdrängen. Niemand, auch kein Therapeut, der den Holocaust selbst überlebt hatte, konnte und sollte in der Lage sein, die Überlebenden zu verstehen. 2 Dementsprechend schwierig war es, Analysen und Therapien für Überlebende bereitzustellen, zumal in der Wissenschaft der Psychologie noch nie ein ähnlich massives Trauma untersucht worden war.
Obwohl es historische Quellen über andere organisierte Genozide gibt, lagen der Wissenschaft keine vergleichbaren psychoanalytischen Daten im Zusammenhang mit der organisierten Planung der Vernichtung eines ganzen Volkes vor. In diesem Fall litt fast eine ganze Volksgruppe unter einem geballten Komplex psychopathologischer Folgeerscheinungen. Den
1 Bergmann, Martin S./ Jucovy, Milton E./ Kestenberg, Judtih S.: Kinder der Opfer - Kinder der Täter. Psychoanalyse und Holocaust, Frankfurt a. M. 1998, S. 25.
2 Vgl. Bergmann/ Jucovy/ Kestenberg: S. 25.
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Therapeuten und Analytikern, die sich mit den Überlebenden beschäftigen wollten, wurde mit viel Argwohn begegnet. Keiner wollte nach dem erlebten Trauma des Terrors einer Konzentrationslagerinhaftierung auch noch sein Innerstes preisgeben, keiner wollte das Gefühl haben, sich noch verletzlicher zu machen. Deutschen Psychoanalytikern, die oftmals mit den Lagerärzten verwechselt oder mit ihnen auf eine Stufe gestellt wurden, hatten ohnehin Schwierigkeiten, Vertrauen zu einem Patienten aufzubauen und dessen Erlebtes zu analysieren.
Es gelang schließlich vor allem in den USA, erste Analysen von Überlebenden anzustellen. Die Ergebnisse von ersten Untersuchungen, die 1967 auf dem Kopenhagener Psychoanalytischen Kongress zusammengetragen wurden, ergaben bei den Patienten in allen Fällen eine bleibende Ich-Verletzung in Form einer Veränderung der persönlichen Identität. Es wurden auch bestimmte klinische Merkmale festgestellt, die Ähnlichkeiten mit psychotischen Krankheitsbildern aufwiesen.
Uneinigkeit bestand zwischen den Wissenschaftlern in der Frage, ob die frühere Persönlichkeit eine Rolle spiele und somit auch, wie eine Therapie auszusehen habe. So gab es die Auffassung, man müsse den Überlebenden im Ungang mit Aggressionen helfen, da einige Wissenschaftler, allen voran De Wind (1968), der Ansicht waren, dass auffallend häufig zu beobachtende chronische Depression sowie die zahlreichen somatischen Erkrankungen auf abgewehrte Feindseligkeit zurückzuführen sei und zudem die Gefahr bestünde, dass Überlebende ihre Aggressionen gegen ihre eigenen Kinder richten könnten. Andere Wissenschaftler vertraten die Meinung, dass es die wichtigste Aufgabe des Therapeuten sei, den Überlebenden das Gefühl und den Ausdruck von Trauer zu ermöglichen, während wieder andere eine Reaktivierung des Phantasielebens für therapeutisch sinnvoll hielten, da Phantasien häufig durch Erinnerungen verdrängt worden waren. 3 Die Suche nach den Möglichkeiten
3 Vgl. Bergmann/ Jucovy/ Kestenberg: S. 30.
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2001, Analyse eines Holocaustopfers, Munich, GRIN Publishing GmbH
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